Zwanzigster Februar 2026

Schlagwörter

, ,

Ein letztes Aufbäumen des Winters. Morgen soll es so weit sein: die ersten Plusgrade seit Wochen. Leider mit Regen. Aber Sonntag 9°? Das ist nahezu unvorstellbar. Die letzten Nächte waren widerlich kalt, -12°.

***

So seltsam, daß Leute immer wenn sie ihre Kinder ermahnen den ganzen Namen sagen.

***

Gänsefüßchen, dieses seltsame Wort. Anführungszeichen. Im Englischen: Quote, unquote. Wie heißen die richtig? Ah, quotation marks. Und dann immer die Leute, die beim Reden die Geste machen: Zwei Finger jeder erhobenen Hand deuten Strichelchen an.

***

D. erzählt: Er ist an seinem üblichen Kaffeekoch(rast)platz, als zwei ältere Damen auf ihn zustürmen: „Sie müssen uns helfen.“ Sie wollen nach Timmendorf. Zu einer Beerdigung. Anscheinend haben sie um das zu finden nur einen Zettel mit Wegbeschreibung, kein Navi und keine Karte. Und sie seien nun schon zweimal falsch gefahren.

Ich dachte, wie absolut ungewöhnlich das heutzutage ist, daß Leute wirklich gar keine Hilfe von Internet, Navi usw. hinzuziehen. Eine Seltenheit. Zwei ältere Damen bedeutet dann in diesem Fall auch, so etwa 5-6 Jahre älter als er.

***

Leute die Sexehn sagen statt sechszehn.

Und Leute die damals zum 5 Pfennigstück „Sechser“ sagten.

***

Nebensächlichkeiten eines Tages

– Das Klopapier war seltsam, eine Rolle war ganz anders als alle anderen

– Nordwind, so daß nur der äußerste Rand der Fensterbänke verschneit war

– Tingeln heißt auf Englisch „to do small time“

– Sah mir Videos an in denen Menschen vortäuschten ohnmächtig zu werden um zu sehen wie ihre Bauernhoftiere reagierten. Kühen, Pferde, Schafe und Ziegen sprangen sofort zur Seite und weg vom Menschen, nur die Gänse eilten zur Hilfe.

***

Jedesmal wenn ich irgendeinen Online-Doc auschecke, stoße ich irgendwann auf den link: „Penisgröße, was ist normal?“ Frage: Selbst wenn man jetzt nachläse, was hätte man von der Info? Was tut man im Falle der Abnormität? Dran ziehen? Verbergen? Mit was anderem wettmachen? Und who bloody cares anyway?

***

Bei Lidl in B.: An der Kasse eine Frau, die mich fasziniert. Sie ist eine Mischung aus Ethnien, in den USA würde ich sie für eine Mexican/Native American/White woman halten. Gewelltes nach hinten gebürstetes Schwarzhaar, markante Nase, brünetter Hautton, flinke, dunkle Augen. Sie trägt eine schwarze Jacke aus Nickistoff mit allerlei Aufnähern drauf, die eher zu einer 16jährigen passen, Victory Zeichen mit Regenbogenfarben, Pinsel und Farbtopf, ebenfalls farbintensiv, „Be yourself“, Love, Peace etc.. Sie hat eine fröhlich klingende Stimme, die durch den Laden hallt, sehr freundlich, sehr kundennah, irgendwie als amüsiere sie heimlich das, was sie da tut.

Da D. und ich noch nie in dem Laden waren und grundsätzlich auch nie bei Lidl einkaufen, gehen wir da durch, als wären wir im Ausland.

Die Rettertüten interessieren mich. Aber nichts was darin ist, paßt zu uns.

***

Es ist so seltsam, daß Menschen, die erfahren, daß ich die xte Blasenentzündung habe, mir immer noch den Rat mitgeben, ich solle viel trinken.

***

Entschleunigung garantiert, bei Videos aus Japan. Hier mal wieder ein typisches Beispiel.

***

Coincidence: Am selben Tag tauchte zweimal das Wort Shotgun Wedding auf. Einmal in dem Buch „An innocent fashion“ und einmal in einer Doku. Strange.

Das Buch ist ganz amüsant zu lesen. Vor 10 Jahren habe ich es mal fotografiert bei Dussmann in Berlin, weil mich das Cover ansprach. Und wie das immer so ist, stoße ich dann manchmal wieder auf das Foto und checke das Buch aus. Falls es summt, kaufe ich mir das Buch gebraucht.

Es geht da um einen jungen Menschen, der bei einer Modezeitschrift anfängt. Im Buch nennt er die Zeitschrift „Regine“, vermutlich soll es die Vogue oder die Vanity fair darstellen. Der Name klingt irgendwie so 50’s mäßig, so unflott, finde ich.

Witzig ist, daß das Buch damit beginnt, daß er in suizidaler Absicht in höhere Stockwerke strebt und findet, daß auch beim Selbstmord der Unterschied zwischen arm und reich eklatant ist, denn in New York ist es schwierig in die oberen Stockwerke von Häusern zu kommen, wenn man dort nicht wohnt oder arbeitet.

Die Kritiken sagen, es sei eine Mischung aus „Devil wears Prada“ und „Catcher in the rye“. Jedes Werk eines jungen Autoren, das was auf sich hält, kriegt diesen „Catcher“ Stempel. Das ist schon fast komisch, so sehr geht es einem auf den Sacco.

***

Sechzehnter Tag im Februar

Schlagwörter

, ,

Neulich sprach ich mit D. über unsere diversen Küchen, welche die schönste war und welche die, die wir am wenigsten mochten.

Ich sagte: Die schönste ist unsere jetzige, gefolgt von der auf der Gutenbergstraße, gefolgt von der in Berlin.

