Fazit 2023

Sommer in Schottland | ©2023 Kiki Thaerigen

Haare länger oder kürzer?
Erst waren sie immerhin schon fast schulterlang, denn ich versuch’s ja alle dreißig Jahre mal, mir langes Haar wachsen zu lassen. Aber langes Haar macht mich erfahrungsgemäß wahnsinnig, außerdem passt es so ganz und gar nicht zu mir, und so kam die ganze Pracht irgendwann wieder runter. Jetzt Pixiecut, demnächst dann vermutlich wieder der klassische Pilzkopf.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleitsichtiger.

Mehr bewegt oder weniger?
Physisch? Wieder etwas mehr, allein schon durchs Radfahren statt Bahnfahren. Außerdem Krafttraining für den Rücken und Yoga für die Flexibilität.
Im übertragenen Sinne? Nicht viel.

Der hirnrissigste Plan?
Ein Buch zu schreiben und gleichzeitig eine thematisch ähnliche Geschichte im Bärenabo zu erzählen. Irgendwann musste ich die Arbeit am Buch liegen lassen, das hat mir zu viele Knoten im Hirn verursacht. Ich werde die Geschichten im Bärenabo vermutlich künftig mehr vorarbeiten müssen und nicht mehr spontan täglich weiterspinnen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Fahrradfahren in Hamburg. Was ist mit den Leuten?! Ich fahre im Schnitt an zwei Tagen in der Woche jeweils quer durch die Stadt, ca. 18 km einfache Fahrt. Wirklich jedes Mal erlebe ich eine Situation, bei der meine Schutzengel ganz offensichtlich Überstunden machen. In neun von zehn Fällen sind die Übeltäter AutofahrerInnen in SUV, der zehnte dann RadfahrerInnen in SUV, a.k.a. Bakfiets oder Lastenfahrräder mit Elektroantrieb. Denen ist ja auch jedes Leben außer das ihrer eigenen Blagen in der Kiste vorne schietegol. Ich weiß gerade nicht, wen von beiden ich mehr hasse.

Die teuerste Anschaffung?
Die neue Brille. Uff.

Erkenntnis des Jahres?
1. Alle bekloppt. Ich muss mich mehr auf meine guten, alten Gen X Qualitäten besinnen und Idioten im Netz gar nicht erst mehr antworten, sondern sie einfach direkt blocken.

2. Manche Menschen sind einfach wunderbar. Ja, auch im Netz.

Beste Entscheidung des Jahres?

Nicht aufzugeben.

Schönstes Ereignis?

Kein Ereignis direkt, aber dadurch, dass ich nicht verreist bin, hatte ich den Sommer und Herbst über noch immer einen schönen, bunten Balkon, den ich sehr als zweites Wohnzimmer (und manchmal Arbeitszimmer) genossen habe. Das werde ich wohl dieses Jahr wieder so machen.

Und: Ich habe dieses Jahr viel Kilt getragen, das war schön, das hat Spaß gemacht, mir und anderen, und das werde ich mindestens noch dieses Jahr so weiterführen. Allerdings werde ich mich vom Großteil meiner Kilts wieder trennen und nur noch die liebsten drei oder vier behalten.

Essen des Jahres?
Ich esse eigentlich immer sehr gut. Aber ein bestimmter Streetfoodabend in Ottensen ist mir in ganz besonderer Erinnerung geblieben.

(TV-)Serie des Jahres?

Ich lasse das „TV“ mal weg bzw. setze es in Klammern, denn das ist hier einfach nicht mehr zeitgemäß.

Die sechste und letzte Staffel von The Crown fand ich tatsächlich sehr gut, wenn auch mit einem für meinen Geschmack etwas zu langen Aufenthalt beim Thema Lady Diana, das ich einfach nur schrecklich langweilig und uninteressant fand. Die ersten beiden Staffeln der Serie bleiben jedoch für mich die besten und ganz großes Kino, aber das wird sicher auch daran liegen, dass ich diese Zeit halt selbst nicht miterlebt habe. 

