Eine schlechte Entscheidung

Albanien, 01.10.2025

Unser nächstes Ziel ist Kruja. Von der dortigen Burg organisierte Skanderberg den Widerstand gegen die Osmanen. Die Burg gilt den Albaner’*innen als Heiligtum.

Genau auf dieser Burg haben wir eine Übernachtung gebucht.

Aber erst mal müssen wir dahin kommen.

Da wir aus dem Alpinehouse bis 10:00 Uhr auschecken müssen, laufen wir nach dem Frühstück die wenigen Meter zu den Bussen und nehmen das erste Furgon nach Skodra.

Dort werden wir vier Stunden Aufenthalt haben, denn der Minibus nach Kruja fährt erst 16:00. Wir werden die Zeit in der Fußgängerzone tot schlagen und ich freue mich drauf, denn heute ist der letzte sonnige Tag. Ab morgen soll es regnen und in Theth sogar schneien. Angesichts der engen kurvigen Straße bin ich recht froh, dass wir das Tal heute verlassen. Und während wir uns den Pass hochschrauben und wieder runter und hoch, freue ich mich immer mehr, hier nicht bei Schnee in einem kleinen Bus zu sitzen.

Der Fahrer des Furgon schmeißt uns irgendwo im Zentrum Skodras raus.

Bevor wir in die Fußgängerzone wackeln, wollen wir herausfinden, wo unser Minibus nach Kruja fahren wird. Das ist ein bisschen schwierig. Und natürlich erzählen uns die Busfahrer, dass wir erst nach Tirana müssten und von dort weiter nach Kruja. Das ist ja Quatsch.

Wir setzen uns erst mal in ein Café und trinken, naja, Kaffee.

Die Freundin wird sichtlich nervös. Ich will nicht Schuld sein, wenn wir hier nicht wegkommen und so nehmen wir den Bus nach Tirana. Es ist ein richtiger, ein großer Bus, und die Fahrt furchtbar. Im Bus stinkt es, es ist stickig warm und auf den letzten 30 km geht im Prinzip nichts mehr. Dabei fahren bzw stauen wir uns an Kruja vorbei.

Als wir den Bus Terminal erreichen, sehen wir den Furgon nach Kruja gerade abfahren.

Eine Stunde Zeit. Der Bus Terminal North South hat keine Toilette. Und auch keinen Imbiss, Kaffee oder so was. Dafür liegt er an einer sehr befahrenen Straße, die es zu überqueren gilt, um sehr „gemütlich“ die Wartezeit in einer Café Bar zu verbringen. Wir sind hier in Albanien allerdings zu der Erkenntnis gelangt, dass der Einheimische gern in Café Bars am Rande lauter, zugestopfter Straßen sitzt. Die Einheimische auch. Keine Ahnung, warum das so ist.

Wir jedenfalls sind die ersten am Furgon und warten nun, dass es losgehen möge. Fliegende Händler bieten Wasser, Bananen und Äpfel an.

Wir wollen nur nach Kruja.

Der Stau reicht im Prinzip bis Fushe Kruja, das ist sozusagen Neu-Kruja.

Und der Fahrer sammelt alle ein, die an der Straße stehen und winken. Irgendwann ist der Minibus so voll, dass ich nicht mal mehr richtig sitzen kann.

Nein, über Tirana nach Kruja zu fahren, war die dümmste Entscheidung, die wir in diesem Urlaub getroffen haben.

In Fushe Kruja steigen die meisten aus. Aber durch das ständige Angehalte hat der Fahrer viel Zeit eingebüßt und will die jetzt offenbar aufholen. Nach Kruja hinauf geht es in engen, unübersichtlichen Serpentinen.

Ich verlasse mich immer auf die einheimischen Fahrer. Die kennen die Strecken und Gefahren und wollen irgendwie auch leben, denke ich mir. Aber dieser hier hat den Schuss nicht gehört.

Und dann hält er nicht mal an der Haltestelle, sonder schmeißt uns irgendwo raus. Da nützt mir meine sorgfältig offline gespeicherte Route nun gar nichts. Wir stehen irgendwo in Kruja, fernab der Burg und wurschteln uns durch.

Am Aufweg zur Burg liegt der Basar, der schon zu sozialistischen Zeiten restauriert und rekonstruiert wurde und auf dem es bis zur Wende sogar noch Handwerker wie Uhrmacher und Schuster gegeben haben soll. Als wir auf diesem Basar stehen, wissen wir, dass wir richtig sind. Der Burgberg oberhalb der Altstadt ragt als Felsensporn aus dem Gebirge. Bei gutem Wetter hat mensch hier gerantiert phantastische Sicht.

Wir aber müssen unsere Herberge finden, die auch noch fast am höchsten Punkt der Burg ist.

Natürlich können wir auch hier, wie überall bis jetzt, nicht mit Karte zahlen. Na da hoffen wir mal, dass es hier im Ort nicht nur ATM Automaten gibt. Zwar haben wir eigentlich genug Bares, aber der Basar…

Die Unterkunft ist also Teil der Burg. Mit einer schönen Terrasse und einem Restaurant.

Allerdings wurde das Haus neu gebaut, nach Fotografien des früher hier stehenden Eckpavillon des Konak des türkischen Landrates

Leider ist das Zimmer eine Enttäuschung. Wir haben extra ein Zimmer mit ZWEI Betten gebucht, nun finden wir uns in einem Zimmer mit einem französischen Bett, ca 140cm breit, wieder. Natürlich gibt es nur ein Bettlaken, was ja hier als Zudecke gilt. Wir holen uns ein zweites. Bettlaken meine ich. Im Vorraum wird das Kabel für den Router durch das Fenster geführt, weswegen sich dieses nicht schließen lässt. Dabei ist alles hübsch eingerichtet und es wurde versucht, den orientalischen Stil zu kopieren.

Na egal, wir laufen wieder Richtung Basar und essen im ersten Restaurant, das wir finden. Hier können wir sogar mit Karte bezahlen.

7 Stunden hat die Fahrt gedauert. Ok, die Strecke Theth – Skodra beanspruchte schon 2 Stunden (diesmal gabs keine Stopps an Bistros oder so), aber von Skodra nach Kruja dauert es gewöhnlich nur 1,5 Stunden. Ein verschenkter Tag.

Ein paar wenige Fotos. Wer sie komplett sehen will, klickt drau

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Bunker und eine Bar, fast im Nirgendwo

Der Tag beginnt, wie könnte es anders sein, mit Stromausfall.

