{"id":6168,"date":"2025-05-03T09:00:00","date_gmt":"2025-05-03T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/endsofwar.hypotheses.org\/?p=6168"},"modified":"2025-06-26T11:42:12","modified_gmt":"2025-06-26T09:42:12","slug":"die-lange-befreiung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/endsofwar.hypotheses.org\/6168","title":{"rendered":"Die lange Befreiung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das Ende des Zweiten Weltkriegs umfasst aus franz\u00f6sischer Perspektive viel mehr als den 8. Mai<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Von J\u00fcrgen Finger und Klaus Oschema<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eARRIVEE \u00c0 8 MAI 1945 DANS 5 MINUTES\u201c \u2013 in f\u00fcnf Minuten kommen wir am 8. Mai 1945 an. Diese Anzeige liest man nicht in einer der \u201eZeitmaschinen\u201c, die vielerorts mit Mitteln der Virtual Reality zum angeblich ungebrochenen Erleben der Vergangenheit einladen. Nein, sie erscheint im Bus 249 auf dem Weg von Aubervilliers nach Pantin, zwei Vororten von Paris. Stra\u00dfen, Pl\u00e4tze oder Kreisverkehre, die den Namen des 8. Mai tragen, besitzen keineswegs Seltenheitswert. In ganz Frankreich sind nicht weniger als 1909 davon zu finden. Doch h\u00e4ufig genug handelt es sich um wenig herausragende Orte, die gegen\u00fcber den verbreiteten \u201eAvenues du G\u00e9n\u00e9ral Leclerc\u201c (insgesamt 1503) weniger prominent und zentral sind. Au\u00dferdem t\u00e4uscht die Allgegenwart des \u201e8 mai\u201c: W\u00e4hrend sich in Deutschland das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs stark auf dieses schicksalhafte Datum konzentriert, an dem Deutschland kapitulierte, legt der Blick aus Frankreich andere Zeitlichkeiten und damit auch andere Fixpunkte nahe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Befreiungskampf im Stadtbild<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In Paris beginnt die Avenue du G\u00e9n\u00e9ral Leclerc an der Porte d\u2019Orl\u00e9ans, wo Leclerc 1944 Paris erreichte. Im S\u00fcden der Avenue liegt der Square du serment de Koufra: Im lybischen Koufra hatte Leclerc am 2. M\u00e4rz 1941 geschworen, die Waffen nicht eher niederzulegen, bis die Trikolore \u00fcber dem Stra\u00dfburger M\u00fcnster wehe. Am 23. November 1944 war dieser Schwur erf\u00fcllt. Im Norden endet die Avenue an der Place Denfert-Rochereau, wo eine Nachbildung des L\u00f6wens von Belfort an die Verteidigung der Stadt gegen die Preu\u00dfen 1870 erinnert. Hier befindet sich nicht nur der Eingang zu den Katakomben, sondern auch ein Museum mit dem etwas umst\u00e4ndlichen Namen <em>Mus\u00e9e de la Lib\u00e9ration de Paris \u2013 mus\u00e9e du g\u00e9n\u00e9ral Leclerc \u2013 mus\u00e9e Jean Moulin<\/em>. Es zeichnet die Lebenswege des Generals und des von der Gestapo ermordeten Widerst\u00e4ndlers nach und verschr\u00e4nkt sie mit der Befreiung von Paris. In einem Schutzraum unter dem Platz, verbunden mit den Katakomben, befand sich im August 1944 das Hauptquartier des Widerstandsk\u00e4mpfers Henri Tanguy, besser bekannt als Rol-Tanguy. Der Kommunist befehligte in den letzten Tagen der deutschen Besatzung den Aufstand der Pariser bis zum Eintreffen der Truppen Leclercs. Die Hauptstadt war am 25. August 1944 befreit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier und an vielen anderen Orten wird im Pariser Stadtbild deutlich: Ist vom Kriegsende