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Percy Latzke: „Es wird nie einen Roboter geben, der alle Arbeiten macht, die ich ausübe“

Der Hausmeister am IEG erklärt im Interview, was ihm an seinem Job gefällt.

Von Manfred Sing

Percy Latzke arbeitet seit 2019 als Hausmeister am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG); an seiner Tür steht, dass er für „Liegenschaften und inneren Dienst“ zuständig ist. Was andernorts oft „Facility Manager“ heißt, bedeutet eigentlich „Mädchen für alles“, wie er selber mit einem Lachen sagt. Vor seiner Zeit am IEG hat er mit ähnlichem Tätigkeitsprofil bei verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Er erledigt viele Arbeiten, die nach außen hin unsichtbar bleiben, aber grundlegend dafür sind, dass eine Einrichtung, die vorwiegend Forschungsergebnisse veröffentlicht, funktioniert. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und wollen von ihm wissen, wie es für ihn ist, an einem historischen Institut zu arbeiten: Welche Veränderungen brachte das mit sich, welche Erfahrungen macht er, und wie sieht er die Zukunft? Vor dem Interview räumt er noch schnell einige Pakete beiseite, damit genug Platz für den Interviewer ist.

Percy, das sieht hier alles sehr geschäftig in deinem Büro aus. Was hast Du denn heute schon alles erledigt?

Heute Morgen habe ich mich schon um einen defekten Drucker gekümmert, der hat mal wieder gesponnen. Dann war ich im DvI,1 Pakete-Abholen und -Hinbringen. Dabei habe ich mir die Arbeiten der Glasreiniger angeschaut.

Und, bist Du zufrieden damit?

Die haben sehr gute Arbeit geleistet, und es macht Spaß mit denen zusammenzuarbeiten. Du guckst mal drüber, kontrollierst aber jetzt nicht jedes Fenster, weil du einfach weißt, dass sie machen, was abgesprochen wurde.

Was steht sonst noch an?

Gerade eben habe ich hier diese 30-Punkte-Liste von Frau Diegmüller [der administrativen Leiterin, M.S] erhalten. Sie hat gemeint, ich soll das halt nach und nach abarbeiten. Ja, hier ist es immer mal mehr oder weniger rasant. Da hakt ein Schloss, dort sind die Leuchtmittel defekt, die tausche ich dann schnell selber aus. Unten im Keller kontrolliere ich Trockner und Waschmaschinen, oben in der Küche ist vielleicht etwas defekt, das repariere ich dann, kurz mal den Siphon am Waschbecken auf- und wieder zuschrauben. Gestern habe ich den kompletten Rasen gemäht, so zwischendurch, und die Büsche zurückgeschnitten, damit alles wieder schick aussieht. Ansonsten tätige ich die ganzen Einkäufe vom WC-Bereich bis zum Druckerpapier und erledige alles, angefangen beim Angebote-Einholen wie jetzt bei den Glasreinigern.

Magst du diese Abwechslung oder würdest du lieber fokussierter arbeiten?

Dieses Abwechslungsreiche ist das, was mir Spaß macht. Wenn ich so dieses Monotone hätte, nur am Schreibtisch sitzen und Excel-Dateien erstellen, das wäre nichts für mich. Ich versuche halt, zeitlich alles unter einen Hut zu bringen. Da ich alleine in meinem Bereich bin, kann ich mir die Aufgaben für meinen Rhythmus einteilen und selber entscheiden, was dringend ist und jetzt gemacht werden muss und was noch zwei, drei Tage warten kann.

„Wir hier unten halten die kleinen Rädchen am Laufen, damit oben an den großen gedreht werden kann.“

Als Du hier angefangen hast, hast Du dir darüber Gedanken gemacht, dass Du mit dieser hohen Wissenschaftler:innen-Dichte zu tun haben wirst? Gab es so etwas wie Muffensausen davor, und wann hat es sich gelegt?

