Heute beginnt nun auch offiziell der Frühling. Tag und Nacht sind gleich lang und die Tage werden von nun an auf Kosten der Nächte immer länger bis zum Höhepunkt am 21. Juni, dem Sommeranfang. Der Frühlingsanfang ist ein wichtiger astronomischer Moment, da die Sonne direkt über dem Äquator steht. Symbolisch steht er für Neubeginn, Wachstum und Hoffnung n in vielen Kulturen und hat eine lange Tradition: Die Menschen begrüßen den Frühling mit Festen und Ritualen, die den Beginn eines neuen Zyklus markieren.
Zum Beispiel feiern die Römer das Fest der Floralia, das die Göttin Flora ehrt und den Frühling begrüßt. In Deutschland und anderen Teilen Europas sind Frühlingsfeste wie Ostern sehr bedeutend. Ostern ist nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch ein Symbol für neues Leben, Auferstehung und Hoffnung. Die Ostereier, die oft bemalt und versteckt werden, stehen für Fruchtbarkeit und neues Leben.
In einigen asiatischen Kulturen, wie etwa in China, wird das Frühlingsfest (Chinesisches Neujahr) als Beginn des neuen Jahres gefeiert und ist mit zahlreichen Traditionen verbunden, die Glück und Wohlstand bringen sollen.
Der Frühling ist also in vielen Kulturen ein Zeitpunkt, um das Ende des Winters zu feiern und den Beginn einer Zeit des Wachstums, der Erneuerung und des Optimismus zu begrüßen. Es ist eine schöne Erinnerung daran, dass nach dunklen Zeiten immer wieder neues Leben erwacht.
Dieses Foto stammt von einem viel zu früh verstorbenen Freund. Ich weiß nicht, was er damit sagen wollte und ob er das Motiv vielleicht „nur“ schön fand. Mir fiel dazu auf Anhieb der bekannte Ausspruch „Gleich und gleich gesellt sich gern“ ein. Damit war aber bei mir eine Lawine losgetreten, die ich im Folgenden umschreiben möchte.
Der Überschrift nach zu urteilen wird im Foto eine Wesensverwandtschaft suggeriert, die bei genauerer Betrachtung der physi(kali)schen Realität und der Symbolik des Bildes nicht gerecht wird.
Der Reif wirkt wie ein Gleichmacher, weil er sowohl den harten, gefährlichen Stacheldraht als auch den fragilen, organischen Spinnfaden mit der gleichen kristallinen Schicht überzieht. Daher ist das „Gleich“ hier rein oberflächlich, denn der Frost maskiert die Identität der Dinge in der perfiden Weise, dass sie identisch erscheinen, obwohl sie zwei Extreme zusammenführen.
Darin liegt die Ironie des Bildes: Als Symbol für Gewalt, Krieg und menschliche Kälte, das geschaffen wurde um aus-, ein- und abzugrenzen und zu verletzen, steht im krassen Widerspruch zu den weichen Reifstacheln, die schon beim leichtesten Hauch vergehen. Als äußerst verletzliche „Wesen“ wirken sie auf dem zum Verletzen gemachten Stacheldraht wie eine extreme Verharmlosung von Gewalt.
Dieser Gegensatz kommt auch in der Haltbarkeit des Drahts zum Ausdruck, der Jahrzehnte übersteht und nur leicht von der Sonne erwärmt den Reif und damit die vermeintliche Gemeinsamkeit dahinschmelzen lässt. Daher ist die Überschrift auch zynisch, weil eine wahre Verwandtschaft (Gleich und Gleich) auch Beständigkeit beinhaltet. Insofern spielt das Bild auch mit einer Romantisierung des Harten, indem suggeriert wird, die Natur (der Reif) würde die Aggression des Menschen (den Draht) auch noch dekorieren.
Der weiche Reif auf dem harten Draht ist also weit davon entfernt eine Wesensverwandtschaft zu sein, sondern stellt eine perfide visuelle Ironie dar. Das „Gleich und Gleich“ ist also eine rein ästhetische Behauptung, die an der physischen Realität scheitert.
Aber vielleicht kann das Bild uns warnen: Nicht alles, was gleich aussieht (glitzernd, weiß, stachelig), hat auch dieselbe Absicht oder Natur.
Vor einiger Zeit habe ich über eine afrikanische Skulpturengruppe berichtet, die aus drei Figuren besteht, die sich nicht ohne Gewalt voneinander trennen lassen, obwohl sie paarweise unverschlungen sind. Der Verkäufer dieses Kunstobjekts erklärte mir, dass es sich dabei um eine symbolische Darstellung der Einheit in der Verbundenheit handelt. Diese aus einem Holzstamm geschnitzte Figurengruppe würde in einzelne Figuren auseinanderfallen, sobald man auch nur eine Figur entfernen würde.
Darin ist das mathematische Prinzip der borromäischen Ringe verwirklicht, das man schon sehr lange in der Knotentheorie kennt. Vermutlich war dies den afrikanischen Künstlern nicht bewusst. Jedenfalls hat der Verkäufer noch nichts von diesem Zusammenhang mit der mathematischen Knotentheorie gehört, obwohl er ansonsten über diese aus seinem Herkunftsland Ghana stammende Kunst sehr gut bescheid wusste. Beispielsweise erfuhr ich von ihm, dass die Figurengruppe der Nichttrennbarkeit entsprechend aus einem Baumstamm geschnitzt werde, wie man sich leicht veranschaulichen kann, wenn man die im Rahmen ihrer Bewegungsfreiheit beweglichen Figuren aneinander legt, wodurch man den Umriss eines Baumstamms erkennen kann (unteres Foto).
Bei einem neuerlichen Besuch des Geschäfts stellte ich fest, dass neuerdings Figurengruppen angeboten werden, die nicht nur aus drei, sondern aus 4, 5 usw. Figuren bestehen, in denen ein vergleichbares Aufbauprinzip zu erkennen ist. Das obige Foto zeigt eine Realisation mit fünf Elementen.
Ebenso wie die Borromäischen Ringe des Dreiergespanns sind auch diese komplex verschränkten Figuren so beschaffen, dass sie in unverbundene Elemente zerfallen, wenn auch nur eine der (bis auf die Ausstülpungen von Kopf und Beinen) ringförmigen Figuren geöffnet wird.
In aller Allgemeinheit untersucht wurden solche Verkettungen von Herrmann Brunn im Jahr 1892.
Wer Spaß an diesen in gewisser Weise kontraintuitiven Systemen hat, kann sich sowohl die Dreierringe der Borromäischen Ringe als auch die höherzähligen Brunnschen Ringe mit einfachen Mitteln herstellen und versuchen zu verstehen, was passiert wenn man einen Ring öffnet.
Eines ist jedoch klar. Schon die Dreierringe sind nicht mehr durch perfekte Kreise realisierbar. Bei den höherzähligen Ringen wird es noch komplexer und komplizierter. Umso erstaunlicher ist es, dass die Skulpturen sehr harmonisch wirken und die ihnen zugrundeliegende Komplexität erst durch genauere Betrachtung zu entdecken ist.
Was mich an diesen afrikanischen Figuren besonders fasziniert ist die in diesen Figuren geradezu materiell verkörperte Aussage, dass wenn sich nur ein Mitglied aus der Gruppe dieser paarweise unverschlungenen Figuren löste, auch auch alle anderen ihre Verbundenheit verlören.

