Die Spieluhr – Taschenbuchausgabe


B I L D E R R E I G E N

Buchbesprechung von Ulrike Sokul ©

„Die Spieluhr“ von Ulrich Tukur ist eine musische, malerische und musikalische Geschichte, poetisch, geheimnisvoll und vielschichtig; sprachlich wunderbar geschliffen, anziehend altmodisch, niveauvoll  –  ja: ELEGANT. Ich bin hingerissen, solches Sprachgut bei einem Autoren der Gegenwart erlesen zu dürfen!

Ulrich Tukur, der den meisten wohl als Schauspieler bekannt sein dürfte und vielleicht auch als Musiker und Sänger der Tanzkapelle „Ulrich Tukur und die Rhythmus Boys“, offenbart mit der Novelle „Die Spieluhr“ ein weiteres beachtliches Talent als Schriftsteller.

Der Autor erzählt von den Dreharbeiten zur Filmbiographie der Malerin Séraphine Louis. Im Film verkörpert er Wilhelm Uhde, einen deutschen Kunstsammler, der 1912 bei einem Urlaubsaufenthalt in der französischen Kleinstadt Senlis das außergewöhnliche Maltalent von Séraphine entdeckt und fördert.  

Ulrich Tukur beginnt als Ich-Erzähler mit der Gegenwart seiner Ankunft am Drehort, leitet dann über in die Vergangenheit und beschreibt einfühlsam Wilhelm Uhde und Séraphine Louis sowie die unkonventionelle Begegnung und Verbindung zwischen akademischer Kultiviertheit und mystisch-religiösem Naturtalent.   

Zurück in der Gegenwart berichtet der Autor von einem Problem bei den Dreharbeiten: Der Filmarchitekt hat trotz umfänglicher Hausbesichtigungen noch nicht den passenden Drehort für die Inszenierung von Séraphines Unterkunft gefunden. Der Regisseur will keinen Studioaufbau, sondern unbedingt etwas Echtes.

Der Regieassistent Jean-Luc, der fertiges Filmmaterial nach Paris zum Entwickeln bringen soll, verschwindet spurlos und taucht sichtlich erschüttert zwei Tage später wieder auf und erzählt, daß er unterwegs zufällig (oder schicksalhaft) ein verborgenes Schloß entdeckt habe. Dort befände sich ein Raum, der sich perfekt als Séraphines Filmzimmer eigne. Er hätte schon alles mit dem Schloßherrn besprochen, der sogar bereit sei, die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Jean-Luc versucht seine irrlichternden Erfahrungen mit dem geheimnisvollen Schloß und seinen Bewohnern in Worte zu fassen; nicht ganz zu Unrecht befürchtet er, von seinen Zuhörern für verrückt gehalten zu werden. Der Schloßherr, der Marquis von Montrague, hat ihn freundlich und mit bescheidener Gastlichkeit im Küchengewölbe aufgenommen. Beim Abendbrot erklingt eine betörend schöne Musik aus der oberen Etage, und der Marquis erklärt, daß sein Sohn Amadé im alten Spiegelsaal Cembalo spiele; der Sohn habe das musikalische Talent einer Ahnin aus dem 18. Jahrhundert geerbt.

Während der Marquis erzählt, wie diese Ahnin, Marie-Élisabeth de Courtils, dank ihrer musikalischen Virtuosität und ihrer besonderen Schönheit zur Zeit der Französischen Revolution  – wortwörtlich – ihren Kopf retten konnte, schaut Jean-Luc gewissermaßen durch die Augen des Marquis auf das Portrait der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils. Sodann sieht er, wie die Bildleinwand aus dem Rahmen gelöst wird; dahinter erscheint ein Schloßsaal, der vom revolutionären Pöbel gestürmt und verwüstet wird… Plötzlich sitzt er wieder im Küchengewölbe und lauscht dem Bericht des Marquis, der inzwischen von den Verhältnissen im Schloß zur Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg berichtet.

Schließlich begleitet der Schloßherr Jean-Luc zu seinem Gastzimmer und erwähnt beiläufig, daß dort einst eine Magd gewohnt habe, die später als Malerin zu Ruhm gekommen sei. Auf dem Weg dorthin passieren sie eine Portraitgalerie; im unbeständigen Kerzenlicht – das Schloß verfügt nicht über einen Stromanschluß – scheinen die abgebildeten Personen seltsam bewegt und lebendig zu sein. Der Marquis schickt seinen Gast mit der ausdrücklichen Bitte und Warnung zu Bett, des Nachts keinesfalls sein Zimmer zu verlassen.

Jean-Luc inspiziert die altmodische Kammer und betrachtet eine gerahmte, sentimentale Mariendarstellung. Als er den Kerzenleuchter näher an das Bild hält, öffnet sich der gemalte Mund und die Madonna spricht zu Séraphine und gibt ihr Anweisungen zum Mischen der Farben für ein Gemälde des Paradiesbaumes…

Der Regisseur und die anderen Filmkollegen nehmen diese seltsame Geschichte erst einmal so hin und fahren für den Rest des Tages mit den Dreharbeiten fort. Nach Drehschluß soll Jean-Luc dem Aufnahmeleiter und dem Filmausstatter das Schloß zeigen. Er fährt mit ihnen den gleichen Weg, den er genommen hatte, aber es findet sich kein Schloß. Auf die scherzhafte Frage, welche Sorte Drogen er denn eingenommen habe, reagiert Jean-Luc empört; er macht sich alleine auf die weitere Suche und verschwindet im Wald.

