//
Artikel Archiv

Winter

Diese Schlagwort ist 79 Beiträgen zugeordnet

Das Rot und das Weiß

Eigentlich wähnten ich und vermutlich viele andere auch den Winter bereits in weiter Ferne. Das ist wohl ein Irrtum. Als ich meinen Scharlachroten Kelchbecherlingen einen Besuch abstatten wollte, hatte ich Schwierigkeiten sie zu finden. Als typischer Winterpilz kommt er mit nicht allzu starkem Frost gut zurecht. Der Schnee war zum Glück nicht so dicht, dass einige rote Tupfer wohltuend aus der leicht beschneiten Fläche hervorstachen (siehe Foto).

Wege 32: Anziehungskraft der Komplementärfarbe

Es ist noch dunkel. Ich breche zu meinem morgendlichen Spaziergang auf und erlebe die Welt in ein tiefes Schweigen gehüllt. Der Weg führt auf eine dunkle Baumgruppe zu, die mit feinen, filigranen Ästen in den Himmel ragt. Dieser leuchtet in einem einheitlichen Blau, in dem sich auf eine stimmungsvolle Weise der beginnende Tag ankündigt.
Unmittelbar vor der Baumgruppe leuchtet eine Straßenlaterne in intensiven, fast glühenden Gelb-Orange-Tönen – der perfekten Komplementärfarbe zum Blau des Himmels. Ihr Licht scheint die gesamte Stimmung des Bildes in einen zentralen Tupfen zusammenzuziehen. Es ist kein helles Licht, eher ein sanftes Glühen, das nicht nur den Blick auf sich zieht, sondern auch den Schritt. Es ist die Verheißung von Wärme, die den Winter (der hier noch in einigen Schneeflecken nachwirkt) zu überwinden hilft.

Organisch-anorganisches Ensemble

In diesem Winter gibt es zahlreiche naturschöne Anblicke, wobei die organischen Pflanzen (fast ein Oximoron) eine geschmackvolle Verbindung mit anorganischen Reifstrukturen eingehen, so als wäre es das Natürlichste von der Welt.

Der Sommer mitten im Winter

Das frostige Wetter hat einer abgestorbenen Pflanze vom vergangenen Sommer zu erneuter Blütenpracht verholfen, indem bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt Wasserdampfmoleküle an den passenden Stellen der vertrockneten Pflanze andockten (resublimierten). Das reine Weiß der Eiskristalle steht in auffälligem Kontrast zur etwas vertrockneten Umgebung und nährt meinen inneren Sommer.

Die Haare im Winterwald

Jedes Jahr wenn die Bedingungen gut sind, versuche ich an bestimmten Stellen des Winterwaldes besondere weiße Haare zu finden, die einige morsch gewordene Äste oft in üppiger Pracht wachsen lassen. Sah ich sie früher überhaupt nicht, danach zum ersten Mal und anschließend selten, so kreuzen sie inzwischen meine Wege, wenn diese denn zur richtigen Zeit am richtigen Ort verlaufen. So auch kurz nachdem der Schnee sich in die flüssigen Phase verdünnisiert hatte. Es gab eine Nacht mit Frost, der bis in den nächsten Morgen anhielt.
Obwohl ich kaum damit rechnete, weiße Haare vorzufinden, hatte ich zumindest mit einem kleinen Ast Glück (siehe Foto). Er zeigte die bekannten Haarbüschel, die ich schon in früheren Zeiten ausführlicher beschrieben habe. Sie waren meist üppiger, aber diesmal war das Büschel einzigartig, weil es weit und breit kein zweites gab (siehe Foto).
Als ich das Foto hochgeladen hatte, stellte ich fest, dass ich beim Fotografieren beobachtet worden war. Habt ihr nicht auch den Eindruck, dass kurz oberhalb des Haarbüschels ein Beobachter zumindest schemenhaft auszumachen ist ?

Rätselfoto des Monats Januar 2026

Wir möchten wissen, warum die Eisnadeln nur in eine Richtung wachsen.


________________________________________________________________________________

Erklärung des Rätselfotos des Monats Dezember 2025
Frage: Wir möchten wissen, wieso die sich in einer Doppelglasscheibe mehrfach spiegelnde Lampe farbig erscheint.
Antwort
: Eine leuchtende Lampe hängt bei Dunkelheit vor einer Fensterscheibe und wird mehrfach reflektiert. Die ersten beiden Reflexionen erfolgen an der inneren und äußeren Scheibe. Die dritte Reflexion kommt dadurch zustande, dass das Licht in beiden Scheiben hin und her reflektiert wird bevor es nunmehr auf zwei verschiedenen Wegen das Auge erreicht.
Da die beiden Scheiben gleich dick sind, sollten auch die zurückgelegten Wege gleich lang sein. Das stimmt allerdings nicht ganz. Da die Lichtwege in zwei verschiedenen Scheiben zurückgelegt werden, kann ein äußerst geringfügiger Unterschied in der Dicke der Scheibe ins Spiel kommen, der bei der Herstellung nicht zu vermeiden und normalerweise auch nicht messbar ist. Denn er ist allenfalls von der Größe der Wellenlänge des Lichts. Aber dieser winzige Unterschied macht sich in der Überlagerung im Auge oder auf dem Chip der Kamera dadurch bemerkbar, dass die Phasen der Lichtwellen gegeneinander verschoben sind und es zur Interferenz kommt: Einzelne Lichtwellen werden verstärkt oder partiell ausgelöscht. Das Licht ist daher nicht mehr weiß, sondern weicht davon dem Wegunterschied der Wellen entsprechend ab. (Genaueres findet man hier).

