Von Manfred Sing
Das Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen. Dies ist der zweite Teile eines dreiteiligen Interviews zum Jubiläum mit den beiden Direktoren, Nicole Reinhardt, Professorin für Neuere Geschichte mit Schwerpunkt europäische Religionsgeschichte, und Johannes Paulmann, Professor für Neuere und Neueste Geschichte mit einem Schwerpunkt in der transnationalen Geschichte Europas. Dieses Mal geht es um die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen für das Institut und die Geschichtswissenschaft.
Was steht momentan im Fokus am IEG? Was sind aktuelle Forschungsinteressen?
Johannes Paulmann: Ein Schwerpunkt im Arbeitsbereich „Gesellschaft“ ist die Frage, wie Menschen sich unterscheiden, wo und wie Unterscheidungen zwischen Menschen getroffen werden. Das ist angeregt durch den jetzt vier Jahre laufenden Sonderforschungsbereich Humandifferenzierung, in dem wir sehr interdisziplinär und breit aufgestellt zusammen mit der Johannes Gutenberg-Universität eine Reihe von Forschungen betreiben. Das IEG war in der Vergangenheit mit vier Projekten beteiligt. Eines hat sich mit der Corona-Pandemie beschäftigt und gefragt, inwieweit in der Pandemie historische Unterscheidungen oder historische Vorläufer eine Rolle spielten. Ein zweites Projekt beschäftigte sich mit den Mensch-Tier-Beziehungen in der Serengeti, ein drittes mit der Entwicklung der Kategorie der „Displaced Persons“ zur Kategorie der „Refugees“ und ein viertes mit der Art und Weise, wie in Industriebetrieben nach Leistung Differenzierungen getroffen wurden. Wir haben nun neue Projekte für den Fortsetzungsantrag mit Mitarbeiterinnen aus dem Hause entwickelt. Ein Projekt mit mobilen Akteuren im spanischen Atlantik, ein Folgeprojekt zur Migration nach Palästina und Südasien im Zuge des Zweiten Weltkriegs sowie ein Projekt, das sich mit der Kategorie „Mensch“ auseinandersetzt und danach fragt, wie Vor- und Frühmenschen eingeteilt wurden, in welchen Beziehungen sie zur Umwelt, zu anderen Menschen und Tieren standen und welche Narrative es über die Entwicklung von Menschen und über die Differenzierung von Homo sapiens und Neanderthaler und so weiter gibt. Umgang mit Differenz, Negotiating Differences, war ja schon seit 2012 Teil des Programms des IEG. Der SFB hat sozusagen eine systematische, auch soziologische Perspektive für die historische Forschung mitgebracht und den Prozesscharakter des Unterscheidens noch einmal stärker in den Fokus gerückt als existierende Unterschiede. Historiker haben lange nach sozialer Ungleichheit und nach Unterschieden geschaut, aber nicht nach dem Unterscheiden. Das ist das, was uns jetzt auch noch weiter beschäftigt.
Nicole Reinhardt: Im Arbeitsbereich „Religion“ setzen wir uns mit den Fragen auseinander, was religiöses Zusammenleben, religiöse Erfahrung und religiöses Wissen bedeuten. Dabei ist die Herausforderung, dass wir nicht nur über große Perioden arbeiten, also von der Reformation bis in die Gegenwart, sondern auch über die verschiedenen Hintergründe der Religionen, die es historisch in Europa gibt, die wie Judentum und Islam intern anderen Wissenschaftstraditionen verpflichtet sind als das Christentum. Wie schaffen wir es, über diese Religionen und über die Menschen, die diesen Religionen verbunden sind, zu sprechen und ein gemeinsames Verständnis für die Frage, wie die Geschichte dieser Religionen aussieht, herzustellen? Sind das religiöse Differenzen, sind das kulturelle Differenzen, sind das historische Traditionen, und wie kann man darüber sprechen? Das ist etwas, womit wir uns noch eine ganze Weile befassen werden, vor allem aber auch wie man Themen und Probleme identifiziert, an denen alle diese Traditionen anknüpfen und über die wir miteinander ins Gespräch treten können. Was uns am IEG natürlich auch sehr beschäftigt, vor allem im dritten Arbeitsbereich „Digitalität der historischen Forschung“, ist darüber hinaus die Frage der Digitalität und der Digitalisierung und die Folgen für die historische Forschung, also heuristische und systemische Probleme.
