- Miss Sharp ermittelt, 3. Band
- von Leonie Swann
- Kriminalroman
- Goldmann Verlag, Mai 2024 www.goldmann-verlag.de
- Klappenbroschur
- 416 Seiten
- Format: 13,5 x 21,5 cm
- 17,00 € (D), 17,50 € (A), 23,9 sFr.
- ISBN 978-3-442-31714-1

HOCHZEITSTURBULENZEN
Rezension von Ulrike Sokul ©
Die rostig-rüstige Renter-WG, die in Agnes Sharps Elternhaus „Sunset Hall“ durchaus einvernehmlich, wenn auch nicht gänzlich reibungslos, zusammenlebt, bereitet sich auf die Hochzeit von Bernadette und Jack vor.
Doch zunächst brauchen Sie, werte Leserinnen und Leser, einige kurze Persönlichkeits- steckbriefe, um mit den unkonventionellen Charakteren vertraut zu werden.
Agnes Sharp hat einst bei der Kriminalpolizei gearbeitet, sie ist ordentlich und gut organisiert sowie ein wenig übermißtrauisch gegenüber ihren Mitmenschen. Sie leidet tapfer an ihren Hüftschmerzen und gewöhnt sich gerade an die Vor- und Nachteile ihres ersten Hörgeräts.
Bernadette hat ebenfalls bei der Polizei gearbeitet. Sie ist blind und trägt stets eine Sonnenbrille, was ihr in Kombination mit ihrem Sarkasmus eine mafiöse Aura verleiht.
Edwina ist die körperliche agilste Mitbewohnerin. Sie praktiziert regelmäßig Yoga, spricht mit den Haustieren und der verstorbenen Mitbewohnerin Lillith (siehe Band 1: Mord in Sunset Hall) und wartet oft mit eigenwilligen Interpretationen der Wirklichkeit auf. Doch ihre intuitive Wahrnehmung ist oft treffsicher, und auch hinsichtlich ihres improvisierten Waffengebrauchs ist sie – als ehemalige Geheimagentin – unschlagbar.
Die fabelhafte und stets elegant gekleidete Charlie ist die einzige weibliche WG-Bewoh-
nerin, die beruflich nichts mit Polizei oder Geheimdienst zu tun hatte. Sie hat einige Ehen hinter sich, dank derer sie nun nicht ganz unbetucht ist.
Die drei männlichen WG-Bewohner sind Kavaliere der alten Schule:
Der besonnene Winston bedarf eines Rollstuhls. Er war beim Geheimdienst Spezialist für Geheimcodes und organisiert und kontrolliert sehr sorgfältig die Tablettenrationen für alle WG-Mitglieder.
Der disziplinierte Marschall erledigt Internetbestellungen und –Recherchen, hat jedoch zunehmend Schwierigkeiten mit dem Kurzzeitgedächtnis. Er hat eine heimliche Schwäche für Agnes, die dies aber nicht so recht wahrhaben will.
Jack ist der männliche Neuzugang, der sich gewissermaßen aus der Lösung des vorherigen Kriminalfalles (siehe: Miss Sharp macht Urlaub) ergeben hat. Er ist Auftragskiller im Ruhestand und die unverhofft wiedergefundene Jugendliebe Bernadettes.
Zufällig ist im nahegelegenen und für feine Hochzeitsveranstaltungen beliebten Mistletoe Manor kurzfristig ein Termin frei geworden, und Jack hat sogleich beherzt zugegriffen. Nun bleiben für die Vorbereitungen nur noch zwei Wochen.
Doch für die Buchung dieser mondänen Domäne ist eine Mindestgästezahl von 20 Personen erforderlich. Das ist eine Herausforderung für die alten Herrschaften. Denn allzu viele Freunde und liebe Verwandte stehen ihnen nicht mehr zur Verfügung. Es fehlen exakt noch zwei Gäste, um die volle Anzahl zu erreichen und in den Genuß des berühmten Champagnerbrunnens von Mistletoe Manor zu kommen.