Diese Szenerie – ein aus Steinen gelegter Kreis, der das Unendlichkeitszeichen umfasst, gefunden am Sandstrand – ist reich an Symbolik und bietet viele Deutungsmöglichkeiten. Sie verbindet Mathematik, Physik, menschliche Kultur und Natur auf eine stille, aber tiefgründige Weise.
Der Kreis ist ein Symbol der Vollständigkeit, der Einheit und oft auch der Begrenzung. Das Unendlichkeitszeichen (∞), das in seinem Inneren liegt, steht dagegen für das Grenzenlose, das Zeitlose, das Ewige. Durch diese Kombination wird angedeutet, dass das Unendliche im Endlichen enthalten ist und der Mensch versucht, das Unendliche durch Symbole, Kunst, Physik etc. zu fassen. Dabei bietet die Natur (Sand, Steine den Rahmen, in dem diese abstrakten Ideen „gelegt“ oder gedacht werden können.
Dass dieses Zeichen aus Steinen gelegt wurde, die gemessen am menschlichen Dasein erdgeschichtlich gesehen selbst eine unvorstellbar lange Entstehungszeit hinter sich haben, deutet auf einen bewussten menschlichen Akt hin – eine stille Geste, ein Ritual, ein Ausdruck. Am Strand, einem Ort, der sich im Laufe der Zeit ständig verändert durch Sonne, Wind, Wasser, und Gezeiten, ist das ein vergängliches Kunstwerk, durch das der Mensch Kultur in die Natur bringt, auch wenn diese Kultur vergänglich ist. Aber durch die Mathematik als universelle Sprache kann sie selbst am einsamsten Ort durch einfache Mittel wie Steine sichtbar gemacht werden. Indem der Mensch Zeichen in den Sand schreibt, versucht er der Vergänglichkeit etwas entgegenzusetzen.
So wird der einsame Strand zum Ort der Begegnung, von Natur (Sand, Steine, Vergänglichkeit), Kultur (Symbole, Bedeutung, Gestaltung) und Mathematik (Kreis, Unendlichkeit, Struktur).
Diese Nachttischleuchte erlebte ich in einem Hotel in Delhi (Indien). Ich versuchte, das beste daraus zu machen und schaute mir die Kegelschnitte an, die durch die mehrere Lampen in der Leuchte auf die rückwärtige Wand projiziert wurden und zwar sowohl oberhalb wie auch untenhalb der Lampen.
Immerhin war die Symmetrie der Bögen nicht vollständig, sondern stark gestört. Das machte den Anblick einigermaßen erträgtlich. Jedenfalls konnte ich gut schlafen, was entweder der Tatsache geschuldet war, dass die Leuchte nachts nicht leuchtete oder das Programm am Tage so überladen war, dass die Müdigkeit obsiegte.

Als ich mich in den 70er und 80er Jahren öfter auf der Baleareninsel Formentera aufhielt, gehörte zu meinen Lieblingsorten der Schatten unter den Feigenbäumen, die zu fast jeder kleinen Finca dazugehörten. Sie waren nicht nur für die Feigen zuständig, sondern auch als Schattenspender für die Tiere (Schafe und Ziegen). Sogar landwirtschaftliches Gerät wurde unter den weit ausgreifenden, durch Holzpfähle gestützten Zweigen wie in einem Schuppen gelagert. Ganz zu schweigen von der Schönheit, die diese Bäume über das Jahr hinweg in der kargen Landschaft der Insel darboten. Dieses alte Foto fiel mir kürzlich in die Hände und erinnerte mich an diese schönen Zeiten.
Sonnentaler tauchen in diesem Blog immer wieder auf. Das lässt entweder auf die Bedeutung des Phänomens selbst oder meine naturphänomenologischen Vorlieben schließen. Eine Frage, die ich bislang noch nicht befriedigend lösen konnte ist die nach dem Ursprung des Namens, bzw. genauer der Verknüpfung des Phänomens der Lochkameraabbildungen der Sonne mit diesem doch eher poetischen Begriff.
Ich hatte früher schon einmal gemutmaßt, dass der Physikpädagoge Martin Wagenschein (1896 – 1988), bei dem ich diesen Begriff in dieser Bedeutung zum ersten Mal las, auf die Romanreihe von François Rabelais (1494, vielleicht 1483 – 1553) zurückgegriffen haben könnte. Jedenfalls haben die beiden Hauptfiguren dieser Reihe Gargantua und Pantagruel eine witzige und literarische Verbindung zu Sonnentalern. In einem der fünf Bände der Serie erzählt Rabelais von einer Szene, in der Pantagruel und seine Gefährten auf die „Papimanes“ stoßen, eine fiktive Sekte. Diese Sekte glaubt an die Verehrung von Sonnentalern.
In diesem Zusammenhang spielen die Sonnentaler eine metaphorische Rolle und stehen für leere, oberflächliche Glaubenssysteme. Rabelais verwendet die Idee der Sonnentaler, um die törichte Anbetung von Dingen, die eigentlich keine wirkliche Substanz haben, zu kritisieren. Die Sonnentaler erscheinen als wertvolle Objekte, aber in Wirklichkeit sind sie nichts weiter als flüchtige Lichtspiele – also etwas, das schön aussieht, aber keinen echten Wert besitzt.
Ich frage mich jedoch ob nicht vielleicht der Wert der Sonnentaler gerade in dieser Flüchtigkeit und der gleichzeitigen unmittelbaren Verbindung mit der Sonne, die sie hervorbringt, besteht.
Offenbar war es schon in früheren Zeiten so, dass das Lesen etwas Außergewöhnliches ist. Denn oft sind Denkmäler mit lesenden Frauen versehen.
Tiefgründig an diesem Anblick ist nicht nur die Tatsache, dass die gespiegelte Telegrafenleitung optisch genauso weit unter der Wasseroberfläche liegt wie die reale Leitung darüber. Die Virtualität des Anblicks ist mehr als deutlich und verweist zumindest symbolisch darauf, dass die durch die Leitungen fließende Energie und Information eine extreme Reduktion dessen darstellt, was in der entsprechenden realen Kommunikationssituation beabsichtigt und gemeint war.
Die Vergänglichkeit solcher Informationsströme liegt nicht nur in der Verfasstheit des Strömenden begründet, sie erfährt hier durch die Spiegelung in der Pfütze eine materielle Verstärkung dadurch, dass das Medium der Spiegelung der Verdunstung oder Versickerung ausgeliefert ist.
Andererseits zeigt die hier wie selbstverständlich auftretende Verbindung von Natur und Technik, dass der darin anklingende Gegensatz keine einfache Beziehung ist, weder von den Naturgesetzen her noch vom ästhetischen Reiz, die in diesem Anblick zweifellos enthalten ist.
Vielleicht kann eine einfache Szene wie diese ohne Hintergedanken und tiefschürfende Reflexionen auch einfach nur schön sein, sodass die Art und Weise, wie Licht und Wasser hier zusammenwirken eine stille Freude und ein nicht weiter erklärbares Staunen hervorrufen.

