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Kurioses

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Ein Baum mit Krücke

Vor ein paar Tagen kam ich mal wieder an dem Baum vorbei, der mich schon seit vielen Jahren fasziniert wegen seines ungewöhnlichen Wuchses. Offenbar ist der dadurch bedingt, dass der Baum in eine Schieflage geriet und sich eine Stütze zulegen musste. Wie er das zuwege brachte, ist sein Geheimnis. Aber die Stütze wird noch anderweitig genutzt, aus ihr ist ein Ableger gewachsen, der gerade dabei ist das dichte Dach der Baumkronen zu durchdringen, um ebenfalls am lebensspendenden Licht zu partizipieren.  

Geisterflieger über den Wolken

Wenn beleuchtete Gegenstände keinen Schatten haben, sollte es einen bedenklich stimmen. Man denke nur an die Probleme, die sich Peter Schlemihl einhandelte, als er seinen Schatten an den Teufel verschacherte. Wenn aber Schatten ohne Gegenstand auftreten, könnte man das Gefühl bekommen, einem absurden Theater beizuwohnen. Dennoch gibt es solche Fälle, wie das obige Foto von Hans-Jürgen Heyen zeigt: Man sieht die Kondensstreifen eines Flugzeugs ohne das diese verursachende Flugzeug. Ironischerweise ist aber der dunkle Schatten der Streifen komplett mit dem Schatten des Flugzeugs darüber zu sehen.
Der Anblick erscheint zwar absurd, aber er lässt sich mit rationalen Argumenten erklären. Dazu muss man sich aber ein wenig mit den betreffenden physikalischen Zusammenhängen vertraut machen.
Wir sehen den Schatten vom Flugzeug und seinen beiden Kondensstreifen auf bzw. in einer Wolkenschicht, die sich unter bzw. hinter dem Flugzeug befindet. Und da beide, die realen Kondensstreifen und ihre Abbildungen, als Schatten ziemlich dicht beieinander liegen, kann man davon ausgehen, dass das Flugzeug dicht über der projizierenden Wolkenschicht fliegt und sich das Geschehen in der Nähe der Sonnenstrahlrichtung abspielt. Es ist dort also extrem hell.
Das vom Himmel (also von den Teilchen in der Atmosphäre, die das Licht streuen) ausgehende Licht ist etwa von der gleichen Helligkeit wie das vom Flugzeug reflektierte Licht. Sein Kontrast zum Hintergrund ist daher so klein, dass er wie im vorliegenden Fall nicht wahrzunehmen ist.
Offenbar gilt das nicht für den Flugzeugschatten. Denn in diesem Fall blendet das Flugzeug als lichtundurchlässiges Gebilde das Sonnenlicht völlig aus, wodurch ein dunkler Bereich mit großem Kontrast zur hellen Wolke entsteht der durch die Wolke hindurch als Schatten gut zu erkennen ist.
Doch warum bleiben die Kondensstreifen von diesen Überlegungen weitgehend unberührt? Man sieht sie in großer Deutlichkeit ebenso wie auch ihre Schatten mit dem Flugzeug an der Spitze.
Die Ursache für das unterschiedliche Verhalten von Flugzeug und den zugehörigen Kondensstreifen liegt darin, dass letztere aus Eiskristallen bestehen, die das auftreffende Sonnenlicht äußerst effizient in Vorwärtsrichtung streuen (Mie-Streuung), also vor allem in dieselbe Richtung, in die auch die Sonnenstrahlen gehen. Und da der Blick zum Geschehen wegen der räumlichen Nähe der Kondensstreifen und ihrer Schatten nahezu gegen die Sonne gerichtet ist, geht auch mehr Licht zur Kamera, als es ohne die Eiskristalle der Fall wäre. Es wird also zusätzlich Licht, das ohne die Eiskristalle geradeaus weiter gegangen wäre, teilweise seitlich in Richtung der beobachtenden Person umgelenkt.
Erstaunlich ist weiterhin, dass die Wolken wie eine flächenhafte Projektionswand für die Schatten wirken. Ich denke, dass es sich um eine typische Altostratus- oder Stratocumulus-Wolkenschicht handelte. Sie besteht aus vielen kleinen Wassertröpfchen und Eiskristallen und ist weit davon entfernt ein flaches Gebilde zu sein. Daher wird das auftreffende und die Schicht durchdringende Sonnenlicht ebenfalls vorwiegend nach vorn gestreut (Mie-Streuung).
Unterhalb des Flugzeugs und dessen Kondensstreifen erreicht keine direkte Sonnenstrahlung die Wolke und es ist dort entsprechend dunkel. Vom Flugzeug aus könnte man dies ggf. als Schatten auf der hellen Wolkenwand sehen.
Die Vorwärtsstreuung des Lichts sorgt dafür, dass es seine ursprüngliche Richtung (von oben nach unten) weitgehend beibehält. Das ist entscheidend für die Transmission des Schattens durch die lichtdurchflutete Wolkenschicht hindurch, weil auf diese Weise nur wenig Licht von der Seite in den lichtverminderten Schattenbereich gelangt, und eine entsprechende Aufhellung weitgehend unterbleibt.
Das Phänomen kommt also rein physikalisch zustande und ist nicht auf subjektive Wahrnehmungsdefizite des Menschen zurückzuführen.