Zum Glück habe ich die heutige Wanderroute schon offline auf dem Smartphone. Es soll ein sonniger Tag werden und so machen wir uns nach dem Frühstück auf Richtung Pejes-Pass.

Nicht dass wir auf den Pass wollen. Das wäre zu weit, zumal wir ja wieder zurück müssen. Nein, unser Ziel sind die sogenannten Steilen Klippen von Theth.

Es geht sehr gemütlich auf einem breiten Wanderweg raus aus der Siedlung. Wir kommen an einigen Hotels vorbei und an Baustellen. Da wir im Tal bleiben, ist das alles wirklich eher ein Spaziergang.

Trotzdem treffen wir kaum Menschen, je weiter wir uns vom „Zentrum “ entfernen.

Es geht durch Karstlandschaft und Wald und irgendwo stehen wir plötzlich vor drei Bunkern. Einer, scheints, wird von Wanderern als Unterkunft genutzt. Na das ist doch mal eine sinnvolle Verwendung.

Im Grunde wandern wir immer entlang der Shala, doch nach den Bunkern geht es rechts in den Wald und wir müssen einen kleinen Zufluss überqueren. Wald ist ob der unerwarteten Sonneneinstrahlung sehr willkommen.

Dafür wirds jetzt wieder mit der Wegfindung schwieriger. Aber so lange wir in die richtige Richtung laufen…

Wir erreichen die kleine Kaffeebar Kroni. Ein alter Mann bewirtschaftet das kleine Lokal und wir fragen uns, ob er im Sommer auch manchmal hier schläft. Es gibt Snacks und Kaffee („nur Türkisch“) und die üblichen Getränke. Und eine Toilette. Weil die aber kein Licht hat, muss ich bei offener Tür und habe einen genialen Ausblick.

Hier steht auch ein Jeep und das ist ein Taxi. Wenn also wer keine Lust hat, zur Siedlung zu laufen, schließt der alte Herr die Wirtschaft und betätigt sich als Taxifahrer. Es soll hier irgendwo auch einen Camping geben, aber wer weiß wie alt die Info ist.

Wir machen also eine schöne Pause und lassen uns die Sonne auf die Hüte scheinen, dann geht es steil bergan weiter durch Wald und freie Wegwahl zu den Steilen Klippen von Theth.

Ich bin mir nicht sicher, ob wir sie gefunden haben. Ab einem bestimmten Punkt geht es überall so steil herauf, dass nun eher alpines Können gefragt ist. Wie eine Wand erheben sich die Berge aus dem Tal. Wir treffen ein paar wenige Menschen, die vom Pass kommen. Solche, die mit Gepäck offensichtlich auf dem Weitwanderweg unterwegs sind, und solche, die als Tagesausflügler zum Pass sind. Letztere natürlich sehr junge, sehr sportliche Menschen in leichter Laufkleidung, nur mit einer Trinkflasche bewaffnet. Aus dem Alter sind wir zum Glück raus.

Wir drehen um und versuchen, nicht exakt den Weg, den wir gekommen sind, zurück zu gehen. Was ab einem gewissen Punkt natürlich nicht möglich ist.

Den Abstecher nach Okol sparen wir uns, was im Nachhinein betrachtet ganz schön dumm ist, denn wir wären auf noch einen Bunker getroffen, der sogar als Denkmal eingetragen ist. Aber das sehen wir erst später.

Wir suchen, zurück in Theth, verzweifelt dieses Restaurant über dem Fluss, in dem wir am ersten Tag waren. Wir wollen dort unbedingt zu Abend essen und Cocktails schlürfen. Das sah alles so lecker aus und war so gemütlich.

Wir finden es nicht. Wir suchen 1,5 Stunden und finden es nicht.

Wir schleppen uns mit letzter Kraft in ein Restaurant in der Nähe unserer Unterkunft. Natürlich ist Stromausfall. Niemand stellt uns ne Kerze oder so auf den Tisch. Zum Glück kommt das Essen erst, als es wieder hell ist.

An diesem Abend fallen wir völlig erschöpft in unsere Betten. Da stören auch keine Dieselgeneratoren unseren Schlaf.

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Raus aus dem Tal

Gestern Abend war Stromausfall.

Das heißt, es gibt kein W-Lan.

Nun wäre das nicht so schlimm, ich habe ja ein Buch mit. Die Freundin auch. Aber ohne Strom kein Licht.

Dann schmeißen alle ihre Dieselgeneratoren an.

Wirklich alle.

Das macht nicht nur einen unglaublichen Lärm, es stinkt auch. Nach Diesel.

Ich verstehe das nicht.

Hier fahren alle, wirklich alle, außer die Furgons, mit Elektroautos rum. Selbst die Touristen, die mit Leihwagen kommen. Wo laden die? Oder haben die Fahrzeuge hier so eine enorm große Reichweite?

Ich werde es wohl nie erfahren.

Beim Frühstücksbuffet fällt der Strom wieder aus. Aber weils ja draußen hell ist, schmeißt keiner einen Generator an.

Heute ist schlechtes Wetter angesagt. Sieht auch aus wie schlechtes Wetter. Im Hotel gibts übrigens nicht nur keinen Haken irgendwo im Zimmer oder Bad, es gibt auch keinen Mülleimer. Nicht im Zimmer, nicht im Flur, nicht auf dem Außengelände.

Gut, hier schmeißen alle alles in die Gegend und immerhin scheint es wen zu geben, der oder die den Müll dann zusammenschiebt auf große Haufen. Aber das kann ich nicht. Also ist der kleine Mülleimer im Bad schnell voll.

Wir haben uns einen Rundwanderweg rausgesucht. Rechts raus aus Theth, dann Richtung Valbona Pass, oberhalb des Tals zurück und links wieder rein ins Tal.

So ungefähr. Ich habe jede Sekunde verfügbaren W-Lans genutzt, eine Route zusammenzustellen und zu speichern. Sie ist nur 9 km lang, aber angesichts des Wetters völlig ausreichend. Außerdem habe ich mit meinen Post Covid Beschwerden eh nicht mehr so die Ausdauer.

Als wir starten, sehen wir die Bäuerin, die gestern ihre Kühe rein geholt hat, eben diese wieder raus bringen. Die Hundegangs versammeln und formieren sich und denken über das heutige Tagesprogramm nach. Ein paar Unerschrockene brechen auch zu Wanderungen auf.

Diesmal und gut vorbereitet finden wir gut aus dem Tal raus. Nicht ohne wieder über Brücken zu staunen, über die teilweise sogar Autos fahren. Andere sind nur für Fußgänger. Aber ich weiß nicht. Sehen Sie selbst auf den Fotos.

