QWERT


  • erzählt und mit zahlreichen Illustrationen versehen von Walter Moers
  • PENGUIN Verlag, November 2025 www.penguin-verlag.de
  • gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
  • Erstauflage mit Kopffarbschnitt
  • 592 Seiten mit Lesebändchen
  • 70 s/w Abbildungen
  • 42,00 € (D), 43,20 € (A), 54,90 sFr.
  • ISBN 978-3-3288-604

QUERVERWEIS

Hier entlang zu meinen vorhergehenden Moers-Mythenmetz Rezensionshuldigungen:

1. ZAMONIEN-Roman: Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär
2. ZAMONIEN-Roman: Ensel & Krete Ensel & Krete
3. ZAMONIEN-Roman:RUMO RUMO
5. ZAMONIEN-Roman: Der Schrecksenmeister Der Schrecksenmeister
7. ZAMONIEN-Roman: Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr
8. ZAMONIEN-Roman: Weihnachten auf der Lindwurmfeste
Weihnachten auf der Lindwurmfeste
9. ZAMONIEN-Roman: Der Bücherdrache Der Bücherdrache
10. ZAMONIEN-Roman: Die Insel der Tausend Leuchttürme
Die Insel der Tausend Leuchttürme
11. ZAMONIEN-Buch: Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte, 20 zamonische Flabeln Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte
12. ZAMONIEN-Roman: QWERT, Ein Prinz-Kaltbluth-Roman in 43 Aventiuren (PHANTASTIK, ROMAN) QWERT

Das Nibelungenlied

  • Neu erzählt von Franz Fühmann
  • Mit Bildern von Dieter Wiesmüller
  • DTV Hanser 1. Auflage März 2006/10. Auflage 2023 www.dtv.de
  • Klappenbroschur
  • Fadenheftung
  • 224 Seiten
  • Format: 21 x 13,5 cm
  • 17,00 € (D), 17,50 € (A), 22,90 sFr.
  • ISBN 978-3-423-62258-5
  • Jugendbuch ab 12 Jahren
  • In Anbetracht des hohen literarischen Niveaus und der kulturhistorischen Bedeutung ist diese Lektüre auch durchaus für erwachsene Leser, Germanistikstudenten und Liebhaber der deutschen Sprache wohlgeeignet.

ÜBERMÜTIG  MÄCHTIG

Rezension von Ulrike Sokul ©

In meiner Kindheit wurde ich vielsaitig mit Märchen und Sagen lesegefüttert – nur die Nibelungensage kam zu kurz. Dies ist umso erstaunlicher, da ich doch immerhin zehn Jahre auf einer Kriemhildenstraße gewohnt habe. Diese germanische Lektürewissens-lücke habe ich nun mit der Nacherzählung des Nibelungenliedes von Franz Fühmann geschlossen.

Aufgeteilt in 39 Kapitel erzählt der Autor sinnlich anschaulich und edelsteinfunkelnd sowie ergreifend von übermütigen Helden und edlen Herrschern, von schönen, stolzen Frauen, kühnen Rittern, unermüdlichen Schwertkämpfen, üppigen Festen, von Liebe und Haß, unglaublichen Goldschätzen, magischen Hilfsmitteln (Tarnhaut, Kraftgürtel), Treue, Ehre, Verrat, Rache und unverzeihlichem Blutvergießen.

Jedem Kapitel ist ein Vierzeiler auf Mittelhochdeutsch vorangestellt, der eine kleine Ahnung der melodischen Reimmagie des originalen Nibelungenliedes vermittelt. Franz Fühmann verleiht seiner spannenden Nacherzählung einen getragenen Tonfall, mit feierlichen Dialogen und Anreden wie „vieledle Ritter“, „vielliebe Schwester“, „viellieber Gemahl“ und weiteren recht poetischen Formulierungen. So beschreibt etwa Hagen den Ort, an dem Siegfried seinen Hort (Hort in der Bedeutung von geheimem Schatz) vergraben hat, folgendermaßen:

»In einem Berg hinterm Eisland im nördlichsten Norden, wo die Sonne nicht scheint und die Erde nicht grünt…« (Seite 14) oder die zärtliche Annäherung zwischen Dietlind und Giselher:

 »Zum Abschied küsste sie ihn auf den Mund; Süßeres war ihm von einer Frau noch nicht gewährt worden, und Süßeres war ihm auch nicht mehr vergönnt. « (Seite 163)

Nach der Lesebekanntschaft mit Kriemhild und Siegfried, Brünhild und Gunther und Hagen von Tronje ist man recht froh, diesen überwiegend machtbesessenen, rachsüch-tigen und emotional extrem unbeherrschten Charakteren nur in Buchform und nicht leibhaftig begegnet zu sein. Aus Sicht unserer Zeit, in der es vor maßlosen einklagbaren gesellschaftlichen Sensibilitätsansprüchen und Rücksichtnahmen wimmelt (man bedenke nur die gelegentlichen Triggerwarnungen für Klassiker der Weltliteratur), ist die Epoche dieser Heldensagen wild, unzivilisiert und von überwältigender archaischer Unmittelbarkeit.

Gleichwohl sollte man archetypische, literarische Charaktere nicht mit heutigen Moral-vorstellungen messen, sondern sie gewissermaßen als charakterstarke Zeitzeugen ihrer eigenen Epoche akzeptieren. Immerhin schimmert zwischen den Zeilen dieser schwert-schwingenden, kriegerischen, patriarchalen, stammes- und feudalgesellschaftlichen Machtkämpfe hier und da bei einigen Protagonisten auch der echte Wunsch nach Frieden, Versöhnung und christlich inspiriertem Mitgefühl durch. Wie sagte doch der Historiker Leopold von Ranke so treffend: „Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott, und ihr Wert beruht gar nicht auf dem, was aus ihr hervorgeht, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem Eigenen selbst.“

Mit dieser gelungenen Nachdichtung des Nibelungenliedes erlesen wir uns ein wichtiges Stück deutscher Kulturgeschichte.

Die Illustrationen von Dieter Wiesmüller spiegeln die Faszination und emotionalen Abgründe der Nibelungensage mit ausdrucksvoller Dramatik wider.