Auf Youtube beeindruckt mich nach wie vor das Vlog bzw. die Dokumentation des Engländers, der in Frankreich ein verfallenes Château gekauft hat und es alleine restauriert. Also, nicht mit Geld, sondern mit seinen eigenen zwei Händen. Gerade ist er beim Bau des Mansardendachstuhls. Absolut irre.

Das beeindruckendste Buch?
Richard Overy: The Morbid Age – Britain and the Crisis of Civilisation, 1919 - 1939
(Affiliatelink) Ich habe seit jeher eine Schwäche für das Großbritannien der Zwischenkriegszeit, und unter den vielen Büchern, die ich inzwischen zum Thema gelesen habe, stach dieses besonders dadurch heraus, dass auf jede Romantisierung verzichtet wurde. Das machte es erschreckend aktuell, fand ich. 

Die beste Ausstellung?
Ich war dieses Jahr nicht in sehr vielen Ausstellungen, aber „Geniale Frauen“ im Bucerius Kunst Forum gefiel mir zuletzt sehr gut. Ich hätte gern die Turner-Ausstellung in München gesehen, oder die Vermeer Ausstellung in Amsterdam, aber Reisen sind bis auf Weiteres leider nicht drin.

Die beste Musik?
Tatsächlich ein tiktok-Fundstück; Teddy Swims “I Lose Control”. Musikalisch, textlich, stimmlich ein Ereignis. Nur anschauen darf ich den Typen nicht, den finde ich total gruselig, dabei ist er vermutlich sehr nett, das ist ja oft so bei Leuten, die sich selbst entstellen. Interessant fand ich seine Aktion auf tiktok, bei der er andere KünstlerInnen aufgefordert hat, ihre eigene Strophe zu texten und zu gestalten, als Stitch. Das führte dann zu solchen Perlen wie dieser hier oder auch dieser hier.

Ansonsten hat mich recht wenig neue Musik gefunden, die mir noch in Erinnerung wäre. Ich habe kein Spotify, höre kein Radio und schaue kein TV. Ab und an läuft in irgend einem Video ein Stück, das mir gefällt, aber selten in Erinnerung bleibt. 

Tiktok hingegen bleibt inspirierend, frisch, kreativ, originell – ich weiß nicht, ob ich einfach nur Glück mit dem Algorithmus habe, oder ob andere, die von ganz finsteren Gegenden auf der Plattform reden, einfach nur Pech haben. Ich habe dort noch nichts gesehen, was ich kriminell, abstoßend, oder besorgniserregend fände. 

Das schönste Konzert?
In der Elphi, mein Geburtstagsgeschenk. Das war ein Zauberabend.

Die meiste Zeit verbracht mit …?
Schreiben und Malen. Das ist okay.

Die schönste Zeit verbracht mit …?
Familie und Freunden.

Vorherrschendes Gefühl 2023?
Nicht das jetzt noch!

2023 zum ersten Mal getan?
Einen Fahrradhelm gekauft. Ich hatte zwar noch einen Skateboardhelm, aber da ich mit dem auf dem Skateboard gestürzt war und er seinen Job getan und meinen Kopf gerettet hat, musste ich ihn wegwerfen. Nicht, dass ich ihn auf dem Fahrrad je getragen hätte, ich habe noch nie im Leben einen Fahrradhelm getragen und finde das auch jetzt eine absolute Zumutung. Aber Hamburg hasst Radfahrer, anders kann ich mir diese kranke Verkehrsführung nicht erklären. Und ich bin ja doch lieber eher prag- als dogmatisch.

2023 nach langer Zeit wieder getan?
Gefilmt. Demnächst auf YouTube.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?
Die weltpolitische Lage, die Baustellensituation im Hamburger Westen, administratives Gedöns.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich will niemanden von irgend etwas überzeugen. Außer natürlich vom Bärenabo. Damit ich auch nächstes Jahr bei der Frage nach der besten Entscheidung dasselbe antworten kann.
Ansonsten: Macht, was Ihr wollt und was Euch glücklich macht – so lange es niemandem sonst schadet und so lange es nicht davon abhängt, dass es von anderen Menschen anerkannt wird.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Zeit.

2023 war mit einem Wort …?
Anstrengend.