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Struktur

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Verzwickte verzwackte Verzweigungen

Der wilde Wein zeigt eine Verzweigungsstruktur auf, die auch in anderen, selbst anorganischen Bereichen auftritt. Dieses dendritische (= baumartig verzweigt) Muster erkennt man am besten, wenn die Wachstumsphase noch bevorsteht, in der die Übersicht schließlich in der Menge der Blätter untergeht. Sie treten nicht nur in der belebten Natur auf, sondern auch bei Kristallisationsvorgängen – wie den Eisblumen, Schneeflocken und Reifkristallen -, chemischen Reaktionen, Flussnetzwerken und anderen Verzweigungen.
Viele Menschen finden diese von unregelmäßiger Regelmäßigkeit geprägten Formen ästhetisch ansprechend, also naturschön.

Organisch wirkende äolische Formen

Bei den Sandstrukturen in Dünen- und Wüstengebieten wird man oft an organische Formen bis hin zu nackten Leibern erinnert. Das klang auch gelegentlich in den Kommentaren zu meinen Sandfotos an. Diese strukturellen Ähnlichkeiten ergeben sich daher, dass sowohl in der Natur vorkommende organische Formen als auch Sandformationen oft das Ergebnis selbstorganisierender Prozesse sind, die durch physikalische Kräfte, in diesem Fall durch Wind (äolische Prozesse) und Wasserbewegungen geformt werden. Dabei werden die Sandkörner den Gesetzen der Hydro- und Aerodynamik folgend transportiert und abgelagert mit dem Ergebnis eben dieser uns irgendwie vertrauten und ästhetisch ansprechenden Formen.
Die resultierenden Formen, die fast an die sanften Kurven von am Strand liegenden Menschen erinnern oder die welligen Muster der Sandrippel sind oft unter den jeweiligen Bedingungen gegebene stabile Konfigurationen, die unter dem naturgesetzlichen Prinzip der Minimalisierung der Energie hervorgebracht werden. Das heißt, dass die Formbildung und Gestaltung unter der Abgabe von möglichst viel Energie an die Umgebung erfolgt. Natürliche, organische Systeme, von der Struktur von Organismen bis hin zur Form von Pflanzen, entwickeln sich ebenfalls nach diesem Prinzip der strukturellen Stabilität, um ihre Funktionen zu erfüllen und äußeren Kräften zu widerstehen.Die Wechselwirkung von Millionen einzelner Sandkörner führt zu kollektivem Verhalten und der Entstehung von Makrostrukturen. Ähnliche Musterbildungsprozesse finden sich auch in der Biologie, wo einfache Regeln auf zellulärer Ebene zu komplexen organischen Strukturen führen (z.B. die Muster auf Tierfellen oder die Verästelung von Nervensystemen).
Da in Wüsten und Dünengebieten meist eine geschlossene Vegetationsdecke fehlt, die die windbewegten Sandströme stabilisieren und befestigen würden, können die physikalischen Kräfte ungehindert wirken und die charakteristischen, oft fließenden Formen hervorzubringen.

Mimikry auf dem Wochenmarkt

Auf diese Typen wurde ich aufmerksam, als ein Kind kurz aufschrie (kry = Schrei) und von der Mutter mit den Worten belehrt wurde: „Die tun nichts“. Trotzdem machte das vielleicht dreijährige Kind einen größeren Bogen um die hier angebotenen Kürbisse. So ganz harmlos sehen sie wirklich nicht aus: Der mit mehrfach gespaltener Zunge züngelnde Typ blickt trotz seiner präkären Lage mit gesundem Selbstbewusstsein in die Welt.

Baumsilhouette in der Krummhörn

Mir war als richteten sich die sich ballenden (unteren) Wolken nach der Silhouette der Bäume am Horizont.

Geometrische Schatten

Es ist eine Spielerei. Ich habe bei einer Wanderung in den Sanddünen versucht, mit den dort aus den windgeschaffenen Sandstrukturen und ihren Schatten nur durch eine passende Positionierung so etwas wie geometrische Schatten zu sehen und dann natürlich zu fotografieren. Dabei ist dieses Foto herausgekommen.

Geraden und Kurven

Die Geometrie liefert die Idealgestalten – Gerade, Kreis, Kugel, Spirale… – unter anderem um einen Orientierungsrahmen für die Vielfalt der in der Natur realisierten Formen und Gestalten zu schaffen. Deren ästhetische Wirkung auf uns Menschen sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie so etwas wie den visuellen Ausdruck der Lebensfunktionen der Pflanzen und Tiere darstellen. Form und Funktion sind so gesehen zwei verschiedene Facetten derselben Sache.

Selbstorganisierte Gebilde auf dem Wasser

In den Teich gefallene Blütenblätter sammeln sich am Rand der Seerosenblätter oder tun sich selbst zusammen.