PS:
Einige Fußnoten, welche die verwendeten alten Bezeichnungen für Stoffe und Waffen kurz erklären, wären meiner Ansicht nach sinnvoll gewesen. Es ist wohl kaum zu erwarten, daß Begriffe wie „Feh“ (graues Eichhörnchen-Winterfell), „Pfellel“ (schwerer, orientalischer Seidenstoff), „Sigelat“ (zweifarbiger Stoff, der mit Gold- oder Silberfäden durchwebt ist) sowie „Ger“ (germanischer Wurfspieß) und „Brünne“ (Kettenpanzer-hemd) außerhalb der Mittelalterfangemeinde allgemeinverständlich sind.

Hier entlang zum  Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/das-nibelungenlied-62258

Der Nachdichter:

»Franz Fühmann, am 15. Januar 1922 in Rochlitz/Riesengebirge geboren, gehörte zu den bedeutendsten Schriftstellern Nachkriegsdeutschlands. Neben Erzählungen, Essays, Novellen, Gedichten sowie Kinderbüchern verfasste Fühmann zahlreiche Nachdichtungen. Zu den vielen Auszeichnungen seines Schaffens zählen der Heinrich-Mann-Preis und der Geschwister-Scholl-Preis. Er starb am 8. Juli 1984 in Berlin.«

Der Illustrator:

»Dieter Wiesmüller, geboren 1950 in Hamburg, ist Illustrator, Umschlaggestalter für Bücher, Zeitschriften und Magazine und einer der großen deutschen Bilderbuchkünstler. Mit seinen Illustrationen sind in der Reihe Hanser bisher erschienen: „Die Abenteuer des Odyseuss“, neu erzählt von Bernard Evslin, sowie „Die Norddeutschen Sagen“, neu erzählt  von Katherina Neuschaefer,«

Im Schnee

UNAUSGESPROCHENE  LIEBE

Rezension von Ulrike Sokul ©

Der Roman „Im Schnee“ erzählt mit leiser Eindringlichkeit und bewundernswerter literarischer Einfühlsamkeit von einer dörflich-ländlichen Lebensweise, die im Aussterben begriffen ist, und von einer wortlosen Liebe, die zwar tief empfunden, aber niemals ausgelebt wurde.

Max, der sein gesamtes Leben im Dorf verbracht hat, schaut vom Fenster auf seine ver-schneiten Apfelbäume und erinnert sich an den Schorsch, der sich seit mehr als einem halben Jahrhundert jeden Herbst stets einen guten Vorrat Äpfel bei ihm abgeholt hat. Schorsch und Max kannten sich seit ihrer Kindheit und hatten sich auf ihre männlich- wortkarge Art sehr gut miteinander verstanden. 

Doch nun läutet das Totenglöckchen für Schorsch, und Max bereitet sich darauf vor, an der Totenwacht teilzunehmen. Nicht ohne Wehmut tauchen vor Maxens innerem Auge vergangene Szenen aus dem freundschaftlich-nachbarlichen Alltagsleben mit Schorsch auf: gemeinsame Arbeiten mit Holz, die Reparatur von Motoren, familiäre Feste, gemüt-liche gemeinsame Nickerchen auf Maxens breiter Chaiselongue und stille, beinahe heilige Augenblicke, in denen sie der Natur gelauscht haben.

Schorsch hatte geheiratet, und Max war alleine geblieben. Max sei mit seinen Motoren verheiratet, hieß es im Dorf. Schorschs Frau mochte den Max gern und störte sich nicht an der Männerfreundschaft. Sie hatte doch auch eine ebenfalls unverheiratete beste Freundin im Dorf, mit der sie viel Zeit verbrachte.

Während der Totenwacht betrachtet Max in Rückblenden nicht nur sein Leben, sondern auch die Veränderungen der dörflichen und landwirtschaftlichen Daseinsbedingungen, das Schwinden einst selbstverständlichen Handwerks (Schmied, Schuster, Wagner, Korbflechter), selbst einen Bäcker, Metzger oder Einkaufsladen gibt es im Dorf nicht mehr, und von einst drei Wirtshäusern ist nur noch eines übrig geblieben.

Jeder weitere Teilnehmer an der Totenwacht bringt Anekdoten aus dem Leben von Schorsch mit, nebst der durchwegs positiven Bewertung seines Charakters, und löst bei Max nachdenkliche Reflektionen über die guten und schlechten zwischenmenschlichen Verhältnisse des dörflichen Zusammenlebens aus. Es gibt einen starken Zusammenhalt und eine selbstverständliche wechselseitige Hilfsbereitschaft, aber auch eine tiefe Scheu, sich in die Angelegenheiten und Dramen anderer einzumischen, Geheimnisse werden gehütet, sogar solche, die eine kriminalistische Untersuchung verdient hätten.

Maxens Perspektive auf das Landleben ist unromantisch und pragmatisch, die land-wirtschaftliche Arbeit ist hart und erfordert viel körperliche Kraft und in früheren Zeiten auch gemeinschaftlich geteilte Arbeit. Anders als im Stadtleben, wo man sich für alles einen spezialisierten Handwerker bestellen kann, muß man auf dem Land möglichst vieles selber machen können oder mit Hilfe der Fähigkeiten seiner dörflichen Nachbarn.

»Dabei gab es nichts, was man nicht reparieren konnte. Nur die Zeit war es, die so viel kostete. So war es doch heute: Geld hatten sie alle, nur Zeit hatten sie nie. Sie tauschten ihre Zeit für Geld, aber jammerten dann, dass sie keine Zeit mehr hatten – und dass man die nicht kaufen konnte.« (Seite 128)

Der Autor erzählt die Geschichte von Max und Schorsch in einer schlichten, sinnlich-anschaulichen Sprache, die eine unmittelbare Nähe erzeugt, die fast an körperliche Berührung grenzt. Wenn Max sich am holzbefeuerten Herd seinen selbstgesammelten Kräutertee kocht, den Blick durch seine altmodische Wohnküche schweifen läßt, seinen Erinnerungen nachgeht, die wohlige Ofenwärme genießt und sich selbstgenügsam der Schönheit der verschneiten Landschaft erfreut, dann sind wir als Leser ganz nah dabei.

Max ist traurig, aber keineswegs selbstmitleidig, er schaut gelassen, ja, meditativ auf sein Leben zurück und hadert nicht mit dem, was er ausleben konnte und was er nicht ausleben konnte.

