Kleiner, schrecklicher Drache

  • Text und Illustrationen von Lieve Baeten
  • Deutsch von Angelika Kutsch
  • Oetinger Verlag, 1. Auflage August 2000 www.oetinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28,7 x 22,3 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978—78991-6338-8
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

DRACHENKIND UND MENSCHENKIND

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine, schreckliche Drache kann zwar schon gut fliegen und ein wenig Feuer spucken, doch zur Vervollkommnung seiner Drachenschrecklichkeit braucht er ein menschliches Gegenüber zum Üben. Die Dracheneltern zeichnen ihrem Sprößling das Bild eines Menschenkindes und erklären, daß solche Kinder leicht zu erschrecken seien, ja, sie wären regelrechte „Angsthasen“ und würden beim Anblick eines Drachen sofort vor Furcht zittern.

Keine Frage, daß der kleine Drache nun sofort ein Kind haben möchte. Die Drachen-mama fliegt also von der Drachenburg ins nahegelegene Dorf, wittert nach einem Kind und findet einen Jungen, der neugierig an seinem geöffneten Kinderzimmerfenster steht. Dieses Kind wirkt zwar nicht besonders erschrocken, aber die  Drachenmama pflückt es gleichwohl vom Fenster, fliegt mit ihm zur Burg zurück und setzt das Kind vor dem kleinen Drachen ab.

Nun demonstriert der kleine Drache eifrig, was er schon alles kann. Er fliegt hin und her und faucht, doch das Kind zeigt keine Anzeichen von Furcht. Auch das Feuerspucken wird vom Kind mit aufmerksamem Interesse betrachtet, aber nicht mit Angst. Die Dracheneltern sind irritiert und verfrachten das Kind zum Schlafen ins Drachenbett.

Während die großen Drachen herumrätseln, wieso dieses Kind keine Anzeichen vom üblichen Angsthasentum zeigt, lernen sich das Kind und der kleine Drache ganz unbefangen und wechselseitig aufgeschlossen kennen. Schließlich setzt sich das Kind sogar auf die Schultern des kleinen Drachen, und nun erschrecken sie gemeinsam die großen Drachen.

Der kleine Drache verkündet schließlich den verdutzten großen Drachen, daß dieses Kind absolut kein Angsthase sei und auf den Namen „Beppo“ höre und daß er ihn jetzt wieder in sein Menschenhaus zurückflöge. Gesagt – getan! Und wir dürfen nun zu recht vermuten, daß damit eine schöne Freundschaft zwischen Drachenkind und Menschenkind beginnt.

In dieser Geschichte wird die Relativität von Angst und Mut mit heiterer Spannung anschaulich und situationskomisch inszeniert. Die Dracheneltern beschreiben Menschenkinder als Angsthasen, und aus Drachenperspektive ist es nicht abwegig, ein kleines, flugunfähiges und gewissermaßen wehrloses Lebewesen für besonders furchtsam zu halten. Was sie nicht einkalkulieren ist, daß Angst und Mut nicht nur eine Frage körperlicher Über- oder Unterlegenheit ist, sondern auch eine Frage der inneren Einstellung gegenüber andersartigen, fremden Lebewesen. So ist in diesem Falle das Kind nicht ängstlich, sondern neugierig, interessiert und sehr erfolgreich freundschaftswagemutig.  

Die Illustrationen warten mit verspieltem Phantasiereichtum auf und geben der Geschichte ein abwechslungsreiches, ebenso vergnügliches wie stimmungsvolles Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. So stellt sich etwa am Ende der Geschichte – beim Anblick des Kinderzimmerinterieurs – heraus, daß das Kind offen-sichtlich eine große Vorliebe für Drachen hat und vermutlich deshalb so aufgeschlossen für eine echte Drachenbegegnung ist.  Die Darstellung der Drachen ist zudem auch keineswegs furchteinflößend, sondern eher von einer warmherzigen, augenzwinkernden Zärtlichkeit.

