Archiv für Mai 2015

28
Mai
15

Exzellenz für alle

Ich war ja weiland nicht angetan, einen rheinland-pfälzischen Kultusminister im Radio verkünden zu hören, er hätte die alte Rechtschreibung nicht verstanden, aber die neue auch nicht. Aber der Mann war wenigstens ehrlich.

Die französische Regierung, und ganz speziell die Erziehungsministerin (der Recht schreib Korrektor ändert in „Erziehungsminister in“, Android ist offenbar nicht p.c.), jung und hübsch und Revolverschnauze, hat nun in der offiziellen Kommunikation über die Reform der Mittelschule (Collège) eine besondere Blüte geschaffen. Wo man hinhört, beschwört die Regierung „excellence pour tous“.
Merken die eigentlich nicht, welchen Stuß sie da reden?
Die Synonyme für excellent im Französischen sprechen für sich, und im Deutschen gleichermaßen:
Auserlesene, ausgezeichnet, außerordentlich, erstrangig.
Und das soll es „für alle“ geben? Ja, sicher, bei ARD und ZDF sitzen alle in der ersten Reihe. Aber wenn die Masse das Niveau des Besonderen erreicht, ist es nicht mehr besonders. Wenn das außerordentliche Niveau von vielen erreicht wird, ist es nur mehr ordentlich. Das weiß man beim Sport und anderswo. In der Politik ist es offenbar nicht angekommen.

Bisher allerdings ist selbst „ordentlich“ nach deutschem Maßstab eher exzellent in Frankreich: hier ist der Anteil der Analphabeten an den Abiturabsolventen höher als in der deutschen Gesamtbevölkerung. Übrigens trotz – oder wegen? – Ganztagsschule, Fremdbetreuung ab dem ersten Lebensjahr und 12klassigem Weg zum Abitur…

Exzellenz für alle. Klar. Und keiner darf mehr auffallen. Herausragen ist unerwünscht.

12
Mai
15

Was du ererbt von deinen Vätern…

Lange hat hier nichts gestanden. Genau genommen weiß ich gar nicht, ob überhaupt noch jemand hier vorbeischaut.
Das echte Leben hat eben vollen Tribut gefordert. Zum einen in Beruf und Amt: da gibt es Zeiten, wo Zeit zum Bloggen ist, und Zeiten, wo keine Zeit dafür bleibt.
Und dann stehst du an einem offenen Grab, und alles ist anders. Du weißt, daß es gut ist, wie es ist, jedenfalls unter den gegebenen Umständen, aber das weißt du eben auch nur oberhalb des Halses. Ein anderer trägt den Talar, nicht du nimmst die Trauerfamilie mit Worten bei der Hand – du wirst heute bei der Hand genommen. „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“, sagt Jesus.
Es hatte sich lange abgezeichnet.
„Jerusalem, du hoch gebaute Stadt,
Wollt‘ Gott, ich wär in dir!
Mein segnend Herz nach dir Verlangen hat
Und ist nicht mehr bei mir!“
Das war schon ansatzweise zu spüren gewesen, als die Eltern im vergangenen Jahr endlich zu uns kamen, sehen konnten, wo wir leben, weben und sind. Dann kam die Nachricht: Tumore wieder aufgelebt, Therapie angesichts des Allgemeinzustandes nicht erfolgversprechend.
Und es ging abwärts.
Fünf Monate nach der Abreise aus der Saintonge trat mein Vater seine letzte Reise an. Ohne Zögern, ohne Furcht – er war seit langem darauf vorbereitet.

Das war vor einem halben Jahr.
Nun stand ich wieder an seinem Grab. Im Herzen klang dabei die Frage des Engels aus dem Osterevangelium: „Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier!“
Nein, da ist er nicht. Da liegt nur, was ihn am Leben hinderte.




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