»Wenn dann die Menschen starben, waren die Geschichten weg. Und damit alles, was sie wussten und immer verschwiegen hatten.« (Seite 165)

Wenn man indes dieses Buch zu Ende gelesen hat, klingt noch lange das anrührende Echo von Maxens Leben in uns nach, als wären wir ihm in Wirklichkeit begegnet. Das ist eine bemerkenswerte literarische Leistung!

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.piper.de/buecher/im-schnee-isbn-978-3-492-07348-6
Wenn Sie von der Verlagsseite aus weiter auf Mehr Infos“ klicken, finden Sie noch ein interessantes Interview mit dem Autor.

Hier entlang zur Hörbuchausgabe und Hörprobe beim Verlag Hörbuch Hamburg: Hörbuch: Im Schnee

Hier entlang zu zwei weiteren Buchbesprechungen bei
Kulturbowle: Wenn das Totenglöckchen klingt
und Kommunikatives Lesen: Tommie Goerz: Im Schnee

Der Autor:

»Tommie Goerz ist gebürtiger Erlanger. Über Jahre machte er sich als mehrfach ausgezeichneter Krimiautor einen Namen. Auch sein literarisches Debüt „Im Tal“ (2023) wurde von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. Goerz war Langzeitstudent, Hüttenwirt, Automatenwart und Schallplattenvertreter, Lehrbeauftragter, Almknecht, erfolgreicher Werber und mehr. Bis heute wohnt er in Erlangen.«

Das schönste Kind überhaupt

  • Text und Illustrationen von William Papas
  • Originaltitel: »The Most Beautiful Child«
  • aracari Verlag, 2024 www.aracari.ch
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 32 Seiten
  • Format: 21,5 x 28 cm
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A), 20,00 sFr.
  • ISBN 978-3-907114-35-3
  • Bilderbuch ab 6 Jahren (laut Verlag)
  • ab 4 Jahren nach meiner Einschätzung

Das schönste Kind überhaupt

S C H Ö N H E I T S W E T T B E W E R B

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Scheinbar objektive Kriterien für Schönheit durchlaufen in der Wirklichkeit meist einen ganz persönlichen und subjektiven Wahrnehmungsfilter. So geschieht es auch in dieser amüsanten Bilderbuchgeschichte.

In einem Wald leben viele Vögel zusammen, und dies wird mit der entsprechenden Farb- und Formenvielfalt auch illustratorisch wiedergegeben.

Frau Eule ist auf dem Waldweg, um ihrem Kind das Pausenbrot in die Schule zu bringen. Unterwegs trifft sie den prächtigen Herrn Pfau, der ebenfalls ein Pausenbrotpäckchen dabei hat. Herr Pfau bittet Frau Eule darum, sein Pausenbrotpäckchen mitzunehmen und es seinem Kinde auszuhändigen.

Hilfsbereit stimmt Frau Eule zu und fragt, woran sie denn erkennen könne, welches der vielen Vogelkinder das seine sei. Stolz sagt Herr Pfau, sie solle einfach nur nach dem schönsten Kind Ausschau halten.

Frau Eule kommt mit den beiden Pausenbroten in der Schule an. Dort ist gerade Pause, und die Vogelkinder spielen miteinander auf dem Spielplatz. Schnell findet Frau Eule ihr Kind und versorgt es mit seinem Pausenbrot. Dann macht sie sich auf die Suche nach dem allerschönsten Kind.

Sorgfältig begutachtet sie der Reihe nach jedes Kind und vergleicht sie alle sehr auf- merksam miteinander. Zunächst erfahren wir nicht, wem sie das zweite Pausenbrot schließlich überreicht, denn wir sehen nur, daß sie sich schließlich ohne Pausenbrot auf den Rückweg macht.

Wieder trifft sie Herrn Pfau, und dieser nimmt selbstgewiß-selbstverliebt an, daß Frau Eule wohl sehr leicht sein „schönstes Kind“ gefunden habe. Doch Frau Eule berichtet von ihrer vergleichenden Kinderbetrachtung und teilt ihm mit, daß sie beim besten Willen kein Kind hätte finden können, welches schöner sei als ihr eigenes.

Diese fabelhafte Geschichte wird von William Papas in einfachen, beschreibenden Worten und Dialogen erzählt und mit farbenfrohen und dramaturgisch abwechslungs-reichen Vogeldarstellungen lebhaft in Szene gesetzt. Die vielfältige, charakterstarke Vogelschar zeigt eine große Bandbreite individueller Vogelschönheiten und illustriert buchstäblich, daß es höchst schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, letztendlich zu bestimmen, was Schönheit sei.

Mit heiterem Augenzwinkern erinnert dieses Bilderbuch zudem daran, daß Kinder im Licht der Liebe des elterlichen Blicks stets schön sind; und da dies auch für alle Eltern gleichermaßen gilt, ist wohl auch jedes einzelne Kind gleichsam immer das aller- schönste Kind.

Der Verlag empfiehlt dieses Bilderbuch ab sechs Jahren. Ich finde es durchaus schon für Vierjährige verständlich und empfehlenswert.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.aracari.ch/page/de/buecher/detail?id=315

Der Autor und Illustrator:

»William «Bill» Papas war einer der renommiertesten Cartoonisten Großbritanniens und ein beliebter Kinderbuchautor und Illustrator. Für seine Kinderbücher wurde er mehrfach mit dem prestigeträchtigen Kate Greenaway Award in Großbritannien ausgezeichnet, der ihn auch für sein Lebenswerk würdigte. Papas wurde 1927 in Ermelo, Südafrika, als Sohn eines griechischen Einwanderers geboren. Er studierte Kunst an der Johannesburg Art School, der Beckenham School of Art und St. Martin’s in London. Während seiner glänzenden Karriere arbeitete er als politischer Karikaturist für die Zeitung The Guardian in Großbritannien, zeichnete außerdem Comics und erstellte Bildreportagen über wichtige Weltereignisse. Darüber hinaus produzierte er Cartoons für die Sunday Times und das Punch Magazine.«

Wenn du erzählst, erblüht die Wüste

  • Roman
  • von Rafik Schami
  • Hanser Verlag, August 2023 www.hanser-literaturverlag.de
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • 480 Seiten
  • 26,00 € (D), 26,80 (A)
  • ISBN 978-3-446-27746-5

Wenn du erzählst, erblüht die Wüste
G E S C H I C H T E N M E D I Z I N

Rezension von Ulrike Sokul ©

In seinem neuen Roman „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ setzt Rafik Schami der Tradition des orientalischen mündlichen Erzählens ein vielschichtiges, farbenfrohes und würdigendes Denkmal.

