Geisterstunde (ABC-Etüde)

Fröstelkalt, doch viel zu warm für eine Februarnacht. Die Feinstaubbelastung ist hoch. Das Barometer geht in die Knie. Der Hund von rechts unten kläfft. Leise zischelt ein Spuk durch die Heizung, spuckt CO2 in die traurige Luft.

Diffus streicht durch den Kopf ein kleines Weh. Die Wärmflasche ist zu heiß geraten für die klammen Zehen.

In die Decke rollen, steinmüde eben noch, jetzt herzklopfwach.

Wisperworte, heizungsszischelnde Wisperworte verspinnen sich mit dem Weh, Licht an, Handy an, Wispern schrumpft zum Heizungszischeln.

Das hilflose Zurechtweisen der Hundebesitzer übertönt rechts unten den Hund.

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Frau Fundevogel hat Schiss

Die Renovierung des Nestes schreitet voran, weiße Türen und elefantenblaue Wände statt krikelkrakel und abgefetzter Tapeten. Weil das Leben im Nest so ist, wie es ist, stehen überall noch unausgepackte Kartons rum. Ich möchte Kekse backen und das Kochbuch ist irgendwo ganz unten links.

Die „wichtigen“ Kuchen kann ich zum Glück auswendig, der Kleine Fundevogel hat die Freude am Backen entdeckt und der Topfkuchen, den er und der zweite Herr AuPair – der solches in seinem ganzen Leben noch nicht ausprobiert hatte- während meiner Arbeitszeit gebacken hatte, mundete wirklich ganz vorzüglich.

Allen miesepetrigen Vorhersagen zum Trotz sieht das Fundevogelzimmer immer noch aus wie in den ersten Januartagen. Okay es gab ein Regal, das effektvoll umkrachend Streifen der frisch übergestrichene Tapete mit in den Abgrund riss, ein Unfall, wie er besonders in einem Haushalt mit hyperaktiven Bewohnern vorkommen kann und kein gezieltes Attentat, die Spuren ließen sich gut übermalen.

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Die Challenge (ABC-Etüde)

Heute ist der Schreibtisch dran: Billigkugelschreiber, Kontoauszüge mit DM-Beträgen, zerknitterte Prospekthüllen, Tipp-EX und Kohledurchschlagpapier fliegen in den Müll. Seit Jahrzehnten besitzt Diane keine Schreibmaschine mehr und wer schreibt im WhatsApp-Zeitalter eigentlich noch auf Luftpostpapier?

Sie legt das hauchzarte, himmelblaue Papier trotzdem zur Seite, es kann doch nichts dafür.

Abends tauschen sie sich im Internet aus, sieben Frauen, die sich vorgenommen haben in diesem Jahr nicht faul zu sein, sondern mindestens 6000 Dinge, sprich 500 im Monat, zu entsorgen, auf dass ihr zukünftiges Dasein leicht und luftdurchflutet sein möge. 

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