Archiv für April 2011

25
Apr
11

Der achte Schöpfungstag

Sie waren dagewesen, um über das Grab zu wachen, nachdem Joseph von Arimathia es geschlossen hatte. Am Sabbattag hatten sie nicht kommen können, am Sabbat geht man keinen Schritt weiter als unbedingt nötig. Aber sobald der Sonnenaufgang den neuen Tag anbrechen läßt, gehen sie wieder hin. „Um das Grab zu sehen“, sagt der Evangelist – und sicher, um aufzupassen, daß alles in Ordnung ist. Das würde der Dienst sein, den sie ihrem Freund und Meister erweisen könnten, nachdem er wie ein Terrorist an einem römischen Kreuz krepiert ist. „König der Juden“ hatte man auf dem Kreuz lesen können – was für ein armseliger König… ein paar mißtrauische Soldaten wachen an seinem Grab, und nur zwei Frauen sind aus seinem Gefolge übriggeblieben, um die Totenwache zu halten. Um so ernster nehmen sie ihren Dienst.
„Und siehe, es geschah…“ Mit diesen trockenen Worten macht der Evangelist deutlich: plötzlich bricht etwas völlig Neues in die Situation hinein. Die Erde beginnt zu beben, der Engel des Herrn, der vom Himmel herabsteigt, erschüttert die Erde. Ein Erdbeben wie vor drei Tagen, als Jesus seinen letzten Atemzug getan hatte… Gott ist am Werk, und die Erde zittert. Der Engel, der Bote Gottes, weiß gekleidet und licht wie der Blitz, rollt den großen Stein beiseite und setzt sich darauf. Die Tempelsoldaten fallen einfach um, wie tot, überwältigt durch die Wucht dieser Erscheinung der Macht Gottes. Die Frauen scheinen nicht umgehauen zu sein – aber sie haben offensichtlich große Angst. Sie zittern wie der Boden unter ihren Füßen. Denn der Engel sagt ihnen: „Fürchtet euch nicht.“ Aber wer wäre nicht voller Angst bei einem derartigen Ereignis, das die ganze Erde erschüttert?

