Die Kuscheloma (ABC-Etüde)

Frisch geduscht klingele ich an der Stationstür, desinfiziere die Hände vorsichtshalber mehrfach. Schwester Irina erwartet mich schon, ach wie schön, Anatol freut sich schon.

So einen Winzling hatte ich noch nie, sage ich und blicke beklommen auf Anatol, 1000g geschafft lese ich auf einem Luftballon, der über seinem Brutkasten baumelt, datiert auf vorgestern. 

Irina komplimentiert mich in einen Liegestuhl und sortiert routiniert den zappelnden Anatol mitsamt Schläuchen und Kabeln auf meiner Brust. Irina drückt mir noch eine Klingel in die Hand bitte nicht allein zurücklegen und wuselt zu ihren anderen Patienten. Anatol wird ruhiger, vorsichtig lege ich meine Hand auf seinen Rücken, ertaste winzige Wirbel, spüre rasche kleine Atemzüge, schaue in ein Gesichtchen, das größtenteils von Mütze und Atemmaske bedeckt ist.

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Neuigkeiten aus Cardámines Garten (ABC-Etüde)


Kurz vorm Winterschlaf, die Flügel werden schon klamm, fliegt die Fee Cardámine ein letztes Mal zu jener Wiese, die sie drei Jahreskreise zuvor gemeinsam mit der Frau Fundevogel dem Schrebergartenvorsitzendem und dem Grünflächenamt abgeschnackt hatte und wo sich seither viele Insekten tummeln. Wer sehen kann, sieht dort an lauen Sommerabenden Feen tanzen.

Aber ganz gewiss nicht bei diesem Wetter.

Außerdem ist gerade gemäht worden, nicht von der Frau Fundevogel, die das damals halb enthusiastisch-freudig, halb ängstlich-überfordert als jährliches Ehrenamt auf sich zukommen sah. Nein, das macht einer, den die Frau Fundevogel unbedingt mal treffen will, nachdem der Nachbar ihn beschrieben hat: Einen, der es bedächtig mit der Sense tue und sorgsam, das, was sich noch versamen will, stehen lasse. Dass solche Leute für das Grünflächenamt arbeiten, stimmt hoffnungsvoll.
Und erst was Cardámine erblickt! Die Fläche wird sich vervielfachen!

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Reiseantritt

Im Fundevogelest liegt ein großer schwarzer Koffer, Frau Fundevogel räumt ein, Frau Fundevogel räumt aus, räumt um, der Deckel geht trotzdem nicht zu. Sie holt zusätzlich die rote Reisetasche aus dem Keller und ihren warmen Mantel. Sie jongliert mit ihren sechs Listen, damit sie um Himmels Willen nicht das allerwichtigste vergisst. Was muss noch in den Koffer, wer versorgt die Hühner, gießt die Topfpflanzen, reichen die Überstunden? Und wer kümmert sich überhaupt um all das, um das die Frau Fundevogel sich normalerweise so kümmert.

Sind denn schon wieder Ferien?

Nee, nee Koboldkrankenhaus is calling.

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