Es geht erst ein ganzes Stück an der Shala entlang, dann windet sich der Weg langsam nach oben, zunächst noch vorbei an abseits der Ortschaft liegenden Pensionen und, öhm, Unterkünften.

Dann macht uns teilweise die Wegführung bzw Markierung zu schaffen. Manchmal ist alles gut erkennbar, ein andernmal sind wir unsicher, ob wir uns auf einem Viehweg oder auf einem Wanderweg befinden.

Wir laufen ein bisschen hierhin und suchen ein bisschen da und finden schließlich Hardedaj, eine Ansammlung von zu Theth gehörenden Gehöften oberhalb des Tals. Die meisten sind verlassen. In einem scheinen die Bewohner*innen Landwirtschaft zu betreiben.

Es fängt nun doch an zu regnen und während ich mir die Jacke einfach nur umhänge, damit es mir nicht in den Nacken tropft, zieht sich die Freundin in einer Akrobatischen Meisterleistung um. Sie müssen bedenken: Um die Regenhose anzuziehen, muss eins die Wanderstiefel auszuziehen.

Wir versuchen nun weiter den Weg zu finden. Mit meiner offline gespeicherten Karte und manchmal finden wir sogar Wegmarkierungen. In einer hohlen Gasse hören wir Rufe. „Here“. Andere Wanderer geleiten uns durch ihr Rufen in die richtige Richtung. Und wir versuchen ihnen dann den Weg so gut wie möglich zu erklären.

Es geht über rutschig nasse Wiesen, durch tropfende Wälder und über glitschige Steine. Zwar regnet es nun nicht mehr und wir können ein bisschen ins Tal gucken, aber der Boden ist so vollgesogen mit Wasser, die Bäume schütteln ihre nasse Last ab und ja, Stein trocknen mit ohne Sonne nu auch nicht so schnell.

Der Wald ist hier übrigens ein Mischwald. Wollte ich nur mal erwähnt haben.

Wir umgehen zu abenteuerliche „Brücken“ und kommen schließlich zum Abstieg.

Das Tal und Theth vor Augen fürchten wir uns hinunter. Natürlich ist die Wegmarkierung so… mäßig. Wir freuen uns jedes mal, wenn wir ein rotes Band finden. Wir scheinen zumindest in den Steinen nicht zu doof zu sein, die Ideallinie zu finden.

Im Tal gehen wir essen und es ist… Also bis jetzt war ja fast ausnahmslos alles lecker. Aber was uns hier vorgesetzt wird, kriegen wir nicht runter. Es ist Reis mit Gemüse. Eigentlich ganz einfach. Aber hier hat die Köchin das Gemüse in einer Art Joghurt gekocht. Wahrscheinlich ein altes Rezept. Wir essen das nur aus Höflichkeit

Es gibt zwei Supermärkte im Tal. Der eine gehört zu einem Restaurant und Hotel, der andere zu einem Campingplatz. Natürlich kann eins nirgends mit Karte zahlen und der einzige Automat ist so ein ATM Dingens. Aber wir haben, das ahnend, vorgesorgt und soviel müssen wir ja nicht kaufen. Nur Wasser, natürlich die Unterkunft und das Essen in den Restaurants, das ja aber sehr preiswert ist und heute kaufen wir uns auch noch Brot und Käse.

Heute gehen wir in den Frühstücksraum. Der ist nämlich beheizt. Gäste können da sitzen und ihr Essen essen. Es gibt so ein Kühldingens mit Lemon Soda und Bier und wenn Strom da ist, kann frau sich sogar einen Tee bestellen.

Nach einem Tee ist der Strom aber weg.

Aber hier lässt sichs aushalten, auch mit Dieselgenerator.

Leider kann es die Freundin nicht leiden, mit fremden Menschen zu sprechen, wie sie mir in Berat erklärte, wo ich mich ausgiebig und lang mit einer jungen Niederländerin unterhielt. Also stecke ich meine Neugier auf Menschen und Geschichten ein. Wir haben uns ja auch viel zu erzählen.

Fotos wie gehabt: Drau klicken, alles sehen

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Ein Stopp in den Bergen und ein blauer See, der grün ist

Theth, 29.09.2025

Eine Straße führt nach Theth, dem Ort in den Albanischen Alpen, den wir uns ausgesucht haben. Mensch kommt nur mit dem Furgon hin. Oder dem eigenen PKW. Wir sehen auch Reisebusse, aber wohin die fahren, ist uns ein Rätsel.

Mensch könnte natürlich auch laufen. Oder Rad fahren.

Wir nehmen den Furgon.

Und weil es Frühstück erst 7:30 gibt, bekommen wir ein Lunchpaket.

Und Kaffee.

Den hatte ich mir erbeten. Denn ohne Kaffee geht gar nix.

Der Minibus holt uns pünktlich 7:00 Uhr ab. Dann fährt er noch wen abholen. Dann zur zentralen Bushaltestelle und dann holt er noch wen ab. Bis alle Plätze besetzt sind.

Im Gegensatz zu den anderen Furgons müssen wir hier schon zu Beginn der Fahrt bezahlen. 12€. Das ist angemessen.

Es sind auch drei Tagesausflügler an Bord. Die fahren am Nachmittag 17:00 Uhr zurück. Erklärt der Fahrer.

Theth ist eine Streusiedlung in einem Trogtal im gleichnamigen Nationalpark. Das ganze Gebiet heißt Dukagjin. Wer nicht von Tourismus lebt, ernährt sich mehr schlecht als recht von Landwirtschaft und… manch versteckter Hanfplantage. Die Flüsse Kir und Shala sind die Hauptflüsse der Gegend. Theth liegt nur 50 km Luftlinie von Skodra entfernt, aber die enge Straße ist kurvig und windet sich die Hänge hinauf und hinunter.

2 Stunden würde die Fahrt dauern, aber der Fahrer macht eine Pause an einer Bar und später, als wir uns die Hälse verrenken ob der Schönheit der Landschaft, hält er noch mal und lässt uns ausgiebig staunen und gucken und fotografieren.

Übrigens stehen an der Bar mindestens fünf Furgons bzw kommen da an. VON WEGEN NUR EIN Bus nach Theth.

Dann geht es hinab ins Tal, über eine abenteuerlich Brücke und wir sind da.

Theth wurde schon in der Steinzeit besiedelt. Die Vorfahren der heutigen Bewohner kamen im 15. Jahrhundert und, so abgelegen, blieben sie von der osmanischen Besetzung unbehelligt.

