Was so war im Februar

In diesem Februar nun hat es tatsächlich mal wieder Schnee gegeben. Ich gebe zu, diese Wetterlage hat auch lästige Aspekte, ich trau mich bei Glatteis nicht auf mein Fahrrad, und wenn dann auch noch der öffentliche Nahverkehr streikt, heißt es unter Umständen beachtlich früh aufzustehen. Zur Arbeit laufe ich 45 Minuten, zur Tagesgruppe des Kleinen Fundevogels waren es 70 Minuten, konnte man gefühlt nach dem Bringen gleich wieder umdrehen. Trotzdem finde ich die Forderungen von Verdi zur Verbesserung der Arbeitssituation, derer, die uns in Bus und Bahn von A nach B bringen gerechtfertigt. Schichtdienst zehrt aus, er ist nicht vermeidbar, aber die Abstände zwischen den Schichten zu vergrößern wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Dann gäbe es nicht mehr genug verfügbare Fahrer und Fahrerinnen heißt es, das ist gewiss korrekt gerechnet, aber ich kann mir vorstellen, bei einer verträglicheren Gestaltung der Schichtarbeit, werden vielleicht mehr Menschen länger in diesen Berufen verbleiben.

Den Schnee genieße ich von vorn bis hinten, feiere jede Flocke einzeln. Der Kleine Fundevogel, der Große Fundevogel und der Herr AuPair – der den ersten leibhaftigen Schnee seine Lebens zu Gesicht bekommt – sind vom Rodelberg kaum wegzubekommen. Es scheint, als mache der Klimawandel mal kurz Pause. Eine Illusion – ich weiß.

Und plötzlich ist der weiße Zauber weg. Ich streiche um das Bienenhaus herum, und flüstere bitte, bitte habt den Winter überlebt .

Das erste zaghafte Lebenszeichen sind tote Bienen auf dem Anflugbrett, nur, wo noch jemand lebt, kann sich jemand um die Toten kümmern. Und eine einzelne Biene lebt halt nicht besonders lang.

Am 25.Februar ist es dann soweit:

einzelne Honigbienen krabbeln auf einem Gitter herum, dass vor dem Einflugloch eines Bienenstocks ist

Guten Morgen ihr Schönen, fröhlichen Frühling.

Und was ist unvermeidlich nach einer so langen Ruhezeit? Genau, man muss mal, überall hinterlassen sie kleine braune Pünktchen, weshalb der erste Ausflug nachdem dem Winter im Imkersprech auch Reinigungsflug heißt.

Ich möchte im Tagebuch nachschauen, wann es letzte Jahr so weit war und da fällt mir ein, dass ich vor einem Jahr gar keine Bienen hatte und mich sehr kritisch gefragt hatte, ob es in meiner Lebenssituation nicht völlig bekloppt ist sich auch noch neue Bienen anzuschaffen, aber jetzt sitze ich mit einer Tasse Tee vor dem Stock und singe ein Loblied auf meine Unvernunft.

Scheinbar über Nacht sind sämtliche Krokusse erblüht, die Bienen tragen eifrig orangefarbene Pollenkügelchen ein , ein Zeichen, dass die Königin lebt und legt.

Andere schreiben von ersten Schmetterlingen, die sie erblickt haben, ich warte noch voll banger Ungeduld, sind Schmetterlinge doch so wenig sicher wie Schnee.

Am letzen Februartag nun bin ich arbeiten, die eine Kollegin ist kaum zu gebrauchen, starrt mehr in ihr Smartphone, als auf das was vor ihr liegt. Sie feiert, sie feiert wirklich die Bomben auf die Stadt, in der sie groß geworden ist, besser, wenn ein paar Menschen aus Versehen durch Bomben ums Leben kommen, als wenn das Regime weiter Tausende tötet.

Machst du dir keine Sorgen um deine Verwandten?, doch ihr Vertrauen in die smarte Kriegsführung ist groß.

Ich sage eigentlich nichts dazu, mit ist unbehaglich, mein Kompass findet keine Richtung, das geht mir in den letzten Jahren erschreckend häufig so.

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Gestern

Gestern war der dritte Mai, vermutlich ist das, wenn Sie diesen Text lesen werden, bereits vorgestern. Mit dem Schreiben ist das manchmal schwierig hier in diesem immer mal wieder von Koboldscharmützeln erschütterten Nest, nein es war kein schlechter Tag, nur einer der meine Präsenz verlangte.

Gestern war ein guter Tag, mein kleiner privater Feiertag gewissermaßen, denn die Mauersegler sind zurück, plötzlich kreisen sie wieder am wolkenverhangenen Himmel, als seien sie niemals monatelang über Kontinente hinweggezogen.

Ich kann ihnen zusehen bis zur völligen Genickstarre. Neben der schlichten Freude diese Sommerboten zu sehen und ihren Schreien wieder lauschen zu dürfen, ist da immer so ein Gefühl, davon gekommen zu sein, noch kommen die Mauersegler, aber bedingt durch Klimawandel und Insektensterben werden sie weniger.

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Beschützerin der Feen (ABC-Etüde)

Süßlich schwimmt Fliederduft durchs Fenster, Aprilflieder und Märzkälte, auf nichts ist mehr Verlass.

Neun ist es schon und Imke liegt im Bett. Um sechs hat sie in Nachthemd und Anorak die Hühner rausgelassen, den Hund gefüttert. Um die Bienen kümmern sich zum Glück noch immer Julian und Lilli.

Spät ist sie gestern vom Fähranleger zurückgekehrt, hatte ihren Jüngsten stolz umarmt, ihm viel Glück für sein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf der vogelprallen Insel gewünscht.