D. meinte: Ach, ich glaube, die auf der Gutenbergstraße ist bei mir auf Platz 1.

Und ich wußte genau, was er meinte: In unserer Erinnerung ist diese Küche voll mit Leuten, die vorbei kamen, als man zusammen kochte, Spieleabende machte mit Freunden, Kreativsessions mit Freundinnen, endlose Diskussionen am Küchentisch. Es gab diese herrlichen Sprossenfenster, in eines hatten wir eine Katzenklappe gebaut und unsere Katze stieg von dort auf die Fensterbank und balancierte dann über eine wunderbare verwitterte Steinmauer bis zum Ende des Gartens, um dann auf dem Gelände des nahen Wasserturms zu jagen.

Hier sitzen wir 1991 an unserem Eßtisch. Diese Fotos der 90er. Schnelle, schlecht ausgeleuchtete Schnappschüsse, keinerlei Beschönigungen, völlig bar jeder Instagram-Ästhetik.

Diese ironische Hasentapete, hatte schon wieder vergessen. Nicht aber das auf dem Trödelmarkt zusammen gekaufte Töpfergeschirr bei dem jedes Teil zweite Wahl war. Stets hatte ich eine sogenannte „Risikokanne“, zuweilen sprangen die dann entzwei beim Eingießen des Wassers. Dafür waren die aber sehr günstig. Auch die „Today’s fine food“ Tafel war vom Trödel, später gab es die als Imitationen überall.

Der kleine (natürlich immer verwilderte) Garten mitten in der Stadt war ein zusätzliches Highlight. Betreten konnte man ihn entweder durch die Kellertür des Hauses, aber da uns das meist zu umständlich war, stiegen wir durch das Wohnzimmerfenster über eine Leiter nach unten.

Ich schaffte es regelmäßig über diese Leiter auch noch Bücher, Kissen und Teegeschirr in den Garten zu transportieren und wieder zurück ins Haus.

Manchmal, wenn ich an die 80er und frühen 90er denke, bekomme ich ärgste Nostalgiegefühle, wie es für olle Senioren typisch ist. „Früher war alles besser.“ Die Welt war nicht so verzerrt, nicht so düster, nicht so voller Abgründe und man selber war so viel jünger und frischer.

Auch das Bild amüsiert mich sehr. Matratze auf dem Boden mit Ikea Überwurf. In der Ecke ein Schrank, den Verwandte auf den Sperrmüll werfen wollten. Wir fanden den abstrus häßlich, aber für umme sagte man da nicht nein, außerdem jede Menge Stauraum. Also kauften wir einen Pott witziger Farbe, die war durchsichtig mit vielen Sprenkeln drin. Damit lackierten wir den ganzen Schrank. In unserem Freundeskreis gab es daraufhin begeisterte Nachahmer.

Die Hose, die ich da trage, war eine normale lange Baumwollunterhose, die ich mit Seidenmalfarbe bemalt habe. Und an der Wand drei Gouache Bilder, die ich mit meiner Freundin A. in unserer Küche gemalt habe, sie an der einen Ecke beginnend, ich an der anderen. Dabei rauchten und erzählten wir stundenlang. Alles kostbare Erinnerungen. Später machten wir mit den Bildern eine Ausstellung, bei der Freunde von uns Musik machten.

Ich vermisse das alles. Niemand saß da und checkte sein Handy. Keine schlechten Nachrichten aus aller Welt, die ununterbrochen unseren Alltag perforieren. Und Kanzler Kohl, der uns damals so widerwärtig war, kommt einem heute irgendwie ganz ok vor. Wenn man an den Wahnsinn von jetzt denkt.

Aber wie gesagt, diese Nostalgie ist trügerisch.

Vor einigen Tagen entdeckte ich dieses Video.

Darin dreht sich der Protagonist eine Zigarette. Witzig, denn mir fiel auf, daß ich das schon ewig nicht mehr gesehen habe, weder im TV noch in real. Früher rauchten wir alle. Und alle selbstgedrehte. Filterzigaretten galten als arrogant und spießig. Man fuhr nach Holland und kaufte sich dort den Tabak. Meistens Van Nelle. (Meine Freundin A. hat sogar ihre Ratte damals so genannt.)

Auch auf unserem Küchentisch liegt ein Päckchen. Daneben der Aschenbecher. Aschenbecher auf dem Frühstückstisch. Man war vor nix fies damals. Heute undenkbar. Keiner raucht mehr. Weder selbstgedreht, noch Filter. Könnte ich das noch, eine Zigarette drehen? Wann hab ich das zuletzt gemacht?

Jedenfalls mag ich diese japanische YT Serie. Die winzigen Dokus sind langsam, mit vielen analogen Tätigkeiten und es ist interessant wie die Leute leben. Ich mag es, daß manchmal lange irgendwelche Ecken in der Wohnung gezeigt werden.

In Japan scheinen alle immer winzige Wohnungen zu bewohnen mit Fenstern aus denen man nicht blicken kann, es sei denn man öffnet sie. Es gibt nie Küchen, nur Kochzeilen. Auch das alles so herrlich weit weg von der ewig weichgezeichneten Insta-Ästhetik.

Apropos Dokus, in irgendeiner sagte neulich jemand: It’s better to come back, than to not leave at all. Das mußte ich sofort in meinen lyrics verwenden. Und wir machten dann das hier:

Zwölfter Tag im Februar

Schlagwörter

,

Jeder Tag kostet mich unendlich Kraft und Energie. Der schwarze Hund zerrt und zerrt an meinen Nerven, nicht immer gelingt es mir ihn abzuschütteln.

Selten hat mich ein Winter so geschafft wie dieser. Noch immer liegt Schnee, es ist naßkalt und windig, taut kurz an, friert dann wieder über. No end in sight. Manchmal das Gefühl, daß alles in Scherben liegt, ich ziehe mich nur noch an Winzigkeiten hoch, zähle die Tage, jeden Tag, bis ich endlich wieder Sonne und Wärme bekomme, die ich so nötig brauche. Das hier ist nicht leben, das ist sinnloses sich dahin schleppen.

