Archiv für Juli 2012

30
Jul
12

*grummel*

Gestern wurde wieder mal deutlich, wie wichtig es ist, Kommentare nicht einfach zuzulassen. Im Blog prédications haben nämlich zwei Leute, wörtlich gleichlautend, Kommentare absetzen wollen, die zum Judenmord aufrufen.
Die eine IP führt nach Rußland, die andere nach Großbritannien, die Mailadressen sind bei yahoo.de :
[email protected]
[email protected]

Ich habe bei der Polizei Baden-Württemberg, in der Internet-Polizeiwache, Strafanzeige erstattet. Mal sehen, was passiert.

29
Jul
12

Alles ist erlaubt – aber nicht alles ist gut

Lesungen: Jes. 2, 1-5; Eph. 5, 8b-14; Mt. 5, 13-16
1. Kor. 6, 9-20

Sonderbare Worte richtet der Apostel heute morgen an uns. Wir sind doch alle ehrliche und bescheidene Leute und führen ein ehrbares Leben. Ausschweifungen, Unzucht, Prostituierte – das ist nicht unser Leben. Oder irre ich mich?
Und doch, Paulus scheint uns dessen zu bezichtigen. Weiterlesen ‚Alles ist erlaubt – aber nicht alles ist gut‘

23
Jul
12

Modern Times

Mit der Zeit gehen, das ist ja bestimmt richtig. Aber das hier (Link) scheint mir dann doch übertrieben. Und ein iPad ist bestimmt nicht so umweltfreundlich in Herstellung und Betrieb, als daß es eine papierne Agende ersetzen könnte.

Ich setze nur den Link, weil ich ein fremdes Bild nicht ins Blog einbinden darf und will.

22
Jul
12

Alle für einen…

2. Mose 16, 2-3.11-18  ; Joh. 6, 1-15

Phil. 2, 1-4
« Möge der Beste gewinnen ! » hört man manchmal zu Beginn von sportlichen Wettkämpfen. Zu anderen Gelegenheiten hört man « arbeite mehr für mehr Lohn » oder « jeder bekommt nach seinem Verdienst » oder auch « wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen », diesen berühmten Satz des Paulus, der zu einer marxistischen Maxime geworden ist.

Unser Abschnitt heute morgen scheint dem allem zu widersprechen. Im Widerspruch zu allem Wettstreitgeist, aber auch der persönlichen Unabhängigkeit, erinnern uns unsere Lesungen heute daran, daß es nicht an uns liegt, daß wir zu essen haben im Überfluß. Unsere überquellenden Teller, und leider oft auch unsere von Nahrungsmitteln überfließenden Mülleimer, zeigen uns, daß Gott uns weit mehr schenkt, als wir zur Nahrung brauchen, und das nicht aus unserem Verdienst, sondern einzig aus Liebe.

Die beiden Lesungen, vom Manna und von der Speisung der vielen, stellen bei wörtlicher Lesung zunächst einmal eine wunderbare Vermehrung der Nahrung dar, für die, die es brauchen, und auch eine ebenso wunderbare Verringerung für die, die zuviel eingesammelt hatten. Gott füllt den Mangel auf und nimmt nebenbei den Überfluß weg… auf dem Feld der Speisung haben sie 12 volle Körbe eingesammelt, und ich habe mich oft gefragt, was sie damit gemacht haben  : vielleicht Wegpakete für den Heimweg  ?

Der Abschnitt, den Paulus den Philippern schreibt, geht in mehrerer Hinsicht über diese Gedanken hinaus. Zunächst einmal zählt Paulus nicht auf ein wunderbares Eingreifen Gottes, damit jeder in der Gemeinde das bekommt, was er zum Leben braucht  : Paulus nimmt die Brüder und Schwestern in die Pflicht. Niemand soll mehr haben wollen als der andere, reicher sein wollen oder das größte Stück vom Kuchen haben wollen, sondern im Gegenteil soll jeder den Vorteil des Bruders suchen, soll ihm das große Stück anbieten und sich nur das kleinere behalten, soll zuerst an den Hunger des Bruders denken, bevor er sich selbst zu Tisch setzt.

