- Text und Illustrationen von Lieve Baeten
- Deutsch von Angelika Kutsch
- Oetinger Verlag, 1. Auflage August 2000 www.oetinger.de
- gebunden
- Fadenheftung
- Format: 28,7 x 22,3 cm
- 32 Seiten
- 15,00 € (D), 15,50 € (A)
- ISBN 978—78991-6338-8
- Bilderbuch ab 3 Jahren

DRACHENKIND UND MENSCHENKIND
Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©
Der kleine, schreckliche Drache kann zwar schon gut fliegen und ein wenig Feuer spucken, doch zur Vervollkommnung seiner Drachenschrecklichkeit braucht er ein menschliches Gegenüber zum Üben. Die Dracheneltern zeichnen ihrem Sprößling das Bild eines Menschenkindes und erklären, daß solche Kinder leicht zu erschrecken seien, ja, sie wären regelrechte „Angsthasen“ und würden beim Anblick eines Drachen sofort vor Furcht zittern.
Keine Frage, daß der kleine Drache nun sofort ein Kind haben möchte. Die Drachen-mama fliegt also von der Drachenburg ins nahegelegene Dorf, wittert nach einem Kind und findet einen Jungen, der neugierig an seinem geöffneten Kinderzimmerfenster steht. Dieses Kind wirkt zwar nicht besonders erschrocken, aber die Drachenmama pflückt es gleichwohl vom Fenster, fliegt mit ihm zur Burg zurück und setzt das Kind vor dem kleinen Drachen ab.
Nun demonstriert der kleine Drache eifrig, was er schon alles kann. Er fliegt hin und her und faucht, doch das Kind zeigt keine Anzeichen von Furcht. Auch das Feuerspucken wird vom Kind mit aufmerksamem Interesse betrachtet, aber nicht mit Angst. Die Dracheneltern sind irritiert und verfrachten das Kind zum Schlafen ins Drachenbett.
Während die großen Drachen herumrätseln, wieso dieses Kind keine Anzeichen vom üblichen Angsthasentum zeigt, lernen sich das Kind und der kleine Drache ganz unbefangen und wechselseitig aufgeschlossen kennen. Schließlich setzt sich das Kind sogar auf die Schultern des kleinen Drachen, und nun erschrecken sie gemeinsam die großen Drachen.
Der kleine Drache verkündet schließlich den verdutzten großen Drachen, daß dieses Kind absolut kein Angsthase sei und auf den Namen „Beppo“ höre und daß er ihn jetzt wieder in sein Menschenhaus zurückflöge. Gesagt – getan! Und wir dürfen nun zu recht vermuten, daß damit eine schöne Freundschaft zwischen Drachenkind und Menschenkind beginnt.
In dieser Geschichte wird die Relativität von Angst und Mut mit heiterer Spannung anschaulich und situationskomisch inszeniert. Die Dracheneltern beschreiben Menschenkinder als Angsthasen, und aus Drachenperspektive ist es nicht abwegig, ein kleines, flugunfähiges und gewissermaßen wehrloses Lebewesen für besonders furchtsam zu halten. Was sie nicht einkalkulieren ist, daß Angst und Mut nicht nur eine Frage körperlicher Über- oder Unterlegenheit ist, sondern auch eine Frage der inneren Einstellung gegenüber andersartigen, fremden Lebewesen. So ist in diesem Falle das Kind nicht ängstlich, sondern neugierig, interessiert und sehr erfolgreich freundschaftswagemutig.
Die Illustrationen warten mit verspieltem Phantasiereichtum auf und geben der Geschichte ein abwechslungsreiches, ebenso vergnügliches wie stimmungsvolles Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. So stellt sich etwa am Ende der Geschichte – beim Anblick des Kinderzimmerinterieurs – heraus, daß das Kind offen-sichtlich eine große Vorliebe für Drachen hat und vermutlich deshalb so aufgeschlossen für eine echte Drachenbegegnung ist. Die Darstellung der Drachen ist zudem auch keineswegs furchteinflößend, sondern eher von einer warmherzigen, augenzwinkernden Zärtlichkeit.
Hier entlang zum Buch und zur Leseprobeu auf der Verlagswebseite:
https://www.oetinger.de/buch/kleiner-schrecklicher-drache/9783789163388
Die Autorin und Illustratorin:
»Lieve Baeten (1954 – 2001) wurde in Zonhoven/Belgien geboren. Sie studierte Illustration an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen. Es war ihr Traum, einmal ein eigenes Bilderbuch herauszubringen, und so entstand 1992 „Die neugierige kleine Hexe“. Die Abenteuer der kleinen Hexe Lisbet wurden schon bald in viele Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und bezauberten die Welt.«
Die Übersetzerin:
»Angelika Kutsch wurde 1941 geboren, war viele Jahre Lektorin im Verlag Friedrich Oetinger und arbeitet heute als freie Übersetzerin überwiegend aus dem Schwedischen.
Angelika Kutsch hat mit ihren einfühlsamen Übersetzungen erheblich zum Erfolg der schwedischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland beigetragen. Allein 150 von Angelika Kutsch übersetzte Titel sind zur Zeit lieferbar, darunter viele sehr erfolgreiche und preisge-krönte Bücher, so z. B. alle Kinder- und Jugendbücher von Henning Mankell, alle Pettersson-und-Findus-Titel von Sven Nordqvist und die Linnéa-Bücher von Christina Björk. Kein anderer Name wird so häufig im Übersetzerverzeichnis des Deutschen Jugendliteraturpreises genannt wie der von Angelika Kutsch.
Schon vor ihrer Tätigkeit als Übersetzerin und Lektorin hatte sich Angelika Kutsch einen Namen als Autorin gemacht. So wurde sie 1975 für ihr Buch „Man kriegt nichts geschenkt“ mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendbuchpreises zum Internationalen Jahr der Frau ausgezeichnet; 1974 hatte das Buch bereits auf der Auswahlliste der Kategorie Jugendbuch gestanden.«








