Wenn Lebendigkeit Angst macht

Mir glücklicherweise nicht mehr, ich bin großer Fan von Lebendigkeit. Aber wir im deutschsprachigen Raum wurden dahingehend schon stark geprägt, als Kinder, als Jugendliche, als Erwachsene.


Ruhig sein, still sitzen, nicht zu laut, ja nicht zu präsent sein, und auf jeden Fall angepasst sein.

Doch selbst wenn bei Kindern Bewegung und eine gewisse Lautstärke toleriert wurden, dann sollten sie dennoch auf keinen Fall zu viel Aufmerksamkeit bekommen, sonst lernen sie vielleicht noch, sich selbst zu behaupten, wo kämen wir denn da hin?

Das war ganz sicher nicht überall so, das ist mir schon klar und die persönliche Bubble tut natürlich ihr übriges. Sie spielt sicherlich die zentralste Rolle.

Jedenfalls…. Jemand der lebendig ist, ist präsent. Und wenn Menschen Präsenz Angst macht, beispielsweise ein präsentes Kind, welches seine Emotionen deutlich zeigt, dann ist es nicht so gut kontrollierbar.


Also möglichst alle Emotionen und jegliche Authentizität unterbinden. Sonst müsste man sich ja noch mit dem eigenen Erleben befassen.

Wir können nicht immer dem Krieg / den Kriegen die Schuld geben, und alles dafür entschuldigen.

Wir tragen selbst Verantwortung und auch Menschen, die es schwerer im Leben hatten, tragen Verantwortung.

Was mich betrifft, ich musste es auch erst langwierig lernen, lebendig sein zu dürfen. Und diese Lebendigkeit zu schätzen lernen. Lebendig sein ist keine Behinderung ist, keine Schwäche. Nicht immer bequem. Nicht immer leicht auszuhalten.

Ich selbst kenne auch die Angst vor dem eigenen Erleben, davor, was da alles zum Vorschein kommen könnte. Doch um nichts in der Welt würde ich Lebendigkeit wieder gegen das Gegenteil eintauschen wollen.

Du bist toxisch!

„Du bist toxisch!“
„Du bist zu viel!“
„Du bist nicht gut für mich!“

In der aktuellen Zeit werden Menschen diese Label schnell aufgedrückt.
Vielleicht war man lange zu lieb, zu nett, zu nachgiebig, zu unterwürfig, hat zu viel ausgehalten oder zu viel einseitig investiert – und ist nun um Erkenntnisse reicher.

Inzwischen haben wir gelernt, dass wir negative Menschen meiden sollten. Wir haben gelernt, dass wir Freundschaften und Beziehungen beenden dürfen. Dass wir uns von energieraubenden Menschen distanzieren dürfen. Das ist okay. Das sind essentielle Erkenntnisse. Abgrenzung ist wichtig, und Loslösung in bestimmten Situationen notwendig und sogar unumgänglich.

Trotzdem ist nicht jeder, mit dem wir einen Konflikt haben, gleich toxisch. Ich habe das Gefühl, dass man heutzutage sehr schnell ist, dem Gegenüber dieses Label aufzudrücken. Nicht jeder, dessen Meinung wir nicht vollumfänglich teilen ist „schädlich“. Doch heute können wir Menschen besonders leicht canceln.

Wir haben gelernt, dass wir auf uns selbst schauen dürfen. Das ist wichtig. Das heißt aber nicht, dass es in Ordnung ist, wie selbstverständlich die Ressourcen anderer Menschen zu beanspruchen und im Gegenzug (immer) zu sagen: „Du bist / das ist mir jetzt zu viel!“ Gute Beziehungen und Verbindungen sind nicht einseitig.

Das entschuldigt toxisches Verhalten nicht! Aber vielleicht sollten wir genauer hinsehen und genauer unterscheiden – wer tut tatsächlich nicht gut und welches Verhalten triggert uns vielleicht? Warum triggert uns sein oder ihr Verhalten?
Und wer ist mit uns positiv verbunden, trotz gelegentlichen Konflikten?

Wie siehst du das? Ist man heute zu schnell, zu unvorsichtig mit solchen Labeln, wie „toxisch“?

Erfolg – sollten wir nicht selbst entscheiden, wann wir erfolgreich sind?

Blogs und Podcasts vor allem 10-minütige inklusive 5-minütiger Werbung a la

„Wie du in 5 Minuten erfolgreich wirst“ fangen an mich, zu nerven.

Für einige Menschen ist Erfolg gleichbedeutend mit einem monatlichen Einkommen von 6000,00 Euro und dem Porsche vor der Haustür. Ich denke, da brauchen manche Menschen ewig, um ihr Ziel zu erreichen oder sie erreichen nie irgendein Ziel. Und Menschen, die Erfolg mit Glück gleichsetzen, werden vielleicht nie glücklich werden.

Für mich bedeutet das Auto fahren zum Beispiel zwar Freiheit, die Automarke ist mir dabei aber relativ egal. Angewiesen bin ich nicht auf ein Auto, es ist aber schön, unser gemeinsames Auto nutzen zu können.