Jean-Luc bleibt verschwunden und wird als vermißt gemeldet. Die Dreharbeiten gehen weiter und werden abgeschlossen. Ulrich Tukur genießt den letzten Sommerabend vor seiner Abreise auf der Terrasse seines Hotelzimmers und reflektiert selbstkritisch über seine Darstellung des Wilhelm Uhde. Unverhofft erscheint Jean-Luc in sehr abgerissener Verfassung auf der Terrasse, bittet um Speise und Trank und vertraut Ulrich Tukur die Fortsetzung seiner unglaublichen Geschichte an.

Trotz der Warnung des Marquis hatte Jean-Luc seine Schlafkammer verlassen und war dem Klang der überirdischen Cembalomusik gefolgt, die ihn zum Spiegelsaal führte. Amadé, der Cembalospieler, freute sich sehr über den Besuch Jean-Lucs und ein wenig Unterhaltung und empfing ihn mit gutem alten Wein. Doch das im Saal befindliche, seltsam leuchtende Gemälde der Marquise Marie-Élisabeth de Courtils beanspruchte Jean-Lucs ganze Aufmerksamkeit, und er war mehr denn je unwiderstehlich angezogen von ihrer verheißungsvollen Schönheit und Ausstrahlung. Amadé machte sich zwar lustig über Jean-Lucs Entflammtheit, führte ihm jedoch auch vor, wie er durch das Aufziehen einer magischen Spieluhr in die Welt hinter dem gemalten Bild gelangen könnte…

Nach dieser Beichte verschwindet Jean-Luc erneut, und erst ein halbes Jahr später erfährt Ulrich Tukur im Zusammenhang mit den Synchronisationsarbeiten zum Film, daß sich Jean-Luc erhängt hat. Außerdem hat er einen Brief für Ulrich Tukur hinterlassen. Dieser Brief und seine Betroffenheit über den Tod des jungen Mannes veranlassen ihn, den Spuren Jean-Lucs zu folgen und sich selbst auf die Suche nach dem eigentümlichen Schloß zu begeben.

Er findet das wirklich-unwirkliche Schloß im Jahre 1944 und betritt eine Reihe von changierenden Räumen; Gobelins führen in wirkliche Landschaften, und Landschaften wieder in geschlossene Räume, Menschen gelangen in Bilder und Bilder in Menschen, man weiß nicht mehr, ob Menschen Bilder betrachten oder umgekehrt. Die Spieluhr spielt nach einer traumwandlerischen Choreographie mit Raum und Zeit und Leben.

Auch äußerlich hat dieses faszinierende Buch viel zu bieten:
Es ist in puderig-blaugrünes Leinen gebunden, mit einem floralen Motiv im Goldprägedruck als Titelbild, die Vorsatzblätter sind aus schwarzem, atlasseidig anmutendem Papier, die Serifen-Typographie »Centaur« ist reizvoll antiquarisch, gleichwohl gut und sehr klar leserlich. Das Verlagslogo ist unauffällig, beinahe unsichtbar ins Leinen eingeprägt, und es gibt ein LESEBÄNDCHEN. Ich liebe Lesebändchen, sie sind schön, praktisch und – heutzutage – luxuriös.

Die Gestaltung (von Sabine Wimmer, Berlin) des Buches läßt es wie ein neues, altes Buch erscheinen, das gut in ein Buchhändlerschaufenster von 1913/14 gepaßt hätte. Ange-sichts unserer plakativen, bildinflationären Sehgewohnheiten ist diese Buchgestalt von wohltuender Unaufdringlichkeit und harmoniert ausdrücklich mit dem feinsinnigen Text.

Zum Ausklang noch ein Zitat als Leseleckerbissen:

Ich sammelte die herausgefallenen Kerzen ein, steckte sie zurück und zündete sie an. Die Gegenstände um mich herum, ihrer nächtlichen Gestaltlosigkeit entrissen, flossen zögerlich zurück in die Form, die ihnen vom Licht bestimmt war.“ (Seite 54)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.ullstein.de/werke/die-spieluhr/taschenbuch/9783548288758

Der Autor:

»Ulrich Tukur, 1957 in Viernheim geboren, ist einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, 2013 wurde ihm der Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache verliehen. 2005 erschien sein Erzählungsband Die Seerose im Speisesaal. Ulrich Tukur lebt mit seiner Frau, der Fotografin Katharina John, in Venedig.«

 

Das war doch keine Absicht!

TSCHULDIGUNG!

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühle hat einen dritten Band mit den streitlustigen Waldbewohnern Bär und Wiesel geschrieben und gezeichnet. Im ersten Band „Zwei für mich, einer für dich“ Zwei für mich, einer für dich ging es ums gerechte Teilen, der zweite Band „Morgen bestimme ich!“ Morgen bestimme ich! handelt davon, wer mit wem spielen soll und dabei den Ton angibt, und im neuen dritten Band wird das Thema des angemessenen Entschuldigungs-verhaltens durchgespielt.

Es ist Winter, und der große Bär räumt mit einer großen Schaufel Schnee weg, während das kleine Wiesel mit einem kleinen Handfeger Schnee fegt. Der Bär trifft mit einer rück-lings abgeworfenen Schneeladung versehentlich das Wiesel, welches sich sogleich laut-hals beschwert und eine Entschuldigung verlangt. Brummelnd meint der Bär, daß er sich für diesen absichtslosen Schneewurf nicht entschuldigen müsse und daß das Wiesel selber besser auf sich aufpassen und auch nicht hinter ihm herumwuseln solle.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Das nun folgende lebhafte Streitgespräch über das Maß der Verletztheit, die einer Ent-schuldigung bedarf, sowie über richtige und falsche Entschuldigungen steigert sich zu einer Schneeballschlacht, bei der die Schneebälle von diversen Entschuldigungsformu-lierungen begleitet werden. Es wirkt so, als hätten die beiden Kontrahenten inzwischen sogar Spaß an dieser Auseinandersetzung.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Der Fuchs kommt vorbei und will wissen, was sie denn da veranstalteten. Einträchtig antworten Bär und Wiesel mit einem schneebestäubten: „Wir vertragen uns.“ Daraufhin hält der Fuchs die Beiden für Spinner und formuliert das auch so. Dies wiederum lassen sich Bär und Wiesel nicht widerspruchslos gefallen und verlangen – mit deutlich sichtbarer Vorfreude – eine Entschuldigung…