 

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Die Autorin und Illustratorin:


»Lieve Baeten (1954 – 2001) wurde in Zonhoven/Belgien geboren. Sie studierte Illustration an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen.  Es war ihr Traum, einmal ein eigenes Bilderbuch herauszubringen, und so entstand 1992 „Die neugierige kleine Hexe“. Die Abenteuer der kleinen Hexe Lisbet wurden schon bald in viele Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und bezauberten die Welt.«


Die Übersetzerin:

»Angelika Kutsch wurde 1941 geboren, war viele Jahre Lektorin im Verlag Friedrich Oetinger und arbeitet heute als freie Übersetzerin überwiegend aus dem Schwedischen.
Angelika Kutsch hat mit ihren einfühlsamen Übersetzungen erheblich zum Erfolg der schwedischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland beigetragen. Allein 150 von Angelika Kutsch übersetzte Titel sind zur Zeit lieferbar, darunter viele sehr erfolgreiche und preisge-krönte Bücher, so z. B. alle Kinder- und Jugendbücher von Henning Mankell, alle Pettersson-und-Findus-Titel von Sven Nordqvist und die Linnéa-Bücher von Christina Björk. Kein anderer Name wird so häufig im Übersetzerverzeichnis des Deutschen Jugendliteraturpreises genannt wie der von Angelika Kutsch.
Schon vor ihrer Tätigkeit als Übersetzerin und Lektorin hatte sich Angelika Kutsch einen Namen als Autorin gemacht. So wurde sie 1975 für ihr Buch „Man kriegt nichts geschenkt“ mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendbuchpreises zum Internationalen Jahr der Frau ausgezeichnet; 1974 hatte das Buch bereits auf der Auswahlliste der Kategorie Jugendbuch gestanden.«

Das goldene Drachenlexikon

  • Text und Illustrationen von Franz Sales Sklenitzka
  • Umschlag und Schuppengestaltung von Bernd Lehmann
  • G & G Verlag, September 2019 www.ggverlag.at
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 160 Seiten
  • Format: 17,5 x 24,5 cm
  • 15,00 €
  • ISBN 978-3-7074-2289-4
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

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D R A C H O L O G I E  MIT  P H A N T A S I E

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses fabulöse Drachenlexikon vermittelt Kindern spannendes zoologisches, botanisches und kulturhistorisches Wissen über Drachen. Von A wie Aldrovandi (1522 – 1605) – einem italienischen Gelehrten, der eine elfbändige „Historia animalium“ schrieb und darin auch Drachen auflistete -, blättern wir weiter zu Drachenbaum und Drachen- wurz, Glücksdrachen, Haselwurm, Kuscheldrachen, Lindwürmern und Mauerdrachen, Salamandern, Stollenwürmern, Wappendrachen und Wasserdrachen bis hin zu Z wie Zauberdrachen und Zwergdrachen. Wir werden informativ, unterhaltsam und phantasievoll in die ebenso umfangreiche wie vielfältige Drachenmaterie eingeführt. Die lexikalischen Texte sind interesseweckend formuliert und warten mit einer kindgemäß übersichtlichen Informationsdichte auf.

Ergänzt werden die zoologischen Ausführungen zudem mit Artikeln zu Amphibien, Echsen, Leguanen und Reptilien sowie um Detailinformationen zu Drachenblut, Drachenhaut, Drachenklauen, Drachenschuppen, Drachenspucke usw …

Historische (meist ernsthafte alte Stiche) und zeitgenössische (meist heiter-augen-zwinkernd gestimmte) Illustrationen bieten anschauliche visuelle Begleitung. Die Vorsatzblätter und die Seitenränder der Buchseiten sind mit einem Drachenschuppen-dekor ausgestattet, und ein alphabetischer Stichwortindex hilft beim schnellen thematischen Nachschlagen.

In den lexikalischen Einträgen finden sich gelegentlich Hinweise auf eine Drachenge-schichtenreihe, die der Autor ebenfalls verfaßt hat. Diese querverweisenden Erwähnun-gen von fiktiven Personen und Drachen fügen sich jedoch reibungslos in das dracho-logische Gesamtkonzept ein und bieten darüber hinaus sehr passende Anregungen zu weiterführender Kinderliteratur.