Ehrlich gesagt, da gilt es einiges umzustoßen in unserem Leben. Sei es nur die Aufmerksamkeit auf die Lebensmittel, die wir besitzen. Wieviel Nahrung wird jede Woche weggeworfen, weil wir zuviel gekauft haben, weil es verschimmelt oder verfault ist oder auf andere Art ungenießbar geworden  ? Und wieviel davon ist bloß zu lange in unseren Schränken und Kühlschränken geblieben, weil wir es gekauft haben, ohne es zu brauchen, und dann vergessen  ?

Nun ist es wahrlich lobenswert, sich um den Hunger des Nächsten zu sorgen, aber der Mensch lebt nun einmal nicht vom Brot allein. Jesus sagt uns, zum Leben brauchen wir jedes Wort, das aus dem Munde Gottes geht. Und auch da sind wir zum Teilen aufgerufen. Das Wort, das wir empfangen, ist nämlich eigenartig  : wir können es nicht weitergeben, ohne etwas davon zu nehmen, wenn wir nicht falsch klingen wollen wie eine gesprungene Glocke, wie das Glöckchen einer Ziege, deren Gebimmel weder Sinn noch Botschaft hat… wenn wir eine sinnvolle, gute Botschaft weitergeben wollen, muß sie durch uns hindurchgehen, darf sie uns nicht unverändert lassen – so wie ein Heizungsrohr das heiße Wasser nicht weitergeben kann, ohne selbst heiß zu werden.

Eine Eigenart des Wortes ist auch, daß wir nichts davon verlieren, wenn wir es weitergeben  : im Gegenteil, wir gewinnen noch dabei. Wir können es also grenzenlos weitergeben, ohne jede Zurückhaltung, wir haben das Recht und sogar die Pflicht, von diesem göttlichen Wort überzuquellen, das uns erfüllt und durchdringt. Diese Durchdringung ist die Garantie, daß wir nicht gebetsmühlenartig sinnlos weiterbabbeln, sondern unsere Worte das Gotteswort wiedergeben.

Brot und Gotteswort – ist das alles, was wir brauchen  ? Ja, wenn wir « Brot » als Begriff nehmen für alles, was ein Mensch zum Leben nötig hat. Diesen Bedarf hat Jesus summarisch, aber bezeichnent aufgezählt im Text vom großen Endgericht, Matth. 25  : « Ich hatte Hunger, ich hatte Durst, ich war ein Fremder, ich war nackt, ich war krank, ich war im Gefängnis. » Wenn wir, wie Paulus uns auffordert, die Einheit und Gleichbehandlung unter uns suchen, müssen wir also darauf achten, daß unsere Schwestern und Brüder nicht nur keinen Hunger und Durst leiden, sondern auch ein angemessenes Dach über dem Kopf haben, einen Ort, der ihr Zuhause ist, wo sie die Tür zumachen können und in Sicherheit sind. In unserer Verantwortung liegt es, ihre Scham und ihre Intimität zu schützen und zu bewahren. Wir sollen darüber wachen, daß sie sich nicht entblößen müssen, daß die Geheimnisse ihres Privatlebens nicht ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt werden.

Wir sollen uns um ihre Gesundheit sorgen, die körperliche und die geistige, sollen vermeiden, was ihnen schadet, und das suchen, was ihrer Gesundheit zuträgt. Und schließlich sind wir auch die Wächter der Freiheit unserer Brüder und Schwestern. Ihrer materiellen Freiheit, ihrer geistigen Freiheit, Meinungsfreiheit und Menschrenrechte… ein großer Auftrag, an dem wir beispielsweise teilnehmen können durch unser Engagement in der ACAT, Christliche Aktion für die Abschaffung der Folter, der uns aber auch zur Wachsamkeit aufruft im täglichen Leben und, nicht zuletzt, in der Ausübung unserer bürgerlichen Rechte. Uns obliegt es, nötigenfalls unseren Volksvertretern die Achtung der Freiheitsrechte ins Gedächtnis zu rufen, ohne uns auf Organisationen zu verlassen, ob nun die Kirche oder amnesty. Wenn wir Zeugen von unmenschlichen Taten werden, müssen wir reagieren, müssen wir protestieren – selbstverständlich aber dabei auch den Vertreter des Staates wie jeden andren Menschen respektieren und höflich behandeln.