Liegt da einer?

Als ich am Morgen in der Dämmerung einen Spaziergang im Wald machte, erschrak ich angesichts dieses Anblicks. Ich hatte den Eindruck dort einen Menschen liegen zu sehen. Zwar konnte ich mich schnell überzeugen, einer Pareidolie aufgesessen zu sein, aber die Verwunderung darüber, wie leicht man getäuscht werden kann, blieb noch einige Zeit erhalten.
Es handelt sich um die starke Wurzel eines großen Baumes, der auf felsigem Untergrund wächst und wohl versucht, mit diesem überdimensionale Wurzelwerk an nährstoffreiche Untergründe zu kommen.
Ich muss noch hinzufügen, dass ich später an die Stelle zurückging, um bei genügender Helligkeit dieses Foto zu machen, zumal ich in der Dämmerung keinen Fotoapparat dabei hatte. Erstaunlich war, wie stark das helle Wurzelholz des Baumes im Dunkeln leuchtete und im Zwielicht noch wesentlich realistischer aussah als auf diesem Foto.


Endstation Tauwetter: Ein Teddy tritt den Rückzug an

Darf ich vorstellen? Das ist Puttfarken*, der wohl traurigste – aber auch flauschigste – Schneehaufen der Saison. Er entstand nicht durch einen Bildhauer, sondern durch den beherzten Einsatz eines städtischen Schneepflugs und einer ordentlichen Portion Streusalz.
Sein Fell hat diesen exklusiven Großstadt-Grau-Ombré-Look, den man nur so durch eine Mischung aus Asphaltstaub, Reifenabrieb, Dieselruß und schmelzenden Schnee hinbekommt. Mit seinen kullerrunden Augen (vielleicht aus Rollsplit) und seiner lädierten Nase aus ehemals reinem Schnee harrt er der Dinge die da kommen werden.
Auch wenn ich auf den Frühling warte, hofft er wohl eher auf die nächste Kältewelle, damit seine inzwischen porösen Glieder und anderen lädierten Körperteile ein frisches Update erhalten.
Erinnert er uns trotz allem nicht ein wenig daran, dass auch im größten Dreck ein bisschen Herz (und viel Physik) steckt.

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* plattdeutsch: wörtlich „Topfferkel“. So nannte mich als Kind meine Oma, wenn ich nach dem Spielen ähnlich aussah wie der Typ auf dem Foto.

Efeu – mit einer Weihnachtskugel im Arm

Manchmal bietet es sich an, die Weihnachtdekoration auch im Garten anzubringen. Eine silberne, glänzende Kugel im immergrünen Efeu zu platzieren, ist in der Tat schon etwas Besonderes. Sie macht sich so schön in der natürlichen Umgebung, dass man sie gern etwas länger dort belässt. Wenn sie dann jedoch im Frühling von neuen Trieben des Efeus effektvoll eingerahmt wird, gewöhnt man sich leicht an die allmähliche Veränderungen des Anblicks bis hin zum völligen Verschwinden aus den Augen und damit auch aus dem Sinn.
So wird es auch in diesem Fall gewesen sein. Jedenfalls war Hans-Jürgen Heyen ziemlich erstaunt, als ca. 15 Jahre später der dringend notwendige Rückschnitt des üppig gewachsenen Efeus die Kugel nicht nur in den Blick, sondern auch in die Erinnerung zurückbrachte.
Die Überraschung war doppelt groß. Zum einen darüber, dass man die Kugel völlig vergessen hatte und zum anderen, dass dieses an sich sehr zerbrechliche Weihnachtsschmuckstück offenbar die Jahre weitgehend schadlos überstanden hatte.
Jeder der zu Weihnachten den Weihnachtsbaum schmückt, weiß dass man diese aus sehr dünnem Glas bestehenden Kugeln wie ein rohes Ei handhaben muss, damit sie nicht zerbrechen. Und nun erblickt man eine solche empfindliche Kugel gewissermaßen im festen Griff eines mehrere Zentimeter dicken Efeuastes, ohne dass ihr etwas passiert wäre – auch in 15 Jahren nicht. Man hat fast den zumindest visuellen Eindruck, dass der Efeu statt die Kugel zu zerdrücken, sie vor der Unbill der wilden Natur über all die Jahre bewahrt hat.
Spätestens an dieser Stelle sollte man seine lebensweltlichen Erfahrungen mit Weihnachtskugeln physikalisch überdenken. Schaut man sich nämlich die Materialeigenschaften von Glas an, so ist es enorm druckfest – fester als man mit bloßen Händen drücken könnte, vorausgesetzt man würde und – vor allem – könnte so gleichmäßig drücken.
Wenn ich mich daran erinnere, unter welchen Umständen eine Weihnachtskugel zu Bruch ging, so hatte ich sie entweder fallen gelassen oder zu stark einseitig gedrückt. Denn trotz der Druckfestigkeit von Glas ist es extrem empfindlich gegenüber Zug- und Biegespannungen. Und ob die Pflanzen dieser Empfindlichkeit gerecht werden, ist äußerst fraglich. Von Schlingpflanzen wie etwa dem Blauregen weiß man, dass seine verholzten Lianen durch radiales Dickenwachstum massiven Druck ausüben und Rankgerüste, Regenrinnen und Dächer verbiegen können.
Aber es gibt Ausnahmen. Dazu zählt der Gemeine Efeu (Hedera helix). Als sogenannter Selbstklimmer nutzt er Haftwurzeln, um sich an Oberflächen festzuhalten und baut dabei in der Regel keinen aktiven „Würgedruck“ auf. Jedenfalls keinen der stabil genug wäre, um ein starres Objekt wie eine Kugel zu zerdrücken. Die Kugel ist außerdem so glatt, dass der Efeu auf ihr kaum Anknüpfungspunkte findet. Er wächst stattdessen um sie herum. Dabei verteilt sich der Druck des Holzes über eine verhältnismäßig große, gewölbte Fläche. Die Kugel wird daher eher festgehalten als gedrückt.
Hinzu kommt eine gewisse Nachgiebigkeit des Holzes, wonach sich das Pflanzengewebe (Rinde und Kambium) plastisch um die widerständige Kugel herum verformt und sich der Kugelform anpasst. In der Botanik spricht man in diesem Zusammenhang auch vom Überwallen von Fremdkörpern. So können Bäume ganze Schilder, Zäune u.ä. in Gänze umschließen ohne sie zu zerstören.
Die Kugel hat im Laufe der Jahre lediglich ihren Hochglanz verloren. Dafür gäbe es mehrere Gründe. Zum einen kann die durch die Öffnung am Aufhänger diffundierte Feuchtigkeit zur Oxidation der hauchdünnen Silberschicht oder durch die Entstehung von Silbersulfid zum blind wirkenden Silbergrau geführt haben. Aber auch mikroskopisch feine pflanzliche Beläge kommen in Betracht und das scheint die eigentliche Ursache zu sein. Denn vorsichtiges Putzen bringt den alten Glanz wieder hervor. Aber auch das matte Outfit sollte nicht als Makel angesehen werden, weil es perfekt zum neuen Dasein der vom Efeu liebevoll umfassten Kugel als Naturkunstwerk passt.