Wie verändert die Digitalisierung die Geschichtswissenschaft?
Johannes Paulmann: Im Bereich der Digitalisierung ist die Frage nach der Künstlichen Intelligenz eines der Dinge, die uns momentan am Institut intensiv beschäftigen. Das ist sozusagen auch das Thema, und da kommen wir an das historische Kerngeschäft mit heran, von „Fake News“. Auf historische Fertigkeiten umgesetzt, ist dies die Frage der Quellenkritik. Mit der Frage, ob eine mittelalterliche Urkunde echt oder falsch ist, machen wir das ja schon lange; daran angeknüpft sind Fragen wie: wer hat eigentlich eine Quelle geschrieben, mit welcher Intention und wozu? Das ist im digitalen Bereich noch viel schwieriger zu beantworten als vorher. Aber es ist zugleich eine Grundfrage der Geschichtswissenschaft.

„Es ist auch unsere Aufgabe, für künftige Historiker eine Form von Datenqualität und Datensicherung zu erarbeiten. Mit NFDI4Memory haben wir dazu am IEG ein großes Projekt mitangestoßen.“
Wie verändert sich Quellenkritik in digitalen Zeiten?
Johannes Paulmann: Ich glaube, sie wird deutlich schwieriger, weil wir als Historiker häufig die informationswissenschaftlichen Kenntnisse überhaupt nicht haben, um zu verstehen, was eigentlich passiert, wenn Quellen in Tabellen verwandelt werden und wenn diese Tabellen dann weiterverarbeitet werden. Was wir können, ist: wir lesen eine Akte im Archiv, wir machen handschriftliche Notizen oder machen im Computer Notizen dazu, und später erzählen wir eine Geschichte, die auf diesen Quellenauszügen basiert. Wenn das im digitalen Bereich stattfindet und wir eine Tabelle haben, dann kommen die Sachen in Excel-Tabellen rein und wir wissen gar nicht, was da gerechnet wird. Da fehlen uns generell einfach die Grundkenntnisse. Und zudem gibt es auch Möglichkeiten der Bearbeitung, Verarbeitung bis hin zur Manipulation von Quellen, die ganz schwer zu entdecken sind. Ich glaube, künftige Historiker werden damit ein Riesenproblem haben. Insofern ist es auch unsere Aufgabe, für künftige Historiker eine Form von Datenqualität und Datensicherung zu erarbeiten, was wir am IEG eben in NFDI4Memory als großes Projekt mit anstoßen. Das IEG koordiniert dieses Konsortium von insgesamt elf tragenden Einrichtungen mit über 80 beteiligten Institutionen und hat die Federführung sowohl bei der Antragstellung als auch bei der Sprecherrolle übernommen. Da geht es eben genau um solche Probleme, um die Frage von Datenqualität, um die Frage der Verknüpfbarkeit von Daten und der Auffindbarkeit von Daten.
Nicole Reinhardt: Eine grundsätzliche Frage, die sich stellt, ist, wie es weitergeht mit den historischen Quellen. Es gibt ja schon Leute, die sagen, dass wir quasi auf dem Weg in ein neues Mittelalter sind. Die Quellen, mit denen wir seit der frühen Neuzeit gewohnt waren zu arbeiten – ich sage nur: Korrespondenzen – existieren als solche gar nicht mehr, also nicht mehr in Papierform. Man muss sich nur überlegen, wer weiß noch etwas von seiner E-Mail-Korrespondenz von vor 15 Jahren? Die hat er oder sie wahrscheinlich gar nicht mehr. Das heißt, es fällt in Zukunft ganz viel weg an Quellen, mit denen Historiker gerne und gut gearbeitet haben, ohne dass klar ist, wie man jetzt mit den neuen Quellen arbeitet und wie man diese auch richtig bearbeiten kann. Insofern ein neues Mittelalter. Interessant sind auch die Fragen von „Fake News“, weil das ist eine ursprünglich historische Frage war, die sich zum Beispiel auch Marc Bloch schon gestellt hat, eigentlich aus der Erfahrung des Ersten Weltkriegs heraus, aus der Erfahrung in den Schützengräben, wo immer viele Gerüchte umgingen, aber es ganz schwer war, herauszufinden, was nun eigentlich stimmt. Marc Bloch hat diese Erfahrung dann wieder benutzt, um damit mittelalterliche Geschichte zu durchdenken. Ähnliche Fragen stellen sich jetzt noch in einer ganz anderen gesellschaftlichen Dimension. Auf den sozialen Medien werden „Fake News“ in den Schützengräben der Algorithmen verbreitet.