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Hier entlang zu Franz Sales Sklenitzkas Drachengeschichtenreihe:
Drachen machen starke Sachen
Drachen haben nichts zu lachen
Bei uns ein Dache? Dass ich nicht lache!
Drachen lassen’s richtig krachen

Der Autor & Illustrator:

»Franz Sales Sklenitzka, geboren 1947, zählt zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Österreichs. Für seine Bücher bekam er zahlreiche Preise wie den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich. Für sein bekanntestes Werk „Drachen haben nichts zu lachen“ wurde er mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Staatspreis für Illustration, dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien und 2004 mit dem „goldenen Buch“ ausgezeichnet. Webseite: http://www.sklenitzka.at/ «

Der Buchumschlag- und Schuppengestalter:

»Bernd Lehmann, 1982 in Köln geboren, studierte Illustration in Münster und Seoul, Südkorea. Seit seinem Diplom 2009 ist Bernd als selbstständiger Illustrator tätig und lebte einige Jahre in Berlin und Köln, bevor seine Frau und er 2015 zurück in die 24-Millionen-Metropole Seoul zogen. Weitere Illustrationen und Informationen finden Sie unter: www.berndfuerdiewelt.de «

Die Hüterin der Drachen

  • Auf der Suche nach dem letzten Himmelsdrachen
  • Text von Curatoria Draconis
  • Illustrationen von Tomislav Tomić
  • Originaltitel: »Dragon Ark«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Ute Löwenberg
  • Prestel Verlag, September 2021   www.prestel-junior.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 27,2 x 37 cm
  • 80 Seiten
  • 12,99 €
  • ISBN 978-3-7913-7483-3
  • Sachbilderbuch ab 8 Jahren mit Vorleseunterstützung
  • ab 10 Jahren zum Selbsterlesen

Die Hüterin der Drachen
DRACHEN – RETTER

Rezension von Ulrike Sokul ©

Dieses großformatige Sachbilderbuch stellt in Form eines erzählerischen Forschungs- reisetagebuchs einige faszinierende Drachenarten vor. Curatoria Draconis ist die Hüterin der Drachen. Gemeinsam mit einigen Wissenschaftlern erforscht sie die Drachen der Erde und gibt den von vielen Gefahren bedrohten Fabelwesen auf ihrer Drachenarche ein schützendes Refugium.

Die Drachenarche bietet für jede Drachenart ein passendes Biotop und zudem bei Bedarf medizinische Betreuung. Die Drachen unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihres Körperbaus, sondern auch hinsichtlich ihrer Zu- oder Abneigung gegenüber den Menschen. Manche Drachen haben einfach zu viele schlechte Erfahrungen mit gewissen Helden gemacht. Der Hüterin der Drachen vertrauen sie allerdings, denn sie gehört einem Geheimbund zum Schutz der Drachen an und nimmt ihre Aufgabe sehr ernst.

Eine Doppelseite zeigt einen Querschnitt durch die Drachenarche mit Einblicken in die verschiedenen länderspezifischen Drachenquartiere, in die Bibliothek und das Forschungsdeck.

Auf den folgenden Seiten werden Kontinent für Kontinent die dazugehörigen Drachen vorgestellt. Da wären beispielsweise die Parvula-Drachen aus dem Amazonas-Regen- wald, eine Miniaturdrachenart, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Schmetterlingen aufweist, wobei die Flügel eher Blütenblättern ähneln. Deutlich größer sind die Sanddrachen der Sahara, die antarktischen Eisdrachen oder die wohlwollenden asiatischen Long-Drachen.
 
Neben Wasserdrachen, Panzerdrachen, Lindwürmern und Hydren kommen auch die geflügelten, europäischen Wyvern-Drachen zu Wort, die ebenso gerne Geschichten erzählen wie Geschichten lauschen.