Merkwürdige Begegnung

Beim ziellosen Schlendern durch die weihnachtlich geschmückten Straßen habe ich eine Begegnung mit mir selbst und das nicht nur einmal sondern gleich in zwei kuriosen Varianten. In einem Schaufenster steht ein spiegelnd glänzendem Metallkrug, der mich in voller Pracht sowohl von vorne zeigt als auch in einer überaus originellen Kopfstand-Pose. Ja, der Kopf scheint sich wie durch Zauberhand bis zur Unkenntlichkeit in die Länge zu ziehen und in den spiegelbildlich reflektierten Kopf überzugehen.
Der Grund? Der Krug – das glänzende Wunderwerk – ist nicht einfach ein gewöhnlicher Spiegel, sondern ein konkaves Spiegelobjekt, das durch seine gekrümmte Oberfläche die Lichtstrahlen in verschiedene Richtungen lenkt. Der Krug spiegelt mich einmal in einer verzerrten Standardversion und einmal als gewagtes Über-Kopf-Bild, das durch die Umkehrung der Lichtstrahlen entsteht.
Die Lichtstrahlen, die von meinem Kopf (und allen anderen Körperteilen) zum Krug gehen, werden von dessen gewölbter Oberfläche so reflektiert, dass die beiden Bilder entstehen, die sich in humorvollen Weise vereinigen.
Man könnte sagen, dass dieser Krug ein wahrer „Spiegel-Therapeut“ ist, der uns zeigt, dass unsere Köpfe nicht immer nur geradlinig und „normal“ in der Welt stehen müssen. Manchmal darf man sich auch gerne mit seinem kopfstehenden Double auf verkehrte und gedehnte Weise treffen – jedenfalls im Rahmen der optischen Gesetze.

Erinnerung an den Apfelbaum

Dass ich beim Anblick dieses Ahornblatts an einen Apfelbaum erinnert werde, kann ich nur dadurch erklären, dass ich kurz vorher die vorletzten Äpfel von unserem sehr ertragreich Baum gepflückt habe.

Früher und heute

Dieser Anblick erinnerte mich an ein Event aus der Kindheit. Ich hatte auf dem Sandweg eine vermeintliche Fußspur entdeckt, die so groß war, dass ich glaubte, sie einem Riesen zuordnen zu müssen. Meine Mutter war jedoch keineswegs beängstigt, als ich davon berichtete. Ich fand das damals sehr leichtsinnig. In vorliegenden Fall ist der Fußabdruck noch realistischer als der damalige. Dennoch hält sich meine Beunruhigung in Grenzen. In der Zwischenzeit muss sich also in meiner Realitätswahrnehmungsstruktur etwas verändert haben.

Mimikry auf dem Wochenmarkt

Auf diese Typen wurde ich aufmerksam, als ein Kind kurz aufschrie (kry = Schrei) und von der Mutter mit den Worten belehrt wurde: „Die tun nichts“. Trotzdem machte das vielleicht dreijährige Kind einen größeren Bogen um die hier angebotenen Kürbisse. So ganz harmlos sehen sie wirklich nicht aus: Der mit mehrfach gespaltener Zunge züngelnde Typ blickt trotz seiner präkären Lage mit gesundem Selbstbewusstsein in die Welt.

