Eigentlich wollte ich gestern nur eine schöne Aufnahme eines weißen Eis vor weißem Hintergrund zeigen, das ich in dieser Schlichtheit und Symbolkraft für Potenzial und Ursprung schlichtweg naturschön und irgendwie passend zum Osterfest fand. Ich fotografierte das Ei auf weißem Papier als Hintergrund. Dabei zeigte sich jedoch, dass sich das Weiß des Papiers leicht vom Weiß des Eis unterschied, indem das Papier einen leichten Blauschimmer aufwies.
Den Blauschimmer kann man leicht erklären: Das Himmellicht, das ich als Lichtquelle benutzte, ist ein wenig bläulich, was nicht immer durch die Chromatische Adaptation unterdrückt werden kann. Aber wenn dem so ist, müsste dann nicht auch das weiße Ei diesen Blauschimmer aufweisen?
Bei genauer Betrachtung stellte ich jedoch fest, dass das Ei insbesondere im hellen Licht etwas gelb-rötlich wirkt (unteres Foto). Weil die Eierschale und das Eiweiß im Ei leicht lichtdurchlässig (transluzent) sind, mischt sich – so meine Vermutung – das von der Eidotter reflektierte rotgelbe Licht additiv mit dem Blau des Tageslichts. Und da die beiden Farben sogar teilweise komplementär sind, resultiert eine eher weiße Mischfarbe.
Schaut man sich den Schattenbereich des Eis (bezogen auf die Richtung des einfallenden Lichts) genauer an, so zeigt sich die so erfolgte Verfärbung des Lichts beim Durchgang durch das Ei ziemlich deutlich (Foto). Ich habe sogar den Eindruck, dass das oval geformte Eiweiß das Licht zumindest schemenhaft wie eine Linse auf einen Brennfleck fokussiert.

Der in der Sonne liegende Stein „spielt“ mit Licht und Schatten. Zum einen wirft er der noch tiefliegenden Sonne entsprechend einen langen Schlagschatten auf den Sand. Des Weiteren verfügt er auf der der Sonne abgewandten Seite über einen Eigenschatten. Genau genommen ist seine Oberfläche verschiedenen Vertiefungen entsprechend von weiteren Schatten bedeckt, die wesentlich zur Wahrnehmung seiner 3D-Gestalt beitragen. Da der Stein außerdem in einer leichten Vertiefung liegt, die vom direkten Sonnenlicht nicht erreicht wird, stellt auch diese einen Schatten dar. Er ist generell etwas heller als der Schlagschatten, weil die Vertiefung indirektes Licht erhält, vor allem vom Stein, der das auftreffende Sonnenlicht teilweise in die Vertiefung reflektiert.
Schatten ist also nicht gleich Schatten, sondern stellt ganz allgemein eine durch die Umstände bedingte Verminderung des direkten Lichts, hier: des Sonnenlichts, dar. Der leichte Blauschimmer der Schattenflächen zeigt im Übrigen, dass sie nicht lichtfrei sind, sondern mit Himmellicht versorgt werden.
Wir leben nicht auf dem Text des Lebens, sondern in der Kugel unserer Wahrnehmung. Wir sehen vieles klarer, manches größer, aber alles anders, als es eigentlich ist.

Ich spiele gern mit Glaskugeln und Licht. Manchmal ergeben sich ästhetisch ansprechende Objekte, die zu diversen Asssoziationen Anlass geben.

Was der Frost in starrer Geduld bewahrte, holt sich die Strömung nun zurück. Eis und Schnee sind passé. Sie haben sich verflüssigt und wirbeln mit neuem Bewegungsdrang durch das alte Bett, in dem die versunkenen Spuren des vergangenen Herbstes noch zu sehen sind: Die sedimentierten Blätter, kürzlich noch von Eis und Schnee bedeckt, leuchten im Spiel der Wellen und Wirbel in neuem Glanz auf, als hätte der Bach sein buntes Gedächtnis wiedergefunden. Es ist der Moment, in dem die Kälte der Bewegung weicht und das fließende Wasser die verborgene Farbkraft der Natur wieder an die Oberfläche spült.
Im frostigen Grün ruhen zwei Kugeln nebeneinander.
Ein stilles Bild von Verbundenheit und Festlichkeit.
In diesem Sinne wünsche ich euch/Ihnen Frohe Weihnachten 2025