Jörg Mühle inszeniert das Thema des Sich-entschuldigen-Sollens-oder-Wollens in Wort und Bild sehr anschaulich, kinderlebensalltagsnah und lustig. Die kommunikative Qualität der Illustrationen zeigt sich besonders in der gelungenen Darstellung des gestischen und mimischen Ausdrucks der Charaktere. Dies bietet Kindern buchstäblich kinderleichten Identifikationsspielraum und eine spielerische Anregung, eigenen und fremden Bedürfnissen, Entschuldigungserwartungen und -Erfahrungen nachzuspüren und darüber zu sprechen.

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Das-war-doch-keine-Absicht.html

Hier entlang zum ersten Band: Zwei für mich, einer für dich
Hier entlang zum zweiten Band: Morgen bestimme ich!

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Der literarische Katzenkalender 2026

  • Herausgegeben von Julia Bachstein
  • Verlag Schöffling & Co., 2025 www.schoeffling.de
  • 56 Blätter
  • Format: 24 x 32 cm
  • Spiralbindung
  • 23,95€ (D/A), 33,00 sFr.
  • ISBN 978-3-89561-760-7




KATZENBETRACHTUNGEN

Kalenderrezension von Ulrike Sokul ©

Foto von Thomas Brahtel © Verlag Schöffling & Co. 2025

Die Stimmungspalette der Bilder und Zitate ist breitgefächert: anmutig, anschmiegsam, charmant, elegant, entspannt, ernst, frech, heiter, meditativ, niedlich, philosophisch, poetisch, schelmisch, skurril, verspielt und zärtlich.

Foto: Simone Mohr © Verlag Schöffling & Co. 2025

Im Kalender stolzieren und flanieren die Katzen von Blatt zu Blatt, sie klettern, hangeln und liegen, sie ruhen und schmiegen, sie liebäugeln und lauern, sie kosen und krallen, schnurren und murren, sie dösen und denken. Sie können sich gefahrlos verrenken, sind elastisch und plastisch – mal sind sie eingerollt, mal ausgestreckt, mal possierlich posierend oder arrogant ignorierend. Dieses kalendarische Katzenkino mit literarischen Untertiteln gibt den miezenden Mimen eine vorzügliche Bühne.

Wenn jetzt jemand mit der beliebten Ausrede um die Ecke kommt, er habe nicht genug freie Wände für einen weiteren Wandkalender, kann ich ihm alternativ als Schreibtisch-kalender den „Literarischen Katzen Wochenplaner 2026“ ans katzengeneigte Herz legen. Dieser Kalender setzt die bewährte Kombination von Katzenfoto und Katzenzitat im spiralgebundenen Querformat 10,5 x 30 cm zu 14,95 € (D/A), 21,00 sFr. fort und bietet im wöchentlichen Kalendarium Raum für Termineinträge. Hier entlang zum „Literarischen Katzen-Wochenplaner 2026“ auf der Verlagswebseite:
https://www.schoeffling.de/produkt/der-literarische-katzen-wochenplaner-2026/

Und wer es noch kleinformaTIGER braucht, kann den 144-seitigen, schön gebundenen und sogar mit einem Lesebändchen ausstaffierten „Katzen Taschen Kalender 2026“ im Format 9,5 x 15,5 cm zu 14,95 € (D/A), 21,00 sFr. verwenden: Hier entlang zum „Katzen Taschen Kalender 2026“ auf der Verlagswebseite: https://www.schoeffling.de/produkt/katzen-taschenkalender-2026/

Außerdem gibt es noch einen literarischen Katzen-Adventskalender in Form eines spiralgebundenen Tischkalenders, im Format 16 x 17 cm, mit 24 perforierten, heraus-trennbaren Postkarten zu 15,00 € (D/A), 22,00 sFr.: https://www.schoeffling.de/produkt/der-literarische-katzen-adventskalender/
sowie einen immerwährenden Katzen-Geburtstagskalender: https://www.schoeffling.de/produkt/das-jahr-mit-katzen/

Sausimausi

  • Text und Illustration von Claudia Burmeister
  • BOHEM Press GmbH 2025 www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 22,5 cm
  • 24 Seiten
  • 18,0 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-95939-244-0
  • Bilderbuch ab 2 Jahren

F L I T Z E F L I N K

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sausimausi ist eine Maus, die mit ihrem roten Fahrrad gerne schnell fährt. Von Seite zu Seite saust sie durch die Landschaft, und unterwegs hält sie nur an, damit sich ihr noch weitere Tiere als Mitfahrer hinzugesellen können. Schließlich ist das Fahrrad mit Vogel, Maulwurf, Siebenschläfer, Füchschen, Eichhörnchen und Hase voll besetzt, und es geht den ersten Hügel hinauf und wieder hinunter.

Dann folgt der zweite Hügel. Doch diesmal verhakt sich das Vorderrad, und alle fallen vom Fahrrad und purzeln heftig durcheinander. Das bleibt nicht ohne einige Blessuren und blaue Flecken, die aber dank des mitgeführten Verbandskoffers und der wechsel-seitigen Hilfe gut verarztet werden. Dieser Sturz kann Sausimausi indes keineswegs entmutigen oder gar entschleunigen. Sie freut sich schon darauf, am nächsten Tag weiter herumzusausen.

