Archiv für Dezember 2011

31
Dez
11

Des Jahres letzte Stunde…

… ertönt mit ernstem Schlag. Hier, wie üblich, mit Westminsterschlag von der Kathedrale, und nachher wird sicherlich noch Feuerwerk abgebrannt werden.

Anlaß für einen Rückblick – ich gebe keine Quelle an, das „Stöckchen“ ist schon aus dem letzten Jahr und mittlerweile fast Allgemeingut in der Blogosphäre.

Zugenommen oder abgenommen?
Aufs Ganze genommen hält sich das die Waage.

Haare länger oder kürzer?
Vielleicht ein bißchen kürzer, die Pfarrfrau mag keine Hippies. In jedem Fall grauer. Iii-aaaah.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Die Augen? Weitsichtiger. Ich muß 2012 doch mal einen Augenarzt aufsuchen.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Urlaub und ein hungriges lustiges kleines Mädchen…

Der hirnrissigste Plan?
Auf Rosinante steigen und gegen Windmühlenflügel kämpfen. Ich kann doch nicht reiten!

Die gefährlichste Unternehmung?
Morgens aus dem Bett steigen.

Die teuerste Anschaffung?
Der Pampersbomber. Für das Geld kaufte man vor 14 Jahren Mercedes, vor 40 Jahren Rolls-Royce.

Das leckerste Essen?
Ich weiß es nicht. Ich bin da nicht heikel, solang ich nicht für mein Essen arbeiten muß (Krustentiere…), und keine Paprika oder Rote Bete drin sind.

Das beeindruckendste Buch?
Aude Zeller: A l’épreuve de la vieillesse.

Der berührendste Film?
Das ist ne Frauenfrage. Ich war nicht im Kino. Aber ich würd gern mal wieder „Das Boot“ im ungedrosselten Dolby-Surround gucken.

Das beste Lied?
Vertraut den neuen Wegen. Ist aber schon alt.

Das schönste Konzert?
Ich war in keinem Konzert.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
… der Pfarrfrau und dem lustigen kleinen Mädchen. Und mit Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
… der Pfarrfrau und dem lustigen kleinen Mädchen.

Vorherrschendes Gefühl 2011?
Bitte, darf ich aufwachen?

2011 zum ersten Mal getan?
ohne Fieber vier Wochen am Stück krank gefeiert.

2011 nach langer Zeit wieder getan?
Einen Umzug ins Auge gefaßt.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Die Unterstellungen.
Die Lügen.
Die Heuchelei.

2011 war mit einem Wort…?
suboptimal. Aber sowas von.

Weiterlesen ‚Des Jahres letzte Stunde…‘

31
Dez
11

Danach

Nun ist der Festtrubel vorbei. Die Gäste heimgefahren, die Geschenke ausgepackt, der Adventskranz entsorgt, der Alltag wieder eingekehrt. (Setzt das in die Reihenfolge, die bei euch paßt…) Und was bleibt, außer der bösen Zahl auf der Waage und ein paar Dingen mehr im Haushalt?
Die einen sind schon auf dem besten Weg zur nächsten großen Feier. Réveillonner, hineinfeiern, ist dieser Tage Nationalsport in Frankreich. Andere – blasen Trübsal.
Was ist geblieben von den Weihnachtspredigten, Gott wird Menschenkind, Mensch wird Gotteskind? „Er wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein“ – aber noch ist die Weihnachtsoktav nicht vorbei, da laufen wir schon im gleichen Joch wie vorher. Und wir Pfarrer vielleicht als erste. Neue Schwerpunkte, neue Freiheit zur Gotteskindschaft – das war letzte Woche; diese Woche ist Alltag. Oder?
Oder?