König Salih, Herrscher des Landes Sitt Hudud, sucht nach einem Heilmittel für die Schwermut seiner einzigen Tochter Jasmin. Die in Aussicht gestellte fürstliche Belohnung lockt zahleiche alte und junge Glücksritter an, aber niemandem gelingt die Aufheiterung der Prinzessin.

Karam, ein Hakawati (Kaffeehauserzähler), der aus dem Nachbarland aus politischer Haft geflohen ist und in Sitt Hudud bei seiner Tante Zuflucht gefunden hat, wird beim König vorstellig und unterbreitet ihm einen eigenwilligen Vorschlag.

Er wolle die Prinzessin durch Geschichtenerzählen heilen, doch er möchte nicht der einzige Erzähler sein; sondern alle Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben, sollen zu Wort kommen. Seine Funktion sei es, für die Erzählabende ein Thema vorzu-geben, eine einleitende Geschichte zu erzählen und anschließend andere Erzählwillige mit einer kurzen Anmoderation ihre Geschichte erzählen zu lassen.

Der König und die Prinzessin stimmen Karams Anregung zu und stellen für dieses Vorhaben den Festsaal des königlichen Palastes zur Verfügung.

„Karam glaubte fest daran, wenn man anderen Glück bringt, bleibt etwas Glück am Überbringer haften.“ (Seite 28)

In den folgenden zehn Nächten erscheinen viele Zuhör- und Erzählwillige im Festsaal und offerieren ein weites Spektrum erzählerischer Kunst. Zu den Themenkreisen Mut und Feigheit, Geiz, Neid und Gier, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, Freundschaft und Feindschaft, Aberglaube und Vernunft, Liebe und Weisheit usw. wird sowohl inhaltlich als auch stilistisch abwechslungsreicher Erzählstoff geboten. Es gibt klassische Märchen, Fabeln, überlieferte Familienerinnerungen und Anekdoten.

Zwischen den Geschichten bleibt ein assoziativ-verknüpfender Spielraum für lebhafte und oft amüsante Dialoge zwischen Karam und den verschiedenen Erzählerinnen und Erzählern – das Publikum wird gewissermaßen interaktiv mit einbezogen. Mal wird kurz und konzentriert erzählt, mal umherschweifend ausführlich, mal gibt es großen App- laus, mal nur verhaltenen, es wird gejubelt, gelacht und gemurrt – doch stets darf jeder ununterbrochen ausreden und seine Geschichte vollenden.

Die ebenso lebensnahen wie märchenhaften Geschichten illustrieren einen viel- stimmigen Chor menschlicher Stärken und Schwächen. In den spannenden Erzählungen setzen sich früher oder später Dankbarkeit, Demut, Freiheit und Liebe gegen Gleich- gültigkeit, Arroganz, Unterdrückung und Feindschaft durch. Warmherzigkeit, Groß- zügigkeit, Humor, Weisheit und genüßliche Lebensbejahung sind die durchgehenden Wertekoordinaten, die hier anschaulich dargestellt und angeregt werden

Während der Lektüre empfiehlt es sich, zumindest guten Kaffee oder Tee nebst einigen orientalischen Knabbereien und Delikatessen zur Hand zu haben. Denn in den Zwischen-räumen des Erzählens und der Fortführung der Rahmenhandlung wird sehr köstlich geschmaust, und die Speisen und Spezereien werden so sinnlich beschrieben, daß mir mehr als einmal der Mund wäßrig wurde. 

Rafik Schami erweist sich mit „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ erneut als wunder-barer, leseliebenswerter Übersetzer orientalischer Erzählkunst ins Deutsche. Mit seiner wohlgeformten und feingewürzten Sprache berührt und weitet er wieder und wieder ganz unmittelbar des geneigten Lesers Herz.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/rafik-schami-wenn-du-erzaehlst-erblueht-die-wueste-9783446277465-t-3984
Hier entlang zur ungekürzten Hörbuchausgabe:
https://www.sprechendebuecher.de/hoerbuecher/wenn-du-erzaehlst-erblueht-die-wueste-9783987360633/

Der Autor:

»Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. Sein umfang-reiches Werk wurde in 33 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis und der Carl-Zuckmayer-Medaille. Im Hanser Kinder- und Jugendbuch erschien u.a. Das ist kein Papagei (illustriert von Wolf Erlbruch, 1994), Die Sehnsucht der Schwalbe (2000), Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm (2003, illustriert von Ole Könnecke), Der Kameltreiber von Heidelberg (2006, illustriert von Henrike Wilson), Das Herz der Puppe (2012, illustriert von Kathrin Schärer), Meister Marios Geschichte (2013, illustriert von Anja Maria Eisen), Elisa oder Die Nacht der Wünsche (2019, illustriert von Gerda Raidt); im Erwachsenenprogramm des Verlages Die dunkle Seite der Liebe (Roman, 2004), Das Geheimnis des Kalligraphen (Roman, 2008), Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (2011), Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (Roman, 2015), Die geheime Mission des Kardinals (Roman, 2019), Mein Sternzeichen ist der Regenbogen (2021) und Wenn du erzählst, erblüht die Wüste (Roman, 2023).«

Querverweis:

Hereinspaziert in mein Lieblingsbuch von Rafik Schami: „Der Erzähler der Nacht“Erzähler der Nacht
Hier entlang zu: „Das große Rafik Schami Buch“ Das große Rafik Schami Buch
Und hier klopft „Das Herz der Puppe“, ein Buch voller Alltag und Wunder, spielerischem Tiefsinn und poetischer Phantasie, das von Rafik Schamis lebendigem Kinderherzen zeugt. Ich lege es Lesern von acht bis achtundachtzig Jahren ans Herz: Das Herz der Puppe
Hier entlang zu Rafik Schamis Kinderbuch „Meister Marios Geschichte“, in der sich Marionetten als Freiheitskämpfer entpuppen: Meister Marios Geschichte
Und hier entlang zu Rafik Schamis berühmtem Bilderbuch „Der Wunderkasten“,

das von der Zauberkunst handelt, mit Worten zu malen und Kinder zu lehren, mit dem Herzen zu sehen: Der Wunderkasten

RUMI

L I E B E S A T E M

Rezension von Ulrike Sokul ©

„Sich mit allen Menschen der Erde anzufreunden, ist die beste Religion der Welt.“
– Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī  (1207 -1273) –

Heute, am 17. Dezember 2023, jährt sich der 750. Todestag des persischen Dichters, Islamgelehrten und Sufi-Mystikers Rumi. Die iranische Illustratorin Rashin Kheiriyeh erzählt und zeichnet im vorliegenden Bilderbuch auf kindgemäß einfache und leicht zugängliche Art Rumis Lebensweg und Wirken nach.