Die Furcht ist das Markenzeichen dieser Welt. Furcht, Angst… seit Adam und Eva beherrscht sie das Leben der Menschen. Muß man nicht vor Angst zittern, wenn der Lebendige Gott sich nähert? Es gibt Ausnahmen, vor allem Abraham, aber selbst ie Propheten werden erschüttert durch die gewaltige Gegenwart des Herrn der Gerechtigkeit, des Herrn der Heerscharen. Seit der verbotenen Frucht ist das Verhältnis der Menschen zu Gott ein Verhältnis voller Furcht, Mißverständnis, Auflehnung, Zorn…
Die Tempelwächter, vom Hohen Rat entsandt, um zu verhindern, daß jemand den Leichnam des Gekreuzigten entwende, sie erleben diese Furcht bis in die Knochen. Sie sind da als Vertreter des Tempels, der Macht, die das Königreich Christi leugnet und bekämpft, der Macht, die es geschafft hat, den Messias wie einen der miesesten Kriminellen umbringen zu lassen. Sie vertreten den Anti-Christ – und vor der Erscheinung des Engels des Lebendigen Gottes fallen sie wie die Fliegen.
Auf der anderen Seite: die Botschaft des Lebens. Sie beginnt, in der Rede des Engels wie in Jesu Worten, mit einer Aufforderung zur Freude: „Fürchtet euch nicht“, „Freuet euch!“ Freudenworte, die sich der Angst entgegenstemmen. Freuet euch und fürchtet euch nicht, sagt Jesus. Freuet euch – worüber denn? Daß Jesus lebt? Sicher – und sicher nicht in dem Sinn, den manche modernen Autoren darin sehen: daß er gar nicht tot war, sondern nur im Koma. Daß er in der Nacht aufgewacht ist und irgendwann aufgestanden.
Nein, das ist es nicht. Alle Evangelisten legen großen Wert auf die Tatsache, daß er richtig und wahrhaftig tot war. Sein Blut sprudelte nicht aus der Seitenwunde, sondern floß träge. Es war kein Kreislauf mehr vorhanden. Er war einbalsamiert und in getränkte Lappen gewickelt, das hätte kein Scheintoter überlebt. Jesus war tot, daran gibt es keinen Zweifel.
Und doch ist er jetzt lebendig. Aber, Matthäus ist das sehr nachdrücklich, es ist nicht das Leben von vorher. Wie Paulus sagt (2.Cor.5): das alte ist vergangen; siehe, alles ist neu geworden. Und das alles kommt von Gott.
Matthäus sagt es mit anderen Worten, aber nicht weniger deutlich. Es ist der erste Tag nach dem Sabbat, der erste Tag nach der Ruhe Gottes… eine neue Woche bricht an, eine Woche, in der Gott nicht ausruht, sondern in der er am Werk ist. Die Erde bebt wie am ersten Schöpfungstag, als Gott das Licht und die Finsternis an ihre Plätze verweist, wie am zweiten Tag, als Gott den Himmel und die Erde trennt. Die neue Schöpfung beginnt, und wenn wir auch den Schöpfer nicht am Werk sehen, der den Himmel und die Erde wieder zusammenbringt, so sehen wir doch seinen Engel, seinen Boten, der die Dinge bewegt. Der den großen Stein wegrollt, der zwischen Jesus und uns lag, und sich daraufsetzt: „den beherrsche ich!“ Der dieses Friedenswort an uns richtet: „Fürchtet euch nicht!“ Der Gekreuzigte, das gemeuchelte Opfer des Antichrist, der Gekreuzigte ist nicht hier. Er ist vom Tod auferweckt worden durch den Willen des Vaters und hat so den Tod, den Erzfeind des Menschen seit der verbotenen Frucht, besiegt. In Jesus Christus war der Gott des Lebens stärker als der Tod – er ist stärker als der Tod.
Er ist auferweckt worden, wie er gesagt hat. Christus hält Wort. Alle seine Worte sind Wahrheit, selbst die unwahrscheinlichsten. Er hält Wort. Wir können ihm vertrauen. Wir können uns ihm anvertrauen, denn er allein ist verläßlich. „Es ist unsinnig, sich auf Menschen zu verlassen“, sagt der Psalmist.
Zur Botschaft kommt ein Aufruf, ein Auftrag: geht und sagt den Jüngern, was ihr gehört habt! Wenn für einen einzelnen Menschen das Verhältnis zu Gott wiederhergestellt ist, wenn nur für einen einzigen Mann oder eine einzige Frau Gott nicht mehr der zu Fürchtende ist, sondern der, dem man sich anvertrauen kann wie ein Kind, das sich ganz natürlich seinen Eltern anvertraut, wenn die Dinge derart wiederhergestellt sind, weil Gott in Ordnung bringt wie am ersten Schöpfungstag – dann muß man es weitersagen. Man muß es den anderen sagen. Schon der Prophet Amos sagte: „Gott hat geredet, wer würde es nicht verkündigen?“ Der Engel ruft uns auf, es den anderen zu sagen, die es nicht wissen. Die es nicht glauben können. Die gefangen sind in ihren Fürchten und Ängsten.
Die Frauen haben lauter Freude im Herzen – nein, noch nicht ganz. Sie haben auch noch Furcht. Sie eilen, zwischen Furcht und Freude, um zu teilen, mitzuteilen, was sie erlebt haben. Und Jesus stellt sich in ihren Weg. Jesus sagt ihnen, was aussieht wie eine übliche Grußformel jener Zeit, und es gibt Übersetzungen, die hier einfach „hallo“ wiedergeben. Wie man sich in Norddeutschland „Mojn“ wünscht, wie die Jugendlichen, die lässig die Hand heben und „peace“ sagen. Andere Übersetzer schreiben etwa „seid gegrüßt“. Das griechische Wort aber sagt „Freuet euch!“ Freuet euch, seid voller Freude! Oh, und sie sind voller Freude! Freudig kommen sie angelaufen und werfen sich – nein, nicht um seinen Hals, sondern zu seinen Füßen. Wie vor einem König, vor einem Adligen. Jesus dagegen redet mit ihnen wie immer, von Freund zu Freund. Er erneuert den Auftrag, seine Botinnen zu sein. Nur eine Nuance ist anders als im Auftrag des Engels: er sagt nicht „ihr werdet mich in Galiläa sehen“, sondern „sie werden mich sehen“ – aber die Frauen haben ihn ja nun schon gesehen, sie brauchen nicht mehr nach Galiläa zu gehen.
Aber wir finden die neue und unerhörte Schöpfung wieder: die Einladung, uns nicht zu fürchten, sondern froh zu sein, und die freundschaftliche Beziehung. Durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi wurde alles vernichtet, was die Menschen von Gott trennt, was wir „Sünde“ nennen. Es hat keine Macht mehr über uns, es kann uns keine Angst vor Gott mehr einjagen.

Keine Angst mehr zwischen Gott und uns – siehe, das ist der Beginn der Neuen Schöpfung, die der Evangelist uns verkündet, siehe, das ist der Beginn der neuen Schöpfung, deren Ursprung die Auferstehung Jesu Christi ist. Wie ein Kind seine kleine Hand in die große Hand des Vaters schiebt, dürfen wir uns dem Vater im Himmel anvertrauen. Die Beziehung ruht nicht mehr auf Furcht und Macht, sondern einzig auf Vertrauen und Liebe. Und wenn wir gegen den Willen des Vaters verstoßen haben, brauchen wir nicht angstvoll uns zu verstecken wie Adam und Eva im Garten Eden, sondern können vertrauensvoll zu ihm kommen und ihm sagen, „Vater, ich habe Mist gebaut. Aber es tut mir leid.“ Und er wird uns nicht strafen, sondern in seine Vaterarme schließen.
Die Macht des Bösen, der Sünde, ist gebrochen. Ein für allemal. Wie der Apostel Paulus an die Römer schreibt: Denn ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes, noch irgend eine andere Kreatur, uns scheiden kann von der Liebe Gottes, welche ist in Christus Jesus, unserem Herrn.
Das ist alles.
Das ist alles, wirklich – denn daneben bleibt nichts anderes.
Das ist alles.

