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„Was ist begonnen, und was ist verflossen?
Was ist verschuldet? Und was ist vierzehn?“

Leute, ich habe extrem gute Laune. Gestern war ein großartiger Tag und unsere kleine Community hat einen riesigen Erfolg eingefahren.

Zur Feier des Tages und aus Dankbarkeit für ihre journalistische Arbeit, musste ich dem Neuen Deutschland (klingt Nazi, is aber nich) heute eine kleine Spende rüberschicken.

Cheerio!

Folgen

Wie jede Nacht suche ich mir einen Podcast aus (kein Crime).

Ich beginne mit Folge 1 und statt zuzuhören, denke ich beim Einschlafen darüber nach, dass eine Folge etwas ist, was auf etwas anderes folgt und folglich eine Folge 1 nicht existieren kann, weil mit ihr alles beginnt und sie auf nichts folgt außer auf die Abwesenheit einer vorausgehenden „Folge“.

Mit dieser tiefgreifenden Erkenntnis gleite ich in den Schlaf.

Litho irgendwas

Back to Geschwätzigkeit.


Nicht an den Tisch zurückgestellte Stühle verbreiten eine Atmosphäre von Flucht

und erinnern mich an die Geisterstadt Bodie in der Wüste Kalifornens, wo das Schrauberschwein ein einsturzgefährdetes Haus betrat und umgehend (stante pede hätte unsere Mutter gesagt) und aus dem Nichts Sirenen aufheulten und zwei bewaffnete Polizisten, die mit ihrem Streifenwagen hinter einer großen Werbetafel gelauert haben mussten, vorfuhren, das Schrauberschwein zur Rede stellten und angelegentlich mit den Handschellen klimperten. Ich stand ein Stück abseits im Schatten, verfolgte die Szene und dachte an den Hund auf dem Pickup zu Beginn unserer Reise, an seine wehenden Ohren und das flauschige rote Fell im Fahrtwind.

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Was mich unruhig macht, ist der immer höher werdende, verrutschte Papierstapel neben meinem Laptop.


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Abweichung von Symmetrie ist, sofern nicht lässig liederlich achtlos.

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Weichzeichner sind Freund und Feind zugleich.

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Eigentlich kann man eigentlich streichen.
Eigentlich warte ich nur noch darauf, dass die beiden alten Hunde sterben. Bis dahin versorge ich sie mit den mir innewohnenden Schuldgefühlen. Meine (derzeitige) Aufgeräumtheit beschämt mich und ich frage mich, ob mit zunehmendem Alter die Fähigkeit zu lieben ab- oder einfach die Schicksalsergebenheit zunimmt.

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Durchlebte Trauer verweilt im Körper wie ein Lithopädion.

Peeling Tom

Die heißen Spinat-Ricotta-Ravioli steigen mir zu Kopf, draußen ist es klirrend kalt und Woki will raus.

(Vater, Vater, wo kommt das helle Blau her)

Im Internet fragt jemand wer Lady Good Diver sei, ich denke an das Sternchen- Geschlecht (divers) und dann an Peeling Tom, blinded by the sight, und muss lachen.

Es geht bergauf.

Wir stolpern den Ereignissen hinterher, reagieren, empören uns, bilden Gesinnungsgemeinschaften, die sich zunehmend inzestuös anfühlen und schließlich ermüden wir an unserem vergeblichen „Widerstand“.

Selbsternannte Antifaschistinnen möchten spotify nicht verlassen. Wegen der Jahresübersicht und weil die anderen auch alle Schweine sind.
Mit ein wenig Ehrgeiz könnte ich das sicher schöner und treffender formulieren, aber wozu sollte ich.

Im Dezember jährt sich der Todestag des Kanzlers zum zweiten Mal. Es geht mir deutlich besser, vieleicht auch wegen der geteilten Trauer nach dem Tod von Leandros Mutter.
Doch immer wenn diie Glocken auf dem Platz läuten, denke ich an ihn und meine Lippen formen die Worte „Ach, Papa“.


Marianne

Manchmal, immer seltener, unterliege ich wieder den Impuls zu schreiben, und mich darzustellen vor den fremden Menschen im Internet.

(Die Verstorbenen, die bis zum Schluss ihre Follower auf dem Laufenden hielten und schließlich abtraten. Wie lange dauerte es, bis sich die Decke des Vergessens über sie gelegt hatte).

Meine Physiotherapeutin aus Frankfurt fällt mir ein. Ich googele sie und finde eine Todeanzeige. Ihr Sohn als einziger Hinterbliebener trauert dort mit Vor- und Nachnamen plus Doktortitel um sie, und ich weiß nicht weshalb mich das so befremdet und gleichzeitig anrührt.

Wir werden immer zusammenbleiben, steht dort. Ob das stimmt?

Als die fränkische Kahlo schwanger wurde, klebte ihr heroinsüchtiger Partner einen Zettel in den Garderobenspiegel. We are family, stand darauf. Genug, um Frida fürs Erste bei der Stange zu halten.
Die Schwangerschaft verbrachte sie ab Woche 20 dann aber doch allein, derweil der angehende Kindsvater seine Sucht mit Taxifahren finanzierte.

Auf nicht mehr nachvollziehbaren Umwegen vermittelte ich dem Junkie eine kleine Souterrain-Wohnung, die er als Atelier nutzte, um dort sein Liebligsmotiv- die Verbindung zwischen Mensch und Zitrone- in verschiedensten Ausführungen, auf die Leinwand zu bringen: Zitronen aus deren prallen gelben Leibern Schläuche direkt in Armvenen führten.


Während ihrer Schwangerschaft hatte Frida sich mit ausnahmslos allen Freundinnen und Freunden überworfen und als im Spätsommer das Kind zur Welt kam, war die Kahlo ganz allein.

Jetzt sind wir beide elternlos und zum ersten Mal sehe ich ein Bild von dir in deinen 20ern.
Wie lieb und wie verletzlich du aussahst und wie gut, dass wir uns erst trafen, als die Sonne tausende Male über uns aufgegangen war.

Morgen wird deine Mutter beigesetzt. Es tut mir sehr Leid, mein Herz.