Nachdem zur Jagdsaison im Herbst des Vorjahres die beliebte ehemalige Dorfschullehrerin Jane Neal durch einen tödlichen Pfeil eines Bogeschützens getötet wurde (Das Dorf in den roten Wäldern. Der 1.Fall für Gamache), wird Chief Inspector Armand Gamache von der Sûreté du Québec kurz vor Weihnachten ein zweites Mal in das kleine, von Wäldern umgebene Dorf Three Pines gerufen. Während des jährlichen Curling-Wettbewerbs auf einem See in der Nähe stirbt eine Zuschauerin durch einen Stromschlag. An dem Ort ein ungewöhnlicher Todesfall, wie Armand Gamache schnell feststellt.
Die Tote war erst vor Kurzem mit Mann und Tochter nach Three Pines gezogen. Sowohl ihr Name – C C de Poitiers – als auch ihr Verhalten gegenüber ihrer Familie und besonders auch zu den Bewohnern des kleinen Dorfes, die in harmonischer Weise dort leben, war ungewöhnlich. C C hatte gerade ein Buch herausgegeben, „eine fade Mischung aus albernen Selbsthilferezepten, verpackt in unausgegorene buddhistische und hinduistische Lehren, abgesondert von einer Frau, die auf dem Umschlagfoto so aussah, als würde sie ihre eigenen Jungen auffressen“. Niemand trauerte um sie. Für Three Pines war ihr Tod kein Verlust. Darin waren sich alle Dorfbewohner einig, zumal C C nach einem Weihnachtgottesdienst ihre Tochter vor aller Augen und Ohren auf das Übelste beschimpft hatte. Zudem hatte sich die Einheimischen und die vor langer Zeit Zugezogenen gefragt, weshalb die selbsternannte Heilsbringerin mit ihrer Familie in dieses Dorf gezogen war, zu dem sie offenbar keine Beziehung hatte .
Gamache und sein Team stellen fest, dass es gar nicht so einfach ist auf einer Eisfläche durch einen Stromschlag zu sterben und ermitteln, was für „Zufälle“ für das Gelingen einer solchen Tat zusammen kommen mußten. Auch interessiert den Chief Inspector die Vergangenheit der selbsternannten Diva. Dabei kommt er zu dem Ursprung ihres Namens, eine kuriose Geschichte.
Etwa zur gleichen Zeit, wenige Tage vor dem Tod auf dem Eis, war in Montreal eine Obdachlose ums Leben gekommen, genau an dem Tag, an dem auch C C in Montreal unterwegs war. Auch dieser Tod erweist sich als unnatürlich und Gamache ahnt, dass es einen Zusammenhang mit dem von C C gibt. So versucht Gamache auch in dem Fall in der Vergangenheit der tote Obdachlosen. Was zunächst als absurder Gedankengang des Chief Inspectors erscheint, erweist sich schließlich als genialer Einfall und so findet sich Stück für Stück zusammen, was zusammen gehört und eine schlüssige Geschichte von C C und deren Familie ergibt und somit auch zur Aufklärung der Todesfälle führt.
Louise Penny lässt mit der Klärung der Verbrechen wieder Frieden und Harmonie in Three Pines einkehren, nachdem sie auf elegante Weise ihre Leserinnen und Leser mit kleinen Indizien und scheinbar unspektakulären Handlungen im Umfeld der Morde dazu verführt hat, C C zu hassen und den inneren Kreis der Bewohner von Three Pines zu lieben – und selbstverständlich auch den mit viel Empathie ausgestatteten Chief Inspector und sogar Ruth Zardo, die Chefin der Freiwilligen Feuerwehr und Lyrikerin, Literaturpreisträgerin mit ihrem Buch betitelt Mir geht’s GUT, dieses biestige teils bösartige alte Weib, das sich dennoch als wertvolle Mitbewohnerin von Three Pines erweist, kann man auf gewisse Weise liebhaben.
Ein Buch zum Genießen, zuerst die Disharmonie und Spannung, dann schließlich die zurückkehrende Harmonie in Three Pines, das ein Bild der heilen Welt zeigt – bis zum nächsten Mord im Dorf oder mit Verbindung zu einem der Dorfbewohner.
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LOUISE PENNY: TIEF EINGESCHNEIT. Der 2 Fall für Gamache, Übersetzt von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck. Kampa Verlag (2019). Originaltitel: Dead Cold (2006)
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Die Besprechungen der Fälle für Gamache Nr. 1, 4-20 können über die Seite Rezensionen Autoren M-Z dieses Blogs abgerufen werden