H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 6 (2025), S. 52 – 53

Diese gegenseitige Anziehung beschleunigte natürlicher Weise
 die wundervolle Concentration

Christoph Martin Wieland

Dinge, die auf dem Wasser driften, verformen dessen Oberfläche. Die umher treibenden Objekte stoßen sich deswegen gegenseitig ab oder ziehen sich an, fast wie elektrische Ladungen. Das lässt sich sogar nutzen, um gezielt Strukturen zu erzeugen.

Wenn im Frühjahr die Blütenblätter des Apfelbaums in den benachbarten Teich fallen, bleiben sie nicht dort liegen, wo sie auftreffen. Vielmehr tun sie sich merkwürdigerweise über kurz oder lang zu größeren Gebilden zusammen oder lagern sich an andere Objekte an. Es gibt aber auch Treibgut, von dem sie abgestoßen werden – das sich selbst jedoch gegenseitig anzieht. Wie sich Dinge auf der Wasseroberfläche begegnen, hängt entscheidend davon ab, wie genau sie das Wasser jeweils verbiegen.
Wenn ein Gegenstand die Grenzschicht so verformt, dass sich das Wasser an ihm hochwölbt, spricht man von einem konkaven Meniskus. Anderenfalls, wenn er das Wasser herunterdrückt, liegt ein konvexer Meniskus vor. Dabei zeigt sich, dass sich Objekte mit gleichem Meniskus anziehen und solche mit ungleichem abstoßen.

Die Details dieser Wechselwirkungen zwischen den kleinen schwimmenden Gebilden und der Wasseroberfläche lassen sich in einem Gefäß genauer untersuchen. Dazu eignen sich kleine, leichte Gegenstände. Setzt man beispielsweise einige Styroporkügelchen in ein Glas mit Wasser, umgeben sie sich mit einem konkaven Meniskus. Sie ziehen sich gegenseitig an. Manche driften auch zum Rand, denn dort hat sich wegen der Benetzbarkeit von Glas ebenfalls ein konkaver Meniskus ausgebildet.
Wenn man von ein paar dynamischen Details einmal absieht, lässt sich das Verhalten aus energetischer Sicht leicht beschreiben. Entscheidend ist dabei das fundamentale Prinzip, dass bei allen von selbst ablaufenden Vorgängen möglichst viel Energie an die Umgebung abgegeben wird. Zur Bildung der Grenzfläche zwischen den Styroporkügelchen und der Luft ist wesentlich mehr Grenzflächenenergie nötig als zwischen den Kügelchen und dem Wasser. Deswegen steigt dieses an ihnen hoch – so weit, bis der Energiegewinn gleich der dazu erforderlichen Höhenenergie ist. Das äußert sich in einem konkaven Meniskus, der die Styroporkügelchen umgibt. Kommen sich zwei von ihnen auf dem Wasser näher, so ziehen sie sich an. Die Vereinigung vergrößert die gemeinsame Benetzungsfläche, und es kann zusätzlich Energie an die Umgebung gehen.

Setzt man statt eines Kügelchens eine Heftzwecke kopfüber auf die Wasseroberfläche, so sinkt sie wegen ihrer größeren Dichte ein. Wenn man es geschickt anstellt, geht sie aber nicht unter, sondern dellt das Wasser nur ein. Die zusätzliche Grenzflächenenergie zwischen Wasser und Luft gleicht die Höhenenergie aus, die dabei frei wird. Die Heftzwecke wird von einem konvexen Meniskus umgeben. Auch zwei driftende Heftzwecken ziehen sich gegenseitig an. Denn wenn sich zwei Menisken vereinigen, nimmt die Wasseroberfläche weniger stark zu als bei getrennten Heftzwecken, sodass Grenzflächenenergie abgegeben werden kann.
Was passiert, wenn sich eine Styroporkugel, die auf ihrem konkaven Meniskus thront, einer Heftzwecke nähert, die in ihrer konvexen Vertiefung liegt? Bei einer Annäherung wüchse die Summe der Grenzflächen der beiden Menisken – und damit die Grenzflächenenergie. Deswegen stoßen sie sich gegenseitig ab. Setzt man eine Heftzwecke in die Nähe einer Styroporkugel, so streben beide umso heftiger auseinander, je näher sie einander kommen. Entscheidend für die Abstoßung oder Anziehung auf dem Wasser driftender Objekte ist also, ob beim Zusammenfinden die Wasseroberfläche größer oder kleiner wird.
Wie driftende Körper die Wasseroberfläche verändern und wie sie sich zueinander verhalten, hängt aber nicht nur von ihrer Dichte ab. Sofern die Teilchen überhaupt schwimmen, entscheidet auch ihre Form und damit der genaue Verlauf des Meniskus über Anziehung und Abstoßung.
Um das nachzuvollziehen, kann man kurze Enden von Geschenkband (Ringelband und ähnliches) auf Wasser legen. Das Geschenkband ist normalerweise schon wegen seiner engen Wicklung leicht gekrümmt. Schneidet man das Band in zwei bis drei Zentimeter lange Stücke und setzt diese vorsichtig wie Schiffchen auf die Wasseroberfläche, macht man interessante Beobachtungen.
Die Schiffchen ziehen sich an, wenn man jeweils Bug und Heck annähert. Auf diese Weise lassen sich ganze Ketten bilden. Sie haften so stark aneinander, dass man einen längeren Schiffsverband über die Wasseroberfläche ziehen kann.

