{"id":2340,"date":"2025-11-04T11:00:00","date_gmt":"2025-11-04T09:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/?p=2340"},"modified":"2025-11-07T11:07:50","modified_gmt":"2025-11-07T09:07:50","slug":"in-den-1950er-jahren-war-europa-eine-vision-heute-ist-es-eine-komplexe-realitat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/2340","title":{"rendered":"\u201eIn den 1950er Jahren war Europa eine Vision, heute ist es eine komplexe Realit\u00e4t\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Von &nbsp;<a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/institut\/personen\/sing\">Manfred Sing<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><em>Seit 75 Jahren wird in Mainz die europ\u00e4ische Geschichte der vergangenen f\u00fcnf Jahrhunderte erforscht. Das heutige <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/\">Leibniz-Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte<\/a> (IEG) ist hervorgegangen aus <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-658-44331-3_13\">deutsch-franz\u00f6sischen Historikergespr\u00e4chen<\/a> in Speyer nach dem Zweiten Weltkrieg und der dabei artikulierten Einsicht, dass nach dem Krieg eine neue, transnationale Geschichtsschreibung f\u00fcr Europa vonn\u00f6ten sei. 1950 nahm das Institut seine Arbeit auf, 1952 zog es in die nach dem Krieg wieder aufgebaute Alte Universit\u00e4t (Domus Universitatis) ein. Im Jahre 2012 erfolgte die Aufnahme des Instituts in die <a href=\"https:\/\/www.leibniz-gemeinschaft.de\/\">Leibniz-Gemeinschaft<\/a> \u2013 eine der vier gro\u00dfen au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungsorganisationen in Deutschland.<\/em><sup data-fn=\"145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448\" class=\"fn\"><a href=\"#145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448\" id=\"145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448-link\">1<\/a><\/sup><em> Am IEG forschten bisher 168 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die insgesamt 860 B\u00fccher und 1800 Beitr\u00e4ge in Zeitschriften und Sammelb\u00e4nden zur europ\u00e4ischen Geschichte publiziert haben. Mit einer Festveranstaltung feiert das IEG am 6. November 2025 sein 75-j\u00e4hriges Bestehen. Grund genug, um in einem Interview mit den beiden Direktoren, die das Institut mit rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern leiten, Bilanz zu ziehen und zugleich nach vorne zu schauen: <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/institut\/personen\/reinhardt\">Nicole Reinhardt<\/a>, Professorin f\u00fcr Neuere Geschichte mit Schwerpunkt Religionsgeschichte, ist seit 2022 im Amt; <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/institut\/personen\/paulmann\">Johannes Paulmann<\/a>, Professor f\u00fcr Neuere und Neueste Geschichte mit einem Schwerpunkt in der transnationalen Geschichte Europas, amtiert seit 2011.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Liebe Nicole, lieber Johannes, fangen wir mit einer Frage an, die sich Historiker gerne stellen: Kann man das IEG schon historisieren, oder ist es dazu noch zu fr\u00fch?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Wie alle menschlichen Institutionen kann und muss man das IEG historisieren, weil es wie sie einem st\u00e4ndigen Wandel unterworfen ist. Das ist das, was Geschichte macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Ja, kann man historisieren. Das IEG ist \u00e4lter als zwei Generationen. Wenn man Generationen mit 30 Jahren rechnet, sind wir schon in der dritten Generation.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft war ein Meilenstein.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Und wenn das IEG ein Mensch w\u00e4re, was h\u00e4tte es f\u00fcr einen Charakter?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Das ist schwierig zu sagen. Haben Menschen das ganze Leben \u00fcber immer den gleichen Charakter? Sie entwickeln sich ja. Und was an Grunddisposition irgendwie eingegeben war, das hat das IEG ganz aktiv weiterentwickelt, so wie alle Menschen auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Ich w\u00fcrde sagen: eine gleichbleibende Dynamik. Wir sind vielleicht in einer Art von periodischer Metamorphose oder Wiedergeburt so etwa wie promovierte 30-J\u00e4hrige, die jetzt wieder aufbrechen in neue Forschungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das klingt eher nach Jungspund als nach Greis\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Also, diplomiert und promoviert sind wir seit der Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft. Und ab da haben wir erneut so richtig losgelegt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind denn die Meilensteine in der Geschichte des greisen Jungspunds?