Rauchzeichen

Wenn man nicht genau hinschaut, wundert man sich vielleicht, warum die Abgasfahne dieses Heizwerks sich zweiteilt. Auf den zweiten Blick erkennt man dann vielleicht, dass die Abgase aus zwei verschiedenen Öffnungen herausströmen. Aber dann kann man sich erneut wundern und zwar darüber, dass sich die Abgase nicht zu einem Strom vermischen. Die Ströme scheinen sich ja zunächst zu vereinigen, dann aber wieder deutlich auseinanderzuströmen, so als hätten sie sich an ihre unterschiedlichen Ursprünge erinnert, die es unbedingt aufrechtzuerhalten gilt.
Schaut man sich die Abgasströme beim Austritt aus den Öffnungen genauer an, so sieht man zunächst überhaupt kein Gas. Das lässt darauf schließen, dass es sich vorwiegend um Dampf handelt, der ja völlig unsichtbar ist. Erst in der kühleren Umgebung der Atmosphäre kondensiert er zu einzelnen Tröpfchen und wird dann als Nebel sichtbar.
Die unter Druck ausgestoßenen Gase strömen bei Verlassen der Rohre nicht nur nach oben, sondern dehnen sich auch zu den Seiten hin aus, was auch an der V-Form der Gase gut zu erkennen ist. An den Seiten, an denen die Ströme benachbart sind, prallen sie aufeinander und lenken sich in die jeweils entgegengesetzte Richtung ab, sodass in einiger Höhe dazwischen der gasverdünnte und daher nicht sichtbarer Bereich entsteht.
Betrachtet man das Phänomen von der Seite, sodass man die beiden Röhren hintereinander aufgereiht wahrnimmt, sieht man von der Aufspaltung der Abgasfahne natürlich nichts.
Bliebe noch zu klären, warum die Abgase, so dunkel erscheinen. Wenn es sich vorwiegend um Nebel handelt, müsste es doch weiß oder zumindest hellgrau aussehen. Nun haben wir es aber optisch mit der besonderen Situation zu tun, dass das spärliche Licht der untergehenden Sonne vor allem die von uns aus gesehene Rückseite der Gase beleuchtet. Da von den übrigen Seiten kaum noch Licht kommt, sieht alles so düster aus. Am hellen Tage war die Abgasfahne tatsächlich eher weiß.

Begegnung in den Wolken

Nach einer längeren Radtour ruhte ich mich am Rand dieses abgeernteten Feldes in der Krummhörn aus und wäre beinahe eingeschlafen, wenn ich nicht mit eigenen Augen miterlebt hätte, wie zwei Wolkenungetüme mit ihren riesigen Nasen zusammenstießen. Vielleicht war es in dem einen Fall eher eine Art Schnabel als eine Nase. Aber wer weiß das schon bei diesen luftigen Wesen, die sich trotz ihrer Behäbigkeit und Größe oft als äußerst wandlungsfähig erweisen.

Bäume, die sich gegenseitig stützen

Schön mehrmals habe ich Bäume im Wald entdeckt, die auf die eine oder andere Weise zusammengewachsen sind (siehe Foto, sowie: hier und hier und hier und hier und hier). Daraus schließe ich, dass dieses Phänomen nicht allzu selten ist. Auf einer Ausstellung entdeckte ich eine Darstellung des Phänomens in Form eines Querschnitts durch die Verwachsungsstelle (Foto rechts).
Dort erkennt man, dass durch die Verbindung zweier Bäume (Baumfachwerk) eine Festigkeit mit kleinstem Materialaufwand erreicht wird, so dass der Stammdurchmesser des Baumes erst nach dem Verbund größer wird. Das ist auch an dem dünneren rechten Baum im linken Foto zu erkennen.

Priorität eines Baumes

Meistens müssen Bäume weichen, wenn der Mensch Platz braucht. Dabei muss ich nicht einmal an die Abholzung im Amazonasgebiet erinnern. Jeder kennt den Verlust an Waldflächen und Bäumen aus seiner eigenen Erfahrung. Im vorliegenden Fall habe ich offenbar ein seltenes und seltsames Gegenbeispiel gefunden (Foto). Eine Palme breitet sich gegen die eiserne Umzäunung aus und beginnt diese niederzudrücken. Als ich den Beginn dieser Entwicklung sah, hätte ich darauf schwören wollen, dass beim nächsten Besuch zwei Jahre später der Baum verschwunden sein würde. Er war es nicht. Im Gegenteil, ihm wurde großzügig Platz eingeräumt, indem man das stählerne Gitter eigens für die freie Entfaltung entfernte und billigend in Kauf nahm, dass Fußgänger (und vielleicht in einigen Jahren auch ein hier parkendes Auto) gewisse Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.
Nun haben „Gegenbeispiele“ anders als in der Mathematik nicht die Bedeutung, eine Aussage absolut zu widerlegen. Ich würde realistischerweise daher eher von einer seltenen Ausnahme sprechen – leider.