Illustration Claudia Burmeister © BOHEM Press 2025

Dieses Bilderbuch kommt mit wenigen Worten aus und erzählt sich durch die anschau-liche Bilderabfolge gewissermaßen selbst. Das schwungvolle Wesen und die Bewegungs-freude Sausimausis sowie das spielerische Miteinander der Tiere werden zeichnerisch ebenso niedlich wie dynamisch wiedergegeben. In der Landschaftskulisse gibt es noch einige weitere kleine Tierchen zu entdecken, die dem geschwindigen Geschehen zuschauen. Die mit Buntstift gezeichneten Illustrationen warten mit dezenter Farbgebung auf.

„Sausimausi“ ist kein Pappbilderbuch, doch die Seiten sind aus einem dicken, strapazier-fähigen Papier (schätzungsweise 250 – 300 g/m² Stärke), das kindlicher Grobmotorik gut standhält.

Erwähnenswert erscheint mir beiläufig noch der verlegerische Hinweis im Impressum auf die menschliche Urheberschaft des vorliegenden Bilderbuches: „Illustrationen und Text in diesem Bilderbuch wurden mit natürlicher Intelligenz, Hand und Herz extra für Dich erfunden und erstellt.“ – angesichts der zunehmenden KI-Kunst ein Herkunfts-vermerk, der wohl hinkünftig noch öfter angebracht sein wird.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.bohem.ch/katalog/sausimausi/

Die Autorin und Illustratorin:

»Claudia Burmeister studierte Grafik und Design und Erziehungswissenschaften und anschließend Germanistik an der TU Berlin. Seit 2011 illustriert Claudia Kinderbücher für Magazine, Museen und auf Wunsch auch fürs private Wohnzimmer. Unter ihrem Kunst-label papierziege https://www.papierziege.de/ veröffentlicht sie eigene Arbeiten und gibt Kurse in verschiedenen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren von Claudia Burmeister illustrierten Bilderbuch:
Kleiner Fuchs Großer Himmel In diesem äußerst feinfühligen und großherzigen Bilderbuch führt die Erfahrung des Trauerns und Tröstens gleichsam ins allverbindende Herzklopfen des ganzen Lebens.

Zwei für mich, einer für dich – Neuausgabe

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2025  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-467-1
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren


VERTEILUNGSGERECHTIGKEIT

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühles amüsantes Bilderbuch über das gerechte Teilen ist nun in einer neuen etwas großformatigeren Ausgabe erschienen. Dies nehme ich nun gerne zum Anlaß, erneut auf dieses gelungene Werk hinzuwiesen.

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikations-stoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausge-sprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streitdynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich-oxid.html

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Geschichte von Bär und Wiesel: Morgen bestimme ich!
Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
Tupfst du noch die Tränen ab?
Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde. Viele Grüße, deine Giraffe

Frank und Bert, 4. Band

  • Die Sache mit dem Fußballspielen
  • Text und Illustration von Chris Naylor-Ballesteros
  • Originaltitel: »Frank and Bert – The one where Bert plays football«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Hanna Schmitz
  • Coppenrath Verlag 2025  www.coppenrath.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • Format: 27 x 27 cm
  • ISBN 978-3-649-65083-6
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 3 Jahren


F R E U N D S C H A F T   G E W I N N T

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Nach Versteckenspielen
(siehe: Frank und Bert), Picknickfreuden (siehe: Die Sache mit den verschwundenen Keksen) und der Kunst des Fahrradfahrens (siehe: Die Sache mit dem Fahrradfahren) beschäftigt sich das bewährte Bilderbuchduo Frank und Bert nun mit Fußballspielen.

Frank tut sich dabei, wie auch in den vorhergehenden Geschichten, durch wohl-meinende, fürsorgliche Besserkönnerei hervor. Bert ist nun einmal durch seinen Bärenkörper etwas behäbiger und tollpatschiger als der wendige Fuchs Frank. So passieren Bert zunächst einige Pannen beim Fußballspielen, aber Frank ist ver-ständnisvoll und ermuntert Bert, trotzdem weiterzuspielen.

Als jedoch Barbara, ein sehr wendiges und fußballlgewandtes Wiesel, auftaucht, läßt Frank Bert links liegen und spielt mit der wieselwendigen Barbara Fußball. Beim Spiel der Beiden landet der Fußball schießlich hoch oben in einem Baum.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Frank klettert auf den Baum, um den Fußball zurückzuholen, aber der Ast, in dem der Ball sich verfangen hat, bricht unter dem zusätzlichen Fuchsgewicht durch, und Frank fällt in die Tiefe. Doch der dicke Bert ist schon zur Stelle, und Frank fällt weich auf Bert. Denn beste Freunde retten einander selbstverständlich.

Frank bedankt sich für die Rettung und entschuldigt sich aufrichtig dafür, Bert nicht in sein Spiel mit Barbara einbezogen zu haben. Zum Glück ist der gutmütige Bert nicht nachtragend, und so spielen sie bei der nächsten Gelegenheit zu dritt Fußball, und zwar mit Bert als Super-Torhüter.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Chris Naylor-Ballesteros erzählt die vorliegende Geschichte auf anschaulich situative Weise. Die Thematik guten und schlechten Freundschaftsverhaltens ist kindlich lebensnah und wird dramaturgisch lustig und augenzwinkernd in Szene gesetzt. Die Illustrationen haben einen eigenwilligen, etwas schrägen Charme und geben den abwechslungsreichen Gefühlen der Charaktere lebhaften und leicht ablesbaren Ausdruck.

