Streichholz

Komm mir nicht zu nahe,
ich bin der Scheiterhaufen,
für all deine Träume
und den Glauben
an Frühling und Besserung
kannst du in mir begraben,
ich bin ein Sarg
zwischen Lippen und Wirbelsäule,
mein Knochenmark die letzte Ruhe
vor dem Sturm.
Die Äste knacken wie das Platzen
deiner Tagträume.
Manchmal bist du das Benzin
und manchmal das Streichholz,
aber nie bist du unschuldig.

Neumond

Neumond, und nie ist die Nacht so dunkel wie jetzt, und nie ist die Nacht so kalt wie bei Dämmerung. Du wirst dich falsch erinnern an den Geruch meiner Haut oder meiner Haare, wenn sie nach draußen rochen. Die Straßenmalkreide klebt staubförmig an den Fingern meiner Kindheit; Inliner fahren und rote Haut von Brennnesseln. Manche Erinnerungen gehören nur mir. Wenn du besser zugehört hättest, würdest du mich in allen Versionen kennen, es reichte aber nur für die Kälte im Brustkorb und auf deinen Lippen. Dein Mund sagte so viele schöne Wörter, aber dein Herz meinte nur dich. Der Mond wird voller, jeden Monat aufs Neue, du wirst das nie verstehen, das mit Zyklen, das mit Kommen & Gehen, das mit Geben & Nehmen. Du bist eine Einbahnstraße.

träumen

Wie soll das nur
weitergehen?
wie soll das nur?
Luftlöcher und Lichtlöcher
und Schlüsselmomente
wie die Märzenbecher
im Februar.
Aber das ist auch
Schnee ohne Glöckchen
und geballte Fäuste
und zusammengebissene Zähne
bis irgendwas reißt.
Wie soll das nur
besser werden?
Aber jeder Tag wird
heller und länger
und irgendwann ist
Äquinoktium
und irgendwann ist
auch dieser Winter zu Ende.
Komm, wir träumen uns den Frühling.

Krawall

Ich gehöre zu denen, die niemals schlafen
dürfen,
schließe die Augen und Geister warten
in großen, schwarzen Autos,
selbst in Träumen schreie ich
nach Liebe,
die ich nur aus meiner eigenen
Haut kratzen kann,
Blut kenne ich besser,
deshalb wurde ich als Frau geboren,
mit der Schuld zwischen den Augen
und der Würde unter der Erde,
es wird Zeit zu graben.
An manchen Tagen werfe ich Schatten,
an anderen Tagen auch mehr.

Zweihundert

Mein Puls in den falschen Momenten,
doch Lebensgefahr ist etwas anderes,
Ich bin der Gnade ausgeliefert,
nicht meiner Knie und meiner Fingerspitzen,
sondern der meiner Wut und meiner Würde
oder noch mehr der deines Wegwerfens,
denn Vernunft ist eine Sprache,
die ich nicht mehr lernen werde.
Nur manchmal drehe ich um,
Das ist dann die echte Lebensgefahr
in Angesicht von Abgründen in Metern.

Soldaten

Ich liebte einen Soldaten, einst,
und es geht mir nicht mehr darum,
was er mit meinem Herzen angerichtet hat,
oder was er mit meinem Herzen
anrichten könnte bis heute.
Es geht mir darum,
was er mit Menschenleben angerichtet hat
und was er mit Menschenleben
anrichten könnte bis heute.
Ich liebte einen Soldaten, einst,
ich liebe das Leben mehr, jetzt.

Triggerwarning: Depression

Funny how I always thought depression is a big black hole of emptiness
when in reality it is a blue whale sitting on your chest making you unable to move.
Funny how I always thought depression is so much sadness
when in reality it is no feelings at all, just knowing that all your loved ones will some day die.
Funny how I always thought depression is not being able to leave your home
when in reality it is laughing with friends but breaking down whenever you come back home.
Funny how I always thought depression is crying all the time
when in reality it is crying even more – or not being able to cry anymore.
Funny how I always thought depression is wanting to die
when in reality it is often simply not wanting to live anymore.
(And there’s a huge difference. If you know, you know.)

Immer noch da

Ich bin immer noch da.
Während du schon längst
weiter bist. Weiter
weg. Einfach weg.
Eine Weltreise entfernt.
Kenia. Indien. Japan. Peru.
Weiter noch. Noch weiter.
Mond, Jupiter, Kepler-186f.
Eigentlich nur
eine Stadt weiter,
aber weiter als ich,
und vor allem
weg von mir.
Und ich,
ich bin immer noch da.

nur zur Sicherheit

Ziehe die Vorhänge zu bevor ich das Licht anschalte,
verknote die Schnürsenkel doppelt,
der Kalender ist immer ausgefüllt,
die Haustür zweimal abgeschlossen.

Baue Mauern breiter als hoch
und höher als Türme,
und verlasse das Haus nie ohne Regenschirm
und das Bett nie ohne Sorgen.

Solange ich hier bin
brauche ich Kontrolle.
Nur zur Sicherheit.

Unbewohnt

So viel Erschöpfung in meinen Knochen,
in meinem Herzen, in all meinen Gedanken.
Das Einzige, das ich zustande bringe, ist atmen,
und auch das nur in Teilen,
pfeifend wackelig,
als würden sich Tränen in meiner Kehle sammeln,
zusammen mit all den »ich liebe dich«s,
die ich nur aussprach als »bleib anständig«.
Mein Herz ist unbewohnt, seit du fort bist.