Komisch, dass diese Gestalten nur zu bestimmten Zeiten des Jahres auftreten und dann wieder verschwinden. Jedenfalls kann mir keine erzählen, dass ich in diesem Baumstumpf im Dezember den Weihnachtsmann sehen würde.
Das sei all denjenigen gesagt, die vielleicht den Eindruck gewinnen könnten, unseren beiden auf dem Foto würde es zu kalt sein. Natürlich möchte ich nicht mit ihnen tauschen, aber die wohl noch weniger mit mir, der ich in einer warmen Bude hocke.
So kalt es auch sein muss, damit Schnee entsteht und erhalten bleibt, so gut eignet er sich als Wärmeisolator. Davon profitieren vor allem Pflanzen und Tiere in kälteren Regionen unserer Erde.
Diese guten Dämmeigenschaften beruhen vor allem darauf, dass der Luftanteil im Schnee mit 80 – 95% besonders groß ist. Und Luft ist einer der besten Isolatoren, die wir kennen.
Die in den Schneekristallen und Poren zwischen den Kristallen eingeschlossene Luft unterliegt kaum der Konvektion oder Wärmeleitung, sodass nur sehr wenig Wärme verlorengeht. Die Dämmwerte des Schnees sind vergleichbar mit manchen Holzarten und liegen nicht weit von professionellen Dämmstoffen entfernt. Iglus, Schneehöhlen und das Nicht-Durchfrieren des unter dem Schnee befindlichen Bodens sind praktische Beispiele für diese thermischen Eigenschaften.
Wer sich das Foto genauer anschaut, wird vielleicht auch ein schafähnliches Schneewesen entdeckt haben, das sich um sein Kleines kümmert. Die Fähigkeit des Menschen, besonders in schneebedeckten Bäumen und Hecken bedeutungsvolle Strukturen zu erkennen (Pareidolien), geht auf die evolutionspsychologische Eigenschaft unseres Gehirns zurück, darauf aus zu sein, vor allem menschliche Gesichter und Tiere auch in den unmöglichsten Zusammenhängen zu erkennen. Dahinter stecken vor allem die Bedeutung der Fähigkeit, Freund oder Feind, Tiere oder andere Bedrohungen sowie auch menschliche Emotionen sehr schnell zu erkennen, auch auf die Gefahr hin völlig daneben zu liegen.
Schnee ist deswegen besonders für Pareidolien geeignet, weil er Formen glättet und starke Kontraste (hell und dunkel) schafft. Äste und Pflanzen bringen wie im vorliegenden Fall zufällige, aber oft gesichtsähnliche Grundstrukturen hinzu.


Schön mehrmals habe ich Bäume im Wald entdeckt, die auf die eine oder andere Weise zusammengewachsen sind (siehe Foto, sowie: hier und hier und hier und hier und hier). Daraus schließe ich, dass dieses Phänomen nicht allzu selten ist. Auf einer Ausstellung entdeckte ich eine Darstellung des Phänomens in Form eines Querschnitts durch die Verwachsungsstelle (Foto rechts).
Dort erkennt man, dass durch die Verbindung zweier Bäume (Baumfachwerk) eine Festigkeit mit kleinstem Materialaufwand erreicht wird, so dass der Stammdurchmesser des Baumes erst nach dem Verbund größer wird. Das ist auch an dem dünneren rechten Baum im linken Foto zu erkennen.
Als ich vor einiger Zeit durch ein gerodetes Waldstück wanderte, erschien mir die Wurzel eines längst abgestorbenen Baums wie ein symbolischer Ausdruck der Stimmung, die mich regelmäßig überkommt, wenn ich bei meinen Wanderungen durch absterbende und abgestorbene Waldstücke komme. Das kommt leider immer häufiger vor. Ich sah und sehe jetzt im Foto zwei hölzerne Arme, die mit ihren Händen den Holzrest eines vergangenen Baumes umklammern, so als würden sie krampfhaft versuchen zu halten, was wohl nicht mehr zu halten ist.