Jangtse-Drachen

Illustration von Tomislav Tomić © Prestel Verlag 2021

Während uns Curatoria Draconis kundig und detailverliebt von Drache zu Drache führt, sammelt sie von den verschiedenen Drachen kryptisch-poetische Hinweise, um den legendären Tian-Long-Drachen, den Hüter des Himmels, aufzuspüren. Denn diese vom Aussterben bedrohte Drachenart fehlt noch auf der Drachenarche …

Dieses Sachbilderbuch wartet mit beeindruckend faszinierenden und zauberhaften Drachenillustrationen auf. Doch auch die schönen landschaftlichen Kulissen sowie die zahlreichen Details der Drachenarche und die im Layout verteilten Kleinigkeiten und opulenten Drachendekorelemente sind wahrlich eine Augenweide und ein sehr anregen-der Phantasienährboden für Kinder.

Die Textmenge ist im Vergleich zur überbordenden Fülle der Illustrationen übersichtlich. Gleichwohl bietet sie in Form von Drachensteckbriefen, Warnhinweisen und Natur- schutzmahnungen, handschriftlichen Forschungsnotizen sowie Logbucheinträgen viele spannen-de Informationen. Animierend kommt hinzu, daß Curatoria Draconis die kindlichen Leser immer wieder als „Drachenhüter-Lehrling“ direkt anspricht und ihnen vertrauliche Hinweise zum richtigen Umgang mit Drachen gibt.

Dieses hochwertig gestaltete Sachbilderbuch weckt nicht nur bei Kindern lebhafte Begeisterung und Interesse für Drachen. Wer sich dank dieser Lektüre nicht mit Drachen anfreunden kann, hat entweder keine Phantasie oder trägt den Namen Herakles.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
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Ergänzend zum Buch gibt es auch noch ein 1000-teiliges Drachen-Puzzle:
https://www.buchkatalog.de/die-hueterin-der-drachen-puzzle-4250938900040

PS
Zarter Hinweis für altsprachlich vorgebildete erwachsene Leser: Curatoria Draconis (Genitiv singular) müßte eigentlich lauten Curatoria Draconum (Genitiv plural).

Die Autorin:

»Curatoria Draconis alias Emma Roberts ist die Ich-Erzählerin als Hüterin der Drachen im gleichnamigen Buch. Zusammen mit ihrer Crew von Wissenschaftlern, Entdeckerinnen und Abenteurern der Drachen-Arche umsegelt sie die Welt auf der Suche nach Drachen. Ihre Lebensaufgabe ist es die Drachen zu schützen, sie wissenschaftlich zu erforschen und die Menschen über die Existenz dieser wunderbaren Wesen aufzuklären.«

Der Illustrator:

»Tomislav Tomić, geboren 1977, ist ein kroatischer Illustrator. Er hat an der Akademie der bildenden Künste in Zagreb studiert und hat bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher sowie Malbücher und Buchcover illustriert. Sein fast altmeisterlich anmutender, unglaublich detaillierter Zeichenstil verbindet fantastische Inhalte auf faszinierende Weise mit dem realistisch dargestellten Ambiente.«

Das große Rafik Schami Buch

SEHNSUCHTSSCHWALBEN  &  LIEBESÜBUNGEN

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Das große Rafik Schami Buch bildet ein abwechslungsreiches, farbenfrohes Mosaik von Texten aus verschiedenen Erzählungen, Romanen und Bilderbuchgeschichten Rafik Schamis. Es eignet sich für den Neuling vorzüglich als Leseschnupperkurs und für den Kenner als vertrautes Wiederlesevergnügen. Der Hanser Verlag empfiehlt es als Kinderbuch ab 10 Jahren, ich hingegen empfehle es als zeitlose Lektüre für jedes Alter.

Märchenhaft wird uns vermittelt wie man Drachen überlistet und wie erkenntnis- fördernd und befreiend Verrücktheit sein kann.

Gerne nehmen wir Anteil am Liebesbriefnachhilfeunterricht eines verliebten Jünglings und an seinen ersten zärtlichen Fortschritten.

In den Fabeln illustrieren Schweine, Hühner, Füchse, Raben, Pfauen, Fische, ein reise-lustiger Baum und eine tapfere Mohnblume sowie einige fabelhafte Fürze, die Spannung zwischen Individualität und Mitläufertum, Großzügigkeit und Kleinlichkeit, Eitelkeit und Originalität, unterwürfigem Gehorsam und mutiger Freiheit, engstirniger Beschränkt- heit und atmender Geistesweite sowie zwischen ängstlicher Gewohnheit und hoffnungsfroher Lebensneugier.