30
Dez
11

Kinder, Kinder – eine Weihnachtspredigt

1. Joh. 3, 1-6
Der Apostel Johannes ist Pädagoge, Katechet. Das erkennt man eindeutig an der Struktur seines ersten Briefes, wo er uns durch Folgerungen und Ableitungen die Grundlagen seiner christlichen Theologie erklärt.
Heute ist sein Thema, einmal mehr, „ihr seid Kinder Gottes“. Das ist sein ganz eigenes Leitmotiv, und es mag uns etwas fehl am Platz vorkommen, heute am Christtag, wo wir doch gekommen sind, um den Gott zu feiern, der Kind der Menschen geworden ist. Unser Thema, unser Leitmotiv heute morgen ist doch die Geburt in der Krippe, deren Bericht wir gerade gehört haben, das Kind in der Krippe, das auf dem Abendmahlstisch dargestellt ist?
Aber zuerst einmal spricht Johannes von etwas, das seit Jahrhunderten zur Weihnacht gehört: von einem Geschenk. Welchem Geschenk? „Wir sind Gottes Kinder genannt – und wir sind es auch!“ Ein Geschenk soll es sein, daß wir Kinder genannt werden?
Ja, es ist ein Geschenk. Ein Geschenk für all die, die keinen Vater haben, ein großes Geschenk für alle Weisen, ein Papier in Händen zu halten, das ihnen sagt, „jetzt giltst du als Kind von…“
Wer ist dein Vater? Die meisten hier heute morgen haben keinen Vater mehr; da stellt sich die Frage noch einmal ganz anders: Wer ist dein Vater? Wem kannst du dich mit all deinen Sorgen anvertrauen? Wer steht dir mit seinem Rat zur Seite, wenn du nicht weiter weißt? Wer gibt dir seinen Namen?
Johannes sagt uns: Gott der Vater. Gott, der Vater dieses Kindes in der Krippe, dessen Papa nicht mit seiner Mama verheiratet ist. Gott, der wahrhaftige Vater des Kindes, dem die anderen sagen, „du hast ja gar keinen Papa.“ Dieser Gott ist auch unser Vater. Er ist es in Wahrheit, ohne jeden Zweifel. Gewiß, wir tragen unseren Namen Christen nach dem Sohn, aber der Vater hat vom Sohn ja auch einen seiner Namen: Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus.
Und wir tragen diesen Namen bereits, auch wenn es noch nicht allgemein offenbart ist, wie sehr wir die Kinder des Vaters Gott sind. Das ist noch ein großes Geheimnis, ein Mysterium – sogar für uns. Ein bißchen wie das Waisenkind in Haiti oder Ostasien, das bereits weiß, daß es adoptiert ist, aber keine Ahnung hat, von wem: ist es eine reiche oder eine bescheidene Familie, gibt es andere Kinder oder nicht…
Das Geheimnis wird gelüftet, wenn Jesus sich in der Ehre, Herrlichkeit und Macht als Herr der Welt erweist. Dann werden wir ihn sehen, wie er ist, wahrer Mensch vom wahren Menschen und wahrer Gott vom wahren Gott. Dann wird für alle Welt sichtbar sein, daß wir die Kinder Gottes sind, und was alles das bedeutet. Es genügt, auf Christus zu hoffen, um ihm gleich zu werden, um rein zu sein wie er selbst, um gerecht zu sein wie er selbst.
Ein großes Programm! Baut allein auf Jesus Christus, verwerft jeden anderen Baugrund, werdet eins mit Christus. Andererseits ist es ganz einfach: denn er hat die Wahl schon für uns getroffen, wir müssen nur noch zustimmen. Den Paß und die Personalpapiere auf den Namen Christus haben wir schon in der Hand – wir müssen sie nur benutzen.
Hat jemand von bösen Taten gesprochen, von Ungerechtigkeiten? Die in Christus sind, tun so etwas nicht. Die in Christus sind, handeln wie er selbst. Deshalb begehen wir keine Fehltritte mehr, keine Gemeinheiten, keine Ungerechtigkeiten, weil wir in Christus gereinigt sind.
Ein völlig neues Leben, völlig umgekrempelt durch diese Adoptionsakte, oder sollte ich sagen Vaterschaftsanerkenntnis? Das ist es, was uns für dieses Weihnachten 2011 geschenkt ist.
Ja, es ist reichlich mysteriös. Es ist der reinen kartesianischen Vernunft nicht zugänglich. Kein Wunder: das Grundprinzip Descartes‘ ist der Zweifel, das Grundprinzip Gottes ist das Vertrauen. Aber ich wage zu behaupten: davon ist es um so wahrer! Und um das Geheimnis zu verstehen, müssen wir wohl noch weiter gehen. Weiter als die Prophetie, die wir gestern bedacht haben, „ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben…“ Weitergehen, um die Kehrseite der Medaille zu sehen: nun sind wir die neugeborenen Kinder, die dem Vater geschenkt wurden. Anders gesagt, nicht ein Kind ist uns gegeben, sondern: ein Vater ist uns gegeben! Nehmen wir dieses einmalige Geschenk an, wollen wir Kinder Gottes sein?

