Freudenhaus

Die Definition von Freude sozusagen.

Man fragte mich, ob es da vielleicht einen Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum gegeben hat.

Aber ich glaube, jeder der hier schon länger mitliest, weiß, dass ich der Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum bin.

Ça fait fix ans déjà

… und endlich haben sich die Sterne aufgereiht, um mich zu Spontankäufen zu animieren, um endlich, endlich in mein Québec zurückzukehren.

Bald. Und viel zu kurz. Und wehe, irgendwelche alten, orangefarbenen Männer versauen mir das!

Und warum gleich noch mach ich das eigentlich nicht öfter?

Neujahrsvorsätze

Ich halte ja nix von Neujahrsvorsätzen, setze ich eh nicht um. Das einzige, was ich mit vornehme: mehr Meer. Da ist ja immer Luft nach oben. Und mit

Scharbeutz, 26. Februar
Timmendorfer Strand, 9. März
Hörnum, 24. April
Irgendwo vor Amrum, 25. April
Ellenbogen, 26. April
Geschummelt. Elbe. 10. Mai
Fehmarnsund, 12. Mai
Ebenda.
Málaga, 5. Juni
Málaga, 7. Juni
Gibraltar, 8. Juni

Travemünde, 18. Juli
Irgendwo in der Ostsee, 25. Juli
Weissenhäuser Strand, 11. August
Weissenhäuser Strand, 12. August
St. Malo, 27. September
Plouescat, 29. September
Crozon, 30. September
Ouessant, 1. Oktober
Saint-Pierre, 2. Oktober
Kervel, 3. Oktober
Soppot, 11. Oktober
Gdynia, 12. Oktober
Prerow, 22. November
Darsser Ort, 23. November
Prerow, 24. November
Ahrenshoop, 25. November

37

37 ist irgendwie ne super hässliche Zahl. Vielleicht nur in meinem durchgeknallten Spatzenhirn, aber ich find’s super hässlich.
Auch als Alter ist 37 irgendwie unangenehm. Verdammt viel Zeit, die ich nicht ausreichend genutzt habe. Aus der ich nicht so richtig was gemacht habe.
Verdammt wenig Zeit, wenn man darauf wartet, dass dieses Scheißleben irgendwann mal aufhört. Denn es macht wahrlich keinerlei Anstalten, irgendwann man aufzuhören.

Was soll ich nun sagen, zu diesem, meinem 37. Lebensjahr. Irgendwie ganz lange ohne große Höhen und gewohnter Tiefe. Aber jetzt auch keine außergewöhnlichen Tiefschläge.
Wobei ich den Tiefschlägen auch sehr gezielt aus dem Weg gegangen bin. Scheuklappen aufgesetzt. Kopf eingezogen. Einfach nicht hingeguckt. Weil ich nicht weiß, wie viele Tiefschläge ich noch aushalten kann. Und sie ja doch unvermeidlich sind. Also am besten nur die mitnehmen, die wirklich ganz und gar nicht an mir vorbeigehen können. Die ich wirklich nicht ignorieren kann. Und so lange: Augen zu und durch. Alles geht irgendwie vorbei, nur dieses Scheißleben nicht.