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Einen habe ich ja gerade genannt, das ist die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft 2012. Sie hat das Institut vergr\u00f6\u00dfert und eine neue thematische Breite hergestellt, durch den Einschluss von Stellen zur osmanischen Geschichte, zur Islamwissenschaft, zur j\u00fcdischen Geschichte und zur Judaistik. Das ist sozusagen ein Aufbrechen des urspr\u00fcnglichen Rahmens nach den 1950 benannten Abteilungen f\u00fcr \u201eAbendl\u00e4ndische Religionsgeschichte\u201c und \u201eUniversalgeschichte\u201c. Diesen Rahmen haben wir faktisch mit der Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft hinter uns gelassen, auch wenn es jetzt l\u00e4nger gedauert hat, bis die Satzung angepasst wurde. Das ist sicher ein Meilenstein. Und der zweite Meilenstein, den ich sehe, ist die 2016 beantragte, seit 2019 wirksame strategische Erweiterung durch das DH Lab, also Digital History, gewesen. Das hat das Institut ver\u00e4ndert, weil Digital History als Methode mit digitalen Werkzeugen quer liegt zu dem, was bislang gemacht wurde. Das sind die beiden Meilensteine, die ich in der j\u00fcngsten Vergangenheit sehen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Als zuletzt Dazugekommene w\u00fcrde ich das auch so sehen. Ich denke, durch die Leibniz-Gemeinschaft ist nat\u00fcrlich nochmal eine ganz andere Verpflichtung zur Zusammenarbeit nach innen und au\u00dfen dazugekommen und damit auch ein gr\u00f6\u00dferes Volumen von Mitteln, aber auch von Personen und m\u00f6glichen Integrationen in andere Kontexte und Horizonte, die ein Institut, das nur auf lokaler F\u00f6rderung beruht, so nicht leisten kann. Das kann man ja auch sehen bei Instituten, die sowas nicht haben und durchaus tolle Arbeit machen, aber bei denen dann einfach immer so ein Deckel drauf ist, wo es dann auch aus dem Eigenen nicht mehr herausgehen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Die Strukturen der Vernetzung sind verst\u00e4rkt worden. Man muss dazu sagen, dass wir beide und das Institut insgesamt von dem Bem\u00fchen unserer Vorg\u00e4nger, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinz_Duchhardt\">Heinz Duchhardt<\/a><sup data-fn=\"9411fa04-2b60-44ef-8ca5-e23411200dff\" class=\"fn\"><a href=\"#9411fa04-2b60-44ef-8ca5-e23411200dff\" id=\"9411fa04-2b60-44ef-8ca5-e23411200dff-link\">2<\/a><\/sup> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Irene_Dingel\">Irene Dingel<\/a><sup data-fn=\"8719a198-e2cb-4081-9bec-41e9be31a0e1\" class=\"fn\"><a href=\"#8719a198-e2cb-4081-9bec-41e9be31a0e1\" id=\"8719a198-e2cb-4081-9bec-41e9be31a0e1-link\">3<\/a><\/sup>, in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen zu werden, profitieren. Sie haben das vorangetrieben und waren damit erfolgreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Sie haben diese Chance erkannt, was es f\u00fcr das Institut hei\u00dft, in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen zu werden, es auf ein anderes Level zu heben und \u00fcber das hinaus zu bringen, was vorher schon da war.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L\u00e4sst sich das noch etwas genauer fassen, welche Ver\u00e4nderungen das f\u00fcr das Institut mit sich gebracht hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Einerseits sind wir durch die Evaluierungen alle sieben Jahren regelm\u00e4\u00dfig gezwungen, uns zu fragen: Was machen wir eigentlich? Was haben wir gemacht? Was wollen wir machen? Wo wollen wir eigentlich hin? Das ist ein Zwang, der durch die Leibniz-Gemeinschaft gegeben ist. Das ist eine Anstrengung: Das gesamte Institut muss alle sieben Jahre reflektieren. Andererseits hat uns das ein Ger\u00fcst gegeben, unsere internen Strukturen sind gefestigt worden. So um 2004 herum, da gab es keine Verwaltungsleitung, es gab au\u00dfer Sekretariaten faktisch keinen wissenschaftsunterst\u00fctzenden Bereich. Heute haben wir ein Referat f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, ein Referat f\u00fcr Stipendienwesen und werden k\u00fcnftig eine administrative Direktorin haben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDer Prozess der Institutionalisierung ist ein Gewinn.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die eine gewisse Perennit\u00e4t haben und eben nicht mehr direkt angebunden sind an die guten und schlechten Eigenschaften der Forscherpers\u00f6nlichkeiten, die das Institut jeweils leiten. Insofern ist das ein Prozess der Institutionalisierung. Institutionen haben schon noch einen eigenen Charakter, aber er ist nicht mehr so stark von den Personencharakteren abh\u00e4ngig, und das, w\u00fcrde ich sagen, ist ein Gewinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Wobei die Person nat\u00fcrlich immer noch eine Rolle spielt, aber die Institution ist sozusagen stabiler, gefestigter durch die Leibniz-Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie schl\u00e4gt sich dieser Wandel auf die Zahl der Mitarbeitenden und die Anzahl der Forschungsprojekte nieder?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Die Zahl hat sich durch die Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft vergr\u00f6\u00dfert, aber auch \u2013 und das ist eine allgemeine Tendenz in der Geschichtswissenschaft und auch in den Geisteswissenschaften \u2013 durch das hohe Drittmittelaufkommen und den Erfolg in unserem Fall bei der Einwerbung von Drittmitteln. Der Kernaushalt hat sich vergr\u00f6\u00dfert mit der Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft und mit der strategischen Erweiterung, dem DH Lab, und wird sich k\u00fcnftig nochmal erh\u00f6hen durch die strategische Erweiterung mit der \u201eEurop\u00e4ischen Umweltgeschichte\u201c. Aber die Zahl von zwischen 25 und 35 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das schwankt halt immer so ein bisschen, ist f\u00fcr ein historisches Institut recht gro\u00df und letztlich auch der erfolgreichen Drittmitteleinwerbung zu verdanken.