Hier sieht man mehr als einen Kerzenschein. Es sind unendlich viele, von denen allerdings fast alle bis auf die die wir hier sehen im Unendlichen verschwimmen und verschwinden. Ausgangspunkt ist eine brennende Kerze (die allerdings auf dem Foto nicht zu sehen ist). Ich habe sie bei Dunkelheit vor eine Doppelglasscheibe gehalten und die Reflexe fotografiert. Mir wurde gleich ganz weihnachtlich zumute 😉
Beim ziellosen Schlendern durch die weihnachtlich geschmückten Straßen habe ich eine Begegnung mit mir selbst und das nicht nur einmal sondern gleich in zwei kuriosen Varianten. In einem Schaufenster steht ein spiegelnd glänzendem Metallkrug, der mich in voller Pracht sowohl von vorne zeigt als auch in einer überaus originellen Kopfstand-Pose. Ja, der Kopf scheint sich wie durch Zauberhand bis zur Unkenntlichkeit in die Länge zu ziehen und in den spiegelbildlich reflektierten Kopf überzugehen.
Der Grund? Der Krug – das glänzende Wunderwerk – ist nicht einfach ein gewöhnlicher Spiegel, sondern ein konkaves Spiegelobjekt, das durch seine gekrümmte Oberfläche die Lichtstrahlen in verschiedene Richtungen lenkt. Der Krug spiegelt mich einmal in einer verzerrten Standardversion und einmal als gewagtes Über-Kopf-Bild, das durch die Umkehrung der Lichtstrahlen entsteht.
Die Lichtstrahlen, die von meinem Kopf (und allen anderen Körperteilen) zum Krug gehen, werden von dessen gewölbter Oberfläche so reflektiert, dass die beiden Bilder entstehen, die sich in humorvollen Weise vereinigen.
Man könnte sagen, dass dieser Krug ein wahrer „Spiegel-Therapeut“ ist, der uns zeigt, dass unsere Köpfe nicht immer nur geradlinig und „normal“ in der Welt stehen müssen. Manchmal darf man sich auch gerne mit seinem kopfstehenden Double auf verkehrte und gedehnte Weise treffen – jedenfalls im Rahmen der optischen Gesetze.

Angesichts des im Foto festgehaltenen Szenarios kam die Frage auf, ob es durch die Spiegelung des Lichts im Wasser heller würde, obwohl keine zusätzliche Energie dafür nötig ist. Die Frage ist mit „ja“ zu beantworten. Denn zusätzlich zum direkten Licht der Lampe registrieren unsere Augen das reflektierte Licht. Anderenfalls (wenn sich dort statt des Wassers eine dunkle Straßenfläche befände) wäre das Licht größtenteils absorbiert worden, also in unsichtbare Wärme übergegangen. Eine spiegelnde Fläche erzeugt kein zusätzliches Licht, sondern lenkt es lediglich um. Allerdings sollte nicht verschwiegen werden, dass es durch die Reflexion nicht etwa zu einer Verdopplung der Helligkeit kommt, denn je nach der Beschaffenheit der reflektierenden Fläche geht ein mehr oder weniger großer Teil dennoch in Wärme über.
Um die kleine Lampe für den 2. Advent ein wenig festlich leuchten zu lassen, genügte es, sie durch eine Gardine hindurch zu betrachten. Bei vielen Gardinen sind die meist rechtwinklig gewebten Fäden von winzigen Fasern besetzt, die man nur bei genauer Betrachtung mit einer Lupe erkennt. Diese Fasern sind so klein, dass sie sozusagen in die innere Struktur des weißen Licht einwirken. Dabei wird es derart gebeugt, dass seine einzelnen Farben zum Vorschein kommen.
Normalerweise würde man dem geometrischen Webmuster der Gardine entsprechend eine eher rechtwinklige Farbanordnung sehen, wie wir sie in einem früheren Beitrag gezeigt haben. In diesem Fall handelt es sich jedoch um eine Gardine, in der die Maschen völlig chaotisch durcheinander gehen, sodass winzige Fasern in fast jeder Richtung auf das Licht einwirken, sodass eine fast kreisförmige Struktur (eine Korona) zu sehen ist.
Aber noch eine Voraussetzung ist für diese adventliche Lichtshow erforderlich. Anschaulich gesprochen müssen die Lichtwellen aus einem sehr engen Bereich kommen (Kohärenz), was durch die Art der Lichtquelle (dünner Glühfäden) weitgehend erfüllt wird.