Man hört manchmal, der Glaube sei einzig Privatangelegenheit. Das ist grundfalsch. Es ist schlicht unmöglich, Christ zu sein, Gottes Kind, und nicht danach zu leben. Wir können nicht unseren Sonntagmorgen damit verbringen, Psalmen und Kirchenlieder zu singen, und unter der Woche so leben, als gäbe es Gott nicht. Wir können nicht unsere Heiligenscheine polieren und die Augen verschließen vor dem Leiden des anderen, vor Ungerechtigkeit und Bosheit. Wir können uns nicht für befreit und erhellt durch Gottes Wort erklären und alle Liebe Gottes für uns selbst behalten wollen. Wer große Worte für Gott hat und die Lippen verschließt, wo es um den Nächsten geht, klingt hohl und falsch wie eine gesprungene Glocke, hat keine Liebe, kennt Gott nicht. Das lehren uns die Apostel Paulus und Johannes.

Und Paulus ermutigt uns, täglich den Willen des Vaters zu leben, nach dem jedes seiner Kinder alles haben soll, was es zum Leben braucht. Er lädt uns ein, uns in den Dienst des Bruders zu stellen und der Schwester, uns nicht um die Regeln der Höflichkeit und der Etikette zu scheren, sondern zu dienen, so wie Jesus den Jüngern gedient hat, als er ihnen die Füße wusch, er, der Herr und Meister  ! Amen.

20
Jul
12

Heute vor…

  • 1210 Jahren bekam Karl der Große einen Elefanten geschenkt.
  • 466 Jahren verhängte Karl V. die Reichsacht über Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen. Das löste den Schmalkaldischen Krieg aus. Luther war noch kein halbes Jahr tot.
  • 159 Jahren kam das Gebiet der späteren Stadt Wilhelmshaven zu Preußen.
  • 141 Jahren trat British Columbia der Kanadischen Föderation bei.
  • 131 Jahren kapitulierte Sitting Bull.
  • 106 Jahren führte Finnland als erstes europäisches Land das aktive und passive Frauenwahlrecht ein.
  • 80 Jahren setzte Reichspräsident v. Hindenburg die Regierung ab und betraute Franz von Papen kommissarisch mit der Regierungsbildung.
  • 79 Jahren unterzeichneten v. Papen und Kardinal Pacelli das Reichskonkordat.
  • 68 Jahren scheiterte der Stauffenberg-Anschlag auf Hitler.
  • 61 Jahren wurde König Abdallah von Jordanien auf dem Tempelberg ermordet.
  • 58 Jahren setzte sich Otto John, bis dato Präsident des Verfassungsschutzes, in die DDR ab.
  • 38 Jahren besetzte die TÜrkei Nordzypern.
  • 35 Jahren begann der Libysch-Ägyptische Grenzkrieg.
  • 23 Jahren wurde Aung San Suu Kyi in Myanmar erstmals unter Hausarrest gestellt.
  • 21 Jahren habe ich meinen Führerschein bestanden.
  • 13 Jahren begann die systematische Verfolgung des Falun Gong in China.
  • 13 Jahren erklärte Rußland die in Deutschland während des 2. Weltkriegs erbeuteten Kunstwerke zu Eigentum des russischen Volkes.

Und was sonst noch so an einem 20. Juli geschah, und wer am 20. Juli geboren wurde…

18
Jul
12

Punkt, Punkt, Komma, Strich…

Zuerst mal: das Problem mit den Kommentaren hat sich lösen lassen. Offenbar hat avira eine Funktion von wordpress als viral eingestuft und darum blockiert – Millionen Menschen hatten das gleiche Problem. Warum es aber nur auf einem Rechner auftrat und nicht auf beiden, wird wohl ein Rätsel bleiben, denn beide sind mit Avira Free ausgestattet.
Dazu kam wohl noch, daß die Schaltflächen fürs Kommentieren nun nur noch gezeigt werden, wenn man ins Kommentarfeld klickt. (Ich könnte mir vorstellen, daß genau da auch der Ansatz für die Avira-Routine lag, denn verdeckte Schaltflächen sind schon mal per se verdächtig.)

Der vermeintlich leichtere Weg kann sich im Nachhinein als wesentlich steiniger und länger herausstellen.