Am Anfang war vieles Neuland für mich, klar, weil ich aus der freien Marktwirtschaft kam. Aber Muffensausen oder so gab’s gar nicht. Ich bin ein sehr offener und kommunikativer Mensch und habe keine Probleme damit, auf jeden Menschen zuzugehen, ob er jetzt einen Doktortitel hat oder was auch immer. Ich bin halt so jemand und wurde so erzogen im Endeffekt. Der Mensch ist mir wichtig, nicht der Titel. Ich hatte nie Berührungsängste, auch nicht zu den Professoren. Mit allen Wissenschaftlern komme ich gut aus, mit den meisten bin ich sogar per Du. Ich würde auch sagen, dass ich von den Mitarbeitern hier gut akzeptiert bin. Die wissen, was ich kann und was ich nicht kann. Wir hier unten im Erdgeschoß [in der Verwaltung, M.S.] halten die kleinen Rädchen am Laufen, damit oben an den großen gedreht werden kann.

Wenn ich mal für die Technik im Konferenzraum verantwortlich bin, habe ich immer Sorge, dass irgendetwas nicht klappt. Wenn so ein studiertes Dummerchen wie ich ankommt und sagt, Mensch, Percy, hilf mir, ich kriege den Beamer nicht an, was denkst Du dir dann?

Das sehe ich gar nicht als schlimm an. Jeder hat sein Gebiet, und gerade als Wissenschaftler hier am Institut hat man in seinem Kopf andere Gedanken, als sich auch noch um die Technik zu kümmern. Das ist ja mein Aufgabenbereich, dafür bin ich da. Natürlich sind viele unterschiedliche Leute an den Geräten, und manchmal stehe ich auch da und denke mir, okay, warum ist das jetzt schon wieder? Manchmal geht auch einfach etwas kaputt. Das sehe ich entspannt: Technik ist Technik.

Und wenn Du das IEG mit deinen früheren Arbeitsstellen vergleichst: Welchen Unterschied macht das für dich?

Gar keinen. Ich habe auch mal zwei Jahre für eine Bank gearbeitet, das war noch mal ein ganz anderes Klientel, weil sie bei den anderen Menschen so rüberkamen, als wären sie etwas Besseres, weil sie jeden Tag so viel Geld von A nach B geschoben haben. Für mich ist Mensch Mensch. Was jetzt anders ist, ist, dass ich immer eine Freigabe brauche, wenn ich etwas bestelle. Das hatte ich früher nie. Wenn ich Material für 5.000 oder 10.000 Euro bestellt habe, musste ich nicht groß fragen. Das war für mich hier am Anfang schon ungewohnt, und ich hatte es nicht immer gleich auf meinem Schirm, dass ich jedes Mal mit der Bitte um Freigabe nachfragen musste, wenn ich etwas brauchte.

Ist dir die Entscheidung für den öffentlichen Dienst leichtgefallen?

Letztlich schon, ich habe mich bewusst für Stabilität entschieden. Man verdient generell etwas weniger als in der freien Wirtschaft, aber dafür muss ich mir keine Sorgen um die Zukunft machen. Als ich mich hier beworben habe, hatte ich auch ein Angebot aus der Privatwirtschaft mit Dienstwagen und Pipapo. Das wäre aber jeden Tag mit dem Ärger beim Pendeln nach Frankfurt verbunden gewesen. So fahre ich morgens entspannt mit dem Rad zur Arbeit und genieße es.

Was mir gut gefallen hat, ist das Klapp-Ding, das Du für die Präsentation unserer Forschungsprojekte auf dem Mainzer Wissenschaftsmarkt gebastelt hast…

Das Holzklappwerk. Genau, ich weiß auch nicht, wie man das bezeichnen soll.

Percy Latzke legt auf dem Wissenschaftsmarkt an die Präsentationstafel letzte Hand an, unterstützt von Juliane Schwoch, der Referentin für Öffentlichkeitsarbeit. © IEG Mainz.

