Schon seltsam. In den letzten Tagen denke ich fast mehr über die römisch-katholische Kirche nach als über meine eigene. Vielleicht, weil sie mehr Anfeindungen erduldet.
So las ich jetzt in der französischen Huffpost, daß letzten Mittwoch – am Festtag der heiligen Maria von Magdala, Apostelin der Apostel – sieben Frauen ihre Bewerbung um kirchliche Ämter beim apostolischen Nuntius in Paris eingereicht haben.
Claire Conan-Vrinat, Loan Rocher und Marie-Automne Thépot bewerben sich um das Diakonenamt. Christina Moreira will Pfarrerin – Kuratin – werden. Sylvaine Landrivon bewirbt sich um die Bischofsweihe, und Hélène Pichon bewirbt sich als apostolische Nuntia. Laurence de Bourbon-Parme schließlich möchte Laienpredigerin werden – ein Amt, das bisher in der römischen Kirche weder für Frauen noch für Männer existiert.
Bewerbung statt Berufung
Nun kann man zur Frage der Frauenordination einiges sagen und schreiben. Ich wage auch zu behaupten, dazu ist schon so vieles geschrieben und gesagt worden, daß eine Doktorarbeit zum Thema nicht mehr möglich ist – in einer Doktorarbeit soll nämlich etwas erarbeitet werden, was bisher noch keiner geschrieben hat. Zumindest nicht in akademisch anerkannter Weise. Was dazu führt, daß Zahnmediziner in der Regel fachfremd promovieren… aber das ist ein anderes Thema.
Es ist im Prinzip alles gesagt; die Frage ist nur, welchen Wert eine Kirche diesen Aussagen und Gedanken für ihr inneres Leben beimißt. Da hat man es natürlich mit Reformen um so schwerer, je wichtiger der jeweiligen Kirche ist, daß man mit der Tradition im Einklang steht. Zum Thema Frauenordination und orthodox oder katholisch ist da ein fast zweitausendjähriges Nein nun mal ein Gewicht in der Waagschale. Andererseits hat es auch quasi-Revolutionen gegeben, wie das Zweite Vatikanische Konzil. Aber die kamen von innen.
Nun stört mich an der ganzen Aktion etwas ganz anderes. Ein Punkt, an dem auch so ziemlich alle evangelischen Kirchen, die ich kenne, sagen würden: hör mal, deine Bewerbung ist ja gut und schön, die kannst du dir hinter den Spiegel stecken – aber gerade durch die Bewerbung zeigst du, daß du für das, was du anstrebst, nicht die richtige Person bist.
Denn von jeher wurden in der Kirche Jesu Christi Bischöfe nicht auf Bewerbung ernannt, sondern um ihrer erwiesenen Qualitäten willen berufen. Es gab Zeiten, gewissermaßen die babylonische Gefangenschaft der Kirche im Netz der Feudalherrschaft, da haben andere Motive zur Berufung in kirchliche Leitungsämter geführt, und wir haben gesehen, was daraus geworden ist. Diese Zeiten sind vorbei.
Ein guter Bischof zeichnet sich also dadurch aus, daß er sich nicht um das Amt reißt, sondern hineinberufen wird und diese Berufung vielleicht sogar „mit Furcht und Zittern“ annimmt, weil er eben weiß, daß er nicht ein Ehren- und Machtamt übernimmt, sondern eine immense Verantwortung. Auch evangelischer Pastor wird man nicht, weil man sich mal ausdenkt, man könne doch Pastor werden, sondern weil man in dieses Amt berufen ist. Und wer in sich den Ruf ins Pastorat hört, muß diesen Ruf auch noch einmal durch die Kirche bestätigen lassen. Trotz Pastorenmangel weisen die Kirchen jedes Jahr Kandidaten ab, von denen sie die Überzeugung gewonnen haben: diese Menschen haben vielleicht eine innere Berufung, aber sie passen nicht in unsere Kirche. Oder auch: dieser Mensch kandidiert nicht aus Berufung, sondern aus anderen Gründen. Wir brauchen aber Pastoren, die von Jesus Christus berufen sind. Und auch wenn die Kandidaten in gewisser Weise ein Bewerbungsschreiben verfassen: jede Kirche verlangt, daß sie auch ein Empfehlungsschreiben beibringen von jemandem, der in der Kirche angesehen und geachtet ist. Eben damit das Kriterium gewahrt bleibt: dieser Mensch ist von der Kirche berufen und nicht aus eigenem Ermessen Pastor.
Das ist im nichtkirchlichen Leben (beinah hätte ich „im richtigen Leben“ geschrieben, hihi) doch auch nicht anders. Man wird doch nicht Bürgermeister, nur weil man meint, das ist so ein tolles Amt und das müsse man mal ausführen. Da muß man gewisse Qualitäten aufweisen, vor dem Wahlkampf schon gezeigt haben, was man kann und tut und daß man dem angestrebten Amt auch gewachsen ist. Und die besten Bürgermeister, Minister und Staatschefs sind die, die sich nicht als Chefs verstehen, sondern als Erste Diener des Volkes. (Hat das nicht Helmut Schmidt gesagt?)
Übrigens hat schon im Ersten Jahrhundert christlicher Zeitrechnung ein kirchlicher Lehrtext (die Didache) davor gewarnt, daß Menschen auftreten, die sich selbst als Träger göttlicher Aufträge herausstreichen und tatsächlich die Kirche nur für ihre eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Man erkennt sie daran, daß sie nach Anerkennung streben, statt sich in den Dienst der Gemeinde zu stellen, wo Dienst gebraucht wird. Nichts Neues ist unter der Sonne.
Auch der erste Brief an Timotheus findet klare Worte. Wer will, darf hier gern auch interpretieren, daß eine Bischöfin eines Mannes Frau sein soll – mir geht es um die anderen Qualitäten:
Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft,
1Tim.3,2-7 (Luther-Übersetzung)
nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geizig,
der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit,
(so aber jemand seinem eigenen Hause nicht weiß vorzustehen, wie wird er die Gemeinde Gottes versorgen?);
nicht ein Neuling, auf daß er sich nicht aufblase und ins Urteil des Lästerers falle.
Er muß aber auch ein gutes Zeugnis haben von denen, die draußen sind, auf daß er nicht falle dem Lästerer in Schmach und Strick.
Nüchtern und mäßig, nicht zänkisch, soll sich nicht aufblasen…
In manchen Kreisen gehen die Dinge auch anders, das will ich nicht verschweigen. Wer will, mag sich den Film „the Preacher“ ansehen, in dem ein Pastor aus der Gemeinde, die er aus dem Nichts gegründet hat, verstoßen wird und sich – wiederum aus dem Nichts – eine neue Gemeinde gründet. Das wirft Fragen auf. Umgekehrt ist aber auch hier zu erkennen: Prediger, Pastor kann nur sein, wer von den anderen in diesem Amt und dieser Funktion auch anerkannt wird. Würden die Menschen ihn nicht anerkennen in dem, was er zunächst einmal nur aus eigenen Gnaden vorgibt zu sein, dann wäre er es nicht, und stellte er sich auf den Kopf.
Wer Gott dienen will, wird Gott dienen. In eine Gemeinde gehen reicht schon aus, erst recht wenn man dort sagt: ich kann helfen. Ich habe Kapazitäten frei. Gott hat mir gesagt, hier ist Hilfe nötig. Wer das sagt und bereit ist, zu tun, was man ihm sagt, der wird alle Hände voll zu tun haben. Solche Menschen werden in der römisch-katholischen Kirche zu ehrenamtlichen Diakonen berufen. Solche Menschen werden manchmal ins Studium und die Ausbildung zum Hirtenamt berufen (da spielen dann noch ein paar andere Kriterien mit). Wer sich im Pastorat bewährt, wird vielleicht in ein Bischofsamt berufen – weil die Gemeinde erkennt: dieser Mensch hat die Fähigkeiten, dieses Amt zu tragen, und ist von Gott berufen. So ist der Heilige Martin Bischof geworden. So ist Joseph Ratzinger Papst geworden. Nicht aus eigenem Streben. Eher gegen den eigenen Willen.
Für kirchliche Leitungsämter schreit man nicht „hier“, man bewirbt sich nicht, man wird berufen. Bischöfe, Priester, Diakone von eigenen Gnaden richten nur Schaden an.


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