In dieser Textsammlung finden sich neben der bewährten Kombination aus Schamis persönlicher Lebenserfahrung und Fiktion alle Themen, die für Rafik Schamis Werk charakteristisch sind: die Stärke des Schwachen und die Schwäche des Starken, bittere und süße Menschenkenntnis, die Entlarvung von Vorurteilen, Gesellschaftskritik, der ebenso kennerische wie schelmische Blick auf klassische Mentalitätsunterschiede zwischen Orientalen und Deutschen, Wehmut und Lebensfreude, gerechter Zorn und heilsamer Humor, weise Kindlichkeit und kindliche Weisheit, wirkliche Wunder und wunderliche Wirklichkeiten – all dies getragen von Rafik Schamis warmherzigem erzählerischen Basso continuo.

„Ich wünsche mir in meinen schlaflosen Nächten, dass meine Lippen zu Schmetterlingen werden, die deine Haut leise küssen …“ (Seite 19)

„Sonne, Wind und Regen haben ihre tiefen, geheimnisvollen Zeichen in die Wand ge-meißelt. Menschen, Tiere und unvollendete Gestalten scheinen im Spiel von Licht und Schatten zu wechseln. Das Zirpen der Zikaden in der Mittagshitze begleitet den Meißel der Zeit mit rhythmischen Gesängen.“ (Seite 86)

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
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Der Autor:

»Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland. 1979 promovierte er im Fach Chemie. Sein umfangreiches Werk wurde in 32 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so u.a. mit dem Hermann-Hesse-Preis, dem Nelly-Sachs-Preis, dem Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Im Hanser Kinder- und Jugendbuch erschien u.a. Das ist kein Papagei (illustriert von Wolf Erlbruch, 1994), Die Sehnsucht der Schwalbe (2000); Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm (2003, illustriert von Ole Könnecke); Der Kameltreiber von Heidelberg  (2006, illustriert von Henrike Wilson); Das Herz der Puppe (2012, illustriert von Kathrin Schärer), Meister Marios Geschichte (2013, illustriert von Anja Maria Eisen); im Erwachsenenprogramm des Verlages Die dunkle Seite der Liebe (Roman, 2004), Das Geheimnis des Kalligraphen (Roman, 2008), Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte (2011) und  Sophia oder Der Anfang aller Geschichten (2015). Im Herbst 2019 folgen sein Bilderbuch  Elisa oder Die Nacht der Wünsche (illustriert von Gerda Raidt) und der Roman  Die geheime Mission des Kardinals

Querverweis:

Hier geht es zu Rafik Schamis Kinderbuch „Meister Marios Geschichte“, in der sich Marionetten als Freiheitskämpfer entpuppen:  Meister Marios Geschichte
Und hier klopft „Das Herz der Puppe“, ein Buch voller Alltag und Wunder, spielerischem Tiefsinn und poetischer Phantasie, das von Rafik Schamis lebendigem Kinderherzen zeugt. Ich lege es Lesern von acht bis achtundachtzig Jahren ans Herz:  Das Herz der Puppe
Hier entlang zu Rafik Schamis berühmtem Bilderbuch „Der Wunderkasten“,
das von der Zauberkunst handelt, mit Worten zu malen und Kinder zu lehren, mit dem Herzen zu sehen:  Der Wunderkasten
Und nun noch hereinspaziert in mein Lieblingsbuch Rafik Schamis: „Der Erzähler der Nacht“: Erzähler der Nacht

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Der Kinder Kalender 2019

  • Mit 53 Gedichten und Bildern
  • aus der ganzen Welt
  • Herausgegeben und ausgewählt von der
  • Internationalen Jugendbibliothek, München www.ijb.de
  • Mehrsprachig
  • erschienen im Verlag edition momente, Juni 2018  www.edition-momente.com
  • graphische Gestaltung von Max Bartholl
  • 60 Blätter
  • 53 vierfarbige Illustrationen
  • Format: 33 x 30,5 cm
  • Spiralbindung
  • 20,– €, 30,50 sFr.
  • ISBN 978-3-0360-5019-5
  • Für Kinder jeden Alters

WELTENKINDER  KINDERWELTEN

Kalenderbegeisterung von Ulrike Sokul ©

Alle Jahre wieder leistet „Der Kinder Kalender“ mit seiner poetischen und malerischen Vielstimmigkeit einen anregenden und vergnüglichen Beitrag zur Herzensbildung von Kindern.