Im Laufe der Jahre habe ich Bücher den Zweck erfüllen sehen, einen wackeligen Tisch zu stützen oder, zu einem Turm aufgeschichtet und mit einem Deckchen darüber gebreitet, einen Beistelltisch abzugeben; viele Wörterbücher haben öfter Dinge geglättet und gepresst, denn als Nachschlagewerke gedient; und die Anzahl der heuchlerisch in den Regalen aufgestellten Bücher, die in Wirklichkeit Depots für Briefe, Geld und Geheimnisse sind, ist nicht zu unterschätzen. Die Menschen verändern auch das Schicksal der Bücher.*
Dem muss Einhalt geboten werden. Diese Aussage wird in einem Blog vermutlich ausgesprochen widersprüchlich erscheinen. Aber in der Not darf man auch davor nicht zurückschrecken.
(Das Buch, aus dem das obige Zitat stammt, ist im Übrigen eine hintersinnige Liebeserklärung an das Lesen und die Bücher).
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Carlos Maria Doninguez. Das Papierhaus. Frankfurt: 2004, S. 71
Ein alter Türdrücker – ein kleiner, unscheinbarer Gegenstand, doch in seiner Abnutzung und Patina steckt eine ganze Geschichte. Er ist aus massivem Metall, vielleicht Eisen, doch die Zeit hat ihm eine Oberfläche verliehen, die von vielen Händen gezeichnet wurde. An den Stellen, an denen er am meisten berührt wurde, glänzt das Metall und bringt zum Ausdruck, dass er trotz seines Alters noch in Gebrauch ist.
Die Ecken des Türdrückers sind abgerundet, die ursprünglich Verzierungen sind etwas verwischt durch unzählige Berührungen und den Lauf der Zeit. Die Gebrauchsspuren sind wie Zeichen, die – könnte man sie deuten – eine lange Geschichte erzählen könnten. Vielleicht hat er sogar mehrere Türen geöffnet und geschlossen – Türen, die aus verschiedenen Epochen stammen, aus anderen Jahrhunderten, mit unterschiedlichen Geschichten und Geheimnissen. Der Drücker selbst hat nicht nur die Last der Jahre getragen, sondern auch die Geschichten der Menschen, die ihn benutzten. Ihre Fingerabdrücke sind nicht nur im Material, sondern auch im Gefühl enthalten, dass man beim Anfassen empfindet. Die patinaartige Schicht ist ein sanftes Mosaik aus braunen Tönen, die durch Oxidation entstanden sind.
Der Türdrücker ist nicht nur ein praktisches Teil – er ist ein Zeuge der Zeit. Sicher ist er von Handwerkern gefertigt worden, die lange nicht mehr leben. Er hat wohl viele Male die Geschichte Gebäudes begleitet, und auch wenn er nun von außen unscheinbar wirkt, gibt er in seinem altmodischen, leicht verwitterten Zustand etwas von der Weisheit der Jahre weiter.
Ich sehe in dem Türdrücker vor allem ein Symbol für das, was der Zeit standhalten sollte: Die Fähigkeit, Türen zu öffnen, Menschen einlassen und gegebenenfalls zu beherbergen und all das ohne dabei laut in Erscheinung zu treten und in seiner stillen aber eisernen Präsenz die Garantie dafür zu übernehmen. Ein Objekt, das in seiner Gebrauchsform sowohl die Vergänglichkeit der Dinge verkörpert als auch gleichzeitig für die Beständigkeit der menschlichen Werte steht.

Früher kam die elektrische Energie durch oberirdische Leitungen ins Haus. Die Älteren unter uns erinnern sich gewiss noch an die „Telegrafenleitungen“, die die Energie verteilten und dieses akustisch durch ein Brummen an den Masten kundtaten. Diese Technik ist zumindest in unserem Land weitgehend verschwunden. Nur manchmal gibt es auch heute noch die Gelegenheit, der alten Technik zu begegnen (siehe Foto).
Als ich diesen von einem Baum herabhängenden Ast sah, wurde ich an die Gemälde Lucas Cranachs zum Sündenfall erinnert, bei denen eine Schlange sich vom Baum neigend Adam und Eva vielsagend und zeichenhaft zuwandte. Erstaunlich wie der Bildungshintergrund manchmal die Wahrnehmung von völlig beliebigen Objekte überformt und bedeutungsvoll auflädt.
Dieses „Kunstwerk“ trafen wir auf einer Wanderung an. Es scheint auf eine Variante des Wanderns aufmerksam zu machen – statt horizontale auch mal vertikale Wege zu zu gehen. Da wir oft in den Bergen unterwegs sind, dürfte dies jedoch als Kompromiss gelten.
Vielleicht handelt es sich hier auch nur um ein Kunstwerk, die im Wald immer mal wieder anzutreffen sind. Ich nenne nur einige Beispiele, die wir in den letzten Jahren kennengelernt haben.
Da sind zum Beispiel die eingkleideten Bäume, denen wir später noch einmal begegneten. Da waren sie aber bereits von Wind und Wetter sehr heruntergekommen (teilweise im wörtlichen Sinne). Was mit den farbenfrohen Waldkunstwerken geschehen ist, konnten wir bislang noch nicht überprüfen. Und die vielleicht auch als Kunstwerk gemeinten Barrieren, sind noch fleißig dabei neue Aspekte zu eröffen. Ich werde sicher darauf zurückkommen.
Vor längerer Zeit hatte ich ein ähnliches Klettermännchen an einem Baum entdeckt, das allerdings von Schnecken gemalt worden war. Ob der Urheber dieses Kunstwerks davon inspiriert wurde?

Bei meinen Parisaufenthalten versäume ich es nicht, mich in den kleinen Park des Square Gabriel-Pierné am Anfang der Rue de Seine auf eine der einladenden Bänke in Form von steinernen Büchern zu setzen. Dabei genieße ich jedes Mal für eine gewisse Zeit das ganz im Charakter des hier indirekt angesprochenen Bücherlesens verlangsamte Kommen und Gehen der Menschen und Tauben.
Beim letzten Besuch fand ich die im Foto eingefangene Situation vor. Auf der linken Buchbank saß ein älterer Herr, der gerade von seinem Buch zu einer Dame auf der gegenüberliegenden Bank blickt, die statt des Buches einen Laptop in Betrieb genommen hat.
Ob der Herr wohl gedanklich mit der kulturellen Differenz zwischen Buch und Computer befasst war? Jedenfalls war er in Gedanken, packte nach einer gewissen Zeit sein Buch in die Tasche und verließ den Park. Ich fragte mich, ob sich in der Tasche weitere Bücher befanden. Ganz im Geiste des heutigen Welttages des Buches beantwortete ich für mich die Frage mit einem deutlichen „Ja“.

…jedenfalls wenn man sich klarmacht, dass am heutigen 14.3, englisch geschrieben: 3.14, das Pi (π) gefeiert wird. Man kann das Feiern auch lassen, aber dadurch entzieht man sich der weltumspannenden Bedeutung von Pi nicht. Doch wer kennt schon die Zahl Pi? Okay, die ersten drei Ziffern, mag der eine oder die andere mit unangenehmen Nebengefühlen erinnern. Aber schon wenn man einige Stellen mehr aufschreibt kommt man schnell an seine Grenzen, denn die Zahl der Ziffern ist grenzenlos.
