Archiv für November 2009

30
Nov
09

Kirchweih…

… gibts bei Evangelens ja nicht. Schon gar nicht bei Zwingliocalvinistens. Aber – man hätte das nicht gedacht, wenn man den hageren Calvin so ansieht – Gemeindefeiern gibts. Und wenn hier gefeiert wird, dann richtig.

Gut, ich hab drum kämpfen müssen, daß der Gottesdienst die erste Veranstaltung des Tages war. Auch das Tischgebet hab ich etwas „aufgedrängt“ – aber das kam, nach den Reaktionen, die ich gehört habe, gut an! Und noch bin ich nicht am Ende mit meinen Forderungen: ich bleibe dabei, vor Ende des Gottesdienstes hat kein Verkauf stattzufinden!

Aber diesmal wenigstens hatte ich die Zeit, in Ruhe von hier nach dort zu kommen, eine Runde zu drehen und alle fleißigen Leute zu begrüßen, bevor dann der Herr Bürgermeister eintraf und die Honneurs gemacht werden mußten. (An dieser Stelle hat auch der etwas kryptische Voreintrag seine Erklärung…) Fürs nächste Jahr hat uns die Verwaltung nämlich die Stadthalle „F. Mitterand“ nicht reserviert, obwohl das seit Jahren immer so gewesen ist und man uns das versprochen hatte, „wenn ihr das nicht absagt, bleibt es so.“ Und deshalb hat der Herr Vorsitzende verfügt, dem Bürgermeister seien die Honneurs zu machen.
Ich meine zwar ganz leise, wenn man uns nun sagt, „das müssen Sie eben Anfang Oktober fürs Folgejahr reservieren“, dann kann man sich dran halten und im September schon hingehen, wir sind ja auch nicht der Nabel der Welt, und anstelle des Bürgermeisters, der eh nur zum Wochenende hier ist (in der Woche hat er eine Anwaltskanzlei in Paris) sollte man sich besser mit seinen heimischen Beigeordneten gut stellen, was aber kein Problem ist. Aber Herr Präsident hat verfügt. Und Herr Bürgermeister ist ja immer sehr freundlich, könnte glatt aus dem Rheinland sein, so lächelnd und offene Arme und überhaupt.

Bei Tisch dann, der Tisch des Herrn Pfarrer ist ja Ehrentisch, mit dem Vorsitzenden des jüdischen Konsistoriums und seiner Gemahlin, die ihres Zeichens auch noch städtische Beigeordnete ist, und meinem hochgeschätzten jungen Kollegen 😉 aus Lunéville – wir haben herzlich gelacht und uns sehr angeregt unterhalten. Dr. W. war überrascht, daß seine Frau und ich über koschere Küche fachsimpeln konnten, wo er als geborener Jude nur mäßig auf dem Laufenden war… und wir zwei Pfarrer haben gemeinsam erklärt, die jüdische Sitte hätte doch ihren Sinn, wonach die Frauen im Gottesdienst hinten sitzen oder auf der Empore. Es ist schließlich nicht immer einfach, sich auf seinen liturgischen Dienst zu konzentrieren, wenn man drei Meter vor seiner Nase nackte Knie oder nackte andere Rundungen weiblicher Wesen sehen muß… es soll auch Kirchen geben, wo der Kirchendiener schon am Eingang auf die Rocklänge hinweist und gegebenenfalls Schultertücher ausgibt, um zu ausfällige (nein, kein Tippfehler) Décolletés zu verdecken. „Laßt alles anständig und ehrbar zugehen“, schrieb doch der Apostel…

Die von unserer Ältesten (95) bemalte Truhe haben wir nicht gewonnen. Auch nicht die von meiner Lieblingsikonographin gemalte Tafel und die lochgestickte Tischdecke erst recht nicht.
An der Tombola der wenig nützlichen Gegenstände haben wir nicht teilgenommen – aber es gab noch eine Verlosung, auf die Nummer der Eintrittskarte.
„Zuerst ziehen wir die Einerstelle, dann die Zehnerstelle, dann die Hunderterstelle.“ GEzogen wurde eine 7. Ich hatte 28, also war meine Karte nicht mehr im Spiel. Aber die Pfarrfrau hatte die 27…
„Nun die Hunderterstelle: wir ziehen so lange, bis die 0 oder die 1 fällt.“ Nach mehreren Versuchen kam die 1. „Wer hat das Ticket n° 127?“ Der Kirchmeister erhob sich. „Wir haben nur 116 Karten ausgegeben!“ Damit war klar, gewonnen hatte die 27.
Und ein Traum der Pfarrfrau hat sich erfüllt; allerdings sind die Folgekosten, fürchte ich, ziemlich hoch. Die Kapseln für diese Kaffeemaschine kosten sicherlich viel Geld.
Ab etwa 16 Uhr wurde abgebaut; noch einmal haben sich alle Hände gerührt, und heute kommen die nicht verkauften Objekte in die Schränke zurück. Übrigens, ich bin immer noch dafür, nächstes Jahr zehn Adventskränze mehr zu machen; die werden wir auch los!

29
Nov
09

Hab ich…

…Stiefelwichs auf der Zunge?

23
Nov
09

Synode

Synode ist im Französischen maskulin (grammatisch), und ich bin einfach zu faul, nachzuschlagen, ob „hodos“ im Griechischen männlich oder weiblich ist.

Synode und Concilium sind eigentlich nichts Verschiedenes. So ist es gut, im Hinterkopf zu behalten, „Konzilien können irren und haben schon geirrt“ (Luther 1518) – und das gilt auch für Synoden.

Manche Leute meinen, es gäbe einen ungeschriebenen Dresscode für Synoden. Davon weiß ich nichts, und so habe ich keine Krawatte getragen.

Die Synode unserer kleinen Kirchenregion ist eher überschaubar – mit 19,5 Pfarrstellen, von denen 12 derzeit besetzt sind, und 46 stimmberechtigten Synodalen. Dazu kommen eine Reihe Synodale mit beratender Stimme, sowie einige eingeladene Gäste. Unsere Nachbarkirchen außerhalb der ERF sind vertreten, manche mit beratender Stimme, manche als Gäste. Die Werke und Einrichtungen sind mit beratender Stimme vertreten. Der Nationalrat kann sich gewissermaßen selbst einladen – ein Mitglied des Nationalrats sollte auch immer bei der Regionalsynode anwesend sein, aber diesmal hatten wir deren vier (von insgesamt 20).

Das Hauptthema war „Diakonie“. Dazu kann ich jetzt gar nicht so viel sagen, weil ich den Diskussionen nur dort folgen konnte, wo ich in Arbeitsgruppen war; die Arbeitsgruppen haben zwar ihre Ergebnisse referiert, aber das wirkte doch manchmal reichlich hanebüchen. So etwa die Frage „sollen wir das Amt des Diakons seitens der Nationalkirche definieren?“ Das ist, nebenbei gesagt, von der Nationalsynode 1961 schon erledigt worden. Aber die Frage „wird das dann ein Unterpastor?“ scheint mir auch ohne diese Kenntnis doch reichlich daneben: erstens ist es selbst in der römischen Kirche mittlerweile anders, und zweitens könnte man ja mal in andere Kirchen gucken, was ein Diakon dort macht. Oder, ultima ratio, in die Bibel.

Großes Thema, wie jedes Jahr: das Geld. Wir haben davon zu wenig. Und einige Gemeinden auch: sie überweisen nicht, was sie sollten. Das wirft natürlich viele Fragen auf: was können wir uns überhaupt noch erlauben, können wir so viele Pfarrstellen besetzt halten? Und was machen wir mit den Gemeinden, die nicht pflichtgemäß zahlen?

Die Vorlage des Regionalrats sah vor, die Außenstände aus Vorjahren zu 95% niederzuschlagen: wer 1000 Euro schuldete, käme mit einer Zahlung von nur 50 Euro da heraus. Alle haben brav zugestimmt – ich nicht. Meine zwei Gemeinden haben mehr oder weniger Schwierigkeiten, ihren Beitrag zu leisten, aber sie geben sich alle Mühe und schaffen es in den letzten Jahren auch. Dafür werden sie bedankt, indem man ihre Kontribution erhöht. Zwar liegt eine Erhöhung von 1% noch unter der Inflationsrate, aber immerhin.
Andere Gemeinden, und es sind diesmal nicht die kleinen Diasporagrüppchen, sondern die großen Stadtgemeinden, die als deutliche und langjährige Schuldner auffallen, erlauben sich große Aktionen, bauen „Kulturzentren“ in ihren Gemeindehäusern auf – und lassen sich ihre Pastoren von anderen bezahlen. Ich meine, so geht es nicht. Da könnte mein Gemeinderat auch sagen, „halten wir mal 3000 Euro zurück, zahlen wir nächstes Jahr noch 150, und die 2850 nutzen wir fürs Gemeindefest.“
Eine Regionalrätin hat mich gefragt, warum ich – als einziger, das fiel auf! – gegen die Vorlage gestimmt hätte. Ich habe es ihr erklärt und auch gesagt, eine Niederschlagung zu 75% oder auch noch 85% hätte ich mitgetragen. So aber wäre das Signal zu deutlich, „ihr braucht nicht zu zahlen, wir brauchen das Geld ja nicht!“ Das sah sie ein, und ich gehe mal davon aus, daß diese Erklärung in die nächste Sitzung des Regionalrats mit eingehen wird. Es kann nicht angehen, daß Jahr für Jahr das Defizit steigt (im vergangenen Jahr über 40’000 Euro bei budgetierten gut 500’000 Euro Ein- und Ausgaben), und die großen Gemeinden leisten ihren Beitrag nicht.

Einen neuen Regionalrat haben wir gewählt. Wichtigster Punkt: ein neuer Präsident. Ausnahmsweise kommt der Neue nicht aus den Reihen der eigenen Pfarrerschaft; seine beiden Vorgänger waren jeweils Vize gewesen, bevor sie die Präsidentschaft übernahmen. Aber diesmal wird ein Auswärtiger Präsident, auf Vorschlag des Nationalrats. Das hat sicherlich Vorteile, gerade angesichts der tiefgreifenden Veränderungen, die einzuleiten die Synode dem Regionalrat aufgegeben hat.

Und da waren die „voeux“. Das Wort liegt zwischen Profeß (bei der Aufnahme in einen Orden legt man seine „voeux“ ab) und „Wunsch“. Es sind mehr oder weniger spontane Vorlagen aus den Reihen der Synodalen, die der Synode zum Beschluß vorgelegt werden und zu allen möglichen Themen sprechen können.
Im vergangenen Jahr hatte der Kollege aus Nancy einen Voeu vorgelegt, man möchte doch die Region in kleine Happen zerlegen und meistbietend versteigern. Der war aber nicht zur Abstimmung gekommen… die Ironie der Stunde will, daß die tiefgreifenden Veränderungen, die ich ansprach, in einigem dieser Äußerung ziemlich nahekamen.
Auch in diesem Jahr wurde ein Voeu nicht zur Abstimmung vorgelegt. Die Kirchenunion schreitet fort, aber das Kind hat noch keinen Namen, und so wurde folgendes vorgeschlagen: die neue Kirche möge „Eglise Chrétienne Unie, de la Réforme Issue“ genannt werden.
Das gäbe die Abkürzung „ECURI“. Und ich weiß wirklich nicht, warum der Synodalpräsident dabei an „écurie d’Augias“ gedacht hat…

Eins jedenfalls ist sicher: wir sind auf dem Weg. Auf dem Weg zur Kirchenunion, auf dem Weg gen morgen – und, vor allem, auf dem Weg mit Christus. Hoffe ich, glaube ich.

Heute darf ich mich ausruhen. Aber nicht zu sehr, dann wird der Pastor träge.

11
Nov
09

Blindsause

Hanni ist mit dem Rosenstrauch zusammengerasselt. Einer von beiden hat gequiekt, aber augenscheinlich sind beide unbeschadet davongekommen.

Auf Handzeichen reagiert sie nicht mehr zuverlässig; Bewegungen kann sie noch in etwa deuten, aber den ausgestreckten Zeigefinger („Sitz“) nicht mehr von der flachen Hand („Platz“) unterscheiden. Auch kann sie im Halbdunkel nicht mehr sehen, ob eine Tür offen oder zu ist. *bumm* Wir werden uns darauf einstellen müssen.

11
Nov
09

Pünktchen.

  • Die Versicherung „Aachen-Münchener“ hat ihre Zentrale in – Köln.
  • Man näht keinen neuen Knopf auf ein altes Hemd; die Folgen wären die gleichen wie beim biblischen Weinschlauch.
  • Die französische Nationalhymne „Marseillaise“ wird zu allen offiziellen Anlässen gesungen, so auch heute (Waffenstillstand 1918). Da heißt es „Contre nous de la tyrannie l’étendard sanglant est levé“ – Gegen uns wurde der Tyrannei blutiges Banner erhoben. (Übersetzung wikipedia) Und um mich herum rund 20 Standartenträger, die stolz die französische Trikolore in die Höhe recken…
  • Ausgerechnet der Vertreter des Reservistenverbands – der eine flammende Rede für friedliche Lösung von Konflikten hielt – hat heute laut und deutlich gesagt, daß der Versailler „Friedens“-Vertrag den Boden geebnet hat für den Zweiten Weltkrieg. Von meinen Politik-Lehrern würde man das nicht zu hören bekommen…
  • Und manches kann nicht öffentlich gesagt werden…
09
Nov
09

Ob er aber über Oberammergau…

… oder aber überhaupt nicht kommt, ist nicht gewiß.
So heißt es in dem alten Lied „Heut kommt der Hans nach Haus“.

„Wann kommt’s denn nun?“ fragen Kinder am Heiligabend. „Simwerbaldaaaa?“ klingts im AUto auf der Reise. Ungeduld auf baldige Ankunft. Und auch die Pharisäer fragen Jesus: ja wann kommts denn nun, das Reich Gottes? Fragen wir nicht auch? Denn wie lange warten wir schon, wie lange sagt man uns, es sei schon ganz nah – und wir sehen: nichts. Die Welt dreht sich weiter…
Dabei wäre es so viel leichter, daran zu glauben, wenn man ein wenig davon schon mal sehen könnte!
Jesus verweigert die erhoffte Auskunft. Er sagt nicht, „seht mal hier, seht mal da, da ist schon was zu sehen, da sproßt ein Trieb“ – nein, er bügelt uns erst mal ab: ihr könnt das Reich gar nicht kommen sehen. Geht nicht – denn es ist ja schon da!
Ah.
Ja, wo ist es denn? Es soll nicht kommen, es ist schon da, aber WO? Ich seh doch nichts davon!
Die Pharisäer bleiben mit dieser Frage allein. Jesus nimmt seine Jünger beiseite und erklärt ihnen: „Es wird Zeiten geben, da werdet ihr euch brennend danach sehnen, mich zu sehen, nur einen Tag lang – und ihr werdet nichts sehen. Ihr werdet mich suchen, und die Leute werden euch sagen, „hier ist er“ oder „da ist er“ – aber das ist falsch. Geht da nicht hin, ihr werdet mich nicht finden. Ja, ihr könntet mich sogar verlieren! Aber wenn ich dann komme, dann könnt ihr das gar nicht verpassen, denn es wird sein wie der Blitz am Himmel, der von einem Ende des Horizonts bis zum anderen leuchtet und den man gar nicht übersehen kann!“
Ja, aber… da spricht Jesus von der Zukunft, hat er nicht gerade gesagt, das Reich ist schon gegenwärtig?
Hat er. Das Reich Gottes ist schon gegenwärtig, aber wir können es nicht sehen. Wir können es nur spüren, hie und da. Wir können es nicht definieren, definieren heißt begrenzen, und es ist unbegrenzt wie Gott selbst. Wir können es nicht feststellen. Und es ist nicht da, wo man uns sagt, „kommt her, es ist hier bei uns“, es ist nicht im Königreichssaal, es ist nicht in den Gruppen, die sich für heiliger halten als andere… wer glaubt es zu haben, hat es verloren.
Es ist ein Ereignis, es geschieht, wir können es nur leben und erleben und erfahren… das Reich Gottes ist nicht, es geschieht. Es geschieht überall dort, wo Gott gesucht wird, wo ihm die Ehre gegeben wird. Es geschieht wo wir gemeinsam Gottesdienst feiern, Abendmahl halten, das Evangelium verkünden, taufen, beten und eins für das andere Sorge tragen. Das Reich Gottes geschieht überall dort, wo Gottes Kinder in Liebe leben, in Liebe Gottes und der Liebe des Nächsten.
Aber manchmal wollen wir doch sehen, etwas zum Festhalten haben, ein Datum… und genau das bekommen wir nicht.
Wir bekommen auch keine Hinweiszeichen: auch der Blitz kündigt sich nicht an, bevor er den Himmel erleuchtet und den Donner hervorruft. Und wie wir aufschrecken, beim ersten Blitz oder auch beim ersten Donnerschlag, werden wir auch von Christi Kommen aufgeschreckt werden. Geht es uns nicht gut in unserem Leben? In unseren Häusern, unserem Lebensstil, unseren Gewohnheiten – unseren Kirchen?
Aber wenn das nicht gut ist, wie wir leben, was dann?
Sollen wir wie die Flagellanten zum Anbruch des Jahres 1000 und manche Gruppen auch vor dem Jahr 2000, sollen wir also unsere Häuser verlassen, unsere Arbeit aufgeben, keine Familien mehr gründen, keine Kinder haben, sie nicht mehr nähren und kleiden? Sollen wir die Straßen unsrer Städte und Dörfer ablaufen und uns an jeder Kreuzung mit Gerten schlagen, um Gottes Barmherzigkeit zu erbetteln?
Ich karikiere – aber nur ein wenig, denn genau das ist im Jahr 999 geschehen! Das Jahr 1000 kam, und plötzlich erkannten die Menschen, die nun glaubten, Jesus würde ganz bald wiederkommen, daß sie dazu nicht bereit waren mit ihrer Art zu leben. Sie würden ihn nicht aufnehmen können! Und um dem abzuhelfen, taten sie Buße, Herzensbuße und Leibesbuße, mit Fasten, Peitschen und anderen.
Wenn es das aber nicht ist, die Leibesbuße – was dann?
Als ein Student die Frage an Martin Luther richtete, „Was ist denn, wenn morgen die Welt untergeht und der Herr Jesus kommt?“ da war der Professor gerade auf dem Weg in den Garten. Einen Apfelbaum wollte er setzen. Vielleicht war er etwas ungehalten ob der Frage, jedenfalls sagte er nur knapp, „dann geh ich doch jetzt meinen Apfelbaum pflanzen.“ Und ging seinem Tagwerk nach. Die Antwort ist berühmt… aber: war Luther die Wiederkunft des Herrn egal? Sicher nicht, er redet und schreibt ja ständig davon. Aber er hatte keine Angst, keine Sorge davor. Er war ja mit Christus in ständiger Verbindung! Die Leute, von denen Jesus sagt, „sie heirateten und ließen sich heiraten, sie kriegten Kinder, sie handelten und trieben ihre Beschäftigungen“ – äußerlich unterscheidet sie vielleicht nichts von Luther, aber im Herzen ist alles anders: denn sie rechneten nicht damit, daß Gott in ihr Leben eingreifen könnte und würde. Und Gott ist über sie gekommen wie ein Blitz in der Nacht, wie eine Naturkatastrophe, und hat ihnen alles genommen, was ihr Leben war. Luther hätte dazu sagen können, „laß fahren dahin, sie haben’s kein Gewinn: das Reich muß uns doch bleiben!“
Seien wir also bereit für den Tag, wenn der Herr kommt. Leben wir unsere Verantwortung für den Fall, daß er morgen noch nicht kommt – und seien wir bereit, falls er doch diese Nacht schon kommt. Warten wir nicht mit dem, was getan werden muß. Versäumen wir nicht länger, unseren Lieben zu sagen, daß wir sie lieben. Gutes zu tun dem, der es braucht. Säumen wir nicht länger, uns Zeit zu nehmen für Gott, in Gottesdienst, täglicher Bibellese und beständigem Gebet. Wir wissen nicht, wann er kommt – aber seien wir bereit, bereiten wir uns vor. Ab jetzt!

05
Nov
09

Das liebe Geld (2)…

Der Kollege Theomix schreibt über die Kirchensteuer in Deutschland, „Ärgernis“ für viele, sicherlich recht bequemes Polster für die Finanzbeamten der Kirchen…
In Frankreich ticken die Uhren anders. Und, wie könnte es anders sein in einem Land, das nach Möglichkeit alles vereinheitlicht, es gibt zwei Systeme.

Fangen wir an mit dem älteren, es ist ein Minderheitenmodell und gilt in den ehemaligen „Reichslanden Elsaß-Lothringen“, heute die drei Departements Moselle (57), Bas-Rhin (67) und Haut-Rhin (68). Als nämlich die heute gültige allgemeine Regelung der Religionsfragen Gesetz wurde, gehörten diese Gebiete nicht zu Frankreich, und haben später vehement die Umsetzung der neuen Ordnung abgelehnt: „wenn ihr das macht, gehen wir zurück nach Deutschland.“
Hier gilt also Staatskirchenrecht aus napoleonischer Zeit: die anerkannten Kulte (kath., ev.-luth., ev.-ref., mosaisch) werden vom Staat finanziert. Der Grund liegt in der von Theomix erwähnten Enteignung der Kirchengüter, die allerdings in Frankreich außerhalb des Elsaß eigentlich nie der evangelischen Seite gehörten; dazu kommt ein damals neuer Gedanke der Gleichbehandlung verschiedener Religionen.
Die Kirchen, auch die meisten Pfarrhäuser, gehören in der Regel der Kommunalgemeinde und werden dem Kult zur Verfügung gestellt; für die Instandhaltung des Innenraums sind die Kultgemeinden verantwortlich, für Außenrenovierungen müssen sie mehr oder weniger den Bürgermeister beknien. Die Pfarrgehälter kommen vom Staat, aus der Kasse des Innenministeriums. (Das ist nicht ohne, je nach Innenminister… dazu aber hier nicht mehr.)