Als ich auf der Suche nach einem Nikolausgeschenk etwas planlos durch diverse Geschäfte schlenderte, blieb ich schließlich etwas verdutzt an dem im Foto gezeigten Korb mit silbern spiegelnden Weihnachtsbaumkugeln stehen. Mir war zwar sofort klar, dass die mir meinem Ziel kaum näherbringen würden. Aber bevor ich weiterging begann ich mich darüber zu wundern, dass die Kugeln weich gebettet in einem Gestrüpp von leuchtenden Fasern zu lagern schienen. Das leuchtete mir zunächst in doppelter Weise ein: Wegen ihrer Zerbrechlichkeit müssen die Kugeln weich gebettet sein und weil sie das Licht sehr gut spiegeln, werden die Fasern intensiv beleuchtet.
Doch irgendetwas stimmte hier nicht. Das faserige Material erwies sich bei näherem Hinsehen nämlich als immateriell, es bestand aus nichts anderem als Spiegelungen von Spiegelungen von Spiegelungen usw.. Mit einem Wort: die Kugeln spiegelten sich gegenseitig ab und die Spiegelbilder taten es ihnen gleich, nicht nur einmal oder zehnmal, theoretisch sogar unendlich oft, auch wenn es realiter soweit nie kommt. Einen Ausschnitt aus diesem Spiegellabyrinth der besonderen Art findet man in einem früheren Beitrag.) Das optische Ergebnis sind sogenannte Fraktale, selbstähnliche Gebilde, bei denen der Ausschnitt, des Ausschnitts usw. vom Original kaum zu unterscheiden ist.
Jedenfalls ist dieses Phänomen nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch – ich möchte fast sagen – philosophisch interessant. Aber diesen Punkt werde ich heute an einem Nikolaustag nicht weiter vertiefen.
Dennoch nimmt das Wundern kein Ende: Wieso wird das Licht nach den vielen Reflexionen der Reflexionen so gelb, dass man kaum glauben kann, dass es ursprünglich weiß war.
Woher kommt also das Gelb? Die Antwort ist verborgen in der Tatsache, dass spiegelnde Metalle, so wie sie zum Beispiel auch in unseren Badezimmerspiegeln verwendet werden, nicht nur Licht reflektieren. Zu einem ganz kleinen, in der Praxis nicht zu bemerkenden Teil wird auch ein wenig Licht absorbiert und in Wärme verwandelt. Diese Absorption betrifft aber vor allem die kurzen Wellenlängen, also vor allem die violetten und blauen Lichtwellen, stärker als die langwelligen Anteile des weißen Lichts, also rot und gelb. Und wenn sich auf diese Weise infolge der vielen Reflexionen der Verlust an Blau und Violett ivergrößert, wird das Restlicht immer röter und gelber.
Hier kippt also Quantität in Qualität. Kommt uns das nicht aus anderen Zusammenhängen irgendwie bekannt vor?
Was hier wie kleine wassergefüllte Bäche aussieht ist knochentrocken. Wir blicken vielmehr auf nahezu parallele Sandrippel, die durch die Einwirkungen des Winds erzeugt wurden. Dabei wurde der aus hellen und dunklen Körnern bestehende Sand außerdem weitgehend entmischt.
Während die dunklen Sandkörner das blaue Himmellicht sehr gut reflektieren, wird es von den hellen Sandkörnern stark absorbiert, so dass es zu dieser deutlich Farbdifferenzierung kommt.
Da das Rippelfeld fast parallel zum Kamm einer Düne verläuft, von dem aus je nach Einwirkungen des Windes Lawinen abgehen, macht sich vor allem der dunkle Sand der Rippel an diesem steilen Abhang als durchgehende Streifen bemerkbar. Dadurch wird der ursprüngliche Eindruck des fließenden Wassers noch verstärkt.