Die vor Jahren gefällten Bäume, die noch immer auf ihre Abholung warten, haben sich in der Zwischenzeit verändert. Das Holz hat sich ein buntes Gewand aus grünem Moos und braunen Blättern des letzten Herbstes zugelegt. Und wenn die Sonne dann durch das Loch hindurchscheint, das beim Fällen genau dieser Bäume entstanden ist, erstrahlen alle Beteiligten in einem für die Jahreszeit auffallend bunten Glanz.

…und das auch noch naturschön. Als Kinder schrieben wir uns kleine Nachrichten darauf.
Woran beißt der sich die Zähne aus? An der Welt, in der er sich befindet, von der er ein Teil ist.
Diese Struktur fand ich auf dem Querschnitt eines durchgesägten Baumes. Zwischen den Jahresringen schaut mir eine Figur entgehen (ich kann die Struktur nicht anders als Figur sehen), die das anschließend verholzte Schicksal des Baumes offenbart.
In früheren Zeiten muss dem Baum etwas Schlimmes passiert sein. Vermutlich wurde ein Ast abgebrochen oder dem Baum wurde auf andere Weise eine schwere Verletzung zugefügt. Jedenfalls liegt das lange zurück. Inzwischen war Gras, bzw. in diesem Fall Holz darüber gewachsen. Der Baum vermochte es, das für ihn traumatische Ereignis unter einer darüber wachsenden Holzschicht zu verdrängen. Man hätte ihm äußerlich kaum etwas ansehen können.
Jetzt nachdem er gefällt wurde, bringen die Jahresringe auch wieder dieses schon überwunden geglaubte Ereignis an den Tag. Solche Ereignisse kann man an vielen gefällten Bäumen rekonstruieren und sich darüber wundern, wie nahezu spurlos frühere Astverluste zum Verschwinden gebracht – verholzt – wurden. Doch in diesem Fall kommt die in dieser Ereignistruktur nicht zu übersehende Pareidolie hinzu: Ich kann – und denke, dass es anderen ähnlich geht – nicht anders als in der Struktur so etwas wie ein Ungeheuer sehen, das dem Baum das frühere Leid zugefügt hat: Es beißt den Baum gewissermaßen ins „Fleisch“. So wird es gewesen sein, so hat der Baum es erlebt und verdrängt. Ein Gestalt gewordener Schicksalschlag – zumindest aus menschlicher Sicht.
Aus heiterem Himmel bliesen die hohen Stürme eine helle verzweigte Wolkenstruktur hervor, die sich über einer ähnlichen erdgebundenen Verzweigung erhob. Es war als sollte das Gemeinsame zweier völlig unterschiedlicher natürlicher Vorgänge zum Ausdruck gebracht werden.
Die Cirrus-Wolke bildet sich in großer Höhe und besteht daher nicht nicht wie unsere Schönwetterwolken aus Wassertröpfchen , sondern aus Eiskristallen. Sie wird in kurzer Zeit vor meinen Augen hervorgebracht und ist eine Visualisierung von Temperatur, Feuchte, Bewegung durch starke Winde, also Größen, die hier gerade so zusammenpassen, dass die gigantische Eiskristallfeder entsteht.
Demgegenüber braucht der Baum zur Entfaltung seiner Zweige und Blätter eine Zeitspanne, die jenseits dessen liegt, was wir direkt beobachten können. Es dauert Wochen und Monate bis man die Veränderungen und die Entstehung der Verzweigungen feststellen kann. Die Technik der Zeitrafferaufnahmen macht es heute jedoch möglich, die Entstehungsdynamik zu zeigen, auch wenn der Vorgang dann ziemlich künstlich aussieht. Offenbar gehört zu allen natürlichen Strukturbildungsvorgängen eine typische Zeitkonstante, die nicht immer mit der Zeitkonstante unserer Wahrnehmung konform geht.
Naja, es ist kein Astloch mehr. Aber es war einmal eines. Die Natur hat sich alle Mühe gegeben, es nicht nur durch strukturierte Verholzung zu verschließen, sondern dabei tief in den Farbtopf ihrer Möglichkeiten gegriffen und so ganz nebedabei diesen schönen Anblick hervorgebracht.
Was FESSELT den Baum an die Erde? Seine WURZEL!*
Wenn man diese überdimensionale Wurzel sieht, denkt man vielleicht eher an die Quadratwurzel von minus Eins. Die Mathematik kommt ohne diese, die Natur ohne jene nicht aus.
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* Friedrich Hebbel. Tagebücher 1848 – 1863, München 1966/67. S. 310
Dieser Baum hat das Zeitliche gesegnet. Wer genau hinschaut sieht, dass sein Geist weiterlebt…
Diese Struktur fand ich an einem Baumstamm. Lauter kleine Holzblätter, deren Entstehung mir völlig rätselhaft erscheint. Es sieht aus, als habe der Baum hier etwas Neues ausprobiert und sei dann wieder davon abgekommen. Geht uns doch auch manchmal so. 😉
Heute ist der seit 1952 gefeierte Tag des Baumes. Eigentlich gibt es da nicht viel zu feiern, denn dem Baum, bzw. den Bäumen geht es schlecht auf dieser unserer „bestmöglichen Welt“. Die Misere dürfte gerade im Zeichen der Diskussionen um den Klimawandel bekannt sein.
Daher habe ich einen Baum, bzw. zwei Bäume ausgesucht, die m.E. sinnbildlich zum Ausdruck bringen, dass der Baum Unterstützung braucht. Auf dem Foto sind zwei Bäume in großer Höhe zusammengewachsen. Warum auch immer. Auf jeden Fall haben sie dadurch enorm an Stabilität gewonnen. Denn so einen Doppelbaum kippt so leicht kein Sturm um.
Leider ist es seit der Erfindung der Kettensäge für die Menschen ein Leichtes auch dieses Baumpaar zu Fall zu bringen. Ich würde daher die Kettensäge und ihre Nachfolger in Form von Havestern zu den unsäglichsten Erfindungen zählen, die im Zeichen der Abholzung der Wälder großen Schaden angerichtet haben und es weiterhin tun.
Möge der Zusammenhalt der beiden Bäume zum Ausdruck bringen, dass es zwar ein schönes Zeichen ist, wenn die Bäume beginnen, sich zu unterstützen, aber die größte Unterstützung erfahren die Bäume und Wälder, wenn der Mensch sie einfach nur in Ruhe ließe.
Vor zwei Tagen haben wir den Tag des Buches gefeiert und wir können mit Georg Christoph Lichtenberg einmal mehr einen schönen Zusammenhang zwischen Buch und Baum herstellen, wenn er sagt:
Die Wälder werden immer kleiner, das Holz nimmt ab, was wollen wir anfangen? O zu der Zeit, wenn die Wälder aufhören, können wir sicherlich so lange Bücher brennen, bis wieder neue aufgewachsen sind.*
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Georg Christoph Lichtenberg. Schriften und Briefe I. S. 495

Man könnte denken, dass auch den Bäumen ihr Outfit nicht egal ist, wenn sie sich von Zeit zu Zeit ihrer Borke entledigen und durch eine prächtige neue Hülle ersetzen. Aber natürlich ist es pure Notwendigkeit, um ihrem Dickenzuwachs gerecht zu werden. Dieses Foto zeigt die frische Borke einer Pinie kurz nachdem ein Teil der alten abgeworfen wurde.
Zwar dient die Borke wie ursprünglich auch die Kleidung des Menschen dem Schutz der darunterliegenden Schichten vor Kälte, Hitze und anderen physikalischen Einflüssen. Aber anders als beim Menschen wird sie vom Organismus selbst hervorgebracht. Sie kostet zwar nichts, aber der Baum hat dafür nicht die Freiheit, eigenen ästhetischen Ansprüchen zu genügen.
Das ist im vorliegenden Fall auch gar nicht nötig, weil die hier gezeigte Borke einfach schön ist.
Die Schönheit der Borke habe ich auch schon in früheren Beiträgen angesprochen (z.B. hier und hier und hier und hier.

Irgendwie erinnern mich die auf der Borke der Zitterpappel in großer Zahl auftretenden Striche an ein Zeichensystem, in dem der Baum seine Geheimnisse verschlüsselt aufgezeichnet hat. Naja, jedenfalls finde ich es grafisch äußerst ansprechend um nicht zu sagen naturschön.

Ich sehe hier einen symbolischen Querschnitt durch das Leben eines Baums, auch wenn er wohl kaum in dieser Absicht entstanden ist. Der Baumstamm würde ansonsten nicht auf einen Holzsammelplatz liegen.
Man schaue ein wenig in die Lebensgeschichte des gewesenen Baums: In den ersten 16 Lebensjahren ging alles rund. Die Einflüsse waren rundum gleichmäßig verteilt. Dann kamen wechselvolle Jahre, die nicht nur dazu führten, dass Abweichungen von der erwarteten Form, hier der Kreisform, auftraten, sondern auch Schwankungen in der Entwicklung, wie sie durch die Variation der Breite der Ringe zum Ausdruck kommt.
Interessant ist die Schwankungsbreite. Zwischen den breitesten und schmalsten Ringen ist an einigen Stellen ein Unterschied von bis zum Siebenfachen zu erkennen. Die Unterschiede an sich kommen durch günstige und ungünstige Entwicklungsbedingungen zustande. Aber wie sind die unterschiedlichen Breiten während ein und desselben Jahres zu erklären?
Vielleicht liegt es daran, dass in den Jahren, in denen an verschiedenen Stellen unterschiedliche Zuwächse zu erkennen sind, unterschiedliche Witterungseinflüsse eine Rolle gespielt haben. Denn immerhin sind sie unterschiedlichen Himmelsrichtungen mit entsprechend unterschiedlichen Einwirkungen zuzuordnen.
Aber all das fiel mir erst später auf. Der ursprüngliche Anlass für das Foto war die naturschöne Struktur.

Von der Kuh über den Hund bis zur Giraffe ist uns Geschecktes vertraut. Es fällt auf, dass kein Muster dem anderen gleicht, obwohl sie alle in bestimmter Weise selbstähnlich sind.
Aber auch im Bereich der Pflanzen beobachtet man Geschecktes. Ich bin immer wieder fasziniert von Platanen, die sogar soweit gehen, ihre gescheckte Rinde während des Wachstums Schuppe für Schuppe zu ersetzen, wenn es zu eng wird. Ein wahrlich naturschöner Anblick.
Normalerweise sieht man von Baumwurzeln nur die Ansätze. Und wenn ein Baum zum Beispiel vom Sturm entwurzelt wird, kann man sich meist davon überzeugen, dass dieses Wurzelbündel ziemlich kompakt ist und zeigt, dass der Baum hauptsächlich in engerer Umgebung seines Standorts Wurzeln zur Wasser- und Nahrungsaufnahme versenkt hat.
Auf dem Foto ist ein Baum dargestellt, der an einer Abbruchkante eine Ausnahme von dieser Regel macht und eine Wurzel weit weg von seinem Standort ausgesendet hat, um dort fündig zu werden.
Obwohl ich Bäume seit vielen Jahren mit Bewunderung und oft auch Überraschung über die erstaunlichen Eskapaden, die diese Mitgeschöpfe an den Tag legen, in Augenschein nehme und über längere Zeit beobachte, ist mir bislang eine solche Wurzelwanderschaft noch nicht begegnet.
Das hinterlässt einige Fragen: Was veranlasst eine einzelne Wurzel ohne in der Erde verwurzelt zu sein, sich über derart lange Strecken vom Stamm wegzubewegen und dann auf einmal abzutauchen und – wie ich vermute – ihre Wurzel wie die Mitwurzeln in Stammnähe ihren typischen Wurzelaufgaben nachzugehen. Hätte sie das nicht auch schon in Baumnähe versuchen können?
Dieser Baum ist leider nicht mehr. Ich bin unzählige Male durch den von seinem Laubwerk gebildeten Tunnel gegangen und anschließend vom vergleichsweise hellen Tageslicht geblendet auf der „anderen Seite der Welt“ gelandet.
Ob es notwendig war, den Baum zu fällen, vermag ich nicht zu beurteilen. Für mich ist es ein großer Verlust.
Lieber Lano, heute bist du 11 Jahre alt geworden. Das wissen sogar schon die Bäume, naja, zumindest der auf diesem Foto.
Die 11 ist eine ganz besondere Zahl, das sieht man schon rein äußerlich. Sie besteht aus zwei gleichen Ziffern, zweimal der 1, mit der nicht nur die Serie der folgenden Geburtstage beginnt, sondern viele andere Dinge auch. Sie ist außerdem die kleinste Schnapszahl und die kleinste zweistellige Primzahl. Sie hat daher nur zwei Teiler (welche?) und kann durch keine andere natürliche Zahl durch Multiplikation gewonnen werden.
Wir haben die Zahl früher Ottozahl genannt, weil sie wie Otto von vorne und hinten gelesen werden kann. Solche Worte nennt man auch Palindrome. Die 11 ist sogar ein Primzahlpalindrom und auch noch in anderer Hinsicht etwas Besonderes. Am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt der rheinische Karneval und beim Fußball hat sich die 11 durch den Elfmeter einen Namen gemacht. Die Liste wäre noch um einiges zu erweitern.
Die Elfen, also jene sagenumwobenen Naturgeister, haben meinen Nachforschungen zufolge mit der 11 nichts zu tun, obwohl die 11 manchmal als Engelszahl bezeichnet wird und als Botschaft von den Engeln gilt. Aber Engel sind eben keine Elfen. Wir halten fest, dass du ab heute für ein ganzes Jahr 11 bist, und dazu gratulieren wir dir ganz herzlich.
Der Mensch kann es offenbar nicht lassen, auch noch den Bäumen eine künstliche Form aufzuprägen. In diesem Fall des zu einem Würfel verunstalteten Baums rächt sich dieser, indem er mit seinem Schatten zumindest schemenhaft an seine natürliche Form erinnert.
Dazu fällt mir noch eine „Herr Keuner-Geschichte“ von Bertolt Brecht ein, die sich allerdings mehr auf die runden Büsche im Hintergrund bezieht:
Herr K. betrachtete ein Gemälde, das einigen Gegenständen eine sehr eigenwillige Form verlieh. Er sagte: Einigen Künstlern geht es, wenn sie die Welt betrachten, wie vielen Philosophen. Bei der Bemühung um die Form geht der Stoff verloren. Ich arbeitete einmal bei einem Gärtner. Er händigte mir eine Gartenschere aus und hieß mich einen Lorbeerbaum beschneiden. Der Baum stand in einem Topf und wurde zu Festlichkeiten ausgeliehen. Dazu mußte er die Form einer Kugel haben. Ich begann sogleich mit dem Abschneiden der wilden Triebe, aber wie sehr ich mich auch mühte, die Kugelform zu erreichen, es wollte mir lange nicht gelingen. Einmal hatte ich auf der einen, einmal auf der anderen Seite zu viel weggestutzt. Als es endlich eine Kugel geworden war, war die Kugel sehr klein. Der Gärtner sagte enttäuscht: Gut, das ist die Kugel, aber wo ist der Lorbeer?*
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*Bertolt Brecht. Geschichten vom Herrn Keuner. Frankfurt/Main 2004, S. 15


Auf einer Wanderung im Barneführer-Holz (in der Nähe von Oldenburg) stießen wir auch auf diese Kiefern, die sich mit einem merkwürdigen Gestrüpp aus Luftwurzeln umgeben haben, die in einigen Fällen wie Kunstwerke oder Installationen der Natur wirkten. Das Wurzelgebilde auf dem rechten Foto erinnert mich ein wenig an eine Riesenkrabbe, die bedrohlich auf den Betrachter zuzulaufen scheint.
Da diese Kiefern auf Sandhügeln hocken, vermuten wir, dass die ursprünglichen Wurzeln vom Wind freigelegt wurden, indem dieser den Sand wegblies. Mit der Absicht, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und damit der Zufuhr von Wasser etc. verlustig zu gehen, mussten sie umschwenken und auf kürzestem Wege, also steil nach unten, in den Boden zurückgewachsen.
Falls jemand eine plausiblere Erklärung hat oder vielleicht sogar auf ein bekanntes Phänomen verweisen kann, bitte ich um eine entsprechende Information.


Es gibt noch Wälder, in denen die Bäume altersschwach werden und absterben dürfen. Auf einer Wanderung durch das Barneführer Holz in der Nähe von Oldenburg trafen wir zahlreiche solcher Bäume in allen Phasen der Auflösung und Zersetzung an und fanden stets so etwas wie die Schönheit des Verfalls.
Als mich jüngst im Wald sportlich betätigte und dabei soweit vorbeugte, dass ich überkopf durch meine Beine hindurch blickte, konnte ich mich über den im Foto dargestellten Anblick erfreuen: Der Baum nahm menschliche Züge an und hielt sich dabei mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln an menschliche Verhaltensregeln, nicht völlig nackt dazustehen. Er hatte sich einen biologisch abbaubaren Lendenschurz zugelegt. Mir wurde wieder einmal klar, dass doch alles eine Frage der Perspektive ist.
Die Platane trennt sich von Zeit zu Zeit von ihrer für das weitere Wohlergehen problematisch gewordenen Borke. So einfach wie die Platane kommen wir Menschen offenbar nicht aus unserer Haut.
Obwohl Kiefern immergrün sind, auch im Winter, hatte ich den Eindruck, dass dieses Exemplar eines filigran gewachsenen Baumes das Licht von weit her reflektiert und die Verheißung von Frühlingsgefühlen zum Ausdruck bringt.

Wenn die Bäume ihr Laub verloren haben (man sollte vielleicht besser sagen: abgegeben haben), präsentiert sich der Mond oft in naturschönen Kontexten. Diesmal scheint sich der nahezu volle Mond in den Ästen einen Baumes verheddert und damit die Distanz zwischen Baum und Himmel aufgehoben zu haben. Die dem Mond nahezu diametral gegenüberstehende untergehende Sonne verleiht nicht nur dem Baum, sondern auch dem Mond einen rötlichen Teint.
Als ich meine Begleiterin darauf aufmerksam machte, fand sie das ein wenig zu mystisch, was ich wiederum als merkwürdig empfand. Denn ich hatte es rein physikalisch gemeint, um deutlich zu machen, dass trotz ihrer ansonsten großen Unterschiede – der Baum als irdisches und der Mond als himmlisches Objekt – sich hier beide völlig gleich verhalten: Sie reflektieren das rötliche Sonnenlicht.
Der Anblick des Fotos mutet meines Erachtens fast wie eine Grafik an, weil uns das Anschauungsvermögen bei der Zusammenschau an sich weit voneinander entfernter Gegenstände zuweilen im Stich lässt.

Auf den ersten Blick käme man wohl kaum darauf, dass diese frisch-grünen Nadeln an einem Tannenbaum sprießen. Schaut man sich jedoch die kleinen Wassertröpfchen genauer an, so findet man dort einen Teil des Zweigs abgebildet.
Diese natürlichen Weihnachtsbaumkügelchen verstehen es so schön, ihre Umgebung zu reflektieren und damit auf eine subtile Weise zu vervielfältigen, ohne dass die Vielfalt eine bloße Kopie wäre.

Diese Birke hat es auf ein Schild abgesehen, was man offenbar ohne sie zu fragen angebracht hat. Es sieht aus, als würde das Schild irgendwann völlig verschlungen sein, denn Bäume haben Zeit. Die Einverleibung durch Überwallung ist eine natürliche Reaktion eines Baumes, wenn er mit einem Fremdkörper konfrontiert wird. Denn da er ihn nicht anderweitig loswerden kann, verleibt er ihn sich ein und lässt ihn schließlich in seinem Innern verschwinden. Dort behindert er nicht mehr das Kambrium, die Wachstumsschicht des Baumes.
Das Kambium liegt zwischen dem Holz und der Rinde eines Baums. In ihr finden die Zellteilung und damit das Wachstum des Baumes statt. Dabei erfolgt nach innen hin eine Verholzung und nach außen hin entsteht in etwa dem gleichen Maße der Bast, aus dem sich die harte Rinde entwickelt.
Im vorliegenden Fall überwallt das Kambium dank seiner Fähigkeit zum Zellwachstum das Hindernis, um zu verhindern, dass es nicht bis ins Holz dringt und dem Angriff von Pilzen und Bakterien Tür und Tor öffnet. Es entsteht ein Gewebe, das sogenannte Kallus, das schließlich den Fremdköper überwallt. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, kann das Kambium über die so verschlossene Wunde wieder normale Zellen bilden und normal weiterwachsen.
Im Sinne unserer gestrigen Ausführungen zeigt dieses Beispiel einmal mehr, dass zwei Dinge nicht zugleich am selben Ort sein können und gegebenenfalls besondere Maßnahmen getroffen werden müssen, um die Naturgesetze einzuhalten.
Pilze beeindrucken mich immer wieder auf überraschend neue Weise. Im vorliegenden Fall sprießt aus dem Stamm eines gesundheitlich bereits angeschlagenen Baums ein ganzes Bündel eines Pilzes hervor, das wie ein üppiger Blumenstrauß wirkt und den Ernst der Situation zu konterkarieren scheint.
Im näheren Umfeld hat bereits die Trockenheit der letzten Jahre gewütet und einen Kahlschlag bewirkt. Der stehengebliebene Baum war wohl so etwas wie die Hoffnung eines Neuanfangs. Nun zeigt sich mit aller Zwiespältigkeit der wuchernden Schönheit, dass auch für diesen Baum – trotz des Schmucks – die Zukunft fragwürdig geworden ist.


Bei Wanderungen in Wäldern schaue ich mir gern Bäume an, die nicht so ganz der Norm entsprechen. Die befinden sich meist dort, wo sie so wachsen dürfen wie sie wollen, also außerhalb oder am Rande der wirtschaftlich genutzten Waldbereiche. Ich habe diesem Blog bereits zahlreiche Exemplare anvertraut (z.B. hier und hier und hier und hier und hier). Sie sind oft so merkwürdig, dass es schwerfiele zu glauben, dass es so etwas gibt, hätte man es nicht direkt vor Augen.
Auf einer vor kurzem unternommenen Wanderung in den Dammer Bergen fand ich eine Baumgruppe vor, in der zwei Bäume über einen oberarmdicken Ast in Verbindung stehen. In den Fotos ist das Phänomen aus zwei verschiedenen Perspektiven zu sehen.
Schaut man sich das rechte Foto an, so scheint der linke Baum deutlich von der zusätzlichen Verbindung mit dem anderen Baum zu profitieren. Denn oberhalb der Einmündung dieses fremden Asts weitet sich der Stamm ganz entgegen der Norm, wonach Bäume unten dicker als oben sind.
Anders als bei den bisher entdeckten Baumverbindungen fällt mir hier keine plausible Geschichte ein, wie diese Verbindung wohl angebahnt und realisiert wurde. Vielleicht habt ihr eine Idee?
Das ist der Urahn der Spaltpilze, die sich inzwischen in vielen Gebieten ausgebreitet haben, wie beispielsweise
Wenn man so sieht, wie sich die Bäume mit ihren Wurzeln an die Erde klammern, kann leicht der Eindruck entstehen, dass die Erfindung der Hand auch in anderen Bereichen angedacht wurde.
Beim Menschen/Affen sind es 5 Finger pro Hand, weil man sonst Schwierigkeiten beim Rechnen mit dem Zehnersystem bekommen hätte. Da haben die Bäume es leichter. 😉

Irgendwas blicke mich aus der Borke einer alten Platane (?) an und kam mir auch noch irgendwie aus dem Fernsehen bekannt vor. Aber auch unabhängig davon empfand ich den Anblick einfach naturschön.
Nicht nur Menschen ver(un)zieren Bäume mit eigenen (Kunst-)Werken. Auch Schnecken scheinen es ihnen nachzumachen. Jedenfalls ist das schon ganz gut gelungene, mit Schneckenschleim gemalte Männchen am Baum ein Zeichen ihres diesbezüglichen Tuns. Menschen versuchen es meist auf andere Art, durch Schnitzen, Ausmalen mit Farben, kreativ Anmalen, Drapieren mit getrickten Textilien oder durch Lichtprojektionen… Manchmal schmücken sich die Bäume auch selbst, z.B. mit einer naturschönen Wucherung oder einem originellen Tattoo. Andere Tierchen gehen eher bildhauerisch vor.