Matth. 28, 1-10; Ostertag 2011 Saint Dié.
1Sam 2, 1-2.6-8; 1Cor. 15, 1-11; Mk 16, 1-8
Predigt ebenfalls gehalten Ostermontag 2011 Raon.
Jes. 25, 8-9; 1Cor. 15, 12-20; Lk. 24, 13-35

22
Apr
11

Tür auf, Tür zu

Heute mittag klingelt das Telefon.
„Guten Tag, X… mein Name, ich soll bei Ihnen die Tür richten.“
„Ah, Herr F. hat Sie bestellt?“
„Ja, genau. Ich würde dann gern [Datum] kommen.“
„[Datum] geht schlecht, da bin ich außer Haus!“
„Ja, hm, danach gehts auch nicht… dann komm ich am besten gleich und guck mir das mal an.“

Er kam, sah, nahm die Tür mit.
Eine Zeit später war er wieder da.
„Ich habe die Tür so weit als möglich wieder gerichtet, mehr habe ich nicht gewagt, weil ich die Scheiben nicht brechen wollte. Ich habe Dichtkleber in die Scheiben gemacht, dann hält alles besser zusammen, und Dübel in die Fügungen gesetzt, die sieht man nur von innen ein wenig und von außen gar nicht.“
Die Ringe, die die wohlwollenden Gemeindeglieder mir vor einiger Zeit in die Scharniere gesetzt hatten und die nur für zwei Wochen Besserung gebracht hatten, hat er alle wieder rausgenommen, dafür aber die Scharniere neu eingerichtet. Denn die Scharniere waren nicht mehr in der Flucht, die ganze Tür hatte sich tonnenförmig verzogen. Nun sind die Scharniere gerade, die Tür fällt nicht auf oder zu, aber dreht leicht.
Durch den Verzug hatte sich der ganze Rahmen aus der Wand gearbeitet, das ist mit elastischem Kleber (überstreichbar) jetzt wieder eingearbeitet.
Nun schließt die Tür ordentlich, ohne Schleifen und Schrammen. Sie braucht keine Fußtritte mehr und schrammt nicht mehr. Ich fürchte, wenn ich nächstes Mal die Tür aufschließe, werde ich mit der Tür in den Flur fallen, weil sie ja jetzt ganz einfach aufgeht…
„Damit haben Sie noch ein paar Jahre, bis eine neue Tür eingebaut werden muß“, meinte er. Die brächte dann natürlich noch mal ein Plus an Isolation, sowohl akustisch als auch kalorisch. Aber für die mehrtausend Euro darf man was ansparen, und wenn damit das Dach eher repariert werden kann, um so besser.

Ach ja: „Und wie pflegt man die Tür jetzt am besten?“
„Alle drei Jahre mit einer dunklen, dünnflüssigen LAsur streichen.“ Dunkel, damit das Holz vor Sonne geschützt ist, und dünnflüssig, damit die Lasur gut ins Holz einzieht. „Die Gele, die Sie im Handel finden, taugen nur für innen. Für draußen brauchen Sie was mit Tieenwirkung.

Ich frag mich nur, warum das wieder erst Streit geben mußte, bis da was passierte.

18
Apr
11

Glitschige Sache

Die Salbung in Bethanien
Und da er zu Bethanien war in Simons, des Aussätzigen, Hause und saß zu Tische, da kam ein Weib, die hatte ein Glas mit ungefälschtem und köstlichem Nardenwasser, und sie zerbrach das Glas und goß es auf sein Haupt. Da waren etliche, die wurden unwillig und sprachen: Was soll doch diese Vergeudung? Man könnte das Wasser um mehr denn dreihundert Groschen verkauft haben und es den Armen geben. Und murrten über sie. Jesus aber sprach: Laßt sie mit Frieden! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie ist zuvorgekommen, meinen Leib zu salben zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Wer hätte diese Episode nicht gekannt? Vorsicht, es gibt sie in der Bibel in viererlei Varianten!
Markus erzählt sie just nach dem Beschluß der Hohenpriester, Jesus zu töten. Die Schlinge um Jesu Hals zieht sich zu. Es geht auf Passa zu, das sein letztes sein wird. Und er ist zu Tisch bei einem der Honoratioren von Bethanien. Bethanien, wo er bekannt und geachtet ist.
Und da geschieht dieser Zwischenfall.
Wir können drei Gruppen Menschen beobachten.
Da ist zunächst diese Frau. Andere Evangelisten legen ihr einen schlechten Lebenswandel bei. Markus sagt nichts dergleichen. Auf jeden Fall ist diese Frau reich, und das reicht ja manchen schon, um sie für unmoralisch zu halten. Auch Christenmenschen neigen manchmal dazu.
Die Frau ist reich, denn was sie mitbringt, dieses Fläschchen mit Nardenöl, kostet ein Vermögen. Ein Jahr SMIC (das ist der gesetzliche Mindestlohn in Frankreich, Anm.) für das Öl. Und das Alabasterflacon kommt noch dazu. Auch nicht grad billig.
Die Frau zerbricht das Flacon und gießt Jesus das Öl über den Kopf.
Es ist die Aufgabe des Gastgebers, seinen Gästen die Möglichkeit zum Waschen zu bieten und auch die Möglichkeit, sich die Hände mit parfümiertem Öl einzureiben. Heutzutage haben wir parfümierte Seifen, die den gleichen Effekt bieten: daß die Hände nicht nach Arbeit und womöglich nach Diesel riechen, sondern angenehm und den Appetit anregend. Hat der Gastgeber das getan? Auch hier schweigt Markus sich aus, anders als andere Evangelisten.
Aber das Essen ist längst auf dem Tisch, Hände gewaschen hat man vorher. Und die Frau, deren Namen wir nicht kennen und die nicht ein Wort in dieser ganzen Geschichte von sich gibt, die Frau gießt das Öl auch nicht auf Jesu Hände, sondern auf seine Haare.
Und nun tritt die zweite Gruppe auf. Die indignierten Kritiker, wenn ich mal so sagen darf. „Welche Verschwendung!“ regen sie sich auf, und welch ein Verlust für die Armenhilfe!
Es stimmt schon, man hätte dieses Flacon teuer verkaufen können, oder besser noch es gar nicht erst anschaffen, und das Geld statt dessen den Armen geben. Es lebe die Armenhilfe, es lebe die Diakonie!
Und die Nächstenliebe ist ja auch eine wichtige Tugend, auch für die Juden, und ganz besonders in den Wochen vor Passa.
Aber es ist ja so einfach, so zu reden, wenn einem das Flacon gar nicht gehört. Es ist immer angenehmer, das Geld anderer Leute zu verteilen als das eigene. Die, die die Stimme erheben, um diese Frau niederzumachen, die haben ja gar nicht soviel Geld auf dem Sparbuch. Da können sie leicht reden! Aber nehmen wir mal einen Moment lang an, sie hätten gut 16’000 Euro auf der Hand – glaubt ihr, sie würden das Geld den Armen geben, statt sich davon ein neues Auto zu kaufen oder eine Reise in die Karibik?