In einer meiner früheren Veranstaltungen – lange ist es her – schrieb ich bei gegebenem Anlass kommentarlos die Zahl:
3,141526835
an die Tafel. Sofort raunte es in der Runde: „Pi“. Nein, das ist nicht Pi, es sind nicht einmal die korrekten ersten zehn Ziffern, die lauten nämlich:
3,141526535.
Wer kennt sich da schon so genau aus? Die Schriftstellerin Ulrike Draesner schreibt in Ihrem Roman: Vorliebe zu Pi:
Da half nur π. Stellen 1 – 752. Den offiziellen π-Weltrekord hielt ein Chinese. Intensives Zahlenverhältnis. Sie würde ins Guinness-Buch der Rekorde lieber eingehen mit einem Rekord beim Essen. Oder Küssen.
Ganz der falsche Gedanke.
Rasch zwang sie sich zu dem Chinesen zurück. 67890 π-Stellen hatte der Mann am 20. November 2005 in einer Zeit von 24 Stunden und 4 Minuten fehlerfrei aufgesagt. Zahlen hatte sie schon immer gemocht, Zahlen waren endlos, egal, ob real oder imaginär, man erfand sie, schon folgte ihnen die Wirklichkeit. Vor allem aber hingen sie immer zusammen, stets war eine Regel denkbar, die Zahl x an Zahl y band.
π. Endlos, musterlos, schlimmer als der Kosmas, perfekt chaotisch, perfekt rund.*
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Ulrike Draesner. Vorliebe. München 2012, S. 49
Was macht die Kunst zur Kunst? Wird die Kunst dadurch entwertet, dass man ein Kunstwerk verändert (siehe Foto), ihm eine andere Perspektive aufprägt? Und wer hätte das zu entscheiden?
Wer es nicht erkannt hat: Die nur teilweise zu erkennende untere Skulptur ist ein Kunstwerk von Fernando Botero (1932 – 2023).

Den hier gezeigten Sonnenuntergang habe ich aus einer ungewöhnlichen Perspektive erlebt, aus einem Flugzeugfenster bei einem Flug über den Wolken. Die Farben wirken besonders intensiv, fast unnatürlich. Das scheint damit zusammenzuhängen, dass es sich nahezu um Komplementärfarben handelt, die additiv gemischt nahezu Weiß ergeben. Die Künstler haben schon sehr lange gewusst, dass sich komplementäre Farben in enger Nachbarschaft gegenseitig in ihrer Wirkung verstärken. Erwähnt sei hier nur der Pointilist Georges Seurat, der bewusst mit der Veränderung des Farbeindrucks durch Ausnutzung der Farbkomplementarität gearbeitet hat. Ähnlich kann man bei Josef Albers in seinen einfarbigen Quadraten die Wirkung der Farben auf die Randbereiche beobachten.
Hier geht es mir aber um weitaus weniger – um ein naturschönes Farbfest oberhalb der Wolken.
Während meines jüngsten Parisaufenthalts schlenderte ich wie früher durch die Rue de Seine, in der die Kunst das Sagen hat. Nicht nur dass dort und in den Nebenstraßen die weltweit größte Dichte an Galerien anzutreffen ist, auch kleinere Geschäfte, die mit Kunstgewerbe und Ähnlichem zu tun haben, finden sich hier zu Hauf. Die letztere Aussage muss ich allerdings relativieren. Seit meinem letzten Besuch dieses Viertels vor einigen Jahren zeigt sich doch eine Entwicklung vom Einfachen zu Edlen. Kleinere Läden wie der des „tailleur d’ivoire“, also eines Elfenbeinschnitzers (siehe Foto), sind offenbar vom Aussterben bedroht. Das obige Foto habe ich dort vor Jahren durch eine Schaufensterscheibe hindurch gemacht (daher die – in diesem Fall – störenden Spiegelungen).
Interessant fand ich an diesem Anblick insbesondere, dass der Künstler eine Schusterkugel benutzte, von der ich glaubte, dass diese Technik längst der Vergangenheit angehörte. Die anachronistische Kombination mit einer modernen Lampe zeigte, dass hier keine Folklore, sondern praktisches Handeln im Vordergrund stand.
Eine Schusterkugel ist eine mit Wasser gefüllte kugelförmige Flasche, die als Sammellinse das Licht in einem Brennpunkt sammelt. In Wirklichkeit ist der Brennpunkt aufgrund der sphärischen Aberration eher ein Brennfleck, was aber nicht stört, weil das Werkstück auch eine gewisse Ausdehnung hat. Der Name rührt daher, dass in früheren Zeiten Schuster und andere ähnlich arbeitende Handwerker auf diese Weise das Licht diffuser Lichtquellen wie das einer Öllampe oder Kerze gezielt auf ein Werkstück richteten, ohne sich die Finger oder das Werkstück zu verbrennen.
Natürlich hätte der Elfenbeinschnitzer auch eine moderne Lampe mit eingebauter Optik benutzen können, die dasselbe vielleicht noch besser leisten würde. Aber warum sollte man ohne Not eine alte in dem Beruf tradierte Beleuchtungstechnik aufgeben? Nun, inzwischen scheint auch die Zeit darüber hinweggegangen zu sein.
Doch eine physikalische Frage hätte ich hier noch: Es fällt auf, dass das Wasser in der Kugel blau gefärbt ist. Welchen Vorteil mag das haben?

Tauben lesen auf diesem mit ihrem Sitzbüchern zum Lesen einladenden Park in Paris Essbares auf, das sie zwischen den Sandkörnern finden. Es sind meist Essensreste, die die Menschen beim Picknick hinterlassen haben. Auch wenn die Aufforderung zum Lesen hier in Stein gehauen ist, heißt das noch lange nicht, dass davon im Sinne des Welttags des Buches eine nachhaltige Wirkung ausgeht. Jedenfalls sollte man sich darauf nicht ausruhen und andere Möglichkeiten zum Lesen anzuregen vernachlässigen.


H. Joachim Schlichting. Spektrum der Wissenschaft 4 (2023), S. 64 – 65
Das Feuer stirbt,
wenn es nicht tötet
Friedrich Hebbel
Feuer setzt in kurzer Zeit die Energie frei, die über Monate und Jahre in der verbrennenden Biomasse gespeichert wurde. Bei dem hitzigen Spektakel laufen einige spannende physikalische Prozesse ab.
Flammen züngeln nach oben, das brennende Holz knistert, Funken sprühen in wilden Wirbeln, die Gesichter glühen im warmen Schein. Menschen erleben bei der Betrachtung eines Osterfeuers eine der elementaren Urgewalten.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das Feuer ein Naturphänomen, das eine Vielzahl fundamentaler physikalischer und chemischer Vorgänge verbindet – insbesondere in diesem großen Format. Ein hoher Stapel festen Materials geht in flüchtigen Rauch und Flammen auf und lässt lediglich ein Häufchen staubiger Asche zurück.
Dabei macht das Spektakel rasant die langsamen biologischen Aufbauprozesse von Holz und Laub rückgängig. Deren Biomasse entsteht durch die Photosynthese, bei der sich die anorganischen Bestandteile Kohlenstoffdioxid aus der Luft und Wasser aus dem Boden unter Aufnahme von Energie aus dem Sonnenlicht zu organischen Kohlenhydraten verbinden. Das ist die rein energetische Betrachtung; weitere Stoffe sind ebenfalls am Pflanzenwachstum beteiligt, vor allem Mineralien. Sie finden sich in der deshalb oft silbrig-weiß schimmernden Asche wieder.