Farben im Eis

Nachdem es in den letzten Tagen heftig gefroren hat, wollte ich feststellen, wie dick die Eisschicht auf der Regentonne geworden war. Dazu habe ich mit einem Stein ein Loch in die mehrere Zentimeter dicke Eisschicht geschlagen. Schon beim ersten Schlag flammten die dadurch entstandenen feinen Spalten in leuchtenden Farben auf.
Sie entstehen dadurch, dass nicht nur das Eis gebrochen wird, sondern auch das Licht, das die Sonne gestern reichlich zur Verfügung stellte. Und das kommt so. Wenn die Lichtwellen durch die sofort mit Luft gefüllten Spalten gehen, wird an den Grenzflächen zwischen Eis und Luft und Luft und Eis ein Teil der Wellen durchgelassen, ein anderer reflektiert. Überlagern sich dann die an der ersten und an der zweiten Grenzfläche reflektierten Teilwellen im Auge oder auf dem Chip der Kamera, so kommt es zu sogenannten Phasenverschiebungen, weil sie geringfügig unterschiedlich lange Wege zurückgelegt haben. Dadurch wird die Farbzusammensetzung des weißen Lichts so gestört, dass einzelne Farben sichtbar werden. Genau das ist im obigen Foto zu sehen.
Beim Fotografieren muss man sich beeilen, weil die dünnen Spalten meist sehr schnell wieder zusammenfrieren und damit der Farbeffekt wieder verschwindet.
Sag niemals Eis sei transparent und farblos. Es kann auch anders.

Jedes Härchen ein Kriställchen

Die auf dem Blatt wachsenden Eiskristalle haben sich jeweils ein Härchen als Anker genommen, und das aus guten Gründen.
Wassermoleküle benötigen einen Keim, um zu kristallisieren. Außerdem nehmen die Härchen eine exponierte Stellung ein und besitzen nur eine sehr geringe Masse, was eine entsprechend kleine Wärmekapazität zur Folge hat. Daher kühlen sie sich in der Nacht sehr schnell ab und schaffen damit günstige Voraussetzungen für den Phasenübergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand. Ähnliches trifft für den Rand des Blattes zu.

Der Sommer im Winter

Ab heute ist offiziell Winter und immer wenn der Winter beginnt, taucht in mir ein Satz auf, der mich in meiner Schulzeit bei der Lektüre eines französischen Textes sehr beeindruckte:
Au milieu de l’hiver, j’apprenais enfin qu’il y avait en moi un été invincible.*
(Mitten im Winter erkannte ich, dass in mir ein unüberwindbarer Sommer steckte (meine Übersetzung).
Damals las ich alles von Albert Camus, das ich auftreiben konnte. Dieser Satz stammt aus seinem Frühwerk und kommt in der Geschichte „Retour à Tipasa“ vor. Ich wählte ihn als Losung, auf die ich so manches Mal zurückgekommen bin, und das nicht nur zum Winterbeginn.
____________________________________________________________________________
* Albert Camus. Noces. Paris 1993

Blühen bei klirrender Kälte

Ich bin immer wieder überrascht, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt eine gelb blühende Blume anzutreffen, die in dieser Jahreszeit mit ihrer sommerlich frischen gelben Farbe aus der Rolle zu tanzen scheint. Dieser Winterling (Eranthis hyemalis) hat seine Zeit abgewartet, um dann Mitte Februar bei strengem Frost eine Verheißung von Frühling an den Tag zu legen. Dieses scheinbar aller biologischen Vernunft widersprechende Verhalten wird dadurch möglich, dass sich der Winterling im Bedarfsfalle (und der ist bei momentan -6° C gegeben) ein Frostschutzmittel zulegt. Das gelingt dadurch, dass die Pflanze verstärkt Stärke in Zucker verwandelt, der im Saft der Pflanzenzellen den Gefrierpunkt herabsetzt. Das ist aus mindestens zwei Gründen nötig: Zum einen nimmt beim Gefrieren von Wasser das Volumen um etwa 10% zu, was von den wässrigen Flüssigkeiten in der Pflanze nicht zu verkraften wäre. Zum anderen würden beim Gefrieren in den Pflanzenzellen spitze Eiskristalle wächsen, die die Zellwände durchstoßen würden und sie auf diese Weise platzen ließen. Um diese Maßnahmen treffen zu können, muss die Pflanze die bedrohlichen Temperaturabnahmen registrieren um die Frostschutzmaßnahmen starten können. Dazu müssen die Winterlinge über entsprechende Sensoren verfügen, die in ein funktionierendes System der Signalübertragung eingebunden sein müssen. Das im Einzelnen herauszufinden ist Gegenstand aktueller biophysikalischer Forschung.