Die Bienen fliegen wieder. Das Außenthermometer zeigt 52°C, aber das liegt daran, daß ich noch keinen Weg gefunden habe, es rund um die Uhr vor Sonne zu schützen.

Sonntag ist Bric-à-Brac. Anders gesagt, ein Flohmarkt, um Geld in die Kirchenkasse zu bringen. Und was es da nicht alles zu kaufen gibt, gestiftet von Gemeindegliedern – bei manchem weiß man gar nicht, wozu es dienen soll. Anderes ist eher skurril, wie die Garderobenhaken aus Hirschhufen. Na ja, wer’s mag…

15
Jul
12

… und zog seine Straße fröhlich

Apg. 8, 26-39

Bibellesen ist gut! Keine Sorge, ich werde euch jetzt nicht fragen, ob ihr eure Bibel jeden Tag aufschlagt, oder wieviel Zeit ihr jeden Tag mit der Bibel verbringt. Ich werde einfach davon ausgehen, daß ihr von Zeit zu Zeit mal hineinschaut, einen Abschnitt lest, und zu verstehen versucht, was ihr da lest und was Gott euch durch diese Lektüre sagen will. Zumindest habt ihr ja sonntags die Schriftlesung.
Der Mann im Zentrum unseres Abschnitts ist ein Mann, der sich enorm für das Wort Gottes interessiert. Er ist kein Jude, er ist ein Eunuch, und das Gesetz Moses verbietet die Kastration nicht nur jedes jüdischen Mannes, sondern auch der Tiere, und verbietet auch, Kastrierte in die Gemeinde aufzunehmen. Nichtsdestotrotz hat unser Mann eine weite Reise unternommen, um den Gottesdiensten im Tempel so nah zu kommen wie möglich. Und er hat ein Buch gekauft, das Buch des Propheten Jesaja. Jesaja ist nicht der erste Prophet, nicht mal der erste, dessen Name über ein Buch geschrieben wird, aber sein Buch ist das dickste aller Prophetenbücher, und seine Worte können als die wichtigsten Ankündigungen des Messias angesehen werden. Jesaja ist der Prophet, der am meisten in unseren Sonntagslesungen vorkommt, ob nun in den Lesungen der evangelischen Kirchen oder dem Leseplan der nachkonziliaren katholischen Kirche.
Er liest also. Hat er hebräisch gelernt, oder hat er eine Abschrift in griechischer Sprache erworben, einen Auszug aus jeder Übersetzung, die man „Septuaginta“ nennt? Wir wissen es nicht. Lukas zitiert in seinem Bericht aus der Septuaginta, aber das ist bestenfalls ein Hinweis. Wir zitieren schließlich auch aus den Übersetzungen, die wir kennen, Segond oder TOB auf französisch, Luther auf deutsch, King-James-Bible auf englisch, und auf niederländisch vielleicht die Statenbijbel oder die Nieuwe Vertaling… Bibelübersetzungen, die zu unserer Tradition gehören. Die vielleicht auch Ausdruck konfessioneller Identität sind, denn in evangelischen Kirchen werden meist andere Übersetzungen verwendet als in katholischen Kirchen.
Heutzutage geben sich Übersetzer und Herausgeber viel Mühe, um die Bibel in eine Sprache zu übersetzen, die unserer Umgangssprache möglichst nah kommt. Aber ob Bible en Français Courant oder Hoffnung für Alle oder Bijbel Levensecht, es ist oft nicht die Übersetzung, die unser Verstehen behindert, sondern fehlendes Wissen. Denn oft kennt der Autor eines biblischen Abschnitts andere Bibeltexte, an die er beim Schreiben denkt und die er nicht unbedingt benennt, und spielt auf eine Menge Dinge an, die seine Leser in ihrer Zeit gut kennen, aber uns sind sie unbekannt. Was wissen denn wir davon, wie sich ein Schaf verhält, das zum Scheren gebracht wird? Was wissen wir vom Weinbau? Heute habe ich einen Feigenbaum im Garten, aber als ich Kind war, kannte ich keinen, denn in meiner Heimat ist es zu kalt für diese Bäume. Selbst der Weinbau findet ganz woanders statt…
Aber wie es scheint, hat unser äthiopischer Minister ein andres Problem. Er versteht die Worte, die er liest, aber begreift nicht ihren theologischen Sinn. Das überrascht kaum, denn diese Worte – ein Teil des 2. Gottesknechtslieds – werfen das Bild, das man sich von den Dienern Gottes machen würde, radikal über den Haufen. Wir würden dazu neigen, sie stark und reich zu erwarten, bei guter Gesundheit, und man sieht ihnen alle Zeichen des Segens an, den sie von dem Gott erhalten, dem sie dienen.
Aber Jesaja sagt uns das Gegenteil. Und der Minister ist verwirrt. Philippus, der „zufällig“ vorbeikommt, und der Zufall ist wie so oft das Ergebnis göttlichen Eingreifens, Philippus kommt sofort zur Sache: Lesen ist gut, Bibellesen ist gut! Aber verstehst du auch, was du da liest? Und die Antwort paßt so gar nicht zu der gut reformierten Ansicht, wonach jeder Bibelleser in der Lage ist, die Bibel ohne Hilfsmittel zu verstehen. Denn der Minister sagt: „ich kann es ja nicht verstehen, denn ich habe niemand, der es mir erklärt.“