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Ein weiterer Bereich, der st\u00e4rker geworden ist und auch weiterhin st\u00e4rker wird, sind die Praxistransfers in die Gesellschaft, die ja auch organisiert werden m\u00fcssen, also \u00fcber die reine Wissenschaftskommunikation hinausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn man so zur\u00fcckblickt: Wie hat sich denn das Selbstverst\u00e4ndnis im Laufe der Jahrzehnte ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Angefangen hat das IEG im Geist der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung nach dem Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren, das kam aus dem deutsch-franz\u00f6sischen Kern heraus allgemein Richtung europ\u00e4ische V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Ich w\u00fcrde auch sagen, in den 1970er und 1980er Jahren kam zum Selbstverst\u00e4ndnis hinzu, die Ost-West-Spaltung zu unterlaufen, was vor allen Dingen durch <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Otmar_von_Aretin\">Karl Otmar von Aretin<\/a><sup data-fn=\"52335dcd-243e-4079-a87b-bdcd75206092\" class=\"fn\"><a href=\"#52335dcd-243e-4079-a87b-bdcd75206092\" id=\"52335dcd-243e-4079-a87b-bdcd75206092-link\">4<\/a><\/sup> geleistet worden ist, n\u00e4mlich \u00fcber das Stipendienwesen, indem er relativ viele osteurop\u00e4ische Stipendiatinnen und Stipendiaten f\u00fcr l\u00e4ngere Aufenthalte hierher eingeladen hat. Seit ich da bin, geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis auch mit dazu, dass Europa nicht mehr als Container und abgeschlossene Einheit \u00e4hnlich wie ein \u00fcbergro\u00dfer National-Container gesehen wird, sondern dass Europa in seinen vielf\u00e4ltigen Weltbeziehungen untersucht wird. Nicht in jedem Projekt, aber in sehr vielen Projekten. Wir haben in den letzten Jahrzehnten ein anderes Europaverst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWer geh\u00f6rt zu Europa und wer nicht? Wo ist die Grenze, gerade auch im Osten? Und was f\u00fcr ein Europa soll das sein? Ein Europa der Nationalstaaten oder ein Europa der Werte?\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Vielleicht auch ein problematisierteres Europaverst\u00e4ndnis. Nach dem Zweiten Weltkrieg, und das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich stark mit der deutschen Geschichte zusammen, war Europa die Chance, die Urs\u00fcnden von Nationalismus zu \u00fcberwinden, und auch ein Versprechen, dass es damit aufgehen k\u00f6nnte. Jetzt gibt es, nat\u00fcrlich auch nach dem Fall der Mauer, sehr viel st\u00e4rker ein postkoloniales Verst\u00e4ndnis von Europa als Problem f\u00fcr Europa selber, aber auch f\u00fcr die Welt. Denn sehr viel klarer treten ganz viele Konflikte und Ungerechtigkeiten zu Tage, die vorher quasi hinter dem Eisernen Vorhang verdeckt waren, die jetzt aber alle nach und nach aufbrechen, was wir jetzt auch sehen, etwa in der Ukraine. Sie werfen eben viele Fragen nochmal neu auf. Wer geh\u00f6rt zu Europa dazu und wer nicht? Wo ist da die Grenze, gerade auch im Osten? Was soll das hei\u00dfen, wenn man dazugeh\u00f6rt, was f\u00fcr ein Europa soll das sein? Ein Europa der Nationalstaaten oder ein Europa der Werte? Ich glaube, es ist jetzt alles nochmal viel problematischer geworden nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, auch die Idee, Europa unreflektiert als Modell zu nehmen oder zu denken, man k\u00f6nne A und B aus der europ\u00e4ischen Geschichte lernen. Man kann viele Dinge lernen, aber sie sind komplexer geworden, und der Europabegriff ist schwieriger geworden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"996\" height=\"668\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Krieg-IEG-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2497\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Krieg-IEG-1.jpg 996w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Krieg-IEG-1-300x201.jpg 300w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Krieg-IEG-1-500x335.jpg 500w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Krieg-IEG-1-768x515.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"384\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/Ausschnitt-aus-Wiederaufbau-der-DU-Strassenseite-20.10.1951-UA-MZ-424-402-500x384.