Ein Lichtblick

Gestern schien die Sonne. Aber da man sich leicht täuschen lässt, traute ich der darin enthaltenen Verheißung mehr, indem ich sie durch ein Loch in einem vertrockneten Blatt eines Korkenzieherhaselnussstrauches betrachtete. Ich hoffe, dass der dadurch hervorgerufene Lichtblick einen etwas realistischeren Eindruck vom restlichen Winter bietet.

Schwebender Schnee

Erstaunt war ich vor ein paar Tagen über diesen Anblick (Foto): Es war kalt und es grieselte ein wenig. Der Schneegriesel löste sich auf, sobald er den Boden erreichte. Nur an einer Stelle blieb er auf einer kleinen Fläche liegen, die in der Luft zu schweben schien. Ich weiß nicht, ob man das auf dem Foto so richtig erkennen kann. Jedenfalls konnte ich das Phänomen nicht auf sich beruhen lassen und untersuchte es aus nächster Nähe. Und siehe da: Der Schneegriesel schwebte wirklich, allerdings unter Zuhilfenahme eines dünnen (normalerweise kaum zu sehenden) Spinnennetzes.
Doch damit ist das Problem des schwebenden Schnees nicht gelöst, sondern nur verlagert auf die Frage: Wo kommt um diese Zeit eine Spinnennetz her? Ist es möglich, dass sich die Spinnfäden vom Herbst bis jetzt wie auch immer gehalten haben?

Haareis im Sonnenschein

Haareis sei eine seltene „Pflanze“ heißt es. Die Bedingungen müssen schon gut erfüllt sein, damit diese vom Leben eines Pilzes durch feine Poren in den abgestorbenen Ästen getriebenen Eishaare nicht nur das Licht der Welt sehen, sondern auch als üppige Haarpracht der eisigen Natur von der Welt gesehen werden (Foto). Nach einigen haarfreien Jahren (jedenfalls in der Gegend, in der ich sie vorher immer gesehen habe) traf ich sie gestern gerade noch rechtzeitig an. Rechtzeitig deshalb, weil die Sonne, die ihnen einerseits zwar einen schönen Glanz verleiht, andererseits aber auch den Garaus macht, letzteres gerade in Angriff nahm.
Nachdem ich vor kurzem noch einige Bilder von Haareis aus einer anderen Gegend erhalten und hier auch gezeigt habe, ist dies das zweite Mal in diesem Winter, dass ich auf sie zu sprechen komme. Vielleicht setzt sich der Trend ja fort, dass in dem Maße, in dem meine eigenen Haare weniger werden, das Haareis häufiger in Erscheinung tritt. 😉

Das lockige Haar im Winterwald

Wenn man so will, kann man in den hier gezeigten Haareisbüscheln auch das lockige Haar des holden Knaben sehen. Jedenfalls ist die Weihnachtszeit auch eine günstige Zeit, Haareis zu entdecken, das verrottende Holzstücke mit auffälligen, weiß leuchtenden watteähnlichen Strukturen umgibt.
Das Phänomen ist relativ selten. Die Fotos wurden mir Michael Bopp zugesandt, der das Glück hatte, das Phänomen vor ein paar Tagen in seinem Vorgarten vorzufinden. Ich selbst habe diese winterliche Zuckerwatte zuletzt vor zwei Jahren gesehen im Wald nicht weit von unserem Haus gesehen.
Die frostigen Haare bestehen aus vielen sehr dünnen (zirka 0,02 Millimeter) aber langen (bis zu 20 Zentimeter) Eisfäden und wachsen dicht gedrängt senkrecht zur Oberfläche eines verrottenden Holzstücks aus diesem heraus. Trotzdem verschmelzen die einzelnen Stränge nicht miteinander. Jedes Haar sprießt einzeln aus einer winzigen Öffnung im Material heraus ähnlich wie richtiges Haar aus dem Körper eines Lebewesens.
Die Kanäle, aus denen die Eisfäden hervorgehen, entsprechen ehemaligen Holzstrahlen, die das Leitgewebe des Holzes von der Mitte her kommend radial bis zur Borke durchziehen und im lebenden Baum dem Transport von Wasser und Nährstoffen dienen.
Bei der Bildung der frostigen Haare spielt der Stoffwechsel von Pilzen (Rosagetönte Gallertkruste (Exidiopsis effusa)) eine entscheidende Rolle. Denn dieser Pilz ernährt sich von dem in den Holzstrahlen vorhandenen organischen Material und gibt dabei neben Wasser gasförmiges Kohlendioxid ab. Letzteres drückt das Wasser durch die Strahlkanäle aus dem Holz heraus. Indem molekulare Rückstände der Stoffwechselvorgänge des Pilzes als Kristallisationskeime wirken, gefriert das Wasser dann beim Austritt aus dem Holz an der kalten Außenluft zu dünnen Fäden, die dann in ihrer Vielzahl wie Zuckerwatte das tote Holz umgeben.

