Land: USA 2025 Laufzeit: 100 min. Regie: RJ Collins Mit: Mel Gibson, Shelley Hennig, Sofia Hublitz, Jordi Mollà, James DuMontLabel: LeonineFSK: 18 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Bowdrie (Mel Gibson) ist ein Mann, der sich in der Natur der Wälder Oklahomas wohler fühlt als unter Menschen. An seiner Seite wächst seine Tochter Tag auf, der er alles beibringt, um sich in der Natur behaupten zu können und den Menschen aus dem Weg zu gehen. Dieser Vater-Tochter-Aspekt ist der Teil von „Hunting Season“, der am besten funktioniert, nicht zuletzt dank Gibsons Darstellung, der dem Streifen nicht nur hier, aber hier ganz besonders mehr gibt, als sich Regisseur Raja „RJ“ Collins erhoffen durfte.
Wieso macht Claudio Fäh eigentlich Filme? Kürzlich haben wir seinen Passagier-Jet-unter-Wasser-Thriller „No Way Up“ (2024) besprochen, der dieser Tage auch im ZDF zu sehen war, was vor allem beweist, wie tief die Filmredaktion des Senders mittlerweile gesunken ist. Sieht man einmal vom derzeit obligatorischen Hai in der Kabine ab, hat Fähs Film nichts zu bieten, was „Airport ’77“ (1977) nicht bereits spektakulärer, besser besetzt und spannender abgehandelt hätte.
Reden wir über den Regisseur Derek Cianfrance. Sein Fall könnte als idealtypische Warnung an alle Hoffnungsfrohen da draußen durchgehen, lieber doch nicht Filmregisseur werden zu wollen. Sein Debüt, „Brother Tied“, kam 1998 in die Kinos, war eine sympathische Dramedy zwischen Brüderlein und Schwesterlein und wurde von kaum jemanden weiter bemerkt. Das war bei seinem zweiten, „Blue Valentine“ schon anders. Der romantische Liebesfilm mit steten Anleihen bei der Wirklichkeit hätte auch in einem stärkeren Filmjahr als Entdeckung gegolten. Das Problem: wir sind jetzt im Jahr 2010, zwischen dem ersten und zweiten Film liegen 12 Mal Weihnachten. Immerhin sollte es bis zu „The Place Beyond the Pines“ nur drei Jahre dauern und diese besondere Cops & Robbers-Version mit Ryan Gosling und Bradley Cooper als Antagonisten zählt zu den besten US-Filmen des Jahres 2013.
Land: USA 2025 Laufzeit: 150 min. Regie: Ari Aster Mit: Joaquin Phoenix, Pedro Pascal, Luke Grimes, Deirdre O’Connel, Michael Ward, Emma StoneLabel: LeonineFSK: 16 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Als der 1986 geborene Regisseur Ari Aster 2018 mit „Hereditary“ sein Spielfilmdebüt hinlegte und 2019 „Midsommar“ folgen ließ, galt er rasch als Versprechen weit über die Grenzen des Horror-Genres hinaus, dem diese beiden Filme wohl zuzurechnen sind. Dann folgte lange nichts und dann „Beau is Afraid“ (2023), der zwar kein Horror-Film ist, angesichts dessen aber einem dennoch Angst und Bange werden konnte – um Ari Aster. Denn „Beau“ war mit drei Stunden Laufzeit nicht nur mindestens eine zu lang, er glich in seiner hemmungslosen Idiosynkrasie auch mehr Asters producer only Projekten: „Dream Scenario“ (2023 mit Nicolas Cage, „Tanz der Titanen“ (2024 von Guy Maddin oder „Bugonia“ (2025 von Yorgos Lanthimos). Einzelne Szenen und Sequenzen sind großartig, der Film als Ganzes blieb aber hinter der Summe seiner Einzelteile weit zurück.