SCHIFFCHEN AUS GESCHENKBAND Kurze, leicht gebogene Streifen, die man mit der gekrümmten Seite auf eine Wasseroberfläche legt, organisieren sich selbst zu geordneten Strukturen. Wenn man es nicht sofort erkennt, kann man aus der Anordnung der Streifen erschließen, welche Streifen nach oben oder unten gebogen sind.

Aber die Bandstücke haften nicht nur in Längsrichtung zusammen, sondern auch parallel orientiert. Dann legen sie sich Seite an Seite. Lediglich dann, wenn sie senkrecht zueinander ausgerichtet werden, stoßen sie sich ab und begeben sich sofort in eine anziehende Position.
Anziehung und Abstoßung erinnern an das Kräfteverhalten elektrischer Ladungen, allerdings mit dem Unterschied, dass sich hier gleichnamige Pole anziehen und ungleichnamige abstoßen. Während die Styroporkügelchen und Heftzwecken gewissermaßen entgegengesetzt geladene Monopole sind, verhalten sich die Schiffchen wie Quadrupole. An den Enden wölbt sich das Wasser nach oben und zieht das Schiffchen ein wenig ins Wasser hinein. An den Seiten wird die Oberfläche hingegen konvex eingedellt. Damit hat man einander gegenüberliegende, paarweise entgegengesetzte Pole. Entsprechende Kräfte wirken auf benachbarte Schwimmkörper.
Positioniert man die Schiffchen kopfüber auf der Wasseroberfläche, tauchen die beiden Enden ein wenig ins Wasser ein und bilden dabei konvexe Vertiefungen aus. Konkave Aufwölbungen entstehen nun an den Seiten. Insgesamt hat man es abermals mit einem Quadrupol zu tun, nur dass die Polaritäten vertauscht sind.
Wenn man beide Quadrupoltypen auf dem Wasser in Wechselwirkung bringt, kann man beobachten, wie sich komplexe Strukturen herausbilden. Über solche kurzweiligen Spielereien hinaus beschäftigen sich auch ernstzunehmende wissenschaftliche Untersuchungen mit ähnlichen Phänomenen. Dabei geht es vor allem darum, solche Eigenschaften der Selbstorganisation auszunutzen, um das Verhalten kleinster schwimmender Teilchen zu kontrollieren.

Quelle
Lorenzo B. et al.: Capillary interactions between anisotropic particles. Soft Matter 39, 2012

Fließende Spiegel

Nach dem Regen fließen Bäche und Flüsse. Und da die Farben in diesen Zeiten weitgehend gewichen sind, spiegeln sich derart schöne Graustufenmuster auf der welligen Wasseroberfläche. Eigentlich sind es flüssige Spiegel, die in jedem Moment einen anderen Anblick bieten.

Übergänge

Auch wenn das abgestorbene Holz allmählich vermodert, durchläuft es oft naturschöne Strukturen, wenn man nur ein wenig innehält und es etwas genauer in Augenschein nimmt. Der Strukturreichtum scheint nahezu grenzenlos zu sein, auch wenn man immer wieder Muster entdeckt, die man schon zu kennen meint.

Löwenzahn, ein Nachzügler

Als ich am gestern am Morgen vor die Tür trat, sah ich einen weißhaarigen Löwenzahn. Er war zwar schon etwas mitgenommen und mit winzigen Tautropfen besetzt, aber ein echtes Spätsommerexemplar, das ich eigentlich nicht mehr erwartet hätte. Die in ihrer Anordnung etwas durcheinander geratenen Papusse erlaubten mir einen Blick ins Innere und das sah dann in etwa so aus, wie auf dem Foto zu sehen.

Radiale Harmonie

Was mir selbst kaum ohne Hilfsmittel gelingt, die tiefste Stelle zu finden, ist für einen Wassertropfen kein Problem. Auf dieses Kohlrabiblatt nieseltselten feine Tropfen. Da Kohlrabiblätter weitgehend hydrophob sind, mieden die Tröpfchen die Blattoberfläche soweit es unter den gegebenen Umständen möglich war. Sie nahmen weitgehend Kugelform an und reduzierten dadurch die Berührfläche. Als Kugel strebten sie von allen Seiten kommend zur tiefsten Stell und vereinigten sich dort zu einer größeren Kugel.
Kugel ist nicht ganz korrekt. Denn je größer die Wassermasse wird, desto stärker macht sich der Einfluss der Schwerkraft bemerkbar, indem das entstehende Gebilde immer mehr an einen Pfannkuchen als an eine Kugel erinnert.
Ein besonderer Reiz geht m. E. von den radial verlaufenden Blattadern aus, die im zentralen Tropfen starten. Sie symbolisieren das Muster, das zahlreichen bedeutenden Vorgängen zugrunde liegt. Man denke nur an die Sonne, die mit ihrer Gravitation unser Planetensystem zusammenhält und mit der Ausstrahlung des Lichts das Leben auf der Erde ermöglicht und aufrecht erhält.