Tac. Wie gut, daß Philippus da ist, daß er gerade vorbeikam – der Minister weiß ja nicht, daß viel göttliche Organisation nötig war, damit er Philippus begegnen kann. Philippus ist da, auf dem Wagen, dem schweren Ministerfahrzeug, und hält vielleicht die erste Bibelstunde der christlichen Kirche.
Und da muß ich schon sagen, es ist wirklich schade, daß wir während der Sommermonate keine Bibelstunden haben. Aber was soll man machen, es ist nun einmal in Frankreich Sitte, daß alles normale Leben zwischen dem 1. Juli und dem 31. August unterbrochen wird…
Eine Bibelstunde also. Und damit nicht genug, eine Privat-Bibelstunde, denn auch wenn der Kutscher vermutlich nicht vollkommen weghören kann, nimmt er doch am Gespräch der zwei Männer offensichtlich nicht teil. Und Philippus tut etwas, wovor sich die Rabbiner seiner Epoche und auch einige Pastoren unserer Zeit grausen: Er schreibt die Auslegung dieses 600jährigen Textes radikal neu und gibt ihm einen völlig neuen Sinn, indem er erklärt, daß der leidende Gottesknecht Jesus, der Christus ist.
Ausgehend von diesem Abschnitt malt er also ein großes Bild von Christus, seinem Tod und seiner Auferstehung und allem, was das bedeutet. Dieses Bild muß den Minister sehr beeindruckt haben, denn ihm ist klar: ich muß getauft werden! Ach, wenn doch unsere Zeugnisse soviel Widerhall hätten, zumindest dann und wann! Aber zum großen Kummer der Katecheten und Pastoren bleiben die meisten Jugendlichen in unseren Konfirmandengruppen unberührt, und wenn einer getauft werden möchte, dann doch meist, weil die anderen konfirmiert werden und viele große Beschenke bekommen – die anderen, die man nicht gefragt hat, als sie getauft wurden.
Oft genug darf man auch nicht viel von den Eltern erwarten, die sie zur Taufe bringen, denn ihre Beweggründe sind weit von denen unseres Ministers entfernt. Die Taufe ist für viele eines der Familienfeste, einer jener Übergangsriten, und hat keinen weiteren Sinn darüber hinaus.
Der Eunuch-Minister allerdings ist nun das pure Gegenteil. Das Wort Gottes hat ihn berührt, er beginnt, Jesus Christus zu vertrauen, dem, der tot war, und siehe: er lebt. Und weil das nun so ist, will er getauft werden. Er wird keine Paten haben, bei seiner Taufe sind weder Familie noch Freunde zugegen, und es gibt kein Festbankett nach dem Gottesdienst. Er wird schlicht im Namen Christi ins Wasser getaucht werden. Aber: diese Taufe wird ihn für sein ganzes weiteres Leben zeichnen. Wir lesen, daß er in der Freude seine Wege zieht, und diese Bemerkung beschränkt sich sicher nicht auf die paar Kilometer bis zum Motel, wo er die Nacht verbringen wird. Sein ganzes Leben steht in einem anderen Licht, ist voller Freude geworden. Der sich bisher aus dem Gottesvolk ausgeschlossen wußte (obwohl wenige Kapitel nach dem Abschnitt, den er mit Philippus las, ein Text steht, der auch die Kastraten in ein besseres Licht stellt), ist jetzt ein Auserwählter. In der Familie der Gotteskinder gibt es keine Katzentische für Behinderte, Verstümmelte, da gibt es keine Invaliden, Unwerten. Alle sind von Gott geliebt, und vielleicht liebt Gott ja sogar die, die in unserer Gesellschaft hintenanstehen müssen, ein bißchen mehr, weil sie es so nötig haben.
Und nun habe ich gegenüber dem Kastraten ein Handicap: ich bin getauft, aber damals war ich so klein, daß ich keinerlei Erinnerung daran habe. Für viele unter euch wird es genauso sein. Wir können also unseren Glauben nicht mit der Erinnerung an diesen einmaligen Moment in unserem Leben unterstützen. Und doch bräuchten wir es manchmal, so wie Luther einem Freund schreibt: „wenn dich der Teufel plagt, dann schick ihn weg und sag ihm, ich bin getauft, ich trage das Zeichen Christi, du kannst mir nichts.“ Es ist nicht leicht, in lebendiger Beziehung zu einer Taufe zu leben, an die wir keine Erinnerungen haben. Gewiß, es gibt vielleicht ein Taufzertifikat, vielleicht auch Fotografien, und Eltern, Onkel und Tanten haben uns davon erzählt. Aber das ist doch nicht das Gleiche. Nun hat Luther aber auch keine Erinnerung an seine Taufe. Er hat sich ein Bewußtsein geschaffen. Und das können wir auch. Uns bewußt machen, daß wir getauft sind, daß wir den Namen Christi tragen, daß wir aus dem Munde Gottes bei unserem Namen gerufen sind und ihm gehören. Und dieses Bewußtsein der Taufe, so hoffe ich, wird uns helfen, auch unseren Weg fröhlich zu gehen.
Amen.