Saint Dié, Weihnachtsmorgen. Micha 5, 1-4a; Tit. 3, 4-7; Lc 2, (1-14)15-20

30
Dez
11

Licht am Ende des Tunnels – Heiligabendpredigt

Jes. 9, 1-6
Ein Freund ist Pastor in Norwegen. Nicht in Oslo, sondern im Norden des Landes. Er könnte uns viel erzählen über das Leben im Dunkel, wenn während langer Monate die Sonne nicht scheint, wenn man den Tag kaum von der Nacht zu scheiden vermag. Schon der monatelange Polartag ist schwer zu ertragen, wenn man nach der Uhr schlafen und leben muß, weil das Licht keinen Rhythmus gibt und uns am Schlaf hindert. Aber die Polarnacht, Finsternis während langer, langer Wochen – das ist furchtbar. In dieser Polarnacht werden dreimal mehr Trauerfeiern gehalten als im Rest des Jahres: Trauerfeiern für Menschen, die es nicht ausgehalten haben, zwischen schwarz und dunkelgrau zu leben, und ihrem Leben ein Ende gesetzt haben.
Wir brauchen Licht zum Leben. Unsere Augen sind unser wichtigstes Orientierungsorgan; wenn wir nichts sehen, können wir uns nur schwer zurechtfinden, nur schwer erkennen, wem wir begegnen, und sogar unser Gleichgewichtssinn wird gestört. Aber über das Sehen hinaus gibt uns die Sonne, das sengende Licht, Wärme, wärmt uns die Haut, und die unsichtbaren Strahlen lassen unseren Körper einige Substanzen produzieren, die wir zum Wohlergehen brauchen.
Jahrhunderte vor Christi Geburt spricht der Prophet von einem Volk, das gewiß nicht in Norwegen noch sonstwo im Polarkreis lebt. Im Nahen Osten kennt man keine Polarnacht. Davon ist es aber nicht weniger möglich, daß jemand oder auch ein ganzes Volk nur noch Schwarz sieht. In unserer Sprache spricht man durchaus vom „dämmern“ (frz: sombrer), in der Depression, in der Trauer, in der Hoffnungslosigkeit – man sieht kein Licht mehr.
Manchmal, wie in Israel zur Zeit Jesajas, ist die Hoffnungslosigkeit und ihr Grund eindeutig erkennbar. Manchmal sieht man sie kaum. Interessanterweise spricht man in diesen Tagen von einer wirtschaftlichen Depression – die also nur das wirtschaftliche System betrifft. Aber wenn man genau hinsieht, erkennt man in der Bevölkerung eine Welle der Hoffnungslosigkeit.
Selbst eine Kirche kann schwarz sehen. Wenn sie keine Zukunft mehr sieht, keine Perspektiven mehr hat, keinen Vorwärtsdrang mehr, wenn sie sich mit der Erinnerung einer besseren Vergangenheit begnügt, wenn sie auf die kleine Zahl starrt – dann dämmert sie dahin, dann ist sie in Depression.
Und was wäre über einen jeden von uns zu sagen! Wer weiß schon, was wir sorgsam im tiefsten Winkel unseres Herzens verbergen, an enttäuschten Hoffnungen, an Verletzungen, Leiden, dunklen Gedanken. Vielleicht auch gerade an diesem Heiligabend. Ob Sorgen wegen Krankheit, ob Angst um einen Freund oder ein Familienmitglied, ob aus Einsamkeit – die Kinder feiern lieber woanders, mit anderen; letztes Jahr waren wir noch zu zweit unterm Baum; das Kündigungsschreiben liegt noch auf dem Tisch; seit langem ist keine Anstellung mehr von Dauer; … und so weiter, und so weiter.
All den Schwarzsehern verspricht nun der Prophet das Licht, das ihre Dunkelheiten vertreibt, das die schweren Wolken und die schwarzen Gedanken zerstreut. Er verspricht ungeheure Freude.
Warum?
Wenn man so im Dunkel steckt, kann man kaum glauben, daß sich etwas ändert – ja, daß sich etwas ändern kann, wäre es noch so eine bescheidene Wandlung. Und Jesaja kommt nun an und erklärt, eure Traurigkeit wird zu Freude, eure Tränen zu Lachen, eure Trauermärsche zu Freudentänzen.
Warum? Weil ein Kind geboren werden wird, ein neugeborener Junge, der die Welt derart regieren wird, daß es keine Traurigkeit mehr gibt. Es wird keinen Krieg mehr zwischen den Völkern geben, keinen Streit zwischen einzelnen Menschen. Keine Krankheiten, keine Trauer mehr.
Denn „das Recht und die Gerechtigkeit Gottes aufrichten“, wie es der Prophet sagt, ist weit mehr als die Achtung vor dem Gesetz zu verwirklichen, die Achtung vor den Prinzipien der Republik: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – selbst wenn diese drei, ob sie wollen oder nicht, aus christlichen Gedanken hervorgegangen sind. Der neue König, der just geboren werden wird, wird alle menschlichen Gesetze in ein einziges Gesetz wandeln: das Gesetz der Liebe. Jener Liebe, die einen jeden als Kind Gottes erkennt, die ihm die Freiheit gibt, der zu sein, der er ist, wie Gott ihn geschaffen hat und an der Stelle, die Gott ihm vorgesehen hat. Jener Liebe, die den anderen nicht formen will, sondern ihm alle Hilfe geben will und alle Unterstützung, deren er bedarf, um der zu sein, als den Gott ihn geschaffen hat.
Und all das soll das Werk eines Neugeborenen sein?
Aber ja! Dieser Säugling, den die Hirten besuchen unter Zurücklassung ihrer Herden, dieser Säugling, den die Engel besingen – er hat unglaubliche Macht. Aber er übt sie genau so paradox aus, wie er zur Welt gekommen ist. Er wird der König der Armen sein, der König der Traurigen, der König der Obdachlosen, der König sogar der zum Tod verurteilten Verbrecher und Terroristen. Dieser König der Paradoxe wirft unser gesamtes Weltbild um – und kann das schon heute tun.
Heute abend noch kann er bewirken, daß wir die Welt nicht mehr mit denselben Augen sehen. Er läßt sie uns unter einem anderen Licht sehen. Seinem Licht. Seinem Licht, das nie ausgeht, das die hintersten Winkel unseres kleinen Lebens erhellt, das dem Dunkel keinerlei Chance mehr läßt, noch den finsteren Gedanken, noch den ausweglosen Situationen – es verändert schlicht alles, weil es unsere Sicht auf alles verändert.
Wie ein kleines Flämmchen, eine Kerze in einer Kathedrale, ein Sonnenstrahl am norwegischen Horizont, so läßt uns das Licht dieses Kindes sehen und leben. Keine Finsternis mehr! Denn aus der Krippe erreicht uns ein unendlich mächtiges Licht: Christ, der Retter, ist geboren!