Theth ist – sehr touristisch. Also nicht, dass es überlaufen wäre, aber alle Häuser scheinen Hotels zu sein. Oder Restaurants. Und als wir zu unserer Unterkunft laufen, überholen wir sogar Menschen mit Rollkoffern. Also nicht, dass die Straßen hier geteert oder asphaltiert wären.

Das Zimmer in unserer Unterkunft ist sehr klein, nicht beheizbar und es gib keinen einzigen Haken, um etwas aufzuhängen. Schrank oder Regal sowieso nicht. Auch nicht im Bad.

Hm.

Wir gehen erst mal essen. Da das Wetter besser als angesagt ist, können wir sogar auf der Terasse des Nachbarhotels sitzen und traditionelles Veganes essen.

Die Freundin vermutet, dass das Wasser in ihrer Bügelverschlussflasche Leitungswasser ist. Ich trinke hier sowieso immer nur Lemon Soda. Lemon Soda wird in der verschlossenen Dose serviert. Ich habe in Georgien gelernt.

Es ist Mittag, das Wetter ist gut, das Zimmer klein und ungemütlich, also beschließen wir zum Blue Eye Wasserfall zu laufen. Soweit es das Wetter zulässt.

Aber erst mal schauen wir uns die katholische Kirche im Ort an. Wie ich schon erwähnte, blieb das Tal ob seiner Unzugänglichkeit von der osmanischen Besatzung verschont und somit christlich.

Ganz in der Nähe der Kirche der Versöhnungsturm, oder Kulla e Pajtimit. Der diente 400 Jahre lang dem Beilegen von Zwistigkeiten und Streitereien zwischen Familien oder Einzelpersonen. Als neutraler Ort diente er dem rituellen Versöhnungsprozess, welcher ein wichtiger Bestandteil des Kanun war. Der Kanun war ein mündlich überliefertes Gewohnheitsrecht in Nordalbanien. Der regelte so ziemlich alle Belange des Lebens und der Gemeinschaft, auch die Blutrache. Wir können den Turm leider nur von außen besichtigen weil innen eine seltsame Versammlung stattfindet, in die wir lieber nicht geraten wollen. Frau weiß ja nie.

Das mit der Beschilderung der Wanderwege ist hier so eine Sache. Zwar waren extra Schweizer Experten hier, um bei der Markierung zu helfen, aber ich schätze, die kamen aus der italienischen Schweiz. So finden sich, ganz wie in Italien, eher selten Zeichen an Weggabelungen.

Aber wir treffen hie und da Menschen und können fragen. Und so stehen wir irgendwann an einem Bergfluss, den wir nicht überqueren mögen. Also klettern wir höher, probieren diesen Weg und jenen Abzweig und landen schließlich am Grunes Wasserfall.

Da sind viele Menschen. Und da wir denken, wir seien am Blue Eye, wundern wir uns, dass das Wasser im Becken gar nicht blau, sondern grün ist. (Blue Eye wäre noch mal 1,5 Stunden weiter weg gewesen)

Hier lässt sich das Wasser gut überqueren und wir irren nun durch Wald und über Steine, fragen andere Menschen bzw zeigen denen den Weg.

Zurück geht es am Fluss Shala, über abenteuerliche Brücken und in einem sehr hübschen Restaurant hoch über dem Fluss genießen wir den Blick auf Theth, eine Wassermühle und die Berge.

Am Abend sehen wir übrigens die Hundegangs zurück ins Dorf kommen. Die bilden am Morgen so Gruppen von drei bis fünf Tieren, vergnügen sich und genießen ihre Freiheit und kommen abends zurück zu ihren Besitzern und ihren Futternäpfen. Ich glaube, die haben ein sehr schönes Hundeleben mit ihren Buddies und Frauchen bzw Herrchen und ich hoffe, kein Tierschutzdingens verirrt sich je hierher und fängt an die Tiere zu „retten“

Für die Fotos gilt wie immer: Drauf klicken, ganz gucken

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Haare, Tanz und Innenstädte

Albanien, 27.09.2025

Bevor ich berichte, sollte ich erwähnen, dass mir vor zwei Jahren, vor über zwei Jahren, in Paris der Fotoapparat geklaut wurde.

Und ich habe noch keinen neuen. Ich habe die alte Coolpix rausgekramt. So oft war ich ja nicht unterwegs. Und Haus, Garten und Enkel kann eins auch mit dem Smartphone fotografieren.

Hmnja. Als wir gestern zu den Bunkern getippelt sind, hat die Coolpix ihren Geist aufgegeben.

So richtig dolle Bilder hatte die aber eh nicht mehr gemacht, weswegen ich hier schon in den letzten Berichten hauptsächlich Handyfotos offerierte. Ich kümmere mich derzeit aktiv um ne neue Kamera. Mal sehen.

Aber zurück nach Dürres.

Es ist wieder sehr heiß. Wir müssen das Hotel 10:00 verlassen. Nach einem sehr guten Frühstück. Bis auf Tirana war das Frühstück übrigens überall sehr gut, sehr vielseitig und sehr üppig.

Weil es ja in Dürres zwei Busterminals gibt und wir bei der Hitze nicht durch die Stadt irren wollen, bestellen wir ein Taxi. Für 8 €.

Es ist der andere Terminal und der nächste Minibus nach Skodra fährt erst 13:00 Uhr.

Hm.

Wie schlagen wir denn jetzt die Zeit tot?

Inch, Du wolltest in Albanien doch zum Friseur, erinnert mich die Freundin.

Stimmt.

Wir überlassen dem Fahrer unseres Furgons unsere Rucksäcke und watscheln Richtung Innenstadt. Zum Glück ist dieser Terminal nicht so weit vom Zentrum entfernt.

In Montenegro habe ich mir die Haare ja beim Barber schneiden lassen und diesem Schnitt hechle ich bis heute hinterher. In Dürres will der Barber nicht und schickt mich zur Friseurin drei Türen weiter. Die heißen hier Beauty Salon. Ach so. Naja. Da sind Friseurläden vielleicht gar nicht so selten hier, wir haben sie nur nicht als solche erkannt.

Nach einer halben Stunde jedenfalls sind die Haare, also meine, angemessen kurz. Ich hätte sie gern kürzer gehabt, aber die Dame mit der Schere wollte nicht so recht.

Wir haben immer noch viel Zeit, laufen ein bisschen rum, entdecken paar Sachen, essen an der Strandpromenade und dann gehts im Minibus nach Skodra.