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Schneeliche Befindlichkeiten

Es hat in Hamburg geschneit, also richtig, mehr als drei Flocken, die mehr als drei Stunden liegen geblieben sind. Das hat es in neun Jahren Kleiner Fundevogeldasein so noch nicht gegeben.

Wenn Schnee liegt, ist alles etwas anders.

Wenn Schnee liegt, ist alles leiser, sogar der Kleine Fundevogel.

Einen 24jährigen (in der Tropen aufgewachsen) und einen Neunjährigen (in Hamburg in den Zeiten des Klimawandels aufwachsend) bei der ersten richtigen Schneeballschlacht ihres Lebens lachen zu hören, ist herzerfrischend.

Auf einem frisch beschneiten Rodelberg ist gegen 12 Uhr fast nichts los. Es lebe die Kurzbeschulung.

Wenn mehr los ist, ist da noch genug Weite , um mit anderen Jungs zusammen zu rodeln, ohne Streit.

Jedenfalls eine Weile.

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Schmetterlingslos

Selbst sterben wollen werde ich wohl nicht gleich, wenn die Schmetterlinge ganz verschwunden sein werden. Doch ein versehrtes Leben wird es sein, eines, in dem niemand mehr restlos glücklich durch eine blühende Sommerwiese streifen kann, in dem jeder Sonnentag ein verwundeter sein wird.

Wenn die Kriege noch so grausam tobten und das Leid der Menschen unermesslich war, in Zeiten der Seuchen und des Hungers, haben manche doch tiefen Trost gefunden im Anblick der Schmetterlinge auf den blühenden Wiesen.

In ihrer bezaubernden Leichtigkeit gelten sie als Sinnbild der Seele.

Ach möchten doch meine Minibeiträge irgendwie helfen, dass wie niemals seelenlos werden.

Diesen Text habe ich beim Aufräumen in meinem Computer gefunden. Es folgt eine ziemlich lange Liste von schmetterlingsfreundlichen Pflanzen, die ich mir zu pflanzen vornehme. Den Garten hatte ich damals noch nicht, dass sollte alles in das ziemlich schattige Vorgärtchen meiner damaligen Wohnung und „guerillamäßig“ in der Gartenanlage drumherum. Das hat mal mehr mal weniger gut geklappt. Was ist nicht alles den Mähkommandos zum Opfer gefallen, aber besonders die Frühblüher haben sich als zäh erwiesen , ich lächele ihnen zu, wenn ich dann und wann an der alten Wohnung vorbei gehe.

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Letzter Märztag

Beim Hochziehen des Rollos schimmert die morgendliche Dunkelheit.

Kleiner Fundevogel, steh auf, schau, was für eine Überraschung!

In dieser Fülle gab es das in diesem eigentlich vergangenen Winter noch nicht.

Hineingeboren in die Phase des massiven Klimawandels hat Schnee im Leben des Kleinen Fundevogels bisher keine große Rolle gespielt. Die Schlitten und Plastikrutscher, die für die Geburtstagsfeiern des Großen Fundevogels im Grundschulalter unabdingbar waren, stauben im Keller vor sich hin.

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Septemberseide

Kastaninenglanz und Kürbisgold. Kranichschrei und Wildgansruf.

Nur die Astern schlafen noch in ihren Knospen.

Wenn die Septembersonne scheint, die Hagebutten leuchten und die Spinnweben Juwelen tragen, verwandelt die Luft sich in ein seidenes Tuch, umschmeichelt die Haut, schmiegt sich weich in jede Spalte des Seins. Zu keiner anderen Zeit im Jahreskreis vermag die Luft so liebevoll zu umhüllen. Woran das liegen mag, das wüsste ich gern.

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Fremde Federn 5

„Man soll sich mit fremden Federn schmücken, solange man welche hat“, steht auf einem Kühlschrankmagneten.

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Die Zeit, die ich im Internet überaupt verbringen kann, ist kostbar geworden. Und das bisschen, das mir bleibt, verbringe ich gerade hauptsächlich in Imkereiforen, denn meine Bienen machen mir Kummer. Jetzt wo alles prall sein sollte, werden sie weniger, nehmen ab an Gewicht. Hunger lautet die aktuelle Diagnose der hilfreichen Gemeinde.

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Februarerwachen (ABC-Etüde)

Die Wortspende vom Berlin-Autor Renédümpelte hier eine ganze Weile vor sich hin, trieb ihren Schabernack mit mir. Die Wörter Schabernack, breit und erheben mochten sich zu keinem rechten Text zusammenfinden, denn der schabernackreiche Karneval fließt in Mäandern um unserer Nest herum, nur der Kleine Fundevogel hat als Kleine Hexe mit dem Pappraben Abraxas auf dem Blocksberg im Kindergarten getanzt. Weiterlesen

19.12.19

Die Mütze nachlässig in die Hecke gelegt, den Bienen beim Fliegen zugesehen, den Meisen beim Flirten, die Jacke zur Mütze geworfen.

Das Kind singt Leise rieselt der Schnee.

Der orangen Ringelblumenblüte erweist eine Hainschwebfliege Winterschwebfliege in der Luft stehende Ovation.

Eine Fliege inspiziert einen Lebkuchenrest.

Ich pflücke Salat.

Morgen In drei Tagen Wintersonnenwende steht im Kalender.


Nachtrag am 21.12: Zwei Fehler in so einem kurzen Text, das muss man erst mal schaffen.

Zur Wintersonnenwende siehe Christianes Kommentar, und dass es Winterschwebfliegen gibt, habe ich bis eben noch gar nicht gewusst. Vielen Dank, liebe Puzzleblume.

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