Als weihnachtlicher Baumschmuck ist das Haareis weniger geeignet. In der Wohnung ist es einfach zu warm. Ähnlich wie bei den Eiszapfen, die früher durch das strähnenhaft vom Weihnachtsbaum hängende Lametta ersetzt wurden, kann ich mich an watteähnliches Haar erinnern, das bei uns zu Hause während mehrerer Weihnachtsfeste am Baum angebracht wurde. Ob damit jedoch natürliches Haareis imitiert weden sollte, konnte ich jedoch nicht herausfinden.

Feiert schön!

Das letzte Eis?

Nach dem frühlinghaft warmen gestrigen Tag, möchte ich noch kurz das vor wenigen Tagen aufgenommene Foto einer zugefrorenen Wasserpfütze zeigen, die allerdings bereits im Auftauen begriffen war. Vermutlich ist es das letzte Eis in diesem Winter, der zumindest bei uns im Norden kein richtiger Winter war. Aber vielleicht kamen gerade deshalb so skurrile Eismuster dabei heraus.

Bunte Schneeglöckchen

Schneeglöckchen (Galantus nivalis) gehören nach dem ausklingenden Winter zu den wenigen Frühblühern, die den frühen Insekten Nahrung bieten. Sie widerstehen tiefen Temperaturen und traten früher häufig, und treten heute, da sich der gleichfarbige Schnee rar gemacht hat, nur noch selten gemeinsam mit dem Schnee auf.
Man fragt sich vielleicht, ob die weiße Farbe des Schneeglöckchens nicht ungünstig ist, um im Schnee von den Insekten aufgefunden zu werden. Doch was wir Menschen als weiß wahrnehmen, ist eine beschränkte Sicht. Denn da Schneeglöckchen ultraviolettes Licht absorbieren, was das menschliche Auge nicht wahrnehmen kann, hebt es sich für Insektenaugen deutlich von der früher des öfteren schneeweißen Umgebung ab. Für Insekten sind Schneeglöckchen so gesehen bunt.

Winterliche Blütenträume

Es scheint als hätte diese Wildblume nur deshalb ihre alten und nach Ende der Vegetationszeit nutzlos gewordenen Vorrichtungen für die sommerlichen Blüten beibehalten, um im Winter noch einmal in einem weißen Blütenkleid der Jahreszeit wenigstens optisch zu trotzen. Oder waren es die Schneeflocken, die sich darin gefielen, sich an diesen Stellen zu weißen Blüten zusammenzutun?
Möglich wurde dieses sommerwinterliche Phänomen durch die passenden meteorologischen Verhältnisse. Die Temperatur muss in der Nähe des Gefrierpunkts gewesen sein. Auf diese Weise waren die Schneeflocken genügend nass und damit so anhänglich, dass sie einerseits am planzlichen Gerüst andocken und sich andererseits mit ihren Artgenossen bereitwillig vereinigen konnten.
Die blaue Farbe der im Schatten liegenden Schneeflächen trägt auch noch zum naturschönen Ensemble bei. Weil dort das Sonnenlicht nicht hinkommt, kann nur blaues Himmellicht reflektiert werden.

Winter ade, scheiden tut weh…

So haben wir früher gesungen mit lachendem Herzen. Da viele Anzeichen dafür sprechen, dass der Winter nach einem kurzen Aufbäumen nun endgültig Abschied zu nehmen scheint, möchte ich ihm noch eines meiner letzten Pfützenfotos hinterher schicken. Diese Eisstruktur zeigt den Winter einmal mehr von einer seiner ästhetisch ansprechenden Seite. Entsprechend vielfältig sind die physikalischen Vorgänge, die diesen Anblick hervorgebracht haben. Dazu habe ich mich früher mehrfach geäußert.

Brennspiegel

Hier zischt nichts, auch wenn die Sonne ein Loch durch das kahle Geäst brennt und sich alles im Wasser abspie(ge)lt. Diese Täuschung kommt dadurch zustande, dass durch den großen Intensitätsunterschied zwischen dem von der Sonne und den umgebenden Objekten ausgehenden Licht unser visuelles System physiologisch und die Kamera technisch überfordert sind eine perfekte Abbildung zu realisieren: Bei sehr hellen Objekten werden die Rezeptoren über die Sättigung hinaus angesprochen und dadurch so stark erregt, dass gleich auch noch einige der benachbarten Rezeptoren reagieren (Irradiation). Dadurch entsteht dann der Eindruck, dass es auch an der entsprechenden Stelle des Netzhautbildes noch hell ist, obwohl es „in Wirklichkeit“ nicht der Fall ist. Interessanterweise führt das zu entsprechenden Wirkungen bei der Kamera (Blooming) mit der Folge, dass das Foto in etwa dasselbe zeigt, was auch das Auge sieht.

Spätwinterlicher Zauber

Es ist wieder einmal (auch in unseren Breiten) soweit: die Zaubernuss blüht. Besonders eindrucksvoll macht sich ihr kräftiges Gelb in einer von Schnee aufgehellten Umgebung bemerkbar.