Dünen – wie gemalt

SAND DUNES

Sea waves are green and wet,
But up from where they die
 Rise others vaster yet,
And those are brown and dry.

They are the sea made land
To come at the fisher town
And bury in solid sand
The men she could not drown.

She may know cove and cape,
But she does not know mankind
If by any change of shape
She hopes to cut off mind.

Men left her a ship to sink:
They can leave her a hut as well;
And be but more free to think
For the one more cast-off shell.*

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* Robert Frost. Poetry and Prose. Holt, Rinehart and Winston, Inc. p. 106-107

Schwarzer Holunder ist Heilpflanze des Jahres 2024

Holunder hat mich in seinem Facettenreichtum schon immer fasziniert. Als Kinder haben wir das Innere der Äste des Fliederbeerbusches – wie wir den Holunder nannten – als Zigaretten „geraucht“. Wir nannten sie „Nackedeis“ (rechts), weil sie erst einmal von der vertrockneten Hülle (links) entkleidet werden mussten. Sie sind weich wie etwa Styropor und haben – aus unserer damaligen Sicht – die Form einer Zigarette. Auch wenn uns das Prinzip des Rauchens offenbar nicht so recht vertraut war, bei dem es darauf ankommt, Luft und damit die Verbrennungsgase des Tabaks einzusaugen, genügte es uns die Spitze der Holunderweißlinge anzukokeln und dann mit großer Geste, die „Zigarette“ zwischen Zeigefinger und Mittelfinger haltend es den Erwachsenen nachzumachen.
Ich werde in diesem Jahr immer mal wieder Aspekte des Holunders/Fliederbeerbuschs/Hollerbuschs zeigen, die mir im Laufe der Zeit aufgefallen sind.

Zunder für einen Morgenspaziergang

Dieses Foto habe ich kürzlich nach einer sternklaren Nacht gemacht. Obwohl die Lufttemperatur am Tage relativ hoch war, wurden die Dinge in dieser Nacht noch einmal dem kalten Weltall ausgesetzt. Die dabei an den bunten Zunderschwammstrukturen angedockten Reifkristalle heben dieses ansonsten schlichte Ensemble aus verfaulendem Holz, vertrocknetem Gras und verdorrtem Moos aus der Zone der Unscheinbarkeit heraus und geben mir eine visuelle Belohnung für meinen Entschluss, die warme Stube wenigstens temporär für einen Spaziergang eingetauscht zu haben.

Polygonale Muster an der Felsenküste

Diese Steinstruktur, die so etwas wie einen Querschnitt durch ein polygonales Säulenensemble darstellt, fand ich an der Küste einer kanarischen Insel. Abgesehen davon, dass sie naturschön anzusehen ist, verweist ihr Aussehen auf Aspekte ihres Entstehens. Möglicherweise sind diese Polygone bei der Erkaltung von heißer Lava entstanden, indem sich eine energetisch günstige Rissstruktur ausgebildet hat. Dagegen spricht allerdings das Aussehen dieses stark verwitterten Gesteins. Sie erinnern so gar nicht an Lavagestein.
Auch könnte die Struktur auf verfestigte Konvektionsvorgänge verweisen, wie sie beispielsweise in Salzseen unter dem Einfluss der Sonne vorkommen, die sich dann irgendwann verfestigten und in den Kreislauf der Gesteinsbildung gerieten.
Aber auch diese Möglichkeit halte ich für relativ unwahrscheinlich. Fakt ist jedoch, dass hier vor undenklichen Zeiten etwas Geordnetes passiert sein muss, das nunmehr seit sehr langer Zeit den vom Wasser überspülten Boden eines felsigen Ufers bildet.

Einladende Alltagskunst

Diesen bunten und raffiniert strukturierten Flur im Eingangsbereich eines Hauses fotografierte ich in Santa Cruz auf der kanarischen Insel La Palma. Auch wenn der Anblick für manch einem farblich vielleicht etwas zu überladen wirkt, fand ich die Buntheit an einem Ort, der ansonsten meist mit Düsterheit verbunden ist, sehr einladen und stimulierend…

Kalkmuster auf dem Tee

Der Tee war kalt geworden und hatte sich mit einem unappetitlichen dünnen Häutchen überzogen. Als ich ihn entsorgen wollte, brach das Häutchen in kleine Schollen und schon war aus dem Hässlichen das Schöne geworden – Bruchstrukturen, wie sie so wohl nur von der Natur hervorgebracht werden können.