Wir sehen Rumi als glückliches Kind, hineingeboren in eine Familie von großen Gelehrten. Er liebt die Natur und hegt eine besondere Vorliebe für Vögel und den sagenumwobenen Vogel SīMURGH. Freudig tanzt das Kind im Blumengarten – was man durchaus als Vorstufe zum späteren Sufi-Tanz auffassen kann. Außerdem liest Rumi gern und viel, und er hat verschiedene weise Lehrmeister, die ihn unterrichten. Im zarten Alter von Anfang zwanzig ist Rumi bereits selbst ein berühmter Gelehrter, der zahlreiche Schüler anzieht.

Eines Tages begegnet er dem persischen Mystiker Schams (Schams ist das persische Wort für Sonne). Mit Schams verbindet Rumi eine seelentiefe, innige und sehr inspirie-rende Freundschaft, die von Rumis Schülern mit Mißgunst betrachtet wird. Die neidischen Schüler vertreiben Schams aus der Stadt, und Rumi trauert lange um den verlorenen Freund.

Im Traum erscheint Rumi seine verstorbene Mutter, die ihn dazu auffordert, die Geschichte seiner Freundschaft mit Schams aufzuschreiben. Und so schreibt Rumi Vers um Vers von der Liebe zum Freund, von der Liebe zum Leben und von der Liebe zu Gott.
Außerdem erzählt er Kindern gerne Geschichten.

»Nichts auf der Welt ist für mich so kostbar wie ein echtes Lächeln, besonders das Lächeln eines Kinds.«  – Rumi –

Rumi findet Trost und Vergebung in seinem Schreiben und durch den praktizierten Sufi-Tanz, der eine Form der Meditation und ein getanztes Dankgebet ist. Die persönliche Liebeserfahrung führt Rumi schließlich zu seinem spirituellen Credo allumfassender Liebe.

In ausdrucksvollen, orientalisch-farbenfrohen, schönen Bildern vermitteln die Illustra-tionen einen lebendigen Eindruck von Rumis Lebenswelt und seiner warmherzigen, lebensbejahenden Wesensart und Geistesweite.

Ob sich die Aufmerksamkeit fünfjähriger Kinder lange mit dieser Bilderbuchbiographie fesseln läßt, sei einmal dahingestellt. Doch für etwas ältere Kinder im Grundschulalter bietet dieses Bilderbuch, eingebunden in Religions-, Geschichts- oder Kunstunterricht, gewiß eine interessante, interkulturelle Horizonterweiterung.

Rumi ist eine wissenswerte historische Persönlichkeit und ein feinsinniger Poet, und er ist hierzulande nur wenig bekannt. So ist dieses Bilderbuch durchaus auch für Erwachsene eine gute Gelegenheit zum Erstkontakt mit Rumi, und es vermag, Neugier und Wissenslust auf Rumis beachtliches poetisches und mystisches Werk  zu wecken.

»Dein Herz kennt den Weg. Lauf in diese Richtung.« – Rumi –

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://nord-sued.com/programm/rumi/

Die Autorin und Illustratorin:

»Rashin Kheiriyeh wurde im Iran geboren. Sie studierte Grafikdesign an der Universität Teheran. Die vielfach ausgezeichnete Illustratorin arbeitet für Zeitungen wie die »New York Times« und »Le Monde diplomatique«. 2011 gewann Rashin den Goldenen Apfel der Biennale der Illustration Bratislava. Heute lebt sie in Washington, D.C. https://www.rashinart.com/«

Rumi – Dschalāl ad-Dīn Muhammad Rūmī

«Rumi (1207 – 1273) war ein Dichter, islamischer Gelehrter und Sufi-Mystiker. Er schrieb sein umfangreiches Werk meist in persischer Sprache. Bis heute erfreut sich seine Lyrik weltweit großer Beliebtheit und erscheint in neuen Übersetzungen.«

Wer etwas mehr über Rumi erlesen mag, kann unter den nachfolgenden Links fündig werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Rumi_(Dichter)
https://chalice-verlag.de/rumi-masnawi-mathnawi-deutsche-uebersetzung/

PS: Gerne möchte ich noch meine beiden Lieblingszitate von Rumi hier anschließen:

»Ich starb als Mineral und wurde Pflanze;
als Pflanze starb ich und wurde Tier.
Ich starb als Tier und wurde Mensch.
Warum also sich fürchten, im Tod zu Nichts zu werden?
Bei meinem nächsten Tod
werde ich Schwingen hervorbringen und Federn wie Engel;
dann, mich höher noch aufschwingend als Engel –
was ihr nicht erdenken könnt, ich werde es sein.«

– Rumi –

»Die Seele empfängt aus der Seele das Wissen,
und nicht aus Büchern noch vom Reden.
Erwächst das Wissen der Geheimnisse aus der Leerheit des Geistes,
so ist das Herz erleuchtet.«

  – Rumi –

Er und ich

  • Erinnerungen
  • von Sybil Gräfin Schönfeldt
  • Wallstein Verlag, Mai 2023 www.wallstein-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 264 Seiten
  • 26,00 € (D), 26,80 € (A)
  • ISBN 978-3-8353-5395-4

Er und ich 2

DIE  LIEBE  ZWISCHEN  DEN  ZEILEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Sybil Gräfin Schönfeldt fügt in ihrem Erinnerungsbuch die Lebensgeschichte ihres Mannes und ihre eigene zu einer gemeinsamen Biographie zusammen. Achtsam und einfühlsam erzählt sie von beiden Herkunftsfamilien, wobei der Schwerpunkt ihrer Betrachtungen auf der Familie des Gatten Heinrich Schlepegrell liegt.

