Die Haselmaus hatte mich gefragt, wie denn das aussieht in Frankreich mit dem Christkind und dem Weihnachtsmann.
Als Urvater habe ich den Nikolaus noch hinzugenommen; ohne Nikolaus kommen wir nicht zum Weihnachtsmann…
Eine alte Tradition will, daß der Nikolaus, Schutzpatron der Kinder, der Seeleute und weißichvonwemnoch, an seinem Feiertag, dem 6. Dezember, den Kindern Geschenke bringt. Das kann sich regional verschieden ausformen, so gibt es Gegenden, wo die Nacht vom 5. auf den 6. Dezember DIE Nacht ist, in anderen kommt der Nikolaus am Abend des Nikolaustages. Eher neueren Datums dürfte die Sitte sein, die Schuhe vor den Kamin zu stellen bzw. die Socken an den Kamin zu hängen; in den Hütten des Mittelalters fehlte dazu meist die Möglichkeit…
Der Weggenosse des Nikolaus, Knecht Ruprecht oder wie er immer heißen mag, hat wahrscheinlich nur eine Aufgabe: den Nikolaus als den Guten dastehen zu lassen, während die Schelte nicht vom guten Niklas kommt, sondern vom Schwarzen Mann.
Die deutschen Reformatoren, so heißt es, wollten Nikolaus das Wasser abgraben und erfanden das Christkind, Flügelmädchen, Engel oder wie auch immer… aber Nikolaus blieb davon relativ ungerührt. Die Geschenke wurden vielleicht kleiner, aber trotzdem kam Nikolaus jedes Jahr…
In Amerika verlor er, der mit niederländischen Aussiedlern über den Teich gekommen war, dann seine bischöflichen Attribute: Mithra und Hirtenstab. Statt dessen bekam er eine Schlafmütze.
Der rote Mantel allerdings war ursprünglich schon Nikolaus eigen, rot ist Farbe der Bischöfe.
Der Schlafmützenmann, Santa Claus oder nur Santa, kam mit Coca Cola zurück nach Europa und heißt hier Weihnachtsmann oder Père Noël. Mittlerweile nimmt er in der Ikonographie dem Nikolaus die Show; selbst zum Nikolaustag sieht man kaum noch Bischöfe, sondern nur noch Schlafmützige.
Soviel zur Geschichte…
die Nikolaus-Sitte scheint im Westfränkischen, sprich Frankreich, kaum bekannt zu sein. Die meisten Kinder kennen St. Nicolas genausowenig wie St. Martin. Lediglich in den Grenzgebieten nach Belgien und Deutschland wird Nikolaus begangen.
Auch das Christkind ist in Frankreich unbekannt – vom Elsaß einmal abgesehen, das ja ohnehin seine eigenen Traditionen pflegt. So gibt es auch keine Übersetzung für das Wort „Christkind“! (Das verwundert allerdings wenig; haben sich doch die Franzosen gegen die Ideen der Reformation jahrhundertelang zur Wehr gesetzt, und wo die Reformation trotzdem Fuß faßte, war es meist nicht in deutscher Tradition, sondern im etwas kargen Geist Calvins.)
Dafür ist „Père Noël“ in aller Munde, aller Kopf und – äh, ja, in allen Regalen. Den französischen Kindern bringt er die Geschenke – übrigens vom Himmel und nicht aus Groenland!- , und sie widmen ihm dafür viele affektive Lieder. Der Rentierschlitten hat hier wohl keine Zulassung bekommen; Lindt produziert seit ein paar Jahren Gold-Rentiere, die aber relativ wenig Anklang finden. Dafür gibts schokoladig allerlei Arten von Viehzeug zu kaufen, was man in Deutschland nie und nimmer mit Weihnachten verbinden würde!
Und natürlich kommt eines Tages die Frage, ob man noch an den Weihnachtsmann glaubt; da die Kinder ab drei Jahren zur Schule gehen, werden sie auch recht bald mit dem himmelslosen Lehrplan der Republik vertraut gemacht, aber die Frage des Weihnachtsmanns regelt sich eher unter den Kindern.
Auch der Osterhase ist übrigens in Frankreich ursprünglich nicht bekannt, er kam übers Elsaß nach Frankreich gehoppelt. Und auch zu Ostern gibts Schildkröten, (echte) Hasen, Enten, Drosseln, Meisen und sonstiges Gekreuch und Gefleuch aus Schokolade, aber der Eierhase ist wenig vertreten.
Nicht verschwiegen werden soll, daß es auch Leute gibt, die den dicken Fellmützenmann nicht leiden können: alljährlich zeigt das Fernsehen den Film „Le Père Noël est une ordure“ (Der Weihnachtsmann ist ein Dreckstück). 😀
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