„Das Schreiner-Handwerk habe ich von der Pike auf gelernt.“

Das ist ein echter Hingucker und eine haptische Erfahrung. Sogar Wissenschaftsminister Clemens Hoch hat sich bei seiner Runde die Zeit genommen, es genauer zu inspizieren. Es ist wie eine Art hölzerner Weihnachtskalender mit 18 Türchen. Auf den Türen ist jeweils ein Figürchen oder ein Bild montiert, so dass man raten kann, um was es geht. Wenn man dann die Klappe öffnet, findet sich ein Erklär-Text. Eine Türe hat sogar Soundeffekt. Man merkt allein schon daran, dass das Holz so angenehm anzufassen ist, dass das jemand gemacht hat, der Ahnung von der Materie hat. War es schwierig herzustellen?

Nicht so, Holzarbeiten haben mir schon immer viel Spaß gemacht. Ich bin Handwerker, das ist mein Fachgebiet. Und das Schreiner-Handwerk habe ich von der Pike auf gelernt, in Mainz-Weisenau. Ich habe damals auch noch gelernt, wie man Särge baut und auskleidet und die Griffe dransetzt. Das macht heute auch fast kein Schreiner mehr selber. Nach der Lehre habe ich in einem Karosseriewerk in Groß-Gerau gearbeitet. Wir haben innen die Ausbauten und Holzarbeiten für Sondereinsatzfahrzeuge gemacht, zum Beispiel für die indonesische Polizei. Das waren teilweise schon ganz wilde Sachen, die wir gebaut haben. Das hätte ich gerne länger gemacht, aber das ging damals leider nicht weiter.

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (Mitte) inspiziert die Tafel, begleitet von IEG-Mitarbeiterin Frauke Pielhau und IEG-Direktor Johannes Paulmann. © IEG Mainz.

Was sind für dich Highlights aus deiner bisherigen Zeit am IEG?

Seitdem ich hier angefangen habe, hat sich vieles verändert. Wenn wir allein unten im Kellerbereich anfangen: vieles wurde aufgeräumt, die Wände gestrichen, der Waschraum neu gemacht. Vorher hatten wir bei schlechtem Wetter sogar immer wieder mit Wasser im Keller zu kämpfen. Das Problem habe ich abschaffen lassen. Da bin ich auch ein bisschen stolz darauf, dass ich solche Sachen in die Wege geleitet habe und auch sehr gutes Feedback dafür bekommen habe.

Ich erinnere mich, dass Du einmal bei mir im Büro vorbeigekommen bist und nur kurz einen Blick in den Nebenraum geworfen hast und gleich bemerkt hast, dass sich da ein kleiner, dunkler Fleck gebildet hatte: Wasserschaden. Wenn du nicht zufälligerweise reingeschaut hättest, hätte das wohl keiner bemerkt, und es wäre noch viel schlimmer geworden.

Das kommt einfach daher, dass ich aus dem Handwerk komme. Wenn ich bei Leuten zu Hause bin, dann fallen mir direkt viele Sachen auf: dass eine Tür nicht richtig gesetzt oder die Sockelleiste falsch angeschnitten ist oder die Schranktür nicht richtig hängt. Dieser Blick ist automatisch. Ich kann nicht einfach in einen Raum reingehen und keinen Blick nach links, rechts, oben, unten werfen. Das kommt durch mein Schreinerleben davor und ist das, was mir Spaß macht und wo ich mich gut auskenne. Wenn ich jetzt Möbelstücke bestelle, muss ich mir meistens auch keine Anleitung durchlesen, das ist bei mir einfach schon im Kopf drin: Die Schraube gehört einfach dahin, und das muss so zusammengeschraubt werden. Erst letzte Woche habe ich ratzfatz 23 neue Bürostühle für unsere Stipendiaten zusammengebaut. Ich kann viele Sachen reparieren und lerne gerne Neues dazu, weil ich wissbegierig bin. Zum Beispiel könnte ich dir eine Steckdose oder einen Lichtschalter wechseln. Aber hier am Institut darf ich das nicht, weil ich nicht Elektriker gelernt habe.

Da fehlt dir dann das entsprechende Papier?

