Unserer Natur auf der Spur


NATURKUNDE  MIT  ALLEN  SINNEN

Rezension von Ulrike Sokul ©

Dieses animierende Naturbuch vermittelt wohlportioniertes und gut strukturiertes Wissen über die einheimische Natur und ergänzt die biologischen Textinformationen mit sehr schönen, ja, lebendigen Illustrationen und Fotos. Hinzu kommen viele leicht umzusetzende Anregungen für praktische Erfahrungen und Entdeckungen in und mit der Natur.

Wir lernen Säugetiere kennen, Vögel, Reptilien und Amphibien. Bei den Säugetieren findet sich neben Artenkunde und Kurzsteckbriefen viel Stoff für das Spurenlesen im Boden und im Schnee und auch für die unterschiedlichen Losungen, Tierhöhlen- und Bauten sowie Fraßspuren an Zapfen und Nüssen. Die Vogelarten werden mit detail-lierten Darstellungen und Erklärungen zu Federn, Vogeleiern und Nestern vorgestellt. Reptilien und Amphibien kommen mit ihren artspezifischen Lebensraumbedürfnissen, Verhaltensweisen und Unterscheidungsmerkmalen zu Wort.  Apropos zu Wort kommen: Die Tierstimmen fast aller im Buch erwähnten einheimischen Tiere können auf der Verlagswebseite kostenlos abgehört werden. (siehe bzw. höre: https://naturverlag.de/tierstimmen/)

Text von Ursula Wawra, Illustrationen von Johannes Wawra © NATUR-Verlag Wawra 2025

Überall, wo ein kleiner gezeichneter Igel auf einer Seite erscheint, gibt es Anleitungen für praktische Übungen und sinnliche Erfahrungen – so können wir beispielsweise an einem Scheuerbaum dem würzigen Wildschweingeruch nachschnuppern und mit dem Grashalmtest Fuchspfotenabdrücke von Hundepfotenabdrücken unterscheiden. Interessant sind auch die unterschiedlichen Nagespurzeichnungen an Haselnüssen, so finden wir heraus, ob eine Maus oder eine Haselmaus die Nuß aufgenagt hat. Eine kinderleichte Übung ist die Reparatur einer aufgerissenen Feder. Vögel machen dies mit ihrem Schnabel, wir können die Feder zwischen den Fingern wieder glätten, und mit einer Lupe können wir sogar die kleinen Häkchen erkennen, die diesen Federneu-verschluß ermöglichen.

Es gibt auch eine ausführliche Bauanleitung für einen Nistkasten und für die Anferti-gung von Gipsabdrücken von Tierspuren in feuchter Erde. Schön ist zudem die Farb-mischübung, bei der wir aus nur zwei Wasserfarben (Cyanblau und Ockergelb) ganz differenzierte Vogeleierfarben zusammenmischen können.

Dieses Buch begnügt sich nicht mit theoretischer Wissensvermittlung, sondern führt Kinder (und Erwachsene) in die lebendige Naturerfahrung ein. Ein solchermaßen er-fahrenes Wissen weckt wesentlich mehr Begeisterung, Faszination und Entdeckerfreude als bloßes Papierwissen und bleibt dank der sinnlichen Verknüpfung gewiß auch nach-haltiger im Gedächtnis.

Mit „Unserer Natur auf der Spur“ kann man sich und seine Kinder zumindest einen Jahreskreislauf lang beschäftigen. Es lohnt sich, immer wieder nachzublättern, die feinen Zeichnungen ausgiebig zu studieren und die praktischen Übungen auszupro-bieren. Für Kindergarten und Grundschule bietet dieses Buch selbstverständlich ebenfalls viel wissenswertvolles und praktisches Unterrichtsmaterial, mit dem man die kindliche Naturbeziehung anregen und fördern kann.

Text von Ursula Wawra, Illustrationen von Johannes Wawra © NATUR-Verlag Wawra 2025

Die Texte und die zoologischen Kurzportraits sind übersichtlich und auf das Wesentliche konzentriert, alle Beschreibungen und Erklärungen sind zudem gut verständlich und anschaulich formuliert.

Johannes Wawras Illustrationen sind naturalistisch, doch sie verfügen darüber hinaus über eine zärtlich-naturverbundene Ausstrahlung, welche die Betrachtung zu einem besonderen Genuß macht – ein Genuß, den man sich gerne häufiger erlaubt. Durch wiederholtes Betrachten prägen sich natürlich beiläufig auch die Bilder besser ein. Und eh man sich versieht, kann man die ersten Tiere, Spuren oder Federn beim Wiedersehen in Garten, Park oder Wald korrekt wiedererkennen und bestimmen. 

Angesichts dieses äußerst empfehlenswerten ersten Bandes hoffe ich sehr, daß bald-möglichst der geplante zweite Band (über heimische Bäume, Blütenpflanzen, Pilze und Insekten) erscheinen wird.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
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Hier entlang zu den mehrjährigen Lehr- und Lernkalendern für den Einsatz im Schulunterricht: https://naturverlag.de/produkt-kategorie/kalender/
Hier entlang zu den kostenlos abhörbaren Tierstimmen zum Buch:

Tierstimmen

Die Autorin:

»Ursula Wawra, 1960 in Aachen geboren, begann nach ihrer Lehramtsausbildung die Arbeit als freiberufliche Naturpädagogin. Sie führt Exkursionen vor allem für Schulklassen und Familien durch und leitet zahlreiche Fortbildungen für Erzieher, Lehrer und Fach-leiter. Bei ihrer Arbeit legt sie großen Wert darauf, Artenkenntnisse und biologisches Wissen über den Weg des unmittelbaren Erlebens in der Natur zu vermitteln.
Als Autorin der Kalendern „Natur erleben durch das Jahr“ fand sie bundesweit Beachtung an den Lehrstühlen für Grundschul- und Biologiedidaktik der pädagogischen Hochschulen und Universitäten.«

Der Illustrator:

»Johannes Wawra, 1957 in Aachen geboren, studierte Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Wiesbaden( heute (Hochschule RheinMain) und ist seit 1982 freiberuflich tätig als Illustrator und Grafikdesigner.
1997 gründete er den Natur-Verlag Wawra und illustriert und gestaltet seither alle im Verlag erscheinenden Produkte. Seine Pastellkreidezeichnungen wurden zu einem unverkennbaren „Markenzeichen“: Die mit viel Liebe zum Detail gezeichneten Tiere und Pflanzen erlangen eine Dichte und Lebendigkeit, die dem Vorbild oft verblüffend nahekommen.«

Von den Sternen bis zum Tau

  • Eine Entdeckungsreise durch die Natur
  • Mit 120 Phänomenen und Experimenten
  • von Jens Soentgen
  • mit Illustrationen von Vitali Konstantinov
  • Peter Hammer Verlag, 2. Auflage 2010 www.peter-hammer-verlag.de
  • 8. Auflage 2022
  • gebunden, Halbleinen
  • Lesebändchen
  • Fadenheftung
  • Format: 23,5 x 16,5 cm
  • 408 Seiten
  • 80 Illustrationen
  • 30,00 €
  • ISBN 978-333-7795-0291-3
  • Sachbuch ab 12 Jahren


DEN  GELEHRTEN  STAUB  BERÜHREN

Rezension  von Ulrike Sokul ©

„Von den Sternen bis zum Tau“ bietet eine bemerkenswerte und wissenswertvolle Kombination aus Naturwissenschaft, Kulturgeschichte, Naturliebe, Poesie und Entdeckerfreude. In achtzehn Kapiteln erzählt der Autor lebendig, anschaulich und spannend u.a. von Sonne, Mond, Erde und Sternbildern, von Bäumen, von Kieseln und Kieselalgen, von Fledermäusen und Menschen, von Bakterien, Staub und Kohlenstoff-atomen und ergänzt jedes Kapitel mit Beobachtungsanregungen und verschiedenen zum jeweiligen Thema passenden Experimenten.