Gedanklich fliehe ich dann zuweilen in diesen Raum. Ich liebe alles daran. Vor allem den Ausblick.

***

Träumte (mal wieder) einen Songtitel, jemand hatte einen Song rausgebracht, der hieß „Der Kuchen wird euch mehr erzählen als sein Schirm“. Ich wußte nicht, ob ich das genial oder gaga finden sollte. Als ich aufwachte, dachte ich: Das ist einfach nur blöde. Nicht mal gut blöde.

***

Büffel, Eber und Keiler- drei norddeutsche Eisbrecher Schiffe.

***

Warum sind alle Namen für diese wunderbaren Kleidungsstücke so häßlich: Scarf, cloak, wrap, neckerchief? Genauso wie Schal (Doppelbedeutung mit abgestanden), Umhang, Stola, Poncho. Alles häßliche Namen meiner Meinung nach. Nur Cape geht.

Foulard, Schal im französischen, das hört sich gut an.

Украл (Ukral) russisch für Stola ist auch genial.

***

Krankenhausserien und ihre Eigenarten.

– Immer wenn jemand gerade sagt, er habe nur etwas Kleines (headache, Magenverstimmung, verknackster Fuß) ist es danach grundsätzlich immer heartfailure, kidneyfailure or brain tumor oder ein gefährlicher Parasit, den man sich beim hiking irgendwo hat einfangen können)

– In jeder Folge muss sich mindestens einer einmal mit einem versöhnen, Eltern mit Kindern, Kinder mit Eltern, Ehepaare, Exehepaare, Ex-Lovers, Geschwister (gerne im Zusammenhang mit heartfailure, kidneyfailure und brain tumor)

– Grundsätzlich kommt immer jemand, der ewig gewartet hat, weil er sich das Krankenhaus nicht leisten kann, nur um dann zu erfahren, daß er deswegen was sehr Gravierendes hat (heartfailure, kidneyfailure, brain tumor), dann wird er notoperiert, erfährt daß er jahrelang danach noch Medikamente braucht, aber von Geld ist nie wieder die Rede

– „Scrub in“

– Wie heißt die Patientin? –  Becky Smith!- Becky, can you open your eyes for me darling? Or Becky, we will take good care of you. (Die Vorstellung von Medizinern beim Vornamen genannt zu werden, fände ich reizvoll.)

– Geburten finden in Amiland zumeist ohne Väter statt

– Der beste Chirurg ist grundsätzlich ein arrogantes Arschloch

– Alle 3-4 Folgen muss ein gleichgeschlechtliches Paar in die Serie und irgendein Idiot, über den man lachen kann (Hypochonder bevorzugt)

– Krankenzimmer sind vom Flur aus einsehbar, aber immer Einzelzimmer

***

Our daily wordle

Mühsam wird nachgegeben. Und natürlich hätte ich drauf kommen könnten, daß es nicht Scone ist, das ist das Rätsel der NYTimes. Scene of course.

***

Vorsicht ist die Mutter des Porzellanfilters

***

In all dem Unmut bringe ich dennoch irgendwie die Kraft auf, weiter an unseren Songs zu arbeiten.

„Transit of Mars“ ist das neuste Werk aus dem Lily of Luna Universum. Sehr wir.

Gewichtchen und Songs der letzten Zeit

Schlagwörter

, ,

Eloise, mein Kindheits Song und während ich dem kultivierten Wahnsinn so lausche, denke ich, daß man den Song heute völlig anders sehen würde, stalker vibes, red flags: I’m on my knees to please ya- (what ever that does mean).

***

Ein Brief von P.. In einem kleinen Tütchen papiernerner Kleinkram. Unter anderem ein gelber Kreis aus Transparentpapier und ein ausgeschnittener Satz: We should all be dreaming.

Ich lege mir das in das Kästchen, in dem ich gerade Collagenfetzchen sortiere und es paßt gut hinein.

***

Seltsam aus irgendeinem Grunde verfolgt mich am meisten die Zeile: „Give me flowers, that are green on green on green…“. Immer öfter habe ich nun die eigenen Songs als loop im Kopf.

***

Great photography is always on the edge of failure. (Garry Winogrand)

***

Hörte mir über Spotify meine Lieblingssongs Playlist an, u.a. lief da auch „One caress“ und ich dachte: ich mag diese lyrics, dieses „just one caress and I am blessed“.

***

Ich vermisse meinen Space Projector. Keine Ahnung, ob S. den noch benutzt (oder überhaupt noch besitzt). Leider habe ich nie eine freie weiße Wand in diesem Haus gehabt, um ihn zu benutzen. (Eigentlich unerhört)

Als ich sie fragte, sagte sie, sie habe den eventuell entsorgt. What? Das Ding war arschteuer und ich bin wochenlang um denLaden gekreist bevor ich mich zum Kauf entschloß. Das war 2000, als Lavalampen noch ganz Läden füllten. Aber defacto ist das eine meiner Lieblingserinnerungen: Ich sitze an meinem Schreibtisch in unserer Berliner Wohnung und der Space Projector zaubert unendliche bunte Kreise an meine Wand und zuweilen passte das so 1 a zur Musik, das man meinen könnte, es wäre aufeinander abgestimmt. Meine beiden Hedkandi-CDs, chillout ohne Ende.

***

Erfuhr, daß die Tischplatte zum Drehen „Lazy Susan“ heißt. Wie heißt die bei uns?

***

Auf dem Markt (der fand noch statt trotz des harschen Winters) eine Frau mit einem Schal, rot/weiß/rot und ich dachte: Leuchtturm. (Und wieder das Möwengeschrei.)