Genau, da gibt es ganz klare Vorschriften.

Du bist auch für das Wohnheim der Stipendiatinnen und Stipendiaten und für zwei Gäste-Wohnungen zuständig. Wie kommst Du mit der internationalen Atmosphäre zurecht?

Ich habe mein ganz normales Schulenglisch, da mache ich keinen Hehl draus. Um sich normal zu unterhalten, reicht es auf jeden Fall aus, auch wenn mir vielleicht manche Wörter nicht direkt einfallen. Wie gesagt, beim Unterhalten habe ich keine Scheu.

Da hast Du auch viel mit jüngeren Leuten zu tun. Treffen da manchmal auch unterschiedliche Vorstellungen aufeinander?

Das wäre ja gelogen, wenn das nicht so wäre. Hier ist schon einmal ein Schreibtisch kaputt gegangen, weil jemand gemeint hat, sie müsse sich da drauf stellen und von sich aus die Fenster putzen. So Sachen erlebt man schon. Im Allgemeinen läuft es aber gut. Die Leute, die hierher anreisen, sollen sich wohl fühlen und in einer Umgebung arbeiten, in der sie sich willkommen und zu Hause fühlen. Auf die Wünsche, die an uns herangetragen werden, gehen wir immer ein, auch wenn nicht alles machbar ist. Hier unten haben wir wirklich ein gutes Team dafür beisammen und fragen uns ständig, jede Woche, was wir für unsere Gäste verbessern können und wie wir den Aufenthalt für alle angenehmer machen können. Mir ist wichtig, dass die Sachen, die dem Institut gehören, pfleglich behandelt werden und dass man sich an die allgemeinen Verhaltensregeln hält, was die allermeisten Gäste auch tun; also, dass man Räume, ob Küche oder Bad, so verlässt, wie man sie vorgefunden hat. Alles andere interessiert mich nicht, ob da jetzt einer Bücher bis zum Geht-Nicht-Mehr in seinem Zimmer stapelt oder sonst irgendein Chaos veranstaltet. Ich denke mir nur manchmal, so könnte ich nicht arbeiten, aber das muss jeder für sich selber wissen.

Wie würdest Du deinen eigenen Arbeitsstil und das Stresslevel bei der Arbeit beschreiben?

Es gibt hier schon viele Stressmomente, aber auch mal ruhigere Zeiten. Jeder geht mit Stress anders um. Ich bin gut organisiert, das hilft. Auf meinem Schreibtisch, das sieht man ja, liegen mehrere Post-It-Zettel rum, wo überall was draufgeschrieben ist. Das ist meine Struktur, damit bei mir nichts vergessen wird. Andere schreiben sich das vielleicht im PC in den Kalender, damit irgendwas aufpoppt. Aber ich bin halt noch einer von der alten Schule, der wirklich von dieser Zettelwirtschaft lebt. Mir ist wichtig, dass ich alles im Blick habe, was ich die Woche über noch zu erledigen habe.

„Durch mein Schreinerleben habe ich schon einiges wegstecken müssen.“

Gibt es Dinge, auf die Du keine Lust mehr hast, oder Dinge, bei denen Du froh bist, dass Du sie nicht machen musst?

Als ich hier angefangen habe, hatten wir für die Stipendiaten jede Woche Handtuch-Wechsel und alle zwei Wochen Bettwäsche-Wechsel. Das musste ich alles einsammeln und waschen. Nicht dass ich mir zu fein dafür bin, ich habe sechs Jahre lange mitgeputzt, ich weiß, wovon ich rede. Aber das ist eine Zeit, in der ich sinnvollere Dinge erledigen kann. Wir haben den Handtuch- und den Bettwäsche-Wechsel inzwischen abgeschafft. Das können die Gäste für sich selber übernehmen. Dass ich das nicht mehr machen muss, hat mich wirklich glücklich gemacht.

Dein Job ist auch körperlich anstrengend. Merkst Du das manchmal?