Heinrich Schlepegrell entstammt einer großen, weitverzweigten Familie, die mütter- licherseits mit der berühmten Familie Mendelssohn verwandt ist. Seine Mutter war Elisabeth Gussero, eine ausgebildete Fotografin, die vor dem Ersten Weltkrieg mehr- fache deutsche Meisterin im Golfspielen wurde. Sein Vater, Dr. Harry von Schlepegrell, war Augenarzt und verfaßte das erste Golf-Lehrbuch in deutscher Sprache. Seine Frau lernte er beim Golfspielen kennen. Einmal gewannen sie gemeinsam einen Silberpokal, und da sich der Pokal schlecht teilen ließ, beschlossen sie, einfach zu heiraten.

Sybil Gräfin Schönfeldt und Heinrich Schlepegrell lernen sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Hamburg kennen und lieben und sie heiraten 1957. Die Autorin erzählt gleichwohl weniger eine Liebesgeschichte, als vielmehr das Psychogramm zweier Menschen, die – geprägt von Kriegs- und Diktaturerfahrungen, Verletzungen, Verlusten und erlebter Todesgefahr – stets sehr reflektiert und sensibilisiert auf die Verwand- lungen des gesellschaftlichen Zeitgeistes achten und die Auseinandersetzung mit historischem Leid und Schuld nicht scheuen. So wählt die Autorin beispielsweise für ihre halbjährlichen Vorstellungen der Buchneuerscheinungen für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausdrücklich auch Titel aus, die sich mit dem Dritten Reich befassen.

Die Erinnerungen an Ehe und Familie sind verwoben mit historischen Rückblicken auf freudige und rettende sowie tragische und leidvolle Erfahrungen von nahen Verwandten beider Herkunftsfamilien. Diese zahlreichen Familiengeschichten machen den jeweiligen Zeitgeist sehr anschaulich und lebendig.

Sybil Gräfin Schönfeldt berichtet nur teilweise chronologisch, oft blendet sie assoziativ vor oder zurück, manches bleibt bloß angedeutet. Sie bewahrt hinsichtlich der Gefühle für Mann und Kinder eine vornehme Zurückhaltung, die Liebestiefe schwingt eher zwischen den Zeilen als in den gewählten Worten mit.

Heinrich Schlepegrell starb, als Sybil Gräfin Schönfeldt 80 Jahre alt war. Sie hat ihren Lebenspartner um fünfzehn Jahre überlebt. „Er und ich“ ist gewissermaßen ein etwas längerer, sehr dankbar-wertschätzender und würdigender Nachruf auf ihre gemeinsame Zeit, die ein bemerkenswertes halbes Jahrhundert umfaßt.


Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:

https://www.wallstein-verlag.de/9783835353954-er-und-ich.html

Die Autorin:

»Sybil Gräfin Schönfeldt (1927 – 2022) war promovierte Germanistin und Kunsthistorikerin, arbeitete als Redakteurin und freie Journalistin u.a. für DIE ZEIT. Sie schrieb und übersetzte Kinder- und Jugendbücher, verfasste Kochbücher in historischen Zusammenhängen, u.a. „Gestern aß ich bei Goethe“ (2002) oder „Bei Thomas Mann zu Tisch“ (2004).
Ihre Biographie „Astrid Lindgren“ (Neuausgabe 2007) ist ebenso wie das „Kochbuch für die kleine alte Frau“ (2018) und das „Kochbuch für den großen alten Mann“ (2019) ein Bestseller. Viele Jahre war sie Herausgeberin des „Literarischen Küchenkalenders“.«

Querverweis:

Hier entlang zu den letzten drei Kochbüchern, die Sybil Gräfin Schönfeldt – gewürzt mit ihren familiär-kulinarischen Lebenserinnerungen – geschrieben hat:

Kochbuch für die kleine alte Frau“ Kochbuch für die kleine alte Frau
„Kochbuch für den großen alten Mann“ Kochbuch für den großen alten Mann
„Kochbuch für meine liebste Freundin“ Kochbuch für die liebste Freundin

BIENEN KALENDER 2023

  • Gestaltung und Illustration von Lena Zeise
  • LV. Landwirtschaftsverlag Münster, März 2022  www.lv-buch.de
  • Buchkalender mit Wochenübersicht
  • gebunden
  • Format: 20 x 13,5 cm
  • 160 Seiten
  • 18,00 € (D, A), 25,90 sFr.
  • ISBN 978-3-7843-5718-8

Bienen Kalender 2023 Titelbild

BIENEN  SUMMEN  DURCH  DAS  JAHR

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Da summt’s aber lebhaft durch den Jahreslauf! Dieser Buchkalender macht uns mit einer übersichtlichen Anzahl von Wildbienen vertraut. 

Jeder Monat wird mit dem Portrait einer Wildbiene eingeleitet. Sehr schöne naturali-stische Zeichnungen vermitteln einen anschaulichen visuellen Eindruck dieser faszinie-renden Insekten, und kurze Texte beschreiben jeweils die besonderen Merkmale, Ver-haltensweisen und Lebensbedürfnisse hinsichtlich Nahrung und Nistmöglichkeiten.

Ergänzt werden die Bienenportraits mit Zeichnungen des Entwicklungszyklus der Wild-bienen über Ei, Larve, Verpuppung und Schlupf sowie mit Informationstexten und Zeich-nungen zum Bienenkörperbau, zu brutparasitischen Kuckucksbienen, natürlichen Gegenspielern und Bienenfutterpflanzen sowie Hinweisen auf die Installation natur- gemäßer Nisthilfen und durch Erklärungen zu polylektischen (Generalisten) und oligolektischen (Spezialisten) Bienenarten.

Besonders hervorzuheben und zu bewundern sind die äußerst attraktiven Zeichnungen von Lena Zeise. Die Makrozeichnungen geben feinste Feinheiten von Bienenpelz- härchen, transparentem Flügelfiligran, Fühlergliedern, Augenschimmern und Farbnuancen wieder. Da wurde wahrlich mit viel Liebe und Präzision gearbeitet!

