Der Geräuschehändler bekommt Post

Der Geräuschehändler bekommt Post

  • Text von Kathrin Rohmann
  • Illustrationen von Jule Wellerdiek
  • KNESEBECK Verlag, Februar 2025, www.knesebeck-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 20.5 x 25 cm
  • 48 Seiten
  • ISBN 978-95728-949-0
  • 16,00 €
  • Bilderbuch ab 5 Jahren


VON  EISWAGEN-KLINGELN  UND  ZITRONEN-ZUNGEN-ZISCH

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Nachdem sich der Geräuschehändler am Ende des ersten Bandes (siehe: Der Geräuschehändler) mit zauberhafter Unterstützung durch einen Flaschengeist auf eine Welt-Geräusche-Reise begeben hat, kehrt er nun mit allerlei klangvollen Mitbringseln in sein tönendes Geschäft zurück.

Am Montag will der Geräuschehändler zunächst seine zahlreich mitgebrachten Koffer und Taschen voller Weltenklänge auspacken und sortieren, da bringt der Postbote ein Paket, in dem sich zwei Badehosen befinden. Es stellt sich heraus, daß es sich um eine Rücksendung für das benachbarte Sportgeschäft handelt, und der Geräuschehändler will sich gleich auf den Weg machen, um das Paket beim richtigen Adressaten abzugeben.

Doch die beiden Badehosen beklagen sich beim Geräuschehändler über ihr Schicksal als Ladenhüter und bitten ihn um eine klangvolle „Freibad-Mischung“ mit „Arschbomben-klatschern“, „Tauchgluckern“ und „Wasserprusten“. Gerne erfüllt ihnen der Geräusche-händler diesen Wunsch. Damit haben die Badehosen nun hinkünftig deutlich bessere Verkaufschancen bei schwimmfreudigen Kindern.

Am Dienstag kommt „Super-Marion“, eine bekannte Computerspiel-Figur, ins Geschäft und verkündet, daß sie dringend „Ohr-Laub“ vom ständigen „Dü-de-lü-de-lüt, doing-dong, puff“ ihres Bildschirmdaseins brauche. Nach einigen Hörkostproben entscheidet sich Super-Marion für ein „Geräusche-Müsli“ mit Bauernhoflauten.

Am Mittwoch erscheint in der Nacht ein grünlicher außerirdischer Besucher und bittet um ein Souvenir von der Erde. Der Geräuschehändler öffnet seinen großen Musikvor-ratsschrank und läßt einen vielsaitigen instrumentalen und gesanglichen Klangteppich daraus hervortönen. Der Außerirdische ist entzückt und speichert dieses Souvenir in seinem Herzen.

Am Donnerstag schlendert die als damenhafte Bohnenstange personifizierte Langeweile herein, und der Geräuschehändler spielt mit ihr ein „Gähn-Quiz“, bei dem es darum geht, Müdigkeitsgähnen von Langeweilegähnen zu unterscheiden.

Und so geht es von Wochentag zu Wochentag weiter mit der Suche nach dem perfekten Eiswagenklingeln, dem schwierigen Umgang mit bedrohlichen, schrecklichen Lauten und schließlich mit der ansteckenden Freude verschiedener Lieblingsgeräusche.

Diese sieben Hörgeschichten beginnen stets mit einem Einleitungsrefrain, der das Haus und das Geschäft des Geräuschehändlers mit leichten Variationen beschreibt, sowie mit einigen einstimmenden, teilweise gereimten Geräuschewörterpaaren wie beispiels-weise „Dingeln und Klingeln“, „Schleckern und Kleckern“, „Schnurren und Knurren“.

Die heiteren Illustrationen begleiten den Erzähltext mit dynamischer Bewegtheit und stimmungsharmonischer Farbpalette.

Die Textdramaturgie ist sehr anschaulich und vorlesefreundlich, die Dialoge lebhaft, amüsant sowie gelegentlich situationskomisch und die Beschreibungen voller sinnlicher Details. Der Autorin gelingt die Kunst, hohe sprachliche Qualität mit kindgemäßer Wort-spielfreude zu verbinden. Wir erlesen bei diesen Geschichten nicht nur viele, viele Worte, die Töne benennen, sondern auch viele, viele Worte für die unterschiedlichsten Gefäße, in denen der Geräuschehändler diese Töne sorgsam aufbewahrt.

Auch der zweite Band des Geräuschehändlers bietet Kindern und Erwachsenen anregen-den Sprachspielraum für feinsinnige Wortakustik und phantasievolle Geräuschkulissen. Außerdem lassen sich  diese Geschichten gewiß im Gespräch mit Kindern noch weiter-spinnen und um persönliche Geräuschvorlieben ergänzen.