die Rede, steht neben dem Sieg \u00fcber das nationalsozialistische Deutschland der lange Prozess von R\u00e9sistance und Befreiung im Zentrum. Entsprechend war der Terminkalender Emmanuel Macrons seit 2023 gef\u00fcllt mit Gedenkveranstaltungen im ganzen Land, die der Geographie der Befreiung folgen, von der Landung alliierter Verb\u00e4nde auf Korsika im September und Oktober 1943 \u00fcber die Landungsoperationen in der Normandie und der Provence bis zur Befreiung von Paris und Stra\u00dfburg. In wenigen Tagen werden die Unterzeichnung der deutschen Kapitulation am 7. Mai in Reims (eine zweite Zeremonie fand auf Wunsch Stalins am n\u00e4chsten Abend in Berlin-Karlshorst statt) und die \u00fcblichen Feierlichkeiten am 8. Mai in Paris die Reihe der Memorialakte abschlie\u00dfen. Koordiniert wird der landesweite Gedenkmarathon von einer \u201eMission Lib\u00e9ration\u201c, die Macron 2023 einrichten lie\u00df, und die tausenden Veranstaltungen im ganzen Land ein offizielles Label verlieh, darunter auch zwei Veranstaltungen des Deutschen Historischen Instituts Paris.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein schwieriger 8. Mai<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei alldem war der 8. Mai vor allem in den ersten Nachkriegsjahrzehnten in Frankreich ein schwieriger Gedenktag. Am 8. Mai 1945 war fast ganz Frankreich schon l\u00e4ngst befreit, meist seit Monaten. Zudem waren die Erfahrungen von Krieg und Befreiung ebenso unterschiedlich wie die Erwartungen, Hoffnungen und Bef\u00fcrchtungen, die sich an das Kriegsende kn\u00fcpften \u2013 je nachdem, ob man ein Anh\u00e4nger von Marschall P\u00e9tain gewesen war, ein Kollaborateur gar, ein K\u00e4mpfer des freien Frankreich, eine Widerst\u00e4ndlerin im Innern des Landes oder Teil der Mehrheit der Abwartenden. Am 8. Mai, so der Historiker Robert Frank, hatte das eine, das freie Frankreich nicht nur \u00fcber die Deutschen, sondern auch \u00fcber das andere Frankreich gesiegt, jenes von Vichy.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu dieser schwierigen Gemengelage passt der verworrene Weg des 8. Mai als Feiertag: Laut Gesetz n<sup>o<\/sup> 46-934 vom 7. Mai 1946 sollte der Sieg der franz\u00f6sischen und alliierten Armeen jeweils am 8. Mai gefeiert werden \u2013 wenn dieser auf einen Sonntag fiel. Ansonsten wich man auf den n\u00e4chstfolgenden Sonntag aus. Erst 1953 wurde der 8. Mai zum arbeitsfreien Feiertag \u2013 verlor diesen Status aber bereits 1959 unter Pr\u00e4sident Charles de Gaulle wieder. Im Rahmen der deutsch-franz\u00f6sischen Wiederann\u00e4herung erschien der allzu triumphalistische Akzent wenig opportun, die Feiern fanden nun wieder am zweiten Mai-Sonntag statt. Val\u00e9ry Giscard d\u2019Estaing verlegte das zentrale Gedenken ab 1975 sogar auf den 9. Mai, den Tag der Schuman-Erkl\u00e4rung von 1950, und verschob damit den Fokus auf den Proze\u00df der europ\u00e4ischen Einigung. 