Solare Inszenierung

Ein Bild in einem Gebäude, das ich seit Jahren immer mal wieder betrete und dabei an dem Bild vorbeigehe. Es war mir bislang kaum aufgefallen. Diesmal stach es mir regelrecht ins Auge, weil die Sonne es mit der stummen Aufforderung illuminierte nun doch endlich mal stehenzubleiben und das Bild eines Blickes zu würdigen. Die Inszenierung war der Sonne gelungen. Ich blieb stehen und bewunderte die solare Ergänzung an dem Kunstwerk.
Die Sonne schien durch ein Fenster, das mit einer Gardine versehen war und das Licht in einer Weise modifizierte, dass das auf dem Bild dargestellte Gebäude teilweise wie durch Christo und Jeanne-Claude verhüllt erschien. Eine tolle Kooperation von Kunst und Natur.

Dreifacher Pferdegruß

Auf meinem frühmorgendlichen Spaziergang an einem Pferdehof vorbei, werde ich nicht selten von diesen drei Pferden begrüßt. Ich grüße – wie sich das gehört – jedes Mal zurück.

Wanderweg mit Vollbad

Auf meiner letzten Wanderungen hätte ich mir schon eine Erfrischung gewünscht. Als mir aber dieser Wunsch direkt am Rand des Weges in Form einer veritablen Badewanne angeboten wurde, habe ich dann doch gekniffen. Mir fehlte der Teppich vor der Wanne.

Fundstück 15 – Neuzeitliche Versteinerungen am Strand

Früher habe ich gerne an steinigen Stränden besonders gestaltete Steine gesucht und mich darüber gewundert, welche schönen Muster durch die Abschleifungsvorgänge des anstürmenden und wieder ablaufenden Wassers dadurch geschaffen wurden. Dabei ist mir ein „Stein“ aufgefallen, der im Laufe der Zeit eher Materie dazugewonnen als verloren hat. Außerdem sah er in seiner Rundheit auffällig neuzeitlich aus (Fotos).
Bei genauer Betrachtung stellte ich fest, dass sich hier die Natur eines Relikts unserer Zeit angenommen und ohne zu zögern einer natürlichen Wandlung unterzogen hatte. Denn der Ursprung ließ sich ziemlich eindeutig einem Kronkorken zuordnen, den jemand vor Jahren im Sand liegen ließ und den natürlichen Prozessen (Sonne, Salzwasser, Gezeiten etc.) auslieferte. Diese machten daraus – ganz vorurteilslos gegenüber technischen Hervorbringungen – etwas Naturschönes, einen Sandsteinkronkorken. Ich denke, das ist ein Unikat.

Ein Gesicht aus der Luft gegriffen

Ich war ein wenig eingedöst an diesem lauen Abend im Garten. Als ich dann die Augen öffnete und zum Himmel blickte, glaubte ich ein Gesicht zu sehen, verwarf diesen Gedanken aber sofort wieder, weil ich ihn noch der Sphäre des Dösens zuschrieb. Als der Eindruck jedoch nicht weichen wollte, holte ich die Kamera. Und siehe da, so ganz aus der Luft gegriffen war das Gesicht dann doch nicht. Natürlich nicht, denn Wolken bestehen nicht aus Luft, sondern aus Wassertröpfchen.

Ein iteriertes Osterei zur Feier des Tages

Beim „Aufräumen“ alter Dateien aus den 80er und 90er Jahren, als ich mich intensiv mit nichtlinearer Physik (Chaosphysik) befasste, fand ich das Bild eines Ostereis, das durch die folgende Vorschrift hervorgebracht wurde (Re = 2(a-cosx coshy) – px, Im =2(sinx sinhy) – py mit den Werten px = 1; py = 3.) Die Programme dazu sind längst verschwunden und der Chaoshype ist längst verklungen, aber als Darstellung eines ganz besonderen Ostereis mag das Bild hier noch einmal als Symbol für die wunderbaren biologischen Prozesse stehen, die zum Ei und damit einmal mehr zur Frage führen, ob das Ei oder die Henne zuerst da waren.
In diesem Sinne wünsche ich euch ein schönes Osterfest mit vielen realen Eiern.

Trinität der Osterglocke

Das in den Fotos aus zwei Perspektiven gezeigte Exemplar einer Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus) treibt gleich drei Blüten aufeinmal aus einem einzigen Stängel. Da ich ein solches Phänomen vorher noch nicht gesehen habe, könnte es sein, dass dieses Phänomen nicht alltäglich ist.
Auch wenn die Narzissen die meiste Zeit des Jahres nicht zu sehen sind, tauchen sie um die Osterzeit für einige Wochen wieder in voller Pracht auf, in der Regel sogar vermehrt. Denn neben der sexuellen Vermehrung bilden sich unteririsch Tochterzwiebeln, die dann zu einer größeren Zahl von Blüten in unmittelbarer Nachbarschaft führen. Im vorliegenden Fall hat die Osterglocke – aus welchen Gründen auch immer – einen weiteren Weg der „Vermehrung“ eingeschlagen, indem sie drei Blüten aus einen einzigen Stängel sprießen lässt.
Narzissen stehen im Christentum sinnbildlich für die Auferstehung. Vielleicht symbolisiert dieses Exemplar auch noch die Dreifaltigkeit.
Sehen sie nicht hübsch aus, diese Narzissendrillinge?