Schlanke Eisberge in Zaunpfählen

Hier kommt noch ein Nachzügler aus den kalten Tagen dieses Winters. Das Foto wurde mir von Roland Kuhn zugeschickt, der diese Situation gesehen und fotografiert hat. Oft werden solche interessanten und in der Rekonstruktion des Geschehens nicht immer einfachen Phänomene übersehen, weil viele Menschen sie gar nicht sehen oder sogar uninteressant finden. Daher danke ich Herrn Kuhn sehr herzlich für die Zusendung des Fotos.
Hier meine Bildinterpretation:
Offene Rohre wie man sie zuweilen als Zaunpfähle benutzt haben die Angewohnheit bei Regen mit Wasser vollzulaufen. Und wenn es dann noch viel regnet, laufen sie auch leicht bis oben hin zu. Im Winter kann so ein wassergefülltes Rohr leicht vom Frost überrascht werden. Und wenn dieser eine Zeitlang anhält, kristallisiert das Wasser zu Eis.
Da sich Wasser bei Gefrieren anders als viele andere Stoffe ausdehnt (Dichteanomalie des Wassers), wird ein Teil des Eises aus dem Rohrende herausgedrückt und verleiht den Zaunpfählen einen Eispfropfen. Mit Einsetzen höherer Temperaturen schmilzt der der Sonne ausgesetzte Kopf des Eiszylinders kaum, weil wegen der Transparenz des Eises nur wenig Strahlungsenergie absorbiert wird und es daher kaum verflüssigt wird.
Ganz anders sieht es im Innern des Rohres aus. Da dieses die Sonnenenergie gut absorbiert und sich infolgedessen merklich erwärmt, wird die Energie durch Wärmeleitung an den Eiszylinder im Innern übertragen. Dieser beginnt zu schmelzen und befindet sich alsbald in einem Wasserbad, das immer wärmer wird. Weil die Dichte des Eises geringer ist als die des Wassers, entwickelt sich mit zunehmender Wassermenge im Rohr eine Auftriebskraft, die schließlich dazu führt, dass der ganze Eispfropfen im Rohr aufsteigt und wie ein Eisberg auf dem Wasser schwimmt.
Genau diese Situation ist auf dem Foto zu sehen. Der vorher im Bereich des von der Sonne beschienenen Rohres gelegene Teil der Eissäule hat viel an fester Substanz verloren, die in Form von Wasser im Rohr verblieben ist. Daher ragt die angeknabberte Eissäule entsprechend weit aus dem Rohr heraus. Interessanterweise ist sogar noch ein Teil des tiefer gelegenen Bereichs der Eissäule zu sehen, der im Schatten lag und von der eingestrahlten Sonnenenergie nicht profitieren konnte. Die klare Trennung zum fast weggeschmolzenen Teils zeigt, dass das erwärmte Wasser stets nach oben steigt und der untere Teil des Eises stets mit dem kältesten Wasser in Berührung blieb.
Am oberen Ende ist umgekehrt die Eissäule bereits sehr dünn, weil sie – solange sie noch im Rohr steckte – mit dem wärmsten Wasser umgeben war bis sie schließlich alle Bindungen verlor und aus dem Rohr herausschoss.

Alt und naturschön…

…ist diese Felswand, der man ihr Alter (nicht) ansieht.

Kurzer Durchblick

Der Blick auf die scheinbar unendlich ausgedehnte und ziemlich gleichbleibende Wolkendecke durch das Flugzeugfenster erlaubte plötzlich einen Duchblick auf eine zunächst rätselhaft erscheinende Struktur. Was mag das sein?

Dendritische Winterlandschaft

Nun, da der Schnee sich weitgehend verflüssigt hat, erleichtert mir das Foto einer anderen Schneelandschaft den Übergang. Denn was hier wie winterlich entlaubte Büsche in einer vom blau schimmernden Schnee und bedeckten Himmel bestimmten Szenerie daherkommt, sind Eisen-Manganausscheidungen im Plattenkalk, also eine vollkommen anorganisches Situation. Die natürlichen Strukturen halten sich offenbar nicht an die Grenzen der vom Menschen geschaffenen Kategorien.
Ich habe diese naturschönen Gebilde schön öfter gezeigt. Diesmal fand ich die Struktur jedoch nicht in einem Steinbruch, sondern in einer Natursteinmauer in Spanien. Naja, letztlich stammt sie auch aus einem Steinbruch.

Die gerade Linie in der Natur

Schon die Frage, ob eine Linie gerade oder krumm ist, setzt die Idealgestalt der geraden Linie voraus. In der Natur finde ich sie allerdings immer nur näherungsweise realisiert und freue mich jedesmal, wenn ein solcher Fund der Idealgestalt nahekommt. Das ist in dem Foto einer Felsplatte einigermaßen gut gelungen.

