… gibts bei Evangelens ja nicht. Schon gar nicht bei Zwingliocalvinistens. Aber – man hätte das nicht gedacht, wenn man den hageren Calvin so ansieht – Gemeindefeiern gibts. Und wenn hier gefeiert wird, dann richtig.
Gut, ich hab drum kämpfen müssen, daß der Gottesdienst die erste Veranstaltung des Tages war. Auch das Tischgebet hab ich etwas „aufgedrängt“ – aber das kam, nach den Reaktionen, die ich gehört habe, gut an! Und noch bin ich nicht am Ende mit meinen Forderungen: ich bleibe dabei, vor Ende des Gottesdienstes hat kein Verkauf stattzufinden!
Aber diesmal wenigstens hatte ich die Zeit, in Ruhe von hier nach dort zu kommen, eine Runde zu drehen und alle fleißigen Leute zu begrüßen, bevor dann der Herr Bürgermeister eintraf und die Honneurs gemacht werden mußten. (An dieser Stelle hat auch der etwas kryptische Voreintrag seine Erklärung…) Fürs nächste Jahr hat uns die Verwaltung nämlich die Stadthalle „F. Mitterand“ nicht reserviert, obwohl das seit Jahren immer so gewesen ist und man uns das versprochen hatte, „wenn ihr das nicht absagt, bleibt es so.“ Und deshalb hat der Herr Vorsitzende verfügt, dem Bürgermeister seien die Honneurs zu machen.
Ich meine zwar ganz leise, wenn man uns nun sagt, „das müssen Sie eben Anfang Oktober fürs Folgejahr reservieren“, dann kann man sich dran halten und im September schon hingehen, wir sind ja auch nicht der Nabel der Welt, und anstelle des Bürgermeisters, der eh nur zum Wochenende hier ist (in der Woche hat er eine Anwaltskanzlei in Paris) sollte man sich besser mit seinen heimischen Beigeordneten gut stellen, was aber kein Problem ist. Aber Herr Präsident hat verfügt. Und Herr Bürgermeister ist ja immer sehr freundlich, könnte glatt aus dem Rheinland sein, so lächelnd und offene Arme und überhaupt.
Bei Tisch dann, der Tisch des Herrn Pfarrer ist ja Ehrentisch, mit dem Vorsitzenden des jüdischen Konsistoriums und seiner Gemahlin, die ihres Zeichens auch noch städtische Beigeordnete ist, und meinem hochgeschätzten jungen Kollegen 😉 aus Lunéville – wir haben herzlich gelacht und uns sehr angeregt unterhalten. Dr. W. war überrascht, daß seine Frau und ich über koschere Küche fachsimpeln konnten, wo er als geborener Jude nur mäßig auf dem Laufenden war… und wir zwei Pfarrer haben gemeinsam erklärt, die jüdische Sitte hätte doch ihren Sinn, wonach die Frauen im Gottesdienst hinten sitzen oder auf der Empore. Es ist schließlich nicht immer einfach, sich auf seinen liturgischen Dienst zu konzentrieren, wenn man drei Meter vor seiner Nase nackte Knie oder nackte andere Rundungen weiblicher Wesen sehen muß… es soll auch Kirchen geben, wo der Kirchendiener schon am Eingang auf die Rocklänge hinweist und gegebenenfalls Schultertücher ausgibt, um zu ausfällige (nein, kein Tippfehler) Décolletés zu verdecken. „Laßt alles anständig und ehrbar zugehen“, schrieb doch der Apostel…
Die von unserer Ältesten (95) bemalte Truhe haben wir nicht gewonnen. Auch nicht die von meiner Lieblingsikonographin gemalte Tafel und die lochgestickte Tischdecke erst recht nicht.
An der Tombola der wenig nützlichen Gegenstände haben wir nicht teilgenommen – aber es gab noch eine Verlosung, auf die Nummer der Eintrittskarte.
„Zuerst ziehen wir die Einerstelle, dann die Zehnerstelle, dann die Hunderterstelle.“ GEzogen wurde eine 7. Ich hatte 28, also war meine Karte nicht mehr im Spiel. Aber die Pfarrfrau hatte die 27…
„Nun die Hunderterstelle: wir ziehen so lange, bis die 0 oder die 1 fällt.“ Nach mehreren Versuchen kam die 1. „Wer hat das Ticket n° 127?“ Der Kirchmeister erhob sich. „Wir haben nur 116 Karten ausgegeben!“ Damit war klar, gewonnen hatte die 27.
Und ein Traum der Pfarrfrau hat sich erfüllt; allerdings sind die Folgekosten, fürchte ich, ziemlich hoch. Die Kapseln für diese Kaffeemaschine kosten sicherlich viel Geld.
Ab etwa 16 Uhr wurde abgebaut; noch einmal haben sich alle Hände gerührt, und heute kommen die nicht verkauften Objekte in die Schränke zurück. Übrigens, ich bin immer noch dafür, nächstes Jahr zehn Adventskränze mehr zu machen; die werden wir auch los!


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