Hier mal etwas Spannendes…

Es geht um Spannung im mehrfachen Sinn. Die elektrischen Leitungen übertragen Energie mit Hilfe von elektrischem, unter Spannung stehendem Strom. Diese ist eine Voraussetzung für Fernsehprogramme u. Ä., die hoffentlich für spannende Unterhaltung sorgen.
Damit das alles funktioniert und insbesondere Vorspann(ung) und Abspann(ung) nichts an Spannung verlieren, mussten sowohl die stromführenden Leitungen als auch die Drähte, die die hölzernen Masten fixieren unter mechanische Spannung gesetzt werden. Spannend.

Kleinsche Flasche

Diese Flasche ist weder eine Flasche noch ist sie klein. Sie hat es in sich. Eigentlich ist sie eine Visualisierung von etwas sehr Abstraktem, nämlich einer nicht orientierbaren Fläche. Das heißt einer Fläche, bei der innen und außen nicht unterschieden werden können. Sie besitzt also nur eine Seite, die zugleich innen und außen ist. Bewegt man sich auf ihr fort, so kann man nicht unterscheiden, ob man sich innen oder außen befindet. Man erreicht jeden Punkt, ohne je die Seite gewechselt zu haben. Zum Glück sind solche Möglichkeiten im realen Leben ausgeschlossen. Dort geht es nicht ohne Orientierung.
Diese Beschreibung erinnert an das schön öfter erwähnte Möbiusband. Auch dort befindet man sich stets auf einer und nur einer Seite. Aber im Unterschied zu diesem Band hat die Fläche der Kleinschen Flasche nicht einmal einen Rand.

Und hier noch ein schöner Limerick, der sich den Geist in der Kleinschen Flasche anzunähern versucht.

Three jolly sailors from Blaydon-on-Tyme
They went to sea in a bottle by Klein.
Since the sea was entirely inside the hull
The scenery seen was exceedingly dull.

Frederick Winsor, The Space Child’s Mother Goose

Ohne Netz mit doppeltem Boden

Ich finde es in zunehmendem Maße anstrengend, das zu glauben, was ich sehe, und gelegentlich habe ich Angst, manche Dinge anzusehen – für den Fall, daß ich sie glauben müßte.*
Anhand der Personen im Hintergrund kann man sich Stück für Stück klarmachen, wo sich der Fußboden dieser Flughafenhalle befinden müsste. Ich musste relativ lange warten, um eine menschenfreie Fläche vor mir zu haben und hatte dabei die Abflugzeit lauernd im Nacken. Mir ging es in diesem Fall ähnlich wie Flann O’Brien.

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* Flann O’Brien. Der dritte Polizist. Frankfurt am Main, 1991; S. 107

Ein anhängliches Herbstblatt im Regen

Ein heftiger Wind mit Regen vermischt treibt die lockeren Herbstblätter nur so vor sich her. Einem der Blätter ist dieses nervige Hin und Her zu viel und als es auch noch an ein Fenster geklatscht wird, ist es ihm endgültig zu viel. Da das Blatt inzwischen völlig durchnässt und damit – wider Willen – Wasser liebend (hydrophil) geworden ist, macht es sich blitzschnell klar, dass auch das völlig benetzte Fenster hydrophil ist. Daraus folgert es nach einem der Euklidischen Axiome: „Wenn ich Wasser liebe und auch Glas Wasser liebt, dann liebe auch ich Glas“. Und – bleibt an der Scheibe kleben, die sich zufällig vor meinem Schreibtischfenster befindet. Nun blickt es mich an oder ich es, aber auch das läuft fast aufs Gleiche hinaus.   

Schildbürgerstreiche

Dieses etwa 5 m hohe Schild soll ein Verbotsschild sein. Es verbietet in diesem Bergwald das Downhillfahren. Das wurde zunächst durch Schilder in normaler Höhe verkündet. Als die dann immer wieder wie von Zauberhand verschwanden, wuchsen sie in der Folgezeit wie die Köpfe der Hydra nicht nur nach, sondern auch noch in die Höhe (siehe Foto).
Doch auch diese Schilder waren irgendwann nicht mehr da. Den Sport schränkte es indes in keiner Weise ein. Die Rohre standen noch eine zeitlang wie verunglückte Ausrufezeichen in der natürlichen Landschaft. Jetzt sind auch sie verschwunden und mit ihnen aus für mich unerklärlichen Gründen auch die Aktivisten selbst. Die Pfade werden von der Natur wieder eingeholt und werden ebenfalls bald nicht mehr zu sehen sein.
Was ist passiert? Ich vermute, dass der einige Jahre währende Hype seinen Höhepunkt überschritten hat und im Abklingen begriffen ist.

Fliege mit kugelförmigem Tropfen

Von Zeit zu Zeit setzen sich Insekten von außen auf die Fensterscheibe vor meinem Schreibtisch. Sie zeigen sich dann zwangsläufig von der Unterseite. In diesem Fall ist der Anblick auch deshalb interessant, weil die Fliege an ihrem rechten Fuß eine transparente Kugel (aus Wasser?) kleben hat.

Ausschnittsvergrößerung

Was es damit auf sich hat, ist mir jedoch nicht klar. Ich weiß zwar dass Wasserkugeln vor dem Maul eines Insekts der Kühlung dienen, aber eine solche am Fuß? Vielleicht kennt sich ja jemand damit aus.