Im Jahr 1905 wurde dagegen im damaligen Frankreich ein Gesetz rechtskräftig, das den Status der Kirchen und Religionsgemeinschaften grundlegend reformierte – nein, von Grund auf neu regelte.
Kirchen sind ab jetzt „Religionsvereine“. Sie sollen sich auf örtlicher Basis konstituieren; die Nationalkirche ist eine Union der Ortskirchen.
Man spürt den Einfluß der Evangelisch-Reformierten auf diese Konzeption; sie kommt der presbyterial-synodalen Struktur sichtbar entgegen. Die römisch-katholische Kirche hat sich dieser Vorschrift nie gebeugt… und darum auch von den Vorteilen des „Gesetzes von 1905“ nicht profitieren können.
Kirchgebäude von vor 1905, die der staatlichen Kasse obliegen, wiewohl oft durch kirchliche Mittel errichtet, sollen den Gemeinden zugeteilt werden („bien attribué“), ebenso wie dazugehörige Pfarrhäuser etc.
Werden sie über lange Zeit nicht kultisch genutzt, können sie entwidmet werden. Die öffentliche Hand hat gewisse Pflegeaufgaben.
Mittlerweile übereignen auch Gemeinden, die Eigentümer ihrer Kirchgebäude sind, diese der Kommunalgemeinde unter der Bedingung, sie weiterhin nutzen zu können. Seltsames Konstrukt – was hat die Stadtverwaltung davon?
Nun zu den Geldquellen:
Unsere Kirche, wie alle anderen in Frankreich außer Elsaß-Moselle, lebt von Spenden und Kollekten. Die Gemeinde hier vor Ort hat ungefähr 40 zahlende Mitglieder, genauer: Mitglieder-Haushalte. (Zu meiner Pfarrstelle gehören zwei Gemeinden von etwa gleicher Größe. Ich beziehe mich hier nur auf eine von beiden.)
Dazu kommen Einkünfte aus besonderen Veranstaltungen, wie etwa Basaren, Überschüsse vom Gemeindeessen etc. Es gibt Gemeinden, die Immobilien besitzen – na ja, formell nicht, denn formell untersagt das Gesetz den Kultvereinen, Immobilien zu besitzen, die nicht der Ausübung der Religion dienen, und verbietet ihnen auch die Einnahme von Mieten. Und seit der unsäglichen Sekten-Diskussion wird auch ziemlich streng überwacht, daß da nix quer läuft… aber: man kann ja einen Verein gründen, der nicht als Kultverein gilt. Der darf dann die Gebäude besitzen, darf Mieten einnehmen – und darf dem Kultverein was spenden.

Unsere Gemeinde hier vor Ort mit rund 160 bekannten evangelischen Haushalten hat ein jährliches Budget von rund 35’000 Euro. Einen großen Batzen an den Ausgaben macht die „contribution régionale“ aus, der Beitrag zu den Finanzen der Regionalkirche: hier etwa 21’000 Euro. In manchen Kirchengemeinden geht der Anteil dieser Contribution bis über 70% des Gemeindehaushaltes… und er wird auch noch jedes Jahr nach Beschluß der Regionalsynode erhöht.
Der Rest wird aufgewendet für die Unterhaltung der kirchlichen Gebäude (hier v.a. Gemeindehaus und Pfarrhaus), Energie und Wasser (Pfarrwohnung, Gemeindehaus, Gottesdienstraum), ggfs. Renovierungen und die laufenden Ausgaben, die so anfallen. Nicht zuletzt Fahrtkosten des Pastors, der hat ein von der Regionalkirche gestelltes Dienstfahrzeug, wofür (hier in EST, in andren Regionen läuft es teilweise anders) 30 cts je Kilometer zu zahlen sind. Die muß ich auch berappen, wenn ich das Auto privat verwende. Nix mit Dienstwagen-Vorteil…
Schwierig wird es immer gegen Jahresende, wenn sich herausstellt, daß noch viel zu bezahlen ist, aber wenig Geld in der Kasse. Manche Gemeinden schaffen es seit Jahren nicht, ihre contribution régionale zu erfüllen…

Weiterlesen ‚Das liebe Geld (2)…‘

05
Nov
09

Kaum sind die Kinder weg…

… guckt der Kater wieder mitten in der Nacht Fernsehen. *grummel*

Kurzbericht: Schneegestöber und Nebel am Schluchtenpaß. Sichtweite rund 10 Meter. Ob drei Menschen und eine nasse Hose im Auto so viel Dampf produzieren, daß die Lüftung die Scheibe nicht freihalten kann? Das hatte ich ja noch nie, selbst mit Hund im Auto…




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