Sie kennen den Spruch: Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Der Krug ist in diesem Falle die tollkühne Idee, eine Truppe genialer Magier in den Dienst der guten Sache gegen eine böse, böse Organisation zu stellen, die gigantische Zauber-Live-Shows vorführen, während man als Zuschauer (des Films) nie ganz sicher sein kann, tun sie das für die Zuschauer (im Film) oder ist die Show Teil eines faszinierenden Plans, die Bösen hinters Licht beziehungsweise hinter schwedische Gardinen zu führen. Der Krug ist die Kinokasse und die darin schlummernden Scheinchen. Fertig ist das Konzept von „Die Unfassbaren“, garniert mit einem Aufmarsch unheimlich gut aufgelegter jüngerer und älterer Stars: Jesse Eisenberg, Mark Ruffalo, Woody Harrelson, Morgan Freeman, Michael Caine. Um ein paar zu nennen.
In den 1950er Jahren produzierte Hollywood eine Reihe von Science-Fiction-Filmen, die alle mindestens interessant sind, einige zu Klassikern wurden („Der Tag, an dem die Erde stillstand“, 1951, von Robert Wise, „Krieg der Welten“, 1953, von Byron Haskin) und mindestens zwei zu Meisterwerken nicht nur ihres Genres und ihrer Zeit: Don Siegels „Die Dämonischen“ (1956, „Invasion of the Body Snatchers“) und Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957, The Incredible Shrinking Man“). Sie bewiesen auch endgültig, dass Filme nicht teuer und starbesetzt sein mussten, um intelligente politische Allegorien, spannende, nervenzerrende Unterhaltung und philosophische Meditationen über das Menschsein an und für sich zu sein.
Land: USA 2025 Laufzeit: 120 min. Regie: Scott Cooper Mit: Jeremy Allen White, Jeremy Strong, Paul Walter Hauser, Stephen Graham, Odessa Young Label: LeonineFSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Bruce Springsteen ist The Boss, gemeinsam mit seiner E. Street Band längst Legende und auch schon 76 Jahre alt. Das ist das Alter, in dem berühmte Künstler in der Regel mit Auszeichnungen fürs Lebenswerk überschüttet werden, wieso also nicht, hat man sich in Hollywood gedacht, auch mit einem Spielfilm über diese ganz besondere Ikone der US-Rockmusik. Herausgekommen ist „Springsteen – Deliver Me From Nowhere“ (2025), angelehnt an dem gleichnamigen Bericht von Warren Zanes, geschrieben und inszeniert von Scott Copper, der bereits seinen Durchbruch im Jahr 2009 mit dem Musik- und Musikerfilm „Crazy Heart“ feiern konnte, der allerdings Country- und Jeff-Bridges-lastig ist.
Gabriel ist ein Schutzengel. Aber einer zweiter Klasse. Man merkt es an seinen Flügelchen, die an einem ausgewachsenen Mann ein bisschen peinlich wirken. Man merkt es gleich danach an seiner Aufgabe. Er muss Menschen, die sich im Auto mehr auf ihre mobilen Endgeräte konzentrieren als auf den Straßenverkehr, gerade noch rechtzeitig auf das Fehlerhafte ihres Tuns hinweisen. Mit anderen Worten: Engel Gabriel ist zu Beginn von „Good Fortune“ (2025) mit der Gesamtsituation unzufrieden.
Land: D 2025 Laufzeit: 102 min. Regie: Mia Maariel Meyer Mit: Luna Wedler, Laura Tonke, Jannis Niewöhner, Zoe Führmann, Zoe BaierLabel: LeonineFSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Melodramen können große Kunst sein (bei Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder) oder großer Kitsch (bei fast allen anderen). „22 Bahnen“ (2025) von Mia Maariel Meyer ist irgendetwas dazwischen. Vor allem und zuallererst ist er aber die Verfilmung des 2023 erschienenen gleichnamigen Erfolgsromans von Caroline Wahl, einem der wohl verkaufsstärksten Debüts der deutschen Literaturgeschichte. Bis 2025 ging das Buch ca. eine Millionen Mal über die Ladentheke. Der Vorteil: Viele, viele potenziellen Kinogänger, die schauen wollen, ob die Heldinnen zwischen den Buchdeckeln auch beim Licht der Projektoren betrachtet so aussehen, wie sie sie sich beim Lesen vorgestellt haben. Der Nachteil: Die potenziellen Kinogänger haben ganz genaue Vorstellungen davon, wie die Protagonistinnen wirken, sprechen und sich bewegen sollen.