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2431\" style=\"width:468px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/Ausschnitt-aus-Wiederaufbau-der-DU-Strassenseite-20.10.1951-UA-MZ-424-402-500x384.jpg 500w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/Ausschnitt-aus-Wiederaufbau-der-DU-Strassenseite-20.10.1951-UA-MZ-424-402-300x231.jpg 300w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/Ausschnitt-aus-Wiederaufbau-der-DU-Strassenseite-20.10.1951-UA-MZ-424-402-768x590.jpg 768w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/Ausschnitt-aus-Wiederaufbau-der-DU-Strassenseite-20.10.1951-UA-MZ-424-402.jpg 1159w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 85vw, 500px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Oben: Mainz Innenstadt, Herbst 1947, Foto: Stadtarchiv Mainz. Rechts: Ausschnitt aus \u201eWiederaufbau der Domus Universitatis, Strassenseite 20.10.1951\u201c, Foto: Universit\u00e4tsarchiv Mainz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1375\" height=\"1920\" data-id=\"2596\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2596\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040.jpg 1375w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040-215x300.jpg 215w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040-358x500.jpg 358w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040-768x1072.jpg 768w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040-1100x1536.jpg 1100w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/29d7be70521abae91a190b038f039040-1200x1676.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"348\" height=\"463\" data-id=\"2759\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Zuschnitt-2-Gruppenbild-2019.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2759\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Zuschnitt-2-Gruppenbild-2019.jpg 348w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/Zuschnitt-2-Gruppenbild-2019-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 348px) 85vw, 348px\" \/><\/figure>\n<\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Links: Domus Universitatis (s\u00fcdliches Portal), vor 1952, Foto: Universit\u00e4tsarchiv Mainz.<br>Rechts: Gruppenphoto im Jahr 2019, Foto: IEG.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Ich w\u00fcrde sagen, in den 1950er Jahren und lange danach war Europa eine Vision, und jetzt ist es so etwas wie eine komplexe Realit\u00e4t, mit der wir uns auseinandersetzen m\u00fcssen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: \u2026und ein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Was sich sicher auch gewandelt hat, ist die Besch\u00e4ftigung mit Religion am Institut. Anfangs war eine christlich-kirchliche Religionsbesch\u00e4ftigung zu Grunde gelegt. Das hat sich komplett gewandelt. Heute existiert ein ganz anderes Selbstverst\u00e4ndnis des Instituts, das mit den letzten Direktoren einsetzte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Das ist ja die Eigenartigkeit, dass ein Institut gegr\u00fcndet worden ist, das die europ\u00e4ische Geschichte erforscht und in dem anfangs eine der zwei Professuren eine theologische war. Nun ist ja der Anspruch von Theologie und Geschichte nicht genau der gleiche, auch wenn es in der Theologie Abteilungen gibt, die nat\u00fcrlich historischer Natur sind, so sind sie aber immer noch in eine Heilsgeschichte eingeschrieben. Selbst wenn man das jetzt addiert und verschiedene Religionen hinzunimmt, bliebe das immer noch quasi unter dem theologischen Paradigma, es w\u00e4re wahrscheinlich keine unbedingt historische Herangehensweise. Es ist ein Unterschied, ob man Religion religionsgeschichtlich oder kirchengeschichtlich auffasst. Und da stellt man dann auch fest, dass die Vorstellung, dass Religionsgeschichte in Kirchengeschichte aufgeht, eine sehr europ\u00e4ische ist und nicht einmal eine europ\u00e4ische, sondern eine ganz stark christliche. Da zeigt sich so ein Kurzschluss im Verst\u00e4ndnis europ\u00e4ischer Geschichte als Christentumsgeschichte, was sie aber nicht ist, historisch nie gewesen ist, was aber nat\u00fcrlich auch im Europabegriff verschwimmt, bei dem historisch quasi schon die Konfessionalisierung eingeschrieben ist, was wiederum eine sehr deutsche Vorstellung ist von Europa. Ich glaube, das ist jetzt am IEG ein bisschen aufgel\u00f6st worden. Es ist nat\u00fcrlich immer Platz auch f\u00fcr theologische Expertise, aber wir sind ein historisches Forschungsinstitut, und ich denke, das ist jetzt nochmal st\u00e4rker akzentuiert worden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2000\" height=\"1500\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2481\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441.jpg 2000w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441-300x225.jpg 300w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441-500x375.jpg 500w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441-768x576.jpg 768w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/10\/P1000441-1200x900.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Treppenhaus des IEG. Foto: IEG.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Ihr habt es schon angedeutet, aber ich wollte trotzdem nochmal nachfragen: Wie hat sich die Ver\u00e4nderung des internationalen Kontextes in den vergangenen Jahrzehnten auf die Arbeit des IEG ausgewirkt? K\u00f6nnt Ihr auf den Wandel noch etwas n\u00e4her eingehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Wenn ich auf meine eigene Erfahrung zur\u00fcckblicke, so kann ich sagen, dass die Forschungslandschaft, wenn man das so bezeichnen m\u00f6chte, viel st\u00e4rker europ\u00e4isiert und pluraler geworden ist. Als ich als Direktor hier angefangen habe, war ich bis dahin zwar im akademischen Europa schon etwas herumgekommen. Pl\u00f6tzlich war ich dann aber an Orten akademisch unterwegs, an die ich nicht gedacht h\u00e4tte. Ja, ich habe mehrere Jahre im Ausland gearbeitet, hatte Gastprofessuren