Johannes Paulmann: Und wo wir früher gesagt haben, wir müssen irgendwie dem gemeinen Mann und der gemeinen Frau eine Stimme geben, weil sie diese Stimme historisch nicht hatten und sich deshalb in Akten nicht groß niedergeschlagen hat, werden wir künftig noch mehr ein Problem haben, auch im globalen Kontext: Die Ungleichheiten derjenigen, die historisch in Quellen greifbar sind.

Das hört sich sehr danach an, dass sich gegenwärtige Probleme direkt in den Forschungsvorhaben, zu denen das IEG arbeitet, niederschlagen?
Johannes Paulmann: Also eines dieser Themen ist ganz sicher Migration als langfristiges Phänomen. Nicht als langfristiges Problem, sondern als langfristiges Phänomen, was eben nicht 2015 begonnen hat, sondern viel, viel weiter zurückreicht. Dabei geht es darum, verschiedene Arten des Umgangs mit Migration und auch die Perspektive der migrierenden Menschen mit einzubeziehen. In der Untersuchung historischer Alternativen lassen sich historische Möglichkeiten und Varianten aufzeigen als Gegensatz zu einer Alternativlosigkeit, die es angeblich gegeben hat. Das ist eine aktuelle Herausforderung, bei der historische Forschung unmittelbar von aktuellen Fragen beeinflusst wird beziehungsweise werden kann. Das Zweite ist die Diskussion über das Anthropozän, also über den Klimawandel. Die Frage „Gibt es ein Anthropozän? Warum kann man das Anthropozän nennen?“ ist für ein historisches Institut wie unseres eine Herausforderung, weil es beim Anthropozän um die ganze Welt geht. Wir sind aber ein Europainstitut. Über welchen Raum reden wir, wenn wir vom Anthropozän reden, welche Rolle spielt der Raum Europa als geographischer Raum? Wir erforschen als IEG einen Zeitraum, der manchen groß erscheinen mag, von 500 Jahren plus. Beim Anthropozän reden wir aber über 1000 Jahre, 10.000 Jahre, wie auch immer. Auch da müssen wir uns platzieren. Wir können nicht als Institut über das reden, was vor 10.000 Jahren vor unserer Zeitrechnung war, aber wir müssen den Raum und den Zeitraum einordnen. Und wir haben natürlich ein Quellenproblem, weil wir potenziell eben auch nicht schriftliche Quellen haben, Artefakte oder Sedimente, und zwar Sedimente aus den 1950er Jahren oder aus dem 19. Jahrhundert, mit denen sich andere Forscher beschäftigen, die wir als Historiker, die wir traditionelle Quellen benutzen, nicht einfach ignorieren können. Ich sehe das als disziplinäre Herausforderung und als Chance, disziplinär über Textarbeiten hinaus gehende historische Arbeiten zu schreiben.