Wenn wir über die Reflexionen auf diesem Foto reflektieren, wird uns vielleicht bewusst, wie wesentlich diese Art der Zurückwerfung mit unserer Lebenswelt und in unser Leben verwoben ist. Das Sonnenlicht wird teilweise von den Pflanzen aufgenommen, der Rest, z.B. das Grün der Wiesen, wird abgegeben.
Es wird aber auch von Wassertröpfchen reflektiert, die zum Beispiel in Form von Regen auf die Erde niedergehen. Dabei wird das Licht auch noch gebrochen und in Farben zerlegt, die wir hier als Teil eines farbigen Regenbogens wahrnehmen. Selbst das in der Wasserpfütze im Vordergrund reflektierte Licht der Wassertröpfchen zeigt sich in Form eines Regenbogenfragments usw. usw. Hinzu kommt hier das Reflektieren über das Reflektieren…

Das „Gemälde“ im unteren Bereich der Wand sind Relikte von Lichtkreuzen, die durch die Reflexion von doppeltverglasten Fensterscheiben eines gegenüberliegenden Gebäudes hervorgerufen werden. Die Sonne ist an diesem sonnigen Morgen schon etwas höher gestiegen, sodass die Reflexion gerade noch auf die Wand gelangt. Das Lichtkreuz ist nicht perfekt gelungen, weil der Abstand zwischen den beiden Häuserfronten nicht beonders gut zur Stärke der Scheibendeformation passt, um eine scharfe Abbildung hervorzurufen. Die Luftdruckdifferenz zur Umgebungsluft ist also nicht groß genug (Genaueres findet man in einer früheren Publikation.)
Die Abweichung von der Idealgestalt macht jedoch oft das Rätselhafte solcher Lichtstrukturen aus. Man findet zwar heraus, dass das Phänomen etwas mit Lichtreflexen zu tun hat, aber viel mehr auch nicht. Für manch einen reicht das nicht aus.
Naturschön und ein wenig geheimnisvoll ist das Bild dennoch…

Schon von weitem sah ich ein leuchtendes Oval im herbstlichen Blätterbelag des Wanderweges, das sich aus irgendwelchen Gründen in der Farbsättigung und bei Näherer Betrachtung auch in der Blätterdichte von der Umgebung unterschied. Die Blätter waren innerhalb dieses Ovals nicht nur farbenprächtiger sondern auch zahlreicher.
Zunächst wollte ich der Sache durch eine Begehung auf den Grund gehen, doch im letzten Moment schreckte ich zurück, weil der Grund der Boden einer Pfütze war, was nicht so gut mit meinem leichten Schuhzeug zu vereinbaren gewesen wäre: Eine mit Blättern gesättigte Wasserpfütze sorgte aus zwei Gründen für die farbliche Hervorhebung des Ovals.
Erstens waren die Blätter vom Wasser benetzt, teilweise befanden sie sich sogar unter der Wasseroberfläche, was nur schwer zu erkennen war. Zweitens befanden sich viel mehr Blätter im Bereich der Pfütze als im trockenen Bereich darum herum.
Dafür muss es jeweils mindestens einen Grund geben. Zum einen führt die Benetzung der Blätter mit Wasser dazu, dass die Lichtstreuung an der Oberfläche der Blätter verringert und dadurch die Farbsättigung des von den benetzten oder versenkten Blättern reflektierten Lichts erhöht wird. Zum anderen befinden sich deshalb mehr Blätter in der Pfütze als in der Umgebung, weil einmal in der Pfütze gelandete Blätter kaum durch den Wind wieder entfernt werden können, während die Blätter in der trockenen Umgebung durch den Wind verweht und dadurch ausgedünnt werden.

Die Aufschrift des Kutters im Hafen spiegelt sich im Wasser, doch die Wellen zerlegen das Bild. Jeder Windstoß bringt neue Varianten, lässt die Buchstaben tanzen, verzerren, verschwimmen. Aus klaren Linien werden flirrende Lichtstreifen, die sich zu Mustern verweben, sich auflösen und wieder neu entstehen. Vom ursprünglichen Schriftzug bleibt nichts als ein Schimmer, ein unstetes Spiel, das sich ständig verändert und doch unaufhörlich fortbesteht.
Das klingt etwas verschroben, trägt damit aber auch dem ersten Eindruck Rechnung, den das Foto mir vermittelte, als ich es von Toralf Förster zugeschickt bekam. Wie er selbst berichtet blickt man von unten auf das Sonnensegel eines Cafés, auf das einige gelbe Blätter gefallen sind. Wohlgemerkt: Die Blätter liegen außen auf dem Segel und wurden von unten gesehen und fotografiert.
Obwohl das Segel nur durchscheinend aber nicht durchsichtig ist, ergibt sich eine ziemlich realistisch wirkende Abbildung. Offenbar liegen die schon herbstlich gelb verfärbten und verhärteten Blätter nicht flach, sondern hochkant auf dem Segel und empfangen das Sonnenlicht aus einem ziemlich steilen Winkel. Davon zeugt der relativ lange Schatten, der von den Blättern geworfen wird.
Die Blätter reflektieren einen großen Teil des Lichts gemäß der Regel: Einfallswinkel = Reflexionswinkel vor sich auf das Sonnensegel, sodass es in diesem Bereich intensiv beleuchtet wird. Daher geht ein Teil des Lichts durch das Segel hindurch und wird von der Unterseite, also vom Café aus, gesehen.
Da nach Auskunft von Herrn Förster das Segel einen bräunlich-orangenen Farbton aufweist (was im Foto nicht so deutlich zum Ausdruck kommt, absorbiert es ähnlich wie die gelben Blätter vor allem Licht der Komplementärfarbe. Da diese bereits von den gelben Blättern absorbiert wurde, geht damit ein großer Teil des auf das Segel reflektierten gelben Lichts durch dieses hindurch.
Die Durchlässigkeit des Lichts ist daher so gut, dass man die Blätter fast im Original zu sehen glaubt.
Alles in allem eine der Beobachtungen am Rande des Alltags, über die man meist hinwegsieht.