***

Weiße Felder, Rehe weithin sichtbar. Störche über uns. Auch der Himmel weiß. Ich lasse die Scheibe runtergleiten und klopfe mit meinen Fingern das perfekte Eis, das sie bedeckt hat, nach draußen, wie Scherben fallen Stücke davon auf meine graue Decke, durchnässen sie, ich habe es erst nicht bemerkt.

Es scheint, daß es niemals wieder Frühling wird. Jeder Tag ein Angang, ein Durchhaltenmüssen, ein Ausgelaugtsein. Ich hangle mich so von Mahlzeit zu Mahlzeit und winzigen Zeiteinteilungsevents (Kaffee trinken usw.). Immerhin die Vögelchen sind wieder da. Die Ratten nicht. Wir füttern.

***

Immerhin bin ich weiterhin kreativ. Ich mache Collagen, schicke wieder Briefe und mache natürlich weiterhin Musik.

„Winter train ride“ wurde inspiriert von meinem Gedanken, wie schön es aussieht wenn man so durch eine weiße Landschaft fährt. „January was her season“ bezieht sich wieder auf Maki Asakawa, die im Januar geboren wurde und auch starb. (Mich fasziniert das immer wenn Menschen im selben Monat sterben in dem sie auch geboren wurden.)

“When the radio played our song” wurde inspiriert von einem Satz, den Thomas Bernhard gesagt hat: The Artists create the world every day. (Und Politiker zerstören sie wieder)

The golden wolves protect the lambs, ist eine Zeile aus einem Gedicht von Rose Ausländer.

Letzter Tag im Januar 2026

Schlagwörter

, ,

Revisiting 2016. Ein Jahr mit vielen Trips nach Berlin, alles Kurzreisen für nur einen Tag. Ein Rückblick in Fotos.

My Lumix and me. A love-hate-relationship, denn das Teil ist schwer. Trotzdem macht die Kamera Fotos auf so eine Art und Weise wie es gut zu mir paßt. Ich habe sie immer noch. Mittlerweile seit 16 Jahren.

Eberswalderstraße. In Berlin eine interessante Ecke. All the doom and gloom. Abstract Art im Foto.

Schon lange nicht mehr da: Das Café Godot auf der Kastanienallee. Damals meine Hauptanlaufstelle für eine Pause. Hier blättere ich durch meine allererste Ausgabe von The Weekender.

Laternen sind oft interessante Motive. Sie haben so eine gewisse unverhohlene Häßlichkeit, vor allem die im Osten. Das hier ist in den Hackischen Höfen irgendwo ganz hinten.

Tucholskystraße. Seit ich sie kenne, mag ich sie. Das Hotel in dem ich 2025 zwei mal war und im März wieder sein werde, liegt nicht weit von dieser Ecke. Die Gegend wächst mir irgendwie ans Herz.

Eine Ecke im Café Buchhandlung. Das Café hat zwar Bücher, ist aber keine Buchhandlung. Es heißt nur so, weil mal eine Buchhandlung dort war. Die kenne ich tatsächlich auch noch. 1999 war ich da mal und kam ins Gespräch mit der netten Besitzerin und ließ mir von ihr erzählen, wie es war in der DDR aufzuwachsen.

Schon immer mein bevorzugtes Fotomotiv: Spiegelungen. Was eigentlich ärgerlich ist, nämlich daß man nicht durch Schaufenster ins Innere fotografieren kann, wird hier zu Kunstform. Als Collagenfan liebe ich es besonders, wenn man nicht erkennen kann, was was eigentlich ist. Ich erinnere mich sogar daran, daß ich schon als Kind alle Spiegelwelten total interessant fand. Ich sah mir oft das Zimmer in der Wohnung meiner Eltern im Spiegel an und war extrem fasziniert.

Ich staune, wie lange es das Amodo schon gibt. Möglicherweise war ich da 2016 zum ersten Mal. Leider ist es nicht mehr so interessant wie damals. Aber äußerlich schon. Objects and stories. Gute Idee.

Auf der Linienstraße wieder interessante Spiegelungen.

Im „Dada“. Ein typischer Berlintrip beinhaltete immer mit dem Sichten des Gratismaterials, Schreiben und Diktaphone im Café. Daran hat sich nichts geändert.

Im Winskiez: eines der letzten unrenovierten Häuser, wenig später wurde es saniert.

Fand dieses exzentrische Buch eines Franzosen, der sich auf die Suche nach Spuren von Syd Barrett machte und dann Leute fotografierte, die ihn nicht kannten. Oder wie im Falle von Mike nicht mal von ihm gehört hatten. Hufelandstraße.

Kunst im Künstlerbedarfsladen.

Auch Poster habe ich immer wieder fotografiert. Gestern kam mir die Idee, wenn man sie größtenteils von Hinweisen auf ihre Zugehörigkeit zu Events und Ausstellungen befreit, sind sie als Bilder fast noch interessanter. Vielleicht mache ich tatsächlich daraus eine Serie.

Dreißigster Tag im Januar 2026

Schlagwörter

, , ,

Sich endlos ziehende Wintertage.

D. ist mittlerweile nur noch erschöpft und genervt. Bei mir geht es gerade einigermaßen, aber schon wieder naht ein Wochenende, wo ich das Haus nicht verlassen werde. Es ist viel zu glatt draußen und ich müßte eigentlich zu meiner Hausärztin, verschiebe das aber mal wieder.

Es ist windig und es wird immer kälter. Ohne daß die Sonne kommt. Eine Woche lang schon haben wir keine Sonne.