„Jede historische Frage ist im Prinzip auch eine Frage an die Gegenwart, und die Fragen an die Gegenwart generieren natürlich auch die historische Neugierde.“
Nicole Reinhardt: Die Tatsache, dass historische Forschung sich aus den Interessen und Neugierden, die die Historiker als politische Subjekte in ihrer Gegenwart haben, speist, ist ja nicht so neu. Jede historische Frage ist im Prinzip auch eine Frage an die Gegenwart, und die Fragen an die Gegenwart generieren natürlich dann auch die historische Neugierde. Als das Reformationsjubiläum und die Erfahrung der großen Migrationswelle 2015 zeitlich fast zusammenfielen, fand ich es zum Beispiel ganz erfrischend, dass ein kanadischer Forscher die Reformation als die erste Stunde der Entstehung des religiösen Flüchtlings beschrieb, eben nicht als triumphale Geschichte der Gewissensfreiheit. Das half zu erkennen, was wir da wirklich zum ersten Mal sehen, ausgelöst durch verschiedene Kriege in Europa: Flucht aus religiösen Gründen steht zum ersten Mal so richtig im Vordergrund, und das hält auch lange an, bis weit ins 18. Jahrhundert noch. Das war eine ganz interessante Umkehr der Perspektive und hat den Blick auf das Ereignis Reformation nochmal total verändert hat: Eine Fluchtbewegung in und über Europa hinaus. Einmal die Siedler, die nach Nordamerika gegangen sind, aber auch diejenigen, die ins Russische Reich oder nach Nordafrika gingen. Dieses ganze Ausgreifen der europäischen Geschichte in außereuropäische Räume, die ziemlich weit entfernt sind vom biografischen Zentrum der Fliehenden, ist zum großen Teil in genau dieser Zeit ausgelöst worden. Mindestens genauso wichtig und auch langfristig von Bedeutung ist die Frage der religiösen Verfolgung, aber auch des Sendungsbewusstseins derjenigen, die verfolgt wurden und sich anderswo ansiedelten, und wiederum deren Umgang mit dem „Anderen“.
Über Stipendien für Wissenschaftler aus Osteuropa in den 1970er und 1980er Jahren haben wir ja schon im ersten Teil unseres Interviews gesprochen. Könnt ihr nochmal erläutern, welche Stellenwert die Nachwuchsförderung und das Stipendienprogramm insgesamt für das IEG haben?
Nicole Reinhardt: Das Stipendienprogramm ist absolut zentral für das IEG. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal und eines der Fundamente des Instituts von Anfang an. Es ist auch das total Ungewöhnliche am IEG, dass es so ein Programm im Zusammenhang mit einem Forschungsinstitut gibt. Durch die Stipendien bekommt das Institut noch eine ganz andere europäische Dimension, die es so alleine gar nicht hätte. Dadurch, dass diese jungen Menschen von überall her an unser Institut kommen, aus anderen historiographischen Traditionen den jeweiligen Diskussionsstand mitbringen, diesen immer wieder aktivieren und natürlich auch für uns weiterführen, entsteht so eine Art dauerndes Fortbildungsprogramm für das Institut und seine Mitarbeitenden. Es ist für uns auch wichtig zu verstehen, aus welchen Kontexten die Stipendiatinnen und Stipendiaten argumentieren und ihre Fragestellungen entwickeln. Viele Dinge haben sie gemeinsam, da sie alle aus einer Generation sind, aber viele Dinge auch nicht. Da sind dann auch wieder nationale oder regionale Kriterien wichtig oder bestimmte disziplinäre Aspekte.

Johannes Paulmann: Vom Zugriff und vom Zeitraum, der untersucht wird, sind die Stipendiatinnen und Stipendiaten heute extrem divers, extrem breit. Am Institut haben wir Forschende, die gerade promovieren, wir haben Sich-Habilitierende und Habilitierte, und wir haben gestandene Professorinnen und Professoren, etwa etablierte Figuren, die sich als Senior Research Fellows am Institut aufhalten. Alle kommen hier im Institut miteinander ins Gespräch. Nicht gänzlich frei, das wäre eine Illusion, aber in einem wissenschaftlichen Austausch miteinander. Und für die Stipendiaten und Stipendiatinnen passiert hier auch sowas wie eine europäische Netzwerkbildung. Sie sind mindestens sechs Monate da, manchmal ein ganzes Jahr, und leben miteinander auf dem gleichen Gang, teilen sich die Küche. So werden Verbindungen und Netzwerke geschaffen, die europäisch sind. In ganz unterschiedlicher Form ist das relativ prägend für ihre berufliche und vielleicht auch persönliche Zukunft.