Die Zaubernuss ist eine Heilpflanze. Ich weiß nicht wofür oder wogegen. Mir ist ihr Anblick Heilung genug.

Haareis – des Winters Zuckerwatte

Nachdem ich vor wenigen Jahren zum ersten Mal Haareis in freier Natur gesehen habe – aus Abbildungen kannte ich es bereits – entdecke ich es immer häufiger. Ich weiß inzwischen, dass dies ein typisches Zeichen für die Wahrnehmungsaufmerksamkeit ist: Man sieht nur was man kennt. So auch vor ein paar Tagen. Kaum sinkt die Temperatur unter den Gefrierpunkt, taucht das weiße Haar im Untergehölz des nahe liegenden Buchenwaldes auf. Die Bedingungen waren allerdings auch ideal, denn einerseits hatte die vorangegangene Regenzeit alles schön durchfeuchtet und andererseits fiel auch die Temperatur nicht allzu weit unter den Gefrierpunkt. Diesmal sah ich das wie Zuckerwatte anmutende Naturprodukt sogar in einem höher gelegenen abgestorbenen Ast einer Buche. Vor kurzem gab ich eine physikalische Erklärung für dieses – offenbar gar nicht mehr so seltene – Naturphänomen..

Winterliche Schwarz-Weiß-Malerei

Einige Bäume lockern die ansonsten triste Agrarlandschaft auf. Der Schnee macht nicht nur die Spuren der letzten landwirtschaftlichen Aktivitäten sichtbar, (die rechts unten an einen chaotischen Attraktor erinnern,) sondern verwandelt das Ensemble in eine Art Schwarz-Weiß-Malerei.

Tröpfchenweise

Schaut man sich die Tropfen an, dann fällt auf, dass sie alle eine unterschiedliche Größe haben. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie sich in unterschiedlichen Wachstumsphasen befinden. Gespeist von winzigen Nebeltropfen wachsen sie bis ihre Schwerkraft größer wird als die Adhäsionskraft, mit der sie am Ast gehalten werden. Dann schnüren sie sich ab und fallen hinab. Schon unmittelbar danach bildet sich ein neuer Tropfen und das Wachstums- und Fallspiel beginnt von neuem.
Da die Tropfen wie eine Linse aus Wasser wirken, bilden sie – wenngleich unvollkommener als optische Linsen – die Umgebung ab. Je nach der Größe der Tropfen fallen diese Abbildungen mehr oder weniger verzerrt aus.

Eine Bank lädt aus

Vor einigen Tagen hat mir Claudia Hinz diese schöne Aufnahme von einer Sitzbank geschickt. Der Anblick stimmt uns sofort auf den (vielleicht) bevorstehenden Winter ein, insbesondere dann wenn man sich auf diese Bank setzt. Ich würde das allerdings nicht empfehlen. Zwar sind die Eisstacheln relativ harmlos, sie schmelzen sofort dahin, sobald ein warmer Hintern die dazu nötige Schmelzwärme liefert. Aber genau das ist das Problem. Denn vermutlich würde die Wärmeabgabe, die zum Schmelzen (also der Überführung der Eiskristalle in Wasser) nötig ist, einen drastischen Eingriff ins Wohlbefinden dieses empfindlichen Körperteils führen, zumal das entstandene Wasser zumindest normale Textilien durchtränkt und auf diese Weise die Wärmeleitung zusätzlich „befeuert“. Wenigstens im Prinzip, wie Physiker oft zu sagen pflegen.
Außerdem – und das scheint mir noch schlimmer zu sein – würde man ein seltenes, naturschönes Gebilde unwiderruflich zerstören und das auch noch mit dem Hintern. Welcher Kunstverständige könnte das schon mit seinem Gewissen vereinbaren.
Aber nun im Ernst: Wie kam es überhaupt zu diesem herausfordernden „Naturkunstwerk“?
Ich stelle es mir folgendermaßen vor: Die auf der Bank vorhandenen Regentropfen sind in der kalten Nacht zunächst gefroren, während sich an trockenen Stellen (Rau)reif bildete. Entscheidend ist dabei ja immer, dass Keime vorhanden sind, an denen der Wasserdampf kondensieren bzw. sublimieren (also direkt in Eis übergehen) kann. Die besten Keime sind normalerweise die Eiskristalle selbst, deswegen wachsen sie ja an den Stellen weiter, an denen der Anfang geglückt ist. Wurde den Wassertropfen bereits durch die eisige Verhärtung das innewohnende Verlangen (letzteres ist kein physikalischer Terminus) genommen, kugelförmig zu werden, so erinnert durch den üppigen Eishaarwuchs inzwischen nicht das geringste mehr daran, dass dieses Verlangen überhaupt einmal bestanden haben könnte. Es wäre also durchaus verständlich, dass den Tropfen deshalb die kristallinen Haare zu Berge stehen. 😉

. 😉

Ich hab die Tür verriegelt

Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amsel, Drossel, Fink und Meisen
die Koffer packen und verreisen,
wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir versäumten zu zerdrücken,
von selber sterben – so glaubt mir:
es steht der Winter vor der Tür!