1981 lie\u00df Pr\u00e4sident Mitterand dann das Datum ohne weiteren Kommentar wieder in die Liste der arbeitsfreien Feiertage aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eDas Freie Frankreich war afrikanisch\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Man kann die Geschichte von Befreiung, Kriegsende und Erinnerung auf die eben pr\u00e4sentierte Weise erz\u00e4hlen. Allerdings fehlt dann mindestens die H\u00e4lfte der Geschichte, denn mit dem europ\u00e4ischen Geschehen ist die globale und koloniale Dimension des Zweiten Weltkriegs aufs engste verflochten. Wie im Ersten Weltkrieg k\u00e4mpften viele Kolonialsoldaten f\u00fcr \u201edas Mutterland\u201c. Gleich 1940 zahlten sie einen hohen Preis: W\u00e4hrend des Frankreichfeldzugs wurden mehrere tausend schwarze Soldaten von der Wehrmacht massakriert, rund 69.000 Soldaten wurden von ihren \u201ewei\u00dfen\u201c Kameraden isoliert und in Front-Stalags auf franz\u00f6sischem Territorium unter teils elendigen Bedingungen interniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beitrag kolonialer K\u00e4mpfer f\u00fcr die Verteidigung Frankreichs war damit nicht beendet. Wie der kanadische Historiker Eric T. Jennings 2014 pr\u00e4gnant im Titel einer einschl\u00e4gigen Studie formulierte: \u201eDas freie Frankreich war afrikanisch\u201c. Die kolonialen Eliten standen vor einer schwierigen Entscheidung: Sollten sie den Krieg verloren geben und zu Mar\u00e9chal Philippe P\u00e9tain und seinem \u201e\u00c9tat Fran\u00e7ais\u201c in Vichy halten? Oder sich auf die Seite de Gaulles schlagen, der vom Londoner Exil aus den Widerstand zu organisieren versuchte?<\/p>\n\n\n\n<p>In Tahiti f\u00fchrte die Verwaltung eine Volksbefragung durch, die nahezu einstimmig zugunsten de Gaulles ausfiel. Komplexer entwickelte sich die Situation in Indochina: Nach einer milit\u00e4rischen Invasion kontrollierte Japan faktisch das Territorium, gestand aber Vichy-Frankreich und seiner Kolonialverwaltung die Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber das Land zu. Entscheidend war aber die Entwicklung in Afrika: W\u00e4hrend Franz\u00f6sisch-Westafrika (AOF) P\u00e9tain die Treue hielt, gelang es den M\u00e4nnern de Gaulles, allen voran Philippe Leclerc de Hauteclocque (der sp\u00e4tere G\u00e9n\u00e9ral Leclerc) und Ren\u00e9 Pleven, im August 1940, die zentralafrikanischen Gebiete (AEF) auf ihre Seite zu ziehen. Dem aus Franz\u00f6sisch-Guyana stammenden Gouverneur des Tschad, F\u00e9lix \u00c9bou\u00e9, kam dabei eine zentrale Rolle zu. Deshalb war er 1949 der erste Farbige (sieht man vom \u201em\u00e9tis\u201c Alexandre Dumas ab), dessen Leichnam in den Panth\u00e9on \u00fcberf\u00fchrt wurde. Die Bedeutung der Ereignisse in der AEF wurde j\u00fcngst in einem 1000seitigen Bericht \u00fcber die Rolle Frankreichs in Kamerun erneut ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das subsaharische Afrika war die Ausgangsbasis f\u00fcr das \u201eFreie Frankreich\u201c (<em>France libre<\/em>) und sein Vordringen auf dem afrikanischen Kontinent und Richtung Maghreb. De Gaulle, der sich regelm\u00e4\u00dfig in Afrika und in \u201eseiner\u201c Hauptstadt Brazzaville aufhielt, verf\u00fcgte nun \u00fcber ein Territorium, eine Verwaltung, Soldaten, Rohstoffe und Eink\u00fcnfte \u2013 und damit auch \u00fcber Legitimit\u00e4t. Die effektive Organisation eines franz\u00f6sischen Beitrags zu den alliierten Kriegsanstrengungen w\u00e4re ohne die Kolonien undenkbar gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wei\u00dfmachen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die afrikanischen Soldaten k\u00e4mpften in der Colonne Leclerc (sp\u00e4ter: Zweite Panzerdivision) bei Koufra, im Fezzan und in Tunesien. Nach der Eroberung des Maghrebs, der zun\u00e4chst P\u00e9tain die Treue gehalten hatte, stie\u00dfen Kolonialtruppen aus Marokko, Algerien und Tunesien