Für diese Experimente werden kaum technische Hilfsmittel gebraucht, sondern in erster Linie die fünf (aufgeweckten!) Sinne. Dieses Buch ist nämlich eine geballte, interesse-weckende Wahrnehmungsverführung!

Meist genügen Dinge, die sich in jedem Haushalt befinden, wie beispielsweise Papier, Klebezettel, Stifte, geleerte und gereinigte Gurken- und Marmeladengläser, Plastiktüten, Wattestäbchen, Teller, Kaffeefilter, Zollstock, Eßstäbchen, Blumentopf, Pinsel, Schere, Kerze, Zucker, Salz, Öl, Erbsen, Mehl und Paprikapulver – die technischen Werkzeuge beschränken sich auf Fernglas, Wassersprudler, Taschenlampe, Taschenrechner und Thermometer.

Im Kapitel über die Sterne und Sternbilder lernen wir z.B. als Erstes das Dunkelsehen. Denn beim Betrachten des Sternenhimmels sind die lichtschwächeren Sterne besser zu sehen, wenn man sie nicht direkt betrachtet, sondern nur aus dem Augenwinkel bzw. mit weich schweifendem Blick.

»Das Dunkelsehen folgt offenbar anderen Gesetzen als das Sehen am hellen Tage. Wenn man nachts irgendetwas näher ansieht, verschwindet es; sieht man daran vorbei, taucht es auf. Wir haben also hier das Paradox, dass man mehr sieht, indem man  vermeidet, direkt hinzusehen – eine Tatsache, die im Leben viele Parallelen hat.« (Seite 20)

Jens Soentgen vermittelt die astronomischen, biologischen, chemischen, geometrischen, physikalischen und mathematischen Stoffe auf sehr sinnlich greifbare Weise und oft mit entsprechenden fächerübergreifenden Verknüpfungen sowie mit amüsanten historischen Anekdoten – so erfahren wir, daß man Sternschnuppen einst als das Niesen der Sterne interpretiert hat.

Ansprechend ist zudem seine betonte Wertschätzung für auf den ersten Blick unschein-bare Dinge, die bei tieferer Betrachtung über einen erstaunlich großen Gestaltungsein-fluß auf die Welt verfügen. So spielt der Staub die Hauptrolle in fruchtbaren Lößböden und im allseits beliebten Abendrot. In der Antike dienten natürliche Staubflächen als Schreibuntergrund. »Mathematik treiben hieß in der Antike pulvis eruditus attingere, den gelehrten Staub berühren.« (Seite 294)

Mit diesem erzählerisch-lebendigen – also alles andere als staubtrockenem – Sachbuch lernen wir Sternezählen, Bäumevermessen und Goldwaschen, wir machen Fingerab-drücke sichtbar und üben das Spurenlesen im Tau, von den Fledermäusen lernen wir, mit den Ohren zu sehen, wir unterscheiden natürliches von künstlichem Licht und entdecken die antibiotische Wirkung von Moosen, wir finden steinzeitliche Klingen, Pfeilspitzen und Tonscherben und begreifen die überragende, evolutionäre Entwick-lungshilfe der menschlichen Handkonstruktion, wir füttern Pflanzen mit COund betrachten Moleküle im Sonnenlicht usw…

Die schönen, feinzeichnerischen, sepiagetönten Illustrationen von Vitali Konstantinov begleiten den Text mit stimmungsvollen und gelegentlich schelmischen Visualisierungen, die hervorragend mit der ausdrücklich analogen Substanz dieses Buches harmonieren.

Der Autor versteht es, sein fundiertes Sachwissen ebenso übersichtlich wie kurzweilig darzustellen und gleichzeitig kindliche Forscherneugier zu animieren. Seine eigene Naturbegeisterung kommt durch das Einstreuen persönlicher Erlebnisse bereichernd hinzu. Dieses etwas anspruchsvollere und durchaus bewußtseinsbildende Buch eignet sich auch vorzüglich für eine gemeinsame Lektüre von Eltern mit ihren Kindern und selbstverständlich für sich daran anschließendes praktisches Beobachten und Experimentieren, um erlesenes Wissen mit sinnlicher Erfahrung zu verbinden.

Erwähnenswert ist zudem die hochwertige materielle Gestaltung dieses Buches. Die farblich mit der Titelbildillustrationen fein abgestimmte Halbleinenbindung, die sanft perlmuttschimmernden Vorsatzblätter, das Lesebändchen und das schmeichelgriffige Papier bieten bereits beim Lesen einen beachtlichen Genuß für Augen und Fingerspitzen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.peter-hammer-verlag.de/buchdetails/von-den-sternen-bis-zum-tau

Hier entlang zu zwei weiteren Büchern von Jens Soentgen:
„Wie man mit dem Feuer philosophiert – Chemie und Alchemie für Furchtlose“
https://www.peter-hammer-verlag.de/buchdetails/wie-man-mit-dem-feuer-philosophiert
„Die Nebelspur – Wie Charles Wilson den Weg zu den Atomen fand“
https://www.peter-hammer-verlag.de/buchdetails/die-nebelspur

Der Autor:

»Jens Soentgen, 1967 in Bensberg geboren, studierte Chemie und Philosophie und lehrte an Universitäten in Deutschland und Brasilien. Seit 2002 ist er Leiter des Wissenschafts-zentrums Umwelt der Universität Augsburg. Im Peter Hammer Verlag erschienen u.a. „Selbstdenken“ und „Von den Sternen bis zum Tau“ (mit Illustrationen von Vitali Konstantinov), das für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert wurde.«

Der Illustrator:

»Vitali Konstantinov, 1963 in Bessarabien geboren, studierte bildende Kunst und Architektur in Russland, Grafik, Malerei und Byzantinische Kunstgeschichte in Deutschland. Er unterrichtet Buchillustration u.a. an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Seine Bücher erhielten viele Preise, zuletzt wurde „Seltsame Seiten“ (Text: Daniil Charms, Bloomsbury) von der Stiftung Buchkunst zum „Schönsten deutschen Buch“ gewählt. „Von den Sternen bis zum Tau“ (Text: Jens Soentgen) mit über 80 Illustrationen von Vitali Konstantinov wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 nominiert. http://www.vitali-konstantinov.de/ «

Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere – Neuauflage

KLEINE WELTEN – GROSSES STAUNEN

Buchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

„Die unsichtbaren Welten mikroskopsich kleiner Tiere“ habe ich hier bereits vor sieben Jahren vorgestellt. Inzwischen war das Buch dann leider beim Verlag vergriffen. Doch zum Glück gibt es nun eine Neuauflage und somit Grund genug, auch meine Empfehlung von damals zu erneuern.

Dieses sorgfältig gestaltete Sachbuch gewährt uns faszinierende Einblicke in mikro-skopische Weltenräume, die mit dem bloßen Auge kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Die präzise gezeichneten Mikroorganismen werden in bis zu 150facher Vergrößerung in ihrem jeweiligen Biotop dargestellt.

Wir besichtigen zehn verschiedene Lebensräume, in denen sich Mikroorganismen tummeln. Vom „Wasserballett des Planktons“ geht es zum Strand und von dort zum Meeresgrund. Weitere drei Lebensräume, die uns die Mikroorganismen sehr nahe bringen, sind das heimische Bett (Hausstaubmilbe & Co), die menschliche Haut und die Küche. Draußen geht es  weiter mit dem Waldboden, dem Moosbewuchs an Baum-stämmen, stillen Tümpelgewässern und dem strömenden Flußbiotop.

