SHOCK WAVES schiebe ich nun schon seit ziemlich genau zwei Jahrzehnten vor mir her. Grund für die Zurückhaltung waren die doch eher verhaltenen Rezensionen, die den Film stets als eher ereignisarm und für einen Zombiefilm vor allem unblutig bewerteten. Vor allem letzteres war gerade in meiner Jugend noch ein schwer wiegender Makel und im Grunde genommen Ausschlusskriterium. Heute ist das zum Glück anders und da schätze ich an Wiederhorns Film vor allem dieses Understatement, die irgendwie unfreundliche, albtraumhafte, nicht richtig greifbare Atmosphäre, die sein SHOCK WAVES verströmt, und die manch Unbedarfter, dessen Antennen nicht richtig justiert sind, als „Langeweile“ und „Blutarmut“ bezeichnen mag.
Heute werden Nazis im Film ja regelmäßig grotesk überzeichnet und so sehr die realen Vorbilder dies mit ihrer bizarren, Science-Fiction- und Okkultismus-Ansätze verbindenden Philosophie von Menschenzucht und Selektion, den SM-Uniformen und der Vorliebe für schnarrenden Akzent und markige Sprüche auch nahelegen mögen, der Horror, den sie mehr als ein Jahrzehnt lang in Europa verbreiteten, tritt hinter solchem Firlefanz dann doch immer wieder in den Hintergrund. Filme wie der nervige DØD SNØ oder IRON SKY (lieber schneide ich mir was ab, als den zu gucken) benutzen Nazis als popkulturelle Ikonen, die ein diffuses Gemisch unterschiedlicher Signale aussenden: irgendwie komische Typen, mit einem gewissen Stilbewusstsein und einem Hang zu Perversion, One-Liner und creative killings ausgestattet, eine ideale Kombination für die Gorebauern-Schlachtplatte. In SHOCK WAVES kommen die Nazis hingegen deutlich abstrakter, enigmatischer daher: Ja, sie tragen Uniformen, sind allesamt platinblond, gehen ihrem Mordhandwerk mit schweigsamer Effizienz nach und sind das Ergebnis von makabren Experimenten, aber als Witzfiguren taugen sie überhaupt nicht.
Das muss eine Gruppe Schiffbrüchiger erfahren, die auf einer anscheinend verlassenen Insel landen. Ein alter deutscher SS-Mann (Peter Cushing), der einzige Bewohner, klärt sie dort darüber auf, dass die Gewässer um die Insel von dem von ihm im Zweiten Weltkrieg befehligten „Toten Corps“ heimgesucht werden, einer Nazi-Spezialeinheit, die zum Überleben unter Wasser speziell für den U-Boot-Krieg modifiziert wurden. Diese Unterwasser-Nazis, mittlerweile zombifiziert, freuen sich über die neuen Opfer, die sie nun nacheinander zu sich ins nasse Grab zerren. Das ist eine zugegebenermaßen schwer schluckbare Prämisse, die aber genau deshalb funktioniert, weil Wiederhorn sich gar nicht lang damit aufhält, sie weiter zu erklären und vergeblich glaubhaft zu machen. Richtig unheimlich sind die Nazis nicht, dazu ist das Bild ihrer aus dem Wasser auftauchenden Blondschöpfe dann doch etwas zu grell, aber es ist eben die Unterkühltheit und Distanziertheit, mit der sie inszeniert werden, die SHOCK WAVES ausmacht. Die Erlebnisse der Schiffbrüchigen werden als Erinnerung der einzigen Überlebenden in Rückblende erzählt und das legt von Anfang an einen eisigen Schleier über den Film. Die Musik von Richard Einhorn, die ich hier mal vorsichtig als „europäisch“ bezeichnen würde, trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei, dass SHOCK WAVES entgegen seines Comic-Plakats und der nach Slapstick-Humor schreienden Grundidee tatsächlich sehr unfreundlich, ungemütlich und irreal rüberkommt. Kein vergessenes Meisterwerk, dafür ist er in seiner ganzen Plotabwicklung dann doch zu stromlinienförmig, aber ein hübscher kleiner Querschläger, der mehr mit den italienischen Karibikfilmen von Joe D’Amato gemein hat als mit dem typisch US-amerikanischen Scareflick für die Halloween Season.
Es gibt sie also noch, die mir noch unbekannten Slasherfilme der „klassischen Phase“, die ich nicht nur so durchwinken muss, auf meiner Mission, alle dieser Teile irgendwann mal gesehen zu haben, sondern die mich tatsächlich positiv überraschen. Die nicht unerheblichen Stärken von Bill Froehlich sind einfach umrissen: Er erliegt nicht dem Trugschluss, dass die gut abgehangene Story um einen unbekannten Killer, der die Mitglieder eines Horror-Filmteams dezimiert, wahnsinning aufregend ist. Ferner ergeht er sich zur Kompensation dieser Tatsache auch nicht im unproduktiven Rumgematsche. Nein, er legt seinen Film als Mischung aus Metakomödie und Whodunit an, die dank einer gut gelaunt aufspielenden Besetzung und eines cleveren Drehbuchs tatsächlich witzig ist.