dazu und nahmen am Italienfeldzug 1943 und der Landung in der Provence am 15. August 1944 teil. F\u00fcr die amerikanischen und britischen Alliierten war der hohe Anteil kolonialer Truppen bei der Vorbereitung der Landung in der Normandie allerdings ein Problem. Sie forderten das \u201eblanchiment\u201c der Truppen, die nach Gro\u00dfbritannien verlegt werden und m\u00f6glichst \u201ewei\u00df\u201c sein sollten. Entsprechend der amerikanischen Praxis einer segregierten Armee, sollten Schwarze nicht in Kampftruppen eingesetzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die franz\u00f6sische Seite kam diesen Forderungen ohne gr\u00f6\u00dfere Gegenwehr nach, hatte aber erhebliche personelle Schwierigkeiten: Mehr als die H\u00e4lfte der freifranz\u00f6sischen Bodentruppen im Sommer 1944 stammte aus den Kolonien, darunter vor allem Infanteristen, sogenannte <em>tirailleurs<\/em> aus den verschiedenen afrikanischen Territorien. Das \u201eblanchiment\u201c betraf allerdings nur die Soldaten aus dem subsaharischen Afrika. Tirailleurs aus Marokko, Algerien und Tunesien und das Bataillon du Pacifique mit Soldaten aus Neukaledonien und Polynesien \u201edurften\u201c in Nordfrankreich k\u00e4mpfen. Die Division Leclerc bestand immer noch zu etwa einem Viertel aus Soldaten aus dem Maghreb. Nur ein schwarzer Soldat k\u00e4mpfte mit ihnen bei der Befreiung von Paris und schaffte es sp\u00e4ter bis nach Berchtesgaden zu Hitlers Berghof, denn er fiel durchs rassistische Raster: Claude Mademba Sy war nicht nur ein erfahrener Panzerkommandant, sondern in Versailles geboren und franz\u00f6sischer Staatsb\u00fcrger.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zweites \u201eblanchiment\u201c erfolgte nach der Befreiung Frankreichs: Die Soldaten aus dem subsaharischen Afrika wurden demobilisiert und entwaffnet, nach Afrika eingeschifft und durch Angeh\u00f6rige der Forces Fran\u00e7aises de l\u2019Int\u00e9rieur ersetzt. Oft schlecht ausgebildete und wenig kampferprobte K\u00e4mpfer des inneren Widerstands bildeten das Gros der Armee Rhin et Danube, die den Rhein im S\u00fcden \u00fcberquerte, der Donau folgte und bis \u00d6sterreich vorstie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entt\u00e4uschte Hoffnungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Kolonien und ihre Einwohner hatten Frankreich im Kampf befreit und den Widerstand gegen Deutschland \u00f6konomisch wie finanziell getragen. All das weckte Hoffnungen auf Unabh\u00e4ngigkeit oder zumindest gr\u00f6\u00dfere Autonomie und politische Teilhabe \u2013 Hoffnungen, welche die wiedererrichtete Republik entt\u00e4uschte. Zaghafte kolonialpolitische Reformen, wie sie etwa auf der Konferenz von Brazzaville (30. Januar bis 8. Februar 1944) angek\u00fcndigt worden waren, wurden verz\u00f6gert, halbherzig oder gar nicht umgesetzt und stie\u00dfen auf den Widerstand der Siedler.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch in vielen Kolonien und Protektoraten hatte der Krieg wie ein Katalysator gewirkt: Die Mandatsgebiete in Libanon (1943) und Syrien (1945) wurden unabh\u00e4ngig \u2013 in Syrien gegen den vehementen milit\u00e4rischen Widerstand der Franzosen. Die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen am 8. Mai 1945 im Constantinois, im Norden Algeriens, und die darauffolgenden Pogrome durch Polizei, Milit\u00e4r und bewaffnete Siedler bilden ein Scharnier zwischen