Ich muss manchmal schon schwere Schränke verschieben und häufig Büros umräumen. Durch mein Schreinerleben hatte ich auch schon mehrere Bandscheibenvorfälle, da habe ich schon einiges wegstecken müssen. Aber alles okay, ich musste mich keiner OP unterziehen, weil ich das mit gewissen Übungen hinkriege. Das, was ich mir wirklich zutrauen kann, das mache ich, aber ich würde mich nie selber überschätzen. Wenn ich Hilfe brauche, dann würde ich immer Bescheid geben.

Schnappst Du auch ein bisschen was von Geschichte oder Geschichtswissenschaft auf?

Nein, dazu fehlt mir die Zeit, um mich damit intensiver zu beschäftigen. Aber ich bin ehrlich, ich bin auch keine Leseratte. Ich bin auch zu Hause oder im Urlaub überhaupt keiner, der ein Buch in die Hand nimmt. Früher mal, in der Kindheit, habe ich ein Buch von Heinz Erhardt geliebt, das konnte ich irgendwann auswendig und habe damit meine Eltern genervt.

„Dieses historische Haus ist für mich als Handwerker ein Highlight.“

Aber Interesse an Geschichte generell hast du schon, oder?

Oh ja, ich identifiziere mich natürlich mit dem Institut, gerade dieses historische Haus, was wir hier haben, das ist für mich als Handwerker ein Highlight.

Das wirkt so, als ob Du richtig mit dem Haus mitfühlst, wenn etwas nicht funktioniert. Stimmt das?

Drüben bei den Journalisten2 hatten wir diese alten Türen, und wegen Brandschutz mussten die dann mit Rigipsplatten zugemacht werden. Da stand ich als Schreiner davor und habe gesagt: Liebe Leute, das ist doch nicht euer Ernst! Ihr könnt doch nicht so schöne alte historische Türen, die ja auch Geschichten erzählen, zubauen. So etwas tut mir wirklich in der Seele weh. Natürlich gibt es Vorschriften, aber ich denke mir, gerade bei so historischen Häusern müssten gewisse Leute einfach mal über ihren Schatten springen. Gleichzeitig sage ich mir: wer hat schon einen Arbeitsplatz mitten in der Innenstadt mit einem schönen Garten dabei und kann von einigen Etagen einen tollen Blick auf den Dom genießen? Wenn im Sommer Sonnenaufgang ist, habe ich schon oft tolle Fotos geschossen. Das ist ein bisschen meine Leidenschaft. Morgens im Haus sein, wenn noch keiner da ist und alles ruhig ist und dann einfach mal so den Blick nach draußen schweifen lassen.

Woher kommt die Leidenschaft fürs Fotografieren?

Das kam irgendwann, weil mich die ganze Tierwelt interessiert. Da braucht nur zum Beispiel eine Hummel zu sein, die auf einer Blüte sitzt. Dann versuche ich, so nah ran zu kommen wie möglich, damit man dann wirklich jedes Härchen und den Blütenstaub sieht. Das fasziniert mich: wenn ich tolle Motive sehe, wie jetzt, als in Berlin war, alte Häuser oder Haustüren, also mehr das ein bisschen Verranzte, nicht dieses Schicke, sondern etwas, wo man sieht: da wird gelebt!

Fotografierst Du mit Kamera?

Nein, mit Handy, die Dinger sind mittlerweile unglaublich gut und einfach praktischer. Die Fotoausrüstung liegt meistens ungenutzt zu Hause herum.

Beim letzten Kreppelkaffee3 hast Du uns alle mit einer Tanzeinlage überrascht. Schlummern da noch mehr versteckte Talente?