Den ganzen Tag saß ich an einem neuen Musikstück. Ich dachte, das könnte in einem Café laufen und mir fiel dazu Japan ein. Hörte in endlose japanische Songs rein, bis ich einen fand, der paßte. Es war ein Song von Maki Asakawa, die mich auch äußerlich total faszinierte, immer in schwarz, immer mit Zigarette. Es gibt zig ähnliche Fotos von ihr, alle inspirierend. Sie klingt wie die japanische Nico.

Maki Asakawa, geboren am 27.1.42. Ich bin um zwei Tage zu spät. Es wäre sonst ihr Geburtstag gewesen. Sie könnte noch leben, aber sie wurde dann am 17.1.2010 in einem Hotelzimmer in Nagoya tot aufgefunden (unter mysteriösen Umständen, wie es hieß).  

Als ich ihre Version von House of the rising sun auschecken will, lande ich bei dem Wendersfilm „Perfect days“, den ich mir eigentlich schon lange mal ansehen wollte. Lesen über den Film brachte mich dann auf Yasujiro Ozu über dessen Cinematografie es eine interessante Doku auf YT gibt.

Am Ende ist das Stück fertig und ich bin sehr zufrieden.

Gewichtchen aus den letzten Tagen

Schlagwörter

Hatte einen positiven Traum vom Unterwegssein und mich mit Fremden im Zug anfreunden und mich ganz leicht und sicher fühlen. Und in diesem Traum trug ich seltsamerweise grün. Ich hatte verschiedene Grüntöne kombiniert und dachte: Wow, das ist wirklich eine Farbe, die dir total steht.

(Und in Wirklichkeit ist das die letzte Farbe, die ich tragen würde, außer es wäre oliv oder graugrün.)

***

Dienstag: Ramen

Mittwoch: Udon (koreanische)

An beiden Tagen: Zwiebelschalen vom Wind verweht.

Dienstag zum Abendessen ein wenig eingelegtes Senfgrün aus dem blauen Döschen. Mittwoch den Rest davon in der Soße verbraucht. Dienstagabend jede Menge Möhren mit der Mandoline zerkleinert und eingefroren. (In letzter Zeit zu oft was wegwerfen müssen, was ich absolut hasse: zu schrumplige Möhren, überschüssige Staudensellerie, verdorbenen Schafskäse.)

Mein neues wunderbares Brettchen. Ich freue mich über Kleinigkeiten in der Küche zuweilen wie eine Blöde. Endlich die richtigen Topflappen, das richtige Brettchen. Das auf der Straße gefundene Besteck als Lieblingsteile.

Auf meiner Türschwelle abgelegt: Beauty von Andy Warhol. Stehend im Nachmittagslicht die ersten Seiten gelesen, sofort highly amused. Stelle fest, ich liebe die Optik des Buches, dieses klare rot-weiß, gute Serie.

Kaffee. Die Temperatur des Kessels scheint mir falsch. Die Mühen des Mahlens. Die Mühlen des Mahens. Das Mähen der Mühlen. Der Duft. Der feinporige Schaum. Der kleine, geliebte, japanische Porzellanfilter. Langsame Handgriffe, das Licht in der Küche. Frosty ground.

Me, myself and I. Geruhsame Zeit. Dankbarkeit für Kleinigkeiten.

Der kleine geheime Haushaltskult älterer Frauen: glutenfreie Kekse auf handgetöpfertem Tellerchen, Leinenservietten, skandinavische Gläser, die Anrichte mit Kräuterfirnis eingeölt. Haarpflege von Sam McKnight, der Wohlgeruch steige auf. Regenbögen auf dem Schreibtisch durch Lichteinfall auf geschliffene Gläser.

Das Schlichte, das Schöne muss gefeiert werden. Winziges Parfümpröbchen im weißen Schächelchen. Overflowing.

Ich träumte von grünem Nagellack. Der von Chanel heißt CAVALIER SEUL. Das setzt doch Bilder frei. (Wahrsagerin legt die erste Karte im Lenormand, der Reiter. Aha, da kommt er.)

Donnerstag: Soba

Abends etwas Schafskäse und eine Scheibe Brot.

Päckchen für das Baby.

Lesezeit genommen.

Haare behandelt, gewaschen, weich, schön.

Immer noch einen Hauch von „Overflowing“ am Körper, der verblassende Geruch ist besser als der frische.

Habe in beiden Büchern gelesen, sehr schön war das. Am Tisch sind meine Augen weniger angestrengt als im Bett.

Essen eingeteilt in kleinen Schüsselchen, für alles gibt es Lieblingsschüsseln. Sah mir dann Dokus über das Nightingale House in Melbourne an. Ganz meine Kragenweite.

***

Das japanische Wort für Fotografie besteht aus zwei Zeichen Sha und Shin. Reflektion und Wahrheit. Noboyoshi Araki sagt, daß Shin auch Gott bedeuten kann, was es interessant macht. Was soll man von N.A. eigentlich halten? Seine Bilder haben diese misogyne Erotik, sind aber andererseits auch sehr schön. Und er hatte diese Negative, die er „ins Wetter gelegt“ hat. Faszinierend, dennoch finde ich ihn widerlich, auch von seinem Gebaren her.

Ein gutes Video über Fotografie.

***

Egisto Ott (ein Typ, der gerade wegen Spionage vor Gericht steht, wer bitte nennt sein Kind Egisto, nur ein Buchstabendreher und er ist Egoist, noch ein Dreher und sein Name ist Egoist Tot. Das ist ziemlich merksam.

***

Von meinen heute frisch lackierten Nägeln ist bei einem ein winziges Eckchen abgesprungen, direkt nach 1, 2 Stunden. Macht mich leicht wahnsinnig.

***

In Berlin fiel mir auf, wieviele Leute noch Rad fahren. Minus 8 Grad und eisiger Wind und manche tragen noch nicht mal einen Mundschutz.

Außerdem auch noch einige Leute ohne Mützen (wir auch) und ohne Handschuhe.

