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#MWSvernetzt: Einblicke in das MWS-Fellowship am DHI Rom

Die MWS-Vernetzungsfellowships ermöglichen es den Mitarbeitenden der MWS, bei einem mehrwöchigen Aufenthalt andere Standorte der Stiftung kennenzulernen. In der Reihe „#MWSvernetzt“ erzählen Fellows von ihren Erfahrungen. In dieser Folge berichtet Aylin Zafer aus Istanbul über ihre Erlebnisse und Erfahrungen am Deutschen Historischen Institut in Rom.

Welchen MWS-Standort haben Sie besucht und was war Ihre Tätigkeit dort?

Blick auf einen parkähnlichen Garten mit geradem Weg, der von hohen Pinien gesäumt ist. Zwischen den schlanken Baumstämmen liegen gepflegte Rasenflächen und einzelne Sträucher. Die Sonne scheint, und über den Baumwipfeln ist ein klarer blauer Himmel zu sehen.
Der Garten des DHI Rom.

Ich habe den Oktober 2025 am Deutschen Historischen Institut in Rom verbracht und dort sowohl in der Bibliothek bei Jan-Peter Grünewälder als auch im Bereich Digital Humanities bei Jörg Hörnschemeyer hospitiert. Das Orient-Institut Istanbul möchte seine Kompetenzen im Bereich Digital Humanities (DH) ausbauen, daher bot sich ein Austausch mit dem DHI Rom an, das bereits über umfassende Erfahrungen in DH-Projekten verfügt.

So begann meine Tätigkeit mit einer Einführung in die Bibliothek und ihren Workflow, in den auch der Digitalisierungsprozess für den eigenen Bestand integriert ist. Zudem bekam ich Einblicke in ihre anspruchsvolle Systemarchitektur und hatte die Gelegenheit ihre neu eingerichtete Digitalisierungswerkstatt zu besichtigen und auszuprobieren. Der Aufenthalt bot auch die Möglichkeit, sich über die alltägliche Arbeit in einer wissenschaftlichen Spezialbibliothek auszutauschen.

Im Bereich Digital Humanities beschäftigte ich mich mit verschiedenen Softwarelösungen für unterschiedliche technische Anforderungen. Eine meiner Aufgaben bestand darin, diese Werkzeuge, von Metadatenmanagement über Repositorienverwaltung bis zur Gestaltung digitaler Ausstellungen, zu sichten und zu bewerten. Mit aus Istanbul mitgebrachtem Material, eine kleine Abhandlung aus den 1930ern, konnte ich außerdem im Bereich Texterkennung und TEI-Kodierung arbeiten und daraus eine kleine digitale Edition gestalten.

Blick über das Forum Romanum in Rom mit antiken Säulen, Ruinen und Wegen zwischen grünen Flächen. Im Hintergrund stehen historische Gebäude und eine Kuppelkirche unter einem hellen, leicht bewölkten Himmel.
Das Forum Romanum in Rom.

Darüber hinaus ermöglichte mir der Aufenthalt den fachlichen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen der Bibliothek. Sowohl das DHI Rom als auch das Orient-Institut Istanbul verfügen über musikwissenschaftliche Bestände, was andere Anforderungen an die Erschließungsarbeit stellt. Die Einblicke in die paläographische Sammlung und die Arbeitsschritte der Buchrestaurierung waren für mich eine neue und sehr interessante Erfahrung.

Auch außerhalb der Bibliothek war der Aufenthalt für mich sehr bereichernd: Gleich zu Beginn nahm ich am Betriebsausflug zum Rocca Respampani in Monte Romano teil, wo ich die Gelegenheit hatte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts kennenzulernen. Im Rahmen des Romkurses konnte ich an Führungen durch das Staatsarchiv der Stadt Rom sowie zum Thema „Faschistische Aneignung Roms und der römischen Antike“ teilnehmen. Weitere Höhepunkte waren Treffen mit dem Bibliotheksverbund Urbis – dem Verbund der internationalen Forschungsinstitute Roms, in denen die Verbundpartner über ihre jeweiligen DH-Projekte referiert haben. Auch in der Hertziana gab es eine Veranstaltung zum digitalen Publizieren, was thematisch ganz gut zu meinem Aufenthalt gepasst hat.

Inwiefern hat sich Ihre Arbeit dort von Ihrem sonstigen Arbeitsalltag unterschieden und wie können Sie diese Erfahrungen für Ihre Arbeit am eigenen Standort nutzbar machen?