Saint Dié, Heiligabend. Evangelienlesung Lk.2, 1-7.8-14.15-20

29
Dez
11

geschenkte Zeit. Geschenkte Zeit?

Vor zwei Jahren und drei Tagen erhielt ich einen Anruf: Marianne Z. (Name geändert), eine alte Dame aus der Gemeinde, sei im Krankenhaus. Sie sei am Weihnachtstag mit Magenschmerzen eingeliefert worden und operiert worden; die Operation sei schlecht verlaufen, und wahrscheinlich würde sie das neue Jahr nicht mehr erleben.
Minuten später war ich in der Intensivstation. Tatsächlich ging es Marianne sehr schlecht; sie hing an vielerlei Schläuchen und war sehr matt, körperlich wie seelisch. Das wunderschöne lange weiße Haar, das ich nur zum Zopf geflochten und hochgesteckt gekannt hatte, hing jetzt matt übers Kissen. Nein, sie wollte nicht mehr leben. Mehr konnte sie gar nicht sagen.
Wir haben miteinander gebetet. Marianne, ihre Tochter, einmal ihr Sohn, Tag für Tag. Auch mehrmals am Tag war ich oben im Krankenhaus. Wir haben gebetet um Kraft, und daß sie nicht leiden möge, und wenn Gott ein Wunder tun wollte, daß er es bald tue.
.
Zu Ostern war Marianne im Gottesdienst. Ihre zuvor so helle und klare Stimme klang noch schwach, aber sie war wieder da.
.
Aber Marianne ist einsam. Sie lebt in ihrem kleinen Häuschen mit dem großen Garten, in den sie nicht mehr gehen kann wegen der vielen Treppen, und mit den zwei Katzen. Die Nachbarn und die Tochter kümmern sich liebevoll, auch Freundinnen aus der Gemeinde kommen sie besuchen. Dennoch, Marianne ist einsam. Aber sie will ihr Häuschen nicht verlassen. Und so fragt sie sich manches Mal, wozu eigentlich sie noch da ist.
Marianne braucht jetzt die Kirche – denn sie braucht Gemeinschaft.