Nur die Wolt und Lieferando Fahrer*innen sind ganz dick eingemummelt mit ihren Lenkerhandschuhen. Jedesmal geben sie einem Stich ins Herz. Die totale Ausbeuterei.

***

Prenzlauer Allee. Ein Mann (nicht mehr jung) mit Baby im Tragetuch. Mir fiel auf, daß beide Arme neben dem Baby herunter baumelten, obwohl es doch irgendwie logisch gewesen wäre, sie wärmend und schützend um das Baby zu legen. Er schien wirklich gar keinen Bezug zu dem Kind im Beutel zu haben und trug das wie einen vorgeschnallten Rucksack durch die Straßen.

D. sah das auch sofort. Er imitierte seine Frau: „Nun nimm mir det ma ab und jeh raus….“. Wir lachten. Vom Baby sah man nur ein hellblaues spitzes Mützchen, das stand hoch.

***

Auf der Pappelallee: Zwei Frauen gehen an mir vorbei, sie lachen und unterhalten sich fröhlich auf Russisch. Sie sind noch recht jung, Anfang 20 vielleicht und ihre Stimmen klingen hell und fröhlich, als würden sie über etwas total Angenehmes reden, frühlingssonnenhaft klingen sie in all der Winterstarre und ich denke wieder: Was ist Russisch doch für eine schöne Sprache.

***

Der späte Winternachmittag. Fahren durch die Wälder und Felder Brandenburgs und später Mecklenburgs, alles irgendwie seltsam magisch und auch schwermütig in der starren Kälte und der fehlenden Sonne. Immer sucht man wie verzweifelt nach Wärme und alles, was irgendwie Wärme ausstrahlt ist willkommen.

Fehlende Farben. Das ist auch irgendwie schön. Schlicht, Beruhigend. Die dunklen Wälder, die leicht bereiften Felder, Eis auf Scheiben, die aggressive Schönheit von Eisblumen.

***

Und zu Orange könnte ich auch noch was schreiben. Das Hotelzimmer, das Patti erwähnt war in orange gehalten. Ich erinnerte mich gestern an Orange als ich ein Poster sah, nur aus den Augenwinkeln, das hing in dem Einrichtungsladen auf der Schönhauser Allee. Einfach ein oranger Kreis und darunter stand L’Orange. Ich dachte: Das will ich.

Und ich dachte: Es ist schwer, einen Mensch nicht gern zu haben, dessen Lieblingsfarbe orange ist. Die Farbe ist tricky, weil schwer zu kombinieren. Aber sie ist warm und wundervoll.

Auch hier: Traces of orange. Mark Hollis als Style Ikone der 80er. No shame at all.

Sechsundzwanzigster Tag im Januar 2026

Schlagwörter

, , ,

Die Wintertage füllen sich mit langsamen Lesestunden.

Das „Buch Mechthild“ ist wirklich ausgezeichnet, sprachlich sehr interessant, thematisch auch und es bleibt alles auch schön vage, nur vermutet, zart verwoben mit der Gegenwart der Autorin. Sehr angenehm.

Bin auch sehr begeistert von dem Buch „Beauty“ von Warhol. Herrlich zu lesen. Ich schlug dann die letzte Seite auf und schrieb aus den Titeln, die auf andere Penguin Bücher aus der Serie hinweisen, einen Songtext.

So was macht mir immer viel Spaß.

Las das Kapitel im Patti Smith Buch wie sie mit Fred zusammen ist, dieses geniale alte Hotel, wo ganze Flure leerstehen, so daß sie dort ungehindert herum streifen kann und Klarinette üben.

Dann diese seltsam beunruhigende Story, wie sie ausgerechnet auf ihrem honeymoon trip in schwere Turbulenzen geraten, schließlich mit vielen Stunden Verspätung landen und kein freies Hotel finden, bis auf eines, das Hotel Nirvana heißt. Wie so eine Vorwegnahme auf schmerzliche Verluste, die sie bald erleben sollte. Später dann platzt ihnen dann auch noch ein Reifen.

Das Buch ist insgesamt gut, aber nicht so fesselnd wie „Just kids“ und es gibt auch Enttäuschungen. Erstmal etwas, das mir schon oft bei Patti Smith aufgefallen ist: Sie lebt in einem Männeruniversum. Alle Künstler, die sie bewundert sind Männer. Sie hat sogar mit Diego Rivera angefangen und erwähnt Frida Kahlo nur in einem Nebensatz. Autorinnen scheinen in ihrem Leben keine Rolle zu spielen, auch Musikerinnen nicht. Für mich persönlich ist das befremdlich.

Dann ihre Verehrung für ihren Mann. Sie betete förmlich den Boden an, auf dem er ging. Ich verstehe ja, daß er ihre große Liebe war, aber einfach alles was er tat und sagte war großartig in ihren Augen. Das ist so vehement übertrieben, daß es einen irgendwann zum Widerstand reizt. Auch wieder befremdlich.

Drittens fehlt mir schon wieder (wie bei „Just kids“) eine Aufarbeitung ihrer Adoptionsstory. Das ist so ein interessanter Teil ihrer Lebensgeschichte, so prägend und es stellen sie so viele Fragen. Aber wieder wird alles in nur einem Absatz abgearbeitet und auch wenn das natürlich sehr privat bleiben darf, hätte ich mir doch gewünscht, daß sie das Ganze etwas mehr thematisiert.

Würde ich das Buch empfehlen? Bedingt. Aber ich habe es auch noch nicht ganz durch.

Der Winter fordert einem wirklich alles ab. Diese endlose Kälte. Wir sitzen in unserem sturmumtosten Haus und sehen zu, wie der Schnee fällt.

Ich sitze weiter an Collagen. Das ist wenigstens was.

Berlin am 23.1.2026

Schlagwörter

,

Berlin bei -7° und eisigem Wind.