Mikroorganismen erfüllen unzählige lebensdienliche Aufgaben, wie beispielsweise für die Bildung von Humus (Hornmilben, Springschwänze, Rollasseln) oder die Sauerstoff-produktion (Kieselalgen). Manche sind aus menschlicher Perspektive auch lausig lästig und unangenehm (Flöhe, Krätzmilben, Zecken).

Einige Mikroorganismen, wie beispielsweise das nur 0,4 mm große Bärtierchen oder das nur 0,2 mm kleine Korsettierchen, nennt man extremophil, weil sie über eine Anpass-ungsfähigkeit verfügen, die sie extreme Temperaturen und Druckverhältnisse und sogar Sauerstoffmangel sowie absolute Dunkelheit überleben läßt.

Illustration aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2025

Infotafel aus „Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ von Hélène Rajcak und Damien Laverdunt © Verlagshaus Jacoby & Stuart 2025

Anschauliche Szenenwechsel vom Makrokosmos zum Mikrokosmos führen den Betrachter von Doppelklappseite zu Doppelklappseite in verborgene Kleinstlebens- räume und ihre Bewohner ein. Deren körperlich oft bizarr anmutende Gestalten werden hier in bunter, detaillierter Formenvielfalt wiedergegeben. Ein kurzer Einführungstext erklärt das jeweilige Mikroökosystem, und numerierte informative Steckbriefbe- schreibungen der dazugehörigen Mikroorganismen helfen beim Zuordnen und Wiederfinden auf dem szenischen Wimmelbild des Minibiotops.

Die verwendete Maßstabgröße wird jedesmal deutlich angegeben und eingezeichnet. Besonders anschaulich werden die Größenordnungen jedoch illustratorisch beispiels-weise beim vergleichenden Nebeneinander eines Salzkornfelsens und einiger Staubmilbchen – das öffnet dem aufmerksamen Betrachter wirkungsvoll die Augen fürs Unsichtbare.

Ein lexikalischer Anhang erläutert alle Fachbegriffe, die zuvor zur Sprache gekommen sind, und zeigt auf Schautafeln Milben, Krebstiere und Protisten* sowie eine kleine Geschichte der Mikroskopie von mittelalterlichen Lesesteinen (Lupen) bis zum Elektronenmikroskop.

„Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere“ vermittelt durch die spannende zeichnerische Inszenierung und die leicht zugängliche Text-begleitung auf lebhafte Weise Wissen, Bewunderung und Respekt für die Vielfalt des Lebens, das seit eh und je vom Kleinen zum Großen und vom Großen zum Kleinen kreist.

Wenn Sie dieses Buch für Ihr Kind oder Enkelkind kaufen, kalkulieren Sie in weiser Voraussicht schon einmal die Kosten für ein Mikroskop mit ein …

*Protisten sind einzellige, aquatische Lebewesen, die nicht eindeutig dem Tier- oder Pflanzenreich zugeordnet werden können. Dazu gehören u.a. Amöben, Foraminiferen, Glockentierchen, Pantoffeltierchen und Rädertierchen.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: Die unsichtbaren Welten mikroskopisch kleiner Tiere – Neuauflage

 

Die Autoren & Illustratoren:

»Hélène Rajcak ist 1981 geboren. Sie hat in Paris Illustration und Textildesign studiert und arbeitet dort heute als Illustratorin für die Presse und für Kinderbücher.
Damien Laverdunt ist 1978 geboren. Er hat Angewandte und Dekorative Kunst studiert, lebt und arbeitet in Paris als Autor, Zeichner und Grafiker und lehrt Angewandte Kunst an einem Gymnasium.«

Querverweis:

Dieses Sachbilderbuch ergänzt sich gut mit dem zuvor rezensierten Sachbilderbuch von Giselle Clarkson „Schau genau hin! Das außergewöhnliche Handbuch der Beobachtologie“ Schau genau hin!

 

Schau genau hin!

  • Das außergewöhnliche Handbuch der Beobachtologie
  • von Giselle Clarkson
  • Originaltitel: »The Observologist. A Handbook for Mounting Very Small Scientific Expeditions«
  • Aus dem Englischen von Katharina Diestelmeier
  • Moritz Verlag, 2025 www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 128 Seiten
  • Format: 26,6 cm x 20,6 cm
  • 22,00 €
  • ISBN 978-3—895654700-1
  • Kindersachbilderbuch ab 8 Jahren

ANIMIERENDE  WAHRNEHMUNGSFÖRDERUNG

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Dieses Kindersachbuch lädt Kinder dazu ein, in der nächsten Umgebung auf spannende natürliche Entdeckungsreisen zu gehen. Schon gleich in der Einführung weist die Autorin darauf hin, daß professionelle Naturwissenschaftler zwar für ihre Forschungen und Entdeckungen oft die weite Welt bereisen, doch kindlichen Beobachtologen bieten ganz nahegelegene Naturerkundungen durchaus vielseitige und faszinierende Entdeckungs-würdigkeiten. Außerdem läßt sich durch aufmerksames Beobachten so manche langweilige Situation beleben.

Neugier ist selbstverständlich eine unerläßliche Voraussetzung für Beobachtologen, und einige Werkzeuge wie Lupe, Taschenspiegel, Taschenlampe und Kamera sowie Papier und Zeichenstift sind nützliche Zugaben beim Suchen, Finden, Kennenlernen und Bestimmen kleiner tierischer Lebewesen.

Die Autorin stellt Insekten, Gastropoden, Würmer und Spinnen sowie Pilze, Flechten und Pflanzensamen vor. Die Beschreibungstexte sind von übersichtlicher Länge und werden stets begleitet von Zeichnungen, die trotz des Comicmalstils mit anschaulichen Details aufwarten. Nicht selten kommen die dargestellten Tiere in witzigen Sprechblasen selbst zu Wort. Die Autorin spricht auch die Kinder immer wieder direkt an und findet zudem oft passende kindliche Bezugsebenen.

Das Buch enthält anatomische Zeichnungen der vorgestellten Tiere und geht auch auf differenzierte Details ein, wie beispielsweise verschiedene Fühlerformen, Insekteneier und Kotformen. So lernen wir u.a., daß die Beine von Hundertfüßlern seitlich abstehen, während sich die Beine von Tausendfüßlern zweipaarig unterhalb des Körpers befinden. Solche Einzelheiten sind für findige Beobachtologen interessant und wissenswert.

Bild & Text von Giselle Clarkson © Moritz Verlag 2025

Außerdem tummelt sich verteilt über das ganze Buch an mehreren Stellen eine winzige rote Spinnmilbe. Dies wird erst am Ende des Buches erwähnt, und wer diese Spinnmilbe tatsächlich bereits ohne diesen Hinweis bemerkt hat, hat sozusagen die Abschluß-prüfung in Beobachtologie schon bestanden.

Einfühlungsvermögen in die Verletzlichkeit der Tiere wird ebenfalls vermittelt, beispiels-weise mit Hinweisen, wie man Schnecken und Würmer vorsichtig mit einem Blatt auf-hebt und nicht zwischen den Fingern quetscht, um sie an einen sicheren und schattigen Standort zu transportieren, oder wie man einer erschöpften Biene oder Hummel mit Zuckerwasser, dargereicht in einem Marmeladenglasdeckel, helfen kann, sich zu stärken.  