Nur die letzten zwei Wochen waren irgendwie turbulent. Und ausnahmsweise nicht im negativen Sinne. Man soll ja immer seine Ziele visualisieren, heißt es, aber meine Erfahrung ist: Nur, wenn man wirklich gar nicht drüber nachdenkt, weil es so absurd ist oder weil man ausreichend abgelenkt ist, tritt es ein. Und so bekam ich vor zwei Wochen den absolut absurdesten, unwahrscheinlichsten Anruf und seitdem passieren absurde, unwahrscheinliche Dinge. Ich versuche, nicht daran zu denken, was daraus werden könnte, denn das wäre ja schon visualisieren und dann passiert es nicht. Ich muss irgendetwas finden, was mich ausreichend ablenkt.
Ich könnte zum Beispiel mal ENDLICH das Projekt Autokauf in Angriff nehmen. (Und jetzt dürfen alle mal laut lachen. Als ob ich mich jemals um ein neues Auto kümmern würde, lol. Ich mein… Die Feststellung, dass ich unbedingt ne neue Karre brauche ist schon mehr als vier Jahre alt.)
Denn das ist noch etwas Positives, was mir in den vergangenen zwei Wochen passiert ist: Das Konto ist auf einmal so voll, dass ich mir sogar ein richtig fancy, rundum sorglos Auto kaufen könnte. Jetzt, da der Hauch einer Möglichkeit halbwegs in Sicht ist (nicht visualisieren, Frau Fragezeichen, nicht visualisieren!!!), dass ich das Haus meiner Oma, das mich für immer verdorben hat, bewohnen könnte, wurde es verkauft (immerhin nicht an den Onkel, der sich das wie jeder normale andere Mensch halt auch nicht leisten konnte). Und obwohl ich gesagt habe, dass ich mit diesem Verkauf wirklich so überhaupt gar nichts zu tun haben will, weil ich emotional nicht in der Lage bin, mich davon und der Vorstellung, dort zu leben, zu trennen (Scheuklappen!!! gebt mir die Scheuklappen!) – ich habe nicht mal Zeug aus de Haus geholt, an dem mir etwas lag, nicht mal mein Zeug – haben die Irrungen und Wirrungen von Verfügungen und verrücktem deutschen Recht einen Haufen Knete auf mein Konto gespült. Plötzlich rich bitch (also, bis ich mir das fancy Auto gekauft habe, dann schon wieder nicht mehr).
Und während ich also noch nach Geldvermehrungsmöglichkeiten google (weil wann werde ich schon das fancy Auto kaufen, haha), zeichnet sich schon wieder der nächste Nackenschlag in Sachen Nachbarschaft ab. Also, der kommt erst in den nächsten paar Monaten, aber ich seh ihn schon kommen. Gar kein Bock.
Und dann ist da noch dieser eine wirklich unvermeidliche Tiefschlag, der da dräut. Das wirklich rasant alternde Pony, das ich mittlerweile nur noch mit Bauchschmerzen besuche. Irgendwann in absehbarer Zukunft bin ich ein Pferdemädchen ohne Pferd. Vor allem: ohne dieses Pferd. Mir ist bewusst, dass das ein unfassbares Privileg ist, mehr als 26 Jahre mit diesem Pferd verbracht zu haben. Aber das macht es um so schwerer, sich ein Leben danach vorzustellen. Scheißleben.

Derweil wird die Oma auch nicht frischer. So von wegen unvermeidliche Tiegschläge.
Also, auf das 38. Lebensjahr. Kein Grund für Glückwünsche. Mich fracht ja keiner. Gar kein Bock.

Termine, Termine

Mein Leben hat eine unerwartete, verrückte Wendung genommen. Habe deshalb – und wegen des normalen Lebens, das auch irgendwie weiter geht – gerade jede Menge Termine.

Man muss ja aber auch auf den Ausgleich achten.  Deshalb: Schwanz to go!

Einhörner und Meerjungfrauen

Ich bin ja schon ne vorhersehbare Alte. Und so verbringe ich wieder einmal einen Oktoberanfang in der Bretagne. Unoriginell wie ich bin.

Weil es dort angeblich immer regnet, habe ich irre Sonnenbrand und mehrfach im Atlantik gebadet. Meine Bronchitis, die wegen fehlender Ausruherei noch mal mit Wucht zurückgekehrt war, wird mit Salzinhalation im Sturm kuriert.

Weiß auch nicht, warum es mir dieses Mal so magisch und entrückt vorkam. Vielleicht lag es am Sexting in der Kirche, während der Pastor das Angelusgebet sprach. Vielleicht lag es an meinem religiös eingehaltenen Masturbationstermin vor dem Einschlafen. Vielleicht lag es an ganz schlimmen Witzen mit meinem rudimentären Bretonisch in der Hafenkneipe. Vielleicht lag es an Pferden am Strand, Delfinen im Hafen, Katzen in Supermarkt, im Schrank und in der Crêperie. Vielleicht lag es an der Ruhe nach dem Sturm mitten im Meer. Vielleicht lag es daran, dass ich zum ersten Mal mich und nicht alle möglichen anderen Leute priorisiert habe. Vielleicht lag es daran, dass ich nach 20 Jahren doch endlich und eindeutig über den Typen hinweg bin, der meine Ansprüche an Männer für immer viel zu hoch geschraubt hat. Nur auf ihn abgesprochen habe ich an ihn gedacht. Vielleicht lag es daran, dass ich alles, was Alltag bedeutet, komplett verdrängen konnte. (Außer natürlich den Gedanken an meine Herrin und Gebieterin, klar.)

