
unbegreifbar – Gedanken zur Osternacht 2026
Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Mit der Auferstehung Jesu feiern die Christinnen und Christen etwas Unbegreifbares.
Die Entdeckung des leeren Grabes durch Maria von Magdala und die Frauen, die sie begleitet haben, ist der Wendepunkt der Katastrophe des Karfreitag.
Die Erfahrung, dass das Leben den Sieg über den Tod davon trägt, muss überwältigend gewesen sein.
Deswegen können wir dem Tod ins Angesicht lachen.
Dazu ein paar Ostergedanken im Sinne des risus paschalis, des Osterlachens.

Karsamstag

Zwischen Grab und Morgen
Karsamstag
ist der Tag
an dem der Himmel
nicht antwortet.
Die Gebete
fallen nicht zu Boden,
sie hängen nur irgendwo
im Schweigen
zwischen Stein
und Atem.
Gestern war noch
Schmerz,
heute ist nur
dieses leere Dazwischen,
dieser Raum,
in dem man nichts festhalten kann
außer die eigene Sehnsucht.
Die Welt macht weiter.
Irgendwo fährt ein Bus.
Irgendwo deckt jemand den Tisch.
Irgendwo lacht ein Kind.
Und doch liegt über allem
dieses seltsame Wissen:
Es ist noch nicht vorbei,
aber es ist auch noch nicht gut.
Karsamstag
ist der Glaube
ohne Beweis.
Das Warten
ohne Applaus.
Die Liebe,
die bleibt,
obwohl das Licht
verschwunden ist.
Vielleicht ist das heilig:
nicht immer stark zu sein,
nicht immer sicher,
nicht immer voller Hoffnung.
Vielleicht ist Gott
auch hier,
im Aushalten,
im Nichtwissen,
im stillen Zimmer
der erschöpften Herzen.
Vielleicht sitzt er
mitten in unserer Nacht
und sagt noch nichts,
weil selbst die Stille
manchmal schon
eine Form von Treue ist.
Und morgen,
vielleicht morgen,
wird der Stein nicht das letzte Wort haben.
Aber heute
lebt der Glaube davon,
dass selbst im Grab
schon etwas ruht,
das einmal Leben
heißen wird.
Weist Jesu Auferstehung auf etwas Grundlegendes hin?

Das Echo des Urknalls im leeren Grab: Ist die Wirklichkeit purer Geist?
Seit Jahrtausenden starrt die Menschheit in den nächtlichen Sternenhimmel und stellt sich die drei Ur-Fragen: Woher kommen wir? Wer sind wir? Und woraus besteht das, was wir „Realität“ nennen? Während die Naturwissenschaften den materiellen Rahmen vermessen, die Philosophie die Tiefe des Ichs auslotet und die Theologie nach dem Sinn dürstet, deutet sich heute eine faszinierende Synthese an. Vielleicht ist das Universum kein gigantisches Uhrwerk aus toter Materie, sondern ein bewusstseinsgeprägtes Phänomen, in dem die Auferstehung Jesu kein historischer Zufall, sondern die finale Enthüllung der kosmischen Struktur ist.
Der Urknall und die Ohnmacht der Materie
Die moderne Kosmologie führt uns zurück zum Singularitätspunkt, dem Urknall. Doch je tiefer wir graben, desto flüchtiger wird die Materie. Der Physiker und Nobelpreisträger Max Planck brachte es in seinem Vortrag „Das Wesen der Materie“ auf den Punkt:
„Es gibt keine Materie an sich. Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft […] Wir müssen hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.“
Wenn aber der Urgrund des Seins geistiger Natur ist, dann ist der Urknall nicht bloß eine physikalische Explosion, sondern der Akt einer Selbstmanifestation. Die Naturwissenschaft stößt hier an eine Grenze, die sie allein nicht überschreiten kann: Sie kann das Wie der Expansion erklären, aber niemals das Warum der Existenz.
Das Rätsel des Bewusstseins: Wer schaut durch unsere Augen?
Wir sind womöglich nicht nur Beobachter des Universums; wir sind möglicherweise das Universum, das sich seiner selbst bewusst wird. Die Philosophie nennt dies das „Harte Problem des Bewusstseins“. Wie kann aus grauer Hirnsubstanz das farbige Erleben eines Sonnenuntergangs entstehen?
Der Philosoph Arthur Schopenhauer erkannte bereits, dass die Welt, wie wir sie wahrnehmen, nur „Vorstellung“ ist. Hinter der materiellen Hülle sah er den „Willen“ – eine treibende, metaphysische Kraft. Wenn wir aus unseren Augen schauen, blickt nicht eine biologische Maschine in die Welt, sondern der kosmische Geist blickt in seinen eigenen Spiegel. Das Ich ist keine isolierte Insel, sondern ein Wellenkamm auf dem Ozean des universellen Bewusstseins.
Die Auferstehung als „Evolutionssprung“ des Geistes
Hier schlägt die Brücke zur Theologie. Wenn die gesamte Schöpfung auf Geist basiert, dann ist Materie lediglich eine vorübergehende Verdichtung dieses Geistes. In diesem Licht erscheint die Auferstehung Jesu in einem völlig neuen Glanz. Sie ist kein biologisches Wunder gegen die Naturgesetze, sondern der Durchbruch einer höheren Ordnung der Wirklichkeit.
Der Theologe und spätere Papst Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) formulierte dies in seiner „Einführung in das Christentum“ visionär:
„Auferstehung ist nicht die Rückkehr in die biologische Lebenszeit, sondern der Ausbruch aus der Gefangenschaft des Todes in die totale Weite des Gotteslebens. Sie ist ein Evolutionssprung, in dem eine neue Dimension des Menschseins erreicht wird.“
Die Auferstehung wäre demnach die Bestätigung der These, dass der Geist über die Materie triumphiert, weil die Materie von Anfang an nur ein Derivat des Geistes war. Jesus wäre somit der „Prototyp“, der zeigt, dass die physische Form nur eine Maske der eigentlichen, unzerstörbaren geistigen Existenz ist.
Synthese: Ein Universum aus Licht und Information
Könnte es sein, dass das gesamte Universum eine Art „göttlicher Gedanke“ ist? In der Quantenphysik lösen sich feste Teilchen in Wahrscheinlichkeitswellen und Information auf. Wenn alles aus Information besteht, wer ist dann der Sender?
Die Verbindung von Philosophie, Naturwissenschaft und Theologie legt nahe:
- Der Urknall ist der Beginn der materiellen Ausformung des Geistes.
- Das Bewusstsein ist die Rückkehr des Geistes zu sich selbst.
- Die Auferstehung ist die Demonstration der Souveränität des Geistes über seine materielle Form.
Vielleicht ist die Welt tatsächlich so aufgebaut, wie es die Mystiker aller Zeiten ahnten: Wir leben in einem sakramentalen Universum. Alles Sichtbare ist ein Zeichen einer unsichtbaren Wirklichkeit. Wenn wir also nach dem Sinn fragen, finden wir ihn nicht in den Atomen, sondern in der Struktur der Liebe und des Geistes, die diese Atome überhaupt erst in den Tanz des Daseins ruft. Die Auferstehung ist damit die Chiffre für die wahre Natur der Welt: Alles Schwere, Materielle und Vergängliche ist nur die Vorbereitung auf eine Existenz, die reinem Licht und reinem Geist entspricht.
Das „Warum“ der Schöpfung ist demnach kein mathematisches Rätsel, sondern eine Einladung zur Transzendenz. Wir sind nicht Staub, der denkt, sondern Geist, der für eine Weile Staub trägt, um die Schönheit der Begrenztheit zu erfahren, bevor er wieder in die Unendlichkeit erwacht.
Opfer – Gedanken zum Karfreitag 2026
Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Warum musste Jesus am Kreuz sterben?
Was ist der Sinn dieses grausamen Todes, dieser Hinrichtung?
Wie können wir Christinnen und Christen das verstehen?
Ein Opfer für unsere Sünden? –
Dazu ein paar Karfreitags-Gedanken.

Freiheit und Opfer: Wenn Kreuz auf Seder trifft

Es kommt nicht oft vor, dass der Terminkalender der Weltreligionen so perfekt synchronisiert ist wie heute. Während die einen den Seder-Teller vorbereiten, gedenken die anderen der Kreuzigung Jesu. Auf den ersten Blick wirken ein fröhliches Befreiungsfest und ein stiller Trauertag wie Gegensätze, aber wer genauer hinschaut, merkt: Die beiden Feste sind untrennbar miteinander verwoben.
Pessach: Der Ausbruch in die Freiheit
Pessach ist die Feier der Befreiung. Es erinnert an die Zeit, als das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten ausgezogen ist. Im Zentrum steht das Wort „Passah“, was so viel wie „Vorüberschreiten“ bedeutet. Die Erzählung besagt, dass der Todesengel an den Häusern der Israeliten vorbeiging, weil deren Türpfosten mit dem Blut eines Lammes markiert waren.
Für junge Leute heute ist die Message von Pessach immer noch extrem aktuell: Es geht darum, Ketten zu sprengen und Unterdrückung nicht einfach hinzunehmen. Es ist ein Fest der Hoffnung, das zeigt, dass selbst die mächtigsten Systeme ins Wanken geraten, wenn der Wunsch nach Freiheit groß genug ist.
Karfreitag: Ein Ende, das ein Anfang ist
Der Karfreitag ist für Christen einer der wichtigsten Tage im Jahr, auch wenn er sich erst einmal schwer anfühlt. Es geht um den Tod von Jesu am Kreuz. In der christlichen Theologie wird dieser Moment nicht als bloßes Scheitern gesehen, sondern als ein freiwilliges Opfer.
Statt einer komplizierten Theorie lässt es sich so sagen: Gott zeigt sich hier solidarisch mit jedem Menschen, der leidet, Angst hat oder sich verlassen fühlt. Jesu Weg ans Kreuz ist der radikale Versuch, die Spirale aus Gewalt und Schuld zu durchbrechen. Es ist ein Tag, der uns zwingt, hinzusehen, wo es in der Welt wehtut, anstatt wegzuschauen.
Das Bindeglied: Der Tisch und das Lamm
Der Zusammenhang zwischen beiden Festen ist kein Zufall. Das Abendmahl, das Jesus mit seinen Freunden feierte, war ein Pessach-Mahl. Die Symbolik wurde dabei quasi „geupdated“:
- Das Lamm: Bei Pessach rettete das Blut des Lammes vor dem Tod. Im Christentum wird Jesu selbst als das „Lamm Gottes“ bezeichnet, das die Menschen von inneren Zwängen und Schuld befreit.
- Vom Pharao zur Angst: Während es beim jüdischen Fest um die Befreiung von einem realen Unterdrücker (dem Pharao) geht, weitet der Karfreitag diese Idee aus. Es geht um die Befreiung von der Angst vor dem Tod und der Trennung von Gott.
Beide Feste feiern also im Kern das Gleiche: Den Weg aus der Dunkelheit ins Licht. Ohne Pessach gäbe es keinen Karfreitag, denn die Geschichte der Befreiung aus Ägypten ist das Fundament, auf dem die Geschichte von Jesus überhaupt erst steht.
Warum das heute wichtig ist
Dass beide Feste am 3. April 2026 zusammenfallen, ist eine starke Erinnerung daran, wie sehr wir miteinander verbunden sind. Es geht nicht um religiöse Grabenkämpfe, sondern um die gemeinsame Suche nach Sinn und Freiheit.
Egal, ob man an Gott glaubt oder nicht: Die Idee, dass nach einer dunklen Nacht – egal ob Sklaverei oder Kreuzigung – ein neuer Morgen kommt, ist eine Kraftquelle, die wir alle gebrauchen können. Es ist die Einladung, heute kurz innezuhalten und sich zu fragen, welche inneren Ketten wir vielleicht heute sprengen wollen.
Stiller Aufbruch – Gedanken zum Gründonnerstag 2026
Sehen Sie hier eine Andacht von Dekan Walter Jungbauer aus der altkatholischen Kirche.
Gestern haben sich jüdische Menschen in aller Welt mit dem Pessach-Fest der Befreiung aus der Sklaverei der Pharaonen erinnert, des Auszugs aus Ägypten, des Exodus, und des Aufbruchs ins gelobte Land.
Für Christinnen und Christen ist der heutige Gründonnerstag Anlass für einen Gottesdienst im Kirchenjahr, an dem wir uns in besonderer Weise des letzten Mahles Jesu mit seinem engsten Kreis am Pessach-Fest erinnern.
Dazu ein paar Gedanken an diesem besonderen Festtag.

Grau und grauer

Also alle, die aktuell irgendwie weggefahren sind, wo es nicht so aussieht, haben ja einiges richtig gemacht.
Ich gehöre dummerweise nicht dazu.
Allerdings passt das Wetter dann spätestens morgen zum Karfreitag. Insofern: eine win-situation. Allerdings keine win-win-situation, denn das hieße ja, dass das Wetter heute auch passen müsste, was es ja leider nicht tut oder zumindest nicht hier (sondern nur an allen anderen Orten auf der Welt. Aber nicht hier.)
Wie woke ist Gott?

Es ist eine der tiefsten theologischen Einsichten, dass die Fülle der Schöpfung kein additives Beiwerk ist, sondern ein notwendiger Spiegel der göttlichen Unendlichkeit. Wenn wir die unüberschaubare Vielfalt der Arten, Kulturen, Identitäten und Lebensformen betrachten, blicken wir nicht auf ein Chaos, sondern auf die „Artikulation Gottes“ in der Materie und im Geist.
1. Die Vielfalt als theologische Notwendigkeit (Thomas von Aquin)
Bereits im Mittelalter erkannte Thomas von Aquin, dass ein einzelnes Geschöpf niemals ausreichen könnte, um die Güte Gottes darzustellen. Gott schuf die Vielheit, damit das, was dem einen fehlt, durch das andere ergänzt wird.
„Denn da die göttliche Güte durch eine einzige Geschöpfart nicht genügend dargestellt werden konnte, hat Gott viele und verschiedene Arten von Dingen hervorgebracht, damit das, was dem einen an der Darstellung der göttlichen Güte fehlt, durch das andere ergänzt werde. Denn die Güte, die in Gott einfach und geeint ist, ist in den Geschöpfen geteilt und vielfältig.“
(Thomas von Aquin, Summa Theologiae I, q. 47, a. 1)
Wer also die Vielfalt – sei sie biologisch, kulturell oder in der Identität des Menschen – ablehnt, verkennt, dass Gott sich gerade in der Differenz mitteilt. Ein Gott, der nur das Uniforme wollte, wäre ein Gott, der seine eigene Unendlichkeit leugnet.
2. Gott als Raum der Freiheit (Jürgen Moltmann)
Sieht man sich die Gedanken von Jürgen Moltmann an, der in seiner Schöpfungslehre den kabbalistischen Begriff des Zimzum aufgreift. Damit Gott Raum für eine Welt schaffen kann, die nicht er selbst ist, muss er in sich selbst „Platz machen“. Gott ist kein monolithischer Block, sondern ein trinitarisches Beziehungsgeschehen, das sich öffnet.
„Gott schafft die Welt nicht ‚außerhalb‘ seiner selbst, sondern er lässt aus sich selbst heraus Raum für seine Schöpfung. Er ist ein Gott, der in seiner Liebe weit wird, um dem Anderen, dem Verschiedenen, dem Endlichen eine Heimat zu geben.“
(Vgl. Jürgen Moltmann, Gott in der Schöpfung, S. 94)
In dieser trinitarischen Weite ist Platz für jede Form des Seins. Wenn Gott selbst in sich „Raum schafft“, dann ist die Exklusion von Menschen aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder ihrer Andersartigkeit ein Akt, der sich gegen die göttliche Gastfreundschaft richtet.
3. Die Schönheit der Ordnung in der Vielfalt (Augustinus)
Schon Augustinus von Hippo sah in der Verschiedenheit der Dinge eine „universale Harmonie“. Für ihn war das Universum wie ein großes Gedicht, dessen Schönheit gerade aus den Kontrasten entsteht.
„Denn wie das Gegeneinanderstellen von Gegensätzen dem Gedicht eine gewisse Schönheit verleiht […], so wird die Schönheit des Ganzen aus einer Art von Antithesen aufgebaut, gleichsam durch die Beredsamkeit nicht der Worte, sondern der Dinge.“
(Augustinus, De civitate Dei, XI, 18)
Wenn wir heute über Gender-Diversität oder die Komplexität menschlicher Psyche sprechen, dann sind dies moderne Ausdrucksformen dieser „Antithesen“ oder Differenzen, die das Gesamtbild der Menschheit erst vervollständigen.
4. Die Identität im Werden (Dorothee Sölle und Karl Rahner)
Gegen eine statische Sicht des Menschen, die alles in starre Schubladen pressen will, ließe sich mit Karl Rahner argumentieren, dass der Mensch ein „Hörer des Wortes“ ist, dessen Wesen in der Offenheit auf das unendliche Geheimnis Gottes besteht. Der Mensch ist nicht fertig; er ist ein Entwurf.
Dorothee Sölle radikalisierte dies in ihrer Befreiungstheologie. Für sie ist Gott keine repressive Ordnungsmacht, sondern die schöpferische Kraft des Lebens selbst.
„Gott will nicht, dass wir alle gleich sind wie Soldaten in Uniform. Er ist der Gott des Lebens, und Leben bedeutet Veränderung, Vielfalt und das Aufbrechen alter Krusten.“
(Vgl. Dorothee Sölle, Gott denken, S. 120)
Widerstand gegen die Vielfalt als Widerstand gegen Gott
Wer Probleme mit gendergerechter Sprache oder der Diversität von Lebensentwürfen hat, beruft sich oft auf eine vermeintliche „natürliche Ordnung“. Doch die christliche Tradition – von den Kirchenvätern über die Scholastik bis zur Moderne – lehrt uns: Die Ordnung Gottes ist keine Uniformität, sondern eine Communio (Gemeinschaft) der Verschiedenen.
In der Trinität sehen wir, dass Gott in sich selbst Differenz ist (Vater, Sohn, Geist) und dennoch eins. Wenn wir Menschen in ihrer Transgeschlechtlichkeit oder ihrer Vielfalt ablehnen, verletzen wir das Bild Gottes (Imago Dei), das gerade darin besteht, dass der Mensch fähig ist, in seiner Einzigartigkeit Teil eines größeren Ganzen zu sein.
Wie Irenäus von Lyon sagte:
„Die Herrschaft Gottes ist der lebendige Mensch; das Leben des Menschen aber ist die Anschauung Gottes.“
(Irenäus, Adversus haereses, IV, 20, 7)
Und dieser lebendige Mensch ist in der heutigen Welt eben bunt, vielfältig und in ständigem Wandel begriffen – so wie der Geist Gottes, der weht, wo er will. Jede Angst vor dieser Vielfalt ist letztlich eine Angst vor der Größe Gottes selbst.
Gründonnerstag: Mehr als nur Brot und Wein

Gründonnerstag ist der Abend, an dem sich alles entscheidet. Jesus sitzt mit seinen Freunden zusammen, um das Passahfest zu feiern – eigentlich eine traditionelle Erinnerung an die Befreiung aus der Sklaverei. Doch dieses Mal ist die Stimmung anders. Es liegt eine Spannung in der Luft, die weit über ein normales Abendessen hinausgeht. Es ist der Moment, in dem aus einer alten Tradition etwas völlig Neues entsteht.
Ein Abschied, der zum Anfang wird
Mitten im Essen tut Jesu etwas, das die Welt bis heute prägt: Er nimmt Brot und Wein und gibt ihnen eine Bedeutung, die unter die Haut geht. Er sagt nicht einfach „Guten Appetit“, sondern verknüpft diese Grundnahrungsmittel direkt mit seinem eigenen Leben und seinem kommenden Schicksal.
Es geht dabei um Hingabe. Jesus macht deutlich, dass er sich selbst für die Menschen gibt. Das ist keine abstrakte Theorie, sondern etwas zum Anfassen und Schmecken. Er bricht das Brot, so wie sein eigener Weg ihn in die Zerbrechlichkeit führt. Das Abendmahl ist der Moment, in dem die Liebe Gottes buchstäblich greifbar wird. Er stiftet eine Gemeinschaft, die über den Tod hinaus Bestand hat.
Füße waschen: Status auf den Kopf gestellt
Bevor sie überhaupt essen, passiert etwas völlig Unerwartetes: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße. Damals war das der Job für die untersten Bediensteten, eine Arbeit, die sich sonst niemand freiwillig ausgesucht hätte. Damit stellt er die gewohnte Rangordnung komplett auf den Kopf.
Sein Mandatum (daher kommt der Name „Maundy Thursday“ im Englischen) ist das neue Gebot der Nächstenliebe. Er zeigt, dass wahre Größe nicht bedeutet, oben zu stehen oder Macht über andere zu haben, sondern für andere da zu sein. In einer Welt, die heute oft extrem auf Selbstinszenierung und Status fixiert ist, wirkt diese Geste wie ein heilsamer Schock. Es geht darum, sich die Hände schmutzig zu machen, statt nur auf den eigenen Vorteil zu schauen.
Warum das heute noch zählt
Vielleicht fragst du dich, was ein 2000 Jahre altes Essen mit deinem Leben im Jahr 2026 zu tun hat. Die Antwort liegt in der Sehnsucht nach echter Gemeinschaft. Wir sind digital so vernetzt wie nie zuvor, fühlen uns aber oft trotzdem isoliert. Das Abendmahl erinnert uns daran, dass wir für reale Verbindungen gemacht sind.
An diesem Tisch hat jeder einen Platz – auch der, der zweifelt, und sogar der, der später den Verrat begeht. Diese radikale Akzeptanz ist genau das, was unsere Gesellschaft heute braucht: Räume, in denen wir nicht perfekt sein müssen, um dazuzugehören. Es ist eine Einladung, Masken fallen zu lassen und Teil von etwas Größerem zu sein.
Ein Ausblick in die Nacht
Wenn wir heute an diesen Abend denken, feiern wir kein verstaubtes historisches Event. Wir feiern die Zusage, dass wir selbst in unseren dunkelsten Stunden nicht allein gelassen werden. Der Gründonnerstag führt uns zwar in die Stille und die Ungewissheit der Nacht, aber er tut das mit dem Geschmack von Gemeinschaft auf den Lippen. Es ist das Versprechen, dass die Hoffnung und die Liebe am Ende stärker sind als Einsamkeit und Angst.
Nah und fern

Die einen in Spanien, die anderen in den Niederlanden, und ich frage mich: Was machen wir hier eigentlich noch?
Na ja, nächste Woche ist ja auch noch eine Woche. Vielleicht geht es dann ein bisschen in die Ferne.
Andererseits: Wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt?
Und wiederum andererseits: Warum in der Nähe bleiben, wenn auch in der Ferne das Gute liegt?
Schuldschein: Sünde

Der Begriff “Sünde” ist nicht mehr in Mode
und entzieht sich leider der heutigen Zeitgeist-Methode.
Auch wenn das Wort nicht mehr greift,
es dennoch jeden einzelnen Menschen schleift!
Die Sünde entsprang unser´m Besserwissen
und hat die Beziehung zwischen Mensch und Gott zerrissen.
Die Folgen der Trennung sind bis heut´ unendliches Leid
und rauben uns die gottgewollte Freiheit!
Zorn, Zank, Zwietracht und vieles mehr,
machen dem Menschen ohne Gott das Leben schwer.
Keiner kann die Schuldschein-Forderung bezahl´n
und sich selbst aus dem Dilemma zieh´n!*
Um endgültig diese Gerichtsnot zu wenden,
begann Gott seinen Sohn** auf die Erde zu senden.
Er, der nie schuldig wurde, büßte für unsere Schuld,
stellvertretend mit göttlicher Liebe und Geduld!
Gottes Gerechtigkeit wurde damit Genüge getan,
damit wir endlich frei würden von der Sünde Wahn.
Gott schenkt seither im Glauben volle Vergebung;
durch seine Gnade eine wiederhergestellte Beziehung!
*Auch durch “gutes Leben” besiegen wir die Sündenschuld nicht!
**Was vor 2000 Jahren auf dem Hügel Golgatha (Kreuzigung) geschah,
ist für alle Menschen aller Generationen getan. Damit wird der gerechte Gott
nur denen vergeben, die sein Erlösungswerk in Jesus Christus glaubensvoll
(als Geschenk) annehmen und sich IHM anvertrauen. 1.Mose 3; Joh.3,16; 14,6
Ingolf Braun
Papst Leo verzichtet auf US-Staatsbürgerschaft

Himmlische Kündigung
Der Vatikan wird ein Stückchen exklusiver: Papst Leo hat offiziell beschlossen, seine US-Staatsbürgerschaft abzulegen. Künftig möchte das Kirchenoberhaupt ausschließlich als Bürger des Vatikans geführt werden. Damit zieht er die Konsequenz aus seinem wachsenden Unmut über die politische Linie in Washington. Vor allem das Gebaren von Donald Trump scheint dem Pontifex so sauer aufgestoßen zu sein, dass er nun lieber auf die Vorzüge eines amerikanischen Passes verzichtet, um ein deutliches Zeichen zu setzen.
In Kirchenkreisen heißt es, der Papst habe keine Lust mehr, Teil eines politischen Systems zu sein, dessen Werte er nur noch schwer mit der Lehre Jesu vereinbaren kann. Anstatt sich weiter mit den Launen des Weißen Hauses herumzuschlagen, konzentriert er sich nun voll und ganz auf seinen kleinen, aber feinen Stadtstaat. Die Steuererklärung für Onkel Sam dürfte damit ebenfalls der Vergangenheit angehören – ein Umstand, der im Vatikan hinter vorgehaltener Hand als „kleines Wunder“ gefeiert wird.
In Washington reagierte man gewohnt direkt. Gerüchten zufolge wird dort bereits geprüft, ob man dem Papst im Gegenzug die Einreiseerlaubnis für künftige Staatsbesuche entzieht oder ihn zumindest durch die Standard-Sicherheitskontrolle schickt. Leo hingegen zeigt sich gelassen. Wer den Schlüssel zum Himmelreich verwaltet, braucht sich um ein fehlendes Visum für Florida wohl kaum Sorgen zu machen. Die Schweizergarde bereitet sich derweil darauf vor, künftig noch genauer hinzuschauen, wer an die Pforten des Apostolischen Palastes klopft.
Ein letztes Amen
Am Ende bleibt ein Pontifex, der lieber in einer Gated Community mit Mauern aus dem Mittelalter lebt, als Teil der modernen Supermacht zu sein. Ob dieser Schritt die Politik in den USA ändern wird, ist fraglich. Klar ist jedoch: Im Vatikan ist man nun unter sich, und der Heilige Vater muss sich bei der nächsten Wahl zumindest keine Gedanken mehr darüber machen, wo er sein Kreuzchen setzt. Im Zweifel reicht ihm jetzt ein Blick nach oben.
1.4.2026
Neuer Morgen

Guter Gott,
dieser neue Morgen liegt vor mir wie ein offenes Fenster.
Ich danke dir für das Licht,
für den Atem,
für alles, was heute neu beginnen darf.
Begleite mich in diesen Tag.
Schenke mir Ruhe, wenn es hektisch wird,
Geduld, wenn Dinge nicht gelingen,
und Freude, auch die kleinen guten Momente zu sehen.
Bewahre mein Herz vor Härte
und meinen Mund vor Worten, die verletzen.
Lass mich freundlich sein, klar im Denken
und wach für das, was wirklich zählt.
Segne die Menschen, denen ich heute begegne.
Sei bei denen, die Sorgen tragen,
die müde sind, krank sind oder nicht weiterwissen.
Und wenn ich mich verliere im Lärm des Tages,
dann hol mich zurück in deine Nähe.
Denn du bist da,
am Anfang dieses Morgens
und in allem, was kommt.
Amen.
Abendlicht

Guter Gott,
der Tag liegt nun hinter mir,
mit allem, was schön war,
und mit allem, was mich noch beschäftigt.
Ich komme zu dir,
nicht perfekt, nicht fertig,
sondern einfach so, wie ich bin.
Mit meiner Müdigkeit,
mit meinen Gedanken,
mit meiner Dankbarkeit
und auch mit dem, was schwer auf mir liegt.
Danke für alles Gute dieses Tages:
für freundliche Worte,
für kleine Momente der Freude,
für Bewahrung,
für Kraft,
für das, was gelungen ist.
Und wo ich unruhig bin,
bitte schenke mir Frieden.
Wo ich enttäuscht bin,
bitte schenke mir Trost.
Wo ich schuldig geworden bin,
bitte schenke mir Vergebung.
Wo ich Angst vor morgen habe,
bitte schenke mir Vertrauen.
Segne die Menschen,
die mir nah sind.
Segne auch die,
um die ich mich sorge.
Sei bei den Kranken,
bei den Einsamen,
bei den Erschöpften
und bei allen,
die heute Nacht nicht zur Ruhe kommen.
Lege deinen Frieden
über mein Herz,
über dieses Haus,
über diese Nacht.
Und wenn ich schlafe,
bleibe du wach über mir.
Amen.
Wieviel Wolf wollen wir wirklich?

Der Vorfall in der Hamburger Innenstadt hat eine Urangst geweckt, die wir in Deutschland lange Zeit nur noch aus Märchenbüchern kannten. Ein Wildtier, das in einer Einkaufspassage in Panik gerät und eine Frau beißt, ist ein deutliches Signal. Es zeigt uns, dass die Trennung zwischen unserem geschützten Lebensraum und der ungestörten Natur immer mehr verschwimmt. Während Naturschützer die Rückkehr des Wolfes als großen Erfolg feiern, fragen sich immer mehr Menschen: Wo ziehen wir die Grenze?
Die ethische Frage: Mensch gegen Tier
In der aktuellen Debatte prallen zwei Denkweisen aufeinander, die kaum zu vereinen sind. Auf der einen Seite steht der Schutz einer Art, die wir fast ausgerottet hätten. Auf der anderen Seite steht das höchste Gut unserer Gesellschaft: die Sicherheit des Menschen, insbesondere unserer Kinder.
Es ist eine moralische Pflicht, das Leben eines Menschen als unendlich wertvoll anzusehen. Wenn wir vor der Wahl stünden, ein Kind zu retten oder ein ganzes Wolfsrudel zu schützen, gäbe es für die meisten Menschen kein Zögern. Ein Menschenleben lässt sich nicht mit Zahlen oder ökologischem Nutzen aufwiegen. Deshalb ist die Sorge, was passiert, wenn ein Wolf ein spielendes Kind angreift, keine bloße Panikmache. Es ist eine berechtigte Frage nach der Verantwortung des Staates, der seine Bürger schützen muss.
Ein schwieriges Miteinander
Wir müssen uns klarmachen, dass Deutschland ein extrem dicht besiedeltes Land ist. Wir haben keine endlosen Wälder wie in Kanada oder Sibirien. Dass der Wolf nun in Städte wie Hamburg vordringt, zeigt, dass der Platz für ihn eng wird. Wenn die Tiere ihre natürliche Scheu verlieren, hat das schlimme Folgen für das Sicherheitsgefühl der Menschen.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass wir verlernt haben, mit Raubtieren umzugehen. Ein Wolf ist kein „böses“ Tier, aber er ist auch kein „lieber“ Hund. Er handelt nach Instinkten. Wenn er in die Enge getrieben wird oder Menschen als harmlose Nahrungsquelle ansieht, wird er gefährlich. Hier darf es keine falsche Romantik geben.
Die neuen Regeln der Vernunft
Die Politik hat bereits reagiert. Mit der Entscheidung des Bundesrates vom März 2026, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, wurde ein wichtiger Schritt getan. Es geht dabei nicht darum, den Wolf erneut auszurotten. Es geht darum, ihm Grenzen zu setzen.
- Wölfe, die sich Menschen nähern, müssen konsequent vergrämt oder geschossen werden.
- Die Population muss so gesteuert werden, dass der Siedlungsraum der Menschen sicher bleibt.
- Die Weidetierhaltung darf durch den Wolfsschutz nicht wirtschaftlich zerstört werden.
Dieser Weg ist notwendig, um den sozialen Frieden zu wahren. Wenn wir den Schutz des Tieres über die Sicherheit der Menschen stellen würden, würde die Akzeptanz für den Naturschutz in der Bevölkerung komplett in sich zusammenbrechen.
Ein Blick nach vorn
Wir stehen an einem Wendepunkt. Die Rückkehr des Wolfes kann ein Gewinn für die Natur sein, aber nur dann, wenn der Mensch dabei nicht auf der Strecke bleibt. Ethisches Handeln bedeutet auch, Gefahren frühzeitig zu erkennen und zu handeln, bevor es zur Tragödie kommt.
Wir müssen eine Balance finden, in der der Wolf seinen Platz im Wald behalten darf, aber unmissverständlich lernt, dass unsere Dörfer, Städte und Spielplätze tabu sind. Nur durch eine mutige und ehrliche Politik, die das Leben des Menschen an die erste Stelle setzt, kann ein Zusammenleben auf Dauer funktionieren. Der Wolf ist zurück – nun müssen wir zeigen, dass wir in der Lage sind, dieses Zusammenleben mit Verstand und Klarheit zu steuern.

Ein ungleiches Trio

Vom „eleganten Erich“ zum globalen Galgenhumor:
In der Rückschau wirkt Erich Honecker wie eine harmlose Slapstick-Figur. Doch wie der Historiker Martin Sabrow analysiert, war dieser Wandel kein Zufall, sondern das Ergebnis eines tiefen Falls. Ob Wladimir Putin und Donald Trump jemals diesen Status erreichen, ist angesichts der aktuellen Weltlage im Frühjahr 2026 eine höchst interessante Frage.
Erich Honecker: Der Sturz in die Bedeutungslosigkeit
Honecker war über Jahrzehnte ein disziplinierter Machtmensch. Dass er zur Witzfigur wurde, verdankt er dem Moment, als sein System implodierte. Laut Sabrow gibt es dafür drei Gründe:
- Der biologische Verfall: Das Bild des greisen, starrsinnigen Mannes passte nicht mehr zur dynamischen Welt von 1989.
- Die absurde Diskrepanz: Sätze wie „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ wirkten angesichts der leeren Regale und der flüchtenden Bürger nur noch grotesk.
- Das fehlende Dämonische: Im Vergleich zu den monströsen Verbrechen der NS-Zeit wirkte die SED-Diktatur am Ende eher wie eine „Spießerdiktatur“, was den Spott als Befreiung ermöglichte.
Wladimir Putin: Das Grauen hinter der Fassade
Im März 2026 ist das Lachen über Putin fast unmöglich geworden. Die Zahlen der gefallenen und verwundeten russischen Soldaten haben schwindelerregende Höhen erreicht. Während namentlich rund 206.000 Gefallene durch Recherchen von BBC und Mediazona bestätigt sind, schätzt der ukrainische Generalstab die Gesamtzahl der russischen Personalverluste (Gefallene und Verwundete) inzwischen auf rund 1,3 Millionen Soldaten.
Putin wirkt heute isoliert, bittet seine Oligarchen um Milliarden-Spenden für den Staatshaushalt und klammert sich an seine „Frühjahrsoffensive“. Doch solange er Raketen auf Kyjiw regnen lässt, fehlt ihm die Voraussetzung für die „Honecker-Witzfigur“: die Harmlosigkeit. Putin bleibt dämonisch, weil seine Machtlosigkeit sich nicht in Strohhüten, sondern in einer gefährlichen Eskalationsspirale äußert.
Donald Trump: Ein extravagantes Unikat im Weißen Haus
Donald Trump befindet sich im März 2026 in der Hochphase seiner zweiten Amtszeit. Er ist die einzige Figur, über die bereits gelacht wird, während er noch an der Macht ist. Doch dieses Lachen hat sich gewandelt. Seit den US-Angriffen auf den Iran Ende Februar 2026, die den aktuellen Iran-Krieg auslösten, ist der Spott bitterer geworden.
Trump droht heute offen mit der Zerstörung der iranischen Energie-Infrastruktur, während er gleichzeitig behauptet, die Diplomatie laufe „hervorragend“. Er ist ein – sagen wir mal so: unkonventionelles Unikat, ein Mann, der Regierungsentscheidungen per Social Media verkündet und gleichzeitig die größte Atommacht der Welt in einen neuen Regionalkrieg führt. Das Lachen über ihn ist kein Zeichen von Überlegenheit, sondern ein nervöser Reflex auf eine unberechenbare Weltpolitik.
Wann beginnt das Lachen?
Der Vergleich zeigt: Wir können erst dann über einen Machtmenschen lachen, wenn er uns nichts mehr anhaben kann. Honecker ist Geschichte, eine abgeschlossene Episode. Putin und Trump hingegen gestalten gerade eine Gegenwart, die durch horrende Opferzahlen und neue Kriege geprägt ist.
Vielleicht werden Historiker im Jahr 2050 über Trumps Tweets oder Putins lange Tische scherzen – aber heute, im Jahr 2026, bleibt uns oft nur der Galgenhumor als letzter Schutzwall gegen die Realität.
Verwendete Quellen:
- Mediazona / BBC Russian Service (27.03.2026): Aktualisierte Bilanz der bestätigten russischen Verluste.
- Generalstab der Streitkräfte der Ukraine (30.03.2026): Bericht über die geschätzten Gesamtkampfverluste (ca. 1.296.700 Personen).
- Financial Times / Die Presse (März 2026): Berichte über Putins Finanzforderungen an russische Oligarchen.
- PBS News / AP (30.03.2026): Berichterstattung über Trumps Drohungen gegen die iranische Energieinfrastruktur.
- Landeszentrale für politische Bildung BW (März 2026): Chronologie des Ukraine-Konflikts und der globalen Auswirkungen des Iran-Kriegs.
- ZDFheute (März 2026): Analysen zur militärischen Lage in Osteuropa.
- Martin Sabrow: Erich Honecker. Das Leben davor (C.H. Beck) & aktuelle Analysen zum Image Honeckers.
Zur Passion Christi

Oft vertont und verfilmt, in diesen Tagen der Heiligen Woche Gegenstand der kirchlichen Liturgie: die Passion, die bestens (auch weit über das Christentum hinaus) bekannte Geschichte des Leidens und Sterbens unseres Herrn Jesus Christus, die Geschichte seines Todes am Kreuz. Was kann man dazu sagen?
Es herrscht „Sprachnot in der Soteriologie“ angesichts des Kreuzes. Das Heil hat Pause – allem Anschein nach. Stille Betroffenheit im Anblick des gottverlassenen Herrn. Es endet die Liebe vermeintlich im Hass, die Hinrichtung lässt nach menschlichem Ermessen keine Hoffnung auf Heil zu. Die Existenz des einen Menschen schlechthin stellt die Existenz aller in Frage: Was wird aus uns, wenn selbst unser Gott dem Bösen und dem Leid unterliegt? Und dennoch beten wir als Christen: Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Hoffnung. Wie passt das zusammen?
Das Spannungsverhältnis von Leid und Heil ist eine Zerreißprobe. Sie könnte zeitlich aufgelöst werden. Jetzt: Kreuz, also Leid, später: Auferstehung, also Heil. Das hieße aber, Gott habe sich am Kreuz ganz kurz mal verabschiedet von den Menschen, zurückgezogen von der Welt. Diese Annahme begegnet uns etwa bei Dietrich Bonhoeffer. So schreibt er in einem Brief vom 16. Juli 1944: „Vor und mit Gott leben wir ohne Gott. Gott läßt sich aus der Welt herausdrängen ans Kreuz, Gott ist ohnmächtig und schwach in der Welt“. Weil wir ihn ablehnen, reagiert Gott mit Rückzug.
Dagegen steht das Postulat des bedingungslosen Vertrauens auf die Fügungen Gottes angesichts seiner Unergründlichkeit. Dieses zerfällt in zwei Aspekte. Zunächst steht die Erkenntnis und Akzeptanz der tiefen Unergründlichkeit Gottes, die schon der Apostel Paulus eindrücklich beschrieb: „O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege!“ (Röm 11,33).
In diesem Sinne gäbe es keine Auflösung des Spannungsverhältnisses von Leid und Heil. Wir sind schlechterdings nicht berechtigt, den Sinn des Leids zu ergründen oder Gott sogar anzuklagen. Daraus folgt dann, wenn man weiter an Gott glauben will, das bedingungslose Vertrauen auf Gott.
Je mehr die Theodizeefrage als Frage nach der „Gerechtigkeit Gottes“ angesichts des Bösen und des Leids – nichts Geringeres verbirgt sich ja im Kreuz – zur Ketzerfrage erklärt wird, weil sie, wie schon Kant betonte, die menschliche Ratio überfordert und, so Hermann Lübbe, „religiös überflüssig“ und „religionsgeschichtlich belanglos“ sei, ja, sogar gefährlich, da sie sich, wie Lübbe im Anschluss an Odo Marquard betont, potentiell in Totalitarismus verkehre, umso stärker drängt sich die Frage nach der Überwindung auf und umso stärker rückt die Dimension des Heils als möglichen letzten Sinns von Leid in den Blick.
Im Anschluss daran treibt die Kritik am Postulat göttlicher Allmacht den Perspektivenwechsel von der universalen Ursachenforschung hin zur individuellen Überwindung des Leids und nimmt den Menschen selbst in die Verantwortung. Was einerseits als „Umgehungsversuch“ kritisiert wird, um weiterhin „ohne Gewissensbisse die Existenz eines gütigen Gottes“ behaupten zu können, erscheint andererseits als die eigentliche Essenz theologischen Nachdenkens über das Leid: nicht Erklärung, sondern Überwindung. Und dies möglichst konkret. Am konkretesten geschieht die Überwindung – wie wir wissen – in der Auferstehung und dem Ewigen Leben als Antwort Gottes auf die Kreuzigung Christi.
Es gilt also nicht mehr Leibnizens Erklärung für gelingende Kontingenzbewältigung in unendlicher Perspektive, gleichsam eine Draufsicht auf den Weltenlauf, die nur Gott hat und wir Menschen, die wir im Hier und Jetzt leiden, eben nicht. Aus dem metaphysisch begründeten Heil der Welt wird das persönlich erfahrene Leid und das daraus unmittelbar erwachsene Heil des menschgewordenen Gottes in der Welt, eines Gottes, der sich für diese Wandlung selber wandelt und den Kriterien Raum und Zeit unterwirft und dabei phasenweise seine Allmacht aufgibt, wie Hans Jonas andeutet. Dies geschieht in schwacher Form in der Schöpfung, in der Erschaffung des Menschen als sein Abbild (Gen 1,26-27) und in starker Form in seiner Menschwerdung in Jesus Christus.
Auch die Passion Christi bleibt freilich eine Antwort auf die Frage nach dem Ursprung des Leids schuldig. Sie zeigt aber die Möglichkeit seiner Überwindung auf, was mit Jonas als Herausforderung für eine in Verantwortung tätige Menschheit verstanden werden muss.
Das Spannungsverhältnis von Leid und Heil lässt sich aber auch am Kreuz auflösen, gerade im Moment des größten Leids zeigt sich dann das größte Heil. Die erneute Identifikation Gottes mit dem Menschen: Er wird wie wir (Krippe) und bleibt wie wir (Kreuz). Krippe und Kreuz müssen immer zusammengedacht werden.
Der Gekreuzigte ist die personifizierte Theodizee. Der gekreuzigte und verlassene Jesus lässt uns durch sein Leid eine andere Perspektive auf unser Leid einnehmen. Gleichzeitig erfährt auch der Gekreuzigte die Gottferne des modernen Menschen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ (Mt 27,46). Hier lohnt sich nun ein genauer Blick auf die Formel, die Jesus wählt. Sie kann – wie oben bereits erwähnt – zum Schlüssel eines neuen Verständnisses werden.
Jesus zitiert hier Psalm 22,2. Im Aramäischen lautet diese Frage elāhī, elāhī, lemā schebaḳtáni, in deutscher Umschrift, die auf der griechischen Transkription des Evangelisten Markus basiert, wird daraus elōi, elōi, lema sabachthani. Im hebräischen „Original“ lautet die Stelle אֵלִ֣י אֵ֭לִי לָמָ֣ה עֲזַבְתָּ֑נִי (eli, eli, lāmā azavtāni) – ganz ähnlich also, vor allem hinsichtlich des Wortes, um das es geht: lemā oder lāmā (לָמָ֣ה). Das Wort lāmā wird von Luther mit „warum“ oder „weshalb“ übersetzt. Das ist auch richtig so. Wenn man sich jedoch das hebräische Fragewort einmal genauer anschaut, zerfällt es in zwei Bestandteile: das Wort mā (מָ֣), das „was“ bedeutet, und die Vorsilbe le (לָ, Lamed mit Schwa mobile; sprich etwa: „lö“) – hier mit Qāmäs vokalisiert (langes „a“, in der Umschrift: ā). Das Wörtchen le oder lā ist eine Präposition, die mit „für“, „zu“, „hinsichtlich“, „in Bezug auf“ übersetzt werden kann. Wortwörtlich bedeutet lāmā also so viel wie „für was“ oder „zu was“. Man könnte lāmā also auch mit „wofür“ oder „wozu“ übersetzen.
Damit bekommt die Frage Jesu eine teleologische Note. Es geht damit nicht mehr um den Grund, sondern um den Zweck, um das Ziel des Kreuzestods, um die Absicht, die Gott damit verbindet. Was hast Du, Gott, mit mir vor? Zu was soll das alles gut sein? Wohin soll das führen? An die Stelle des übermächtigen, erschlagenden Warum tritt das bescheidenere, richtungsweisende Wozu.
Doch angesichts des malum morale von Krieg und Terror und des malum physicum verheerender Naturkatastrophen erfahren wir eine Gottferne, aus der heraus sich nicht so leicht das klagende, hadernde Warum? in ein zukunftsgerichtetes Wozu? verwandeln lässt. Die Theodizeefrage bleibt, dies zu leugnen hieße, das Problem zu verharmlosen.
Wir vermögen aber angesichts des Kreuzes zu erahnen, dass Gott uns nicht verlassen hat, auch, wenn wir seine Nähe nicht spüren, denn wir glauben, dass alles Leid, das uns widerfährt, bereits im Leiden des Gekreuzigten enthalten ist und nichts mehr hinzutreten kann zu diesem Leid, das notwendig war für das Heil der Welt und die ganz persönliche Vollendung Christi, die in den letzten Worten deutlich wird: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30) und – als Ausdruck der Geborgenheit – „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46). Unser Leid erhält genau darin einen Sinn, dass es Teil der Nachfolge Christi und damit Teil des Heilsplans Gottes ist.
Josef Bordat
Der Pappkamerad von Herrn Papperger

Armin Papperger ist ein vielbeschäftigter Mann. Seit der Zeitenwende ist er der ungekrönte König der deutschen Rüstungsindustrie, ein Mann, dessen Selbstbewusstsein proportional zu den Aktienkursen von Rheinmetall gewachsen ist. Doch wenn man so hoch auf seinem Panzer thront, leidet offenbar gelegentlich die Sicht auf das, was am Boden passiert – besonders, wenn es dort flink, günstig und effizient zugeht.
In einem Anflug von rheinischer Gemütlichkeit erklärte Papperger dem US-Magazin The Atlantic, dass das, was die Ukrainer da an Drohnen zusammenbasteln, eigentlich nur „Hausfrauen-Lego“ sei. In Küchen mit 3D-Druckern produziert, ohne jede echte Innovation. Ein niedliches Hobby also, während die echten Männer in Düsseldorf an hochkomplexen Systemen feilen, die so innovativ sind, dass sie vor allem durch astronomische Preise und Liefertermine im nächsten Jahrzehnt glänzen.
Es ist schon eine besondere Form von Humor, wenn der Chef eines Konzerns, der beim Thema Drohnenabwehr und Künstliche Intelligenz derzeit eher die Rücklichter der Konkurrenz bestaunt, über mangelnde Innovation spottet. Während die „Hausfrauen“ in der Ukraine die modernste Armee der Welt vorführen, verbringt man bei Rheinmetall die Zeit offenbar lieber damit, Skyranger-Flugabwehrpanzer zu planen, die so weit in der Zukunft geliefert werden, dass man sie bis dahin vermutlich schon als Oldtimer zulassen kann.
Das Verteidigungsministerium hat den Witz übrigens verstanden: Bei der letzten Ausschreibung für Kamikazedrohnen durfte Rheinmetall zuschauen, während Millionen an Start-ups gingen. Vielleicht hätten die Düsseldorfer Ingenieure mal in einer ukrainischen Küche vorbeischauen sollen, um zu lernen, wie man Dinge baut, die tatsächlich fliegen und nicht nur in Hochglanzbroschüren gut aussehen.
$2,000 Ukrainian housewife kitchen drone takes out a $30,000 Russian Shahed drone.
— Igor Sushko (@igorsushko) March 30, 2026
Meanwhile US and allies used upwards of 6 Patriot missiles, costing $3 million each, to intercept an identical drone in the Middle East. pic.twitter.com/H0ddG6SRHE
Es bleibt die Erkenntnis: Wer auf das „Lego“ anderer herabblickt, sollte sicherstellen, dass sein eigener Baukasten nicht nur aus heißen Versprechen und Pappkameraden besteht.
Selenskyj brachte es am Ende glänzend auf den Punkt:
„Wenn jede Hausfrau in der Ukraine Drohnen bauen kann, kann auch jede ukrainische Hausfrau Rheinmetall-Chef werden.“
Rheinmetall-Chef Papperger nennt ukrainische Drohnen Hausfrauen-Lego. Die beste Antwort auf diesen arroganten Stuss kommt von Selenskyj „Wenn jede Hausfrau in der #Ukraine Drohnen bauen kann, kann auch jede ukrainische Hausfrau Rheinmetall-Chef werden. https://t.co/BHGRgDyRfk
— Konrad Schuller (@SchullerKonrad) March 30, 2026
Quelle ZEIT
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