Besonders bemerkenswert erscheint mir, daß in diesem Bilderbuch nirgends ein moralisch erhobener pädagogischer Zeigefinger herumstochert, sondern daß Frank selbstreflektiert genug ist, um zu erkennen, daß er sich gegenüber Bert nicht wie ein guter Freund verhalten habe und daß er bereit sei, sein Verhalten selbst konstruktiv zu korrigieren.

Hier entlang zum  Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.spiegelburg-shop.de/frank-und-bert-bd.4-die-sache-mit-dem-fussballspielen/65083

Hier entlang zu den drei Vorgängerbänden:
1. Band: Frank und Bert
2. Band: Frank und Bert, 2. Band: Die Sache mit den verschwundenen Keksen
3. Band: Frank und Bert, 3. Band: Die Sache mit dem Fahrradfahren

Der Autor & Illustrator:

»Chris Naylor-Ballesteros kommt aus Bradford/Großbritannien und studierte Illustration und Grafikdesign am Bradford College of Art. Mittlerweile lebt und arbeitet er als Autor und Illustrator in Frankreich. Chris Naylor Ballesteros «

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code


BITCOINS  ODER  LEBEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Die seniorigen Amateur-Detektive des Donnerstagsmordclubs haben inzwischen schon vier Fälle erfolgreich gelöst, und nun scheint es, als kehre endlich einmal die wohlver-diente beschauliche Ruhe des Ruhestands in die luxuriöse Seniorenresidenz Coopers Chase (in der Grafschaft Kent, nahe der Stadt Fairhaven) ein.

Die ehemalige Krankenschwester und nach wie vor bemerkenswerte Kuchenbäckerin Joyce Meadowcroft, der knurrige, rauhbeinige ehemalige Gewerkschaftsführer Ron Ritchie, der feingeistige, elegante Psychiater Ibrahim Arif und die strenge ehemalige Geheimagentin Elizabeth Best erholen sich von den Strapazen der vorherigen Ermittlungen.

Elizabeth trauert um ihren kürzlich verstorbenen Mann. Ibrahim führt noch immer mehr oder weniger erfolgreiche therapeutische Gespräche mit Connie Johnson, der örtlichen Drogenchefin, denn Kontakte zur kriminellen Unterwelt sollten auch in Hinsicht auf zukünftige Kriminalfälle gepflegt werden. Ron muß eine zuverlässige Lösung für die familiären Probleme seiner Tochter finden, die von ihrem Ehegatten mißhandelt wird, und Joyce ist voll und ganz absorbiert mit den Vorbereitungen für die Hochzeitsfeier ihrer Tochter Joanna.

Diese Hochzeit erfüllt alle romantischen, charmanten und dekorativen Hoffnungen, die Joyce in lebhafter Auseinandersetzung mit den festlichen Vorstellungen ihrer Tochter gehegt hat. Sogar Elizabeth rafft sich schweren Herzens dazu auf, an der großen Feier teilzunehmen. Alle amüsieren sich köstlich, nur Nick Silver, dem Trauzeugen von Joannas Ehemann, scheint es nicht gutzugehen, er wirkt sehr nervös und muß sich bei Tisch sogar übergeben. Im weiteren Verlauf der Hochzeitsfeier, als Elizabeth den Tanzsaal verläßt, um nach den Sternen zu schauen und ein stilles Gespräch mit ihrem verstorbenen Ehemann zu führen, gesellt sich Nick Silver zu ihr und sucht flehentlich ihren Rat.

Elizabeths berufserfahrene Spionagesensoren reagieren unmittelbar, und sie ist ganz Ohr. Nick Silver ist Teilhaber einer Sicherheitsfirma, die auf Cold Storage spezialisiert ist. Cold Storage (kalte Aufbewahrung) bedeutet, daß Daten, u.a. auch die kryptografischen Schlüssel zu Kryptowährungen, offline gespeichert werden, um vor dem Zugriff von Hackern sicher zu bleiben. Diese Daten, die sich auf Festplatten, USB-Sticks oder Papier befinden, werden in einem unterirdischen Tresorraum, an einem geheimen Ort, Nick nennt ihn „die Festung“, in Safes aufbewahrt.

Vor vielen Jahren hatten Nick und seine Teilhaberin Holly Lewis einmal die Jahresgebühr für eine Cold-Storage-Aufbewahrung von einem Kunden in Bitcoin bezahlt bekommen. Spaßeshalber hatten sie sich damals darauf eingelassen und dann staunend zugesehen, wie der Wert stieg und fiel und wieder stieg usw. und nun den sagenhaften Wert von dreihundertfünfzig Millionen Pfund erreicht hat. Beide sind sich einig, daß nun der Zeit-punkt für einen Verkauf reif sei, beide verfügen über jeweils die Hälfte des zwölf-stelligen Zahlencodes, der zur Einlösung der Kryptowährung gebraucht wird. Der vollständige Code liegt selbstverständlich in einem Safe in der Festung.

Am Morgen der Hochzeitsfeier hat Nick durch einen glücklichen Zufall entdeckt, daß unter seinem Auto eine Bombe befestigt wurde, und er ahnt, daß dies mit der beab-sichtigten Einlösung der Bitcoins zusammenhängt. Nun wissen wir auch, warum er in dieser desolaten Verfassung zur Hochzeit erschien.

Elizabeth kann diesem kriminalistischen Köder nicht widerstehen, zumal sie spürt, daß die Beschäftigung mit Nicks Problem sie aus ihrer emotionalen Betäubung löst und einen kleinen, neugierigen Nervenkitzelfunken in ihr entfacht. Schon am nächsten Tag beginnt ein neuer Fall für den Donnerstagsmordclub recht rasante Fahrt aufzunehmen.

