2. Cor. 1, 18-22
Allzuselten nur hören wir als Antwort auf eine Frage ein schlichtes Ja. Und wenn, dann meist zu ganz wichtigen Fragen des Lebens, beispielsweise beim Heiraten. Dagegen muß ich dreimal „ja“ sagen, um nur eine einzige Nachricht aus dem Anrufbeantworter meines Handys zu löschen. Der Standesbeamte begnügt sich mit einem einfachen Ja und erklärt die Ehe für geschlossen; der Anrufbeantworter dagegen traut mir nicht (oder traut seinen Ohren nicht, wer weiß) und fragt dreimal nach, ob ich diese Nachricht wirklich löschen will.
Paulus hat kein Handy. Das Problem mit dem Ja kennt er aber auch: ist ein Versprechen vertrauenswürdig? Kann man auf das gegebene Wort bauen?
Menschenwort, sagt Paulus, ist niemals hundertprozentig, es bleibt immer ein wenig Zweifel, ein wenig Chance, daß im letzten Moment was dazwischenkommt. In allen menschlichen Plänen ist Ja und Nein gemischt, sagt Paulus. Aber das gilt nicht für die Pläne Gottes. Wenn Gott Ja sagt, dann ist es JA, koste es was es wolle. Er hat es an seinem Sohn Jesus gezeigt.
Da ist nicht der Anflug eines Zweifels möglich, Jesus ist das fleischgewordene Versprechen, das gehaltene Versprechen, wohlgemerkt! Paulus nennt drei Zeugen: ihn selbst, Silas und Timotheus. Drei Zeugen Christi und seiner Treue.
Mit seinen zwei Gefährten hat Paulus die Treue Gottes erlebt, die er überall gepredigt hat, woraufhin die Korinther Christen angefangen haben, an Christus zu glauben.
Aber der Zweifel hat ihre Herzen ergriffen. Sie zweifeln an Christus, wie sie an Paulus‘ Projekten zweifeln, der doch versprochen hatte, sie zu besuchen, und nun immer noch nicht kommt. Wenn schon Paulus schwächelt, den man sieht und kennt, dann ist der Gott, den er predigt, vielleicht auch nicht so doll?
Das kann Paulus nicht stehenlassen. Seine Reise nach Korinth verzögert sich, er weiß es, aber er hat seine Gründe. Gründe, für die übrigens die Korinther selbst verantwortlich sind und die sie bitte schnell regeln sollen, damit er sie besuchen kann, ohne sich zu ärgern und sie zurechtweisen zu müssen.
Paulus‘ Reise ist also kein leeres Versprechen, sondern nur aus wichtigen Gründen verspätet. Und Gottes Wort?
Gott hat sich verpflichtet. So eindeutig wie die Eheleute, und mit einem Wort, das ebensowenig zurückzunehmen ist wie das Ja im Standesamt. Ein Ja für ein Ja. Realisiert in Jesus Christus, dem fleischgewordenen Ja Gottes zu den Menschen, dem Ja Gottes, das bis zum Äußersten geprüft wurde, Ja Gottes durchgetreut sogar über unseren Verstand hinaus. Ja Gottes, verworfen und ans Kreuz geschlagen, Ja Gottes, auferweckt zum Gericht der Welt und Ewigen Leben.
Gott hält uns den Vertrag, den Bund hin. Er selbst hat sich gebunden, er erfüllt seine Pflicht sogar ohne unsere Zustimmung, aber, so sagt Paulus, wir sollen unsere Unterschrift unter diesen Vertrag setzen, Gottes Ja durch unser Amen besiegeln, unser So-sei-es.
Worauf warten wir, wo Gott doch bereits begonnen hat, seinen Teil des Vertrags zu erfüllen, wo Christus schon in die Welt gekommen ist und wir von dem leben, was er uns verspricht? Worauf warten wir, wo Gott uns bereits mit den Abzeichen seines Bundes gezeichnet hat, wo wir das Zeichen Gottes tragen wie ein Pferd das Brandzeichen auf der Hüfte, und er uns die Anzahlung, anders gesagt die Kaution des Bundes schon gegeben hat. In alten Zeiten sprach man von Geiseln…
und die Geisel, die Gewährleistung des Bundes ist niemand anders als der Heilige Geist.
Woran denkt ihr nun, wenn ihr das hört, „Zeichen Gottes“, „Gewährleistung des Bundes“ und „Heiliger Geist?
Keine Einfälle?
Dann holen wir doch mal ein paar von den schlimmen Wörtern der Theologie aus dem Sack. Bekehrung. Rechtfertigung. Heiligung. Sakrament. Verpflichtung. Berufung. Taufe. Gehorsam.
Na?
Im Zentrum steht die Taufe. Die anderen Begriffe umrunden die Taufe; wir könnten sicher Stunden mit jedem einzelnen verbringen, ihn unter dem Licht unseres Predigtabschnitts zu betrachten.
Aber unser Abschnitt ist im Herzen der Tauftheologie der reformatorischen Kirchen, aber auch – zumindest in den großen Linien – der römisch-katholischen Kirche. Soweit ich weiß, sind wir alle, die wir heute zusammen sind, getauft. Wir sprechen also von einem Thema, das uns alle zutiefst angeht.
Die Taufe ist äußeres Zeichen der Liebe Gottes und seiner Verpflichtung gegen uns, äußeres Zeichen, das uns mit einer „Salbung“ markiert, auch wenn sie mit Wasser geschieht und nicht mit Öl. Die Wassertaufe ist Zeichen der Gabe des Heiligen Geistes, die Gott dem Täufling schenkt. Die Wassertaufe ist Symbol des bedingungslosen JA Gottes zu jedem Menschen, das einzuhalten er sich verpflichtet hat, Symbol des JA Gottes, das nur noch unser AMEN erwartet. Amen, das viele von uns eines Tages gesagt haben, am Tag der Konfirmation. Amen, das ihr vielleicht zögerlich ausgesprochen habt, weil ihr nicht sicher wart, es einhalten zu können. Amen, das ihr vielleicht damals gesagt habt, weil es so üblich ist und weil man nicht nicht amen sagen konnte. Amen aus dem Mund Heranwachsender, das sich aber, vielleicht ganz ohne euer Zutun, einen Weg in euer Herz geschaffen hat und in euren Herzen das JA Gottes nachklingen läßt, das zu eurer Taufe gesprochen wurde.
Heute lädt Gott uns ein, dieses Amen zu erneuern, oder es auch ein erstes Mal von Herzen auszusprechen. Dieser Bund will täglich erneuert werden. Eine Ehe kann nicht von der ersten Verliebtheit leben; die Liebe muß Tag für Tag erneuert werden, Tag für Tag müssen der Bund bekräftigt und die Engagements erneuert werden. Ebenso will auch das Amen zu Gottes Ja wiederholt werden, täglich und noch öfter. Luther sagt einmal, man müsse jeden Tag wieder den alten Adam ersäufen. So muß der Taufbund täglich erneuert werden, und heute, nach diesem Bibeltext, sind wir besonders dazu eingeladen.
Halten wir nun also einen Moment Stille, damit jeder sich prüfen kann, um dann sein AMEN erneuern zu können – in der Stille seines Herzens, oder, wenn Sie wollen, indem Sie laut „Amen“ sagen.
Amen.
Jes. 52,7-10; Phil. 4,4-7; Luk. 1,39-56.
4. Advent, Raon l’Étape.
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