Die spielerisch-witzige und gelegentlich sprachlich flapsige Wissensvermittlung wird kombiniert mit gut verdaulichen Prisen wissenschaftlichen Fachvokabulars, mit dem sich die kleinen Beobachtologen durchaus biologisch weiterbilden können. Auch die Zeichnungen im Comicstil wahren eine gute Balance zwischen lustiger dramaturgischer Inszenierung und naturwissenschaftlicher Präzision. Darüber hinaus bietet „Schau genau hin!“ Kindern eine unkonventionelle, animierende Hinführung zur sinnlichen Wahrnehmung der Natur und zum Staunen über die Vielgestaltigkeit des Lebens.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Schau-genau-hin.html

Die Autorin und Illustratorin:

»Giselle Clarkson lebt als freie Illustratorin und Comiczeichnerin in Wellington, Neuseeland. Sie veröffentlicht neben Kinderbüchern, in denen es meist um Themen aus der Natur geht, auch Sachcomics für Kinder. Gerne erlebt sie Abenteuer auf dem Meer oder auf abgelegenen Inseln. Außerdem verfügt sie über das seltene Talent, Motten aus der Dusche zu retten, ohne sie versehentlich zu ertränken.«

Donnernde Götter und mutige Helden

  • Die schönsten Sagen und Legenden
  • Text von Angelika Lukesch
  • Illustrationen von Anne Hofmann
  • Esslinger Verlag, September 2024 www.thienemann.de
  • gebunden in Halbleinen
  • Fadenheftung
  • Format: 21,8 x 28,6 cm
  • 168 Seiten
  • 22,00 € (D), 22,70 € (A)
  • ISBN 978-3-480-23893-4
  • Vorlesebuch ab 5 Jahren

SAGEN  WEITERSAGEN

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Diese Sagensammlung bietet Kindern einen sehr guten Erstkontakt mit menschelnden Göttern, gewitzten Schelmen sowie bemerkenswerten Heldinnen und Helden aus der mythologisch-literarischen Überlieferung Europas.

Geordnet nach fünf thematischen Oberbegriffen („Tapfere Helden“, „Starke Frauen“, „Rätselhafte Orte“, „Die große Liebe“ und „Abenteuerliche Reisen“) machen wir die spannende Bekanntschaft mit Herakles, Siegfried, Till Eulenspiegel, Perseus, Thor, Robin Hood, den tapferen Weibern von Weinsberg, Rübezahl, Kassandra, Loreley, Wilhelm Tell, König Artus, Romulus und Remus, Eros, Theseus und Ariadne, Orpheus und Eurydike, Philemon und Baukis, Odysseus, Parsival und Ikaros sowie noch einigen weiteren sagenhaften Gestalten.

Die Beschäftigung mit Sagen verbindet Kinder mit unseren gemeinsamen kulturellen Wurzeln und literarischen Vorbildern und zeigt ihnen vermittels der archetypischen Rollencharaktere die lichten und schattigen Saiten menschlichen Verhaltens.

In Sagen und Märchen findet sich immer wieder die Spannung zwischen den gegensätz-lichen Polen des  Daseins. Sie handeln von Haß und Liebe, Recht und Unrecht, Stärke und Schwäche, Macht und Ohnmacht, Krieg und Frieden, Verrat und Treue, Rache und Vergebung, Mißgunst und Güte, Unglück und Glück, Gier und Großzügigkeit, Krankheit und Heilung, Leben und Tod, Lüge und Wahrheit, Dummheit und Weisheit – also kurz gesagt: Themen, die – wenn auch meist in weniger dramatischem Ausmaß als in den Sagen – gleichwohl alle Menschen berühren und bewegen.   

Angelika Lukesch nacherzählt die vielsaitigen Sagen kindgemäß gekürzt und auf das Wesentliche komprimiert. Gleichwohl bleiben Poesie und Empfindungsreichtum erhalten und bieten in Verbindung mit den lebhaften Dialogen hervorragenden Vorlesestoff für die ganze Familie.

Die zahlreichen, oft ganzseitigen Illustrationen von Anne Hofmann übersetzen den Text einfühlsam-stimmungsvoll und ein wenig augenzwinkernd in detailreiche, anschauliche Szenen.

Illustration von Angelika Lukesch © Text von Anne Hofmann © Esslinger Verlag 2024

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann.de/produkt/donnernde-goetter-und-mutige-helden-isbn-978-3-480-23893-4

Die Autorin:

»Angelika Lukesch wurde 1958 in Schwandorf geboren. Nach einem Studium der Romanistik arbeitet sie seit 1989 als freie Journalistin und Autorin. Mit ihrem Mann und vier Kindern lebt sie in Lappersdorf in der Region Regensburg. Seit über zwanzig Jahren schreibt sie Bücher und Drehbücher und hat bereits zahlreiche Bilderbücher veröffentlicht. www.angelalukesch.com «

Die Illustratorin:

»Anne Hofmann, Jahrgang 1969, studierte in Berlin und Rotterdam Visuelle Kommunika-tion und Illustration und ist seit ihrem Abschluss als Diplom-Designerin an der HdK in Berlin für Animationsfilmproduktionen als Designerin und Malerin tätig. Anne Hofmann lebt mit ihren drei Kindern in Berlin. www.annehofmann.myportfolio.com/work «

Petronella Apfelmus, Band 12

  • Zauberei und Eulenschrei
  • von Sabine Städing
  • illustriert von Sabine Büchner
  • BAUMHAUS Verlag, Oktober 2024 www.baumhausbande.com
  • gebunden mit LESEBÄNDCHEN
  • 208 Seiten
  • 15,00 € (D)
  • ISBN 978-3—8339-0932-0
  • Kinderbuch ab 8 Jahren


HEILPILZPRAXIS  UND  EIN  FLIEGENDER  TEPPICH

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Es ist mir immer wieder ein wahres Vergnügen, Petronella Apfelmusens Geschichten zu empfehlen. Auch der 12. Band dieser zauberhaften Buchreihe bietet den kindlichen Lesern, aber auch den erwachsenen Vorlesern einen ebenso heiteren wie sanft spannenden Lesestoff.

Wer mit den magischen Rahmenbedingungen dieser Buchreihe noch nicht vertraut ist, kann sich bitte durch einen kurzen Leseabstecher zur Rezension des ersten Bandes kundig machen: Petronella Apfelmus, 1. Band

Die Zwillinge Lea und Luis leben schon lange in freundschaftlicher Nachbarschaft mit der Apfelhexe Petronella Apfelmus und ihren fleißigen Gartenhelfern, den stock-förmigen Apfelmännchen. Petronella kümmert sich um das gedeihliche Wachsen der Apfelbäume, und sie bietet eine Tiersprechstunde an, in der sie verletzte und erkrankte Tiere sowie magische Wesen heilt.

Während Lea und Luis einen Schulausflug zu einer Tierauffangstation machen und dort einen verletzten, flugunfähigen Uhu kennenlernen, bekommt Petronella unerwarteten Besuch vom Zauberer Talibus Album. Dieser Zauberer bittet Petronella, vorübergehend seinen jungen Zauberlehrling namens Mumpitz zu  beherbergen und zu beaufsichtigen, denn dieser sei ein wenig undiszipliniert. Petronella stimmt zu, und kurz darauf reist Mumpitz mit seinem fliegenden Koffer in den Apfelgarten und freundet sich schnell mit den Zwillingen an.

Mumpitz‘ Zauberfähigkeiten sind noch bescheiden, aber sein eifriger Übermut ist umso größer, und so erzeugt er einige brenzlige Situationen, z.B. mit einem kleinen Drachen, der glühende Kohlen speit und sich nicht so leicht wieder einfangen läßt.

Da im nahegelegenen Haspelwald die Glühnasenkrankheit gerade epidemische Aus-maße angenommen hat und sehr viele Tiere und magische Wesen Petronellas Heilkunst in Anspruch nehmen, kann sie den vorwitzigen Zauberlehrling nicht so recht beauf-sichtigen.

Denn zunächst lassen sich die vielen Patienten nicht mehr wie sonst in ihrem Wohnapfel empfangen, sondern sie benötigt hierzu einen separaten Raum. Ein schöner Steinpilz, der im Garten wächst, wird kurzerhand mit dem Zauberstab magisch vergrößert und bietet nun Raum für die neue Praxis. Außerdem braut Petronella stundenlang – nicht alles läßt sich zauberhaft beschleunigen – das wirkungsvolle Heilmittel „stinkfurziger Nasentrost“.