Anders als seine Kollegen sagt uns der Evangelist Markus nichts über das Verhalten des Judas. Aber so wie der Text angelegt ist, lesen wir, daß Judas, kaum daß er vom Tisch aufgestanden ist, nach Jerusalem eilt, um den Preis für Jesu Kopf auszuhandeln. Und beiläufig sei angemerkt, die Frau hat 300 Silberstücke für Jesu Kopf ausgelegt, die Tempelkasse nur 30… die dann auch nicht in der Diakonie gelandet sind, jedenfalls nicht aus der Hand des Judas.

Nun greift Jesus ein. Er schafft der Frau Recht, die die jüdischen Gesetze nicht verletzt hat, die es nicht an Nächstenliebe hat fehlen lassen, sondern im Gegenteil ein gutes Werk für Jesus getan hat. Sie hat ihre Güte an Jesus gezeigt, sie hat ihm Gutes getan, und das ist ein bemerkenswertes Gutes Werk nach dem Gesetz.
Jesus fordert uns auf, zwei Gedankenwegen zu folgen. Der erste ist der Unterschied zwischen „jetzt“ und „allezeit“. Arme gibt es allezeit, aber Jesus gibt es nur jetzt. Um die Armen kann man sich allezeit kümmern, hätte sich allezeit um sie kümmern sollen – aber jetzt ist Jesus dran. Das ist wie der Hausputz, das Haus kann und soll man ständig sauber und ordentlich halten, aber wenn das Kind geboren werden will, dann steigt man nicht auf die Leiter, sondern ruft die Hebamme. Der Unterschied zwischen chronos, allezeit, und kairos, dem richtigen, dem guten Moment.
Und die Frau hat den guten Moment ergriffen und Jesus gesalbt.
Der zweite Gedankenweg: die Tat der Frau hat einen Sinn. Sogar zwei, aber den einen läßt Jesus unerwähnt: Das Wort „Christus“, oder „Messias“ in semitischer Sprache, heißt „geölt“, es benennt den, dessen Kopf mit Öl gesalbt ist. Und damit bezeichnet man den von Gott gewählten König. Samuel salbte den Kopf des halbwüchsigen David, obwohl ihm die großen Brüder allesamt besser gefallen hätten. Und heute ist es diese Frau, die das Haupt Jesu salbt und ihn damit zum Erbprinzen ausruft. Diese Frau zeigt sichtbar, daß Jesus der Christus ist, der Messias Gottes. Und so proklamiert sie vor allen Anwesenden das Evangelium von Jesus Christus.
Jesus aber nennt diese Handlung eine prophetische: „Sie hat meinen Leib für die Bestattung balsamiert.“ Ja, es ist wahr. So paradox und so pervers das klingen mag, der kommende Herrscher der Welt gewinnt seine Krone, indem er stirbt wie ein Terrorist. Weil er sich hat erniedrigen, beschämen, mißhandeln und töten lassen, darum wird er aus den Händen des Vaters die Ehrenkrone erhalten. Das sagt uns Jesus, als er von seinem Tod spricht.
(Und das Öl der Frau ist das einzige, das den Leib Christi balsamiert, denn als die Frauen zu eben diesem Zweck ans Grab kommen, sind sie bekanntermaßen zu spät. Treffende Anmerkung von Lisette.)
Die unbekannte Frau bekennt den Christus. Ihr Name wird im Himmel geschrieben sein, im Buch des Lebens, und Jahr für Jahr gedenken Milliarden Christen ihres Bekenntnisses. So wie wir heute.

Die Männer, die bei der Begegnung anwesend sind, zumindest viele von ihnen, bleiben sprachlos, vielleicht gar mit offenem Mund. Manche aber, und unter ihnen wahrscheinlich der eine oder andere der Zwölf, manche erkennen nicht nur keinen Sinn in diesem Tun, sondern greifen die Frau auch noch an. Ich glaube nicht, daß sie das nur getan haben, weil es eine Frau ist, auch wenn es ihnen sicherlich leichter fällt, gegenüber einer Frau das Maul aufzureißen als gegenüber einem Mann. Aber auch einen Mann, der so viel Geld scheinbar verschwendet, hätten sie dafür angegriffen.
Möglicherweise sind einige auch so agressiv eben nicht weil sie die teure Geste der Frau nicht verstanden haben, sondern gerade weil sie gesehen haben, wie diese Frau Jesus dem Christus einen immensen Reichtum widmet, wo sie selbst ihr Engagement begrenzen, ihren Einsatz ob nun an Geld oder ihrer Person. Und sie greifen die Frau an, weil sie, ohne irgend jemanden mit dem Finger zu zeigen, doch ihnen nur zu deutlich aufzeigt, was ihre Aufgabe gewesen wäre.