Ein altes Schnapsglas gerät mehr aus Zufall denn aus Absicht in einen Lichtfleck und zeigt einen Teil der Reflexionen, die auch ohne den Genuss von Schnaps entfaltet werden können.
Eine Wasserpfütze ist ein System, das sich von seiner Umgebung in mehrfacher Hinsicht abgrenzt. Über die Grenze mit der Luft und dem Boden wird in unterschiedlicher Weise der Wassergehalt durch Verdunstung und Niederschläge einerseits und Versickern von Wasser andererseits geregelt. Aber auch der Wärmeaustausch findet über diese Grenzen statt.
Und dann gibt es noch Grenzen, die gewissermaßen eine optische Umrahmung der Pfütze herstellen wie sie beispielhaft in diesem Foto zu sehen ist. Wir haben es mit einer strahlend hellen Grenze zu tun, über die das Sonnenlicht in unsere Augen reflektiert wird. Ihre Breite richtet sich nach der Rauigkeit des Untergrunds. Diese Lichtgrenze ist Teil einer anderen Grenze, die die Pfütze mit einem breiteren dunklen Rahmen versieht. Sie kommt dadurch zustande, dass das Pfützenwasser zu den Seiten hin durch Schwerkraft und Kapillarkräfte verloren geht. Die dunkle Färbung zeigt an, dass feuchte Erde weniger Licht diffus reflektiert als trockene Erde, weil aus wässrigen Medien weniger Licht zurückkommt als aus trockenen.
Die Pfütze wird auf diese besondere Weise noch deutlicher visuell aus der Umgebung hervorgehoben als es allein durch den Wasserkörper der Fall wäre. Es ist als hätte jemand die äußere Form der Pfütze mit einem hellen und einen dunklen Pinselstrich umrandet.
Wir möchten wissen, wie es zu den hell berandeten dunklen Kreisen kommt.
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Erklärung des Rätselfotos des Monats Juli 2025
Frage: Wir möchten wissen, wie es zu den Spiegelungen kommt.
Konzentrieren wir uns der Deutlichkeit halber auf das rechte Fenster. Dort sind im oberen Bereich leicht verzerrte Doppelspiegelungen eines gegenüberliegenden Fensters zu sehen, wobei zusätzlich eine Verkleinerung und eine Vergrößerung auftritt.
Ursache für diese Verzerrungen sind Doppelglasscheiben, wie wir in einem früheren Beitrag erläutert haben. Geht man davon aus, dass das größere Spiegelbild von der vorderen (nach außen gerichteten) Scheibe hervorgerufen wird, so weist die Vergrößerung auf eine konkav geformte Scheibe hin. (Die vergrößernde Wirkung einer konkaven Scheibe kennen wir vom Kosmetikspiegel.) Das verkleinerte Spiegelbild wird folglich durch die hintere Scheibe bewirkt, die bezüglich des einfallenden Lichts konvex gekrümmt ist und daher wie ein verkleinernder Wölbspiegel wirkt.
Die Asymmetrie der Verzerrung ist darauf zurückzuführen, dass die Abbildung nur den oberen Bereich des Fensters betrifft.

