In diesem Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Während in Europa der 8. Mai 1945 und die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht das Ende des Krieges markiert, gibt es global verschiedene Zeitpunkte, die als „das Ende des Krieges“ gelten. In unserer Podcast-Miniserie „Wissen entgrenzen: The Ends of War“ beleuchten wir diese unterschiedlichen Erinnerungskulturen und Perspektiven auf das Kriegsende.
In der zweiten Folge unserer Miniserie nehmen wir weltweite Migrationsbewegungen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg in den Blick. Gemeinsam mit Simone Lässig vom DHI Washington und Richard Wittmann vom Orient-Institut Istanbul sprechen wir über Fluchtrouten, die aus dem nationalsozialistischen Deutschland, aber auch aus anderen Teilen Europas führten.
Ein Leben im Exil zwischen Transit und Neuanfang
Simone Lässig ist Direktorin des DHI Washington und Expertin für jüdische Geschichte sowie globale Migrationsbewegungen. Im Podcast berichtet sie uns von dem Schicksal des jüdischen Deutschen Heinrich Hartmut Arnhold. Seine Flucht führte ihn über die Schweiz, Norwegen, Schweden und Kuba, bis er schließlich in den USA eine neue Heimat fand.
Arnholds Geschichte verdeutlicht die langwierigen und oft belastenden Phasen des Exils. Viele Geflüchtete lebten über Jahre hinweg in einer Art Zwischenwelt, ohne festen kulturellen oder politischen Bezugspunkt:
Es gibt eine Phase […] eines Dazwischen. Also das nicht mehr dazugehören zu einem kulturellen oder staatlichen Kontext und das noch nicht angekommen sein in einem anderen Kontext, in dem man sich wirklich vorstellen kann, Zukunft zu gestalten, eine neue Heimat finden zu können und überhaupt Vorstellungen von Zukunft entwickeln zu können.“
Unerwartete Herausforderungen des Exils in der Türkei
Richard Wittmann, Direktor des Orient-Instituts in Istanbul, beschäftigt sich in seiner Forschung mit der Geschichte der islamischen Welt. Besonders interessieren ihn dabei die Rechtsgeschichte der Türkei und die immer wiederkehrenden Bezüge zu Deutschland in der türkischen Geschichte. Für die Podcastfolge haben wir mit ihm über Traugott Fuchs gesprochen. Fuchs emigrierte 1935 aufgrund politischer Verfolgung aus Deutschland in die Türkei, wo er zunächst in Istanbul Zuflucht fand. Als die Türkei im August 1944 dann aber ihre Neutralität aufgab, mussten alle Personen mit deutschem Pass das Land entweder verlassen oder wurden in Kleinstädte außerhalb Istanbuls verbannt. Ein Missverständnis durch einen Übersetzungsfehler führte zu Verwirrung: Statt einer Internierung in Lagern hatte das türkische Parlament eine historische Strafe verhängt, die in Mitteleuropa seit Jahrhunderten nicht mehr existierte:
Es gab in der Türkei eine Strafform, die es in Europa, in Zentraleuropa zu diesem Zeitpunkt seit 200, 300 Jahren nicht mehr gab, nämlich die Verbannung an einen anderen Ort. Und das war das, was tatsächlich das Parlament beschlossen hatte. Die Deutschen mussten es akzeptieren, dass sie an einem anderen Ort in der Türkei ihr Dasein fristen.“
Warum es so wichtig ist, Migrationsbewegungen dieser Zeit in einem globalen Kontext zu betrachten und welche Lehren wir daraus für die heutige Zeit ziehen können, erfahrt ihr in dieser Folge.
Themenheft “Weltweit vor Ort”: https://publish.flyeralarm.digital/weltweit-vor-ort-02-2024-the-ends-of-war/#weltweit-vor-ort-022024-the-ends-of-war/1
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: Max Weber Stiftung (2. April 2025). Podcastserie “The Ends of War” – Folge 2: Emigration und Kriegsflüchtlinge. Ends of War. Abgerufen am 3. April 2026 von https://doi.org/10.58079/13mzj