 

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.knesebeck-verlag.de/der_geraeuschehaendler_bekommt_post/t-1/1347
Hier entlang zum ersten Band: Der Geräuschehändler

Die Autorin:

»Kathrin Rohmann, geboren 1967, schreibt Bücher und Geschichten für Kinder. Während der Schulzeit wollte sie Bühnenbildnerin oder Journalistin werden – oder Bücher schreiben. Wegen Astrid Lindgren. Wegen eines Hundes wie Bootsmann hat sie dann eine landwirtschaftliche Lehre begonnen und studiert. Kathrin Rohmann lebt in der Nähe ihrer Heimatstadt Hannover und hat oft Fernweh. Weitere Informationen zu Kathrin Rohmann finden Sie unter: https://kathiroman.jimdofree.com/«

Die Illustratorin:

»Jule Wellerdiek zeichnet, seit sie einen Stift halten kann. Als freiberufliche Illustratorin und Autorin widmet sie sich nun dem, was sie am liebsten tut – sich Geschichten aus-denken und diese in Bilder verwandeln, am liebsten mit vielen schrägen Figuren und Details. Weitere Informationen zu Jule Wellerdiek finden Sie unter: www.julewellerdiek.de«

Querverweis:

Thematisch ergänzend bietet sich zudem das Bilderbuch „Was macht Püüüp?“ Was macht Püüüp? von Bernhard Hoëcker und Eva von Mühlenfels an, in dem ein neugeborenes Geräusch seine Bestimmung sucht und findet.

 

Herr Elch und sein Bücherbus

  • Text und Illustration von Inga Moore
  • Originaltitel: »Moose’s Book Bus«
  • Aus dem Englischen von Michael Stehle
  • Verlag Urachhaus, 2. Auflage 2025 www.urachhaus.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 48 Seiten
  • Format: 29,5 x 25,5 cm
  • 20,00 €
  • ISBN 978-3-8251-5427-1
  • Bilderbuch ab 4 Jahren
  • Ausgezeichnet mit dem „Leselotsen“ des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels!

VOM  AKTIVEN  UND  PASSIVEN  LESEN

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Dieses Bilderbuch vermittelt zunächst behagliche Einblicke in die überaus geborgene Geschichtenerzählkultur, welche die Familie Elche pflegt. Frau Elch und die beiden Kinder kuscheln sich in die Sofakissen vor dem prasselnden Kaminfeuer, und Herr Elch erzählt Geschichten.

Als ihm eines Abends keine neuen Geschichten mehr einfallen, fragt er bei der benach-barten Familie Bär nach einem Märchenbuch. Doch Frau Bär hat kein Märchenbuch, und auch alle anderen Tiernachbarn (Dachs, Fuchs, Maulwurf, Biber und Wildschwein), die in seinem Dorf leben, besitzen kein Buch.

So fährt Herr Elch in die Stadt und leiht sich aus der Bibliothek (die Bibliothekarin ist eine bebrillte freundliche Gans) einige Märchenbücher aus. Nun kann Herr Elch seinen Kindern Märchen vorlesen. Frau Bär kommt mit ihren Kindern zu Besuch und hört ebenfalls gerne zu. Im Dorf spricht es sich schnell herum, was für ein guter Vorleser Herr Elch sei, und so füllt sich allabendlich sein Wohnzimmer mit immer mehr lauschwilligen tierischen Gästen. Doch dies wird schließlich zu eng und überfüllig und ist auch nicht mehr gemütlich.

Herr Elch findet auf dem Schrottplatz eine konstruktive Lösung. Er stattet einen alten Bus mit selbstgezimmerten Bücherregalen aus, füllt ihn mit einer Auswahl von Büchern aus der Stadtbibliothek und präsentiert seinen Nachbarn den Bücherbus. Die Nachbarn und besonders die Tierkinder besichtigen neugierig den Bus und die Bücher, aber es stellt sich heraus, daß weder Frau Bär noch Herr Dachs und Herr Fuchs oder Frau Hase und Frau Maulwurf lesen können.

Da bleibt nur eines: Alle müssen lesen lernen! Herr Elch beginnt mit Frau Bär, und diese gibt ihr Wissen an Herrn Dachs weiter, Herr Dachs unterrichtet Herrn Fuchs usw…
Nachdem nun endlich alle Nachbarn lesekundig sind, leihen sie sich eifrig Bücher aus dem Bücherbus und lesen ihren Kindern daraus vor.

Herr Elch bleibt zwar der beste Vorleser von allen und wird auch weiterhin von seinen Nachbarn besucht, aber nun bleibt es bei übersichtlichen Gästemengen und sehr gemütlichen Vorlesungen bei dampfendem Kakao.

Inga Moore  inszeniert sehr gekonnt die Begeisterung fürs Vorlesen und Lesen sowie das verbindende Miteinander, das  eine mit anderen Zuhörern geteilte Vorlesestunde erzeugt. Die anheimelnden, stimmungsvollen, wohltuend altmodisch eingerichteten Interieurs mit ihren vielen schönen Details und Feinheiten haben eine sehr einladende Wirkung. Die mimisch und körpersprachlich heiter-ausdruckvollen Tiercharaktere zeigen deutliche Lese- und Lauschbegeisterung. Man möchte fast umziehen in dieses leseförderliche und kinderreiche Dorf mit seinem attraktiven nostalgischen Ambiente. Ergänzend sei noch erwähnt, daß die illustratorische Darstellung auch textunabhängig über eine ablesbare Handlungsabfolge verfügt – Kinder können hier also buchstäblich auch die Bilder lesen.