Charlie geht das Problem pragmatisch an und arrangiert für sich und Agnes über die Partnerbörse Silberrücken zwei Internet-Verabredungen, die es sich gewiß gefallen lassen werden, als Hochzeitsgäste miteingeladen zu werden. Agnes ist nicht amüsiert, sich in ihrem Alter noch mit liebessehnsüchtigen älteren Herren zu treffen, aber Charlie weiß sie zu überreden. So finden sie immerhin zwei Herren mit einer gewissen Geneigt-heit, sich mit den beiden Damen, auf der Hochzeitsfeier sehen zu lassen.
Kaum ist dieses Problem gelöst, da landet ein anonymer Drohbrief aus Buchstaben-schnipseln in Sunset Hall. In diesem Brief wird – wenn auch etwas verschlüsselt – vor einem Todesfall in Zusammenhang mit der Hochzeitsfeier gewarnt. Und diesem ersten Brief folgen noch weitere.
Nun wechseln und durchmischen sich kriminalistische Nachforschungen mit der Klärung der Details zur Hochzeitsfeier. Edwina hat beispielsweise die glorreiche Idee, daß die WG-Schildkröte Hettie die Ringe zum Traualter bringen solle – mit einer kleinen salatblättrigen Bestechung wäre dies machbar.
Agnes vermutet derweil nicht zu Unrecht, daß der angebliche Selbstmord des örtlichen Küsters und Organisten in den Glockenseilen des Kirchturms in Zusammenhang mit den Drohbriefen steht.
Es wird vor der Hochzeit und während der Hochzeitsfeier sehr turbulent und dramatisch lebensgefährlich…
Auch im dritten Fall von „Miss Sharp ermittelt“ werden wir mit einer verwinkelten Kriminalgeschichte auf so manche falsche Fährte gelockt und erfreuen uns bei Tee mit Schuß an liebenswert skurrilen Charakteren. Es gibt köstliche zwischenmenschliche Szenen, wenn beispielsweise die spröde Agnes den süßholzraspelnden Galan von Charlie betrachtet und für uns beschreibt.
Die ebenso einfühlsame wie amüsante Darstellung der verschiedenen Beziehungs-dynamiken zwischen den WG-Bewohnern bereichert die kriminalistische Handlung um eine beachtliche zwischenmenschliche Dramaturgie. Bemerkenswert und unterhaltsam sind zudem die sinnlich anschaulichen Figurenzeichnungen und die filmreifen Dialoge.
Die alten Herrschaften mit ihren Verlangsamungen, Vergeßlichkeiten und Wehmütig-keiten werden mit respektvoller Selbstironie dargestellt. Die unzweifelhaften Stärken von Lebenserfahrung, altersmilder Güte, tiefer Menschenkenntnis sowie abgeklärtem schwarzen Humor und geistreichem Wortwitz gleichen die altersbedingten Hindernisse und Verletzlichkeiten mehr als aus.
Angesichts des – ich will es mal vorsichtig und nicht ausplaudernd formulieren – himmlischen Endes dieses Krimimalromans, bin ich schon recht gespannt, ob es einen vierten Fall geben wird.
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.penguin.de/Paperback/Tod-in-Mistletoe-Manor/Leonie-Swann/Goldmann/e610478.rhd
Hier entlang zum ersten Band: Mord in Sunset Hall
Hier entlang zum zweiten Band: Miss Sharp macht Urlaub
Die Autorin:
»Leonie Swann wurde 1975 in der Nähe von München geboren. Sie studierte Philosophie, Psychologie und Englische Literaturwissenschaft in München und Berlin. Mit ihren ersten beiden Romanen »Glennkill« und »Garou« gelang ihr auf Anhieb ein sensationeller Erfolg: Beide Bücher standen monatelang ganz oben auf den Bestsellerlisten und wurden bisher in 25 Sprachen übersetzt. Leonie Swann lebt heute umzingelt von Efeu und Blauregen in England.«