19
Dez
11

Geschützt: Neues aus…

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

19
Dez
11

Ja und…

2. Cor. 1, 18-22

Allzuselten nur hören wir als Antwort auf eine Frage ein schlichtes Ja. Und wenn, dann meist zu ganz wichtigen Fragen des Lebens, beispielsweise beim Heiraten. Dagegen muß ich dreimal „ja“ sagen, um nur eine einzige Nachricht aus dem Anrufbeantworter meines Handys zu löschen. Der Standesbeamte begnügt sich mit einem einfachen Ja und erklärt die Ehe für geschlossen; der Anrufbeantworter dagegen traut mir nicht (oder traut seinen Ohren nicht, wer weiß) und fragt dreimal nach, ob ich diese Nachricht wirklich löschen will.
Paulus hat kein Handy. Das Problem mit dem Ja kennt er aber auch: ist ein Versprechen vertrauenswürdig? Kann man auf das gegebene Wort bauen?
Menschenwort, sagt Paulus, ist niemals hundertprozentig, es bleibt immer ein wenig Zweifel, ein wenig Chance, daß im letzten Moment was dazwischenkommt. In allen menschlichen Plänen ist Ja und Nein gemischt, sagt Paulus. Aber das gilt nicht für die Pläne Gottes. Wenn Gott Ja sagt, dann ist es JA, koste es was es wolle. Er hat es an seinem Sohn Jesus gezeigt.
Da ist nicht der Anflug eines Zweifels möglich, Jesus ist das fleischgewordene Versprechen, das gehaltene Versprechen, wohlgemerkt! Paulus nennt drei Zeugen: ihn selbst, Silas und Timotheus. Drei Zeugen Christi und seiner Treue.
Mit seinen zwei Gefährten hat Paulus die Treue Gottes erlebt, die er überall gepredigt hat, woraufhin die Korinther Christen angefangen haben, an Christus zu glauben.
Aber der Zweifel hat ihre Herzen ergriffen. Sie zweifeln an Christus, wie sie an Paulus‘ Projekten zweifeln, der doch versprochen hatte, sie zu besuchen, und nun immer noch nicht kommt. Wenn schon Paulus schwächelt, den man sieht und kennt, dann ist der Gott, den er predigt, vielleicht auch nicht so doll?
Das kann Paulus nicht stehenlassen. Seine Reise nach Korinth verzögert sich, er weiß es, aber er hat seine Gründe. Gründe, für die übrigens die Korinther selbst verantwortlich sind und die sie bitte schnell regeln sollen, damit er sie besuchen kann, ohne sich zu ärgern und sie zurechtweisen zu müssen.
Paulus‘ Reise ist also kein leeres Versprechen, sondern nur aus wichtigen Gründen verspätet. Und Gottes Wort?
Gott hat sich verpflichtet. So eindeutig wie die Eheleute, und mit einem Wort, das ebensowenig zurückzunehmen ist wie das Ja im Standesamt. Ein Ja für ein Ja. Realisiert in Jesus Christus, dem fleischgewordenen Ja Gottes zu den Menschen, dem Ja Gottes, das bis zum Äußersten geprüft wurde, Ja Gottes durchgetreut sogar über unseren Verstand hinaus. Ja Gottes, verworfen und ans Kreuz geschlagen, Ja Gottes, auferweckt zum Gericht der Welt und Ewigen Leben.
Gott hält uns den Vertrag, den Bund hin. Er selbst hat sich gebunden, er erfüllt seine Pflicht sogar ohne unsere Zustimmung, aber, so sagt Paulus, wir sollen unsere Unterschrift unter diesen Vertrag setzen, Gottes Ja durch unser Amen besiegeln, unser So-sei-es.
Worauf warten wir, wo Gott doch bereits begonnen hat, seinen Teil des Vertrags zu erfüllen, wo Christus schon in die Welt gekommen ist und wir von dem leben, was er uns verspricht? Worauf warten wir, wo Gott uns bereits mit den Abzeichen seines Bundes gezeichnet hat, wo wir das Zeichen Gottes tragen wie ein Pferd das Brandzeichen auf der Hüfte, und er uns die Anzahlung, anders gesagt die Kaution des Bundes schon gegeben hat. In alten Zeiten sprach man von Geiseln…
und die Geisel, die Gewährleistung des Bundes ist niemand anders als der Heilige Geist.