Der Prozess des Verbrennens unterhält und verstärkt sich selbst, sobald man das Pflanzenmaterial einmal anzündet. Dann wird in kurzer Zeit die bei dessen Wachstum gebundene Sonnenenergie wieder abgegeben, und zwar in Form von Strahlung, die teils als Flamme sichtbar und teils als Wärme fühlbar ist.
In der Hitze wandeln sich die festen Stoffe hauptsächlich in eindrucksvoll leuchtende Gase um, die in einer Säule über dem Feuer aufsteigen. Dort kühlen sie rasch ab. Dann lassen sich die Strömungen nur noch erahnen oder gelegentlich durch Funken nachverfolgen, die in ihren Wirbeln aufgetrieben werden. Dass wir es mit entzündeten Gasen zu tun haben, kommt auch zum Ausdruck, indem sich manchmal Flammenteile vom Holzstoß abspalten und fernab vom eigentlichen Ort des Geschehens für kurze Zeit eigenständig weiter leuchten. Manchmal geraten sogar bislang noch nicht brennende und daher unsichtbare Dämpfe in sehr heiße Bereiche und werden dadurch entzündet. Ein entsprechender Vorgang lässt sich im Kleinen leicht mit einer Kerze nachstellen. Nach dem Auspusten steigt noch eine Zeit lang Wachsdampf auf. Hält man einige Zentimeter über dem Docht ein brennendes Streichholz in die Gasfahne, entzünden sich die verflüchtigten Kohlenwasserstoffe sofort wieder.
Die großräumig nach oben lodernden Flammen sind der sichtbare Teil eines Konvektionsvorgangs. Hierbei steigen die heißen Gase ihrer geringen Dichte wegen auf und werden unten zwangsläufig durch seitlich zuströmende frische Luft ersetzt. Dieser Teilprozess ist keine bloße Begleiterscheinung, sondern für die Verbrennung gewissermaßen lebenswichtig. Denn die herangeschaffte Luft liefert den Sauerstoff, der für die Umwandlung der kohlenstoffhaltigen Gase in Kohlenstoffdioxid nötig ist.
Darüber hinaus bereitet die freiwerdende Energie im Reaktionsbereich des Feuers den Nachschub an Brennmaterial auf: Es wird getrocknet und bis zur Entzündungstemperatur aufgeheizt. Die großen Moleküle der organischen Verbindungen werden bei Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius ohne zusätzlichen Sauerstoff allein durch die Einwirkung von thermischer Energie in kleinere Bestandteile gespalten und schließlich vergast. Der Prozess nennt sich Pyrolyse. Holz enthält allerdings ebenso wie andere Biobrennstoffe seinerseits bereits Sauerstoffatome. Diese machen immerhin 44 Prozent seiner Masse aus. Deswegen finden bei dem Umwandlungsprozess gleichzeitig zusätzliche Oxidationsreaktionen statt, die den Zersetzungsvorgang unterstützen.
Die kräftigen, zwischen weiß, gelb und rot changierenden Farben der Flamme kommen vor allem durch eine thermische Anregung der Gasbestandteile, Rußteilchen und Aerosole zustande. Anschaulich gesprochen werden Elektronen in den Atomen auf höhere Bahnen angehoben und fallen unmittelbar danach wieder in ihren Grundzustand zurück. Dabei senden sie die Energiedifferenz in Form von sichtbarem Licht aus.
Anhand der Farben kann man sogar die beteiligten Prozesse identifizieren. Glühende Rußteilchen von der Größenordnung einiger zehn Nanometer erzeugen gelbes bis orangefarbenes Licht. Blau kann angeregten CO_2- und CH-Radikalen zugeordnet werden, während Türkis auf zweiatomige Kohlenstoffmoleküle schließen lässt. Die von den Feststoffbestandteilen wie Ruß und Asche ausgehenden Wellenlängen entsprechen dabei weitgehend dem Spektrum eines so genannten schwarzen Körpers. Das ist eine Quelle, deren ausgesandte Strahlung nur von der vorherrschenden Temperatur abhängt.
Ein weiteres optisches Phänomen bemerkt, wer durch die heiße Luft auf weit entfernte Gegenstände blickt. Sie scheinen ihre Festigkeit eingebüßt zu haben – Einzelheiten flirren regellos umher. Der Brechungsindex der Gase zwischen Objekt und Auge hängt von Dichte und Temperatur ab, und die unterscheiden sich bereits auf kleinstem Raum dramatisch. Deshalb wirkt das von einem bestimmten Punkt stammende Licht, als käme es aus sich ständig ändernden Richtungen. Ein vergleichbares Phänomen ist das Funkeln der Sterne. Deren Strahlung begegnet auf dem langen Weg durch die Atmosphäre lokalen Schwankungen des Brechungsindex. Das verursacht nicht nur Ortsunschärfen, sondern außerdem Farbwechsel.
Beim Gesamtgeschehen des Osterfeuers gewinnt man den Eindruck, alle Prozesse seien aufeinander abgestimmt, ohne dass dazu ein äußerer Mechanismus nötig wäre. Sogar die Einhaltung eines Sicherheitsabstands scheint ein Teil dieser Selbstorganisation zu sein. Mit ihrer Hitze halten die Flammen die Menschen auch ohne Verbote und Absperrungen auf Abstand.
Telegraphenleitung
Vielfach Drähte zum Bedarfe
Hoch auf schlanker Stangen Gipfel,
Recht wie eine Äolsharfe
Für der Staatskunst Schnaderhüpfel.*
Als ich diesen von „Telegraphenmasten“** gesäumten Weg entlang ging, fühlte ich mich fast in alte Zeiten zurückversetzt. Doch irgendetwas fehlte – der raunende, irgendwie außerirdisch klingende Gesang der Drähte, der früher bei stärkerem Wind direkt und bei mäßigerem Wind dadurch zu vernehmen war, dass man das Ohr an einen der Masten hielt.
Die Ursache für die feine Melodie lag in den Drähten, die durch den Wind zum Schwingen angeregt wurden und als eine Art Äolsharfe wirkten.
Obwohl es bei der Aufnahme dieses Fotos ordentlich wehte, blieb der Äolsklang aus. Die Ursache für das Schweigen liegt in der Dicke der Drähte. Im Unterschied zu früher sind diese – wenn man sie denn überhaupt noch antrifft – in der heutigen Zeit mit einer dicken Isolierschicht umgeben. Das erkennt man auch daran, dass die glockenartigen Isolatoren an den Masten entbehrlich geworden sind.
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* Dieses Gedicht aus dem Jahre 1856 von Franz Grillparzer (1791 – 1872) zeigt, dass bereits damals der äolische Gesang (hier als eine Art Spottgesang – Schnaderhüpfel (bayr. bezeichnet), der gewissermaßen von Staats wegen mit Leitungen durch die Lande geführt wurde, nicht unbemerkt blieb. Ab den 1950er Jahren ging es dann allerdings abwärts mit dieser Staatskunst. Der Motorenlärm der Autos auf den Straßen übernahm die akustische Führerschaft. Schade eigentlich, denn wie das Foto zeigt, gibt es zuweilen noch fast autofreie Straßen, die von Telegrafenleitungen gesäumt sind.
