Land: GB/USA 2025 Laufzeit: 102 min. Regie: Lior Geller Mit: Oliver Jackson-Cohen, Jeremy Neumark Jones, Anton Lesser, David Kross, Michael Epp, Michael C. Fox Label: Pandastorm FSK: 12 – Ein Beitrag von Georgios Tsapanos

Mit dem britischen Film „Zeugen der Wahrheit“ (2025) des israelischen Regisseurs Lior Geller hat das Label Pandastorm eine besondere Produktion dem ewigen Strom ungesehener Bilder entrissen. Er basiert auf wahren Geschehnissen und dieses eine Mal ist das keine Warnung, sondern bestärkt die Wirkung der Erzählung.
Haben Solomon Werner (Oliver Jackson-Cohen) und Michael Podchlebnik (Jeremy Neumark Jones) Glück? Sie sind Juden und Anfang 1942 Insassen des KZ Chelmno. Aber noch werden sie nicht ermordet, sondern müssen ihre auf Befehl des Lagerkommandanten Lange (David Kross) ermordeten Leidensgenossen unter die Erde bringen. Bald werden sie die Flucht wagen, um der Welt zu erzählen, welches Grauen in den deutschen KZs täglich herrscht.
KZs im Kino gab es bereits, als es die KZs selbst noch gab. Der deutsche Propagandafilm „Der Führer baut den Juden eine Stadt“ (1944) war bis zu einem gewissen Grad eine Reaktion auf Solomons und Michaels Berichten aus der Hölle. Fred Zinnemanns Hollywood-Produktion „Das siebte Kreuz“ (1944), die Verfilmung von Anna Seghers berühmten Roman, ließ keinen Zweifel daran, was für ein Ort ein KZ war. Eugen Yorks (Regie) und Artur Brauners (Produzent) deutscher Film „Morituri“, eine DEFA-Produktion, kam 1948 in die Kinos, sehen wollte ihn damals aber kaum jemand.
Nach diesen hunderten anderen Filmen und insbesondere der TV-Serie „Holocaust“ (1979) und Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) gibt es eine universell dekodierbare Ikonographie, die sofort KZ, Mord, Nazis, Sadismus signalisiert. Das macht sich Regisseur Geller geschickt zu nutze. Auch in „Zeugen der Wahrheit“ gibt es Bilder der Hölle auf Erden. Aber sie werden nur angeschnitten, angedeutet fast. Selten muss die Kamera direkt draufhalten, ins voyeuristische kippen, um ihre Botschaft an die Zuschauer zu bringen. Geller baut darauf, dass sein Publikum weiß, was es erwarten würde, würde die Kamera nur ein kleines Stückchen nach rechts oder links schwenken. Dass die Zuschauer die Lücken selbst füllen müssen, lässt diesen ersten Teil des Films nur eindringlicher werden.
Diese Eindringlichkeit stellt aber eine Gefahr für den anderen Teil dar. Denn die Schilderung der Flucht von Solomon und Michael, so dramatisch sie auch sein mag, so knapp die beiden mehr als einmal dem Tod entrinnen, ist der konventionellere Teil von „Zeugen der Wahrheit“. Geller kann sich sogar eine kleine Verbeugung vor Steve McQueen auf dem Wehrmachts-Krad in „Gesprengte Ketten“ (1963) nicht verkneifen. Hier kann sich Geller bei seinen Hauptdarstellern bedanken. Vor allem Jackson-Cohens tiefempfundene Leistung lässt zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel zu, dass im rassistischen Nazi-Deutschland für Juden nicht nur im KZ der Tod hinter jeder Ecke lauerte.
Solomons und Michaels Bericht erreichte schließlich über Umwege London und wurde noch im Sommer 1942 von der BBC ausgestrahlt. „Zeugen der Wahrheit“ heißt im Original „The World Will Tremble“, die Welt wird erzittern. Sie tat es offenbar nicht genug, den seitdem sind mehrere Schlussstrich-Debatten übers Land gezogen; gerade jetzt erleben wir die allerjüngste, getrieben von Leuten, die von „Schuldkult“ fabulieren oder vom „Vogelschiss“. Das lässt Lior Gellers Film – leider! – zu einem ganz aktuellen werden. Und dass von den 220.000 Menschen in Chelmno, so weit bekannt ist, nur vier überlebt haben.
