Skodra liegt am Skutariessee. Da war ich ja schon mal auf der montenegrinischen Seite. Und weils damals so schön war, wollte ich nun unbedingt hier auch hin.

Leider ist Skodra eine Stadt, auch noch die drittgrößte des Landes und die Freundin hatte nun überhaupt keine Lust mehr auf Stadt. Ich auch nicht.

Unnd. So richtig im See liegt Skodra auch gar nicht, mehr so am Zusammenfluss von Buna und Drin, die dann in den See münden.

Aber wir müssen in die Stadt, denn nur von hier fahren Furgons nach Theth, unserem Ziel in den albanischen Alpen. Und zwar morgens 7:00, wie Einheimische uns eintrichtern. (Das ist natürlich Quatsch, wie wir später feststellen werden, da starten mindestens bis 13.00 Minibusse. Aber wir sind ja fremd und kennen uns nicht aus.)

Die Fahrt von Dürres nach Skodra ist sehr lang. Fast scheint es, wir führen über Tirana, aber dann biegt der Fahrer doch ab.

Der Busbahnhof liegt zentral und um zu unserer Unterkunft zu kommen, müssen wir durch die sehr schöne, sehr hübsche Fußgängerzone in der Innenstadt. Hier ist es wirklich ein bisschen wie in Italien. Restaurants, Bars, Boutiquen. Und das beste Wetter zum Flanieren.

Skodra ist 2400 Jahre alt und hat heute etwas über 100000 Einwohner. Zwar gibt es auch hier die üblich vielen Autos, aber auch erstaunlich viele Radwege. Und so wundert es nicht, dass wir an dem halben Tag in Skodra mehr Radfahrende sehen als die anderen 13 Tage in Albanien. Die Leute kommen uns auch gechillter vor. Aber das mag an der Fußgängerzone liegen. Das ist freilich nur eine Straße, hübsch restauriert. Tritt eins einen Schritt zur Seite. Nuja, da fehlt wohl das Geld.

Unsere Unterkunft ist ein niegelnagelneues Hotel in einem Hinterhof und als wir den Chef bitten, uns einen Platz für den Furgon nach Theth zu reservieren, sagt er, ok und der Bus holt uns hier am Hotel ab!

Echt?

Wirklich?

Ja, das ist Albanien, lacht er (leider finden wir dieses Albanien nur in Skodra).

Wir planen keine große Besichtigungstour. Weder Burg noch die Hauptmoschee noch die Bleimoschee interessieren uns. Wir wollen einfach nur irgendwo sitzen, was leckeres essen, und den letzten sonnig warmen Tag genießen.

Auf dieser Flaniermeile sollte uns das gelingen.

Doch da ziehen tanzende und singende Kosovo- Albaner*innen durch die Straße. Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Wir folgen ihnen natürlich. Am Ende der Fußgängerzone ist ein Platz, dort tanzen sie noch ein bisschen rum. Die Zuschauer machen mit und manch jungen Herrn reißt es so vom Hocker, dass er eine der Tänzerinnen zum Duett auffordert.

Wir schauen uns noch ein bisschen um, auch in den Nebenstraßen, trinken hier einen Kaffee und essen da was, versuchen es auch mit einer Boutique und beenden den Abend recht zeitig, aber mit Cocktail. Morgen müssen wir schlißlich in aller Herrgottsfrühe weiter

Drei Fotos von Dürres, der Rest Skodra

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Bunker am Strand

Dürres, 26.09.2025

Juhu, das Ersatzteil funzt und ich kann Ihnen von den Bunkern erzählen

Endlich Bunker

Wenn ich an Albanien denke, oder dachte, hatte ich menschenleere Strände mit wie auf einer Perlenschnur aufgereihten Bunkern vor mir.

Nun, die Bunker gibt es nicht mehr. Jedenfalls nicht am Strand. Jedenfalls nicht da, wo wir sind. Viele wurden abgerissen, lese ich. Machten Strandpromenaden und Liegestühlen Platz. Schade eigentlich.

Ich liebe ja skurrile Geschichten.

Und als ich vor ein paar Jahren Albanien auf meine Reisezielliste setzte, dann wegen der Bunker.

Vieles ist dazwischen gekommen. Andere Reisen. Corona. Das alte Haus.

Und nun ist Albanien längst kein Geheimtipp mehr.

Und die Bunker?

Knapp 200000 soll es davon geben, oder gegeben haben. Der paranoide Führer des Landes, Envar Hodscha, ließ sie in den 1970/80ern bauen.

Paranoid, weil er sowohl einen Angriff seitens der westlichen Bündnisse fürchtete (Albanien war im 2. Weltkrieg von Italien besetzt und mit Griechenland irgendwie immer noch im Krieg). Und vor dem Ostblock hatte er auch Angst, nachdem die Stalin nicht mehr so doll fanden.

Albanien hat nur 3 Millionen Einwohner, ein offener Krieg wäre also ziemlich aussichtslos. Aber so ein Partisanenkampf. Und wenn jeder Albaner, jede Albanerin Schutz in so einem Bunker fände. Vier Albaner*innen, so der Plan, sollten in je einem Bunker Schutz finden. Dazu hätte es 750000 der Betonpilze gebraucht.

Sie sollten also zwei Dingen dienen, dem Schutz der Bevölkerung und der Verteidigung des Landes.

Wie viele Bunker heute noch existieren, ist unbekannt. Es ist ja nicht mal bekannt, wie viele genau je existierten. Und wo genau. Weswegen die Schätzungen auch schwanken. Zwischen knapp 200000 und 750000. So findet eins sie zwar in besiedelten Gebieten, aber was da so in unzugänglichen Gegenden vor sich hin schlummert. Who knows?

Dort wo sie störten, mussten sie weichen. Andere dienen als Müllplätze. Wieder andere wurden zerstört, weil nach der großen Zeitenwende die schon im Sozialismus völlig verarmte Bevölkerung den Dingern die wertvollen Metalle entrissen und irgendwie versuchten zu Geld zu machen.

Ich will sie trotzdem finden und sehen. Nicht den in Tirana, der wohl der Führung als Schutzraum und Schaltzentrale diente, sondern so einen kleinen kugeligen.

Und hier in Dürres gibts einen.

Also nix wie hin.