hier und da, aber durch meine T\u00e4tigkeit als Direktor wurde mir pl\u00f6tzlich klar: es gibt sowas wie eine europ\u00e4ische Forschungslandschaft. Die ist immer personengebunden und h\u00e4ngt an Institutionen und ist nicht gleichbleibend. Aber das war f\u00fcr mich eine neue Erfahrung, und das sieht man ja auch an den wissenschaftlichen Mitarbeitenden, die am Institut sind. Auch da hat sich das Institut ganz deutlich ge\u00e4ndert. Wir haben Leute aus verschiedenen europ\u00e4ischen und nicht-europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, die jetzt ein St\u00fcck ihrer wissenschaftlichen Karriere hier verbringen. Das ist jetzt vielleicht nicht so \u00fcberm\u00e4\u00dfig plural, wie man sich das vorstellen w\u00fcrde, aber doch in den letzten zehn, 15 Jahren deutlich pluraler geworden, nicht nur von den Inhalten her, sondern auch von den Personen. Daran w\u00fcrde ich die Erfahrung des Europ\u00e4ischen in der akademischen Welt festmachen. Da erf\u00fcllt das Institut aus meiner Sicht seinen europ\u00e4ischen Auftrag, besonders wenn es kooperiert. Man kann europ\u00e4ische Geschichte nie ganz abdecken, weil das nicht geht mit dem Personal, das wir haben oder das man haben m\u00fcsste \u2013 man h\u00e4tte noch 100 Leute mehr einstellen m\u00fcssen. Der Witz ist aber, dass man europ\u00e4ische Geschichte betreiben kann, wenn wir sie nicht allein, sondern in Kooperation betreiben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDas Institut ist nat\u00fcrlich eine tolle Plattform, weil man da vieles von dem sehen kann, was international und europ\u00e4isch passiert \u2013 auch \u00fcber die Stipendiaten und Stipendiatinnen, die ans Haus kommen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Ich denke auch, dass sich die Landschaft pluralisiert hat, denke aber auch, dass sich der Status der deutschen Geschichtswissenschaft in Europa ver\u00e4ndert hat. Als ich Studentin in Heidelberg und Freiburg war, war f\u00fcr mich als junge werdende Historikerin, die mit der deutschen Nationalgeschichtsschreibung nix anfangen konnte, das Refugium eigentlich die franz\u00f6sische und italienische Geschichtswissenschaft. Nicht deren Geschichte, aber deren Geschichtswissenschaft und Horizonte, weil die methodisch anders gearbeitet haben, die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Annales-Schule\">Annales-Schule<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fernand_Braudel\">Braudel<\/a> mit seiner <em>M\u00e9diterran\u00e9e<\/em>.<sup data-fn=\"1eb7aa0e-4e0e-4611-8ed7-39b00d79ce80\" class=\"fn\"><a href=\"#1eb7aa0e-4e0e-4611-8ed7-39b00d79ce80\" id=\"1eb7aa0e-4e0e-4611-8ed7-39b00d79ce80-link\">5<\/a><\/sup> Es war f\u00fcr mich grundlegend, dass Geschichte, ganz besonders bei Braudel, nicht nur eine europ\u00e4ische Geschichte war, sondern eine Geschichte, die \u00fcber dieses europ\u00e4ische Mittelmeer hinaus ging nach Nordafrika und in die Levante rein, also wo ich mich auf einmal zu Hause gef\u00fchlt habe. Das hat mit mir zu tun, hat mit dem Zustand der damaligen deutschen Geschichtswissenschaft zu tun, und insofern war f\u00fcr mich die franz\u00f6sische Geschichtswissenschaft methodisch ganz lang die neue Heimat. Dazu kam dann die italienische Geschichtswissenschaft f\u00fcr mich, die ganz anders unterwegs war. Die franz\u00f6sische Annales-Geschichte war ja die Vorform der Digitalisierung, die hat diese Massenquellen verarbeitet, also alle Testamente mit den ersten Computern verarbeitet und daraus dann sozial- und kulturgeschichtliche Schl\u00fcsse gezogen, was ich spannend fand. Italienische Geschichte umgekehrt: die haben aus der Reichhaltigkeit der Archive diese Mikro-Geschichte, diesen Mikroblick gemacht. Dazu kam ich dann mit meiner eigenen deutschen Vorformatierung, die jetzt eher soziologischer Natur war, obwohl ich das nie studiert habe. \u00dcber die Geschichte der Modernisierung und Sozialtheorien habe ich mich der europ\u00e4ischen Geschichte gen\u00e4hert, Nationalgeschichte wollte ich nie schreiben. Diese Landschaft hat sich ver\u00e4ndert. Fr\u00fcher waren bei anderen europ\u00e4ischen Historikern Sprachkenntnisse des Deutschen viel weiter verbreitet. Es gab einen starken Dialog zwischen deutschen Historikern \u2013 es waren meistens Historiker, nicht Historikerinnen \u2013 und Historikern im Ausland, die noch Deutsch konnten und deutsche Historiker gelesen haben, die wiederum Franz\u00f6sisch und Italienisch gelesen haben, nat\u00fcrlich auch Englisch, und so auch kommuniziert haben. Es ist jetzt schwierig geworden, Partner im Ausland zu finden, die noch Deutsch lesen k\u00f6nnen. Insofern hat sich die Position der deutschen Geschichtswissenschaft enorm ver\u00e4ndert. Auf der anderen Seite gibt es sehr viel mehr junge Historikerinnen und Historiker, die eine internationale oder europ\u00e4ische Formation hinter sich haben und die mit all diesen neuen Geschichtswissenschaften auch kommunizieren k\u00f6nnen. Ich meine, es ist ja noch viel un\u00fcbersichtlicher geworden, weil noch nicht klar ist, wie zum Beispiel Osteuropa unser Verst\u00e4ndnis von Geschichte noch mal ver\u00e4ndert oder ob es noch immer gewisse methodische Zentren und Fixpunkte gibt, die eine Ausstrahlungskraft haben. Ich sehe zum Beispiel in