Spaziergänge am Fluss, Besuche im Seniorenheim, Treffen auf der Veranda, und vor allem: Gespräche. In Elisabeth Strouts neuem Roman „Erzähl mir alles“ (Luchterhand) steht die Kommunikation im Mittelpunkt dieser leisen, weisen Geschichte, die aus vielen weiteren Geschichten besteht. Denn die Figuren aus der Küstenstadt Crosby in Maine erzählen sich gegenseitig von ihren Ehefrauen und Ehemännern, von Nachbarinnen und Söhnen, Töchtern und Enkeln. Durch dieses miteinander reden nehmen die Menschen Anteil am Schmerz und an Trauer, an den Ambivalenzen des Lebens, sie hören sich zu und vertrauen sich Dinge an.
Einige der Protagonist*innen kennen wir aus Strouts früheren Romanen: Schriftstellerin Lucy Barton, Pensionistin Olive Kitteridge, Anwalt Bob Burgess und deren soziales Umfeld. Da sie alle schon über 60 Jahre alt sind, drehen sich ihre Gespräche auch viel um Gesundheit, um den Sinn des Lebens im Alter, und daraus komponiert Strout, die feinfühlige Beobachterin, einen Roman um Freundschaft, unerfüllte Liebe – und das, was unausgesprochen bleibt im Leben.
Die Handlung umspannt ein Jahr, und Strout gliedert sie in vier Bereiche, das sind die vier Jahreszeiten, die nicht nur die Landschaft verändern, sondern auch die Lebenslandschaften ihrer Bewohner*innen. So entsteht ein natürlicher Kreislauf, manches bleibt, manches geht, das gilt für Freundschaften genauso wie für die Liebe, und zum Schluss steht die tröstliche Erkenntnis: Ja, so ist das Leben, und so sind wir Menschen. Ein wohltuendes Buch, geschrieben in hochwertigem Plauderton. Übersetzt von Sabine Roth.
Ich werde den Roman im Podcast LONG STORY SHORT und in meiner Literatursendung bei egoFM vorstellen – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).