Es sind sogar drei. Und sie sind , also fast am Strand. Und zugemüllt und angemalt und… ziemlich klein. Leider stehen viel zu viele Häuser rund herum, so dass sie gar nicht richtig zur Geltung kommen. Also ich verstehe nicht, wieso die Menschen nicht das touristische Potenzial der Teile nutzen. Oder wollen sie sie vielleicht am liebsten vergessen? Und die Zeit, an die sie sie womöglich erinnert? Und wenn sie sich heute so in der Welt umgucken, denken sie dann manchmal: Vielleicht sollte ich mal gucken, wo hier der nächste Bunker ist?

Die Freundin hat heute morgen aus unerfindlichen Gründen ihr Smartphone ausgeschaltet und dann festgestellt, dass sie ihre Pin nicht weiß. Also wackeln wir zu so einem Laden zwecks neuer Simkarte.

Auf dem Weg dahin finde ich einen vierten Bunker!

Inch im Glück.

Und neben dem Handyladen ist auch noch eine echte Konditorei mit Café und echtem Kuchen. Also nicht nur Baklava, sondern KUCHEN. Ich dachte schon, ich muss den Urlaub ohne süße Teile irgendwie überstehen.

Dann sind wir endlich bereit für den Strand. Ca 5€ bezahlen wir für zwei Liegen und einen Sonnenschirm. Heute ist es zwar ein bisschen windig und manchmal sogar bewölkt, aber frau weiß ja nie. Und wir haben in der Nacht sehr schlecht geschlafen. Weil sich unser Zimmer als Mückenparadies erwies. Nun können wir den Schlaf nachholen und müssen keine Angts vor einem fiesen Sonnenbrand haben. Wegen des Sonnenschirms.

Ich bin sogar mal im Wasser.

Ich bin ja nicht so die Wasserratte, aber wenn eins schon mal hier ist.

Dann schlendern wir zu dem Fischrestaurant, das etwas abseits der Tourilaufwege liegt, essen lecker Fisch und lassen den Abend in der Cocktailbar ausklingen, wo wir uns durch den Rest der Karte trinken.

In der Nacht schließen wir alle Fenster, stellen die Klimaanlage auf die kälteste Stufe und yeah: Den Mücken ist zu kalt

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Break

Hier ist es wieder still geworden.

Der Grund?

Alle meine Laptops haben den Geist aufgegeben.
Zumindest für den einen warte ich seit mehr als 10 Tagen auf ein entsprechendes Ersatzteil. Wenns da ist und tatsächlich der Grund für die Arbeitsverweigerung, geht es hier weiter.

ich muss Ihnen schließlich noch von den Bunkern erzählen

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Ohne Hut ans Meer

25.09.2025

Eigentlich wollten wir von Berat in die albanischen Alpen und erst danach ans Meer. Um uns von den Wanderungen zu erholen sozusagen.

Aber das Wetter zeigt eine Verschlechterung an. Richtig kalt soll es werden. Da nutzen wir die verbleibenden Sommertage lieber fürs Meer. Denn in den Alpen ist es egal, ob 14 oder 10°C sind.

Wir haben also umdisponiert und machen uns auf den Weg nach Durres.

Doch Halt.

Wo ist mein Basecap? Ich drehe das Zimmer auf links, es bleibt verschwunden. Den habe ich gestern Abend wohl im Restaurant liegen lassen. Mist. Der war so schön pink.

Wir stellen uns dorthin, wo wir denken, dass der Stadtlinenbuss Richtung Central fährt. Zwei rucksackreisende Pärchen stellen sich dazu. Wir hoffen mal die wissen, dass der Bus hier fährt und verlassen sich nicht auf uns

Es ist brütend heiß. 9:00 Uhr morgens und die Hitze ist schon unerträglich. Und ich habe nicht mal einen Hut.

Der Bus kommt und wie nicht anders zu erwarten, steht am Central der Furgon nach Durres schon bereit. Allerdings dauert es dann noch 45 min bis alle Plätze besetzt sind und die Fahrt beginnt.

Es gibt auch Kreisverkehr auf der Autobahn.

In Albanien.

In Durres gibt es zwei Bus Terminals und der, an dem wir landen… also ich finde mich hier nicht zurecht. Wir irren ein bisschen rum, streiten uns auch ein bissl (meine Guide Fähigkeiten lassen wirklich zu wünschen übrig) und nehmen schließlich ein Taxi, dass uns für 700 All (ca 7 € ) zum Hotel bringt.

Das steht in zweiter Reihe am Strand, ca 4 km vom Stadtzentrum entfernt. Es ist neu, das Zimmer groß und es gibt einen hübschen großen Balkon.

Nach dem Einchecken marschieren wir erst mal zum Strand

Gucken.

Feiner weißer Sand ist das nicht, aber hej, es gibt Liegen und Sonnenschirme und außerhalb der Saison, kann eins so was auch spontan buchen.

Wir müssen aber erst mal zum nächsten Raiffeisen Bankautomaten. Und ich brauche ein neues Basecap.

Der gewünschte Geldautomat ist etwas weit entfernt, vielleicht 30 min zu laufen. Ich kaufe erstmal ein neues, ein hässlich grünes (aber das einzige ohne national albanischen Scheiß drauf) und dann geht es durch Industriegebiete und Wohnviertel zum Bankomaten.

Einmal dort, beschließen wir, ins Stadtzentrum zu laufen. Sieht aus, als wäre es nicht weit dahin.

Es ist die Hölle.

Durres ist ein Moloch. Es ist die zweitgrößte Stadt Albaniens und der wichtigste Hafen des Landes. Im Reiseführer steht was von kompakter, italienisch anmutender Altstadt. Hm.

Vielleicht sehen wir die nicht wegen der vielen Autos.

Der Verkehr ist laut und es ist brütend heiß.

Wir landen an der Uferpromenade. Auf dem Weg dahin finden wir noch etwas antikes altes.

Durres ist nicht schön.

Nein Nein

Ganz im, italienischen Stil wurde die Stadt links und rechts an den Stränden mit Hotels erweitert. Sie haben dann Namen wie Golem oder auch Karpen Beach. Wir sind, glaube ich, am Durres Beach.

4 km entfernt, auf der Uferpromenade, sitzen wir in einem Restaurant und ich esse Fisch. Ich esse ja Fisch nur, wenn ich am Meer bin. Also. Der ist lecker und preiswert ist hier eh alles.

Für 10 € lassen wir uns zurück ins Hotel bringen.

Taxipreise sind hier verhandelbar. Bzw wir fragen einfach drei Fahrer. Der erste denkt wohl: Touristen, da schlag ich zu. Er fährt uns dann noch ne Weile hinterher , aber wir haben keine Lust auf Verhandlung und fragen einfach den nächsten. Der Dritte schließlich will 800 ALL (8€), mit Trinkgeld werden 1000 draus.