der spanischen Geschichtsschreibung und auch in der portugiesischen zum Teil, dass das Modell Annales immer noch extrem stark ist, was nat\u00fcrlich auch etwas mit der sprachlichen N\u00e4he zu tun. Das w\u00e4re interessant, sich zu \u00fcberlegen, wie sich der ver\u00e4nderte Status der verschiedenen Geschichtswissenschaften insgesamt auswirkt. Daf\u00fcr ist das Institut nat\u00fcrlich eine tolle Plattform, weil man da vieles von dem sehen kann, was international und europ\u00e4isch passiert \u2013 auch \u00fcber die Stipendiaten und Stipendiatinnen, die ans Haus kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Bei mir war es im Wesentlichen auch eine westeurop\u00e4ische Orientierung, aber nach England hin. Rein deutsche Geschichte habe ich lange nicht betrieben, also weder in meiner Promotion noch in meiner Habilitation. Und die Erfahrung in England war zum einen eine Erfahrung mit einer anderen Nationalgeschichte, dann auch mit einem Thema, das \u00fcbergreifend funktioniert, n\u00e4mlich mit sozial- und wirtschaftsgeschichtlichen Themen. In den 1970er Jahren und 1980er Jahren war es das Paradigma, sich sozial- und wirtschaftsgeschichtlich zu bewegen, als <em>der<\/em> Zugang \u00fcberhaupt zur Geschichte. Eine Erfahrung in Gro\u00dfbritannien war, dass es dort, jenseits der britischen Geschichte, die mich in meiner Promotion interessiert hatte, f\u00fcr eigentlich jedes Land irgendeinen herausragenden Experten gab. Was in Deutschland nicht in der gleichen Art und Weise der Fall war. Nicht, dass es nicht auch Experten gegeben h\u00e4tte, aber eben nicht das Geb\u00fcndelte sozusagen. F\u00fcr mich war der Austausch am DHI London mit Kolleginnen und Kollegen in Gro\u00dfbritannien, die sich mit Deutschland besch\u00e4ftigten, ganz wichtig. Das waren damals eben nicht Deutsche, und dadurch bekam ich einen anderen Blick auf die deutsche Geschichte, den ich nat\u00fcrlich so im Studium nicht mitgekriegt hatte. Da h\u00f6rte ich eine Vorlesung, interessierte mich, las ein Buch \u00fcber den NS oder die Bundesrepublik. Aber eine Perspektive von Leuten zu kriegen, die nicht in dieser nationalen, akademischen, deutschen Welt aufgewachsen sind und von au\u00dfen auf Deutschland gucken, hat auch nochmal mein Bild, meine Perspektive und die M\u00f6glichkeit ver\u00e4ndert, Geschichte anders zu denken, auch deutsche Geschichte anders zu denken. Ich glaube, das ist eine ziemlich wichtige Erfahrung gewesen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1760\" height=\"1248\" src=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2690\" srcset=\"https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045.jpg 1760w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045-300x213.jpg 300w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045-500x355.jpg 500w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045-768x545.jpg 768w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045-1536x1089.jpg 1536w, https:\/\/ieg.hypotheses.org\/files\/2025\/11\/094045-1200x851.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Seitenansicht auf Domus Universitatis, Foto: IEG.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Das w\u00fcrde ich total unterstreichen. Das erste Mal, wo ich das Gef\u00fchl hatte, ich verstehe endlich, was in der deutschen Geschichte los ist, war durch einen franz\u00f6sischen Historiker. Ich habe es vorher nicht verstanden, es war mir nicht klar, und es wurde mir nicht klar gemacht, hat sich auch keiner bem\u00fcht. Aber weil der Franzose auch solche Schwierigkeiten hatte, es selber zu verstehen, war er in der Lage, die Komplexit\u00e4t, aber auch das Interessante an der deutschen Geschichte mir klar zu machen. Das war sozusagen eine europ\u00e4ische Sache. Insofern hilft es, wie ich immer sage, wenn man, selbst wenn man lokale Geschichte betreibt, einfach mal herauszutreten und dann nochmal von au\u00dfen draufzuschauen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur\u00fcck zum IEG: Was sind Highlights in der Forschung aus den letzten Jahrzehnten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Das Institut hat in den 75 Jahren in verschiedenen Bereichen Wichtiges beigetragen. Das trifft sicher auf die Kirchengeschichte zu, das trifft auf meinen Vorg\u00e4nger zu, der vor allem zur Geschichte der Diplomatie forschte. Zwei Dinge w\u00fcrde ich hervorheben: Wir haben die <a href=\"https:\/\/hhr-atlas.ieg-mainz.de\/\">Geschichte des Humanitarismus<\/a> im 19. und 20. Jahrhundert erforscht. Das war insofern eine Leistung, weil wir ein Feld er\u00f6ffneten, das es vorher so nicht gab. Wir konnten es machen, weil wir eine Reihe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hause hatten und weil wir kooperiert haben mit Oxford und Exeter und mit dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Es gab dabei auch einen Anwendungsbezug und einen Bezug zur Praxis. Durch unsere <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/global_humanitarianism_research_academy\">Global Humanitarianism Research Academy<\/a> wurden \u00fcber 60 Promovierende in ein Netzwerk eingebunden. Da hat das Institut f\u00fcr eine bestimmte Zeit etwas angestiftet und ein Thema gesetzt. Entstanden sind dabei unter anderem auch drei Habilitationen