** In den meisten Fällen handelt(e) es sich gar nicht um Leitungen des Telefonnetzes, sondern um Leitungen, in denen elektrische Energie in die Haushalte geliefert wurde.

Die als Farbfilter wirkenden Elemente von Kirchenfenstern tauchen das Kircheninnere oft in ein stimmungsvolles, von manchen als mystisch empfundenes Licht, das sich zuweilen durch Reflexionen an den Bänken und anderen Gegenständen objektiviert.

Lieber Jan, hast du schon einmal etwas über das chemische Element Zirkonium gehört? Dann solltest du das schnell nachholen, denn es ist das Element mit der Ordnungszahl 40. Und diese Zahl hast du heute in Jahren seit deiner Geburt erreicht. Dazu gratuliere ich dir ganz herzlich. Die Zahl 40 ist nicht nur deshalb eine ganz besondere Zahl, weil sie die 10 gleich 4 mal enthält, und die 10 als Anzahl unserer Finger (wie sonst hätte man das Rechnen erlernen können) unser Dezimalsystem bestimmt. Und auch die 4 ist eine sehr bedeutungsvolle Zahl, weil sie u. A. die erste zusammengesetzte Zahl und die erste Nichtprimzahl nach der 1 darstellt; sie ist zudem gerade und Quadratzahl. Sie gibt die Anzahl der 4 Himmelrichtungen an, die uns zur Orientierung in der Welt dienen, die der Auffassung der alten Griechen entsprechend aus 4 Elementen aufgebaut ist.
Noch wichtiger ist vielleicht, dass du ab heute das Recht hast, Bundespräsident zu werden. Denn laut Grundgesetz attestiert man einem 40 jährigen Menschen die nötige Reife, dieses Amt auszuüben. Da die Wahl gerade gewesen ist, hast du aber noch genügend Zeit, dir das gründlich zu überlegen. 😉
Schließlich ist die 40 eine Zahl von großer Symbolkraft in mehreren Kulturkreisen und Religionen. Ich will nur erwähnen, dass die Sintflut 40 Tage dauerte und Noah noch 40 Tage warten musste, als wieder Land in Sicht kam. Das Volk Israel wanderte 40 Tage durch die Wüste usw. usw.
Falls dir das Alter 40 trotzdem etwas ungeheuer vorkommt, weil du dich damit vielleicht zu alt fühlst, möchte ich folgendes zu bedenken geben: Geht man davon aus dass jedes Alter nach Jahrzehnten bemessen für bestimmte Ziele steht, die man im Leben erreicht habe sollte, so sind wir deswegen oft etwas später dran, weil wir uns für vieles mehr Zeit nehmen. Ich denke da an die Ausbildung, an Reisen und andere angenehme Dinge. Darum kannst du getrost davon ausgehen, dass die 40 die neue 30 ist. Die Rechnung geht insofern auf, als auch die Lebenserwartung in der Zeit, in der du die 40 erarbeitet hast gestiegen ist. Das ist zumindest ein statistischer Trost.
So, nun hast du die Wahl, ob du dich mehr für den Inhalt des alterhwürdigen Schnapsglases oder für die optischen Phänomene interessierst, die der Lichtspalt aus dem Glas herausmodelliert.

Im Anschluss an meine Erinnerung an den „Erfinder“ der Entropie habe ich erstaunlich viele Reaktionen erhalten. In fast allen überwog der Gedanke, dass das Entropieprinzip doch als negativ einzuschätzen sei, weil es letztlich den Wärmetod der Welt bedeute. Ohne noch einmal auf die physikalischen Hintergründe zu sprechen zu kommen (das habe ich in an anderer Stelle getan), möchte ich ganz kurz einige Aspekte des ideengeschichtlichen Kontexts skizzieren, die vor allem zu der Zeit diskutiert wurden, als das Entropieprinzip in der Physik eingeführt wurde.
Wie kaum ein anderes physikalisches Konzept ist die Energie in die Alltagswelt der Menschen abgesunken. In Form von elektrischem Strom, Benzin und anderen Brennstoffen sowie im Zusammenhang mit den zugehörigen energietechnischen Einrichtungen hat die Energie inzwischen alle Lebensbereiche durchdrungen. Die Bedeutung der Energie über die Physik hinaus wurde schon sehr früh erkannt und der Aufbruchstimmung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemäß zuweilen mit schwärmerischen Worten beschrieben. So verehrt beispielsweise der Physiker Felix Auerbach (1856 – 1933) „die Energie als Göttin, als Königin hier gebend und dort nehmend, im ganzen aber weder gebend noch nehmend, (die) sich über allem, was sich im unendlichen Raume, im Strome der dahinfließenden Zeit abspielt thront“. Aber es wird auch nicht übersehen, dass die Energie trotz ihrer Erhaltung von der Entropie bedroht wird. Sie ist für Auerbach „der Schatten, der böse Dämon, der zu beeinträchtigen, wenn nicht gar zu verderben suchen wird, was der strahlende Dämon (also die Energie, H. J. S.) in das Dasein an Großem: Schönem und Gutem hineinzutragen sich bemüht“ *. Schon bald ist vom Wärmetod der Welt die Rede, auf den wegen der Entropieerzeugung alles zustrebe.
Diese Auffassung bestimmt auch heute noch weitgehend die Einstellung zur Entropie. Dabei wird jedoch übersehen, daß nicht die in ihrer Quantität ewig unveränderliche Energie als treibende Kraft allen Geschehens anzusehen ist, sondern gerade der böse Dämon, die Entropie, die alles zugrundezurichten trachtet. Man wird an Goethes Mephisto erinnert, der die Hölle des Wärmetods auf ganz ähnliche Weise herbeizuführen versucht:
Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht, denn alles was entsteht,
Ist wert, das es zugrundegeht. (Faust I)
Dabei wird sein Tun aber auch an anderer Stelle gewürdigt, indem resümiert wird, er sei
…ein Teil von jener Kraft,
Die stets das Böse will
und stets das Gute schafft…(Faust I)
Mit anderen Worten: Aufwertung, Ordnung, Struktur … ist nur durch Entwertung, Dissipation, Zerfall… möglich. Oder wie Goethe es in einem Gedicht Eins und Alles ausdruckstark formuliert hat:
Denn alles muß in Nichts zerfallen,
wenn es im Sein beharren will.
Darin kommt ein wesentlicher Zug unserer Existenz zum Ausdruck, den Voltaire in dem Satz
Tout est dangereux ici bas,
et tout est nécessaire“ (Zadig).
Mit anderen Worten: Das Leben wird aufrechterhalten durch das, was ihm auch tödlich werden kann.
Diese Aussage kann auch physikalisch durchaus wörtlich genommen werden. Dazu muss man sich nur vergegenwärtigen, daß beispielsweise die Atmung, eine der Lebensäußerungen schlechthin, einen Zerfallsprozess darstellt. Die Atmung bedingt, daß die organischen Nahrungsmittel (beispielsweise Glukose) in ihre anorganischen Bestandteile zerfallen und auf diese Weise die Lebensvorgänge des Organismus in Gang halten:
[CH20]6 + 6 02 –> 6 H20 + 6 C02 + Energie.
Das funktioniert natürlich nur so lange, wie dafür gesorgt wird, daß auch dieser Vorgang immer wieder in Form der Fotosynthese zurückgespult wird. Dafür ist grob gesagt der globale irreversible Zerfallsvorgang verantwortlich, aufgrund dessen Sonnenlicht (bei hoher Temperatur) auf die Erde fällt und diese schließlich (bei Umgebungstemperatur) wieder verlässt, eine Tatsache, die bereits Ludwig Boltzmann um die Wende zum 20. Jahrhundert erfasste:
Der allgemeine Daseinskampf der Lebewesen ist nicht ein Kampf um die Grundstoffe…, auch nicht um Energie, welche in Form von Wärme leider unwandelbar in jedem Körper reichlich enthalten ist, sondern ein Kampf um die Entropie, welche durch den Übergang der Energie von der heißen Sonne zur kalten Erde disponibel wird. Diesen Übergang möglichst auszunutzen, breiten die Pflanzen die unermeßliche Fläche ihrer Blätter aus und zwingen die Sonnenenergie…, ehe sie auf das Temperaturniveau der Erdoberfläche herabsinkt, chemische Synthesen auszuführen…Die Produkte dieser chemischen Küche bilden das Kampfobjekt für die Tierwelt.**
Der Zerfallsprozess (1) wird also zurückgespult:
Sonnenergie + 6 H20 + 6 C02 –> [CH20]6 + 6 02 .
* Felix Auerbach. Die Weltherrin und ihr Schatten. -Jena: Fischer 1913, S.1
** Ludwig Boltzmann. Der zweite Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie. Leipzig 1905, S. 40
Die Flamme einer Kerze hat trotz ihrer weitgehenden Erklärung durch die Naturwissenschaften nichts an ihrer Faszination verloren. Das zeigt die vorweihnachtliche Zeit auf eindrucksvolle Weise. Ein akustischer Aspekt, der wohl eher die Stimmung der brennenden Kerze betrifft und einen Flammenträumer zum Flammendenker werden lässt, führt zu der Frage, warum das schweigsame Wesen seiner Kerze plötzlich zu ächsen beginnt. Für Franz von Baader (1765 – 1841) geht dieses Knarren, dieser Schreck, „einem jeden stillen oder geräuschvollen Anzünden voraus“. Dieser Laut wird erzeugt „durch den Kontakt zweier gegensätzlich wirkender Prinzipien, von denen das eine das andere behindert oder es sich untertan macht.“ Die Flamme muß sich beim Brennen stets neu entzünden und gegenüber einer rohen Materie die Herrschaft des Lichts bewahren. Hätten wir ein feineres Ohr, so würden wir die Echos dieser inneren Bewegung vernehmen. Der Anblick läßt zu leicht den Gedanken zu, es gäbe hier Vereinigungen. Doch ganz im Gegenteil verbinden sich die knisternden Geräusche nicht. Die Flamme spricht alle Kämpfe die es bestehen muß, um eine Einheit zu bewahren.*
In der Abbildung sehen wir eine Kerzenflamme, die auf irgendeine Weise verdoppelt (oder sogar verdreifacht?) erscheint. Ist dieser Effekt einzig dem 4. Advent zu verdanken?
(Hilfe für eine Antwort findet man hier.)
* Gaston Bachelard. Die Flamme einer Kerze. München 1988, S. 45f
Auch wenn Osterfeuer wie fast jedes Massenereignis der Umwelt schaden, erinnere ich mich gern an die vergangenen Feuer, in denen man Naturgewalt des Feuers unmittelbar zu spüren bekommt. Das Feuer sorgt durch seine intensive Strahlungsenergie, die bei hoher Temperatur abgegeben wird, dafür dass man freiwillig auf Abstand bleibt. (Was in anderen Bereichen kaum zu erreichen ist – das sage ich aus aktuellem Anlass.) Demgegenüber sind poetische, kulturelle, physikalisch u. Ä. Annäherungen gefahrlos möglich. Sie zeigen dass die Komplexität des Phänomens durchaus mit der abgestrahlten Wärme mithalten kann. Selbst die abgegebenen Gase sind so heiß, dass sie auch dann noch durch einen Funken entzündet werden können, wenn sie die Verbindung zum verbrennenden Holz bereits verloren haben.
Die Osterfeuer sind in diesem genau wie im vorigen Jahr abgesagt. Wenn ich an das Osterfeuer unserer Gemeinde denke, das mit dem liegen gebliebenen Brennmaterial des Vorjahres nunmehr die doppelte Größe erreicht hat, so hoffe ich dass es im nächsten Jahr mit dreifacher Größe, dreifacher Wärme und dreifachem Jubel über die dann hoffentlich überstandene Coronazeit ein positives Lichtzeichen in die Welt senden wird.
Das Foto zeigt den übrig gebliebenen Schornstein einer seit Jahrzehnten aufgegebenen Ziegelei. Obwohl er ziemlich zittrig aussieht und durch die Flammen des Osterfeuers hindurch gesehen den Eindruck erweckt, jeden Moment umzukippen, handelt es sich dabei nur um eine optische Täuschung. Da der Brechungsindex der Luft von der Temperatur abhängt, wird das vom Schornstein ausgehende Licht den chaotischen Bewegungen der unterschiedlich heißen Gasfragmente entsprechend mal in die eine, mal in die andere Richtung abgelenkt. Das vermeintliche Zittern von Sternen (Twinkle, twinkle, little star…) hat die gleiche Ursache.
Bei uns in der Nähe gibt es einen bewaldeten Bergrücken, der früher bergbaumäßig genutzt wurde, inzwischen aber mit hohem Mischwald bewachsen ist. Nur steile Hänge und andere Unwegsamkeiten lassen auf die früheren Aktivitäten schließen. Interessant sind manche Wechselwirkungen von Natur und früherer „Industriekultur“.
Da gibt es dann z.B. Reste verrosteter Zäune, deren Ursprung nicht mehr nachvollzogen werden kann, die völlig unaufgeregt in die undurchschaubaren Pläne der zum Licht strebenden Pflanzen integriert werden (siehe Fotos). Eine Kletterpflanze windet sich durch die quadratischen Maschen des Drahtes und integriert diese wie Treppenstufen zum Licht in ihr fortschreitendes Höhenwachstum. Wenn man sich die komplizierten und aus menschlicher Sicht schon wieder ästhetisch ansprechenden Verrenkungen der Pflanze anschaut, kann man sich kaum vorstellen, welche „Entscheidungen“ und vielleicht auch welche „Dramen“ sich beim Aufstieg unter dem Motto „Der Sonne entgegen“ abgespielt haben mögen.
Die Kletterpflanze ist schließlich vom Zaun zum Baum übergegangen und hat von da an den direkten Weg nach oben genommen, wo ihr Sonnenenergie zur Genüge zur Verfügung steht. Der an anderen Stellen bereits
niedergesunkene und durch den ständigen Kontakt mit der feuchten Erde weitgehend weggerostete Zaun hat für die Funktion als Gerüst im Gegenzug eine stabile Stütze erhalten und kann auf diese Weise noch wesentlich länger an die bereits dem menschlichen Vergessen anheimgefallenen Zeiten seiner ursprünglichen Funktion erinnern.
Im unteren Ausschnittsfoto erkennt man, dass der Draht nicht nur von der Pfanze aufgenommen wurde, sondern streckenweise einen auffälligen Drehwuchs bewirkt hat, durch den sich die Pflanze um den Draht herumgewunden hat. Warum die Pfanze in dieser unterschiedlichen Weise auf das technische Stützwerk reagiert, indem sie es einmal in sich aufnimmt und ein anderesmal um ihn herumwächst, bleibt mir verborgen. Es muss irgendwo eine Entscheidung für die eine oder andere Version getroffen worden sein.
In den Jahren, in denen Monet das eruptive Laubwerk und das Schimmern auf dem Teich in Giverny beobachtet, hörten die Physiker auf, an irgendeinem einfachen Konzept der Lokalisation in Zeit und Raum festzuhalten, und ersetzten es durch eine Vorstellung die verwandt ist mit Vibration, mit etwas Unwägbarem im Herzen der Dinge.* Weiterlesen
Du wirst heute 40 Jahre alt, liebe Julia. Vierzig heißt auf Französisch „quarante“ und das klingt nicht nur wie „Quarantäne“, sondern ist ihr begrifflicher Ursprung. Denn im 14. Jahrhundert wurden erstmalig in der Geschichte vierzigtägige Isolierzeiten zur Eindämmung von Pestepidemien verordnet. In der derzeitigen Corona-Krise betrifft dieser Zusammenhang die von dir geplante große Geburtstagsfeier gewissermaßen im tatsächlichen wie im wörtlichen Sinne. Da können eigentlich nur Ali Baba und seine 40 Räuber dahinter stecken. Denn an sich ist die 40 eine sehr bedeutungsvolle Zahl mit hoher Symbolkraft. So ist es kein Zufall, dass die Quarantäne gerade 40 Tage dauerte, spielt die Zahl doch in der Bibel eine große Rolle. So dauerte die Sintflut 40 Tage und Noah wartete noch 40 Tage als wieder Land in Sicht kam. Das Volk Israel wanderte 40 Tage durch die Wüste usw. usw. Weiterlesen
Es war ein Stahlknopf irgendwo,
Der ohne Grund sein Knopfloch floh.
(Vulgär gesprochen: Es stand offen.)
Ihm saß ein Fräulein vis-à-vis.
Das lachte plötzlich: Hi hi hi.
Da fühlte sich der Knopf getroffen
Und drehte stumm
Sich um.
Solch‘ Peinlichkeiten sind halt nur
Die schlimmen Folgen der Kultur.*
Hinter manchem Knopf steckt oft ein kluger Kopf: Jedenfalls scheint das überlegene Smiley-Grinsen des Knopfes (Foto) zum Ausdruck zu bringen, dass ihn die kulturellen Bedenken völlig kalt lassen.
*Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)
Wenn du ein Licht nimmst und es in eine mit grüner Farbe oder mit einer anderen Transparenzfarbe gestrichene Laterne stellst, so wirst du erfahrungsgemäß sehen, daß alle Gegenstände, die von diesem Licht beschienen werden, in der Farbe dieser Laterne schimmern.
Du hast wohl in Kirchen auch schon gesehen, daß das Licht, das durch die bunten Glasfenster fällt, in der Farbe dieser Glasfenster schimmert. Wenn dir auch das noch nicht genügt, dann beobachte einmal, wie die Sonne beim Untergang, wenn sie rot durch den Dunst scheint, alle jene Wolken rötet, die ihr Licht von dieser Sonne erhalten*.
Auf dem Foto sieht man die Spiegelung des durch ein farbig verglastes Fenster der Kirche Santa Maria Novella (Florenz) gefilterten Lichts auf einer Bank. Aufgrund der Glätte der holzernen Oberfläche der Bank wird ein Teil des Lichts nach dem Reflexionsgesetz (Einfallrichtung = Reflexionsrichtung) in die Kamera reflektiert. Theoretisch hätte Leonardo da Vinci eine solche Spiegelung in eben dieser Kirche mit eigenen Augen sehen können.
*Leonardo da Vinci. Tagebücher und Aufzeichnungen. Leipzig 1940 , S. 150
Man sieht sehr häufig unrecht tun,
doch selten öfter als den Schuhn.
Man weiß, daß sie nach ewgen Normen
die Form der Füße treu umformen.
Die Sohlen scheinen auszuschweifen,
bis sie am Ballen sich begreifen.
Ein jeder merkt: es ist ein Paar.
Nur Mägden wird dies niemals klar.
Sie setzen Stiefel (wo auch immer)
einander abgekehrt vors Zimmer.
Was müssen solche Schuhe leiden!
Sie sind so fleißig, so bescheiden;
sie wollen nichts auf dieser Welt,
als daß man sie zusammen stellt,
nicht auseinanderstrebend wie
das unvernünftig blöde Vieh!
O Ihr Marie, Sophie, Therese –
der Satan wird euch einst, der böse
die Stiefel anziehn, wenn es heißt,
hinweg zu gehn als seliger Geist!
Dann werdet ihr voll Wehgeheule
das Schicksal teilen jener Eule,
die, als zwei Hasen nach sie flog,
und plötzlich jeder seitwärts bog,
der eine links, der andre rechts,
zerriß (im Eifer des Gefechts)!
Wie Puppen, mitten durchgesägte,
so werdet ihr alsdann, ihr Mägde,
bei Engeln halb und halb bei Teufeln
von niegestillten Tränen träufeln,
der Hölle ein willkommner Spott
und peinlich selbst dem lieben Gott. Weiterlesen
„Zündet man eine Kerze an,
erhält man Licht.
Vertieft man sich in Bücher,
wird einem Weisheit zuteil.
Die Kerze erhellt die Stube,
das Buch erleuchtet das Herz.“
Aus China
Lichttechnisch gesehen ist die Kerze ein Fossil, aber ein liebenswertes, das nicht mehr notwendigerweise der Beleuchtung, sondern eher der Erleuchtung und der Schaffung einer stimmungsvollen Atmosphäre dient. Die Menschen, die seinerzeit auf die Kerze als Beleuchtungsmittel angewiesen waren, sahen die Situation daher weitaus nüchterner. Selbst der Dichterfürst Goethe, sonst um keine poetische Wendung verlegen, stellt schlicht fest:
Wo Lampen brennen, gibts Ölflecken,
wo Kerzen brennen, gibts Schnuppen,
die Himmelslichter allein
erleuchten rein und ohne Makel.
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Beim Renovieren eines Hauses aus dem 19. Jahrhundert in einem Warfdorf in Ostfriesland stellten wir mit Verwunderung fest, dass die Mauern kein Fundament hatten. Die Ziegel lagen auf einer relativ dünnen Lehmschicht auf und waren statt mit fest werdendem Mörtel nur mit Lehm verbaut. Man konnte die über 150 Jahre alte Wand per Hand dekonstruieren, fast lautlos, indem man einen Ziegel nach dem anderen einfach aufhob, sie zur Wiederverwendung mit wenigen Handbewegungen vom Lehm befreite und aufstapelte. Weiterlesen