Höhlenwanderungen mit Ausblick

In diesen ruhigen Tagen erinnere ich mich gerne an die Zeit, in der wir in Kappadokien (Türkei) gewandert sind. Besonders die „Ausflüge“ in die zerklüftete Höhlenlandschaft verschaffte uns immer wieder phänomenale Ein- und Ausblicke. Die durch die Spalten hereinleuchtende Sonne schuf eine Atmosphäre, wie sie vielleicht Plato vor Augen hatte, als er sein Höhlengleichnis schrieb.
Im vorliegenden Fall (Foto) waren die „Gänge“ oft so schmal, dass man nur kriechend und manchmal sogar auf dem Bauch rutschend vorankam, immer den manchmal fast verglimmenden Lichtspalt im Auge, der den Kontakt mit der Außenwelt sicherstellte – zumindest visuell.
Das Foto offenbart für mich eine besondere Ästhetik einer Felsstruktur, die in Jahrtausenden von Wind, Wasser und anderen Naturkräfte gewissermaßen absichtslos gestaltet wurde.

Unterm Weihnachtsbaum

Weihnachten liegt meistens ein Buch unter dem Baum, manchmal auch zwei. Wo soll das hinführen, wenn das für jeden gilt? Georg Christoph Lichtenberg wusste schon vor 200 Jahren einen Ausweg:
Die Wälder werden immer kleiner, das Holz nimmt ab, was wollen wir anfangen? O zu der Zeit, wenn die Wälder aufhören, können wir sicherlich so lange Bücher brennen, bis wieder neue aufgewachsen sind.*
Klar, so machen wir’s…

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Georg Christoph Lichtenberg. Schriften und Briefe I. S. 495

Lesen, was nie geschrieben wurde

Aber wer wollte in einer zeichenlosen Umgebung leben, wo jedes Ding für sich steht und durch keinerlei Gedankendraht oder -faden mit anderen Phänomenen verbunden ist, wo keiner je das Wort an einen richtet aus einer anderen Welt? Sind Zeichen nicht an jeden adressiert, der sie als solche begreift? Was nie geschrieben wurde, lesen, wer möchte das nicht, wer möchte nicht in allem Wahrnehmbaren wie in einem Buch lesen? Jeder Stein, jeder Fuchs, jede Brücke wäre Buchstabe, Silbe oder Wort und es gälte, diese Elemente zu einem Satz, vielleicht zu einer Frage, zusammenzufügen. Vielleicht besaßen wir diese Fähigkeit bis zu einem gewissen Grad, und sie ist uns im Laufe der Jahrtausende abhanden gekommen. Gott verfügt darüber in einem absoluten Grad, er liest in Himmel und Erde wie in einem selbstverfaßten Manuskript, und jedesmal, wenn er eine Seite umblättert, wird es Nacht und wieder Tag.*

Diese Steinplatte (Foto) fand ich in einem nahe gelegenen Steinbruch. Es hatte gerade in Strömen geregnet, was der ansonsten etwas blasseren Oberfläche einen kräftigeren Farbeindruck verpasste.

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Anne Weber. Besuch bei Zerberus. Frankfurt 2004. S. 65

Farbtupfer in den Dünen

Eine Dünenlandschaft in einer Sandwüste weist einen enormen Strukturreichtum auf. Ich liebe es, diese Strukturen zu beobachten und zu versuchen, ihr Zustandekommen zu verstehen. Aber manchmal freue ich mich auch über einen bunten Farbklecks, der dann am Ende einer menschlichen Spur wie aus einer anderen Welt zu kommen scheint – der unsrigen.