Mich faszinierte an dem Anblick auch das Optische. In dieser Kugel erkennt man wie bei einer Glaskugel die Welt auf dem Kopf stehend abgebildet. Allein ihre Transparenz und Form machen sie zur Sammellinse, auch wenn sie für praktische Zwecke wohl kaum zu gebrauchen ist. Vielleicht sieht die Fliege das völlig anders. 😉

Genähte Tomate

Die hier abgebildete Tomate ist ein Kuriosum, sie verfügt über eine Naht, die sie sich ohne Nadel und Faden selber zugefügt hat. Den Grund konnte ich nicht herausfinden. Vielleicht wollte sie auch nur als Kunstwerk in diesem Blog erscheinen.

Kiefern auf Stelzen

Auf einer Wanderung im Barneführer-Holz (in der Nähe von Oldenburg) stießen wir auch auf diese Kiefern, die sich mit einem merkwürdigen Gestrüpp aus Luftwurzeln umgeben haben, die in einigen Fällen wie Kunstwerke oder Installationen der Natur wirkten. Das Wurzelgebilde auf dem rechten Foto erinnert mich ein wenig an eine Riesenkrabbe, die bedrohlich auf den Betrachter zuzulaufen scheint.
Da diese Kiefern auf Sandhügeln hocken, vermuten wir, dass die ursprünglichen Wurzeln vom Wind freigelegt wurden, indem dieser den Sand wegblies. Mit der Absicht, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und damit der Zufuhr von Wasser etc. verlustig zu gehen, mussten sie umschwenken und auf kürzestem Wege, also steil nach unten, in den Boden zurückgewachsen.
Falls jemand eine plausiblere Erklärung hat oder vielleicht sogar auf ein bekanntes Phänomen verweisen kann, bitte ich um eine entsprechende Information.

Ein sich selbst knüpfender Knoten

Hier ist eine Gurkenranke wohl außer Kontrolle geraten. Denn das Ziel, sich an einer festen Stütze zu verankern und der aufstrebenden Pflanze Halt zu geben wurde hier offenbar weit verfehlt. Im Gegenteil: Die Ranke umschlingt ein pflanzeneigenes Blatt, schnürt es zusammen und verknotet es auf eine Weise, dass eine spätere Auflösung wohl kaum mehr möglich erscheint, es sei denn nach Art der Lösung des Gordischen Knotens.
Es ist müßig über das Motiv der Gurke zu spekulieren, warum es zu einem solchen – man könnte meinen – autoaggressiven Akt kommt. Oder ist es im Gegenteil eine vegetabile Form der Selbstliebe. Ich weiß es nicht. Jedenfalls fühlte ich mich bemüßigt, das an seiner Energiegewinnung behinderte Blatt zu retten, indem ich wie Alexander der Große den Knoten durchschlug. Nicht mit einem Schwert, sondern einem Messer.

Ein Tisch als Insektenhotel

Als ich vor ein paar Tagen unser „Glashaus“ für die warme Jahreszeit einrichtete und die Schondecke vom Tisch entfernte, staunte ich nicht schlecht, darunter an vielen Stellen neues Leben zu entdecken. Einige Insekten hatten die so abgedeckte Tischplatte zum Hotel umfunktioniert. Wo immer es ihnen möglich erschien, hatten sie Brutzellen aus lehmiger Erde gemauert (auf dem Foto grau), diese mit Pollen (gelb) gefüllt und jeweils ein Ei hineingelegt. Wie man sehen kann, ist daraus bereits Nachwuchs in Form von Larven geschlüpft, die sich daranmachen, die leckeren Vorräte zu verspeisen. Ich hoffe, dass ich das Szenario einigermaßen korrekt gedeutet habe.
Am nächsten Tag flogen einige Mauerbienen um den Tisch herum. Vielleicht um weitere Zellen zu bauen oder den von mir angerichteten Schaden wieder gut zu machen.    

Der Artist unter den Schneemännern

Jeder der sich mit dem Bau eines Schneemanns auskennt weiß, dass man einen solchen in bedrohlicher Schräglage befindlichen Sonnyboy kaum zustandebringt. Denn offenbar liegt hier der Schwerpunkt bei weitem nicht mehr über der Unterstützungsfläche. Eine solche artistische Performance ist nicht ohne die Unterstützung weiterer physikalischer Vorgänge möglich.
Ich gehe davon aus, dass der Schneemann zunächst aufrecht stand. Eine gewisse kaum merkliche Anfangsschräge hat dann dazu geführt, dass an einer Seite ein höherer Druck auf die Schneekristalle ausgeübt wurde. Durch diesen Druck wurde die Verschmelzung von Schneekristallen (Sintern) an dieser Seite verstärkt. Die Tendenz zum Sintern kommt dadurch zustande, dass die Grenzfläche zwischen den Schneekristallen und damit die Grenzflächenenergie verkleinert wird. Denn die Natur ist bestrebt unter den gegebenen Bedingungen soviel Energie wie möglich – in diesem Fall Grenzflächenenergie- an die Umgebung abzugeben. Durch die Neigung und die damit verbundene Verlagerung der Schneelast auf dieser Seite werden die Sinterungsprozesse weiter begünstigt, wodurch die Neigung weiter zunimmt. Dass der Schneemann trotz der Schlagseite nicht kippt, liegt daran, dass die Schneekristalle nach wie vor fest miteinander verbunden sind und die durch die Neigung provozierten Zugkräfte ein Kippen unterbinden. Es ist fast so als würde der Schnee wie eine sehr zähe Flüssigkeit fließen.
Ähnliches beobachtet man in freier Natur, wenn der auf fast waagerechten Ästen von Bäumen lagernde Schnee schließlich wie ein Seil vom Ast herunterhängt.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von Dieter Plieninger zur Verfügung gestellt. Seine Erläuterung dazu: Kindergartenkinder „haben den Schneemann am Morgen errichtet und eine Kindergärtnerin hat das Foto nach dem Mittagessen gemacht“.

