Zu Beginn droht DIRECT HIT sich als einer dieser furchtbaren Tarantino-Klone zu entpuppen, die nach dem Erfolg von PULP FICTION wie Pilze aus dem Boden schossen. Zwei Killer, der kurz vor dem Ausstige stehende Ex-CIA-Mann Hatch (William Forsythe) und sein heißsporniger, junger Nachfolger Deets (Eddie Wilde), erhalten den Auftrag, fünf Schwerverbrecher umzulegen, die sich zum Anlass eines Waffendeals praktischerweise alle zur gleichen Zeit an einem Ort aufhalten. Bevor es losgeht, darf man Deets noch beim Fruit-Loops-Mampfen zuschauen und ihm dabei zuhören, wie er sich zu seinem aufregenden Dasein als Profikiller selbst interviewt. Er spielt ständig an seiner Sonnenbrille herum und findet sich offenkundig selbst höchst faszinierend, obwohl er doch nur furchtbare Plattitüden von sich gibt wie die, dass ein Hitman drei Dinge zu beachten haben: „Be, cool, be cool and be cool.“ Einen Moment dachte ich, DIRECT HIT könnte das PM-Pendant zum furchtbaren Donner-Film ASSASSINS werden, aber Merhi hat zum Glück anderes im Sinn. Deets wird nur Minuten später sehr trocken umgelegt, die ganze nervtötende Coolness hat ihm nichts genutzt. Dieser in wenigen Minuten vollzogene Umschwung wirkt aus erzählerischer Sicht ein wenig merkwürdig, aber ich glaube, es ging Merhi genau darum, sich von diesen neuen, „postmodernen“ Killerfilmen mit ihren sinnlos herumschwafelnden Sonnebrillenfetischisten zu distanzieren. Im Folgenden wendet er sich Hatch zu, von Forsythe als menschlicher Stein interpretiert, bei dem die wenigen Worte, die er sich abringt, dann auch tatsächlich zählen, und orientiert sich am klassischen Film Noir mit seinen Bildern ewiger Nacht sowie seiner religiös aufgeladenen Schuld-und-Sühne-Thematik.
Nachdem Hatch nämlich seinen vermeintlich letzten Auftrag erledigt hat, zwingt ihn sein Auftraggeber Tronson (George Segal) gleich noch einen weiteren zu übernehmen. Der schmierige Politiker Daniels (John Aprea) fürchtet, dass seine Karriereambitionen durch das Auftauchen eines alten Fotos, dass ihn gemeinsam mit einer Prostituierten namens Savannah (Jo Champa) zeigt, zunichte gemacht werden könnten. Hatch soll die Frau auffinden und aus dem Weg räumen. Widerwillig macht er sich auf die Suche nach er, und dieser Widerwillen wächst noch, als er nicht nur feststellt, dass sie keineswegs eine billige Hure ist, sondern liebende, aber mittellose Mutter eines Kindes. Zuerst will er sie im Beichtstuhl einer Kirche erschießn, doch dann entscheidet er sich anders. Daniels und Tronson sind not amused und setzen den fiesen Rogers (Richard Norton) auf Savannah an, doch Hatch beschließt, ihr zu helfen.