Man ist wirklich jedesmal froh, wenn man wieder im Warmen ist.

Das Town Mouse Café wollte ich schon ganz lange mal aufsuchen, aber einmal war es zu voll, einmal gab’s keinen Parkplatz und öfters war man dann doch woanders. Heute aber war es so weit.

Wir wurden nicht enttäuscht, der Kaffee ist hervorragend, wenn auch preislich etwas weiter oben. Lohnt sich aber.

Ansonsten japanisch-skandinavisches schlichtes Design, sehr heller Laden. Benannt nach dem allerliebsten kleinen Buch von Beatrix Potter. Freundliche Atmosphäre, Laptops sind ungerne gesehen, was ich immer gerne sehe.

Da es draußen zu kalt zum fotografieren war, nahm ich mir die Kleinigkeiten im Café vor.

Vom Town Mouse ist es nicht weit zum St. George’s Buchladen, der ausschließlich englische Bücher hat. Wunderbarer Laden, es riecht gut, es läuft wunderschöne Klaviermusik, es gibt neues und preloved nebeneinander, außerdem Bücher für 1 Euro. Ich war auf „Schlachtmaterial“ aus und erstand „Snowleg“, das vielleicht sogar ganz gut ist. Es fängt schon mit zwei Lieblingswörtern an: Blackbird und Snow.

Dann wollte ich unbedingt mal die Jute Bäckerei ausprobieren, die nur glutenfreies Brot hat. Alles Backwerk hat Namen (wie Helge oder Alexa) und ist wirklich lecker, wenn auch anders, aber eben alles bio, vegan, glutenfrei, reine Handarbeit. Nette Atmosphäre, leider durch ein Gerüst vollkommen im Dusteren (deswegen sitzt es sich dort im Café vielleicht gerade nicht so gut).

Von dort zwei mal um die Ecke liegt der kleine Laden Honoki, der außer Lebensmittel noch andere japanische Lieblinge hat von der Bentobox bis zur Ramenschüssel. Unglaublich freundliche Verkäuferin. Ich fragte, ob es stimmt, daß die meisten japanischen Häuser keine Heizung haben. Es stimmt. Unvorstellbar. Trotz Heiztisch. Die modernen Wohnungen haben aber alle Fußbodenheizung.

Aber es gibt tatsächlich zig YT Videos darüber wie Japaner durch den Winter kommen.

Das Schöne an japanischen Verpackungen ist, man kann nichts lesen und hat von daher die reine Ästhetik.

Mein Lieblingssnack ist ein kleines Schüsselchen Ume Chips, süßsaurer und eine Möhre in Scheiben geschnitten mit etwas Olivenöl und Zitronenpfeffer.

Unweit des Ladens befindet sich die Butterecke, seit mehr als 25 Jahren eines meiner Lieblingscafés in Berlin. Dort aß ich die beste Kürbissuppe meines Lebens. Gottvoll, besonders bei der Kälte.

Da ist wieder ein weißes Pferd. Zeichen über Zeichen.

Streetart.

Gewichtchen der letzten Tage

Schlagwörter

Song: Let’s just kiss and say goodbye, ich hörte das nach langem mal wieder und ertappte mich bei der Frage: Was ist denn aus denen geworden? (Erinnere mich daß ich als Kind fasziniert zuhörte, erste Englischkenntnisse anwendend)

***

Im Anbetracht, der Tatsache, daß unsere Nichte nur noch 10 Tage hat bis sie Mutter wird, fragte ich D., wie er wenn er über einen Namen entscheiden müßte, heute wählen würde. Und er antwortete, wie ich es ahnte, er würde den gleichen Namen wieder wählen.

Ich: Mal angenommen, das ginge nicht, zweites Kind und so.

Er: Frieda. Ja, Frieda gefällt mir, schöner alter Name, jeder kennt ihn, aber er ist nicht so häufig und außerdem Frida Kahlo.

***

Diese kleinen perforierten Ecken in Taschenkalendern.

***

Persé-phone (phone englisch ausgesprochen)

Purse-phone.

***

Es müßte das Wort „entordnet“ geben.

Verordnet, geordnet, ungeordnet, leider nicht entordnet. (Die Dinge haben sich mal wieder wie von selbst entordnet. Ganz ohne mein Zutun.) FML: Meisterin der Entordnung. (Stets in der Hoffnung, daß Ordnung sich irgendwie von selbst einstellt.) (Der geheimnisvolle Magnetismus.)

***

Nochmal Bella Freud. Die Frage nach den ersten Eindrücken von Mode. In meinem Fall: Das Kind einer Schneiderin. Einer verhinderten Modedesignerin. Noch mehr verhinderter Innenarchitektin (anderes Thema).

Modemagazine und Schnittmusterhefte waren meine ersten Zeitschriften. Modebewußtsein war immer da.

Meine erste Erinnerung an Mode kann ich nicht wirklich benennen. Vielleicht die angenähten weißen Blüten aus Spitze an das Hochzeitskleid meiner Tante. (Aus einem seltsamen Grunde habe ich eine leichte Aversion gegen Hochzeitskleider und Ballkleider usw..)

Ich glaube, ich fand schon immer Mäntel toll. Noch mehr Umhänge und Ponchos und all the like. (Miss Marple) Ich glaube auch, daß ich schon immer einen Faible für fremdländische Moden hatte, also etwa Kimonos, indigene Kleidung usw.. Und dann das weiße wunderbare Kleid mit der eingewebten blauen Borte von Marpessa Dawn in „Orfeu Negro“. Überhaupt ist mein erster Eindruck von Schönheit und Erotik bestimmt von schwarzen Menschen, dunklen Typen, Asiat*innen. Seltsamerweise nur bis ich etwa 18 war, dann switchte das total, wie schon beinah schicksalshaft, als kurz nacheinander zwei Ginger in mein Leben kamen und mich faszinierten. Sie blieben die einzigen Rothaarigen, die ich mochte. Als Kind konnte ich blond und rothaarig nicht ausstehen. Kinder, die helle Augenbraun und Wimpern hatten, fand ich einfach häßlich. Später faszinierte mich das: papierweiße Haut, Sommersprossen, feuerrotes Schamhaar- aufregend irgendwie. Erste Style Ikone? Susan, also Madonna aus Desperately seeking Susan. Und Siouxsie. Und vielleicht auch das Aschenbrödel.

