Luthers Tintenfass (ABC-Etüde)

Guck mal, gibt es immer noch!, meine Mutter schickt mir ein Foto der Auslage des Schreibwarengeschäfts am Kirchenweg.

Penny, der ich es weiterleite, lacht:. Die Meli! Voll die Influencerin, das letzte was sie beabsichtigt hat!

Die Meli ist nun bald 15 Jahre tot, meine Eltern wohnen noch in S., sonst kenne ich dort niemanden mehr. In Melis Wohnung lebt eine russlanddeutsche Familie. Vielleicht hat meine Mutter den Kindern von Luthers Tintenfass erzählt.

Den meisten war die Meli suspekt, ihr Garten war ein bio-dynamischer Gemüsedschungel. In bunten Kleidern mit hochgesteckten Haaren ging sie auf Demonstrationen, was in unserem Reihenhaus sonst niemand tat. Kinder munkelten die Meli sei eine Hexe. Penny und ich aber halfen ihr im Garten, liebten ihren selbstgekochten Schokoladenpudding und lernten fürs Leben.

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Balladenmontag

Christiane – ja, die mit den Etüden – lädt ein am heutigen Montag eine klassische Ballade auf den Blog zu stellen.

Da ich Balladen mag und ein paar auch mehr oder weniger auswendig kann, habe ich lange hin und her überlegt, was ich nun nehme und mich für Theodor Fontanes tapferen Steuermann entschieden:

John Maynard!
„Wer ist John Maynard?“
„John Maynard war unser Steuermann,
aushielt er, bis er das Ufer gewann,
er hat uns gerettet, er trägt die Kron‘,
er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard.“

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Von Quitten und Pandas

Wenn es Herbst wird, besonders wenn es so bilderbuchbunt Herbst wird wie in diesem Jahr, will die Frau Fundevogel Quitten haben, recht viele gern, denn Herbst ohne Quittenduft ist wie Weihnachten ohne Plätzchen im Ofen

Am Obststand meines Vertrauens heißt es: Gibt keine Quitten dieses Jahr, sie sind alle verdorben Auch bei der Konkurrenz werde ich nicht fündig.

Nach keiner Honigernte 2024, nun auch kein klebriges Quittenfest?

2024 kommt in vielerlei Hinsicht als trübes Jahr daher.

Nun habe ich eine Kollegin, deren Mann hat einen Obsthof im selben Dorf wie der Marktstand meines Vertrauens. Doch es gäbe Quitten, sagt sie, durchaus genießbare Quitten, aber unverkäuflich, weil voller schwarzer Flecken, ich könne so viele geschenkt haben wie ich will.

Eine andere Kollegin fährt mich nach Hause, als sie sieht, wie ich versuche meine Quittenkiste zur Bushaltestelle zu schleppen. 

Das erste Glas Gelee ist bereits leer, denn ich wohne ja mit der orangen Maus zusammen (wenn ich das 2017 schon gewusst hätte, hätte ich den Blog Mäusenest genannt), und orange Mäuse müssen regelmäßig orangenes Quittengelee zu sich nehmen, damit der Farbton erhalten bleibt.

Orange Mäuse dürfen außerdem, wenn sie aufgeregt sind, auf gar keinen Fall berührt werden, denn dann wird es richtig schlimm, bekomme ich heute gesagt.

Ich halte mich dran und die gewaltige Aufregung, die am frühen Nachmittag über uns hinweggespült ist, ebbt ab,und langsam entsteigt eine hilfsbereite und kooperative Maus der Flut.

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