In Istanbul bin ich primär für die Formalerschließung diverser Medientypen zuständig. Zwar habe ich mich auch in Istanbul in die verschiedenen Stationen der Digitalisierung eingearbeitet, dennoch bot mir der Aufenthalt in Rom die Möglichkeit, mich über einen längeren Zeitraum ausschließlich dieser Thematik zu widmen. Dadurch konnten meine Fähigkeiten und Kenntnisse enorm erweitert werden. Dabei geht es nicht nur darum etwa Inhouse-Lösungen für spezifische Forschungsprojekte zu entwickeln. Auch in der Zusammenarbeit mit Projektpartnern ist es wichtig, die technischen und konzeptionellen Grundlagen selbst zu verstehen. Der Austausch mit dem DHI Rom war deshalb besonders wertvoll: Dort gibt es eine etablierte Routine im Umgang mit DH-Projekten und den entsprechenden Softwarekomponenten, von deren Erfahrungen ich stark profitieren konnte.

Zurück in Istanbul ergaben sich sofort konkrete Anwendungsmöglichkeiten, etwa bei Projekten, in denen HTR-Technologien getestet oder digitale Editionen von Spezialbeständen vorbereitet wurden. Es hat mich überrascht und erfreut, dass aus „verstaubten Kisten“ Bestände aufgetaucht sind, die nicht im konventionellen Sinne bibliothekarisch erschlossen werden können, sich jedoch für interessante Editionsprojekte anbieten. Der Aufenthalt hat also unmittelbar zur Erweiterung der Handlungsoptionen am OII beigetragen.

Innenhof mit historischer Architektur in Rom: Im Mittelpunkt steht eine helle barocke Kirche mit hoher Kuppel und schlankem Turmaufsatz. Arkadengänge rahmen den Hof auf beiden Seiten, und scharfe Sonneneinstrahlung wirft einen großen Schatten über die Fassade. Darüber spannt sich ein klarer, intensiv blauer Himmel.
Der Palazzo della Sapienza.

Ebenso bereichernd war der kollegiale Austausch über Bestandsaufbau und -pflege. Beide Institute haben musikwissenschaftliche Sammelschwerpunkte, was Perspektiven für eine künftig engere Zusammenarbeit bietet. Zudem hat das OII gerade eine langjährige Phase des Umbaus und des Umzugs hinter sich gelassen, diese Erfahrungen konnte ich mit den Kolleginnen und Kollegen in Rom teilen, deren Bibliothek sich ebenfalls gerade auf ein großes Umbauprojekt vorbereitet.

Programme wie das Vernetzungsfellowship zeigen, wie fruchtbar persönlicher Kontakt ist. Berührungsängste verschwinden und Kooperation entsteht in direktem Umgang miteinander. Ich bin zuversichtlich, dass der enge Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen in Rom auch über das Fellowship hinaus bestehen bleibt.

Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Stadt, die Sie besucht haben?

Rom ist eine faszinierende Stadt, in der man gerne stundenlang durch die malerischen Straßen irren mag und den ganzen Glanz und die Schönheit der kulturellen Denkmäler auf sich wirken lassen will. Besonders viel Zeit habe ich im Park der Villa Borghese verbracht, von der aus man bei Sonnenauf- und -untergang einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt besitzt. Auch die Villa Doria Pamphilj, unweit des Instituts, wurde für mich zu einem Ort für morgendliche Spaziergänge vor Arbeitsbeginn.

Am schönsten waren jedoch die gemeinsamen Momente mit den Kolleginnen und Kollegen des DHI Rom, von angeregten Kaffeepausen bis zu ihren zahlreichen Tipps zu versteckten Orten, gutem Eis und bestem Kaffee. Diese Gastfreundschaft hat meinen Aufenthalt geprägt. Mein besonderer Dank gilt Jan-Peter Grünewälder und Jörg Hörnschemeyer sowie dem gesamten Bibliotheksteam – Antonio, Christina, Christine, Liane, Martina und Roberto – für die herzliche Aufnahme und der wundervollen Zusammenarbeit.

Max Weber Stiftung
Max Weber Stiftung
The Max Weber Foundation promotes global research, focused on the areas of social sciences, cultural studies and the humanities. Our… Weiterlesen

OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren:
Max Weber Stiftung (13. Juli 2026). #MWSvernetzt: Einblicke in das MWS-Fellowship am DHI Rom. [gab_log] Geisteswissenschaft als Beruf. Abgerufen am 20. Juli 2026 von https://doi.org/10.58079/16kfh


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