Borromäische Ringe als afrikanisches Kunstwerk

Die wenigsten werden von den Borromäischen Ringen gehört haben. So ging es auch mir bis vor kurzen. Es handelt sich dabei um ein System aus drei Ringen, die einen unzertrennbaren Zusammenhalt aufweisen, obwohl sie sich nicht gegenseitig durchdringen. Das erscheint auf den ersten Blick nicht möglich zu sein, ist es aber – wie man sich leicht überzeugen kann. Die einfachste Möglichkeit bestand für mich darin, dass ich drei Kabelbinder, die ich zufällig zur Hand hatte, nach dieser Vorschrift verknüpfte. Dazu formte ich aus zwei Kabelbindern Ringe. Mit dem ersten umschloss ich den zweiten. Mit dem dritten umschloss ich dann den zweiten. Das ging aber nur indem ich ihn erst dann zu einem Ring verschloss, nachdem ich ihn um den zweiten Ring geschoben hatte. Anders wäre es rein topologisch nicht möglich gewesen. Genauer kann ich es hier nicht beschreiben, weil man es zumindest vor seinem geistigen Auge haben muss.
Wenn man an Kreisringe denkt, die sich gegenseitig umschließen, dann fällt sofort auf, dass man in eine Sackgasse gerät. Denn um sich gegenseitig umschließen zu können, muss der umschließende Ring jeweils etwas größer sein als der umschlossene. Da aber jeder Ring sowohl seinen Partner gleichzeitig umschließen und von ihm umschlossen werden muss, ist das nur durch eine Abweichung von der Kreisform zu verwirklichen. Die Form der Ringe ist daher frei und diese Freiheit kann zu kreativen Schöpfungen genutzt werden.
Eine dieser Schöpfungen, von der vermutlich noch nicht einmal erkannt worden ist, dass sich darin das Prinzip der Borromäischen Ringe verbirgt, hat mich überhaupt erst zu diesem unmöglich-möglichen Objekt geführt. Durch Zufall fiel mir eine kunsthandwerkliche Figur in die Hände, die in Ghana offenbar sehr vertraut ist. Sie besteht aus drei Holzfiguren, die locker miteinander verbunden aber gleichzeitig untrennbar sind. Um das Prinzip dieser ästhetisch ansprechenden Verbindung herauszufinden, spielte ich solange mit der Figurenfigur, bis ich erkannte, dass das Geheimnis in ihren geschlossenen O-Beinen steckt. Diese sind nämlich topologisch so miteinander verknüpft, wie ich es oben beschrieben habe. Aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Um ohne zu kleben und ohne auf andere Verbindungsarten zurückzugreifen, musste die Figurenfigur aus einem Stück gearbeitet werden, was die Hochachtung vor diesem Schnitzwerk noch einmal steigert. Daher ist auch jedes Exemplar dieses Schnitzwerks ein Unikat der Ghanaischen Volkskunst und ist hierzulande wohl nur an wenigen Stellen zu erwerben.
Erst als mir das Wunderbare dieser Ringstruktur der geschlossenen Beine bewusst geworden war, suchte ich danach, ob es dazu eine mathematische Struktur gäbe. Ja, sie gab es in Form der oben beschriebenen Borromäischen Ringe, die seit langem bekannt sind. Da ich weder diesen Namen noch etwas ähnliches kannte hat es sehr, sehr lange gedauert, bis ich das Rätsel in der hier beschriebenen Weise lösen konnte. Umgekehrt, wenn ich den Namen gewusst hätte, wäre alles leichter gewesen.

Flanieren mit Zielangabe

Flanieren in Städten ist für mich nicht nur durch die üblichen Sehenswürdigkeiten attraktiv, sondern auch durch Ansichten, die man üblicherweise übersieht. Manchmal nehme ich mir Themen vor und finde sie erstaunlicherweise auch dort, wo sie normalerweise nicht zu erwarten sind – mitten im touristischen Trubel, der oft in oder in der Nähe alter Bauwerke kulminiert.
Diesmal lautete das Thema: Pareidolien. Im Foto sehe ich eine solche, andere mögen eine oder mehrere andere oder gar keine sehen. Ob die Strukturen, vermutlich Eisenausfällungen im Gestein einer alten Natursteinsäule, je unter dieser Perspektive betrachtet wurden?

Das Loch – Form gewordene Leere

Der Inhalt des Lochs ist unbekannt, im Bewußtsein seines Fehlens jedoch Form gewordene Leere. Das gilt für alle Löcher, und Voltaire hatte recht, wenn er sagte: TOUS LES TROUS SONT ÉGAUX POUR UN HOMME QUI PENSE*. Und doch sind sie einmal bergend, einmal öffnend, einmal bedrohlich: cocon, Grab, Höhle, Versteck, Grotte, die Poren im Schwamm, der Geist des Champagners, die Löcher des Leibes, den Austausch zwischen innen und außen besorgend, seine Wunden. DAS LOCH IST EIN EWIGER KOMPAGNON DES NICHT-LOCHS, witzelt Kurt Tucholsky scharfzüngig in seinem Text ZUR SOZIOLOGISCHEN PSYCHOLOGIE DER LÖCHER; LOCH ALLEIN KOMMT NICHT VOR.**
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*In der Tat: Ob Thales nun in eine Zisterne oder eine Mistkuhle gefallen war, ist im Grunde gleich (HJS)
** Christiaan L. Hart Nibbrig. Übergänge. Versuch in sechs Anläufen. Frankfurt 1995, S. 21

Ein eingebildeter Tunnel

Vor einiger Zeit blickte ich in ein kleine flache Schale und hatte den Eindruck durch sie hindurch in eine andere Welt zu schauen. Klar, das ist eine Täuschung, wenngleich eine schöne. Ich machte daher eine Aufnahme, die mir gestern beim Sortieren meiner Fotos unter die Augen kam (Foto). Ich erinnerte mich nicht sofort daran, was ich dort fotografiert hatte. Die merkwürdigsten Ideen gingen mir durch den Kopf, bis ich schließlich über vertrackte Gedankenketten den Ursprung herausfand.
Trotz oder gerade wegen des trivialen Ursprungs finde ich den vermeintlichen Blick durch einen langen Tunnelschacht auf einen fernen Sternenhimmel ästhetisch ansprechend und die Fantasie anregend.