13
Jul
12

Aber das brennt doch!

Internet verändert Gewohnheiten. Keine Frage, wir gehen nicht mehr zum Bücherregal, wenn wir eine Information suchen, sondern tippen das Schlüsselwort in Google oder auch gleich wikipedia ein.
Internet verändert auch unsere Sprache. Wortkreationen einzelner, die früher nur die engere Familie und den Freundeskreis begeistern konnten, finden nun Nachahmer über den ganzen deutschsprachigen Raum, zumindest unter den Foren- oder Bloglesern und ihrem Umfeld. Ein sicher berühmtes Beispiel zumindest im Bereich der Mutti- und Windelblogs ist der Ausdruck „Scheisselkram“, genau so geschrieben von weiland Frau Ami, um Aktionen ihres Sohnes Herrn Bienlein zu beschreiben. Sucht mal nach, das Wort steht bei Google über 1350 mal verzeichnet, obwohl das Blog von Frau Ami nicht mehr existiert.
Irgendwem war es wohl mal peinlich, zu schreiben, „ich hab feuchte Augen“, oder vielleicht wollte auch bloß jemand witzig sein. Und da entstand der Ausdruck „ich hab Pipi in den Augen“. Das ist wohl schon ein bißchen älter als der Scheisselkram, und man findet es bei Google über neunhunderttausend mal.
Haben die Leute, die sowas schreiben – meistens Frauen – eigentlich mal darüber nachgedacht, wie ungesund das ist, was sie da schreiben? (Der zweite Google-Treffer heißt auch noch „Pipi in den Augen beim Sex“ – das klingt wirklich ungesund!)
Also – ich kann allen nur empfehlen, dringend einen Arzt aufzusuchen, wenn sie Pipi in den Augen haben; das ist genauso gefährlich wie Essig in den Augen.

13
Jul
12

Fehler

Ich kann gerade nicht kommentieren. Denn das Kommentarfeld wird mir nur fadenbreit angezeigt, und die Schaltfläche zum Absenden fehlt ganz.

Sollte das nicht an meinem Computer liegen, sondern an WordPress, bitte ich um eine kurze Nachricht an die bekannte Mailadresse.