Vielleicht lag es an allem davon. Vielleicht finde ich es beim nächsten Mal heraus.

Urlaubsselfie

August Dump

Kein Sex, viel Regen, viel zu viel Arbeit. Dafür fett Bronchitis und epische Flugübung vom Pferd. Natürlich voll rein in den Schotter. Der bleibt für immer unter der Haut. Die übliche Existenzkrise.

Also, ganz toll alles.

Bisschen Sommer habe ich mir trotzdem gekrallt.

Von Wahrheit und Einbildung

Es ist ziemlich genau ein Jahr nach dem Abi. Ich bin zurück von der Sinnsuche hier und da in Südeuropa (natürlich habe ich nix gefunden). Ich sitze im elterlichen Wohnzimmer auf dem Fußboden und gucke mit der Muddi das 19:30-Uhr-Regionalmagazin. Es wird berichtet vom Prozess nach dem Unglück vor einem Jahr in der Kleinstadt, in der ich Abi machte, also Unglück nach ner Abi-Party, ein Toter, ein Komatöser, Fingerzeigen, Blablabla. Ich dreh mich um zur Muddi und sage: „Komisch, kann ich mich gar nicht dran erinnern, müssen ja Leute aus meinem Jahrgang gewesen sein.“ In meinem Abi-Jahrgang waren rund 60 Leute, jeder kennt jeden (und jetzt, mehr als 17 Jahre später, habe ich ungefähr 50 von den Nasen komplett vergessen). Meine Mutter ganz verwundert: „Ja klar, hast du mir doch erzählt, das waren … (Name vergessen) und … (Name vergessen).“ Und ich wühle in meiner Erinnerung und glaube, mich an ein Gespräch mit A. aus meinem Jahrgang zu erinnern über dieses Ereignis, geführt irgendwann im Winter, in dem ich kurz in der Heimat war. Es ist wirklich der flimmerndste Rest einer Erinnerung, aber wirklich gar keine, absolut null Erinnerung an das Ereignis selbst. Nicht einmal theoretisch an das, was passiert sein könnte. Oder den tatsächlichen Inhalt des Gesprächs mit A.

Jetzt, 17 Jahre später, habe ich mit irgendjemanden über mein irres Gehirn und seinen Umgang mit Erinnerungen gesprochen. Dass es jede Menge Zeug einfach löscht oder irgendwo komplex verschlüsselt parkt. Dass mir teilweise Jahre fehlen – und damit sind nicht meine ersten Lebensjahre gemeint. Und ich erzähle diese Anekdote aus dem elterlichen Wohnzimmer und dass eben ein Ereignis, das nur ein Jahr her war, schon komplett vernichtet war.
Und irgendwie lässt mich dieses Ereignis nicht los und was war da nochmal genau? Und ich erinnere mich daran, dass ich ja bei der Zeitung arbeite, bei genau der, die auch einen Lokalteil in dem Kreis hat, in dem meine Schule war. Und ich ja Zugriff auf das digitale Archiv habe. Also wühle und suche ich und ändere die Schlagworte und suche und suche – und finde NICHTS.
Und ich frage mich: Welcher Teil meiner Erinnerung ist korrekt? Der Teil mit der Wohnzimmerepisode? Oder der Teil, der nicht da ist, weil gar nichts war?
Und plötzlich zweifle ich an allen möglichen Erinnerungen, die mein Gehirn mir verkaufen will und die ich ihm auch einfach so abgekauft habe. Ist das wirklich plausibel? Kann das so gewesen sein? Bilde ich mir das ein? War es irgendwie anders.
Und mein Gehirn schnappt ein und präsentiert mir einfach irgendwelche random Fetzen und bevor ich sie greifen kann, zieht es sie wieder weg. Was bleibt, sind irgendwelche heftigen Emotionen, die ich überhaupt nicht einsortieren kann. Von denen ich nicht einmal weiß, ob es meine eigenen sind. Oder waren. Ob ich die nur irgendwo aufgeschnappt habe. Sie mir eingebildet habe. Die mir aber komplett den Boden unter Füßen wegreißen. Der blödeste Blödscheiß triggert sowas. Ein Bild. Ein Satz. Ein Lied. Ein Geruch. Die Stimmung an einem Sommernachmittag mit Wolken und dem Gezwitscher eines Grünfinken.
Völlig übergeschnappt.