Die perspektivische Täuschung kommt dadurch zustande, dass die radial zum Zentrum hin orientierten Linien immer dünner werden und immer mehr zusammenrücken. Das ist genau der perspektivische Eindruck, den man beim Blick in einen Zylinder gewinnen würde, wenn die Linien alle gleich und gleichweit voneinander entfernt wären.

Eine Felswand mit „Kaustiken“

Visuelle Ähnlichkeiten entdeckt man oft in völlig verschiedenen Bereichen und Zusammenhängen. Als ich diese Felswand (links) fotografierte, erinnerten mich die hellen Lichtbänder an Kaustiken wie man sie oft in flachen Gewässern beobachten kann (rechts). Tatsächlich hat das eine mit dem anderen rein materiell gesehen nichts zu tun. Unser Mustererkennungsvermögen kennt oft keine Grenzen welcher Art auch immer und stellt Zusammenhänge her, die realiter gar nicht bestehen. Aber diese unsere Fähigkeit völlig verschiedene „Ansichten“ miteinander zu verknüpfen, stellen eine Grundlage für die Entwicklung neuer Ideen und Möglichkeiten dar, auf die man durch bloßes Nachdenken wohl kaum gekommen wäre.

Wasser verwandelt Formen in Substanzen

Angesichts des Wesens menschlicher Wirklichkeit ist die Interpretation von Träumen eine Tautologie und läßt sich bestenfalls durch das Mengenverhältnis zwischen Tageslicht und Dunkelheit rechtfertigen. Es ist jedoch zweifelhaft, ob dieses demokratische Prinzip in der Natur wirksam ist, wo sich nichts einer Majorität erfreut. Nicht einmal das Wasser, auch wenn es alles seiner Reflexion und Refraktion unterwirft, sich selbst eingeschlossen, wobei es Formen und Substanzen verwandelt, manchmal auf sanfte, manchmal auf monströse Weise.*

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* Joseph Brodsky. Ufer der Verlorenen. Frankfurt 2002, S. 57f

Eisige Ersatzblüten

Diese Pflanze hat eigentlich ihre Blütezeit lange hinter sich. Irgendwann kippte sie, der meisten Blüten verlustig, in den Teich, um dort allmählich zu verfaulen. Doch wie so oft im Leben nutzte sie dann die Gelegenheit, sich Ersatzblüten zuzulegen, um dem Zerfall noch eine letzte Grazie zu verleihen.
Die Gelegenheit ergab sich dadurch, dass sie mit einigen Ästen in einer Melange von Eis und Schnee steckte (siehe Foto). Als dann tags darauf die Sonne schien, erwärmten sich Teile der Pflanze wesentlich stärker als die Eis-Schnee-Mischung. Denn letztere reflektierte einen großen Teil der Strahlungsenergie und ließ einen anderen Teil durch, um am Boden des Teichs absorbiert zu werden.
Demgegenüber absorbierte die Pflanze einen großen Teil der auftreffenden Strahlungsenergie und sorgte dafür, dass das Eis-Schnee-Gemisch schmolz und sich um die Eintauchstellen herum verflüssigte. Möglicherweise wurde zusätzlich auch noch von der übrigen Pflanze absorbierte Energie durch Wärmeleitung zu den Eintauchstellen transportiert.
In der folgenden kalten Nacht froren dann diese Stellen wieder zu. Aber da sich dort kein Schnee mehr befand, blieb es dort transparent und damit dunkel, weil das einfallende Licht vom Teichboden absorbiert wurde.

Ostwind

…im Stau vor dem blauen Berg.

Wurzelholz

Wenn man diesen Ausschnitt aus einem natürlichen Gegenstand sieht, wird man wohl nur mit Mühe erkennen, dass es sich um Baumwurzeln handelt, die auf einem Wanderweg an die Oberfläche getreten und im Laufe der Zeit von den Tritten vieler Wanderer ihrer Borke verlustig gegangen sind und glatt getreten wurden. Ich habe oft das Gefühl, dass etwas auf dem Boden (z.B. Sonnentaler, zugefrorene Wasserpfützen, Blumenfelder…) so schön ist, dass ich nicht darauf zu treten wage. Wir haben es hier jedoch mit der paradoxen Situation zu tun, dass wenn wir diesen Vorsatz befolgt hätten, die Struktur gar nicht entstanden wäre. Dann hätten wir allerdings diesen Vorsatz auch gar nicht befolgen können… Wie komme ich aus diesem Zirkel wieder heraus? Indem ich diese Trittfiguren weiter trete und dazu beitrage, dass sich die Strukturen im Laufe der Zeit weiter wandeln.

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