DIRECT HIT gefällt mit seiner Neonlicht-durchfluteten Nachtfotografie und seiner trauervollen, sakralen Atmosphäre. Hatch wandelt als hoffnungslos Verlorener durch diese Vorhölle, der die letzte Chance wittert, wieder Mensch zu werden. Der vor allem als rasender Psycho im Jahrhundertfilm OUT FOR JUSTICE im Gedächtnis geblieben Forsythe überzeugt hier mit lupenreinem Minimal Acting als reine physische Präsenz, der der unterkühlten Atmosphäre das passend versteinerte Gesicht leiht. Leider hat man es versäumt, ihm eine avanciertere Partnerin zur Seite zu stellen. Jo Champa, als Lieblingsmodel von Versace berühmt geworden, ist ohne Zweifel ein attraktive Frau, und mit ihren dunklen Rehaugen evoziert sie männliche Beschützerinstinkte mit Leichtigkeit, aber leider fehlt ihr jede Fähigkeit, ihre Verletzlichkeit auch nur annähernd zu modulieren. Ihre Bambi-artigen Auftritte geraten mit zunehmender Spielzeit zur Geduldsprobe, zumal Merhi DIRECT HIT eben nicht als rasanten Reißer, sondern eher als gedämpftes Mood Piece inszeniert. Irgendwann hatte ich dann auch genug von den stahlblauen Nachtbildern und der heulsusigen Savannah und sehnte das von Anfang an erwartbare Ende herbei. Naja, es kann eben nicht jeder PM-Film ein Volltreffer sein. Und besser als die erwähnten Tarantino-Klone oder ASSASSINS ist DIRECT HIT dann trotzdem.
Es gibt Actionfilme, die funktionieren wie ein Sportevent oder eine Stuntshow: Man schaut den Akteuren mit offenem Mund dabei zu, wie sie sich immer neuen halsbrecherischen Herausforderungen stellen, ihre Körper durch die Gegend geschleudert, mit außer Kontrolle geratenen Maschinen wahnwitzig beschleunigt, in die Luft geworfen und angezündet werden. Und man fragt sich als Zuschauer voller zittriger Vorfreude bei jeder neuen Sensation, die da über den Bildschirm/die Leinwand flimmert, wie das noch getoppt werden soll, auch weil man weiß, dass die Filmemacher sich den echten, alles übertreffenden Höhepunkt, herkömmlicher Dramaturgie zufolge, natürlich für den Schluss aufheben. Filme, die so funktionieren, rühren an die Wurzeln des Filmemachens, als es allein die Faszination der Bewegung war, die die Menschen an ihren Sitz fesselte, und die Frage, welches Bild als nächstes laufen lernen würde. RECOIL aus dem Hause PM Entertainment ist so ein Film, ein Werk purer, unverdünnter Kinetik, ein Film, der sein „Material“ – sei es aus Blech oder aus Fleisch – einem 95-minütigen Härte- und Belastungstest unterzieht. Es ist eine Materialschlacht im klassischen Wortsinne, reine Physik, das erfolgreiche Bestehen einer einzigen größenwahnsinnigen, lebensmüden Versuchsanordnung in Sachen Zerstörung. Die Wirkung lässt sich eigentlich nur mit Drogen- und Rauschterminologie treffend beschreiben. Man schaut sich diesen Film an und schwört, noch nie etwas Geileres, Wahnsinnigeres, Spektakuläreres gesehen zu haben. Und hinter dieser Begeisterung immer diese zusätzlich kitzelnden Fragen: Habe ich das eben wirklich gesehen? Wie zum Teufel haben sie das gemacht? Wer ist so wahnsinnig, das überhaupt zu versuchen? Die Welt ist seit 2003, als PM Entertainment seine Pforten schloss, ein deutlich traurigerer Ort als zuvor.

Als AMERICAN GIGOLO am 1. Februar 1980 in den amerikanischen Kinos startete, da existierten die Achtzigerjahre noch gar nicht, wahrscheinlich noch nicht einmal als Idee in den Köpfen von Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlern. Trotzdem kann man Schraders Film heute kaum anders verstehen als als kongeniale, alles auf den Punkt bringende Zusammenfassung dieses Jahrzehnts, das gemeinhin mit überbordendem Kapitalismus, Materialismus und Narzissmus, mit Markenfetischismus, Synthiemusik, Kokain und diversen Modeentgleisungen assoziiert wird. Die Beziehung der beiden Egoisten Vicki Anderson und Thomas Crown aus Jewisons 


Vor ein paar Tagen bin ich über diesen – möglicherweise gar offiziellen? – 