Woran denkt ihr nun, wenn ihr das hört, „Zeichen Gottes“, „Gewährleistung des Bundes“ und „Heiliger Geist?
Keine Einfälle?
Dann holen wir doch mal ein paar von den schlimmen Wörtern der Theologie aus dem Sack. Bekehrung. Rechtfertigung. Heiligung. Sakrament. Verpflichtung. Berufung. Taufe. Gehorsam.
Na?
Im Zentrum steht die Taufe. Die anderen Begriffe umrunden die Taufe; wir könnten sicher Stunden mit jedem einzelnen verbringen, ihn unter dem Licht unseres Predigtabschnitts zu betrachten.
Aber unser Abschnitt ist im Herzen der Tauftheologie der reformatorischen Kirchen, aber auch – zumindest in den großen Linien – der römisch-katholischen Kirche. Soweit ich weiß, sind wir alle, die wir heute zusammen sind, getauft. Wir sprechen also von einem Thema, das uns alle zutiefst angeht.
Die Taufe ist äußeres Zeichen der Liebe Gottes und seiner Verpflichtung gegen uns, äußeres Zeichen, das uns mit einer „Salbung“ markiert, auch wenn sie mit Wasser geschieht und nicht mit Öl. Die Wassertaufe ist Zeichen der Gabe des Heiligen Geistes, die Gott dem Täufling schenkt. Die Wassertaufe ist Symbol des bedingungslosen JA Gottes zu jedem Menschen, das einzuhalten er sich verpflichtet hat, Symbol des JA Gottes, das nur noch unser AMEN erwartet. Amen, das viele von uns eines Tages gesagt haben, am Tag der Konfirmation. Amen, das ihr vielleicht zögerlich ausgesprochen habt, weil ihr nicht sicher wart, es einhalten zu können. Amen, das ihr vielleicht damals gesagt habt, weil es so üblich ist und weil man nicht nicht amen sagen konnte. Amen aus dem Mund Heranwachsender, das sich aber, vielleicht ganz ohne euer Zutun, einen Weg in euer Herz geschaffen hat und in euren Herzen das JA Gottes nachklingen läßt, das zu eurer Taufe gesprochen wurde.
Heute lädt Gott uns ein, dieses Amen zu erneuern, oder es auch ein erstes Mal von Herzen auszusprechen. Dieser Bund will täglich erneuert werden. Eine Ehe kann nicht von der ersten Verliebtheit leben; die Liebe muß Tag für Tag erneuert werden, Tag für Tag müssen der Bund bekräftigt und die Engagements erneuert werden. Ebenso will auch das Amen zu Gottes Ja wiederholt werden, täglich und noch öfter. Luther sagt einmal, man müsse jeden Tag wieder den alten Adam ersäufen. So muß der Taufbund täglich erneuert werden, und heute, nach diesem Bibeltext, sind wir besonders dazu eingeladen.
Halten wir nun also einen Moment Stille, damit jeder sich prüfen kann, um dann sein AMEN erneuern zu können – in der Stille seines Herzens, oder, wenn Sie wollen, indem Sie laut „Amen“ sagen.
Amen.

Jes. 52,7-10; Phil. 4,4-7; Luk. 1,39-56.
4. Advent, Raon l’Étape.

16
Dez
11

Geschützt: Novodomitianus

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt. Um ihn anzuschauen, gib dein Passwort bitte unten ein:

16
Dez
11

Teint

Warum nur haben kleine Kinder so einen zarten Teint?

Kunststück, wenn man sich jeden Abend eine Joghurtmaske macht!

P.S. Die Predigt vom 2. Advent ist online; vom 3. Advent gibt es keine.

09
Dez
11

Lied des Tages

Miau, miau, miau, miau, miau.

Das Kind singt, schon seit Stunden. Sehr melodiös. Und damit wir auch wissen, worum es geht, fügt sie ab und an ein:

Datze. Miau, miau.




Avatar von Unbekannt

Blog Stats

  • 37.951 hits
Dezember 2011
S M D M D F S
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Archiv

RSS Tageslosung

  • Ein Fehler ist aufgetaucht - der Feed funktioniert zur Zeit nicht. Probiere es später noch einmal.

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten