Dreizehn Trennungen in drei Jahren, das muss man erstmal schaffen. Für Herzchen und Toxibaby, die treibenden Figuren in Dana von Suffrins „Toxibaby“ (Kiepenheuer & Witsch) kein Problem, denn die beiden können nicht miteinander und auch nicht ohne einander. Sie lieben und hassen sich, weinen, streiten, manipulieren, lügen und stürmen wütend aus Wohnungen, immer wieder. Ein größeres Beziehungsdrama ist kaum vorstellbar, und tatsächlich meint die Ich-Erzählerin: „Jeder Krieg auf der Welt ist lächerlich im Vergleich zu uns.“ Doch ohne den täglichen Terror ist sie traurig, fühlt sich einsam, vermisst ihren paranoiden, depressiven Freund.
Herzchen ist eine gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die über ihre jüdische Familie schreibt, und genau das wirft ihr Toxibaby vor – er ist Anfang vierzig, ein überheblicher, attraktiver Intellektueller, der nicht arbeitet und wütend auf die Welt ist. Was für eine schräge Kombi, und was für ein Kampf um Nähe und Selbstbehauptung.
Dana von Suffrin hat einen rauschhaften, rasanten und ziemlich schlimmen Liebesroman geschrieben. Spaß macht er trotzdem, denn Dana ist eine Meisterin der Ironie und des schwarzen Humors, und man kann dieses Buch als köstliche Abrechnung mit dem Kulturbetrieb und der Beziehungsunfähigkeit einer ganzen Generation lesen. Der Sound ist toxisch brillant.
Ich habe den Roman in meiner Literatursendung bei egoFM vorgestellt – ihr hört die Show hier im Stream (ohne Musik).