Das geneigte Publikum beachte bitte auch bei diesem Kalender seine Umbe- nennung von „Arche Kinder Kalender“ zu „Der Kinder Kalender“, die aus verlagshintergründigen Markennamen-Änderungszwängen erfolgt, welche bereits in der vorhergehenden Besprechung und im Kommentarschweif des „Literatur Kalenders“ erörtert wurden.
(siehe:
https://leselebenszeichen.wordpress.com/2018/11/03/der-literatur-kalender-2019/)

Die Lektoren der Internationalen Jugendbibliothek* wählen aus ihrem reich- haltigen Kinderbuch-Sammlungsfundus Kindergedichte aus aller Welt aus, die professionell und einfühlsam ins Deutsche übertragen werden. Max Bartholl, der Hausgraphiker des Verlags edition momente, kümmert sich um das Layout der Kalenderblätter und arrangiert das Originalgedicht und die deutsche Über- tragung anschaulich mit der jeweiligen Originalillustration.
Dieser Kalender bringt die Welt und ihren Sprachreichtum ins Kinderzimmer und eröffnet spielerisch den Horizont für poetische Ausdrucksvielfalt und weltenweite kindliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Hier gibt es Heiteres und Ernstes, Kluges und Schelmisches, Märchenhaftes und Sozialkritisches, Unsinn und Wortspielerei, Fremdes und Vertrautes, Gemüt- liches und Abenteuerliches, Stadtleben und Dorfleben, Wüstenwind und Regen, Blumen und Sterne, Jahreszeitenstimmungen und Familiengefühle, fabelhafte Drachen und Drachen aus Papier, Wasserbüffel, Leguan und Pinguin, Katz und Hund und Lieblingsmenschen, Musik, Tanz und Gesang …
Mehr als 30 Sprachen kommen zu Wort und bieten ein polyglottes, panaroma- tisches, poetisches Potpourri, von dem es sich stets zu lese- und vorlesenaschen lohnt. Und auch der farbenfrohe, stilistische Variationsspielraum der Illustrationen kann sich sehenlassen.

Eine praktische Zugabe ist das freigebliebene Kalenderblatt, das die Kinder selber „bedichten“ und bemalen können. Dieses selbstgestaltete Kalenderblatt kann bis zum 1. Dezember 2019 an die Internationale Kinderbibliothek gesendet werden, welche die fünf schönsten Blätter auswählt und mit einem Kinder Kalender 2020 belohnt. Daß die Internationale Kinderbibliothek jedes Jahr Hunderte von Einsendungen bekommt, zeigt eine erfreuliche poetisch-kreative Ansprechbarkeit der kindlichen Kalendernutzer.

Beiläufig noch meine persönliche Nachhaltigkeitsanregung: Nach Jahresablauf können die Kalenderblätter, die man nicht gerahmt oder ungerahmt an die Wand hängen möchte, wunderbar als Geschenkpapier oder Briefpapier wiederverwertet und „weitergesagt“ werden.

Hier entlang zum Kalender, nebst vorköstlicher Blättermöglichkeit auf der Verlagswebseite:
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* »Die Internationale Jugendbibliothek, die ihren Sitz im Schloss Blutenburg in München hat, ist die weltweit größte und renommierteste Bibliothek für internationale Kinder- und Jugendliteratur. Sie wurde 1949 von der deutsch-jüdischen Emigrantin Jella Lepman gegründet, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, mit Kinderbüchern Brücken zwischen den Völkern und Kulturen zu bauen. Bücher sollten die Fantasie der deutschen Nachkriegskinder anregen und ihnen eine offene Weltsicht vermitteln.
Die Idee des interkulturellen Dialogs und die Liebe zu guter Literatur bestimmen seit mehr als 60 Jahren die Arbeit der Internationalen Jugendbibliothek. Sie ist ein Ort, an dem die Literaturvermittlung einen hohen Stellenwert hat und an dem mit Kindern und Erwachsenen der Diskurs über Bücher, Autoren, Illustratoren und Themen gesucht wird.«  Weitere Informationen:  http://www.ijb.de