Ich laß ihn stehn!
Ich spiel ihm einen Possen!
Ich hab die Tür verriegelt
und gut abgeschlossen!
Er kann nicht rein!
Ich hab ihn angeschmiert!
Nun steht der Winter vor der Tür –
und friert! *


 Heinz Erhardt (1909 – 1979).

Wie ein leises Singen

’s war doch wie ein leises Singen
In dem Garten heute nacht, 
Wie wenn laue Lüfte gingen: 
„Süße Glöcklein, nun erwacht, 
Denn die warme Zeit wir bringen, 
Eh’s noch jemand hat gedacht.“ – 
’s war kein Singen, ’s war ein Küssen, 
Rührt‘ die stillen Glöcklein sacht, 
Daß sie alle tönen müssen 
Von der künft’gen bunten Pracht.
Ach, sie konnten’s nicht erwarten, 
Aber weiß vom letzten Schnee 
War noch immer Feld und Garten, 
Und sie sanken um vor Weh. 
So schon manche Dichter streckten 
Sangesmüde sich hinab, 
Und der Frühling, den sie weckten, 
Rauschet über ihrem Grab *

Die Blumen haben die nächtliche Kälte der letzten Tage locker überstanden, denn sie haben mit einem Frostschutzmittel vorgesorgt.


* Joseph von Eichendorf (1788 – 1857)

Verheißungsvolle Blicke durch Augentrug

Auch wenn wir den Winter noch lange nicht hinter uns haben, scheint es so als blickten wir auf geheimnisvolle Weise durch den winterlichen Matsch hindurch in die Zukunft, auf das was unweigerlich auf uns zukommt.
Die Desillusionierung folgt auf dem Fuß: Da man sich in den feuchtigkeitsdurchnässten Wäldern auf den Boden konzentrieren muss, fällt der Blick gelegentlich auch auf Dinge, die man ansonsten keines Blickes würdigen würde – auf die Pfützen. Denn statt als ganze Person in sie zu fallen, genügt es, den Blick durch sie hindurch fallen zu lassen. Dabei ist die Illusion des „Hindurch“ dem Reflexionsgesetz der Optik geschuldet, wonach das Licht aus den Wipfeln der Bäume gemäß Einfallswinkel = Reflexionswinkel im Pfützenwasser gespiegelt wird. Und da unsere Augen diesen Knick in den Lichtwegen nicht wahrnehmen, sieht es so aus, als käme das Licht aus der geradlinigen Verlängerung, einer geheimnisvollen Welt unterhalb der Pfütze. „Alice hinter den Spiegeln“ lässt grüßen!

Haareis – eine seltene Spezies gefrorenen Wassers

Wer sich nach einer feuchten Wetterperiode bei Temperaturen etwas unterhalb des Gefrierpunts vom Wege durch ein weitgehend naturbelassenes Waldstück abweicht, hat eine Chance, Haareis zu finden. Dass die Chance nicht allzu groß ist, sollte ich selbst erleben, der ich nun schon seit Jahren durch ein geeignetes Waldstück spaziere, von dem ich meine, dass in ihm bei den passenden meteorologischen Bedingungen Haareis zu finden sei. Inzwischen hatte ich mich so an meinen Wald gewöhnt, dass ich dort auch zu anderen Jahreszeiten meines Weges ging und andere spannende Phänomene vorfand, die teilweise auch Eingang in diesen Blog gefunden haben.
Daher verdanke ich die vor wenigen Tagen gemachten Entdeckungen auch eher dem Zufall als einer zielgerichteten, systematischen Suche. Diesmal kurz nach der Wintersonnenwende war die Sonne bereits hinter dem südlichen Berghang des Hüggeld (230 m) verschwunden, sodass mein Weg im Schatten lag. Um noch etwas von der Sonne zu erwischen beeilte ich mich daher aus dieser Gegend wegzukommen. Plötzlich schienen auf dem im Schatten liegenden Waldboden gleich mehrere Stellen wie aus sich heraus aufleuchten, was meine Neugier erweckte. Zunächst dachte ich an achtlos weggeworfene Tempotaschentücher, die durch ihre optischen Aufheller manchmal eine erstaunliche Leuchtkraft entwickeln. Merkwürdigerweise kam es mir überhaupt nicht in den Sinn, dass es sich um das Objekt meiner Wünsche handeln könnte, das einmal den Anlass gab, hier zu spazieren. Erst als ich die feinen Haarbüschel vor Augen hatte, die aus den am Boden liegenden, morschen Ästen herauswuchsen, fiel der Groschen. Soweit zur Vorgeschichte, die mir schön öfter in dieser Weise passiert ist, und nun etwas zur Physik.
Die feinen Eishaare, die hier büschelartig aus den feuchten, morschen am Boden liegenden Holzstücken (Reste von Buchenästen, aber auch einige andere Bäume sind geeignet) wucherten, hatten offenbar ideale Wachstumsbedingungen vorgefunden: durchnässtes morsches Holz bei Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt. Wie kommt es zu diesem Phänomen?

Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Haareis durch ein im Holz lebendes Pilzmyzel verursacht wird. Diese These ist schon sehr alt und geht auf Alfred Wegener (1880 – 1930) zurück, dessen Name vor allem mit der Kontinentalverschiebungstheorie verbunden ist. Ausgehend von Wegners Ergebnissen und der Fachliteratur über Haareis und ähnliche Phänomene haben neuere Untersuchungen experimentell und theoretisch die Pilzthese erhärtet. Dazu haben die Forscher zum einen zeigen können, dass auf Holzstücken, die natürlicherweise von Haareis befallen waren, dieses in geeigneten Frostnächten erneut sprießte, wenn man vorher die alten Haare beseitigt hatte. Sobald man allerdings dem vermuten Pilzmyzel mit Hitze (Kochen), Alkohol oder einem Fungizid zu Leibe rückte, blieb der anschließende Haareisbefall ganz oder zumindest teilweise aus.
Nach Auswertung und Analyse wissenschaftlichen Beobachtungen und Experimente, ergibt sich folgende Erklärung für das Zustandekommen von Haareis:
Urheber des zur Haareisbildung führenden Prozesses ist ein im Holzkörper, vor allem in den Holzstrahlen  lebendes Myzel eines winteraktiven Pilzes. Es konnten mehrere Arten von auf Laubholz spezialisierten Asko- und Basidiomyzeten identifiziert werden.
– Der Pilz baut die in den Holzstrahlen vorhandenen organischen Nährstoffe (Kohlenhydrate, Lipoide) durch einen aeroben Dissimilationsprozess (Zellatmung) ab. Oxydative Endprodukte sind CO2 und H2O.
– Der Druck des entstehenden CO2-Gases drängt mit dem Oxydationswasser auch im Holz gespeichertes Wasser durch die Holzstrahlkanäle an die Oberfläche.
– Im ausgestoßenen Wasser befinden sich als ‚Verunreinigung’ unvollständig abgebaute organische Substanzen. Dank der als Kristallisationskeime wirkenden organischen Moleküle gefriert das Wasser beim Austritt an die Luft schon knapp unterhalb von 0° C: Am Ausgang der Holzstrahlen entstehen Eishaare.
 – Die in den Eishaaren enthaltene organische Substanz kann winteraktive Insekten (Collembolen) anziehen.
– Beim Schmelzen der Eishaare wird die organische Substanz als dünner Faden sichtbar, an dem sich perlenartig Wassertröpfchen bilden.
*


* Gerhart Wagner und Christian Mätzler. Haareis auf morschem Laubholz als biophysikalisches Phänomen. Hair Ice on Rotten Wood of Broadleaf Trees – a Biophysical Phenomenon. Forschungsbericht Nr. 2008-05-MW 2008

Winter

Nachdem gestern die Wintersonnenwende relativ kalt über die Bühne gegangen ist, können wir mit Fug und Recht von Winter sprechen, einer Jahreszeit, die uns in ihren typischen Merkmalen wie Frost, Schnee, Eisblumen, Schlittenfahren, Schlittschuhlaufen oder nur auf einer zugefrorenen Pfütze Glitschen (wie wir es in Norddeutschland nennen) immer mehr abhandenkommt. Wenn man alte Bücher über den Winter liest, so stehen oft dank der unwirtlichen Witterungsverhältnisse und deren Auswirkungen wie Kälte und Lebensmittelknappheit traurige Geschichten im Vordergrund, jedenfalls für den größten Teil der Menschen in unseren Breiten. Nicht nur wegen des Klimawandels, sondern vor allem wegen der Nutzbarmachung externer Energiequellen, die einen erheblichen Anteil an eben diesen haben, kommen wir meist gut über den Winter. Der Preis dafür ist für die Menschheit als Ganzer sehr hoch.
In einem der naturwissenschaftlich geprägten Bücher aus dem Jahre 1872 von Camille Flammarion über die Atmosphäre* sind derartige Probleme noch gar nicht in Sichtweite. Selbst zu meiner Kindheit und meiner frühen Schulzeit waren Winter noch Winter, auf die man sich spätestens im Herbst vorbereiten musste: Einkellerung von Kohle und anderen Brennstoffen, Kartoffeln, Rüben, eingeweckten Früchten etc. Denn die Jahreszeiten einschließlich des Winters glichen noch eher dem, was bei Flammarion beschrieben wird, obwohl die Energierally bereits in vollem Gange war. Nur die Auswirkungen konnten noch geflissentlich übersehen werden.

Das Bild stammt aus diesem Buch* von Flammarion und zeigt nebenbei wie aufwändig es damals noch war, farbige Bilder in Büchern abzubilden. Sie wurden auf besonders dickem Papier auf sogenannten Tafeln gedruckt und mussten in komplizierten technischen Verfahren hergestellt werden. Fotos gab es zu der Zeit allenfalls als Schwarzweißaufnahmen, die im Druck in ziemlich geringer Auflösung erschienen.


* Camille Flammarion. L‘ Atmosphère – Description des grands phénomènes de la nature. Paris: Librairy Hachette 1872, p.