Mumpitz unternimmt unterdessen mit Lea und Luis einen Ausflug in den nahegelegenen Wald und fängt dort eine kleine Moosfee ein, die er in ein leeres Gurkenglas einsperrt. Lea äußert ihr Mißfallen daran, aber Mumpitz sagt, er brauche diese Fee, falls ihm wieder ein Zauber mißlänge. Die Fee ist nicht amüsiert und streckt Mumpitz frech die Zunge raus.

Beim übermütigen Herumfliegen mit seinem Reisekoffer kollidiert Mumpitz mit der benachbarten besenfliegenden Hexe Hexobine (wir kennen sie aus den vorherigen Geschichten als etwas zwielichtige Rabenhexe). Hexobine konfisziert Mumpitzens Koffer. Petronella bekommt  den Koffer zwar mit diplomatischem Geschick und einem kleinlaut-demütig auftretenden Mumpitz zurück, aber auch sie bewahrt den Koffer sicher auf, damit Mumpitz damit nicht noch mehr Unsinn anstellt und sein Bewegungsradius begrenzt bleibt.

Lea drängt es derweil, Petronella dazu zu bewegen, sich des verletzten Uhus aus der Tierauffangstation anzunehmen. Doch die Tierauffangstation ist zu weit entfernt und zudem in einem Tannenwald gelegen, für den die Waldhexe Pimpernell zuständig ist. Petronella ist rund um die Uhr mit der Behandlung der Glühnasenpatienten beschäftigt, verspricht aber, sich in einigen Tagen mit Pimpernell in Verbindung zu setzen.

So lange will und kann Lea nicht warten, und schon bietet Mumpitz eifrig seine Hilfe an. Er zaubert flugs einen fliegenden Teppich:

»Hokuspokus Mondscheinparty,
Brücke, Läufer und Flokati.
Bieg dich, flieg mich, schnell und fein,
sollst mein Zauberteppich sein!«
(Seite 145)

Nun, an der Flugtüchtigkeit des Teppichs ist nichts auszusetzen, gleichwohl kommt es noch zu einigen abenteuerlichen magischen und menschlichen Turbulenzen, bis die Kinder mit dem Uhu wieder wohlbehalten zurück in Petronellas Apfelgarten landen.

Die Autorin Sabine Städing erzählt auch den zwölften Band von Petronella Apfelmus in  heiterem Tonfall mit spielerischem Tiefsinn, anschaulicher Dramaturgie, phantasie-vollem Abwechslungsreichtum und amüsanten Zauberspruchreimen sowie mit der unverkennbar apfelmusischen Warmherzigkeit.

Die vielen, knuffigen, detailverliebten Illustrationen von Sabine Büchner fügen sich ausgezeichnet in den Erzählfluß ein und harmonieren – mit ihrer einfühlsamen, augen-zwinkernden Charakterzeichnung und szenischen Situationskomik– ganz zauberhaft mit dem Text.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://bastei-luebbe.de/Buecher/Kinderbuecher/Petronella-Apfelmus-Zauberei-und-Eulenschrei-Band-12/9783833909320

Hier entlang zur Hörbuchausgabe:
https://bastei-luebbe.de/Audio/Kinderbuecher/Petronella-Apfelmus-Zauberei-und-Eulenschrei/9783785786680

Die Autorin:

»Sabine Städing wurde 1965 in Hamburg geboren. Schon als Kind hat sie sich gerne Geschichten ausgedacht und war fasziniert von Hexen und anderen magischen Wesen. Inzwischen veröffentlicht sie erfolgreich Kinder- und Jugendbücher. Am bekanntesten ist ihre Buchreihe rund um die Apfelhexe Petronella Apfelmus. Die Autorin lebt hoch im Norden Deutschlands, ganz in der Nähe von Hamburg. www.sabinestaeding.de «

Die Illustratorin:

»Sabine Büchner, geb. 1964, studierte Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Illustration in Wuppertal und Animation an der HFF in Babelsberg. 2006 erhielt sie das Troisdorfer Bilderbuchstipendium und ist seitdem als freie Illustratorin für verschiedene Verlage tätig. Mit ihren so liebevollen wie witzigen Bildern hat sie Petronella Apfelmus und ihrer Welt vom ersten Band an einen ganz eigenen Zauber verschafft.«

Hier entlang zur kompletten Petronella-Apfelmus-Reihe:

Band 1: Verhext und zugeklebt
Petronella Apfelmus, Band 1: Verhext und festgeklebt
Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
Petronella Apfelmus, Band 2: Zauberschlaf und Knallfroschchaos
Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche Petronella Apfelmus, Band 3: Schneeballschlacht und Wichtelstreiche
Band 4: Zauberhut und Bienenstich
Petroenlla Apfelmus, Band 4: Zauberhut und Bienenstich
Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
Petronella Apfelmus, Band 5: Hexenbuch und Schnüffelnase
Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
Petronella Apfelmus, Band 6: Schnattergans und Hexenhaus
Band 7: Hexenfest und Waldgeflüster
Petronella Apfelmus, Band 7: Hexenfest und Waldgeflüster
Band 8: Zaubertricks und Maulwurfshügel
Petronella Apfelmus, Band 8: Zaubertricks und Maulwurfshügel
Band 9: Eismagie und wilde Wichte
Petronella Apfelmus, Band 9: Eismagie und wilde Wichte
Band 10: Petronella Apfelmus – 24 weihnachtliche Geschichten aus dem Apfelhaus
Petronella Apfelmus – 24 weihnachtliche Geschichten aus dem Apfelhaus
Band 11: Burggespenst und Hexensümpfe
Petronella Apfelmus, Band 11: Burggespenst und Hexensümpfe
Band 12: Zauberei und Eulenschrei Petronella Apfelmus, Band 12

Nacht über Frost Hollow Hall

  • von Emma Carroll
  • Originaltitel: »Frost Hollow Hall«
  • Aus dem Englischen von Gerda Bean
  • illustriert von Verena Körting
  • Thienemann Verlag, 2017 www.thienemann.de
  • gebunden
  • 400 Seiten
  • 14,99 € (D), 15,50 (A)
  • ISBN 978-3-522-18450-2
  • Die gedruckte Buchausgabe ist vergriffen,
  • doch es gibt inzwischen eine E-Buch-Ausgabe:
  • ISBN 978-3-522-61076-6
  • 9,99 €
  • Kinderbuch ab 10 Jahren

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HERZEN  SCHMELZEN

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Wir schreiben das Jahr 1881.Die zwölfjährige Tilly lebt zusammen mit ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Der Vater und die große Schwester haben die Familie kürzlich heimlich verlassen, um nach Amerika auszuwandern. Nun kämpfen Mutter und Tohter um ihr wirtschaftliches Überleben; und noch dazu mit dem Verlust zweier geliebter Menschen.

Sie wohnen in einem Dorf in der Nähe eines Herrenhauses namens Frost Hollow Hall. Dort residieren Lord und Lady Barrington. Zum Gelände des Herrenhauses gehört ein See, in dem vor zehn Jahren Kit, der einzige Sohn und Erbe der Familie Barrington, ertrunken ist. Seit diesem tragischen Unfall spukt es angeblich in Frost Hollow Hall, und dementsprechend schwierig ist es, bleibendes Personal für das Anwesen zu finden. 

Will, der Sohn des örtlichen Metzgers, besucht Tilly und bringt Schlittschuhe mit. Tilly ist eine Ablenkung von ihrer Not und Traurigkeit ganz recht, und so fahren die beiden Kinder unerlaubterweise auf dem zugefrorenen See der Barringtons Schlittschuh. Dabei gerät Tilly auf eine Stelle mit dünnem Eis und bricht ein; zwar kann sie wieder nach oben schwimmen, aber nicht die dicke Eisschicht durchdringen. Plötzlich erscheint ihr ein Junge, der von einem perlenden Licht umgeben ist, er ergreift ihre Hände und lotst sie aus dem vereisten Bereich heraus bis zum Seeufer. Die Erscheinung verblaßt, und Tilly verliert das Bewußtsein. Als sie wieder zu sich kommt, kümmert sich Will ebenso aufgewühlt wie rührend um sie und bringt sie zurück nach Hause.

In den folgenden Nächten träumt Tilly immer wieder von dem Jungen, der sie aus dem Eis gerettet hat. Langsam und zögerlich begreift sie, daß es der Geist von Kit Barrington ist, der mit ihr spricht und sie bittet, ihn zu retten. Denn er könne erst in Frieden ruhen, wenn die Wahrheit ans Licht gekommen sei.

Tilly weiß vom Personalmangel in Frost Hollow Hall und fragt dort um Arbeit nach. Die strenge Haushälterin stellt sie zunächst auf Probe ein. Sie bekommt fünf Schillinge Wochenlohn sowie freie Kost und Logis.

Durch ihre Tätigkeit in Frost Hollow Hall kann Tilly den Lebensumständen Kits nach-forschen. Denn in den Traumbegegnungen bleiben die Informationen Kits stets nur andeutend. Sie stellt fest, daß Kits Zimmer wie ein Museum exakt so belassen wurde wie am Tage seines Todes; sogar das Kaminfeuer wird ununterbrochen erhalten, so als käme er jeden Augenblick wieder zurück. Lady Barrington ist von launischer Freund-lichkeit gegenüber Tilly. In erster Linie ist sie jedoch in ihrem Trauerkokon einge-sponnen und hofft im stillen auf ein Zeichen ihres geliebten Sohnes aus dem Jenseits.

Tilly hat keine Angst vor den Traumbegegnungen mit Kits Geist, denn er ist stets sehr freundlich, ja, geradezu liebreizend. Doch in Frost Hollow Hall ist noch ein anderer Geist unterwegs, der mit Geschirr um sich wirft und die Hausmädchen nachts erschreckt. Es kommt zu einigen maßvoll gruseligen Situationen, doch Tilly versteht nach und nach, daß auch dieser wütende Geist nur die Aufmerksamkeit der Bewohner des Anwesens auf ein verborgenes Geheimnis lenken will. 

Es gilt, viele lose Puzzleteilchen zu einem ganzen Bild zu verbinden, und Tilly riskiert mehr als einmal ihre Anstellung, während sie ihre detektivischen Ermittlungen – teilweise mit der tatkräftigen Hilfe Wills – durchführt. Tilly ist gerade wegen ihrer eigenen Verletzlichkeit besonders einfühlsam hinsichtlich des Schmerzes, der im Hause Barrington herrscht und alles überschattet.

Nach einigen dramatischen Szenen, bei denen sich Tilly auch tapfer ihrer eigenen Trauer stellen muß, kommen die erlösende Wahrheit über die Umstände von Kits Tod und die damit zusammenhängenden Verstrickungen ans Licht. Tillys kommunikative Inter- vention führt schließlich dazu, daß Mitgefühl und Vergebung die vorherigen Gefühls-erstarrungen und Schuldzuweisungen auflösen. Die Konfrontation mit dem Schmerz aller beteiligten Personen führt – therapeutisch gesprochen – durch den Schmerz in die Akzeptanz und von dort wieder hin zum Leben. So finden auch die Geister endlich ihren Frieden.

Tilly ist ein ebenso starker wie verletzlicher Charakter; sie reift durch die Heraus-forderungen, denen sie ausgesetzt ist, und sie lernt auch, die Hilfe und echte Zuneigung Wills anzunehmen. Will verfügt über ein sehr großzügiges, ja, sonniges Gemüt und bildet einen herzerwärmenden Kontrast zum eisigen Winterwetter, das diese Geschichte permanent durchfrostet.

„Nacht über Frost Hollow Hall“ ist eine spannende, düster-atmosphärische romantische Geschichte über ein eigenwilliges Mädchen, das sich nach vielen Tränen, inneren und äußeren Kämpfen und traumhaften Geisterfreundschaften schließlich ein gerüttelt Maß irdischen Glücks erobert und dieses Glück auch wahrlich zu schätzen weiß.

Besonders bemerkenswert ist, daß es der Autorin sehr glaubwürdig und anrührend gelungen ist, dem schmerzlichen und existenziellen Gefühlsreigen, den Tilly und die erwachsenen Charaktere miteinander bespielen, sprachlich ebenso kindgemäß wie subtil-nuanciert Ausdruck zu geben.  

Hier entlang zum E-Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.thienemann.de/produkt/nacht-ueber-frost-hollow-hall-isbn-978-3-522-61076-6

Die Autorin:

»Emma Carroll unterrichtete zunächst Englisch an einer Oberschule. Dann entschloss sie sich zu einem Studium an der Bath Spa University, das sie mit Auszeichnung absolvierte und wo sie einen MA im Schreiben für junge Leser erwarb. Nacht über Frost Hollow Hall war Emma Carrolls Debütroman. Mittlerweile gibt es vier weitere Bücher von ihr. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Jack Russell Terriern in den Hügeln von Somerset. https://emmacarrollauthor.wordpress.com/about/ «

Die Illustratorin:

»Verena Körting ist in Köln geboren und aufgewachsen. Sie studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Düsseldorf, zog dann einige Jahre nach Hamburg und arbeitete dort als Grafikdesignerin. Doch da sie viel lieber zeichnet und Geschichten erzählt, begann sie 2010 Kinderbücher zu illustrieren. Sie lebt und arbeitet in Köln. https://verena-koerting.de/ «

Querverweis:

Das Kinderbuch „Die Schneeschwester“ von Maja Lunde behandelt ebenfalls sehr feinfühlig den Themenkreis Tod und Trauer. Auch in dieser Geschichte überwindet schließlich die heilsame Liebe zum Leben die Schwerkraft der Trauer. Die Schneeschwester

Das goldene Drachenlexikon

  • Text und Illustrationen von Franz Sales Sklenitzka
  • Umschlag und Schuppengestaltung von Bernd Lehmann
  • G & G Verlag, September 2019 www.ggverlag.at
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 160 Seiten
  • Format: 17,5 x 24,5 cm
  • 15,00 €
  • ISBN 978-3-7074-2289-4
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

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D R A C H O L O G I E  MIT  P H A N T A S I E

Kinderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Dieses fabulöse Drachenlexikon vermittelt Kindern spannendes zoologisches, botanisches und kulturhistorisches Wissen über Drachen. Von A wie Aldrovandi (1522 – 1605) – einem italienischen Gelehrten, der eine elfbändige „Historia animalium“ schrieb und darin auch Drachen auflistete -, blättern wir weiter zu Drachenbaum und Drachen- wurz, Glücksdrachen, Haselwurm, Kuscheldrachen, Lindwürmern und Mauerdrachen, Salamandern, Stollenwürmern, Wappendrachen und Wasserdrachen bis hin zu Z wie Zauberdrachen und Zwergdrachen. Wir werden informativ, unterhaltsam und phantasievoll in die ebenso umfangreiche wie vielfältige Drachenmaterie eingeführt. Die lexikalischen Texte sind interesseweckend formuliert und warten mit einer kindgemäß übersichtlichen Informationsdichte auf.

Ergänzt werden die zoologischen Ausführungen zudem mit Artikeln zu Amphibien, Echsen, Leguanen und Reptilien sowie um Detailinformationen zu Drachenblut, Drachenhaut, Drachenklauen, Drachenschuppen, Drachenspucke usw …

Historische (meist ernsthafte alte Stiche) und zeitgenössische (meist heiter-augen-zwinkernd gestimmte) Illustrationen bieten anschauliche visuelle Begleitung. Die Vorsatzblätter und die Seitenränder der Buchseiten sind mit einem Drachenschuppen-dekor ausgestattet, und ein alphabetischer Stichwortindex hilft beim schnellen thematischen Nachschlagen.

In den lexikalischen Einträgen finden sich gelegentlich Hinweise auf eine Drachenge-schichtenreihe, die der Autor ebenfalls verfaßt hat. Diese querverweisenden Erwähnun-gen von fiktiven Personen und Drachen fügen sich jedoch reibungslos in das dracho-logische Gesamtkonzept ein und bieten darüber hinaus sehr passende Anregungen zu weiterführender Kinderliteratur.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
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Hier entlang zu Franz Sales Sklenitzkas Drachengeschichtenreihe:
Drachen machen starke Sachen
Drachen haben nichts zu lachen
Bei uns ein Dache? Dass ich nicht lache!
Drachen lassen’s richtig krachen

Der Autor & Illustrator:

»Franz Sales Sklenitzka, geboren 1947, zählt zu den bekanntesten Kinder- und Jugendbuchautoren Österreichs. Für seine Bücher bekam er zahlreiche Preise wie den Würdigungspreis für Literatur des Landes Niederösterreich. Für sein bekanntestes Werk „Drachen haben nichts zu lachen“ wurde er mit dem österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Staatspreis für Illustration, dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien und 2004 mit dem „goldenen Buch“ ausgezeichnet. Webseite: http://www.sklenitzka.at/ «

Der Buchumschlag- und Schuppengestalter:

»Bernd Lehmann, 1982 in Köln geboren, studierte Illustration in Münster und Seoul, Südkorea. Seit seinem Diplom 2009 ist Bernd als selbstständiger Illustrator tätig und lebte einige Jahre in Berlin und Köln, bevor seine Frau und er 2015 zurück in die 24-Millionen-Metropole Seoul zogen. Weitere Illustrationen und Informationen finden Sie unter: www.berndfuerdiewelt.de «

Robert und die wilden Ritter

  • Das Zauberschwert & Der Drachenwald
  • Zwei Geschichten in einem Band
  • von Anu Stohner
  • Mit Illustrationen von Jörg Mühle
  • DTV, Reihe Hanser, März 2019 www.dtv.de
  • gebunden
  • 320 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-423-64049-7
  • Kinderbuch ab 8 Jahren

Robert und die Ritter - Zauberschwert und Drachenwald

A B E N T E U E R L U S T I G

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Tim und Robert sind beste Freunde. Robert neigt zu wagemutigen Ungeschicklichkeiten, und er hat zudem einen Onkel, der ihm stets Dinge schenkt, die seiner Abenteuerlust sehr entgegenkommen. Tim ist vorsichtiger, läßt sich indes gerne von Robert mitreißen.

Nun hat Robert von besagtem Onkel ein Schwert geschenkt bekommen, und zwar ein „echt echtes“ Ritterschwert. Unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt Robert seinem Freund Tim, daß er das Schwert kaum habe aufheben können und daß es ihm aus der Hand gerutscht und mit der Klingenspitze im Fußboden steckengeblieben sei. Dann sei ein Lichtstrahl auf die Klinge gefallen und er habe am Ende der Blutrinne den Namensschriftzug „Wirbelwind“ entdeckt. Ein Schwert mit diesem Namen, so dachte sich Robert, muß man vielleicht herumwirbeln, und dank seines nun zweihändigen Zugriffs und der Fliehkräfte gelang es ihm tatsächlich, sich mit dem Schwert im Kreise zu drehen.

Nach einigen schwindelerregenden Drehungen wurde ihm schwarz vor Augen, und als er die Augen wieder aufschlug, stand er auf dem Innenhof einer mittelalterlichen Ritter- burg, namens Wackerburg. Dort erfuhr er auch von der benachbarten Raubritterburg „Wolfeck“ und vom Drachenwald, der zwischen den beiden Burgen liegt. Die Rückreise in die Gegenwart funktionierte ebenfalls mit Hilfe des Schwertkreiselns.

Die nächste Zeitreise will Robert nun unbedingt gemeinsam mit seinem besten Freud unternehmen. Tim ist skeptisch, aber ehe er bedenkenträgerische Gegenargumente vor-bringen kann, schwingt Robert schon das Zauberschwert, und beide landen im Innenhof der Wackerburg.

Dort sitzen drei Ritterjungen unter einem Baum und begrüßen Robert wie einen alten Bekannten. Robert trägt auch die gleiche mittelalterliche Gewandung in den Farben der Wackerburger (rot-grün) wie die drei Ritterjungen, und vorausschauend erklärt er die unveränderte Gewandung Tims (Skaterjeans, Turnschuhe und Kapuzenpulli mit Spider-man-Dekor) mit dem Hinweis, er sei sein Vetter aus der Stadt und dort trüge man solche Kleidung.

Die Ritterjungen Kuno, Rigobert und Dagobert empfangen Tim gleichwohl freundlich.
Sie erklären ihm, wie peinlich es sei, daß ihr neuer Lehrer ihnen nicht gestatte, mit echten Schwertern zu üben, sondern nur mit Holzschwertern – zumal sie schließlich Feinde zu bekämpfen hätten, die über echte Schwerter verfügten.  Die sogenannten Feinde sind die fünf Ritterjungen von der benachbarten Raubritterburg „Wolfeck“, die sich die „Wilden Wölfe“  nennen.

Diese Wilden Wölfe stimmen gerade an der Außenmauer der Wackerburg das Hohnge-schrei „Wackelzähne für die Wackelburg!“ an und werfen anschließend einen Ritter- handschuh über die Burgmauer. Dann erklettern sie die marode Mauer, um von dort aus zu sehen, wie die Wackerburger reagieren.

Bisher hatten die Wackerburger die Handschuhe stets einfach liegengelassen und den Kampf gegen die Wolfecker nicht aufgenommen. Dies führte nach und nach wegen der verschwundenen väterlichen Ritterhandschuhe für die Wolfecker zu immer häufigerem Burgarrest. Doch Robert fängt nun den Fehdehandschuh auf und erklärt damit seine Kampfbereitschaft. Die Wolfecker jubeln lautstark, und eine baldige Auseinander- setzung zwischen den Mittelalterjungs läßt sich nun nicht mehr vermeiden, ohne an Ritterehre einzubüßen.

Zwischendurch zeitreist Robert noch einmal zurück und holt Verstärkung – seinen sehr großen, freundlichen Hund Wuschel, dessen Knurren allerdings gefährlich drachen- ähnlich klingen kann; und zusammen mit Tim ist dann wenigstens das Zahlenverhältnis zwischen den kleinen Rittern ausgewogen.

Im zweiten Band hat die Feindschaft zwischen den Wackerburgern und Wolfeckern nach wie vor Bestand. Diesmal spielt jedoch noch eine Prinzessin (nebst langhaarigem Schön-lings-Leibwächter) auf der Durchreise mit; und kindlich-romantische Gefühle bringen zusätzliche Verlegenheiten und Verwirrungen in die abenteuerliche Zeitreise.

Die beiden Geschichten werden aus Tims Perspektive erzählt. In der Jetztzeit ist stets sein Freund Robert derjenige, dem allerlei Pannen und Mißgeschicke passieren. Doch während der Aufenthalte in der Ritterzeit ist Tim der Tollpatsch, der sich nicht „gezie-mend“ benimmt, viel zu laut durchs Unterholz schleicht oder Sachverhalte falsch inter-pretiert. Dies nimmt Tim erstaunt zur Kenntnis, neidet seinem Freund gleichwohl nicht die glanzvollere Rolle. Auch wenn Tim in der Ritterzeit oft verunsichert und ängstlich agiert, so steht er dennoch – wenn es wirklich darauf ankommt – bedenkenlos tapfer und eloquent seinem Freund und den Wackerburgen sowie lieblichen Prinzessinnen zur Seite.