Von einer frustrierenden, weil mit Zugausfällen und Verspätungen geprägten Rückfahrt von einem an sich erfreulichen Event läuft der Zug bei bereits tiefstehender schon dunkelgelb gefärbten Sonne in den heimatlichen Bahnhof ein. Ich stehe bereits ungeduldig an der Tür, um möglicherweise noch ein Anschlussverkehrsmittel erreichen zu können und sehe die von Graffiti bemalte Wand noch ziemlich schnell vorüberziehen. Allerdings laufen einige Lichtkreuze mit derselben Geschwindigkeit wie unser Zug über die vielen Kunstwerke hinweg.
Es sind dies die gelben etwas in die Länge gezogenen gelben Kreuze, die im linken Bereich zu sehen sind. Sie werden von den Zugfenstern hervorgerufen, die das Licht der tiefstehenden Sonne auf die Wand projizieren. Man erahnt mehr als man es im oberen Drittel des Fotos sieht, dass die Dämmerung für gelbe Farbtöne sorgt.
Warum die Reflexe der Fenster nicht von exakt der Form der Fenster sind, sondern ein Kreuz bilden, habe ich bereits an mehreren Stellen in diesem Blog erklärt und verweise hiermit auf eine solche.
Obwohl wegen der noch relativ hohen Geschwindigkeit des Zuges die Aufnahme nicht ganz scharf ist, erkennt man, dass hier zwei verschiedene Muster von künstlerischen Äußerungen an der Wand wettstreiten: die (etwas länger überdauernden) Graffitis und die flüchtigen Reflexe. Kann man sagen, dass sich hier Kunstschönes und Naturschönes (die Reflexion ist ein Naturphänomen) vereinigen und meinen frustrierenden Abschied von der Bahn zu guter Letzt noch etwas aufmöbeln?

Auf der Suche nach einem Buch fand ich in der Ecke des Bücherbords einen Spiegel wieder, den ich schon einige Zeit vermisst hatte. Im Licht der Taschenlampe zeigte er mir nicht nur die Spuren der Einsamkeit in Form von Staub zeigte (der zum Glück auf den Büchern nicht so auffällig ist), sondern mit intensiven Farben die Freude zum Ausdruck brachte, endlich entdeckt worden zu sein.
Das freute mich nun wieder, an einem ungewohnten Ort ein Naturphänomen vorzufinden, das es zwar häufiger gibt als man denkt (siehe meine Erwähnungen z.B. hier und hier und hier), aber selten als solches wahrgenommen wird.
Zur Erklärung sei hier nur soviel gesagt: Es handelt sich um Strukturfarben, bei denen sich zwei (kohärente) Lichtwellen im Auge überlagern, nachdem eine Welle zuerst an einem Staubkörnchen gestreut und dann von der vergüteten hinteren Schicht des Spiegels reflektiert wird, während die andere Welle zuerst an der Spiegelschicht reflektiert und dann an einem Staubkörnchen gestreut wird, bevor sie ins Auge gelangt.
Manche Wege erfordern einen Übergang von Fest nach Flüssig. Hier ist bereits vorgezeichnet, wie es weitergehen soll.
Die Reflexion der hellen Wolke auf dem Wasser ergänzt rein optisch den Weg der zum Wasser zu führen scheint und legt den Gedanken nahe, dass es sich um eine Fortsetzung des Sandweges handelt. Zum Glück wird dieser Gedanke durch andere meist unbewusst ablaufende Erwägungen verworfen.
Und doch ist kaum ein Teich an der Landstraße, der nicht soviel Landschaft in sich als über sich hätte. Die Pfütze ist nicht braun, sumpfig und öde; sie hat ein Herz wie wir, auf dessen Grund die Zweige der hohen Bäume, die Halme des wellenden Grases und alle Farbentöne wechselnden lieblichen Himmelslichts wohnen
John Ruskin 1902
Auffallend sind mehrere Dinge. Obwohl die Wasserpfütze im Schatten liegt, geht von ihr große Helligkeit aus. Die Pfütze verhält sich wie ein Spiegel und reflektiert die Umgebung, die der Beobachter dem Reflexionsgesetz (Einfallswinkel = Reflexionswinkel) gemäß als eine Art Unterwasserspiegelwelt zu sehen bekommt. Hier sind es vor allem die von der Sonne beschienenen grünen Büsche. Am linken Rand der Pfütze sieht man einen Ausschnitt des hellen Himmels. Der Helligkeitsunterschied zum übrigen Bild ist so groß, dass es zu einer Überstrahlung kommt und das Himmelsblau auf der Strecke bleibt.
Lediglich im linken Seitenbereich, in dem das Wasser schon so weit versickert ist, dass der feuchte, unebene Untergrund zum Vorschein kommt, wird die Helligkeit durch dunklere Farben so weit gedimmt, dass das Himmelblau etwas besser zur Geltung kommt.

Glas ist ein amorpher Feststoff, der beim Abkühlen aus einer Schmelze fest wird, ohne dabei zu kristallisieren. Wenn man diese Definition von Glas liest und dabei durch die kristallklare Fensterscheibe blickt, ist zumindest die Assoziation einer Schmelze nicht gerade naheliegend. Hat man aber wie im obigen Foto die auf dem Wasser eines Kanals wabernden Wasserreflexe von Fenstern vor Augen, liegt das Flüssige gar nicht mal so fern.

Durch die sich überschlagende Brandungswelle werden zahlreiche winzige Tropfen verstreut. Man bemerkt sie normalerweise eher dadurch, dass man durch sie benetzt wird, als dass man sie sieht. Im vorliegenden Fall werden einige Tropfen von einem Bündel Sonnenlicht beleuchtet, das durch die Form der Brandungwelle ausgeschnitten und von den fallenden Tropfen in unsere Augen reflektiert wird (siehe im Foto rechte Hälfte unten). Dieser Ausschnitt hat eine dreieckige Form und fügt damit meiner „Sammlung“ von Dreiecken in der Natur ein weiteres Beispiel hinzu.
Beim Fotografieren habe ich zwar die zahlreichen illuminierten Tropfen gesehen. Dass ich jedoch einen dreieckigen Ausschnitt fixiert hatte, erfuhr ich natürlich erst hinterher, als ich mir die Bilder genauer anschaute. Es war also der Zufall, der mir dieses Dreieck aus reflektierenden Tropfen zuspielte. Dafür bin ich ihm dankbar 😉

Meistens eilt man im Regen zur nächsten trockenen Stelle. Insbesondere bei Dunkelheit sollte sich manchmal die Freiheit nehmen, den Blick auf das Straßenpflaster zu richten. Dabei kommt man in den Genuss eines faszinierenden Zusammenspiels von bewegtem Wasser und dem Licht von Straßenlaternen, Scheinwerfern und anderen Leuchten. Das Licht wird gebrochen und reflektiert und führt zu einem flirrenden Farbenspiel. Pfützen werden zu bunten Spiegeln, in denen sich die Welt verzerrt und neu zusammensetzt. Die Dunkelheit intensiviert Kontraste, lässt Rot glühen, Blau schimmern und Gelb leuchten. So entsteht eine naturschöne Szenerie, in der die Nässe nicht nur den Asphalt benetzt, sondern auch die Sinne berührt – ein stilles Feuerwerk der Farben, geboren aus Wasser und Licht.
Diese Wasserfontäne war und ist so nur auf dem mit einem einfachen Fotoapparat gemachten Foto zu sehen. Mir ging es darum die durch einen ins Wasser geworfenen Stein ausgelösten Ringwellen zu fotografieren. Durch Zufall traf ich just den Moment, in dem der ins Wasser eindringende Stein eine Wasserfontäne hochschleudert, während er selbst versinkt. Zusammen mit der Spiegelung dieses Moments im Wasser ergibt sich ein natürschönes Bild, das allerdings infolge der Trägheit unserer Augen so niemals natürlicherweise zu sehen ist.

Während eines leichten Regenschauers sammelt sich unter einem hängenden Kessel Wasser in Form eines Tropfens. Der Kessel ist offenbar wasserliebend und lässt den wachsenden Tropfen nicht so gleich los. Grenzflächenkräfte halten ihn und bewahren ihn davor durch die Schwerkraft zu Fall gebracht zu werden. Aber nicht sehr lange. Zwar nimmt mit der Masse des sich im Tropfen sammelnden Wassers auch die Berührfläche mit dem Topf und damit die Anhangskraft zu. Aber da die Masse und damit die Gewichtskraft schneller wachsen, kommt es irgendwann zum Abschnüren und dem Fall des Tropfens. Anschließend beginnt das Spiel von Neuem solange der Wassernachschub währt.
Währenddessen erlebt man ein naturschönes Lichtspiel.
Tiefgründig an diesem Anblick ist nicht nur die Tatsache, dass die gespiegelte Telegrafenleitung optisch genauso weit unter der Wasseroberfläche liegt wie die reale Leitung darüber. Die Virtualität des Anblicks ist mehr als deutlich und verweist zumindest symbolisch darauf, dass die durch die Leitungen fließende Energie und Information eine extreme Reduktion dessen darstellt, was in der entsprechenden realen Kommunikationssituation beabsichtigt und gemeint war.
Die Vergänglichkeit solcher Informationsströme liegt nicht nur in der Verfasstheit des Strömenden begründet, sie erfährt hier durch die Spiegelung in der Pfütze eine materielle Verstärkung dadurch, dass das Medium der Spiegelung der Verdunstung oder Versickerung ausgeliefert ist.
Andererseits zeigt die hier wie selbstverständlich auftretende Verbindung von Natur und Technik, dass der darin anklingende Gegensatz keine einfache Beziehung ist, weder von den Naturgesetzen her noch vom ästhetischen Reiz, die in diesem Anblick zweifellos enthalten ist.
Vielleicht kann eine einfache Szene wie diese ohne Hintergedanken und tiefschürfende Reflexionen auch einfach nur schön sein, sodass die Art und Weise, wie Licht und Wasser hier zusammenwirken eine stille Freude und ein nicht weiter erklärbares Staunen hervorrufen.
Das auf „Kipp“ stehende Fenster kann als Antwort auf die Frage angesehen werden, wie die beiden daneben projizierten Lichtkreuze im Lichtkreis zustande kommen: Nötig ist eine Doppelglasscheibe, die vom Sonnenlicht getroffen wird und das Licht an beiden Scheiben der Regel „Einfallswinkel gleich Reflexionswinkel“ gemäß auf die im Schatten liegende Wand reflektiert wird. Der entgegengesetzten Deformation der Scheiben entsprechend kommt es zu einer Fokussierung des Lichts (verantwortlich für das Kreuz) und einer Defokussierung (verantwortlich für den einrahmenden Kreis).
Für mich, der ich seit einigen Jahrzehnten (vorher gab es das Phänomen praktisch noch nicht) solchen Lichtkreuzen in Lichtkreisen auf der Spur bin und immer wieder neue Varianten zu Gesicht bekomme, war dieser Anblick zwar physikalisch nichts Besonderes aber von der Wahrnehmung her eine ästhetisch ansprechende Darstellung des Phänomens, das ich vor ca. 20 Jahren zum ersten Mal physikalisch beschrieben habe. Später kamen dann Besonderheiten hinzu. Zum Beispiel farbige Lichtkreuze, künstlerische Varianten, rechteckige und dreieckige Exemplare. Am eindrucksvollsten sind die später hinzukommenden rasenden Lichtkreuze, die gleich in Serie von doppeltverglasten Fenstern in moderneren Eisenbahnwaggons entworfen und auf zufällig (aus der Sicht des am Fenster sitzenden Reisenden) vorbeiziehende Flächen projiziert werden.
Wir sehen nicht alles, was auf unsere Netzhäute an optischen Informationen auftrifft. Daher ist es i.A. schwierig Ausschnitte aus Gesehenem als etwas Sinnvolles zu erkennen. Das Foto ist ein Beispiel dafür. Obwohl das Foto, aus dem der Ausschnitt genommen wurde nicht verändert, allenfalls aus einem ungewohnten Winkel fotografiert wurde, bleibt es wohl für viele rätselhaft. Oder hat jemand den entlarvenden Blick?

…in den mit dem Wellengang bewegten Reflexen tauchte plötzlich diese Wellenmutter auf, die ihr Kind mit blauem Gesicht an der Hand hielt. Sie hatte eine bewegte Figur, die ihr zuweilen (wie auf dem Foto) mehr Rundungen verlieh, als es bei Menschen üblich ist. Außerdem stand sie meist auf einem Bein. Beide bewegten im Rhythmus der Wellen. Was sollten sie auch anderes machen, waren sie doch selbst Wellengeborene. Ein weiterer Kutter, der unversehens in den kleinen Hafen einfuhr, bereitete dem Spiel ein schnellen Ende.
Mein Versuch die Vasen ohne Umgebung zu fotografieren blieben erfolglos. Ehrlich gesagt, hatte ich es gar nicht erst versucht. Dabei kam mir das Problem zu Bewusstsein, dass reflektierende Schmuckstücke nicht anders können als den Betrachter mit ins Bild zu nehmen. Ob das immer von Vorteil ist? Jedenfalls sind diese Vasen sehr demokratisch. 😉