Ohne ganz sicher zu sein, ob das ein Lob ist: „22 Bahnen“, der Film, liefert, was sich die Leserinnen und Leser von „22 Bahnen“, dem Buch, versprochen haben. Drehbuchautorin Elena Hell (bisher hauptsächlich als Autorin der Serie „Sisi“ aufgefallen) hat sich, so weit im zeitlich begrenzten Rahmen einer filmischen Umsetzung möglich, sehr eng, um nicht zu sagen sklavisch an die Handlung gehalten, die bereits bei Caroline Wahl so Vielen gefallen hat. Die vorherige Kenntnis des Romans ist weder nötig, noch steht sie dem Filmgenuss im Wege. Womit Regisseurin Meyer zumindest attestiert werden kann, diese erste Hürde erfolgreich genommen zu haben.
Hie wie da steht die Mathematikstudentin Tilda im Mittelpunkt, die sich mindestens so sehr wie um ihr Studium auch um ihre zehnjährige Schwester Ida kümmern muss, weil beider Mutter ernsthaft alkoholkrank ist und sich um gar nichts kümmern kann, am wenigsten um sich selbst. Sobald alles droht, ihr über den Kopf zu wachsen geht Ida ins Schwimmbad und zieht die titelgebenden 22 Bahnen runter; was sie oft tun muss. Ihre familiären Verpflichtungen halten Tilda in ihrem kleinen Kaff fest. Wie bei fast allen von uns, ist auch bei ihr der Alltag das was geschieht, während wir warten, dass endlich das Leben beginnt. Auch das sie auf Viktor trifft, entpuppt sich als zwiespältiges Ereignis, denn Tilda war früher mit dessen Bruder Ivan befreundet. Weil der aber bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, trägt Tilda auch deshalb Schuldgefühle mit sich herum. Nicht nur an dieser Stelle erinnert die Handlung an jene Endlos-Serien, die sich im TV großen Zuspruchs erfreuen.
Auch der große Plot-Point, der alles ins Wanken bringt, ist genretypisch. In „22 Bahnen“ ist es das Angebot ihres Professors, Tilda eine Promotionsstelle zu beschaffen. Dafür müsste sie aber nach Berlin. Sie müsste vor allem ihre Schwester und ihre Mutter alleine lassen. Schlimmer: Sie müsste ihre Schwester mit ihrer Mutter alleine lassen. Spätestens ab dieser Stelle verbietet sich – zumindest mit den Wenigen im Sinn, die das Buch nicht gelesen haben -, die Weitererzählung der Handlung. Aber man bekommt auch bis zu diesem Punkt eine Ahnung davon, wie kitschig sich das Ganze anfühlen könnte. Wieso der Konjunktiv? Weil drei Aspekte in „22 Bahnen“ immer wieder wirkungsvoll verhindern, dass der Kitsch die Oberhand gewinnt. Und die hören auf die Namen Zoe Baier (als Ida), Laura Tonke (als Mutter) und Luna Wedler (als Tilda).
Über Laura Tonke muss man nichts mehr sagen. Sie ist eine der großen deutschen Filmschauspielerinnen (im Kino glänzte sie gerade in Fatih Akins „Amrum“) und dass sie nicht viel bekannter ist, belegt hinreichend, dass es keine Gerechtigkeit gibt. Man kann sich leicht vorstellen, wie albern bis nervig die Rolle der alkoholabhängigen Mutter hätte geraten können. In Laura Tonkes Händen wird sie zu einem Menschen, der nicht anders kann und gerade deshalb und trotz alledem Empathie weckt. Zoe Baier bestätigt hier ihr in jungen Jahren begeisterndes Talent, das sie 2025 bereits im deutschen Oscar-Kandidaten „In die Sonne schauen“ an den Tag gelegt hat. Und der 26-jährigen Luna Wedler gelingt es bereits mit Blicken und Gesten eine Rolle mit Leben zu füllen, die diesem Leben vor allem selbst im Wege steht.
Mia Maariel Meyer musste viel Kritik dafür einstecken (mehr noch als die Autorin der Vorlage), sie habe ihre drei Frauen von jeglicher Einbettung in irgendeine Form von Realität außerhalb ihrer eigenen abgeschottet. Aber ist das nicht das Grundprinzip des Filmmelodrams schlechthin? Wer Realität haben will, geht nicht in „22 Bahnen“. Wer das Buch mochte, wird den Film lieben. Wer den Film liebt, wird das Buch lesen wollen. Wer mit dem Buch schon nichts anfangen konnte, sollte auch den Film meiden.
Kino und Sport – das ist eine lange und fruchtbare Liebesaffäre. Die Dramaturgie des Films und die des Wettkampfs weisen zahlreiche Parallelen auf: Die Vorbereitung, erste Erfolge gefolgt von ersten Misserfolgen, private Probleme und ihre Auflösung, die große Chance, Endkampf und Triumph. Die Filmregie nutzt dabei jeden Trick, um dem bequem sitzenden Zuschauer, die physische Anstrengung des Sportlers nach-fühlbar werden zu lassen. Was wäre Martin Scorseses „Wie ein wilder Stier“ (1980) ohne Michael Chapmans virtuose Kamera, die sich wie losgelöst von Raum und Zeit zwischen den Kämpfern bewegt, mal die Position des einen, mal die des anderen einnimmt, bis der Zuschauer sich mittendrin wähnt im Gewitter der Boxhiebe?
„Young Adult“, also die Irrungen und Wirrungen der Gefühle junger, hübsch anzuschauender Menschen in Romanlänge, wofür früher vier Folgen einer Bravo-Love- Story gereicht hätten, hat vielleicht nicht die Literatur, bestimmt aber ein paar Buchläden gerettet. Allein deshalb ist jede ernst gemeinte Kritik vergeudete Liebesmüh. Das Zeug wird gekauft und wahrscheinlich auch gelesen. Umso mehr, wenn es aus dem Computer der 46-jährigen Colleen Hoover stammt. Seit 2012 bringt sie jährlich ein bis zwei Werke auf den Markt. Inzwischen dürften es knapp dreißig sein und genügend davon Bestseller, dass auch die Filmindustrie auf die Dame aufmerksam wurde.
Land: USA 2024 Laufzeit: 112 min. Regie: David Mackenzie Mit: Willa Fitzgerald, Lily James, Sam WorthingtonLabel: LeonineFSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Alles kann zum Ausgangspunkt für einen Film werden. Hier ist es ein real existierender Vermittlungsdienst, der es schwerhörigen oder tauben Menschen erlaubt, über Schreibcomputer und Dienstleistern, die die Nachrichten vorlesen miteinander zu kommunizieren. Ein Relay- Dienst, der dem Film seinen Originaltitel, „Relay“ verholfen hat. Der, nun ja, deutsche Titel „The Negotiator“ ist in doppelter Weise irreführend. Einmal, weil es eben ums Vermitteln und nicht ums Verhandeln geht. Und dann, weil „The Negotiator“ der Originaltitel des Geisel-Thrillers „Verhandlungssache“ (1998) ist, mit dem dieser „Negotiator“ nichts zu tun hat.
Land: D 2025 Laufzeit: 88 min. Regie: Michael Herbig Mit: Michael Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Jasmin Schwiers, Jessica SchwarzLabel: LeonineFSK: 6 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
„Der Schuh des Manitu“ kam am 19. Juli 2001 in die deutschen Kinos und es war bald allen klar, dass es am Ende nicht nur der erfolgreichste deutsche Film jenes Filmjahrs allein werden würde. Inzwischen ist er mit ca. 11,7 Millionen verkaufter Tickets der zweiterfolgreichste deutsche Film seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Nur „Otto – Der Film“ (1985) wollten noch mehr Deutsche sehen. Selbst wenn es jemanden geben sollte, der „Der Schuh des Manitu“ (noch) nicht kennt, kennt der mindestens zwei, die ihm bis in die Details der Dialoge hinein erklären können, was er verpasst hat. Mastermind Michael „Bully“ Herbig (Hauptdarsteller, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent) avancierte vom Geheimtipp der „Bullyparade“ im TV zum neuen Superstar der Comedy.
Land: USA 2025 Laufzeit: 104 min. Regie: Francis Lawrence Mit: Cooper Hoffman, David Jonsson, Charlie Plummer, Tut Nyuot, Garrett Wareing, Judy Greer, Mark HamillLabel: LeonineFSK: 16 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
50 männliche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren nehmen an einem langen Marsch einen ländlichen Highway entlang Teil. Das Ziel ist nicht, anzukommen. Das Ziel ist, zu überleben. Sie müssen nicht schnell gehen. Sie dürfen aber nicht langsamer als drei Meilen die Stunde werden. Werden sie es, bekommen sie eine Verwarnung. Bei der dritten Verwarnung werden sie von den Soldaten, die die jungen Männer halb begleiten, halb bewachen, am Straßenrand erschossen. Wer vom Weg abweicht, wird gleich erschossen. Der Weg ist das Ziel. Beendet ist der Todesmarsch, wenn nur noch einer übrig ist. Der ist ein gemachter Mann.
Land: USA 2024 Laufzeit: 95 min. Regie: Richard Gray Mit: Pierce Brosnan, Samuel L. Jackson, Brandon Lessard, Veronica Ferres, Gianni Capaldi, Q’orianka KilcherLabel: LeonineFSK: 16 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
„The Unholy Trinity“ will kein Klassiker oder Meisterwerk seines Genres (Western!) sein. Was der Streifen von Richard Gray (Regie) und Lee Zachariah (Drehbuch) aber mit Sicherheit will, ist, sein geneigtes Publikum 90 Minuten lang genregerecht gut zu unterhalten. Ein Ziel, dass der Film effektvoller erreicht als so mache, die zu sehr darauf bedacht waren, Meisterwerke und Klassiker zu werden. Geübte Zuschauer wissen, wie dankbar man für solche Werke sein muss, die ihre Ambitionen im Griff haben.
Land: Australien/USA/Can 2025 Laufzeit: 98 min. Regie: Sean Byrne Mit: Hassie Harrison, Jai Courtney, Josh Heuston, Ella Newton. James MunnLabel: LeonineFSK: 16 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Zwei Menschen auf einem zu kleinen Boot, umgeben von sehr großen Haien inmitten einsamer Gewässer? Man kann den kollektiven Seufzer beinahe beim Lesen hören: Nicht noch ein weiterer „Weißer Hai“-Verschnitt. Nur: „Dangerous Animals“ (2025) ist kein weiterer „Weißer Hai“-Verschnitt, so wie der Titel nicht primär die Fische meint. Wenn man schon nach Vorbildern sucht, wird man eher bei Phillip Noyce „Todesstille“ (1989, „Dead Calm“) fündig: Junge Frau auf einem zu keinen Boot im Kampf gegen einen psychopathischen Serienmörder und um ihr Leben. Vielleicht doch kein Zufall, dass es sich bei beiden Filmen um australische Produktionen handelt.
Land: D 2025 Laufzeit: 89 min. Regie: Martina Plura Mit: Kya-Celina Barucki, Julia Novohradsky, Nhung Hong, Jamie Lee Williams, Zoë Pastelle HolthuizenLabel: LeonineFSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
Wir schrieben das Jahr 2001. Regisseur Dennis Gansel brachte nach einem Drehbuch von Maggie Peren und Christian Zübert die Komödie „Mädchen, Mädchen“ in die Kinos, die auch deshalb zu einem nach deutschen Maßstäben Riesenerfolg wurde (über 1,7 Mio. Zuschauer), weil die Jungs darin erleichtert feststellen durften, dass auch die Mädchen hauptsächlich an Sex denken. Und dann waren da noch Charme und Charisma der drei Hauptdarstellerinnen Diana Amft (Inken), Felicitas Wolf (Vicky) und Karoline Herfurth (Lena).
Tja, sowas passiert, wenn man den Klimawandel nicht ernst nimmt. Zack, ist das Magnetfeld der Erde weg und eine massive Sonneneruption zerstört die gesamte irdische Infrastruktur. Das war’s dann auch mit Zivilisation und so. Wir sind zurück im Hobbes’schen Naturzustand, in dem Warlords wie King August (Samuel L. Jackson) das Sagen über die britischen Inseln übernommen haben. Zum Glück für den Ex-Soldaten Jake (Dave Bautista) sammelt der Kunst und bietet ihm eine Superyacht gegen die „Mona Lisa“. Leider befindet die sich nicht mehr im Louvre, wo bekanntlich eine Hebebühne für den Job ausgereicht hätte, sondern in einem schwer zugänglichen Bunker auf dem ehemals französischen Festland, das von Augusts grausamen Kollegen Volkov beherrscht wird. Rebellin Drea (Olga Kurylenko) ist für ein bisschen weibliche Ablenkung zuständig.
Regisseur Simon West ist eine merkwürdige Figur. 1996 tauchte er mit „Con Air“ in der Szene auf, ließ 1999 „Wehrlos – die Tochter des Generals“ folgen und man dachte schon, hey, da scheint ein neuer Handwerker auf dem Regiestuhl am Werk zu sein, der seinem Publikum solide Unterhaltung bieten will, die niemand, er eingeschlossen, ernst nimmt. Seitdem aber, seit einem Vierteljahrhundert also, folgte nichts als Schrott, mit der möglichen Ausnahme des „Mechanic“-Remakes 2011. Zuletzt bewies West mit „Old Guy“ (2024), dass er selbst mit einem Ausnahmemimen wie Doppel-Oscar-Gewinner Christoph Waltz einen schlechten Film machen kann. Nun folgt „Bride Hard“ (2025) und der ist tatsächlich noch unansehlicher geraten.
Land: Australien/USA 2025 Laufzeit: 103 min. Regie: Michael Shanks Mit: Dave Franco, Alison Brie, Damon Herriman, Mia Morrissey, Karl RichmondLabel: LeonineFSK: 16 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos
„Together – Unzertrennlich“ (2025) ist Michael Shanks Spielfilmregiedebüt. Man muss das so herausstellen, denn der Erfolg des Films verdankt sich zu 50% einer sicheren, selbstbewussten, intelligenten und mutigen Regie, die man von einem Debütanten nicht unbedingt erwarten würde. Shanks weiß, dass er seinem Publikum in den nächsten 100 Minuten einiges abverlangen wird und geht die Herausforderung frontal an. Die zweiten 50% gehen auf das Konto von Dave Franco und Alison Brie. Sie sind Tim und Millie, deren Beziehung „Together“ seziert. Ob es während der Dreharbeiten geholfen hat, dass die beiden auch im wirklichen Leben ein Paar sind, ist schwer zu sagen. Es hat ihnen mit Sicherheit geholfen, einige der fraglos nicht einfachen Momente hinter sich zu bringen.
An dieser Stelle ist eine technische Anmerkung nötig: „Together“ zählt zu den wenigen Filmen, die nicht rezensierbar sind, ohne entscheidende Entwicklungen des Plots zu offenbaren. Genau das verbietet sich aber, will man dem Film sein Geheimnis lassen, ohne das er seine beabsichtigte Wirkung beim Publikum nicht vollständig entwickeln kann. Natürlich könnte man kryptisch sagen, „Together“ vermisst, was Anziehung bei einem Paar ausmacht, dass es manchmal notwendig ist, Abstand zu halten, um zusammen zu bleiben und dass die sexuelle Vereinigung weitaus gravierendere Folgen hat als erotische.
Aber das klingt nach Ingmar Bergman, während die beiden wirklichen Fixsterne Michael Shanks im filmischen Universum Roman Polanskis „Repulsion“ (1965) und eigentlich alles von David Cronenberg, dem Großmeister des Body Horrors, sind. Denn „Together“ dekliniert das Beziehungsdrama als Horror-Film durch. Und das Beziehungsdrama rückt dem Zuschauer so nahe, weil der Film ein sehr effektiver Horror-Film ist, in dem Körper ein – auch libidinöses – Eigenleben entwickeln, unabhängig vom Geist ihrer Besitzer. Tatsächlich ist das eine der beunruhigenden Fragen, die Michael Shanks stellt: Gehört uns unser Körper? Ist er unserem Geist Untertan? Und was bedeutet es für den Geist, wenn nicht?
Das jedoch klingt nach einem philosophischen Proseminar, während der Film eindeutig auf einer weitaus physischeren Ebene funktioniert. Deshalb nur noch so viel: „Together“ ist ein Film, der aus dem Massenangebot sehr positiv herausragt. Er ist ein Horror-Film, der weitaus tiefer gehen will, als sein Publikum mit einer Folge von jump scares zu erschrecken und mit viel Blut zu ekeln und darin sehr erfolgreich ist. Wer ihn anschaut, wird ihn so bald nicht vergessen. Die letzte Einstellung schließlich, verfolgt einen noch lange nachdem man sich wieder dem Alltag zugewandt hat. Absolute Guckempfehlung.