Damit angesichts der Makrozeichnungen die Originalgröße der Bienen nicht aus dem Blick gerät, findet sich stets eine Vignette mit einer Zeichnung im Verhältnis 1:1 unter den jeweiligen Informationstexten. Als Zugabe gibt es am Kalenderende neben weiter- führenden Literaturhinweisen zwei herauslösbare Bienen-Postkarten.

Der Kalenderfunktionsbereich wartet auf jeder Doppelseite mit einem Wochen- kalendarium auf, das Platz für freie Einträge bietet. Das schmeichelgriffige – schätzungsweise 130g-Samtoffset-Papier – ist angenehm weich zu beschriften.

Hier entlang zum Bienenkalender und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://buchweltshop.de/bienenkalender_2023_044208.html

Die Autorin & Illustratorin:

»Lena Zeise ist freiberufliche Designerin, Illustratorin und Autorin. Die geborene Münsterländerin liebt kreative Herausforderungen und ist hauptsächlich im Kinder- und Sachbuchbereich tätig. Besonders Tierzeichnungen haben es ihr angetan.« www.lena-zeise.de

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Der Hase ohne Nase

  • Text von Annabel Lammers
  • Illustrationen von Hanneke Siemensma
  • BOHEM Press GmbH, Februar 2021 www.bohem-verlag.de
  • in Halbleinen gebunden
  • Fadenheftung
  • 36 Seiten
  • Format: 22 x 28 cm
  • 19,95 € (D), 20,60 € (A), 27,50 sFr.
  • ISBN 978-3-95939-088-0
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

Hase ohne Nase

ANGENOMMEN  WERDEN

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Ein kleiner Stofftierhase ohne Nase spaziert freudig durch die Natur und trifft auf einen Igel, der ihn kritisch beäugt und ein wenig abfällig bemerkt, er sei kein gewöhnlicher Hase.  Auch einige Eichhörnchen lachen den Hasen aus luftiger Höhe herab aus.

An seinem Lieblingssee betrachtet der Hase sein Spiegelbild im Wasserspiegel und erkennt nun selbst, daß ihm die Nase fehlt. Nun fühlt er sich unvollständig und befangen, und vor lauter Beschämung möchte er am liebsten von niemandem mehr gesehen werden. Auch seine Suche nach möglichen Ersatznasen funktioniert nicht.

Der Hase ohne Nase Scham

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

So verläßt er den Wald, hadert mit seinem angeblichen Mangel und strandet auf einer Wiese in einem Park. Er legt sich auf diese Wiese ins Sonnenlicht, lauscht dem Vogel-gezwitscher, löst sich von seinen Grübeleien und empfindet wohlige Entspannung. 

Dort findet ihn ein kleines Mädchen und ist ganz entzückt vom kleinen Hasen. Sie nimmt ihn in ihre „nach Gänseblümchen duftenden“ Arme und trägt in ihr Zuhause. Der Hase wird gebadet und getrocknet und liebevoll betrachtet.

Der Hase ohne Nase Wäscheleine

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Mutter des Mädchens bietet an, dem Hasen einen Knopf als Nase anzunähen. Sie sortieren sogar gemeinsam die Knopfkiste, doch das Mädchen kann sich für keinen Knopf entscheiden und bleibt dabei, daß ihr dieser Hase, so wie er sei, genüge und sie ihn liebhabe. Auch der Hase denkt nicht mehr an seine fehlende Nase und ist glücklich und zufrieden.

Eines Morgens springt dem Mädchen beim eiligen Anziehen ein rosa Knopf vom Mantel, und da ist es für alle ganz offensichtlich: Dies ist die richtige Nase für den Hasen! So bekommt der Hase ohne Nase seine erste Knopfnase. Und mit jedem neuen Mantel, den das größer werdende Mädchen bekommt, erhält auch der Hase wieder und wieder eine neue Nase.

Diese Geschichte wird von Annabel Lammers mit leichten Worten erzählt, die gleichwohl die unterschiedlichen Gefühle und Gedanken des kleinen Hasen mit einfühlsamer Unmittelbarkeit ausdrücken. Der Illustratorin Hanneke Siemensma genügen wenige Buntstiftstriche, um die Offenheit, Verletzlichkeit, Scham, Befangenheit, Einsamkeit und die Freude über das bedingungslose An- und Aufgenommensein des Hasen darzustellen. Die kindliche Anmutung der Hasenzeichnung kommt der kindlichen Identifikation mit der Figur des Hasen sehr entgegen.

Der Hase ohne Nase umarmt

Illustration von Hanneke Siemensma © Bohem Press 2021

Die Bilderbuchnaturkulisse wurde mit unterschiedlichen Maltechniken ausgeführt. Aus der Komposition echter Pflanzendrucke, Kreide-, Kohle- und Buntstiftzeichnungen ergeben sich feine, dezent bunte bis schattige Szenerien, die mit der leisen Erzählweise gut harmonieren.

Wer wegen einer Abweichung von der körperlichen Norm soziale Ab- lehnung erfährt, hat zunächst – zumal als kleines Kind – nicht unbedingt die selbstbewußte Charakterstärke, diese äußere Ablehnung in Frage zu stellen und gleichsam an sich abperlen zu lassen. Oft wird die äußere Ablehnung zu Selbstablehnung, doch das führt nicht zur Lösung des Problems. Ein heil- samer Wegweiser sind dann Menschen, die dem Kind glaubwürdig ver-mitteln, daß es in seinem Sosein liebenswert ist und sich nicht einer fremd- bestimmten körperlichen Norm anpassen muß, um anerkannt und beliebt zu sein. 