Shuffle nennt sich das. Meine Tochter, sie ist jetzt 21, kann das auch, und manchmal im Urlaub tanzen wir gemeinsam, Vater und Tochter. In meiner Jugend habe ich tatsächlich einen Tanzkurs gemacht und dann in einer Tanzschule in Rüsselsheim mit der Tanzpartnerin sogar bis Silber getanzt, Walzer und Cha-Cha-Cha und was es alles gibt. Ich habe das dann aufgehört, aber mit Freunden haben wir uns eigene Tanzmoves ausgedacht. Und meine ganz große Leidenschaft schon immer ist die Musik. Ich habe mit 15, 16 angefangen, Musik aufzumischen. Mit Freunden zusammen haben wir als DJs in Hallen für 500 bis 600 Leute Musik aufgelegt. In den letzten Jahren habe ich mir wieder ein altes Mischpult geholt. Wenn ich heute Zeit habe, packe ich es zu Hause aus und mische dann alles, was anfällt, von House über Dance, kann auch Techno sein. Gerne auch aus den 50er-, 60er-Jahren, aus der Rock’n’Roll-Zeit; die Musik kenne ich noch durch meine Eltern.

Was ist deine Lieblingsband?

Die Band, die ich wirklich liebe, ist Journey. Da stehen von früher noch so ein paar Sachen dahinter, und es gibt auch Verbindungen zur Verwandtschaft in Amerika.

„Das Handy ist ein Segen, aber auch ein Fluch.“

Okay, don’t stop believing! Fällt es dir leicht, positiv auf die Zukunft zu schauen in diesen Zeiten, in denen zum Beispiel KI bei der Arbeit und in der Freizeit immer weiter um sich greift?

Was meinen Arbeitsplatz angeht, habe ich überhaupt keine Befürchtung. Es wird nie einen Roboter geben, der alle Arbeiten macht, die ich ausübe. Es wird aber generell schon viele Berufe geben, in denen Arbeitsplätze verloren gehen. Ich finde, KI kann in manchen Bereichen gut sein, aber in vielen Bereichen finde ich das sehr erschreckend, gerade auch in der Musik. Man weiß ja nicht mehr, was real ist und was nicht. Das ist mir alles zu verfälscht. Wenn ich manchmal so durch die Welt gehe, dann denke ich, die Welt ist in meinen Augen nicht mehr so real. Jeder, der auf der Straße rumrennt, hat nur noch das Handy in der Hand und guckt überhaupt nicht mehr, was es drumherum Schönes zu sehen gibt. Das Handy ist ein Segen, aber auch ein Fluch.

Wie gehst Du selber damit um?

Im Freundeskreis ist das bei uns ein Tabu. Keiner packt sein Handy aus, da brauch ich nicht mit Leuten weggehen, wenn jeder nur noch auf sein Handy starrt. Ich bin kein Typ, der stundenlang an seinem Telefon sitzt. Ich bin einer, wenn ich nach Hause komme, nehmʼ ich mein Telefon, leg das in die Küche und dann bleibt es da liegen. Einfach abschalten, Kaffeetrinken und die Ruhe genießen. Das ist das Schönste für mich.

Lieber Percy, vielen Dank für das Gespräch. Dann halte ich dich mal nicht weiter davon ab, deine Liste da abzuarbeiten!


Die Fragen stellte Manfred Sing, Forschungskoordinator am IEG.


Titelbild: Percy Latzke in seinem Büro, © IEG Mainz.

Anhang

  1. Der zweite Standort des IEG in Mainz liegt in der Diether-von Isenburg-Straße (DvI) neben dem Kurfürstlichen Schloss. Hauptsitz ist die Alte Universität (Domus Universitatis) direkt in der Mainzer Innenstadt. ↩︎
  2. Das IEG teilt sich die Alte Universität mit dem Journalistischen Seminar der Johannes Gutenberg-Universität. ↩︎
  3. Kreppelkaffee ist eine Mainzer Spezialität mit Berlinern und Kaffee an „Weiberfastnacht“, dem „Schmotzige Dunschtig“. ↩︎

OpenEdition suggests that you cite this post as follows:
Manfred Sing (October 6, 2025). Percy Latzke: „Es wird nie einen Roboter geben, der alle Arbeiten macht, die ich ausübe“. Writing European History / Europäische Geschichte schreiben. Retrieved April 4, 2026 from https://ieg.hypotheses.org/1690


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