Wintergrafik

Es ist als wollten Pfützen ihr schlechtes Image damit aufbessern, dass sie sich sehr oft als naturschöne Hervorbringungen von Zufall und Notwendigkeit präsentieren. Dabei spielen nicht nur die oft sehr individuelle Morphologie des Untergrunds und die Geschwindigkeit, mit der das Wasser unter dem Eis versickert eine wesentliche Rolle, sondern auch der Temperaturwechsel, die Bedeckung des Himmels und anders mehr. Jedenfalls lasse ich keine Gelegenheit aus, zugefrorene Pfützen aufzuspüren und wenn möglich wie Bilder in einem Kunstmuseum zu betrachten. In vielen Fällen gelingt es mir, wenigstens im Prinzip, die physikalischen Hintergründe ihrer Entstehung aufzudecken (siehe z.B. hier, hier, hier).

Ein Zickzackmuster der Natur

Noch fährt der Winter zumindest bei uns einen ausgesprochenen Zickzackkurs und visualisiert ihn auch gleich in zugleich symbolischer wie naturschöner Weise auf einem Stechpalmenblatt. Da sich diese Pflanze ohnehin weigert im Winter ihr Grün abzulegen, ist dies eine schöne Möglichkeit des Winters sich auf ihr bemerkbar zu machen. Sie hat in einigen Ländern eine länger Tradition als typische Weihnachtspflanze als der Weihnachtsbaum, was neben dem Immergrün auch durch die knallroten Früchte gut zu verstehen ist. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Christdorn.
Übrigens ist die Stechpalme der (Ilex aquifolium) „Baum des Jahres 2021“. Sie ist neben dem Efeu, Buchsbaum und Eibe eine der wenigen heimischen immergrünen verholzten Blattpflanzen.
Einen schönen Beitrag zum Baum des Jahres 2021 findet man zum Beispiel hier.

Der Winter kündigt sich mit feinen Kristallen an

Jetzt beginnt die Zeit, in der die Herbstfarben allmählich in den Hintergrund treten, auch wenn sie noch keck durch die Kristalle hindurchschimmern, mit denen der aus Schwarzweiß ausgerichtete Winter das Bunte zu überkrusten versucht. Die Eiskristalle haben sich in der klaren kalten Nacht gebildet. Sie streben alle in nachbarschaftlicher Konkurrenz dem Himmel zu, weil es in der Nähe der Blattoberfläche noch zu warm ist, um die Kristallisationswärme loszuwerden. Denn das ist der energetische Preis für den Übergang vom Gas zum Festkörper.
Jeder Kristall startet auf einem Härchen oder einer kleinen Erhöhung auf dem Blatt und wartet auf Wasserdampfmoleküle, die sich den bereits kristallisierten und damit fixierten zugesellen.
Wir sehen hier nicht mehr die Schönheit des Herbstes, sondern des Übergangs zum Winter, der demnächst auch offiziell beginnt. Inoffiziell hält er ja bereits als meteorologischen Winterbeginn seit Monatsanfang in unseren Breiten seinen noch schüchternen Einzug.

Alles still!

Alles still! Es tanzt den Reigen
Mondenstrahl in Wald und Flur,
Und darüber thront das Schweigen
Und der Winterhimmel nur.

Alles still! Vergeblich lauschet
Man der Krähe heisrem Schrei.
Keiner Fichte Wipfel rauschet,
Und kein Bächlein summt vorbei.

Alles still! Die Dorfeshütten
Sind wie Gräber anzusehn,
Die, von Schnee bedeckt, inmitten
Eines weiten Friedhofs stehn.

Alles still! Nichts hör ich klopfen
Als mein Herze durch die Nacht –
Heiße Tränen niedertropfen
Auf die kalte Winterpracht.*


* Theodor Fontane (1819 – 1898)

Wintermücken – Mücken im Winter

Als ich vor kurzem mein Erstaunen über einen Mückenschwarm im Winter und bei Regen zum Ausdruck brachte, konnte ich mich in dem Punkt beruhigen, dass ihnen der Regen nichts ausmachte. Und die relativ hohe Umgebungstemperatur von 13 °C erleichterte es mir, den Mückentanz als in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen zu sehen. Inzwischen bin ich durch einige erhellende Kommentare und eigene Recherche etwas weiter gekommen.
Das entscheidende Stichwort war „Wintermücken“. Mir war bislang nicht aufgefallen, wohl auch weil ich es aus bestimmten Gründen für unmöglich hielt, dass Mückenschwärme einer bestimmten Mückenart im Winter keine Besonderheit sind. Weiterlesen

Aufrechter Eiszapfen

Die Aufrechten sind selten. Das gilt offenbar auch für Eiszapfen. Dennoch – oder trotzdem? – bekomme ich immer wieder Anfragen zu diesem Winterphänomen.  Meiner subjektiven Statistik entsprechend wachsen sie meistens auf einer Vogeltränke. So auch in diesem Fall. Werner Harbecke schickte mir das Foto eines besonders langen Prachtexemplars von 35 cm Länge (siehe Foto). Weiterlesen

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten