Die Künstlerin Renée Pötzscher arbeitet mit Fotografie, Film und Fotogrammen. Im Rahmen des Forschungsseminars stellte sie ihre Fotogramme vor. In diesem Interview spricht sie über ihre Werke.
Sie haben in den 1970er Jahren Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Bildende Kunst, sowie Kunst, Technik und Philosophie an der Leuphana Universität in Hamburg und Lüneburg studiert. Im Laufe Ihrer künstlerischen Tätigkeit entstanden zahlreiche Fotografien und (Kurz)filme. Wie kam es letztlich dazu, dass Sie begonnen haben, sich mit Fotogrammen zu beschäftigen?
Renée Pötzscher: Natürlich war mir die Technik des Fotogramms bekannt. Aber erst in den 1980er Jahren waren nächtliche Träume vom Universum der Auslöser. Hintergrund dieser Traumerlebnisse war der Film von Stanley Kubrick 2001: A SPACE ODYSSEE, den ich 1969 sah. Gern würde ich hier den Zusammenhang etwas ausführlicher beschreiben. Kubrick transferiert für mich einen Schöpfungsgedanken, in dem er die Frage nach der menschlichen Existenz sehr essentiell berührt und gleichzeitig dessen technische Hybris in Frage stellt. Die Bilddramaturgie steigerte außerordentlich mein Raumerleben – es war einer der ersten Filme in Cinemascope. Hinzu kam die musikalische Dramatik, wie zu Beginn „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauß. Die Musik zog mich sehr in den Bann, sowie der plötzlich erscheinende schwarze, senkrecht stehende Monolith, der in meinen folgenden Traumnächten eine große Rolle spielte. Mit diesen suggestiven filmischen Mitteln der Bewegung wurde ich quasi schwebend in das All gezogen – ergänzt durch den Johann Strauß Walzer „An der schönen blauen Donau“. Möglicherweise hat der Film meine eigene pränatale Erfahrung berührt, denn in den Traumnächten taumelte ich durch den dunklen Raum mit Begegnungen anderer Planeten, deren Erneuerung und Auflösung ich zusehen konnte.
Erst 10 Jahre später kam der spontane Gedanke, diese kosmisch erlebten Traumereignisse in der Dunkelkammer in Form der Fotogramme zum Ausdruck zu bringen. Durchsichtige runde Gläser auf dunklem Grund (Abb. 1 / 2) schafften eine Verbindung für mich zu dem, was ich in den Träumen sah. Das Fotogramm als mein Ausdrucksmittel hatte ich für mich entdeckt.


Was ist für Sie das Besondere an Fotogrammen? Wodurch zeichnen sich diese im Vergleich zur Fotografie aus?
R. P.: Der einfache technisch experimentelle Zugang und die Faszination des kalkulierten Zufalls. Gegenstände, Pflanzen und später auch von mir gebaute Objekte wurden zu geheimnisvollen Abbildungen. Zum Beispiel stellte ich die aus Lehm geformten Körper einer Performance anschließend ins Licht, woraus Fotogramme mit dem Titel 36 Ma entstanden (Abb. 3 / 3 a). Der Raum wird zur Fläche und umgekehrt. Die komplexen Grauwerte der alltäglichen Gegenstände werden zur magischen Metapher des Universums (Abb. 4). Das Fotogramm als schöpferische Wiedergabe in Analogie des Unbewussten?!
In der konkreten Abbildung der Wirklichkeit durch die Fotografie erreiche ich kaum diese unmittelbare Erfahrung des prozesshaften Experiments. Dieser wird besonders entmystifiziert durch die digitale Fotografie.



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