am IEG. Als zweites m\u00f6chte ich <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/ego\">EGO \u2013 Europ\u00e4ische Geschichte Online<\/a> nennen. Auf dem Portal sind Fachartikel zu einer transnationalen Geschichte Europas versammelt. Das ist zwar nicht im engeren Sinne eigene Forschung des Instituts, aber als Medium war es eine Pionierleistung. Mitte der 2000er Jahre war ich deswegen das erste Mal hier am Institut, lange bevor ich daran dachte, mich hier zu bewerben. Der \u00fcberwiegende Teil der Artikel wurde f\u00fcr EGO ganz neu geschrieben, dadurch wurde auch Forschung angesto\u00dfen. \u00dcber 300 Artikel in deutscher und englischer Sprache sind inzwischen erschienen. F\u00fcr das Institut ist das eine wichtige Leistung, und durch EGO geschah auch das sichtbare Aufbrechen des Nationalen. Es wird nach wie vor von vielen genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Die <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/EuReD\">Religionsfriedensforschung<\/a> von Irene Dingel finde ich auch ganz wichtig. Daf\u00fcr ist das Institut weithin bekannt, weil diese <a href=\"http:\/\/www.religionsfrieden.de\/\">Forschung <\/a>zum Teil auch mit <a href=\"https:\/\/www.adwmainz.de\/forschung\/projekte\/europaeische-religionsfrieden\/informationen.html\">Editionsprojekten<\/a> verbunden ist, die Standards gesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Paulmann: Die Frage von Frieden und Diplomatie kam ja von Heinz Duchhardt und war durchaus weltlich gedacht, als Frieden zwischen Staaten. Dass daraus dann die Religionsfrieden als eine besondere Form der Friedensstiftung wurden, zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den beiden Abteilungen funktioniert hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicole Reinhardt: Letztlich hat diese Forschung auch zum 2025 abgeschlossenen <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/retopea_religious-toleration-and-peace\">RETOPEA-Projekt<\/a> \u00fcber \u201eReligious Toleration and Peace\u201c gef\u00fchrt. Das war dezidiert europ\u00e4isch und anwendungsbezogen, f\u00fcr Schulen und Jugendliche, angelegt und hat das historische und gegenw\u00e4rtige Verh\u00e4ltnis zwischen Religionen und Gesellschaften reflektiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<details class=\"wp-block-details is-layout-flow wp-block-details-is-layout-flow\"><summary>Zeitleiste<\/summary>\n<figure class=\"wp-block-table is-style-regular\"><table class=\"has-white-color has-dark-red-background-color has-text-color has-background has-link-color has-fixed-layout\"><thead><tr><th>Zeitleiste<\/th><th><\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1948\/49<\/td><td>Internationale Historikertreffen in Speyer<\/td><\/tr><tr><td>1950<\/td><td>Gr\u00fcndung des Instituts f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte in Mainz mit den Abteilungen Universalgeschichte und Abendl\u00e4ndische Religionsgeschichte; Bezug provisorischer R\u00e4ume (Am H\u00f6fchen 5)<\/td><\/tr><tr><td>13.11.1950<\/td><td>Vortr\u00e4ge zur Er\u00f6ffnung des Instituts<\/td><\/tr><tr><td>Oktober 1951<\/td><td>Deutsch-franz\u00f6sische Tagung zu Richtlinien f\u00fcr den Geschichtsunterricht (1. Tagung am IEG)<\/td><\/tr><tr><td>1952<\/td><td>Start der Reihe \u00bbVer\u00f6ffentlichungen des Instituts f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte\u00ab <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/publikationen\/buecher-und-zeitschriften\">(VIEG)<\/a><\/td><\/tr><tr><td>17.01.1953<\/td><td>Er\u00f6ffnung der Domus Universitatis <\/td><\/tr><tr><td>M\u00e4rz 1955<\/td><td>Kongress \u00bbEuropa &#8211; Erbe und Auftrag\u00ab (2. Tagung am IEG)<\/td><\/tr><tr><td>1960<\/td><td>Er\u00f6ffnung des Wohnheims f\u00fcr internationale Stipendiaten<\/td><\/tr><tr><td>1966<\/td><td>Erste Stipendiatin im Wohnheim<\/td><\/tr><tr><td>Mai 1970<\/td><td>Tagung \u00bbDie portugiesische \u00c4ra der Kolonisations- und Entdeckungsgeschichte\u00ab (3. Tagung am IEG)<\/td><\/tr><tr><td>Oktober 1973<\/td><td>Erstes Deutsch-Sowjetisches Historikerkolloquium in Mainz (weitere 1975 in Leningrad, 1979 in M\u00fcnchen, 1981 in Moskau)<\/td><\/tr><tr><td>1975-1981<\/td><td>DFG-Forschungsschwerpunkt Mainz\/Gie\u00dfen \u00bbDeutsche Sozial- und Verfassungsgeschichte des sp\u00e4ten Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit\u00ab<\/td><\/tr><tr><td>1978-1983<\/td><td>Forschungsschwerpunkt \u00bbDie Interdependenz politischer und wirtschaftlicher Entwicklung in der Innen- und Au\u00dfenpolitik des Versailler Staatensystems 1919\u20131939\u00ab <\/td><\/tr><tr><td>1985-1989<\/td><td>Forschungsprojekt \u00bbDeutschland und die Franz\u00f6sische Revolution\u00ab <\/td><\/tr><tr><td>1994-2011<\/td><td>Heinz Duchhardt Direktor der Abteilung f\u00fcr Universalgeschichte, u.a.  