Auch Insekten können pingelig sein

Als ich gestern einen streifenden Blick über die Blätter der Stechpalme warf, war mir als würde irgendetwas nicht stimmen. Bei genauerem Hinsehen entdeckte ich, dass einige der tiefer liegenden Blätter durch die höher gelegenen hindurchschimmerten. Betrachtet man das untere Blatt links der Mitte, so sieht man in der Tat den schemenhaften Umriss des dahinter liegenden etwas verschwommenen Blattes. Ihr werdet es inzwischen erkannt haben: Das vermeintlich durchsichtige Blatt besteht nur noch aus seinem Rand. Der Rest wurde offenbar von einem hungrigen Tierchen sorgfältig herausgebissen bzw. gefressen. Zu einer anderen Jahreszeit hätte ich auf eine Schnecke getippt. Dies sieht mir aber eher als Werk von Insekten aus. Bei einigen anderen Blättern der Stechpalme sieht man bereits den Beginn eines ähnlichen Kahlfraßes. Wenn man dem Tierchen keine Pingeligkeit oder ästhetische Ambitionen unterstellen will, bleibt nur der Schluss, dass ihm der Blattrand zu hart ist. Wer sich an dieser Stechpalme einmal geratscht hat, wird dafür Verständnis aufbringen.

Buntspecht statt Meise

Seit ein paar Tagen habe ich turnusgemäß damit begonnen, Meisenknödel auszuhängen. Ich habe die Plätze so gewählt, dass möglichst nur die kleinen Vögel herankommen. Die größeren werden an anderer Stelle versorgt. Nur einer der größeren Vögel scheut keine akrobatischen Verrenkungen, um an die Knödel heranzukommen – der Buntspecht. Er hackt wie schon in den Vorjahren munter drauf los und die kleinen Vögel picken die „Späne“ darunter auf, die dabei unweigerlich fallen.
Da es seit einigen Jahren derselbe Buntspecht ist, betrachte ich seine Aktion mit Wohlwollen. Wir haben uns an uns gewöhnt. Er ist stets als erster zur Stellen, wenn ein neuer Knödel aufgehängt wird.

Ein verholztes Reh

Abgestorbene Organismen, die unter die Erde geraten haben vielleicht das Glück zu versteinern. Hier hat ein Reh, das nicht unter die Erde geraten ist das Glück zu verholzen. Tot ist es jedenfalls nicht ganz, denn die mit Moos und Flechten bewachsenen Körperpartien zeugten von echtem Leben.

Der helle Schein um den Schattenkopf

Heute startete ich meinen Spaziergang noch vor Sonnenaufgang. Als die Sonne mich dann von hinten erfasste und auf einen unmenschlich langen Schatten reduzierte als etwas, was ich ungern als Abbild meiner Selbst akzeptieren wollte, ging ich gerade – welch ein Zufall – eine passend orientierte schnurgerade Betonpiste entlang. Aufmerksam auf dieses sowohl dimensional wie farblich eingeschränkte Abbild wurde ich indessen durch einen Lichtschein, der mir im Bereich meines Kopfschattens (oder soll sagen: Schattenkopfes?) und etwas darunter vorauseilte.
Diese auffällige Ausstrahlung befand sich also gerade in der richtigen Position, obwohl ich sie leider nicht für mich selbst reklamieren konnte. Denn zum einen war ich soweit von meinem Kopfschatten entfernt, dass eine normale wie auch immer geartete Verbindung ausgeschlossen werden musste und zum anderen handelte es sich lediglich um ein physikalisches Phänomen, den sogenannten Oppositionseffekt.
Der kommt dadurch zustande, dass im Antisolarpunkt (dem Gegenpunkt der Sonne) kein Schatten die Intensität des von der frontal beleuchteten Straße reflektierten Lichts vermindern konnte. Erst wenn man den Blick von diesem Punkt aus zu den Seiten hin wendet, sieht man Bereiche, in die sich immer mehr der von den Rauigkeiten der Straße und der Pflanzen geworfenen Schatten einmischen und zu einer schrittweisen Verdunklung führen. Denn diese Rauigkeiten sieht man jetzt nicht mehr frontal, sondern immer mehr von den im Schatten liegenden Seiten her.
Allerdings kann man die hellste Stelle nicht sehen, weil der eigene Kopf im wahrsten Sinne des Wortes im Wege ist und den Antisolarpunkt verdeckt. Das Hellste, das man zu Gesicht bekommt, sind die unmittelbar angrenzenden Bereiche, die allerdings immer noch lichtstark genug sind, um zu diesem auffälligen Phänomen zu führen.
Daraus kann man wie so oft die Lehre ziehen, dass das Ideale allenfalls nur als Grenzgestalt zu erfahren ist.

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