Ziel erreicht = Erfolg?

Erfolg wird meist als die Erreichung unserer Ziele definiert. Ich denke aber, dass allein schon die Bemühung zur Erreichung unserer Ziele Erfolg sein kann. Und warum sollten wir unseren Erfolg nur auf die Erreichung eines einzigen Ziels beschränken? 🤔

Warum können wir nicht 50 kleine und große Ziele gleichzeitig verfolgen? Die Ziele können ja ruhig miteinander verbunden sein. ☺️

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Manchmal glauben wir, dass wir die Erreichung unserer Ziele nicht kontrollieren können und das Erfolg von Glück oder Zufall abhängt. Erfolg ist aber das, was du als Erfolg definierst.

Ziele dürfen auch verändert werden

Natürlich sollten deine Ziele realistisch sein, es dürfen aber genauso gut große Ziele sein. Warum sollten wir immer nur klein denken? Und warum sollten wir ein Ziel nicht auch mal verändern dürfen? Die Gesellschaft suggeriert uns oft, dass wir fest bei einem Vorhaben bleiben müssen. Ansonsten gelten wir schnell als sprunghaft, schwankend oder impulsiv. Sollte uns eigentlich egal sein, wie wir eingeschätzt werden. Ich denke außerdem, dass es auch ganz im Gegenteil von Stärke zeugt, zu wissen, wann Schluss ist. Auch vielleicht wann es an der Zeit ist, sich oder eigene Strategien zu ändern.

Die Gesellschaft lässt uns auch oft glauben, dass wir, wenn wir einen Misserfolg erlitten haben gleichzeitig unglücklich sind. Auf manche Situationen trifft das im Moment vielleicht zu, wir sollten uns und unsere Erfolge und Misserfolge aber immer hinterfragen. Im Nachhinein entstehen bekanntlich aus Misserfolgen oft Erfolge.

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Was ich damit sagen will ist, wir können das Erreichen unsere Ziele vielleicht nicht immer zu 100 % beeinflussen und kontrollieren. Wir können aber selbst entscheiden, was für uns erfolgreich sein bedeutet.

Warum Panikattacken nicht nur negativ sind

Dieser Post ist diesmal etwas privater, das Thema ist „Panikattacken“ , meine aktuelleste Erfahrung damit und warum Panikattacken nicht nur negativ, sondern auch ein Zeichen für Lebendigkeit sind.

Zugegeben, schön ist sie nicht, so eine Panikattacke. Oder mehrere. Das was ich über Panikattacken las, traf jedoch nicht im Entferntesten so zu, wie ich es selbst erlebte.

„Eine Panikattacke dauert etwa 20 Minuten, selten länger…“

Dann bin ich wohl selten. Meine Panik dauerte mehrere Stunden an. Und das an drei Tagen hintereinander. Allerdings konnte ich nicht mehr unterscheiden, ob das immer noch dieselbe Attacke ist oder schon die nächste.

„Bei der Panikattacke hat der Betroffene das Gefühl sterben zu müssen“

Nein, das eigentlich nicht, darüber konnte ich gar nicht nachdenken. Ich wollte nur, dass die Panik endlich aufhört. Damit provozierte ich aber wohl, dass die Panik immer wieder neu begann. Als ich mich beruhigt hatte, hatte ich Angst erneut Panik zu bekommen.

Anfangs war es nur mein beschleunigter Atem. Ich hatte das Gefühl zu wenig Luft zu bekommen. Dann begannen meine Arme zu kribbeln, danach die Beine, mir wurde schwindelig. Nicht einmal laufen war mehr möglich, meine Beine fühlten sich an, wie Pudding. Meine Selbstberuhigung schlug fehl und mein Atem gehorchte mir nicht mehr. Allerdings konnte ich mich auch nicht wirklich darauf konzentrieren, langsamer zu atmen. Zuviel Kino im Kopf. Es war schon eine Art Kontrollverlust. Und gleichzeitig war es Leben. Es war ein mich Spüren können. Ich konnte meinen Körper spüren und das war mir vorher lange nicht möglich.

Es war eine Erinnerung, ein Warnhinweis meines Körpers, dass etwas zwischen Körper, Geist und Seele nicht in Balance ist. Sogesehen war es ein Fortschritt, gegenüber einem jahrelangen mich nicht spüren können. Wow, ich habe ja starke Gefühle in meinem Körper. Auch wenn es andere vielleicht als Rückschritt bezeichnen würden.

Es war keine schöne Erfahrung, aber eine wichtige. Viele Jahre habe ich meine Gefühle unterdrückt. Ich hatte das Gefühl, sie nicht zeigen zu dürfen. Und auch wenn die Panik nicht freiwillig war, so war es doch ein Zeichen, dass sich vieles geändert hat. Die Panik hat mir geholfen, besser zu mir stehen zu können. Besser auf mein Gefühl zu hören, meine Werte und Gefühle zu achten. Mich selbst zu achten und zu wertschätzen. Sie unterstützte mich dabei, nicht erneut gegen meine Werte und Gefühle zu handeln.