Das Bilderbuch „Der Hase ohne Nase“ zeigt Kindern spielerisch, wie der Weg von Selbstablehnung zu Selbstannahme durch den Wegweiser bedingungsloser Liebe funktionieren kann, ja, es illustriert sogar anschaulich, daß man gerade wegen dieses Andersseins besonders liebenswert sein kann. 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.bohem.ch/katalog/der-hase-ohne-nase/

Die Autorin:

»Annabel Lammers wuchs nahe der holländischen Grenze zwischen vielen Bäumen und Büchern auf. Sie studierte Kommunikationsdesign und Medienkunst in Kiel. Bereits während des Studiums arbeitete sie für Projekte aus Kunst, Kultur & Bildung und konzipierte, textete und gestaltete Medien für unterschiedlichste Unternehmen und Institute. 2013 wurde sie Programmleiterin des Bilderbuchverlags Bohem Press AG und mitbegründete im Folgejahr den deutschen Ableger, die Bohem Press GmbH. Neben all ihren Tätigkeiten hat sie sich schon immer Geschichten ausgedacht und für Kunst- und Literaturveranstaltungen gearbeitet. Sie lebt mit ihrer Tochter im Münsterland.«

Die Illustratorin:

»Hanneke Siemensma studierte niederländische Literatur an der Universität von Amsterdam und Freie Kunst an der KABK in Den Haag. Derzeit ist sie als freie Illustratorin und Redakteurin tätig. Nach „Schnip“ und „Kleiner weiser Wolf“ ist „Der Hase ohne Nase“ ihr drittes Buch, das in deutscher Sprache erscheint.«  https://hannekesiemensma.nl/

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„Und Rapunzel, frisch, grün und knackig…“

  • Limitierte Geburtstagsedition zum 95. Geburtstag 
  • von Sybil Gräfin Schönfeldt
  • 3 Bände:
  • Kochbuch für die kleine alte Frau
  • Kochbuch für den großen alten Mann
  • Kochbuch für meine liebste Freundin
  • mit Banderole
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Verlag edition momente,  Februar2022 www.edition-momente.com
  • 30,00 €
  • ISBN 978-3-0360-6030-9

Und Rapunzel, frisch, grün und knackig (Geburtstagsausgabe Gräfin Schönfeldt Kochbücher)

K O C H K U L T U R 

Rezension von Ulrike Sokul ©

Am 13. Februar, zum 95. Geburtstag von Sybil Gräfin Schönfeldt, serviert der Verlag edition momente feierlich eine einmalige, limitierte Geburtstags- ausgabe der dreibändigen kochköstlichen Reihe „Kochbuch für die kleine alte Frau“, „Kochbuch für den großen alten Mann“ und „Kochbuch für meine liebste Freundin“ zum Gesamtpreis von 30 €.

Dies ist ein wertvolles Bücherschnäppchen, und man möge großzügig zugreifen, denn verglichen mit den Einzelpreisen kostet dieser Dreierpack nur die Hälfte. Deshalb gilt das Sonderangebot auch nur bis zum 30. April 2022. Sie können diese Bände schließlich wahlweise gebündelt oder einzeln verschenken. Denken Sie an kommende Geburtstage, Hochzeitstage, erwachsene Kinder, die ihren ersten eigenen Haushalt gründen, Gelegen- heiten für ein Gastmitbringsel (statt Blumen), ja, denken Sie sogar schon an Weihnachten – denn vorausschauende Vorratshaltung lohnt sich auch bei Buchgeschenken.

Sybil Gräfin Schönfeldt schöpft für diese Kochbücher aus ihrem reich- haltigen familiären und biografischen Lebens- und Kocherfahrungsfundus und würzt die einfachen, schmackhaften Koch– und Backrezepte mit liebenswerten Erinnerungen und persönlichen Anekdoten, die einen interessanten, streiflichternden Einblick in den privaten und journali- stischen „Küchenlebenslauf“ der Autorin vermitteln.

Im „Kochbuch für die kleine alte Frau“ geht sie speziell auf die Bedürfnisse der alleinstehenden älteren Damen ein und serviert genüßliche Rezepte für Einzelmahlzeiten.

Beim „Kochbuch für den großen alten Mann“ nimmt sie alleinstehende, kochunerfahrene ältere Herren an die Hand und serviert neben leichten Rezepten einige praktische Regeln zur organisatorischen Vorbereitung aller Zutaten, Vorratshaltungstipps sowie küchenhandwerkliche Anleitungen – beispielsweise zum Zwiebelwürfeln.

Das „Kochbuch für meine liebste Freundin“ schließlich ermuntert Frauen, die wenig Zeit zum Kochen haben, zu alltagstauglichen, unkomplizierten und gleichwohl köstlichen Speisezubereitungen.

Neben den schmackhaften inneren Werten sind diese Kochbücher auch mit ansprechenden äußeren Werten ausgestattet. Die fadengehefteten Bücher haben ein handliches Format (19,5 x 11,5 cm) und farblich harmonierende Lesebändchen. Die Schriftgröße ist leseangenehm und die Rezepte werden durch Fettdruck hervorgehoben.

Alle Bände eint ein kluger und lebenskünstlerischer Basso continuo, der davon zeugt, daß Sybil Gräfin Schönfeldt nicht nur mit Liebe kocht, sondern auch mit Liebe schreibt. Aus diesen Kochbüchern steigen nicht nur die Aromen köstlicher Gewürze, Kräuter und Speisen auf, sondern auch ein sympathisch-nostalgischer Duft vergangener Zeiten und die Herzenswärme einer guten Gastgeberin.


Hier entlang zur Geburtstagsedition auf der Verlagswebseite:
https://www.edition-momente.com/buecher/sybil-graefin-schoenfeldt-geburtstagsausgabe.html

Hier entlang zu den Besprechungen der Einzelbände:

„Kochbuch für die kleine alte Frau“ Kochbuch für die kleine alte Frau
„Kochbuch für den großen alten Mann“ Kochbuch für den großen alten Mann
„Kochbuch für meine liebste Freundin“ Kochbuch für die liebste Freundin

Die Autorin:

»Sybil Gräfin Schönfeldt, geb. 13. Februar 1927, studierte Germanistik und Kunstge-schichte  und promovierte in Wien. Sie schrieb für DIE ZEIT, das ZEIT-Magazin und STERN und profilierte sich als Kochkultur-Journalistin. Sie verfasste u.a. literarische Kochbücher über Goethe, Fontane oder Thomas Mann. Außerdem übersetzte sie Kinder-literatur und schrieb eine Biografie über Astrid Lindgren. Seit 2005 ist sie die Heraus-geberin des Literarischen Küchenkalenders. Vielfach ausgezeichnet, lebt und arbeitet sie seit 60 Jahren in Hamburg.«

Leselebenszeichen-Datenschutzerklärung: https://leselebenszeichen.wordpress.com/datenschutzerklaerung/