Weltkrieg und Vorgeschichte des Algerienkriegs, wie Jens Hanssen in diesem Dossier genauer erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<p>In Indochina gewann Frankreich nur mit britischer Hilfe ansatzweise wieder die Kontrolle, bevor das Bombardement von Ha\u00efphong zum Auftakt f\u00fcr den Indochinakrieg wurde. Dieser endete erst an einem anderen 8. Mai, n\u00e4mlich 1954, als in Di\u00ean Bi\u00ean Phu die letzten franz\u00f6sischen Soldaten kapitulierten. Die Niederschlagung des madegassischen Aufstands 1947 forderte wohl \u00fcber zehntausend Tote. Die Opferzahlen sind bis heute umstritten \u2013 bezieht man die an Hunger und Krankheit Verstorbenen ein, erscheinen mehrere Zehntausend plausibel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte des Weltkriegs kann also nur als verflochtene Geschichte geschrieben werden, zu der auch die Prozesse der Dekolonisation geh\u00f6ren. Das gilt auch f\u00fcr die Nachgeschichte des Krieges. Trotz aller Forschungen dominiert in der \u00d6ffentlichkeit immer noch die Erfolgsgeschichte von Vers\u00f6hnung und europ\u00e4ischer Einigung als Lehren aus dem Krieg. Das ist sicher nicht falsch, unterschl\u00e4gt aber die fortbestehende koloniale Dimension, worauf Alexandra Kemmerer in dieser Zeitung (19.6.2024) hinwies. So sah der Vertrag \u00fcber die EWG 1957 einen Sonderstatus f\u00fcr Algerien vor. Die anderen franz\u00f6sischen, niederl\u00e4ndischen, belgischen und italienischen Territorien sollten assoziiert werden. Genau genommen brachten nur Deutschland und Luxemburg keine au\u00dfereurop\u00e4ischen Territorien in das europ\u00e4ische Projekt mit. Aus franz\u00f6sischer Perspektive geh\u00f6rten dagegen das neue Europa und das Kolonialreich zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sp\u00e4te Anerkennung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Tirailleurs sind \u00fcbrigens im \u00f6ffentlichen Raum pr\u00e4sent. Ihnen sind insgesamt 40 Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze in ganz Frankreich gewidmet, wobei sich manche Benennungen auf den Ersten Weltkrieg beziehen, andere auf Massaker wie etwa in Erquinvillers (Oise), wo Wehrmachtssoldaten 1940 mehrere Hundert afrikanische Kriegsgefangene erschossen. Die Pariser Place des tirailleurs s\u00e9n\u00e9galais wurde erst 2023 eingeweiht, eine gepflasterte Fl\u00e4che mit Stra\u00dfenbahnhaltestelle an der n\u00f6rdlichen Peripherie der Stadt. Ein Transit-Ort ohne Aufenthaltsqualit\u00e4t, aber bedeutsam, weil in den umliegenden Quartieren afrikanische Veteranen des Weltkriegs und der Kolonialkriege lebten und leben. Die Tirailleurs und andere kolonisierte Soldaten erfahren damit eine sp\u00e4te Anerkennung daf\u00fcr, dass sie erst gegen die Deutschen und f\u00fcr die Befreiung Frankreichs, dann f\u00fcr den Erhalt des Kolonialreichs k\u00e4mpften und starben: <em>morts pour la France<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\"><strong>Klaus Oschema<\/strong> ist Professor an der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum und Direktor des Deutschen Historischen Instituts Paris (DHIP). <br><strong>J\u00fcrgen Finger<\/strong> leitet dort die Abteilung Neueste Geschichte und Zeitgeschichte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Ende des Zweiten Weltkriegs umfasst aus franz\u00f6sischer Perspektive viel mehr als den 8. 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