Mir glücklicherweise nicht mehr, ich bin großer Fan von Lebendigkeit. Aber wir im deutschsprachigen Raum wurden dahingehend schon stark geprägt, als Kinder, als Jugendliche, als Erwachsene.
Ruhig sein, still sitzen, nicht zu laut, ja nicht zu präsent sein, und auf jeden Fall angepasst sein.
Doch selbst wenn bei Kindern Bewegung und eine gewisse Lautstärke toleriert wurden, dann sollten sie dennoch auf keinen Fall zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sonst lernen sie vielleicht noch, sich selbst zu behaupten, wo kämen wir denn da hin?
Das war ganz sicher nicht überall so, das ist mir schon klar und die persönliche Bubble tut natürlich ihr übriges. Sie spielt sicherlich die zentralste Rolle.
Jedenfalls…. Jemand der lebendig ist, ist präsent. Und wenn Menschen Präsenz Angst macht, beispielsweise ein präsentes Kind, welches seine Emotionen deutlich zeigt, dann ist es nicht so gut kontrollierbar.
Also möglichst alle Emotionen und jegliche Authentizität unterbinden. Sonst müsste man sich ja noch mit dem eigenen Erleben befassen.
Wir können nicht immer dem Krieg / den Kriegen die Schuld geben, und alles dafür entschuldigen.
Wir tragen selbst Verantwortung und auch Menschen, die es schwerer im Leben hatten, tragen Verantwortung.
Was mich betrifft, ich musste es auch erst langwierig lernen, lebendig sein zu dürfen. Und diese Lebendigkeit zu schätzen lernen. Lebendig sein ist keine Behinderung ist, keine Schwäche. Nicht immer bequem. Nicht immer leicht auszuhalten.
Ich selbst kenne auch die Angst vor dem eigenen Erleben, davor, was da alles zum Vorschein kommen könnte. Doch um nichts in der Welt würde ich Lebendigkeit wieder gegen das Gegenteil eintauschen wollen.

