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Kompost machen wir später

(Berliner Bärlaich im Plänterwald, leider stürzt die Seite dauernd ab, wenn ich die Bu machen will.)

Seit fast zehn Jahren habe ich einen Schrebergarten. Oft frage ich mich, wie ich das. Leben sonst ertragen hätte. Nicht, dass ich Grund zu klagen gehabt hätte, im Gegenteil, aber als notorischer Giftschleuder liegt mir das Meckern einfach mehr. Hier nun sollen kleine Geschichten und  Beobachtungen aus dem Gartenleben stehen, und weil das Interesse für die Natur bei mir mit dem Altern zunimmt, geht es auch daum. Im Garten kann man das eigene Altern, den,Verfall und das Humuswerden sehr anschaulich lernen.

himmelwärts

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GUCKT MAL IN DEN HIMMEL
Wie gut, dass ich da nicht drinsitze! Früher lösten Flugzeuge am Himmel bei mir Fernweh aus. Meine Laubenvorbesitzerin hinterließ ein recht zerfleddertes DDR-Buch mit Bildchen internationaler Flugzeugtypen. Für die alte Dame müssen die im Tiefflug nach Tegel donnernden oder in unerreichbare Fernen abhebenden Flugzeuge noch ganz andere Sehnsüchte geweckt haben. Wenn ich die zu Start oder Landung ansetzenden Düsentriebmonster überhaupt noch bemerke, dann nehme ich sie als Aufforderung, mal nach oben in den Himmel zu gucken. Ein Anlass, Knie und Kreuz zu strecken, Kopf in den Nacken zu biegen, den Rücken durchzudrücken, bis es knackst. Kein Mensch nutzt ja diese rückenschonend langstieligen Werkzeuge. Buddeln ist nur schön, wenn man sich krumm und dreckig macht. Schrebergärten liegen an Bahntrassen, an Böschungen zu Schnellstraßen oder, wie bei uns, in der Einflugschneise. Eben da, wo es zum dauerhaften Wohnen nicht so toll wär. Was stadtplanerisch Sinn macht, oder mit gutem Grund so gewachsen ist, hat auch etwas Dialektisches: Wo wir Gärtner uns erden, läuft der Fernverkehr vorbei. Wo wir kurzsichtig wie Grottenolme im Untergrund wühlen und wurzeln, da heben andere ab und lassen alle Erdenschwere hinter sich. Wir genießen das Gegenteil, aber der gelegentliche Blick in den Himmel tut nicht nur dem Rücken wohl, er weitet immer wieder auch das Herz. Für das Glück zu sein – im Hier und im Fort.