Joyce und Elizabeth besuchen einen ehemaligen Sprengstoffexperten aus Elizabeths altem Spionagekollegium, um mehr über die mögliche Herkunft der Autobombe heraus-zufinden. Derweil verschwindet Nick spurlos, und sein Büro wird verwüstet. Nicks Teil-haberin Holly Lewis erscheint dem Mordclub durchaus verdächtig, und sie wird für eine inoffizielle Befragung zum Abendessen eingeladen. Es gibt gleichwohl auch noch einige andere passende Kandidaten, die einem Geldsegen nicht abgeneigt wären und sich dazu durchaus auch unlauterer Mittel und Wege bedienen würden. Hinzu kommen noch einige dramatische Mißverständnisse und damit verbundene Umwege, seltsame SMS-Botschaften Nicks und vielfältiges Rätselraten um den geheimen Zugangscode.

Auch die Polizei von Fairhaven in Gestalt von PC Donna De Freitas und DCI Chris Hudson darf ein bißchen mitwirken und natürlich Bogdan Jankowski, der hilfsbereite polnische Universalhandwerker, Pünktlichkeitsfanatiker, Schachspieler und Chauffeur, der, wenn es sein muß, auch souverän mit Waffen umzugehen weiß.

Begleitend zur komplexen kriminalistischen Handlung gibt es beachtlichen Raum für altersweise Reflexionen über Eltern- und Großelternliebe, die Bedeutung von Freund-schaft und Vertrauen und einige bemerkenswerte, vielleicht sogar zukunftsträchtige neue Bekanntschaften. Die Verletzlichkeiten und Verluste, die mit dem Altern einher-gehen, werden einfühlsam, anrührend und mit abgeklärter Selbstironie beschrieben. Interessant ist bei Richard Osmans Mordclub-Serie zudem immer wieder die unter-schiedliche Generationenperspektive sowohl auf die kriminalistische Einschätzung und Vorgehensweise als auch auf allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen.

Diese Krimiserie zeichnet sich besonders durch die fein ausformulierten zwischen-menschlichen Qualitäten der unkonventionellen Charaktere und die humorvolle literarische Eloquenz aus. Die Figurenzeichnung ist differenziert und voller Zwischen-töne, sogar die „bösen“ verbrecherischen Charaktere zeigen gelegentlich sympathische Züge.

„Zu großer Reichtum schadet der Psyche, hat er den Eindruck. Den Leuten kommt jeder Bezug zur Normalität abhanden. Als wäre der Berg Geld, auf dem sie sitzen, ein Beweis für Fähigkeiten, die die aller anderen Sterblichen übertreffen.“ (Seite 440)

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ullstein.de/werke/der-donnerstagsmordclub-und-der-unloesbare-code/paperback/9783471360651

Hier entlang zum ersten Band: Der Donnerstagsmordclub
Hier entlang zum zweiten Band: Der Mann, der zweimal starb
Hier entlang zum dritten Band: Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel
Hier entlang zum vierten Band: Ein Teufel stirbt immer zuletzt

Der Autor:

»Richard Osman ist Autor, Produzent und Fernsehmoderator. Seine Serie über die vier scharfsinnigen und liebenswerten Ermittlerinnen und Ermittler des Donnerstagsmordclubs hat ihn über Nacht zum Aushängeschild des britischen Krimis und Humors gemacht. Für sein Debüt Der Donnerstagsmordclub wurde er bei den British Book Awards 2020 zum »Autor des Jahres« gewählt. Er lebt mit Frau und Katze in London. «

Rutsch doch, Dachs!

  • Text und Illustration von Susanne Straßer
  • Peter Hammer Verlag, August 2025 www.peter-hammer-verlag.de
  • 26 Seiten mit abgerundeten Ecken
  • Format: 21 x 21,5 cm
  • 14,90 € (D), 15,40 € (A)
  • ISBN 978—3-7795-07881-9
  • Pappbilderbuch ab 2 Jahren


S P I E L P L A T Z A B E N T E U E R

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch setzt alltägliche kindliche Spielplatzerfahrungen anschaulich und lustig in Szene. So findet einmal der Dachs eine freie Rutsche vor und klettert die Leiter hinauf. Oben angekommen, ereilt ihn Höhenangst, und er bleibt erst einmal sitzen und rutscht nicht hinrunter.

Nach und nach kommen ein Wolf, ein Wiesel, ein Reiher und ein Wildschwein hinzu und verlängern die Warteschlange. Schließlich nähert sich auch ein Menschenkind, und dieses klettert kurzerhand die Rutsche auf der Rutschbahn hinauf, um einfach vor dem zögerlichen Dachs die Rutsche zu nutzen. Die Tiere aus der Warteschlange schließen sich dem Kind an, alle halten sich aneinander fest, und dann rutschen sie gemeinsam los.

Nur der Dachs sitzt immer noch oben auf der Rutsche. Ermunternd bieten die Tiere und das Kind dem Dachs an, ihn aufzufangen, wenn er rutscht. So traut sich der Dachs dann doch endlich zu rutschen, und schon laufen alle wieder zur Leiter, um sogleich wieder von vorne anzufangen – einschließlich einer Ameise, die nun auch eifrig mitrutscht.

Diese in einfachen klaren Worten und kurzen Sätzen erzählte Geschichte bietet Kindern leichten Identifikationsstoff. Die im Erzähltext stets nach der Anzahl der zu erklettern-den Leitersprossen aufgezählten Klettergeräusche der verschiedenen Tiere – z.B. TAP, TAP, TAP, TAP, TAP für den Dachs oder STAKS, STAKS für den Reiher – lassen sich vorzüglich vorleselautmalerisch wiedergeben.