Wer Mitglied im »Verein Freunde und Förderer der Internationalen Jugendbibliothek« wird, der bekommt u.a. im ersten Jahr den Kinder Kalender als Begrüßungsgeschenk. http://www.ijb.de/ueber-uns/freundeskreis.html

Hier sei auch darauf hingewiesen, daß der Verlag  edition momente außer dem hier besprochenen Kinder Kalender noch vier weitere beachtenswerte Kalender publiziert:

Der Jazz Kalender 2019
Mit Texten von Roger Willemsen
https://www.edition-momente.com/kalender/der-jazz-kalender-2019.html

Der literarische Küchenkalender 2019
Herausgegeben von Sybil Gräfin Schönfeldt
https://www.edition-momente.com/kalender/der-literarische-kuechenkalender-2019.html

Der Literatur Kalender 2019
Herausgebeben von Elisabeth Raabe

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Der Musik Kalender 2019
https://www.edition-momente.com/kalender/der-musik-kalender-2019.html
Eine wortwörtlich klangvolle, wortvirtuose und vielsaitige Rezension des Musik Kalenders findet sich auf der Webseite „meines“ geschätzten Maestros RANDOM RANDOMSEN: https://randomrandomsen.wordpress.com/2018/11/07/taktvoll-durch-den-all-tag/

 

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Eine Muschel für Romy

Dieses Kinderbuch ist inzwischen beim Verlag vergriffen. Sie können es jedoch noch leicht antiquarisch finden.

Eine Muschel für Romy

H E R Z E N S B I L D U N G

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Eine kleine Geschichte mit großer Lebensweisheit – kindgemäß und unaufdringlich erzählt und möglicherweise sogar selbst erlebt.

Romy und Nika, die seit drei Tagen beste Freundinnen sind, lassen auf den Schafswiesen hinter dem Deich Romys roten Drachen fliegen. Doch Romy hält den Drachen an solch kurzer Leine, daß er gar nicht richtig hochsteigen kann. Nika möchte dem Drachen mehr Leine lassen, doch Romy befürchtet, daß sie dann die Kontrolle über ihn verliert und er sich vielleicht sogar losreißt und wegfliegt. Darüber geraten die beiden Freundinnen in Streit, und schließlich empört sich Romy darüber, daß Nika wütend wird, obwohl sie doch beste Freundinnen sind. Daraufhin kündigt ihr Nika die Freundschaft und wendet sich ab.

Am nächsten Tag sitzt Romy alleine und traurig am Strand und fragt sich verzweifelt, ob sie überhaupt jemand mag. Sie beobachtet eine Frau, die singend Muschelschalen sammelt und diese wieder ins Meer zurückwirft. Freundlich geht die Frau auf Romy zu, stellt sich als Mara vor, und als sie empathisch bemerkt, daß Romy traurig ausschaue, erzählt Romy davon, wie enttäuscht sie von Nika sei, die doch versprochen habe, für immer ihre beste Freundin zu sein.

Mara zeigt Romy eine schöne Muschelschale, die sie vorhin am Strand gefunden hat, und Romy fragt, ob sie die Muschel haben dürfe. Sie bekommt die Muschel unter der Bedingung, daß sie die Muschel später wieder ins Meer zurückwirft. Romy findet das zwar seltsam, stimmt jedoch zu, da sie unbedingt die Muschel haben möchte, und Mara verabschiedet sich mit einem Augenzwinkern.

Romy beschließt, sich nie mehr von dieser schillernden Muschel zu trennen, sie will sie an einem Band um den Hals tragen, damit sie sie nicht verliert. Doch bei dem Versuch, mit der Schere ein Loch in die Schale zu bohren, um sie auf ein Band aufzufädeln, zerbricht die Muschel in viele kleine Scherben.