Nicole Reinhardt: Manche entdecken zum ersten Mal so einen europäischen Diskussionsraum, was dann ganz inspirierend ist. Eine georgische Stipendiatin hat mir erzählt, sie wünsche sich so sehr, dass es in ihrem Heimatland auch sowas gäbe: dass man immer wieder die Möglichkeit hat, auf so viele verschiedene Sichtweisen und Gesichtspunkte zurückzugreifen.
Johannes Paulmann: Sie kommen alle aus intellektuellen Bereichen, wo kluge Leute sitzen. Aber sie kommen halt aus ihrem Umfeld raus und in ein ganz anderes Umfeld rein. Das ist, glaube ich, das Entscheidende.
Von welchen Zahlen reden wir hier?
Johannes Paulmann: Insgesamt reden hier von mehr als 1750 Stipendien über die Jahrzehnte hinweg. Das Stipendienprogramm geht auf die 1950er Jahre zurück. Damals wurden sogar noch Stipendien vergeben, die über mehrere Jahre dauerten. Das ist schon seit einigen Jahren nicht mehr der Fall.
Ist es nicht erstaunlich, dass ein Institut, in dem internationale Stipendien eine so große Rolle spielen, erst dieses Jahr anfängt, ein Alumni-Treffen zu organisieren?
Johannes Paulmann: Es gab schon immer mal wieder Alumni-Treffen an internationalen Historikertagen. Diese Treffen kamen unregelmäßig zustande und sind dann wieder eingeschlafen. Wir bauen das jetzt systematisch aus.
Nicole Reinhardt: Ein Alumni-Treffen zu organisieren, ist natürlich auch mit Aufwand und Personaleinsatz verbunden, was wir so nicht leisten konnten. Wir haben das jetzt eben auch deshalb anstoßen können, weil wir Sondermittel vom Land Rheinland-Pfalz bekommen haben.
„Unser neuer Arbeitsbereich Umweltgeschichte wird in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil des Instituts sein und neue Möglichkeiten zur Kooperation eröffnen, etwa mit den den Naturwissenschaften, insbesondere mit Biologen und Geologen.“
Was sind die Visionen für das IEG für die kommenden Jahre?
Nicole Reinhardt: Da kann ich gar nicht mehr von Vision sprechen, weil wir seit kurzem wissen, dass wir den Arbeitsbereich „europäische Umweltgeschichte“ mit sechs neuen Stellen aufbauen können. Ab 2027 wird dies der vierte Arbeitsbereich und einen wesentlichen Bestandteil des Instituts ausmachen. Das wird die Dynamik am Institut nochmal verändern. Denn der neue Arbeitsbereich wird dazu führen, dass wir unsere Prozesse und Arbeitsweisen, also die Art, wie wir zusammenarbeiten, neu gestalten müssen. Das ist sicherlich mit vielen neuen Impulsen verbunden.
Johannes Paulmann: Wir haben jetzt drei Arbeitsbereiche mit drei Leitungen, und in Zukunft werden wir dann vier Arbeitsbereiche mit vier Leitungen haben. Da muss man schauen, wie sich so ein vergrößertes Forschungsprogramm koordinieren und bespielen lässt. Was sicher in der Zukunft über die Frage der Umweltgeschichte passieren wird und was zum Teil auch schon durch den Arbeitsbereich Digitalität passiert: Wir werden mit anderen Kooperationspartnern und in anderen disziplinären Konstellationen zusammenarbeiten. Es eröffnen sich hier neue Möglichkeiten. Über die Umwelt kann man zum Beispiel mit den Naturwissenschaften, insbesondere mit Biologen und Geologen, kooperieren. Ich glaube, das wird sehr spannend werden. Wo das genau hinführt und mit wem man dann kooperieren wird, das kann man allerdings noch nicht sagen.

Nicole Reinhardt: Es wird hier auch weiteres Potenzial für Transferprojekte in die Gesellschaft, in Museen und Schulen geben. Das wird in der Bedeutung zunehmen.
