Die Wortteufelin hat das Thema in Kleinbloggersdorf angerissen (und mehrere andere Blogs greifen es auf), aber es ist für mich momentan auch im richtigen Leben (RL) aktuell.
Nämlich habe ich einen Presbyter an der … äh, Hand (sagen wir mal so), der der festen Ansicht ist, man könne ein Pfarramt gar nicht ohne Handy ausüben. Ich bin anderer Ansicht. Nun könnte ich es machen wie mein junger Kollege, mir für teures Geld (28 Euro im Monat; drunter geht’s kaum) ein Diensthandy geben lassen und es dann nicht benutzen. Das will ich aber nicht.
Aber mal ganz ehrlich: zwischen 1520 und etwa 2000 hatten evangelische Pastoren gar keine Möglichkeit, ein Handy zu haben. Autotelefon leisteten sich nur Ärzte und Anwälte, aus gutem Grund.
Und es gibt im Prinzip drei Situationen, in denen ich angerufen werden kann:
- Ich sitze in meinem Büro und arbeite: schreibe eine Predigt, lese ein Buch, führe Register
oder schreibe einen Blogeintrag…
Das Diensttelefon liegt neben mir. Man kann mich für wenig Geld erreichen; die meisten Leute haben einen Pauschaltarif ins Festnetz. Wozu ein Handy?
- Ich bin – egal ob im Büro oder unterwegs – in einem Gespräch, vielleicht gar im Gebet.
In dieser Situation wird das Diensttelefon, sofern ich im Büro bin, ausgeschaltet: der Anrufer landet auf dem Anrufbeantworter. Hätte ich ein Handy, wäre es ebenfalls ausgeschaltet. Das seelsorgerliche Gespräch oder auch die Arbeitssitzung haben Vorrang. (Übrigens hat der benachbarte Gemeinderat das begriffen, als sein Pastor innerhalb von wenigen Minuten in einer Sitzung drei Anrufe bekam… auf einmal sahen sie: das stört ungemein!)
Ob man nun auf dem Dienstapparat anruft oder auf dem Handy, man landet auf dem Anrufbeantworter. Wozu ein Handy?
- Ich bin im Auto unterwegs.
Zwar besitze ich eine Freisprechanlage, aber die Kirche hat ihre Dienstwagen immer noch ohne eine solche bestellt. Das ist auch kein Verlust, denn wie soll ich am Steuer ein Gespräch führen, wo mir jemand sein Leid klagt? Der hat doch Anspruch darauf, daß ich mich ganz auf ihn konzentriere! Und wie soll ich am Steuer einen Termin absprechen? Ich kann schlecht meinen Kalender aus der Aktentasche wühlen und aufklappen, wenn ich am Steuer sitze!
Entsprechend bliebe ein dienstliches Handy im Auto ausgeschaltet. Und der Anrufer, der da eben doch auf dem AB landen würde, kann das ebensogut für weniger Geld auf dem Dienstapparat tun.
Lediglich zwei Vorteile könnte ich sehen, wenn ich ein Diensthandy hätte:
- Wenn ich den ganzen Tag unterwegs bin, und der Bestatter ruft an, könnte ich zwischendurch mal zurückrufen. Bestatter sind ungeduldige Leute, denn sie arbeiten mit „leicht verderblicher Ware“ – und viele Angehörige scheinen ihre lieben Verblichenen möglichst binnen 48h nach Ausstellung des Totenscheins auf dem Friedhof wissen zu wollen.
- Wenn ich im Urlaub bin, könnte ich das Diensthandy einer Vertrauensperson mitgeben, die im Falle eines Falles alles Notwendige regelt.
Ich könnte aber auch einfach die Anrufe auf dem Diensttelefon weiterleiten – bloß geht das in der aktuellen Situation nicht, weil je nach Kirchengemeinde, und ich betreue deren zwei, verschiedene Personen als Ansprechpartner benannt sind. Also sagt der Anrufbeantworter: für die Gemeinde A rufen Sie bitte Herrn X an, für die Gemeinde B rufen Sie bitte Frau Y an. Solange da keine gemeinsame Vertrauensperson benannt ist, hilft also das Handy nix, und die Rufumleitung auch nicht.
Dafür lohnen sich 336 Euro jährlich nun wirklich nicht.
Wohlgemerkt: es gibt Situationen, wo ich die Frage des Handys auch anders sehe. Mein Pfarrbezirk ist mit 60km Länge und 40km Breite noch eher klein; die Kollegin in der Nachbargemeinde hat das Vierfache, bei ungefähr gleich vielen Schäfchen. Und eine andere Kollegin hat noch mehr; sie ist oft zwei oder drei Tage hintereinander nicht im Büro, weil sie auswärts schläft. Da braucht man ein Mobiltelefon. Aber nicht in meinem Pfarrbezirk.
Und montags ist sogar das Diensttelefon lautlos geschaltet, von wenigen Ausnahmen abgesehen (schwer kranke Gemeindeglieder… da muß die Nächstenliebe über dem Feiertag stehen).
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