In der Schule verteilt Romy Einladungskarten zu ihrem baldigen Geburtstag, und Nika sagt ihr genervt vor allen anderen Kindern, daß sie nicht zu ihrer Feier komme. Romy ist ganz niedergeschlagen.

Zufällig trifft sie Mara wieder und gesteht ihr, was sie mit der Muschel gemacht hat. Mara schenkt ihr wieder eine Muschel, die noch viel schöner ist als die erste, und wieder knüpft sie die Bedingung daran, daß Romy sie ins Meer zurückwerfen solle. Als Romy fragt, warum sie die Muschel denn nicht behalten solle, bekommt sie folgende Erklärung von Mara: „Die Dinge, die man besonders liebhat, darf man nicht festhalten. Man muss sie loslassen, damit sie frei sein können.“ Das ist eine harte Nuß für Romy, aber sie denkt ernsthaft darüber nach und wirft die Muschel später ins Meer.

Einen Tag nach der Loslaßübung spricht Romy Nika an und sagt, daß es ihr leid täte, sie immer so bedrängt zu haben, und ob sie nicht einfach mal wieder den Drachen fliegen lassen sollten, und zwar ganz hoch. Erleichtert stimmt Nika zu, sie laufen zum Deich und lassen den Drachen steigen. Romy läßt die Leine so locker wie noch nie, und der Drache steigt höher als je zuvor, er reißt sich los und fliegt davon.

Romy bleibt locker und bewundert lächelnd die einmalige Augenblicksschönheit des freifliegenden Drachen und Nika schließt sich Romys Sichtweise an. Beiläufig sagt Nika anschließend: „Ich komme übrigens zu deinem Geburtstag.“ Und Romy fühlt sich plötzlich, als könne sie fliegen …

Tanya Stewner beschreibt sehr einfühlsam, verständnisvoll und punktgenau die kind-liche Unsicherheit und Zuneigungsbedürftigkeit sowie die keimende und wachsende Selbsterkenntnis der kleinen Romy. Romys Verhalten ist zunächst von ihren Verlust-ängsten bestimmt. Sie fordert Garantien und Versprechen ein, die den freien Fluß zwischenmenschlichen Miteinanders beschweren und blockieren und exakt das Gegenteil des Ersehnten bewirken. Die freundlich-geheimnisvolle Mara schenkt ihr liebevolle Aufmerksamkeit, heilsame Anregungen, eine reifere Perspektive und fördert so achtsam ihre Herzensbildung.

Die farbigen, ganz- und doppelseitigen Illustrationen von Martina Hoffmann begleiten den Text harmonisch und stimmungsvoll.

PS:
Ich würde der kleinen Romy folgenden Spruch ins Poesiealbum schreiben:

»Wer eine Freude an sich fesseln möchte,
stutzt dem Leben die Flügel;
aber wer die Freude küßt,
wie sie ihm zufliegt,
lebt wie im Sonnenaufgang der Unendlichkeit.«

– William Blake-

Dieses Kinderbuch ist inzwischen beim Verlag vergriffen. Sie können es jedoch noch leicht antiquarisch finden.

Die Autorin:

»Tanya Stewner wurde 1974 im Bergischen Land geboren. Sie begann bereits mit zehn Jahren, Geschichten zu schreiben, und widmet sich inzwischen ganz der Schriftstellerei. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter Mailena in Wuppertal. Bei FISCHER sind von ihr bereits die Kinderbuchreihe über die Tier-Dolmetscherin Liliane Susewind und die Trilogie über die Elfe Hummelbi erschienen.«
Weitere Informationen auf der Webseite der Autorin: http://tanyastewner.de/

Die Illustratorin:

»Martina Hoffmann, geboren 1979, ist freischaffende Illustratorin. Ihre Bilderwelten zieren Magazine, Plakate, Plattenhüllen und Kinderbücher. Seit 2005 erscheinen alljährlich ihre beliebten Kalender für Mädchen und Jungen im Eigenverlag. Martina Hoffmann lebt und arbeitet in Berlin.«
Weitere Informationen auf ihrer Webseite: http://www.stiftundpapier.de/

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