Susanne Straßers Illustrationen sind klar umrissen und geben durch die dramaturgische Darstellung von Mimik und Körpersprache den unterschiedlichen Gefühlen des illustren Bilderbuchpersonals lebhaften und nachfühlbaren Ausdruck. So werden Angst, Mut Geduld, Ungeduld, Hilfsbereitschaft, Spielfreude und Miteinandersein heiter und unge-zwungen thematisiert und angesprochen. „Rutsch doch, Dachs!“ ist ein strapazierfähiges Pappbilderbuch mit dicken Seiten und abgerundeten Ecken für Kinder ab zwei Jahren; es dürfte gleichwohl auch noch für Kinder bis zum Alter von vier oder fünf Jahren passen.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.peter-hammer-verlag.de/buchdetails/rutsch-doch-dachs

Die Autorin & Illustratorin:

»Susanne Straßer, geboren 1976 in Erding, studierte Kommunikationsdesign in München und London. Ihre Arbeiten wurden international ausgezeichnet und ausgestellt, u.a. auf der Biennale für Illustration in Bratislava. Ihr Bilderbuch Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte (Hinstorff Verlag, 2010), wurde 2013 fürs Kino verfilmt. Ihre Pappbilderbücher So weit oben und So leicht so schwer, Fuchs fährt Auto und Kann ich bitte in die Mitte wurden für den Leipziger Lesekompass ausge-wählt. Das Pappbilderbuch Der Wal nimmt ein Bad erhielt 2019 den Troisdorfer Bilder-buchpreis. Susanne Straßer lebt mit ihrer Familie in München. www.susannestrasser.de «

Susanne Straßers Preise und Auszeichnungen:

Troisdorfer Bilderbuchpreis für Der Wal nimmt ein Bad
White Raven, Empfehlung der Internationalen Jugendbibliothek für Fuchs fährt Auto
Leipziger Lesekompass für Fuchs fährt Auto
Leipziger Lesekompass für So leicht so schwer
Leipziger Lesekompass für So weit oben
Leipziger Lesekompass für Kann ich bitte in die Mitte

Unserer Natur auf der Spur


NATURKUNDE  MIT  ALLEN  SINNEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Dieses animierende Naturbuch vermittelt wohlportioniertes und gut strukturiertes Wissen über die einheimische Natur und ergänzt die biologischen Textinformationen mit sehr schönen, ja, lebendigen Illustrationen und Fotos. Hinzu kommen viele leicht umzusetzende Anregungen für praktische Erfahrungen und Entdeckungen in und mit der Natur.

Wir lernen Säugetiere kennen, Vögel, Reptilien und Amphibien. Bei den Säugetieren findet sich neben Artenkunde und Kurzsteckbriefen viel Stoff für das Spurenlesen im Boden und im Schnee und auch für die unterschiedlichen Losungen, Tierhöhlen- und Bauten sowie Fraßspuren an Zapfen und Nüssen. Die Vogelarten werden mit detail-lierten Darstellungen und Erklärungen zu Federn, Vogeleiern und Nestern vorgestellt. Reptilien und Amphibien kommen mit ihren artspezifischen Lebensraumbedürfnissen, Verhaltensweisen und Unterscheidungsmerkmalen zu Wort.  Apropos zu Wort kommen: Die Tierstimmen fast aller im Buch erwähnten einheimischen Tiere können auf der Verlagswebseite kostenlos abgehört werden. (siehe bzw. höre: https://naturverlag.de/tierstimmen/)

Text von Ursula Wawra, Illustrationen von Johannes Wawra © NATUR-Verlag Wawra 2025

Überall, wo ein kleiner gezeichneter Igel auf einer Seite erscheint, gibt es Anleitungen für praktische Übungen und sinnliche Erfahrungen – so können wir beispielsweise an einem Scheuerbaum dem würzigen Wildschweingeruch nachschnuppern und mit dem Grashalmtest Fuchspfotenabdrücke von Hundepfotenabdrücken unterscheiden. Interessant sind auch die unterschiedlichen Nagespurzeichnungen an Haselnüssen, so finden wir heraus, ob eine Maus oder eine Haselmaus die Nuß aufgenagt hat. Eine kinderleichte Übung ist die Reparatur einer aufgerissenen Feder. Vögel machen dies mit ihrem Schnabel, wir können die Feder zwischen den Fingern wieder glätten, und mit einer Lupe können wir sogar die kleinen Häkchen erkennen, die diesen Federneu-verschluß ermöglichen.

Es gibt auch eine ausführliche Bauanleitung für einen Nistkasten und für die Anferti-gung von Gipsabdrücken von Tierspuren in feuchter Erde. Schön ist zudem die Farb-mischübung, bei der wir aus nur zwei Wasserfarben (Cyanblau und Ockergelb) ganz differenzierte Vogeleierfarben zusammenmischen können.

Dieses Buch begnügt sich nicht mit theoretischer Wissensvermittlung, sondern führt Kinder (und Erwachsene) in die lebendige Naturerfahrung ein. Ein solchermaßen er-fahrenes Wissen weckt wesentlich mehr Begeisterung, Faszination und Entdeckerfreude als bloßes Papierwissen und bleibt dank der sinnlichen Verknüpfung gewiß auch nach-haltiger im Gedächtnis.

Mit „Unserer Natur auf der Spur“ kann man sich und seine Kinder zumindest einen Jahreskreislauf lang beschäftigen. Es lohnt sich, immer wieder nachzublättern, die feinen Zeichnungen ausgiebig zu studieren und die praktischen Übungen auszupro-bieren. Für Kindergarten und Grundschule bietet dieses Buch selbstverständlich ebenfalls viel wissenswertvolles und praktisches Unterrichtsmaterial, mit dem man die kindliche Naturbeziehung anregen und fördern kann.