08
Jul
12

Auf! Mach dich auf!

Schriftlesung: 1.Kor. 1, 18-25; Luk. 5, 1-11

Bevor ich den Predigttext verlese, möchte ich Ihnen eine Frage stellen. Ich vermute, unter uns sind einige Menschen, die hier im Bezirk geboren sind, in Saint Palais, in Vaux, in Saint Sulpice, in Breuillet, in Saint Augustin oder auch in Royan. Bitte heben Sie doch einmal die Hand.
Und wer ist im Umkreis von 50 km großgeworden?
In der Region Poitou-Charentes?
Anderswo in Frankreich?
Wessen Wiege stand über 1000 km von hier? (Meine…)
Und weil es ja nicht das gleiche ist, ob man für die Ferien weit reist oder ob man in ein fernes Land umsiedelt, erlauben Sie mir die Frage: wer von Ihnen wohnt über 1000km von seinem Elternhaus entfernt?

Hören wir auf einen kurzen Abschnitt aus der Genesis, dem 1. Buch Mose, im 12. Kapitel. Lesung Gen. 12, 1-4a
Kurz nach unserem kleinen Abschnitt können wir lesen, daß Abram 75 Jahre alt ist, als er Haran verläßt. Die Frische der Jugend liegt also hinter ihm, selbst wenn man annimmt, daß die Lebensjahre der Genesis nicht unbedingt mit unseren Jahren übereinstimmen. Abram war als junger Mann mit seinem Vater nach Haran gekommen und hatte sich dort niedergelassen. Nun, im gereiften Alter, ruft Gott ihn auf, seine Familie zu verlassen und alle Verbindungen, die er geknüpft hatte gemeinsam mit seinem Vater, seinem Bruder und seinem Neffen.
Für Abram ist das ein Glücksspiel. Jemand kommt auf ihn zu, verlangt eine verbindliche Zusage und verspricht ihm als Belohnung Himmel und Erde – im wörtlichen Sinn. Abram muß sich entscheiden.
Einerseits ist die Familie, das Familienunternehmen, der Name und der Ruf, die er sich in den Jahren in Haran geschaffen hat, der Status eines Bürgers, eine wohlhabende Zukunft – aber kein Erbe, denn seine Frau Sarai ist unfruchtbar.
Andererseits eine mehr als ungewisse Zukunft, in der er auf sich selbst gestellt sein wird, als Fahrender allen und allem ausgesetzt, allein und ohne jede Möglichkeit, seine Familie oder seine Freunde zu Hilfe zu rufen. Aber da ist das Versprechen Gottes, der ihm Schutz und Segen verspricht – und damals, da wog man seine Worte noch ab, wenn man von Segen sprach, da ist der Segen eines mächtigen Gottes stärker als alle menschlichen Waffen! – und, mehr noch, der ihm eine Nachkommenschaft verspricht!
Es gibt viel zu verlieren, und alles zu gewinnen. Und wenn ich „alles gewinnen“ sage, heißt das, daß Abram wirklich nichts von Anfang an in der Tasche haben wird, vom täglichen Brot bis zur nächtlichen Sicherheit, von der Achtung der Herrscher um ihn her bis zum Zugang zum Wasser.
Abram entscheidet sich, die Herausforderung anzunehmen. Er vergißt, was hinter ihm liegt, er läßt seinen Vater und seinen Bruder zurück, er nimmt seine Kisten und Kasten, seine Frau, sein Kleinvieh und auch seinen Neffen, und er bricht auf. Bricht auf in eine unbekannte, aber verheißene Bestimmung. Abram ist keiner, der alles glaubt und schluckt, läßt sich nicht manipulieren. Aber er vertraut dem Wort Gottes.
Auf dieses Vertrauen, dieses Glauben spielt Jesus an, als er von dem römischen Hauptmann sagt, solchen Glauben habe er unter den Kindern Israels nicht gefunden. Der Hauptmann nämlich verlangt keine Beweise, keine magische Geste und nicht einmal die physische Gegenwart Jesu: „Sag nur ein Wort, und mein Knecht wird geheilt.“