Johannes Paulmann: Ich glaube auch, dass dadurch eine neue Dynamik reinkommen wird, die sowohl aus dem Gegenstand herrührt, als auch aus der Art und Weise, wie der Gegenstand erforscht wird. Diese Dynamik wird nicht nur für den neuen Arbeitsbereich wichtig sein, sondern das ganze Institut mit beeinflussen.
Daten und Fakten
| Daten und Fakten | |
|---|---|
| Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 1950 | 168 |
| Publikationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit 1950 | 860 Bücher 1800 Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden |
| Vom IEG herausgegebene Werke | 422 (274 Titel in der VIEG-Reihe, 148 Titel in der Reihe VIEG-Beihefte) |
| Stipendien seit 1951 | 1800 |
| Erster Stipendiat | 1951: Karl J. Narr, »Der Mensch in der Vor- und Frühgeschichte« (Universität Bonn) |
| Erste Gastwissenschaftlerin | 1953-1955: Ellen Waardenburg, »Die niederländische Geschichte ab 1555 in der deutschen Histographie« (Historisches Museum für Gelderland, Arnhem, Belgien). |
| Erste Stipendiatin | 1957/58: Lissa Norgaard-Petersen, »Die deutsch-dänischen Beziehungen 1900-1914« (University of Copenhagen, Dänemark). |
| Erster Stipendiat aus Nordamerika | 1954-1962: Arthur G. Haas, »Metternich und das Nationalitätenproblem in der Habsburgermonarchie 1814-1818« (University of Chicago) |
| Erster Stipendiat aus dem Ostblock | 1957/58: Josef Nemeny-Nahodil, »Direkte und indirekte Beziehungen zu Luther im Denken Hegels, Kants, Feuerbachs, Schopenhauers und Nietzsches« (Ungarn) |
| Erster Stipendiat aus Lateinamerika | 1959/60, 1962/63, 1963-1965, 1966/67, 1980: Marco Antonio Huesbe Llanos, »Der Aristotelismus von Henning Arnisaeus und er der Einfluß der Schule von Salamanca auf die lutherische Staatslehre« (Universidad Católica de Valparíso) |
| Erster Stipendiat aus Afrika | 1968: Jean Matiba-Ikele, »Theorie der internationalen Beziehungen« (Société Africaine de Culture) |
| Erster Stipendiat aus der UdSSR | 1972: Michail Sergeevič Voslenskij, »Die westdeutsche Ostpolitik 1949-1969« (Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Moskau) |
| Erste Stipendiaten aus Asien | 1972: Akira Hayashima, »Deutschland und Japan im Ersten Weltkrieg« (Japan) 1987/88: Lin-Fei Xü, »Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1918-1933« (Universität Hangzhou, China) |
| Erster Stipendiat aus der Türkei | 1977-79: Fikret Adanir, »Das Osmanische Reich in der europäischen Frühen Neuzeit. Probleme seiner Verfassungsstruktur und seiner mächtepolitischen Rolle in Europa« (Universität Frankfurt am Main) |
| Erste Stipendiaten aus der DDR | 1979, 1985: Günther Stiller, »Luthers Theologie und Frömmigkeit im Spiegel der Bachkantaten« (DDR) 1979: Wolfgang Rochler, »Volksreformation und Laienbewegung als Problem der marxistischen und nicht-marxistischen Forschung« (Universität Leipzig) |
| Spezialbibliothek | 90.000 gedruckte Titel 900.000 elektronische Lizenz-Exemplare |
| Aktuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Wissenschaft, Verwaltung, Veranstaltungen) | 50 |
Die Fragen stellte Manfred Sing, Forschungskoordinator am IEG.
Titelbild: Die Direktoren des IEG, Johannes Paulmann (links) und Nicole Reinhardt (rechts). Bild: IEG, Fotografin: Barbara Mainz.
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Manfred Sing (November 5, 2025). „Durch das Stipendienprogramm entsteht ein dauerndes Fortbildungsprogramm für das Institut“. Writing European History / Europäische Geschichte schreiben. Retrieved April 4, 2026 from https://ieg.hypotheses.org/2444