Text von Ursula Wawra, Illustrationen von Johannes Wawra © NATUR-Verlag Wawra 2025

Die Texte und die zoologischen Kurzportraits sind übersichtlich und auf das Wesentliche konzentriert, alle Beschreibungen und Erklärungen sind zudem gut verständlich und anschaulich formuliert.

Johannes Wawras Illustrationen sind naturalistisch, doch sie verfügen darüber hinaus über eine zärtlich-naturverbundene Ausstrahlung, welche die Betrachtung zu einem besonderen Genuß macht – ein Genuß, den man sich gerne häufiger erlaubt. Durch wiederholtes Betrachten prägen sich natürlich beiläufig auch die Bilder besser ein. Und eh man sich versieht, kann man die ersten Tiere, Spuren oder Federn beim Wiedersehen in Garten, Park oder Wald korrekt wiedererkennen und bestimmen. 

Angesichts dieses äußerst empfehlenswerten ersten Bandes hoffe ich sehr, daß bald-möglichst der geplante zweite Band (über heimische Bäume, Blütenpflanzen, Pilze und Insekten) erscheinen wird.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://naturverlag.de/shop/wawras-naturbuch/

Hier entlang zu lehrreichen Lesezeichen zum Buch:
https://naturverlag.de/produkt-kategorie/lesezeichen/
Hier entlang zu den Naturtafeln:
https://naturverlag.de/produkt-kategorie/naturtafeln/
Hier entlang zu den Natur-Postkarten:
https://naturverlag.de/produkt-kategorie/postkarten/
Hier entlang zum Naturfächer für unterwegs:
https://naturverlag.de/produkt-kategorie/naturfaecher/
Hier entlang zu den mehrjährigen Lehr- und Lernkalendern für den Einsatz im Schulunterricht: https://naturverlag.de/produkt-kategorie/kalender/
Hier entlang zu den kostenlos abhörbaren Tierstimmen zum Buch:

Tierstimmen

Die Autorin:

»Ursula Wawra, 1960 in Aachen geboren, begann nach ihrer Lehramtsausbildung die Arbeit als freiberufliche Naturpädagogin. Sie führt Exkursionen vor allem für Schulklassen und Familien durch und leitet zahlreiche Fortbildungen für Erzieher, Lehrer und Fach-leiter. Bei ihrer Arbeit legt sie großen Wert darauf, Artenkenntnisse und biologisches Wissen über den Weg des unmittelbaren Erlebens in der Natur zu vermitteln.
Als Autorin der Kalendern „Natur erleben durch das Jahr“ fand sie bundesweit Beachtung an den Lehrstühlen für Grundschul- und Biologiedidaktik der pädagogischen Hochschulen und Universitäten.«

Der Illustrator:

»Johannes Wawra, 1957 in Aachen geboren, studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Wiesbaden( heute (Hochschule RheinMain) und ist seit 1982 freiberuflich tätig als Illustrator und Grafikdesigner.
1997 gründete er den Natur-Verlag Wawra und illustriert und gestaltet seither alle im Verlag erscheinenden Produkte. Seine Pastellkreidezeichnungen wurden zu einem unverkennbaren „Markenzeichen“: Die mit viel Liebe zum Detail gezeichneten Tiere und Pflanzen erlangen eine Dichte und Lebendigkeit, die dem Vorbild oft verblüffend nahekommen.«

Mein leuchtender Sternenhimmel

  • Ein Puste-Licht-Buch
  • Illustrationen von Ryan Bail
  • Originaltitel: »Counting sheeps helps me sleep«
  • Deutscher Text: Igna Gantschev
  • Verlag minedition AG, April 2025 www.minedition.com
  • 8 Seiten
  • Format: 17 x 17 cm
  • mit auswechselbaren Batterien und Ein/Aus-Schalter
  • ISBN 978-3-03934-245-7
  • 15,00 € (D),  15,50 € (A)
  • Pappbilderbuch mit Ausstanzungen ab 18 Monaten


P U S T E S T E R N E

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Auch wenn hier das Leuchten der Sterne simuliert wird, ist das vorliegende Bilderbuch kein Astronomiebuch für die ganz Kleinen, sondern ein Gutenacht-Bilderbuch.

Zunächst werden Froschkinder und Sterne gezählt, dann Gute-Nacht-Küsse und schließlich die unvermeidlichen Schäfchen. Gezählt wird nur bis vier, und begleitet wird das Zählen von vier nacheinander aufleuchtenden Lichtpunkten. Diese Lichter scheinen aus den Seitenausstanzungen hervor und werden durch das Anpusten des magischen Punktes in der unteren Seitenmitte ausgelöst.

Die Illustrationen sind lieblich und niedlich, die kurzen Seitentexte kreisen ums Müdesein und Einschlafen – kurz: Es geht hier ganz unaufgeregt und entspannt zu. Die Bilderbuchsensation geht von den Lichtern aus, die das Kind durch eigenes Anpusten auslöst. „Mein leuchtender Sternenhimmel“ kann also das familiäre Einschlafritual mit seinem selbstwirksamen Lichteffekt durchaus ein wenig verzaubern.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.minedition.com/books/detail/1393?country_id=1

PS:
Das Batteriefach ist nur mit Schraubendreher zu öffnen, was vermutlich sicher genug ist, um Kleinkinder von den drei Knopfzellen des Lichtmoduls fernzuhalten.

Der Autor & Illustrator:

Leider findet sich weder auf der Verlagswebseite noch im Netz ein Hinweis auf den Autor & Illustrator. Also respektiere ich hier ganz gelassen den offensichtlichen Inkognito-Anspruch.