Wir Evangelischen haben den katholischen Brüdern manchmal vorgeworfen, dieses Wort in ihrer Liturgie verdreht zu haben, wenn sie beten, „sag nur ein Wort, und meine Seele wird gesund.“ Aber ist nicht genau das die Geisteshaltung Abrams? Sein Leben ist festgeschrieben, es ist verwurzelt und trägt schöne Blüten, aber es ist zur Ziellosigkeit verdammt, weil es keinen Nachkommen hat. Und da kommt Gott auf ihn zu und sagt nur ein Wort zu ihm: Steh auf, nimm das Deine und geh in das Land, das ich dir zeigen werde. Und Abram steht auf, wohl wissend, daß sein Leben durch dieses eine Wort Gottes geheilt sein wird. Es wird ein Ziel haben, einen Sinn, denn wozu arbeiten und viel verdienen, wenn man es niemandem weitergeben kann? Wozu viele Kenntnisse und Erfahrungen sammeln, wenn man sie niemandem mitteilen kann?
Hier sind wir gefragt. Daß wir heute morgen in dieser Kirche versammelt sind, läßt mich annehmen, daß jeder von uns den Ruf GOttes in seinem Leben gehört hat. Aber die Frage drängt sich auf: wo stehen wir damit? Haben wir den Mut gehabt, wie Abram, ein altes Leben hinter uns zu lassen und zu neuen Horizonten aufzubrechen? Ich meine nicht unbedingt einen weiten Weg in Kilometern, denn ich weiß nur zu gut, daß man hunderte Kilometer von zuhause entfernt die gleiche Situation wieder finden kann wie dort. Aber wo ist unser Herz? Ist es unterwegs auf der Spur des Gottesrufs, oder ist es versteinert zuhaus geblieben wie in einem bequemen Sessel?
Wo sind wir, Gemeinde Saintonge-Océan, heute? Ich bin wahrscheinlich das jüngst hinzugekommene Mitglied, ich weiß noch wenig von Geschichte und Ursprung dieser Gemeinde, aber ich weiß schon, sie ist vermögend. Fünf Kirchen, in denen Gottesdienst gefeiert wird, ein sechster ist verkauft, aber immer noch im Stadtbild vorhanden, ein Gemeindehaus, ein großartiges Pfarrhaus… und eine Vielzahl von Erinnerungen, an vergangene Zeiten, an frühere Pastoren, an Aktionen und Kreise, an denen man teilnahm, an Weggefährten, die man lange nicht mehr gesehen hat… welch ein Haran für uns! Aber daß die Alten ihre Gebetsstätten nicht „Kirche“ nennen wollten, sollte uns ständig daran erinnern, daß die Kirche nicht etwas Versteinertes ist, etwas in den Marmor Gehauenes, sondern daß sie nur als Lebendige existieren kann. Und zum Leben dürfen wir nicht in unseren Gebetsstätten bleiben. Eine lebendige Kirche existiert nicht nur am Sonntag. Ihre Glieder, ihre lebenswichtigen Organe – um mit Paulus zu sprechen – müssen heraus aus den vier Wänden, müssen an die frische Luft. Gott erwartet von uns den Mut, unsere sicheren Orte zu verlassen. Jesus verlangt von uns, wie er es von den Fischern verlangt hat, unsere üblichen Beschäftigungen in Frage zu stellen. Gottes Gnade ist alle Morgen neu, wie können wir darauf bestehen, unsere Gewohnheiten von gestern zu bewahren?
Gott verlangt aber nicht von uns, alles abzuwerfen, was uns teuer ist. Wie Abram seinen gesamten Hausstand mitnimmt, können auch wir vorangehen mit unseren Erinnerungen, unseren Erfahrungen, und warum nicht mit den fünf GOttesdienststätten, dem Pfarrhaus und dem Gemeindehaus? Solange all das zu irgend etwas nütze ist, laßt es uns nützen. Gewiß, man kann aus der hohlen Hand trinken, aber deshalb wirft Abram die Becher nicht fort. Aber den alten Krug von der Tante, der ganz rissig ist und unansehnlich, den müssen wir nicht behalten. Der würde uns nur belasten, ohne uns zu irgend etwas nützen zu können. Binden wir uns doch nicht an das, was nichts mehr taugt! Seien wir frei und verfügbar, wenn der lebendige Gott die lebendigen Glieder Christi ruft!
Amen.




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