In diesem Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal. Während in Europa der 8. Mai 1945 und die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht das Ende des Krieges markiert, gibt es global verschiedene Zeitpunkte, die als „das Ende des Krieges“ gelten. In unserer Podcast-Miniserie „Wissen entgrenzen: The Ends of War“ beleuchten wir diese unterschiedlichen Erinnerungskulturen und Perspektiven auf das Kriegsende.
In der ersten Folge unserer Miniserie rücken wir die Erinnerung an den Holocaust in den Mittelpunkt. Wir sprechen mit Magdalena Saryusz-Wolska vom Deutschen Historischen Institut (DHI) Warschau und Anna-Carolin Augustin vom DHI Washington über Orte und Objekte, die bis heute an den Holocaust erinnern.
Die vergessenen Orte des Holocaust
Magdalena Saryusz-Wolska, Direktorin des DHI Warschau, erforscht Erinnerungsorte des Holocaust jenseits der bekannten Konzentrationslager. Insbesondere befasst sie sich mit Massenerschießungen, bei denen etwa ein Viertel der Holocaust-Opfer in Ost- und Mitteleuropa ermordet wurde. Trotz ihrer historischen Bedeutung sind viele dieser Orte heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Ihre Forschung bringt diese „verlorenen“ Erinnerungsorte wieder ans Licht:
Es ist mir wichtig zu zeigen, dass der Holocaust überall dort stattfand, wo es Juden gab und wo die deutsche Besatzung herrschte. Nicht nur hinter den Mauern der Konzentrations- und Vernichtungslager oder den großen Ghettos in Warschau und Krakau, sondern auch in kleinen Dörfern und Städtchen, wo die Ghettos oft offen waren.“
Displaced Objects – Objekte als Zeugen des Holocaust
Anna-Carolin Augustin widmet sich einem anderen Aspekt der Holocaust-Erinnerung: den sogenannten Displaced Objects. Dabei handelt es sich unter anderem um jüdische Ritualgegenstände, die während der Verfolgung von den Nationalsozialisten beschlagnahmt, geraubt oder zerstört wurden. Viele dieser Objekte sollten nach Kriegsende an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden – doch oft konnten diese nicht mehr ermittelt werden.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten diese Objekte eine immense Bedeutung für die Überlebenden und die jüdische Gemeinschaft insgesamt. Bereits in den Displaced Persons Camps entstanden historische Kommissionen, die gezielt nach diesen Gegenständen suchten. Sie wollten einerseits Beweise für die nationalsozialistischen Verbrechen sammeln, andererseits diese Objekte bewahren, um die Geschichte des zerstörten europäischen Judentums zu dokumentieren.“ (S. 19)
Wie in der polnischen Gesellschaft heute an die Verbrechen des Holocaust erinnert wird und welchen Weg die Displaced Objects genommen haben, erfahrt ihr in dieser Folge.
Themenheft “Weltweit vor Ort”: https://publish.flyeralarm.digital/weltweit-vor-ort-02-2024-the-ends-of-war/#weltweit-vor-ort-022024-the-ends-of-war/1
OpenEdition schlägt Ihnen vor, diesen Beitrag wie folgt zu zitieren: Max Weber Stiftung (2. April 2025). Podcastserie “The Ends of War” – Folge 1: Erinnerung an den Holocaust. Ends of War. Abgerufen am 4. April 2026 von https://doi.org/10.58079/13mzk