Wie so oft in den Episoden aus Jesu Leben stellt sich die Frage, und drängt sich uns die Frage auf: wo ist denn mein Platz in dieser Szene? Bin ich bei den stummen Zuschauern, bei denen, die nicht verstehen? Oder vielleicht bei denen, die verstehen und deshalb agressiv reagieren, um von ihrem eigenen Fehl abzulenken? Oder – und in dem Fall habe ich allen Grund, den Vater im Himmel mit Lob und Dank zu überschütten – oder finde ich mich in dieser Frau wieder, die den Christus, den Messias bekennt, die dafür angegriffen und niedergemacht wird, eben weil sie mit ihrem Haben und Sein den Christus verkündigt, aber die von allen Anwesenden die ist, die den größten Glauben hat?
Die sich einreiht zwischen den römischen Hauptmann und die samaritische Frau, lauter wenig geachtete Menschen, die den strammen und aufrechten Rechtgläubigen aber im Glaubensleben noch vieles beibringen könnten?

Wo stehe ich?

Lesungen für den Palmsonntag: Jes. 50, 4-9; Phil. 2, 5-11; Joh. 12, 12-19
Palmarum, Raon l’Étape.

18
Apr
11

Berechtigte Frage…

Papa, wenn doch das Haus feucht ist, warum hast du einen Luftbefeuchter in deinem Arbeitszimmer?

Weil dieses Arbeitszimmer die einzige Ecke im Haus ist, wo die Luft so trocken ist, daß man die Feuchtigkeit kaum messen kann. Nach drei Tagen Luftbefeuchter (Stufe 1, man will ja keine Kondenswasserflecken in die Bücher machen) ist die Feuchtigkeit auf 30% gestiegen, aber auch bei vielen Büchern fände ich 40% gesünder.

11
Apr
11

Blutopfer

Es gibt Bibeltexte, die wir seit der Kinderstunde kennen, und die wir vermutlich alle ziemlich grausam finden. Und einer dieser Texte ist uns für diesen Sonntag gegeben.

Ja, der Text ist furchtbar. Wie kann Gott von einem Vater verlangen, sein Kind zu opfern? Wie kann er von seinem Bundespartner verlangen, den Kern dieses Bundes zu töten?
In der Bibel wird an verschiedenen Stellen auf diesen text bezuggenommen. Unter anderem, um zu zeigen, wie gehorsam Abraham ist. Daß er eher einem Befehl gehorcht, der ihm das Herz umdreht, als zu räsonnieren und zu Gott zu sagen, „Hör mal, alter Freund, du hast das ja vielleicht vergessen, aber… wenn der Kleine da, wenn der nicht mehr da ist, wie stellst du dir das denn vor, wie ich mal Enkelkinder haben soll und diese Nachkommenschaft, die zahlreicher ist als der Sand zwischen meinen Zehen? Wie willst du denn dann dein Versprechen einlösen?“
Andere nehmen unseren Text als Beleg für den großen Glauben Abrahams. Der geglaubt hat, daß Gott seine Versprechen einlösen kann, selbst wenn er das Kind tötet, an dem die ganze Versprechung hängt.
Oder auch, daß Gott das Kind in letzter Minute rettet…
Im Zentrum unseres Textes steht aber etwas ganz anderes: Gott will das Opfer dieses Kindes nicht. Er will nicht, daß das Blut eines Menschen vergossen wird. Er will nicht, daß Eltern gezwungen werden, ihre Kinder in den sicheren Tod gehen zu lassen, als Opfer auf irgend einem Altar…
Und ich frage euch: glaubt ihr, wir haben das Recht, diese Forderung Gottes zu verurteilen, diesen Vater zu verurteilen, der mit gebrochenem Herzen seinen Sohn zum Opfer führt?
Wir opfer doch so viele Menschen! „Mourir pour des idées“, sagt Georges Brassens, Sterben für eine Idee, das ist eine exzellente Idee – ich bin fast gestorben, weil es nicht meine Idee war. Und erläutert, daß die, die für die Ideen sterben müssen, immer die anderen sind, die die Idee nicht gehabt haben…
Wir opfern Menschen – beispielsweise auf dem Altar des „gerechten Krieges“. Jeden Monat sterben Soldaten in Afghanistan, weil sie Krieg führen gegen einen Teil der afghanischen Bevölkerung. Angeblich kämpfen sie für die anderen Afghanen, aber die haben auch nicht darum gebeten. Männer und Frauen, junge Soldaten, geopfert auf dem Altar einer westlichen Ideologie.
Tag für Tag sterben elf Menschen auf den Straßen unseres Landes. Elf Menschen jeden Tag, von denen mindestens zehn noch gesund und munter wären, wenn sie nicht gestorben wären, geopfert von den Henkern auf dem Altar des Alkohols und dem Altar der Geschwindigkeit, auf dem Altar des „ich tu, was mir paßt“ und dem Altar des „ich bin der beste und der stärkste“.
Dreißig Jahre nach der Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich – 62 Jahre nach der Abschaffung der Todesstrafe in der Bundesrepublik Deutschland – gibt es immer noch viele, die sie gern wieder einführen würden. Dieses Phänomen kommt in Wellen und hat seine Höhepunkte immer, wenn wir von einem toten Kind hören. Aber – es zeigt uns, daß wir immer noch bereit sind, Menschen zu opfern auf dem Altar unserer eigenen Moral.
Andere Leben werden subtiler geopfert: da, wo Männer und Frauen krank werden an ihren Arbeitsbedingungen. Wir haben von den Selbsttötungen gehört bei Renault und bei France-Télécom. Es gibt viele andere, von denen man nicht hört und nicht spricht. Nicht zuletzt auch bei Polizei und Gendarmerie. Und wie viele schleppen sich täglich zur Arbeit, schlotternd vor Angst vor denen, die sie dort finden werden, und sie wagen nicht mehr, eine Verbesserung ihrer Lage zu erhoffen. Wie viele sind langzeitkrankgeschrieben, krank gemacht durch ihre Arbeitsbedingungen, durch das Mobbing ihrer Kollegen oder ihrer Vorgesetzten – oder gleich beider.
Leben und Existenzen werden geopfert durch Kündigungen, die nur den Zweck haben, eine bessere Rendite zu geben für die Shareholders, die Aktienbesitzer. Ob da jemand die wirtschaftliche Grundlage seines Lebens verliert, die Möglichkeit, seine Kinder zu ernähren? Scheißegal, solang die Dividende stimmt…
Leben, ja ganze Völker werden geopfert durch jene, die das Spiel der Spekulation auf dem Lebensmittelmarkt spielen. Einige Dutzend Spekulanten haben die Reis- und Getreidepreise auf astronomische Höhen getrieben, Preise, die die armen Produzenten desselben Reises und Getreides nie gekannt haben, die immer nur das Minimum bekommen. Preise, die sie nicht bezahlen können, sie können sich die Frucht ihrer Arbeit nicht leisten.

Nein, Gott will kein Menschenopfer. Er will unser Leben, nicht unseren Tod. Er will nicht, daß wir unseresgleichen opfern auf den Altären unserer Begierden, unseres Stolzes, unserer Sucht nach Macht, nach materiellem Reichtum, nach Ansehen. Er will auch nicht, daß wir unseresgleichen opfern auf dem Altar unserer Angst.
In dem biblischen Bericht, den wir gehört haben, nimmt ein anderer die Stelle Isaaks auf dem Altar ein. Denn ein Opfer muß sein.
Nicht für Gott. Gott ist größer als das Opfer, er sieht in unsere Herzen und sieht nur zu gut auch das, was wir den andern verbergen. Die dunklen Ecken, die Tresore unserer Leiden und unserer unterdrückten Triebe – Gott sieht sie.
Daß das Opfer sein muß, das ist für uns notwendig, nicht für Gott. Wir brauchen das Opfer. Wir brauchen es, weil wir wie Thomas sehen müssen, um zu glauben. Weil wir symbolische Handlungen brauchen, rituelle Handlungen, um wirklich mit dem Herzen mitgehen zu können. Wir brauchen jemanden, der unsere Joche für uns trägt, unsere Leiden, unsere Anklagen und unsere Verurteilungen – ob sie uns treffen oder von uns ausgehen.
Damit es also eine Opferung gibt, gibt Gott ein Opfer, ein Ersatz-Opfer. In unserem Text ist es ein Widder, der sich mit den Hörnern in den Dornen verfangen hat. Ein Schaf, von Gott gesandt, um geopfert zu werden, mit dem Kopf in den Dornen. Ihr Kinder, erinnert euch das an etwas? Und ihr, ihr Großen?

Allerdings. Es ist besser, daß ein Mann stürbe für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe, sagt der Hohepriester im Rat. Es ist besser, daß ein Widder stürbe, als daß das ganze Volk gar nicht erst entstehe, sagt Gott. Es ist besser, daß das Lamm Gottes geopfert würde, damit die gesamte Menschheit leben kann. Diese Menschheit, die so oft nichts wissen und nichts sehen will von dem Gott, der sie am Leben hält.
Louis Rivier: "Le Christ au 7 miracles". Zentralfenster im Chorraum ev. Kirche Saint Dié.
Seit langem kennen wir dieses Bildfenster im Chorraum unserer Kirche. Aber wann habt ihr es zuletzt von nahem betrachtet? Wann habt ihr zuletzt die Schrift gelesen auf dem Band, das sich um den Kreuzesstamm schlingt? Die Inschrift, die sagt: „in seinen Wunden finden wir das Leben“? Jesus hat sich hingegeben, er hat sein Leben gegeben und ist einen schrecklichen Tod gestorben, damit wir leben können.
Ob wir das leise annehmen wie der geliebte Jünger, ob wir zum Grab rennen und die leere Höhle durchsuchen müssen, um zu glauben, daß dieser Tod nicht das Ende, sondern der Anfang der Geschichte ist, oder ob wir die Hand in seine Wunden legen müssen, um es glauben zu können: Jesus ist für uns alle gestorben. Und alle, die sich daran hängen, werden das Leben haben.

Hebr. 5, 7-9; Mk. 10, 35-45; Pr: Gen. (1. Mose) 22, 1-13.
Judica 2011, Saint Dié des Vosges.

04
Apr
11

Iß mich!

Es ist schon eigenwillig, das 6. Kapitel des Johannes. Zuerst werden tausende gespeist, mit nicht mehr als ein bißchen Brot und Fisch. Dann stellt Jesus fest, die Leute, die jetzt satt sind, wollen ihn zum König machen. Brot und Spiele, das zieht eben immer. Das will Jesus aber nicht und hält eine lange Rede über Brot, das nicht sättigt, und setzt ihnen die steile Forderung vor: „wenn ihr leben wollt, müßt ihr meinen Leib essen und mein Blut trinken.“
Irgendwann landen alle in der Synagoge von Kapernaum. Wann genau, habe ich nicht gefunden.
Das ist eine Synagoge wie die von Senones, die nun evangelische Kirche ist. Wahrscheinlich sitzen die Frauen abseits und die Männer vorn, und ganz vorn ist eine Art Bühne für die, die handeln.
Und Jesus spricht zu ihnen. Von Dingen, die sie nicht verstehen können. Eine Abendmahlstheologie können sie nicht haben, denn es gibt noch kein Abendmahl. Woran sie denken, denken müssen bei Jesu Rede, sind heidnische Praktiken. Manche Völker essen die besiegten Feinde und trinken ihr Blut, um deren Kraft und Energie in sich aufzunehmen. Die Bibel verbietet das, schon ganz am Anfang. Seit Noahs Zeiten wird kein Blut getrunken, schon gar kein Menschenblut.
Den übertragenen Sinn der Rede Jesu können sie nicht erfassen. Daß es darum geht, mit ihm eins zu werden, ihn so in sich aufzunehmen, daß er Teil unseres Leibes und Lebens wird, mit seinem Leib und mit seinem Blut, Sitz seines Lebens. „Denn im Blut ist das Leben“, sagt Gott zu Noah. Daß es also darum geht, einzig aus dem Leben Jesu zu leben.
Auch die, die mit Jesus ziehen, verstehen es nicht. Sie fangen an, sich zu fragen, was das denn für eine Rede ist. „Das sind harte Worte, wer wird sie ertragen können?“
Die Antwort Jesu zeigt uns einen anderen Jesus als den „lieben Herrn“, den wir so mögen und in manchen Liedern besingen. Hier ist er ironisch, fast zynisch: „Ach, darüber regt ihr euch auf? Und wenn der Menschensohn nun vor euren Augen dahin zurückgehen würde, woher er gekommen ist?“ Nicht lachen! Die Himmelfahrt, die wir in einigen Wochen zum x-ten Mal feiern werden, ist noch nicht gewesen. Niemand hat je jemanden zum Himmel fahren sehen. Die Bibel erzählt so etwas von Henoch und Elia, aber – das ist ja schon sehr lange her. So lang wie für uns das Mittelalter.
Jesus macht ihnen deutlich, daß ihre Gedanken menschlich, nur zu menschlich sind, aber um so weiter entfernt von den Gedanken Gottes – und von den Lehren, die sie von Jesus gehört hatten. Alles, was menschlich ist – die Bibel spricht von Fleisch – alles, was menschlich ist, zählt nichts. Es ist zum Vergehen verdammt, sobald wir sterben. Einzig zählen die Worte Gottes, Worte voll Heiligen Geistes, Worte, die Leben schaffen.
Nichts anderes ist Leib Christi essen und Blut Christi trinken: das lebendige Wort Gottes in uns aufnehmen, so daß es Teil unseres Wesens wird, daß wir ohne es nicht einmal mehr existieren könnten. Leben vom Wort Gottes wie vom täglichen Brot, und von ihm verändert werden. Wort-Gottes-Junkies sein!
Die Leute verstehen nicht. Vielleicht kannten sie ja auch diesen Vers des Propheten Amos nicht: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR Herr, daß ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, zu hören“ (Am.8,11). Für sie ist dieser Tag noch nicht gekommen. Sie können Jesus, das lebendige Wort Gottes, also nicht wirklich finden, weil sie nicht wirklich suchen, weil sie nicht Hunger und Durst danach haben.

Und wir? Haben wir diesen Hunger und diesen Durst? Sind wir in der Kirche, sind wir heute morgen hierhergekommen, weil wir Hunger und Durst nach dem Worte Gottes haben, Hunger und Durst nach Jesus, daß er lebenswichtiger Teil unseres Wesens sei? Sind wir entbrannt von diesem Feuer, das niemand löschen kann?
Oder sind wir bei jenen, die sich eines Tages abwenden werden, wenn die Worte Jesu, die Erwartungen Gottes uns zu hart werden? Wenn wir entdecken, daß die Kirche kein Wohlfühlverein ist, wo alle uns umhüllen, sondern die Versammlung der Glieder Christi, die nur aus und für ihn leben? Wenn wir schmerzlich erfahren, daß es nicht „Kirche für uns“ ist, sondern „wir für die Kirche“? Daß Christ sein bedeutet, Zeuge Christi zu sein, und Zeuge heißt Märtyrer? Daß wir womöglich alles aufgeben müssen, was wir uns und um uns aufgebaut haben, unseren Lebenskreis, unsere Gewohnheiten, weil der Herr Jesus uns woanders hinberuft?
Sind wir bei jenen, die sich abwenden, dann hat Gott uns noch nicht hungrig und durstig gemacht. Dann können wir darum beten, damit auch wir Teil des Leibes Christi werden.
Aber wenn wir schon von diesem Hunger und diesem Durst erfaßt sind, die uns nicht erlauben, nicht an Jesus zu denken – dann, ja dann wissen wir, daß wir nciht das leichtere Teil bekommen haben. Wir wissen, daß das, was in uns ist, uns ins Leiden, in die Versagung, in die Lächerlichkeit führen kann – aber auch in die Liebe. Und wie alle Eltern wissen, alle Onkel und Tanten, alle Kinder: gibt es Schöneres, als geliebt zu sein, grundlos und kostenlos, einfach geliebt? Danken wir Gott, daß er uns liebt! Und vergessen wir nicht, daß wir Tischgenossen Christi sind, eingeladen zu Seinem letzten Mahl wie die Jünger. Juden und Christen können in der Zeit reisen: Juden feiern Passah mit den Hebräern Moses‘, und wenn wir in wenigen Minuten die Einsetzungsworte zum Abendmahl hören, dann sind wir auch dabei, am Tisch des Herrn, damals in Jerusalem. Dann sind wir dabei, mit Ihm am Tisch, der uns ansieht und uns den Teller reicht und dabei sagt, „nimm und iß, das ist mein Leib, der für dich gegeben ist.“ Am Tisch mit Ihm, wohl wissend, daß auch wir nur wenige Stunden später zu schwach sein werden, um wach zu bleiben, zu schwach, um uns zu Ihm zu bekennen. Am Tisch mit Ihm – und mit Judas. Aber Judas zählt nicht. Unsere Schwachheit zählt nicht. Eines zählt: daß wir Tischgenossen Christi sind. Und indem wir Teil haben an Seinem Leib und Blut, haben wir auch Teil an Seinem Tod und an Seiner Auferstehung.
Das Brot und der Wein, oder der Traubensaft, bedeuten viel mehr. Durch sie haben wir Gemeinschaft, ja Einheit mit Jesus Christus. Aus dem Abendmahl Christi entsteht Kirche. Und so ist es nicht Erinnerung: es ist nicht Vergangenes, daß Jesus sich hingibt, uns zu Speise und Trank, sein Leben für unser Leben – nein, es ist Gegenwart. Und es ist unsere Zukunft.
Jes. 54, 7-10. 2Cor. 1, 3-7. Joh. 12, 20-26. Pr: Joh. 6, 55-65.
Laetare 2011, Senones.

03
Apr
11

Mitternacht

Die Mitternacht rückt näher schon,
in stiller Ruh liegt Babylon.
Nur drüben, in des Pastors Haus,
da geht das Licht noch lang nicht aus.
Der Pastor sitzt an seinem Tisch,
er wirkt so langsam nicht mehr frisch
und wiegt den Kopf, der ist so schwer,
gar höchst bedächtig hin und her.
Die Predigt sollte fertig sein,
doch noch fiel ihm rein gar nichts ein.
Drum wird auch diese Sonntagnacht
wie schon so viele – durchgemacht.

Mit einem Augenzwinkern an Heinrich Heine, der auch so seine Bemerkungen zu Pfarrhäusern gemacht hat – ich habe sie bloß vergessen.

01
Apr
11

Firefox 4.0

Normalerweise schreibe ich nicht über die Programme, die ich so verwende. Wen interessiert das schon, ob ich Word oder OpenOffice oder FreeOffice oder was ganz anderes zum Schreiben benutze, oder mit welchem Programm ich meine Bilder bearbeite?

Aber heute mache ich eine Ausnahme.
Ich habe mich nämlich heute entschlossen, Firefox von 3.6.16 auf 4.0 hochzurüsten (apzudäiten oder so ähnlich). Und von dem Ergebnis bin ich derart begeistert, daß ich diese begeisterung in eine Empfehlung umwandle und euch mitteilen muß.

Als Firefoxnutzer bin ich der Alptraum der Informatiker und Computerbauer. Wenn ich nämlich eine Seite gut finde, dann lasse ich das Tab einfach offen und lasse es auch bei jedem Start des Firefox wieder aufrufen. Ist doch viel einfacher, als sich durch riesige Lesezeichenlisten zu kämpfen…
Aber das benötigt natürlich Speicherplatz und Rechenleistung, zumal gewisse Seiten sich regelmäßig regenerieren, wie etwa die Unwetterwarnungen von meteofrance oder die Straßenverkehrsinformationen von bisonfute.fr.
Mit ca 200 geöffneten Tabs hatte ich also in letzter Zeit kleine Sorgen, weil besonders Seiten, die etwas herunterzählen (man soll gar nicht glauben, wie viele Seiten irgendwo Zeit zählen), oft holperten und stockten.
Ich war schon drauf und dran, meine Tabs zu sichten und in Lesezeichen zu speichern!

Und dann kam Firefox 4.0.
Die Seiten laden wieder fix und flüssig, das Herunterzählen ist ebenso flüssig und in Echtzeit – ich brauche also nicht mehr zu sichten und zu lichten!
Für alle anderen heißt das: der Browser ist so schnell wie nie zuvor. Zwar funktionieren noch nicht alle Add-Ons, die ich so benutze, aber das sind auch nur ganz wenige. Und derzeit weiß ich noch nicht, wie ich das RealPlayer-Plugin deinstallieren soll, das ich eh nicht brauche, das aber nicht zu deinstallieren ist. Da muß Mozilla noch mal nachlegen; Plugins, die man nicht deinstallieren kann, sind böse.

Lange Rede, kurzer Sinn: der Mozilla-Firefox 4.0 gehört auf jeden halbwegs aktuellen Computer; auf Museumsgeräten sollte man vielleicht bei der neuesten Variante von Firefox 2 bleiben, aber alle anderen sollten mit Firefox 4 ausgestattet werden. Es ist ein echter und reiner Gewinn!




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