Papers by Dietmar Larcher
Barbie und der Terminator lernen die Demokratie
Männlichkeit und Gewalt, 2000

Zur Methode pädagogischen Forschens in fremden Kulturen – Ein Fallbeispiel In den neunziger Jahre... more Zur Methode pädagogischen Forschens in fremden Kulturen – Ein Fallbeispiel In den neunziger Jahren erhielt ich einen Forschungsauftrag, der mir ermöglichte, ein Forschungsdesign zu entwickeln, das meinen Idealvorstellungen von pädagogischer Forschung nahe kam. Es war dies bislang das einzige Mal in meiner Karriere als Wissenschaftler, dass ich die Ressourcen und den nötigen Freiraum erhielt, alles, wirklich alles, was mir erkenntnistheoretisch wichtig war und for-schungsrelevant erschien, in mein Forschungsprojekt einfließen zu lassen. Mein Forschungsauftrag lautete, ich solle die pädagogische Qualität der SOS-Kinderdörfer in vier Staaten Asiens (Jordanien, Libanon, Syrien und Indonesien) evaluieren. Auftraggeber war die Hermann Gmeiner Akademie, die Forschungseinrichtung von SOS-Kinderdorf International. Dass mir zur Lösung dieser Forschungsaufgabe der kulturanthropologisch-ethnographische Zugang als einzig möglicher erschien, hängt mit der doppelten Fremdheit zusammen, mit der sich mir mein Forschungsgegenstand präsentierte: einerseits die Makrokultur des Vorderen Orients-sie hätte ich allerdings auch ohne größere Schwierigkeiten in hervorragenden Standardwerken studieren können-, andererseits die Mikrokultur der SOS-Einrichtungen, die zwar auch schon oft genug beschrieben worden ist, aber eben nicht in diesem speziellen Zusammenspiel mit der Makrokultur der Gesellschaft. Dies ist nicht mehr in Bibliotheken erforschbar, sondern nur im Feld. Der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes entsprechend, wählte ich nicht nur eine einzige Me-thode zum Erfassen der Wirklichkeit, sondern eine Vielfalt von miteinander kompatiblen methodischen Zugängen. Meine erkenntnistheoretischen Vorentscheidungen sollen vorweg genannt werden: 1. Prinzipielle Vorentscheidungen: Qualitative Grundhaltung: Damit will ich zum Ausdruck bringen, dass die Aufmerksamkeit des Forschers dem Erfassen der be-sonderen Charakteristik einer einzelnen Interaktion, einer einzelnen Situation, eines einzelnen Ereignisses gilt. Dahinter steckt die Annahme, dass in jedem Einzelfall (d.h. in jeder einzelnen Interaktion/Situation, in jedem einzelnen Ereignis) das Allgemeine, wie verzerrt auch immer, zum Ausdruck kommt, ganz gleichgültig, wie untypisch oder ausgefallen sich der Einzelfall zunächst darstellen mag. Je besser man der Besonderheit des Einzelfalles in Beobachtung und Beschreibung gerecht zu werden vermag, je genauer man sie darzustellen in der Lage ist, desto eher lassen sich aus Einzelfällen Grundzüge einer gemeinsamen Tiefenstruktur herauspräparieren. Der Vergleich mehrerer genau beschriebener Einzelfälle macht es möglich, hinter den Besonderheiten die Gemeinsamkeiten zu ent-decken. Gerade indem nicht von vornherein einige wenige Beobachtungsgesichtspunkte isoliert und an möglichst vielen Einzelfällen beobachtet, sondern indem Einzelfälle ganzheitlich dargestellt werden, entsteht die Grundlage für die Erkenntnis struktureller Momente des Forschungsgegenstandes. Für die Forschungspraxis bedeutet dies geduldige Aufmerksamkeit, auch für Details und für scheinbar Neben-sächliches, Widersprüchliches und Unbegreifliches. Vor allem bedeutet es den Verzicht auf vorschnelle Verallgemeinerungen. Dies ist unter anderem deshalb schwierig, weil von den Beforschten sehr bald gefragt wird, wie man denn die einzelnen Eindrücke zu einem Gesamtbild verarbeitet habe. Dieser Er-wartungsdruck verleitet nur zu leicht zu Schnellschüssen. Wahrnehmung als Aktivierung aller Sinne: Um mehr als nur ein Registrierapparat von Oberflächenphänomenen zu sein, muss man sich in Forschungssituationen, die in fremden Kulturen erfolgen, mit Haut und Haar hineinbegeben. Das bedeutet, metaphorisch gesprochen, Menschen nicht wie Fische in einem Aquarium zu beobachten, sondern selbst ins Aquarium hineinzuspringen und mitzuschwimmen. Es bedeutet also immer auch ein Stück Mimesis:
Conference Panels by Dietmar Larcher

Creative Ethnography at VANDA Conference 2022
Ethnography has many faces, and we are all familiar with classic ethnography. This session, howev... more Ethnography has many faces, and we are all familiar with classic ethnography. This session, however, intends to discuss ethnography and, in general, social and cultural anthropology in a more artistic sense. What new, creative, imaginative developments does ethnography offer in our time? Writing anthropology in the twenty-first century (Wulf 2016) encompasses many creative forms of narration. According to Elliott and Culhane’s (2017: 16) A Different Kind of Ethnography, the “combination of imagination, creativity and ethnography has the potential […] to deepen, complicate, and extend our inquiry into how people make, repair, and remake the world.” Such insights and practices include, but are not limited to, creative nonfiction, walking and storytelling, experimental video recording, painting/drawing, singing, playing music, dancing, social drama (Victor Turner), social intervention and breaching experiments (Augusto Boal).
For all these creative methodological extensions of classic ethnography, one basic assumption holds true: Ethnography is more than a method of social science research; it has features of a work of art. By which we mean, among other things, that ethnography works not merely with precisely defined concepts but also with symbols and metaphors, images and non-verbal media for “co-creative knowledge making” (Elliot and Culhane 2017). In short, it transcends the scope of what is usually understood as science.
Researchers with experience and/or ideas about such creative ethnography are invited to participate in this session. Their knowledge and reflections can contribute to developing this broader ethnography approach in a fruitful exchange.
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Conference Panels by Dietmar Larcher
For all these creative methodological extensions of classic ethnography, one basic assumption holds true: Ethnography is more than a method of social science research; it has features of a work of art. By which we mean, among other things, that ethnography works not merely with precisely defined concepts but also with symbols and metaphors, images and non-verbal media for “co-creative knowledge making” (Elliot and Culhane 2017). In short, it transcends the scope of what is usually understood as science.
Researchers with experience and/or ideas about such creative ethnography are invited to participate in this session. Their knowledge and reflections can contribute to developing this broader ethnography approach in a fruitful exchange.
For all these creative methodological extensions of classic ethnography, one basic assumption holds true: Ethnography is more than a method of social science research; it has features of a work of art. By which we mean, among other things, that ethnography works not merely with precisely defined concepts but also with symbols and metaphors, images and non-verbal media for “co-creative knowledge making” (Elliot and Culhane 2017). In short, it transcends the scope of what is usually understood as science.
Researchers with experience and/or ideas about such creative ethnography are invited to participate in this session. Their knowledge and reflections can contribute to developing this broader ethnography approach in a fruitful exchange.