Diese Ritterabenteuer wurden von der Autorin, Anu Stohner, mit heiterer Spannung wortgewebt. Obwohl viel vom Kämpfen die Rede ist, kommt es nicht ernsthaft zu körperlichen Schwertkämpfen. In erster Linie liefern sich die kleinen Ritter Wort- gefechte und die kleinen Raubritter werden durch geschickte Suggestion und Wuschels Drachenknurren-Simulation zwar nicht ausdrücklich besiegt, aber doch in ihre Schranken verwiesen.

Die Autorin spielt zudem gekonnt mit den Alltagsdetails der verschiedenen Zeitalter. So fällt beispielsweise die wortreiche Kommentierung von Tims Skaterjeans durch die Burgfräuleins äußerst amüsant aus. Gelegentliche in Klammern gesetzte metafiktive Randbemerkungen, mit denen wahlweise die Autorin oder Tim die Leser direkt anspricht, sind ein gelungener Kniff, um Kinder noch tiefer in die Geschichte einzubeziehen.

„Robert und die wilden Ritter“ bietet zwei buchstäblich abenteuerlustige Geschichten, welche die Themen Freundschaft und Zeitreise in die Ritterepoche ebenso spannend wie vergnüglich kombinieren.

Umso erfreulicher ist es, daß es noch zwei weitere Folgebände dieser Ritterreihe gibt.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.dtv.de/buch/robert-und-die-wilden-ritter-das-zauberschwert-der-drachenwald-64049
Hier entlang zum dritten Band: Robert und die Ritter – Das Burggespenst https://www.dtv.de/buch/robert-und-die-ritter-iii-das-burggespenst-62526
Hier entlang zum vierten Band: Robert und die Ritter – Das Turnier https://www.dtv.de/buch/robert-und-die-ritter-iv-das-turnier-62542

Die Autorin:

»Anu Stohner, geboren 1952 in Helsinki, lebt als Übersetzerin und Autorin in Althußheim am Rhein. Für ihre Übersetzungen aus dem Englischen, Finnischen und Schwedischen wurde sie unter anderem mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis für Übersetzer und dem Finnischen Staatspreis ausgezeichnet. Für die Reihe Hanser hat sie zuletzt  „Elchtage“ von Malin Klingenberg und „Ich bin Joy“ von Jenny Valentine übersetzt.«

Die allerbesten Geschichten von Piggeldy & Frederick

  • erzählt von Elke Loewe
  • mit Bildern von Dieter Loewe und Ursula Winzentsen
  • Ravensburger Verlag, 2016 www.ravensburger.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 96 Seiten
  • Format: 21,5 x 3 cm
  • 14,99 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-473-44685-8
  • Kinderbuch ab 4, 5, 6, 7 Jahren

Die-allerbesten-Geschichten-von-Piggeldy-und-Frederick-44685

WORTVERSPIELTE  LESEFREUDE

Kinderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Piggeldy ist Fredericks kleiner Bruder, und wie alle kleinen Kinder hat er viele Fragen und läßt sich gerne von Frederick die Welt erklären. So fragt Piggeldy etwa, was eine Badewanne sei, eine Quelle, eine Hütte, Abendrot oder ein Schmetterling; ebenso fragt er auch nach abstrakteren Begriffen wie Geduld, Dummheit, Ordnung, Fernweh oder Glück.

Die Geschichten beginnen stets mit den gleichen Einleitungssätzen. Piggeldy stellt eine Frage, Frederick antwortet selbstbewußt mit „Nichts leichter als das…“, und an- schließend  durchstreifen die beiden die Gegend, während Frederick die Frage so klug wie möglich und unter Inanspruchnahme der vorhandenen Naturrequisiten beantwortet.

Fredericks Erklärungen ziehen stets weitere und vertiefende Fragen Piggeldys nach sich, und so kommt es zu sehr vergnüglichen und wortverspielten Gesprächen, bei denen Piggeldy Frederick manches Mal zu heiterer Verzweiflung treibt. Denn Piggeldy ist durchaus nachdenklich und schlagfertig und gibt sich nicht mit leichten Antworten zufrieden.

Diese Schweinedialoge bewegen sich also – trotz des Altersunterschieds – auf kommunikativer Augenhöhe. Die Gesprächspartner können ebenso diskutieren wie sich  harmonisch ergänzen, und stets gehen sie am Ende des lehrreichen Spaziergangs einträchtig zusammen nach Hause.

Die Gespräche zwischen Piggeldy und Frederick füllen zwei bis vier Seiten und sind durchgehend illustriert. Die Illustrationen setzen die Dialoge anschaulich in Szene und geben den Gefühlen der beiden Schweine durch lebhafte Körpersprache und Mimik textgetreue Gestalt.

Die Frage-Antwort-Szenen sind sehr situationskomisch, wunderbar wortverspielt, nach- denklich-heiter, ja, philosophisch, und regen ganz gewiß die kindliche Sprachfreude an.

Nachfolgend eine köstliche Kostprobe:

»„Und was fressen Schmetterlinge zum Frühstück?“, fragte Piggeldy.
„Nektar“, sagte Frederick.
„Warum?“, fragte Piggeldy, „warum heißt der Schmetterling dann nicht Nektarling?“
„Weil du nicht Fragling heißt“, antwortete Frederick.« (Seite 79)

„Die allerbesten Geschichten von Piggeldy & Frederick“ bieten durch die spannende Dialog-Dramaturgie und den kindgemäßen Wortwitz sehr vergnüglichen Vorlesestoff, der mit Sicherheit auch bei den Vorlesern gute Laune und Heiterkeit auslöst.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.ravensburger.de/de-DE/produkte/kinderbuecher/bilderbuecher-vorlesebuecher/die-allerbesten-geschichten-von-piggeldy-und-frederick-44685

Die Autorin:

»Elke Loewe, geboren 1940, Ausbildung zur Fotografin, arbeitete als Fotografin für Werbefilmproduktionen und schrieb Drehbücher (NDR, ZDF). 2001 erschien ihr erster Kriminalroman bei Rowohlt, weitere drei folgten, außerdem schrieb sie vier historische Romane, ebenfalls für Rowohlt. Für den Verlag Atelier im Bauernhaus gab sie Bücher über regionale Themen heraus, schrieb Bilderbücher und veröffentlichte eigene Foto-bücher. Elke Loewe lebt und schreibt in einer ehemaligen Moorschule, an dem Ort, wo „Piggeldy und Frederick“ entstanden sind.«

Der Illustrator:

»Dieter Loewe, geboren 1930, studierte an der HfbK in Hamburg mit Schwerpunkt freie Malerei und Trickfilm. Nach dem Studium arbeitete er für aktuelle Fernsehproduktionen (u.a. Panorama, Fernsehlotterie) und produzierte eigene Zeichentrickserien beim damaligen NWDR für „Sandmännchen“. 1971 entwickelten Elke Loewe (Text) und Dieter Loewe (Zeichnungen) die Serie  „Piggeldy und Frederick“ und produzierten bis 1996 150 Filme à drei Minuten mit den beiden Schweinchen. 1995 zeichnete Dieter Loewe für den Ravensburger Verlag ein erstes Bilderbuch mit Piggeldy und Frederick. Nach dem Tod von Dieter Loewe 1998 gestaltete Elke Loewe aus dem Nachlass der Filmzeichnungen weitere Piggeldy und Frederick-Bücher für Ravensburg und Rowohlt.«