Online-Publikation von 1800 \u00bbEurop\u00e4ischen Friedensvertr\u00e4gen der Vormoderne\u00ab<\/td><\/tr><tr><td>2000<\/td><td>Gr\u00fcndung des \u00bbJahrbuchs f\u00fcr Europ\u00e4ische Geschichte\u00ab<\/td><\/tr><tr><td>2005-2022<\/td><td>Irene Dingel Direktorin der Abteilung f\u00fcr Abendl\u00e4ndische Religionsgeschichte<\/td><\/tr><tr><td>2007<\/td><td>Start der Online-Enzyklop\u00e4die \u00bbEGO | Europ\u00e4ische Geschichte Online\u00ab,&nbsp;online ab 2010<\/td><\/tr><tr><td>2007-2018<\/td><td>DFG-Graduiertenkollegs 1575 \u00bbDie christlichen Kirchen vor der Herausforderung \u203aEuropa\u2039\u00ab von JGU Mainz und IEG<\/td><\/tr><tr><td>2012<\/td><td>Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft<\/td><\/tr><tr><td>2013-2020<\/td><td>Digitale Quellenedition <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/digitale_quellenedition_fruehneuzeitlicher_religionsfrieden\">\u00bbReligi\u00f6se Friedenswahrung und Friedensstiftung in Europa (1500\u20131800)\u00ab<\/a><\/td><\/tr><tr><td>2015<\/td><td>IEG Gr\u00fcndungsmitglied des Mainzer Zentrums f\u00fcr Digitalit\u00e4t in den Geistes- und Kulturwissenschaften <a href=\"https:\/\/mainzed.org\/\">(mainzed)<\/a><\/td><\/tr><tr><td>2015-2019<\/td><td><a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/global_humanitarianism_research_academy\">Global Humanitarianism Research Academy<\/a><\/td><\/tr><tr><td>2019<\/td><td>Etablierung des <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschung\/dh-lab\">DH Labs<\/a><\/td><\/tr><tr><td>2021-<\/td><td>DFG-Sonderforschungsbereich 1482 <a href=\"https:\/\/humandifferenzierung.uni-mainz.de\/\">\u00bbHumandifferenzierung\u00ab<\/a> der JGU Mainz und des IEG.&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>2022<\/td><td>Start  von \u00bbEurop\u00e4ische Religionsfrieden Digital<a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/forschungsprojekte\/EuReD\"> (EuReD)<\/a>\u00ab, Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaft und der Literatur, Mainz, in Kooperation mit dem IEG<\/td><\/tr><tr><td>2022-<\/td><td>IEG Hauptantragsteller und Sprecher-Institution des Konsortiums <a href=\"https:\/\/4memory.de\/\">NFDI4Memory<\/a> der Nationalen Forschungsdateninfra-struktur<\/td><\/tr><tr><td>2024-<\/td><td>Internationales Verbundprojekt  \u00bbDocumenting Russia&#8217;s War against Ukraine <a href=\"https:\/\/www.ieg-mainz.de\/---_site.site..ls_dir._nav.96_f.183_likecms.html\">(LivArch)<\/a>\u00ab<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n<\/details>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><em>Die Fragen stellte Manfred Sing, Forschungskoordinator am IEG.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><em>Titelbild: Die Direktoren des IEG, Johannes Paulmann (links) und Nicole Reinhardt (rechts). Bild: IEG, Fotografin: Barbara Mainz.<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Anhang<\/h3>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448\">Der Leibniz-Gemeinschaft geh\u00f6ren mehr als 20 historisch arbeitende Forschungseinrichtungen an. Die anderen drei gro\u00dfen au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungsorganisationen in Deutschland sind die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft. <a href=\"#145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 1\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"9411fa04-2b60-44ef-8ca5-e23411200dff\">Professor f\u00fcr Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Fr\u00fche Neuzeit in Bayreuth und M\u00fcnster und Direktor des IEG, Abteilung f\u00fcr Universalgeschichte, von 1994 bis 2011. <a href=\"#9411fa04-2b60-44ef-8ca5-e23411200dff-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 2\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"8719a198-e2cb-4081-9bec-41e9be31a0e1\">Professorin f\u00fcr Historische Theologie und f\u00fcr Kirchen- und Dogmengeschichte sowie Direktorin des IEG, Abteilung f\u00fcr Abendl\u00e4ndische Religionsgeschichte, von 2005 bis 2022. <a href=\"#8719a198-e2cb-4081-9bec-41e9be31a0e1-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 3\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"52335dcd-243e-4079-a87b-bdcd75206092\">Professor f\u00fcr Zeitgeschichte und Direktor des IEG, Abteilung f\u00fcr Universalgeschichte, von 1968 bis 1994. <a href=\"#52335dcd-243e-4079-a87b-bdcd75206092-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 4\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><li id=\"1eb7aa0e-4e0e-4611-8ed7-39b00d79ce80\">Fernand Braudel: La m\u00e9diterran\u00e9e et le monde m\u00e9diterran\u00e9en \u00e0 l\u2019\u00e9poque de Philippe II, Paris 1949, dt. Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II. (\u00fcbersetzt von G\u00fcnter Seib), 3 B\u00e4nde, Frankfurt am Main 1990. <a href=\"#1eb7aa0e-4e0e-4611-8ed7-39b00d79ce80-link\" aria-label=\"Jump to footnote reference 5\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit den Direktoren des IEG, Nicole Reinhardt und Johannes Paulmann, zum 75-j\u00e4hrigen Bestehen des IEG, Teil I: R\u00fcckblick<\/p>\n","protected":false},"author":86976,"featured_media":2349,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_license":"","publish_to_discourse":"","publish_post_category":"","wpdc_auto_publish_overridden":"1","wpdc_topic_tags":"","wpdc_pin_topic":"","wpdc_pin_until":"","discourse_post_id":"","discourse_permalink":"","wpdc_publishing_response":"","wpdc_publishing_error":"","footnotes":"[{\"id\":\"145bcf50-3bf0-4540-9e55-f230bbaf8448\",\"content\":\"Der Leibniz-Gemeinschaft geh\\u00f6ren mehr als 20 historisch arbeitende Forschungseinrichtungen an. 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