Der eine Versuch eines massentauglichen Kannibalenfilms. Hier sieht man, wo die Wurzeln eines der berüchtigten Genres überhaupt lagen: im Abenteuerfilm. LA MONTAGNA DEL DIO CANNIBALE hat dann auch alle Zutaten, die zünftiger Eskapismus braucht, von den kernigen Typen Stacy Keach und Claudio Cassinelli über den fiesen, feigen Schmierlappen Antonio Marsina hin zur schönen damsel in distress Ursula Andress. Da geht es in khakifarbener Camel-Trophy-Kleidung, die dumpf glotzenden eingeborenen Wasserträger im Schlepptau, macheteschwingend hinein in die grüne Hölle, wo jeder Schritt der letzte sein kann. Von jedem Baum hängt eine tödliche Falle, wenn man mal hinfällt, stürzen sich größenwahnsinnige Taranteln auf einen, am Wegesrand spielt sich die spektakuläre Show des Fressens und Gefressen-Werdens ab, Darwin zum Anfassen. Abends am Lagerfeuer bei Hottentottens gibt es Rotzschnaps, während bebastrockte Mädels den weißen Massa zum Beischlaf ins Tipi locken, oder wie das bei denen heißt. Alles könnte so schön sein, wären da nicht das Geraune von einem finsteren Fluch und die wachsende Gewissheit, dass der verschollene Forscher, den man sucht, längst tot ist.
Sechs lange Jahre mussten wir auf die Fortsetzung zu
Was ich eben anlässlich von
Von den „klassischen“ Kannibalenfilmen fand ich MANGIATI VIVI! immer am enttäuschendsten. Nicht zuletzt der endlos geile deutsche Titel LEBENDIG GEFRESSEN, eigentlich ja nur eine sehr korrekte Übersetzung des Originaltitels, aber eben um einiges härter, animalischer, atavistischer und sensationalistischer klingend, hat in mir immer Erwartungen geweckt, die er dann nie so recht zu erfüllen vermochte. Das hat sich leider auch nach über 20 Jahren nicht geändert, auch wenn ich nach Lenzis Tod vor knapp vier Wochen gern zu einer anderen Ereknntnis gekommen wäre. Sein Reißer, mit dem er nach einigen fulminanten Poliziotteschi in den Siebzigern sein nicht mehr ganz so ruhmreiches Spätwerk einleitete, ist ein heute vergleichsweise zahm anmutender Kannibalen-/Abenteuerfilm, der aus seiner reizvollen Story nicht wirklich viel zu machen weiß.
Ein Taxifahrer vergewaltigt seine weiblichen Fahrgäste und filmt sie dabei. Um seiner Lust nachzugehen, wird er immer einfallsreicher: So baut er eine Düse in sein Fahrzeug ein, aus der ein Betäubungsgas ausströmt, das seine Opfer lahmlegt, während er sich durch Tragen einer Gasmaske schützt. Eines seiner Opfer ist eine Ehefrau, die nach dem Erlebnis einen Rape-Fetisch entwickelt, der die Beziehung zu ihrem Mann gefährdet, und ihre Schwester auf dumme Gedanken bringt …
Eine junge Frau, eine Kunstschmiedin, wandert über ein marode und rostig aussehendes Hafengelände und steigt schließlich in ein kleines Boot. Ein Mann in einem schwarzen Motorradanzug, dessen Gesicht durch den schwarzen Helm verdeckt bleibt, steigt zu ihr, überwältigt sie und beginnt sie mit dem Griff seines Messers zu vergewaltigen. Erinnerungen an einen Safe steigen in ihr hoch und das Bild einer schwarz behandschuhten Hand, die in ihn hineingreift. Ist das nur ein Albtraum oder ist das alles tatsächlich passiert? Wer ist die schwarz vermummte Gestalt?
Ein 160 Minuten langes, unabhängig produziertes dialoglastiges Schwarzweiß-Kammerspiel aus dem Jahr 1975? Ganz klar, da hat ein Künstler sein Lebenswerk in Szene gesetzt, einen lang gehegten Traum in Bilder gegossen. Wahrscheinlich eine werkgetreue Literaturverfilmung, ein autobiografisch angehauchter Film über die Erfahrungen der Eltern während des Dritten Reichs vielleicht? Irgendetwas Tiefsinniges auf jeden Fall, etwas Kompliziertes, das den Regisseur an den Rand des Nervenzusammenbruchs und in die Verschuldung trieb, ein Werk der Selbstaufopferung für die Schönheit der Kunst. Nun ja, nicht ganz. Oder doch? THUNDERCRACK! ist ein Hardcore-Porno und wollte man so etwas wie ein zentrales Thema herausarbeiten, dann wären das wahrscheinlich Einsamkeit und die daraus resultierende sexuelle Perversion, die dann in der Liebe eines Mannes zu einem Gorilla namens „Medusa“ kulminiert.