***

Seltsamster Traum: Ich bin eine Angestellte im Weißen Haus und muß Bilder bearbeiten für eine Homepage. Eine Reihe amerikanischer Bürger ist gerade ausgezeichnet worden, u.a. ein Schwarzer (es sind in erster Linie Feuerwehrleute, Polizisten, Sozialarbeiter). Es gibt eine ganze Serie von Bildern, von denen soll ich das Beste auswählen für die Homepage.

Wie ich sie mir vergrößert ansehe, entdecke ich, daß die Ausgezeichneten vor einem blauen Vorhang stehen, der in sich eingewebt amerikanische Embleme enthält, Stars and Stripes und den Weißkopfseeadler. Und Zufall (?!?!) der Schwarze steht genau so vor dem Weißkopfsehadler, daß es so aussieht, als würde der ihn angreifen.

Ich blicke auf andere Fotos und dann fällt mir auf, daß jemand bei jedem Fototermin alle Schwarzen so platziert hat, daß der Adler vom Vorhang so aussieht als würde er sich auf ihn stürzen.

***
Ich nehme ein Fußbad und lasse dabei Spotify laufen. Es läuft so dies und das, nichts davon spricht mich an, dann ein Song, feine Töne, alles melancholisch, Sanftheit und eine ferne, wunderbare Stimme, nicht richtig durchdringend, aber da, herzzerreißend schön irgendwie. Ich frage mich wer das ist, was das ist. Ich denke: Wer auch immer das gemacht hat, hat genau mein Musikverständnis. Da meine Füße in der Waschschüssel stehen, kann ich nicht gucken. Später suche ich die Liste durch.

Welches Stück war das? Und dann fasse ich es nicht: Es war Mark Hollis. Solo. Der Song heißt The gift und ist auch ein Geschenk. Ich höre es nochmal. Ich spiele es D. vor und er meinte, es könnte auch von mir sein.

Wenn man es weiß, hört man daß es Mark Hollis ist, aber ich wußte bisher nicht, wie er sich solo anhört. Erst neulich tauchte er auf, nun ist er schon wieder da. Kein Zufall, denke ich und mache ihn spontan zum Schutzgeist für meine Musik.

Das für das Cover ausgesuchte Foto erzählt einem auch schon was über ihn. Dieses tragikomische Osterlamm. So special, so schräg.

Später dann habe ich ein Audible Guthaben und finde aber nichts passendes. Ich gebe die Suche auf und stöbere Mark Hollis nach. Ich stelle fest, jemand hat ein Buch über ihn geschrieben. Ich checke es aus und siehe da, ich kann es als Hörbuch erwerben. Fantastisch.

Mark Hollis und ich haben was gemeinsam: wir hatten als Kinder eine unglaubliche Faszination für Carmina Burana von Carl Orff.

Als er anfing intensiv Musik zu hören, war er 11. Das war mein Geburtsjahr. 1966 war das Jahr als wirklich gute Musik begann. Sein großer Bruder war ein intensiver Musikhörer und Plattennerd. Er gab Mark die besten Sachen: John Coltrane, Miles Davis, Howling Wolf. Der Gedanke, man ist 14 und der Bruder reicht einem „In the court of the Crimson King“. Ich war 18, als ich sie das erste Mal hörte. Solche Alben verändern einen.

***

Fand eine Airbnb Unterkunft, die aussieht wie eine, die ich mal auf dem NTS Kanal gesehen habe.

Natürlich nicht vollkommen ähnlich (die eine in Berlin, die andere in London), aber ähnliches Feeling vermutlich. Reizvoll. (Aber unpraktisch für mich)

***

Der Gedanke nachts unsichtbar zu sein. Sich dann einschleichen in schöne Orte, wunderbare Läden, Cafés, Museen, Galerien etc. und dort zu übernachten ohne das es jemand sieht. Das schöne Doppelbett bei Heal’s auf der Tottenham Court Rd und ich lege mich hinein, drehe die Schaufensterbeleuchtung aus und schlafe selig und unsichtbar…

Ich frage mich, was dort gerade aktuell im Schaufenster ist.

(Müßte ich nicht eigentlich nach London zurück? Längst dort sein? Ich wünschte, ich könnte behaupten jemand warte dort auf mich.)

***

Wunderbarer Bill Nighy und wunderbare Kelly McDonald im Film „The girl in the Café“. Die beiden sind hilarious in every way.

– Der Pyjama von „Marks and Sparks“ (bis oben hin zugeknöpft)

– „Oh God, I can’t believe I have told you my Grandfather’s name already, I will shut up for the rest of the meal“.

– “The more I will scrub, the more horror will be seen from underneath”

– “There were at least two kinds of peas in that soup, one of them the ones you normally would not put in a soup.”

Und dann die Aussicht in der ersten Einstellung. I want that flat. Now.

Mal abgesehen davon ist der Film absolut wundervoll, sehr ungewöhnlich, sehr stark, sehr rührend. 10 out of 10. (und ganz zufällig gefunden, als ich was ganz anderes gesucht habe)

***

Ich hatte keine Ahnung, daß der 🤓  einen Schlauen darstellen soll. Für mich war das ein Typ, der sich zum Affen macht.

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten