Archiv für Februar 2020

01
Feb
20

All Morgen ist ganz frisch und neu

Im vorvergangenen Jahr hat die Elsässisch-Lutherische Kirche ein neues Liturgiebuch herausgebracht. Federführend war dabei der leider kurz vorher verstorbene „Hamburger Jung“ Wolfgang Gross de Groer. Etwa um die gleiche Zeit verstarb auch Yves Kéler, Pfarrer, Autor und Poet, der nicht nur fast alle Lutherlieder in unvergleichlicher Weise ins Französische übertragen hat, sondern auch Autor eines Buches ist über den lutherischen Gottesdienst. Der zweite Band wird nicht mehr erscheinen.

Zwischen Yves und Wolfgang liegen Welten, obwohl beide den gleichen Gottesdienst, die gleiche Struktur bearbeitet haben. Yves hochkonservativ – von der Kraft der alten Worte überzeugt und eigentlich der Ansicht, daran etwas zu ändern bedeute notwendig, es zu verschlechtern.

Wolfgang und sein Team dagegen haben versucht, behutsam neue Worte zu finden. Eine schlichte, schöne, kraftvolle Sprache, um das in Worte zu fassen, was sich mit Worten nicht ausdrücken läßt, und mit der Sprache des Gottesdienstes an der Sprache der Herzen derer zu bleiben, die den Gottesdienst feiern.

Und beide haben Recht. Aber beide können auch das wesentliche Element nicht liefern, von dem es am Ende abhängt, ob es ein lebendiges Feiern ist oder nicht. Und das ist die Einstellung der Feiernden.

Dabei können wir nur wenig Einfluß auf die Gemeinde haben. Da ist der eine so und der andere anders. Aber der „Zelebrant“, der so heißt, obwohl er nicht allein feiert, der sollte schon die Worte erfüllen und von den Worten erfüllt sein, die er ausspricht.

Wenn das so ist, dann reißt er auch die Gemeinde mit. Aber wenn das so ist, daß er die Worte „verleiblicht“, um ein schönes Wort von Paul Deitenbeck aufzugreifen, dann ist es auch nicht mehr wichtig, ob es Worte von heute sind oder Worte aus vergangenen Generationen.

So einer war der Pfarrer meiner Kindheit, jedenfalls für mich. Die liturgischen Texte waren die gleichen, das ganze Jahr durch. So, daß ich sie heute noch auswendig weiß.

Allmächtiger, ewiger Gott,
ich armer, elender, unwürdiger Mensch bekenne dir alle meine Sünde und Missetat, die ich begangen in Gedanken, Worten und Werken.
Sie sind mir aber alle herzlich leid, und ich bitte dich um deiner grundlosen Barmherzigkeit und um des unschuldigen, bitteren Leidens und Sterbens deines lieben Sohnes Jesu Christi willen, du wollest mir alle meine Sünden vergeben und zu meiner Besserung deines Geistes Kraft verleihen.

Dann wurde im Wechsel das Kyrie gesungen, und die Gnade zugesprochen:

Auf solch euer Bekenntnis verkündige ich euch anstatt und auf Befehl meines Herrn Jesus Christus die Vergebung aller eurer Sünden. Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Fünfzigmal im Jahr. Immer dieselben Worte. Sogar das Fürbittengebet hatte seine festen Teile. Nicht ein Sonntag verging, an dem nicht gebetet wurde für die Kranken hier, daheim, in den Krankenhäusern und Einrichtungen der Pflege.

Aber all das, was jeden Sonntag mit exakt denselben Worten gesagt wurde, das war doch jeden Sonntag wie das erste Mal. Und die Gnade des Herrn wurde wirklich neu, wie der Prophet in den Klageliedern (3,22f) singt: Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.

Und wie die christliche Gemeinde seit Jahrhunderten singt:

All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu.
Sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag.




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