Den Abend verbringen wir am Strand in eine Strandbar. Wir genießen den Sonnenuntergang und trinken uns, soweit uns das möglich ist, durch die Cocktailkarte.

Morgen will ich aber jetzt endlich einen Bunker sehen. Erst Bunker, dann Strand, einigen wir uns.

Fotos. Na Sie wissen schon

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Ungeplant

24.09.2025

Es ist ja, auch in der zweiten Septemberhälfte , noch sehr heiß in Albanien. Weshalb Gastgeber dazu neigen, den Gästen nur ein Bettlaken als Decke zur Verfügung zu stellen. Das ist uns zu kalt. Wie in Tirana erbitten wir uns eine dickere Decke.

Tagsüber ist es natürlich furchtbar heiß, aber bei Sonnenaufgang…, also jedenfalls im Bett ist es uns da zu frisch.

Wir frühstücken sehr zeitig, als so gegen Acht, um noch etwas von der Kühle der Nacht vielleicht. Zwecklos. Eine Stunde später oder zwei ist es brütend heiß.

Wir brauchen Wasser.

Es wird überall dringend davor gewarnt, hier Leitungswasser zu trinken, was wohl auch oft aus den Zisternen von den Dächern kommt, und dies sei nun gar nicht gesund. (Komisch, in den Staaten waren auch überall diese Zisternen, da hat niemand vor Leitungswasser gewarnt.) Nach meinen Erfahrungen in Georgien halte ich mich tunlichst an diese Warnung. Die Freundin sowieso.

Wir laufen also erst mal ein Stück bergab, kaufen bei einem Opi zwei große Flaschen Wasser, bekommen als Bonus jede einen Apfel dazu, und machen uns auf den Weg zur Burg bzw Zitadelle. Sie ist neben Kruja die einzige noch bewohnte mittelalterliche Burganlage Albaniens und liegt oberhalb des Wohnviertels Mangalem.

Wie schon erwähnt, schmiegt sich Mangalem an den Berg an. Dabei sind die Häuser so eng gebaut, dass mensch über die Dächer in die Häuser gelangen könnte. Es gibt sehr viele Treppen, die die Gassen und Gässchen miteinander verbinden.

Um so erstaunter sind wir, als wir, nachdem wir stetig bergauf getippelt sind, einen großen Parkplatz vor der Burg überqueren. Da stehen sogar Busse. Es muss hier noch eine andere Zufahrt geben.

Ca 200m über dem Fluss liegt die Anlage aus dem 13. Jahrhundert (!) auf einem Plateau von 500 mal bis zu 250 m, ist also ziemlich groß. Früher mussten die Bewohner*innen ihr Trinkwasser noch zur Burg rauf tragen. Heute dürfen sie die Zisterne, die ehedem dem Militär vorbehalten war, nutzen. Heute scheinen die Bewohner hauptsächlich vom Tourismus zu leben, jedenfalls gibt es jede Menge Lädchen, eine ausreichende Anzahl an Kaffees und Restaurants und viel Ware wird auch im Freien, an den Mauern aufgehängt, feil geboten. Die Gassen sind noch enger als in Mangalem, so dass hier tatsächlich überhaupt kein Auto fährt.

Wir schlendern durch die Burg, bestaunen Wohnhäuser, Balkone, Granatäpfel, Kirchenruinen und zerstörte Moscheen, die alte Zisterne und Dinge, die wir nicht deuten können.

Wir trinken auf der Terrasse eines Cafés Kaffee, versuchen, uns wirklich alles anzusehen, steigen Treppen hinauf und hinab und landen schließlich zu einem Mittagsimbiss in einem Restaurant an der „Straße“. Die liegt direkt an der Burgmauer und erst ergattern wir sogar den Zweiertisch in einer Nische derselben, fliehen dann aber doch an einen anderen Platz in den Schatten. Auch hier gibt es traditionelles vegetarisches Essen und als ich mich diesem gerade widmen will, umarmt mich wer von hinten und grüßt fröhlich.

Ist ja verrückt. Da treffe ich in Albanien auf einer Burg eine Sportkollegin aus der Yogagruppe. Wir quasseln ein bissl, dann widmet sich jede wieder ihrer Reisebegleitung.

Während des Essens kommt uns die idiotische Idee, nicht den Weg, den wir gekommen sind, zurück zu laufen, sondern direkt in die Stadt hinab zu steigen. Es gibt da an Südspitze wohl einen Wanderweg, und der endet direkt am Basar.

Genau dort, kurz vor der Südspitze, bestaunen wir noch eine asiatische Reisegruppe, die sich den Weg von der Georgskirche zum Aussichtspunkt hinab schwindelt. Flipflops und Riemchensandalen sind nun vielleicht doch kein geeignetes Schuhwerk für eine Burg, auch wenn es ganz heiß ist.

Aber zu unserem Abstieg, der hinter der Georgskirche beginnt.

Die ernst gemeinte Warnung, dass den Abstieg nur Menschen mit alpiner Erfahrung wagen sollten, lesen wir erst abends im Hotel. Wir haben nun zwar alpine Erfahrung, sind aber in Turnschuhchen unterwegs. Und ich auch noch im Kleid.

Ganz blöd.

Als wir merken, wie blöd das ist, ist es zum Umkehren schon zu spät. Die Steine sind glatt und bieten den Schuhsohlen keinen Halt. Wir kommen uns vor wie die dümmsten Anfängerinnen und halten uns an allem festen, was sich anbietet. Das sind meistens Steine, ganz selten mal ein Baum.

Fast schon unten, kommen wir zur Michaeliskirche, die wie ein Schwalbennest im Felsen klebt. Hier treffen wir einige Spaziergänger*innen, die uns nach dem Weg zur Burg fragen und denen wir, nach einem Blick auf deren Schuhwerk, dringend vom Aufstieg abraten.

Der restliche Weg runter zum sogenannten Basar ist dann einfach. Leider ist von einem Basar nichts zu sehen. Es gibt ein paar Läden, direkt an der Straße, die natürlich voll gestopft ist mit hupenden Autos. Wir flüchten wieder nach oben und finden Ruhe in einem Caférestaurant über dem Basar. Hier ist es schön. Hier werden wir zum Abendessen wieder einkehren.

Jetzt aber gehts erstmal zurück in die Unterkunft. Nach so viel Abenteuer brauchen wir eine ausgedehnte Siesta.