Auch wenn das Lesenlernen in Wirklichkeit nicht so einfach und schnell geht wie in  „Herr Elch und sein Bücherbus“, so macht dieses Bilderbuch gleichwohl die Lese- und Vorlesefähigkeit und die familiäre Geborgenheit gemeinsamen Lesens äußerst schmackhaft und erstrebenswert.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.urachhaus.de/Lesen-was-die-Welt-erzaehlt/Bilderbuch/Herr-Elch-und-sein-Buecherbus.html

 

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren schönen Bilderbuch von Inga Moore: Käptn Katz

Die Autorin & Illustratorin:

»Inga Moore ist eine weltweit anerkannte britische Illustratorin. Mit ihren einfühlsamen und preisgekrön­ten Versionen zahlreicher klassischer und moderner Kinderbücher sowie mit ihren eigenen Geschichten verzaubert sie seit Jahrzehnten nicht nur die Herzen ihrer jungen Leserschaft. Ihre Fassungen der Klassiker ›Der Wind in den Weiden‹ und ›Der geheime Garten‹ haben sich mittlerweile als Longseller etabliert. Inga Moore lebt in Gloucestershire.«

Das große Buch der Kleinen Hexe

  • Deutsche Übersetzung von Angelika Kutsch und Anne Tüllmann
  • Oetinger Verlag, 9. Auflage 2024 www.oetinger.de
  • Sammelband aller 5 Bände der Kleinen Hexe
  • gebunden
  • Fadenheftungormat: 26,2 x 22,2 cm
  • 158 Seiten
  • 20,00 € (D), 20,50 € (A)
  • ISBN 978-3-7891-0837-2

FÜR KLEINE HEXENKINDER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Kleiner, schrecklicher Drache

  • Text und Illustrationen von Lieve Baeten
  • Deutsch von Angelika Kutsch
  • Oetinger Verlag, 1. Auflage August 2000 www.oetinger.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28,7 x 22,3 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978—78991-6338-8
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

DRACHENKIND UND MENSCHENKIND

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Der kleine, schreckliche Drache kann zwar schon gut fliegen und ein wenig Feuer spucken, doch zur Vervollkommnung seiner Drachenschrecklichkeit braucht er ein menschliches Gegenüber zum Üben. Die Dracheneltern zeichnen ihrem Sprößling das Bild eines Menschenkindes und erklären, daß solche Kinder leicht zu erschrecken seien, ja, sie wären regelrechte „Angsthasen“ und würden beim Anblick eines Drachen sofort vor Furcht zittern.

Keine Frage, daß der kleine Drache nun sofort ein Kind haben möchte. Die Drachen-mama fliegt also von der Drachenburg ins nahegelegene Dorf, wittert nach einem Kind und findet einen Jungen, der neugierig an seinem geöffneten Kinderzimmerfenster steht. Dieses Kind wirkt zwar nicht besonders erschrocken, aber die  Drachenmama pflückt es gleichwohl vom Fenster, fliegt mit ihm zur Burg zurück und setzt das Kind vor dem kleinen Drachen ab.

Nun demonstriert der kleine Drache eifrig, was er schon alles kann. Er fliegt hin und her und faucht, doch das Kind zeigt keine Anzeichen von Furcht. Auch das Feuerspucken wird vom Kind mit aufmerksamem Interesse betrachtet, aber nicht mit Angst. Die Dracheneltern sind irritiert und verfrachten das Kind zum Schlafen ins Drachenbett.

Während die großen Drachen herumrätseln, wieso dieses Kind keine Anzeichen vom üblichen Angsthasentum zeigt, lernen sich das Kind und der kleine Drache ganz unbefangen und wechselseitig aufgeschlossen kennen. Schließlich setzt sich das Kind sogar auf die Schultern des kleinen Drachen, und nun erschrecken sie gemeinsam die großen Drachen.

Der kleine Drache verkündet schließlich den verdutzten großen Drachen, daß dieses Kind absolut kein Angsthase sei und auf den Namen „Beppo“ höre und daß er ihn jetzt wieder in sein Menschenhaus zurückflöge. Gesagt – getan! Und wir dürfen nun zu recht vermuten, daß damit eine schöne Freundschaft zwischen Drachenkind und Menschenkind beginnt.

In dieser Geschichte wird die Relativität von Angst und Mut mit heiterer Spannung anschaulich und situationskomisch inszeniert. Die Dracheneltern beschreiben Menschenkinder als Angsthasen, und aus Drachenperspektive ist es nicht abwegig, ein kleines, flugunfähiges und gewissermaßen wehrloses Lebewesen für besonders furchtsam zu halten. Was sie nicht einkalkulieren ist, daß Angst und Mut nicht nur eine Frage körperlicher Über- oder Unterlegenheit ist, sondern auch eine Frage der inneren Einstellung gegenüber andersartigen, fremden Lebewesen. So ist in diesem Falle das Kind nicht ängstlich, sondern neugierig, interessiert und sehr erfolgreich freundschaftswagemutig.  

Die Illustrationen warten mit verspieltem Phantasiereichtum auf und geben der Geschichte ein abwechslungsreiches, ebenso vergnügliches wie stimmungsvolles Bühnenbild mit vielen entdeckenswerten Details. So stellt sich etwa am Ende der Geschichte – beim Anblick des Kinderzimmerinterieurs – heraus, daß das Kind offen-sichtlich eine große Vorliebe für Drachen hat und vermutlich deshalb so aufgeschlossen für eine echte Drachenbegegnung ist.  Die Darstellung der Drachen ist zudem auch keineswegs furchteinflößend, sondern eher von einer warmherzigen, augenzwinkernden Zärtlichkeit.

 

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobeu auf der Verlagswebseite:
https://www.oetinger.de/buch/kleiner-schrecklicher-drache/9783789163388

  

Die Autorin und Illustratorin:


»Lieve Baeten (1954 – 2001) wurde in Zonhoven/Belgien geboren. Sie studierte Illustration an der Akademie der Schönen Künste in Antwerpen.  Es war ihr Traum, einmal ein eigenes Bilderbuch herauszubringen, und so entstand 1992 „Die neugierige kleine Hexe“. Die Abenteuer der kleinen Hexe Lisbet wurden schon bald in viele Sprachen übersetzt, mehrfach ausgezeichnet und bezauberten die Welt.«


Die Übersetzerin:

»Angelika Kutsch wurde 1941 geboren, war viele Jahre Lektorin im Verlag Friedrich Oetinger und arbeitet heute als freie Übersetzerin überwiegend aus dem Schwedischen.
Angelika Kutsch hat mit ihren einfühlsamen Übersetzungen erheblich zum Erfolg der schwedischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland beigetragen. Allein 150 von Angelika Kutsch übersetzte Titel sind zur Zeit lieferbar, darunter viele sehr erfolgreiche und preisge-krönte Bücher, so z. B. alle Kinder- und Jugendbücher von Henning Mankell, alle Pettersson-und-Findus-Titel von Sven Nordqvist und die Linnéa-Bücher von Christina Björk. Kein anderer Name wird so häufig im Übersetzerverzeichnis des Deutschen Jugendliteraturpreises genannt wie der von Angelika Kutsch.
Schon vor ihrer Tätigkeit als Übersetzerin und Lektorin hatte sich Angelika Kutsch einen Namen als Autorin gemacht. So wurde sie 1975 für ihr Buch „Man kriegt nichts geschenkt“ mit dem Sonderpreis des Deutschen Jugendbuchpreises zum Internationalen Jahr der Frau ausgezeichnet; 1974 hatte das Buch bereits auf der Auswahlliste der Kategorie Jugendbuch gestanden.«

Ein Foto, bitte!

  • Text und Illustration von Rosalinde Bonnet
  • Originaltitel: »Tous à l‘affût«
  • Deutscher Text von Igna Gantschev
  • Verlag minedition, Oktober 2025  www.minedition.com
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 29,3 cm
  • 40 Seiten
  • durchgehend farbig
  • 16,00 € (D), 16,50 € (A)
  • ISBN 978-3-03934-097-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren (laut Verlag)
  • ab 4 Jahren (nach meiner Einschätzung)


F O T O G E N

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

„Ein Foto, bitte!“ vermittelt Kindern auf anregende und amüsante Weise sowohl Acht-samkeit für Natur und Tiere als auch eine beachtliche Portion zielstrebiger Tätigkeits-freude.

Die kleine Emma möchte den großen roten Hirsch fotografisch einfangen und dieses Foto bei einem Fotowettbewerb einreichen. Da der große rote Hirsch sehr scheu ist, bereitet sich Emma gut vor. Sie trägt tarnfarbene Kleidung, sucht und findet im Wald die Hufabdrücke des Hirschs, baut in der Nähe dieser Spur ein zeltartiges Versteck aus Ästen und Zweigen und legt sich mit ihrer Stativ-Kamera auf die Lauer.

Illustration und Text von Rosalind Bonnet © Verlag minedition 2025

Doch anstelle des Hirschs erscheinen ein vorwitziges Eichhörnchen, ein Hase, ein Biber und ein Dachs, die neugierig Emmas Unterschlupf inspizieren und beknabbern. Der Dachs nimmt sogar das Tarnnetz und rennt damit weg.

Illustration und Text von Rosalind Bonnet © Verlag minedition 2025

Emma und eine ganze Reihe weiterer Waldtiere nehmen die Verfolgung auf. Das macht natürlich viel Lärm, und Emma beklagt, daß sie so nie den roten Hirsch erwischt. Als es schließlich auch noch anfängt, zu regnen und zu winden, versammeln sich die Tiere gemeinsam mit Emma im Unterschlupf, und Emma teilt ihren Tee und ihre Kekse mit den Tieren.

Der Regen endet, und die Abenddämmerung beginnt. Plötzlich schaut ein Wolf ins Versteck hinein, alle Tiere springen erschrocken in verschiedene Richtungen davon, und der ganze Unterschlupf bricht zusammen. Der Wolf hat aber keine böse Absicht, und so kommen alle wieder zurück, und Emma macht von jedem Tier eine Portraitaufnahme.

Alle warten nun still auf das Erscheinen des Hirschs, und Emma bereitet sich darauf vor, im Wald zu übernachten. Die Kamera bleibt eingeschaltet auf dem Stativ stehen. Emma legt ihren Schlafsack aus und schläft schließlich warm umkuschelt von den Waldtieren ein.

Der Vollmond erscheint am nächtlichen Himmel. Der große rote Hirsch tritt zwischen den Bäumen hervor und beäugt die kleine Schlafgemeinschaft. Er schaut auch in die Kamera und betätigt dabei den Auslöser …

Illustration und Text von Rosalind Bonnet © Verlag minedition 2025

Illustration und Text von Rosalind Bonnet © Verlag minedition 2025

Rosalinde Bonnet erzählt Emmas fotografischen Ausflug sowohl textlich als auch illustratorisch mit abwechslungsreicher Dramaturgie. Zunächst wird auf den beiden vorderen Vorsatzblättern sachlich die Ausrüstung dargestellt und erklärt. Dann bekommen wir Einblick in Emmas Kinderzimmer, an dessen Wänden viele Tierfoto-grafien hängen, was ihre Charakterisierung als Tierfreundin und begeisterte Fotografin deutlich untermalt.

Ruhige Schritt-für-Schritt-Szenen wechseln sich ab mit sehr dynamisch-bewegten Szenen, wie beispielsweise bei der Verfolgungsjagd des Dachses, bei der zudem noch eine interessante Vogelperspektive verwendet wird. Emma und die Waldtiere verfügen über lebhaften und lustigen mimischen und körpersprachlichen Ausdruck. Die Bilder-buchszenerien erscheinen in einer naturbelassenen, warmen herbstblättrigen Farbpalette mit vielen niedlichen Details und einer feinen Prise stimmungsvollen Waldzaubers. 

Emma ist eine sympathische kleine Abenteurerin, deren Naturfreude und Naturver-bundenheit unübersehbar sind. Aber auch ihre Geduld und organisierte Ausdauer hinsichtlich des angestrebten fotografischen Ziels sind bemerkenswert.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite:
https://www.minedition.com/books/detail/1449?country_id=1

Die Autorin & Illustratorin:

»Rosalinde Bonnet wurde 1978 in Paris geboren. Als sie klein war, schwankte sie zwischen einer Karriere als Wildtierbiologin oder Illustratorin. Schließlich entschied sie sich für ein Kunststudium an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs. Sie hat zahlreiche Bücher geschrieben und/oder illustriert, die in Frankreich, England und den USA erschienen sind.«

Weihnachten

  • Der große und der kleine Igel, Band 6
  • Text und Illustration von Britta Teckentrup
  • Verlagshaus Jacoby & Stuart, 2025 www.jacobistuart.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 21 x 28 cm
  • 32 Seiten
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • ISBN 978-3-96428-284-2
  • Bilderbuch ab 3 Jahren

WEIHNACHTSMITEINANDER

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Kaum hat der kleine Igel Geburtstag gefeiert (siehe Band 5: Der Geburtstag), da wird es auch schon Zeit für die Weihnachtsfeier. Und so machen sich der große und der kleine Igel auf den Waldweg, um den schönsten Tannenbaum zu finden.

Der erste Baum ist zu klein, der zweite viel zu groß und der dritte zu schief, doch der vierte Tannenbaum ist schließlich der passende Kandidat. Eifrig beginnen die Igel, den Baum mit den mitgebrachten Glöckchen, Strohsternen, Kugeln, Kerzen und Zucker-stangen zu schmücken. Auf einmal schaut ein Waschbär zwischen den Tannenzweigen hervor und beschwert sich, was sie denn da mit seinem Wohnbaum anstellten.

Freundlich erklären die Igel ihre weihnachtsfeierlichen Absichten und laden den knurrigen Waschbären auch gleich mit zur abendlichen Weihnachtsfeier ein. Der Waschbär ist nicht abgeneigt, wundert sich aber, daß diese Weihnachtsfeier und die Bescherung schon am Abend stattfinden sollen. Denn da, wo er herkomme, werde dies alles erst am ersten Weihnachtsmorgen gemacht. Außerdem erzählt er vom Brauch des Sockenaufhängens, und das hinzugehüpfte Grauhörnchen weiß zudem noch von Papierkronen und Weihnachts-Knallbonbons zu berichten.

Der große und der kleine Igel sind ganz fasziniert, daß es noch andere Weihnachts-traditionen als die ihnen vertrauten gibt, und sie beschließen, einfach zweimal Weih-nachten zu feiern. Dem Waschbären, dem Grauhörnchen und weiteren Tiere gefällt diese Lösung, und während sie nun gemeinsam den Baum schmücken, lernt der kleine Igel noch beiläufig wie „Frohe Weihnachten“ in einigen anderen Sprachen heißt. 

Es wird ein schönes Weihnachtsfest für alle, und voller Vorfreude auf die feierliche Fortsetzung am nächsten Morgen schläft der kleine Igel selig ein.

Britta Teckentrup erzählt diese weihnachtsvor- und mitfreudige Geschichte in bewährter warmherziger und kindgemäßer Sprache und erweitert unaufdringlich den kindlichen Weihnachtsfeierhorizont.

Die stimmungsvollen Illustrationen bieten eine gelungene bilderbuchkünstlerische Verbindung von Naturbelassenheit und detailreicher Verspieltheit und verbreiten eine großzügige, ebenso schöne wie anheimelnde Portion Weihnachtszauberglanz.

Hier entlang zum Buch auf der Verlagswebseite: https://www.jacobystuart.de/buecher-von-jacoby-stuart/neuerscheinungen/der-grosse-und-der-kleine-igel-weihnachten/

Hier entlang zu den igeligen Vorgängerbänden:

Band 1: „Warte doch mal!“  Warte doch mal!
Band 2: „Ich hab doch keine Angst!“ Ich hab doch keine Angst!
Band 3: „Das kann ich auch!“ Das kann ich auch!
Band 4: „Nochmal!“ Nochmal!
Band 5: „Der Geburtstag“ Der Geburtstag

Die Autorin & Illustratorin:

»Britta Teckentrup, geboren 1969 in Hamburg, hat in London Kunst studiert. Nach siebzehn Jahren in England, während derer sie zahlreiche erfolgreiche Bilderbücher weltweit veröffentlichte, lebt sie heute mit ihrer Familie in Berlin. http://www.brittateckentrup.com/ «

Das war doch keine Absicht!

TSCHULDIGUNG!

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühle hat einen dritten Band mit den streitlustigen Waldbewohnern Bär und Wiesel geschrieben und gezeichnet. Im ersten Band „Zwei für mich, einer für dich“ Zwei für mich, einer für dich ging es ums gerechte Teilen, der zweite Band „Morgen bestimme ich!“ Morgen bestimme ich! handelt davon, wer mit wem spielen soll und dabei den Ton angibt, und im neuen dritten Band wird das Thema des angemessenen Entschuldigungs-verhaltens durchgespielt.

Es ist Winter, und der große Bär räumt mit einer großen Schaufel Schnee weg, während das kleine Wiesel mit einem kleinen Handfeger Schnee fegt. Der Bär trifft mit einer rück-lings abgeworfenen Schneeladung versehentlich das Wiesel, welches sich sogleich laut-hals beschwert und eine Entschuldigung verlangt. Brummelnd meint der Bär, daß er sich für diesen absichtslosen Schneewurf nicht entschuldigen müsse und daß das Wiesel selber besser auf sich aufpassen und auch nicht hinter ihm herumwuseln solle.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Das nun folgende lebhafte Streitgespräch über das Maß der Verletztheit, die einer Ent-schuldigung bedarf, sowie über richtige und falsche Entschuldigungen steigert sich zu einer Schneeballschlacht, bei der die Schneebälle von diversen Entschuldigungsformu-lierungen begleitet werden. Es wirkt so, als hätten die beiden Kontrahenten inzwischen sogar Spaß an dieser Auseinandersetzung.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Der Fuchs kommt vorbei und will wissen, was sie denn da veranstalteten. Einträchtig antworten Bär und Wiesel mit einem schneebestäubten: „Wir vertragen uns.“ Daraufhin hält der Fuchs die Beiden für Spinner und formuliert das auch so. Dies wiederum lassen sich Bär und Wiesel nicht widerspruchslos gefallen und verlangen – mit deutlich sichtbarer Vorfreude – eine Entschuldigung…

Jörg Mühle inszeniert das Thema des Sich-entschuldigen-Sollens-oder-Wollens in Wort und Bild sehr anschaulich, kinderlebensalltagsnah und lustig. Die kommunikative Qualität der Illustrationen zeigt sich besonders in der gelungenen Darstellung des gestischen und mimischen Ausdrucks der Charaktere. Dies bietet Kindern buchstäblich kinderleichten Identifikationsspielraum und eine spielerische Anregung, eigenen und fremden Bedürfnissen, Entschuldigungserwartungen und -Erfahrungen nachzuspüren und darüber zu sprechen.

Hier entlang zum Buch und zur großzügigen Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Das-war-doch-keine-Absicht.html

Hier entlang zum ersten Band: Zwei für mich, einer für dich
Hier entlang zum zweiten Band: Morgen bestimme ich!

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Sausimausi

  • Text und Illustration von Claudia Burmeister
  • BOHEM Press GmbH 2025 www.bohem-verlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 22 x 22,5 cm
  • 24 Seiten
  • 18,0 € (D), 18,50 € (A)
  • ISBN 978-3-95939-244-0
  • Bilderbuch ab 2 Jahren

F L I T Z E F L I N K

Bilderbuchbesprechung von Ulrike Sokul ©

Sausimausi ist eine Maus, die mit ihrem roten Fahrrad gerne schnell fährt. Von Seite zu Seite saust sie durch die Landschaft, und unterwegs hält sie nur an, damit sich ihr noch weitere Tiere als Mitfahrer hinzugesellen können. Schließlich ist das Fahrrad mit Vogel, Maulwurf, Siebenschläfer, Füchschen, Eichhörnchen und Hase voll besetzt, und es geht den ersten Hügel hinauf und wieder hinunter.

Dann folgt der zweite Hügel. Doch diesmal verhakt sich das Vorderrad, und alle fallen vom Fahrrad und purzeln heftig durcheinander. Das bleibt nicht ohne einige Blessuren und blaue Flecken, die aber dank des mitgeführten Verbandskoffers und der wechsel-seitigen Hilfe gut verarztet werden. Dieser Sturz kann Sausimausi indes keineswegs entmutigen oder gar entschleunigen. Sie freut sich schon darauf, am nächsten Tag weiter herumzusausen.

Illustration Claudia Burmeister © BOHEM Press 2025

Dieses Bilderbuch kommt mit wenigen Worten aus und erzählt sich durch die anschau-liche Bilderabfolge gewissermaßen selbst. Das schwungvolle Wesen und die Bewegungs-freude Sausimausis sowie das spielerische Miteinander der Tiere werden zeichnerisch ebenso niedlich wie dynamisch wiedergegeben. In der Landschaftskulisse gibt es noch einige weitere kleine Tierchen zu entdecken, die dem geschwindigen Geschehen zuschauen. Die mit Buntstift gezeichneten Illustrationen warten mit dezenter Farbgebung auf.

„Sausimausi“ ist kein Pappbilderbuch, doch die Seiten sind aus einem dicken, strapazier-fähigen Papier (schätzungsweise 250 – 300 g/m² Stärke), das kindlicher Grobmotorik gut standhält.

Erwähnenswert erscheint mir beiläufig noch der verlegerische Hinweis im Impressum auf die menschliche Urheberschaft des vorliegenden Bilderbuches: „Illustrationen und Text in diesem Bilderbuch wurden mit natürlicher Intelligenz, Hand und Herz extra für Dich erfunden und erstellt.“ – angesichts der zunehmenden KI-Kunst ein Herkunfts-vermerk, der wohl hinkünftig noch öfter angebracht sein wird.

Hier entlang zum Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite:
https://www.bohem.ch/katalog/sausimausi/

Die Autorin und Illustratorin:

»Claudia Burmeister studierte Grafik und Design und Erziehungswissenschaften und anschließend Germanistik an der TU Berlin. Seit 2011 illustriert Claudia Kinderbücher für Magazine, Museen und auf Wunsch auch fürs private Wohnzimmer. Unter ihrem Kunst-label papierziege https://www.papierziege.de/ veröffentlicht sie eigene Arbeiten und gibt Kurse in verschiedenen Techniken.«

Querverweis:

Hier entlang zu einem weiteren von Claudia Burmeister illustrierten Bilderbuch:
Kleiner Fuchs Großer Himmel In diesem äußerst feinfühligen und großherzigen Bilderbuch führt die Erfahrung des Trauerns und Tröstens gleichsam ins allverbindende Herzklopfen des ganzen Lebens.

Zwei für mich, einer für dich – Neuausgabe

  • Text und Illustration von Jörg Mühle
  • Moritz Verlag 2025  www.moritzverlag.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • Format: 28 x 20 cm
  • 32 Seiten
  • ISBN 978-3-89565-467-1
  • 14,00 € (D), 14,40 € (A)
  • Bilderbuch ab 4 Jahren


VERTEILUNGSGERECHTIGKEIT

Bilderbuchbesprechung  von Ulrike Sokul ©

Jörg Mühles amüsantes Bilderbuch über das gerechte Teilen ist nun in einer neuen etwas großformatigeren Ausgabe erschienen. Dies nehme ich nun gerne zum Anlaß, erneut auf dieses gelungene Werk hinzuwiesen.

Gerechtes Teilen ist ein kindliches Alltagsthema, das durch eine abstandnehmende Betrachtung eine gewisse Entspannung erfahren kann. In Jörg Mühles Bilderbuch „Zwei für mich, einer für dich“ wird die Auseinandersetzung um gerechte Verteilung von Bär und Wiesel anschaulich und witzig vorgeführt.

Der Bär findet im Wald drei Pilze und trägt sie nach Hause. Dort nimmt das Wiesel die Pilze vorfreudig in Empfang und brät sie mit Gewürzen und Petersilie in der Pfanne.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Dann setzen sich die beiden an den tischtuchkarierten Tisch. Der Bär teilt dem Wiesel einen Pilz zu und sich selbst zwei, da er groß sei und viel essen müsse. Das Wiesel findet diese Aufteilung ungerecht und argumentiert, daß es mehr Pilze brauche, weil es klein sei und noch wachsen müsse.

Text & Illustration von Jörg Mühle © Moritz Verlag 2025

Beide finden immer neue und subjektiv durchaus plausible Argumente dafür, daß sie den gerechtfertigteren Anspruch auf die größere Pilzportion haben. Das lebhafte Argumente-Ping-Pong eskaliert, die beiden Freunde schreien sich wütend an, spießen abwechselnd den dritten Pilz auf ihre kampfbereiten Gabeln und bemerken dabei nicht, daß sich ein Fuchs anschleicht. Gerade als das Wiesel dem Bären die Freundschaft kündigen will, schnappt sich der Fuchs den dritten Pilz, verspeist ihn einfach und zieht sich winkend zurück.

Empört schauen Bär und Wiesel dem Fuchs nach, kommen zur Besinnung, wünschen sich guten Appetit und lassen sich die beiden verbliebenen Pilze wohlschmecken.

Dann holt das Wiesel sogar noch Nachtisch: Drei leibspeisenverdächtige Walderdbeeren sind aufzuteilen …

Das Buch läßt offen, ob die beiden inzwischen gelernt haben, wirklich zu teilen, oder ob der Gerechtigkeitswettkampf nun wieder von vorne losgeht. Dies eröffnet dem Kind und dem Vorleser interessanten Gesprächsstoff und die Frage nach Ideen, wie man denn drei angemessen durch zwei teilen könnte.

Dieses Bilderbuch bietet reichlich familiären, kinderalltagstauglichen Identifikations-stoff und läßt Kinder mit heiterer Distanz auf einen Streit schauen. Als unbeteiligter Zuschauer ist solch eine Auseinandersetzung lustig und kann kindliche Betrachter durchaus zur Selbstreflexion animieren und konstruktive Lösungen finden lassen.

Die Argumentationsdialoge zwischen Bär und Wiesel sind wahrlich köstlich und ausge-sprochen lebensnah, die Zeichnungen spiegeln ebenso die Streitdynamik wie auch das wiederhergestellte harmonische Einvernehmen der beiden Freunde mit lebhaftem körpersprachlichen Ausdruck. Selten war es so vergnüglich, Lesezeuge eines Streits zu werden.

Hier entlang zum Buch und zur LESEPROBE auf der Verlagswebseite:
https://www.moritzverlag.de/Alle-Buecher/Zwei-fuer-mich-einer-fuer-dich-oxid.html

Der Autor und Illustrator:

»Jörg Mühle, geboren 1973 in Frankfurt am Main, studierte Illustration in Offenbach und Paris. Seit 2000 ist er Diplom-Designer und illustriert Bücher und Magazine. Er ist Mitglied der Frankfurter Ateliergemeinschaft labor, hat eine Tochter im besten Kinderbuchalter und wohnt fußläufig zum Moritz Verlag. Seine Pappbilderbücher übers Hasenkind erfreuen Kinder von Stockholm bis Tokio.«

Querverweis:

Hier entlang zu einer weiteren Geschichte von Bär und Wiesel: Morgen bestimme ich!
Hier entlang zu den putzigen Hasenkind-Pappbilderbüchern von Jörg Mühle:
Tupfst du noch die Tränen ab?
Und nachfolgend zu Megumi Iwasas Kinderbuch „Viele Grüße, deine Giraffe“, welches den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 erhalten hat und von Jörg Mühle illustriert wurde. Viele Grüße, deine Giraffe

Frank und Bert, 4. Band

  • Die Sache mit dem Fußballspielen
  • Text und Illustration von Chris Naylor-Ballesteros
  • Originaltitel: »Frank and Bert – The one where Bert plays football«
  • Übersetzung aus dem Englischen von Hanna Schmitz
  • Coppenrath Verlag 2025  www.coppenrath.de
  • gebunden
  • Fadenheftung
  • 40 Seiten
  • Format: 27 x 27 cm
  • ISBN 978-3-649-65083-6
  • 15,00 € (D), 15,50 € (A)
  • Bilderbuch ab 3 Jahren


F R E U N D S C H A F T   G E W I N N T

Bilderbuchrezension von Ulrike Sokul ©

Nach Versteckenspielen
(siehe: Frank und Bert), Picknickfreuden (siehe: Die Sache mit den verschwundenen Keksen) und der Kunst des Fahrradfahrens (siehe: Die Sache mit dem Fahrradfahren) beschäftigt sich das bewährte Bilderbuchduo Frank und Bert nun mit Fußballspielen.

Frank tut sich dabei, wie auch in den vorhergehenden Geschichten, durch wohl-meinende, fürsorgliche Besserkönnerei hervor. Bert ist nun einmal durch seinen Bärenkörper etwas behäbiger und tollpatschiger als der wendige Fuchs Frank. So passieren Bert zunächst einige Pannen beim Fußballspielen, aber Frank ist ver-ständnisvoll und ermuntert Bert, trotzdem weiterzuspielen.

Als jedoch Barbara, ein sehr wendiges und fußballlgewandtes Wiesel, auftaucht, läßt Frank Bert links liegen und spielt mit der wieselwendigen Barbara Fußball. Beim Spiel der Beiden landet der Fußball schießlich hoch oben in einem Baum.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Frank klettert auf den Baum, um den Fußball zurückzuholen, aber der Ast, in dem der Ball sich verfangen hat, bricht unter dem zusätzlichen Fuchsgewicht durch, und Frank fällt in die Tiefe. Doch der dicke Bert ist schon zur Stelle, und Frank fällt weich auf Bert. Denn beste Freunde retten einander selbstverständlich.

Frank bedankt sich für die Rettung und entschuldigt sich aufrichtig dafür, Bert nicht in sein Spiel mit Barbara einbezogen zu haben. Zum Glück ist der gutmütige Bert nicht nachtragend, und so spielen sie bei der nächsten Gelegenheit zu dritt Fußball, und zwar mit Bert als Super-Torhüter.

Text & Illustration von Chris Naylor-Ballesteros © Coppenrath Verlag 2025

Chris Naylor-Ballesteros erzählt die vorliegende Geschichte auf anschaulich situative Weise. Die Thematik guten und schlechten Freundschaftsverhaltens ist kindlich lebensnah und wird dramaturgisch lustig und augenzwinkernd in Szene gesetzt. Die Illustrationen haben einen eigenwilligen, etwas schrägen Charme und geben den abwechslungsreichen Gefühlen der Charaktere lebhaften und leicht ablesbaren Ausdruck.

Besonders bemerkenswert erscheint mir, daß in diesem Bilderbuch nirgends ein moralisch erhobener pädagogischer Zeigefinger herumstochert, sondern daß Frank selbstreflektiert genug ist, um zu erkennen, daß er sich gegenüber Bert nicht wie ein guter Freund verhalten habe und daß er bereit sei, sein Verhalten selbst konstruktiv zu korrigieren.

Hier entlang zum  Buch und zur Leseprobe auf der Verlagswebseite: https://www.spiegelburg-shop.de/frank-und-bert-bd.4-die-sache-mit-dem-fussballspielen/65083

Hier entlang zu den drei Vorgängerbänden:
1. Band: Frank und Bert
2. Band: Frank und Bert, 2. Band: Die Sache mit den verschwundenen Keksen
3. Band: Frank und Bert, 3. Band: Die Sache mit dem Fahrradfahren

Der Autor & Illustrator:

»Chris Naylor-Ballesteros kommt aus Bradford/Großbritannien und studierte Illustration und Grafikdesign am Bradford College of Art. Mittlerweile lebt und arbeitet er als Autor und Illustrator in Frankreich. Chris Naylor Ballesteros «