Vor dem Abendessen „shoppen“ wir noch ein bisschen. Also einen Kühlschrankmagneten (den ich verloren habe) und Ansichtskarten. Leider muss frau die Briefmarken auf der Post holen. Leider gibts hier gar keine Post.

Wir lassen den Abend bei sehr leckeren gekochten Zucchini in Joghurtcreme und albanischen Wein ausklingen.

Morgen geht es ans Meer. Und da will ich endlich Bunker sehen.

Fotos wie immer. drauf klicken, ganz gucken. Und sehen Sie mir es bitte nach, dass ich vom Abstieg nur zwei Fotos von einfachen Stellen habe. Wir hatten ein bisschen mit uns zu tun

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Die Stadt der Tausend Fenster

23.09.2025

Es sieht aus wie eine Autobahn. Es ist beschildert wie eine Autobahn. Und dann latschen am Rand Menschen von A nach B. Und es gibt Toreinfahrten zu Gehöften.

Wir sitzen in einem Minibus, die hier Furgon heißen, und sind auf dem Weg nach Berat, der Stadt der Tausend Fenster im Süden von Tirana.

Gestern Abend war Stromausfall im Hotel. Dadurch hatten wir zwar kein Internet, aber der Opi konnte auch keinen Krach machen.

Leider nur 10 Minuten, dann trällerte und musizierte der Opi wieder und wir fanden, er war lauter als am Vorabend. Zum Glück ging gegen 23:00 der letzte Gast und es kehrte Ruhe ein.

Heute morgen haben wir am Central im Stadtzentrum in Null Komma Nix den Bus zum Terminal Nord Süd (auch ein Busbahnhof) gefunden und sind dort quasi in den Furgon nach Berat gefallen.

Und da sitzen wir nun also. Die Frau hinter mir hustet sich sonstwas aus dem Leib und die vor mir hängt ständig ihren Kopf in den Gang. Dabei, stellt sich heraus, will sie auch bis zur Endhaltestelle, dem Busbahnhof etwas außerhalb von Berat.

Dort stehen wir etwas verloren rum. Es soll hier nur einen Stadtlienbus geben, aber wohin der fährt?

Wir steigen ein und beobachten genau, wo es lang geht. Als es wie Zentrum aussieht, hüpfen wir raus. 40 Cent hat diese Fahrt übrigens gekostet, genauso viel wir die Fahrt vom Tirana Central zum Terminal. Scheint ein Einheitspreis zu sein. Ein Mensch geht rum und kassiert. Es gibt sogar einen Fahrschein.

Keine Fahrscheine gibts im Furgon. Bezahlt wird, wie bei den Marschrutkas in Russland, wenn eins aussteigt. Und das kann überall sein. Mensch ruft dem Fahrer einfach zu, da und da halten, bezahlt und steigt aus. Umgekehrt stehen Menschen an der Strecke und steigen ein.

5 Euro kostet die zweistündige Fahrt.

Es ist furchtbar heiß.

Von da, wo wir den Stadtlinienbus in Berat verlassen haben, sind es eigentlich nur 400 m zu unserer Unterkunft. Aber naja, ohne Hausnummern. Und das Hotel ist auch nicht beschriftet.

Wir haben uns eine Unterkunft im muslimischen Stadtviertel Mangalem ausgesucht. Das schmiegt sich oberhalb der Moschee sehr anschaulich an den Berg. Die Straßen sind eng, was hier das übliche Verkehrschaos verhindert, vereinzelte Autofahrer aber nicht daran hindert, sich trotzdem irgendwie durchzuquetschen. Es geht stetig bergauf und ich finde, die Albaner*innen sollten an ihrer Auffindbarkeit arbeiten. Wo sie doch jetzt für Touristen attraktiv sind und sicher bleiben wollen.

Schließlich klingeln wir an irgendeiner Haustür. Es ist, frau glaubt es kaum, fast das gesuchte Hotel. Es gibt derer nämlich drei und wir sind sozusagen im Haupthaus. Immerhin holt uns jetzt wer ab, wir laufen wieder runter und sind da.

Allerdings sind wir natürlich viel zu zeitig da. Das Zimmer ist noch nicht fertig. Der Chef schickt uns zum nur 40 m entfernten Restaurant Te Muzeu.

Auf der Terasse genießen wir den Blick auf einen Teil des Wohnviertels und die Wirtin empfielt uns mit Hilfe des Google Translators ein traditionelles Gericht. Und das ist nicht nur lecker, sondern auch vegetarisch. Wieso ging das in Tirana nicht? Ich kann Ihnen nicht sagen, wie die Gerichte, die uns aufgetischt wurden, hießen, weil die Karte ist ausschließlich auf albanisch. Nur an Fërgesë erinnere ich mich, das bringt uns die alte Dame extra. Ich habe es mir gemerkt, weil es mir nicht schmeckt, ich es auf jeder Speisekarte fand und tunlichst davon Abstand nahm. Fërgesë wird aus Paprika, Tomaten und Salzlakenkäse zubereitet. Es wird erst gebraten und dann gebacken. Irgendwie. Durch den Käse schmeckt es sehr säuerlich. Nicht mein Fall.

Wir checken ein und erkunden die Stadt.

Berat wurde schon 1961 zur Museumsstadt ernannt. Seit 2006 ist sie Weltkulturerbe. Sie gilt als Musterbeispiel einer osmanischen Stadt. Der Fluss Osum hat hier ein tiefes Tal in die Berge geschnitten. Links und rechts schmiegen sich die Stadtviertel Mangalem im Westen und Gorica am Ostufer an die Berghänge. Berat ist 2000 Jahre alt und das früher hauptsächlich von Griech*innen und Aromun*innen bewohnte Gorica war ehemals nur durch eine Holzbrücke mit dem Rest der Stadt verbunden.

Wir schlendern durch enge Gässchen, staunen über oder erschauern beim Anblick in Fenster gehängter Kuscheltiere, trinken irgendwo Kaffee und wählen schon mal das Restaurant aus, in das wir abends einkehren wollen. Da gibts nämlich gegrilltes Gemüse.

Abends im Hotel und mit WIFI erkunden wir dann die Sache mit den Kuscheltieren. Die hängen da zum Schutz vor dem bösen Blick.

Heute gibts schon paar mehr fotos. Wer sie ganz sehen will, klickt drauf

Ich versuche ja gerade mit diesem Linux klar zu kommen. Nuja,

Gibt jetzt noch nen Nachtrag an Fotos.. Alle Fotos von Gorica, außer dem letzten

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